Bio Natur - Der Weblog

25.7.2011

Nachhaltigkeit kommt in Mode: Recycling als Modetrend

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 23:25


Gegen die Schnelllebigkeit in der Modebranche

Dass sich die Begriffe Bio, Fairtrade, Öko usw. mittlerweile sehr gut und damit auch gewinnbringend vermarken lassen und dementsprechend der stetig steigenden Klientel mit vollmundigen Versprechen und Kampagnen unter die grünen Nasen gerieben wird, hat sich wohl bis in die hintersten Winkel herumgesprochen. Dass die schwarzen Schafe dabei dicke Mäntel aus biologisch angebauter Schurwolle zu Markte tragen, ist deshalb auch eine Modeerscheinung mit Gewinnabzielungsabsicht. Aber trotzdem lässt sich manchmal die grüne Spreu vom gentechnisch manipulierten Weizen trennen.

Auf Global 2000 bin ich also auf ein Interview mit zwei jungen, aber schon äußerst erfolgreiche DesignerInnen gestoßen. Im Artikel “Bio und Fairtrade - Trendwende zurAustrianfashion.net: Austauschform für Modeschaffende namens Austrianfashion.net, eine Initiative und ein Netzwerk, welche österreichisches Modedesign über die Grenzen des Landes hinaustragen möchte. grünen Modelandschaft” erklären Claudia Rosa Lukas und Wolfgang Langeder, was es für sie bedeutet, in Zukunft nachhaltige Mode langfristig und trotzdem erfolgreich auf dem rasanten und sich ständig verändernden Modesektor zu etablieren. Denn, wie ich unlängst in meinem Artikel Magischer Abfall: Künstlerische Ader der Umweltbelastung bereits geschrieben habe, entdecken immer mehr Menschen besonders der jüngeren Generation jene Dinge, Materialien und Werkstoffe welche für “Normalsterbliche”, man möge mir diesen Ausdruck nachsehen, als wertlos und unnütz erachtet werden.

Und weil dies auch publik gemacht werden sollte, verweise ich neben dem oben erwähnten Interview auch auf zwei Plattformen. Zum einen sei hier die von Claudia Rosa Lukas und Wolfgang Langeder mit begründete Austauschform für Modeschaffende namens Austrianfashion.net genannt, eine Initiative und ein Netzwerk, welche österreichisches Modedesign über die Grenzen des Landes hinaustragen möchte. Und zum anderen möchte ich das Wiener Unternehmen Backhausen namentlich nennen, welches durch ein sogenanntes Cradle-to-Cradle System die verkauften Stoffe nach Ende eines hoffentlich langen Lebenszyklus wieder zurücknimmt und einer Wiederverwertung zuführt. Von der Wiege zurück zur Wiege und nicht, wie so oft in der Modebranche üblich, von der Hand in den Mund und danach auf die Mülldeponie, sondern Returnity-Stoffe, welche nach Gebrauch ein neues Leben zu beginnen.

So, zum Schluss wieder einmal der obligatorische Hinweis: Für die Nennung der Firma bzw. der Plattform bekomme ich weder Geld noch andere geldwerte Vorteile. Wäre zwar schön, aber dies geschieht aus freien Stücken, freiem Willen und sonstigen Freiheiten, welche sich Paul Bögle eben so nimmt. Bezahlte Artikel werden deutlich von mir gekennzeichnet, aber dies wissen viele meiner LeserInnen sowieso schon.  

16.7.2011

Collaborative Consumption oder Gemeinschaftskonsum

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 13:34


Paul Bögle: Col­la­bo­ra­tive Con­sump­tion oder GemeinschaftskonsumIch zeig Dir meins und Du gibst mir Deins!

Auch wenn sich Ausstellungen wie jene im niederösterreichischen Krems gezeigten “magischen Abfälle” nur marginal als Problemlöser für den durch unsere tagtäglich gelebte Religion namens Konsumwahnsinn und die damit verbundenen Folgeschäden an Fauna, Flora und seelischem Gleichgewicht erweisen, schöpfen kreative Köpfe pausenlos neue Möglichkeiten aus dem schier unendlichen Zauberhut Gehirn, um den drohenden Kollaps wenn schon nicht abzuwenden, so zumindest zu verlangsamen. Und so macht seit einiger Zeit ein neuer Ansatz die Runde. “Col­la­bo­ra­tive Con­sump­tion“ lautet das nächste Allheilmittel für all unsere meist selbst verursachten Probleme. Und eben jener uneingeschränkte Konsum als Massenwahnsinn auf singulärer Ebene soll durch Gemeinschaftskonsum in neue Bahnen gelenkt werden.

Weg von der EinzelkämpferInnen-Mentalität “Kauf ich, brauch ich, brauch ich nicht mehr, werf ich weg” und hinüber ins bisher weitgehend unerforschte Lager altruistischer Mehrfach-Verwendung mit marktwirtschaftlicher Grundhaltung. So zumindest suggeriert es uns dieses neudeutsche Wortspiel Col­la­bo­ra­tive Con­sump­tion“, welches aber bei näherer Betrachtung gar nicht so weltneu ist. Denn Ebay bietet seit langer Zeit das beste Beispiel, wie aus nicht mehr benötigten Artikeln, nutzlos gewordenen Produkten und unbrauchbaren Dingen (z.B. Kinderwagen, Babykleidung etc.) der Wegwerfprozess unterbrochen wird und stattdessen ein neuer Wertschöpfungsprozess in Gang gesetzt wird. Dass dabei finanzielle Interessen im Vordergrund stehen, ist unbestritten. Dass aber gleichzeitig Verbrauchsgüter zu neuen Gebrauchsgütern umgewandelt werden und anstatt auf dem unüberschaubaren Müllberg der Geschichte oder bestenfalls dem etwas kleineren Gipfel der Mülltrennung zu landen, anderen Menschen nützliche Dienste erweisen, wird vielfach übersehen. Dies ist beileibe keine Werbung für Ebay oder ähnliche Plattformen, sondern soll anhand eines anschaulichen Beispiels verdeutlichen, welchen Ansatz die Britin Rachel Botsman wählt.

Wenn Sie jetzt übrigens schon genug von meinen singulären “Schreib ich, veröffentlich ich, habe ich abgehandelt, schreib ich eben was Neues” Tiraden haben, können Sie selbstverständlich auch gleich zu jenem Video von Frau Botsman Rachel Botsman: The case for collaborative consumption wechseln. Natürlich wäre ich ziemlich böse, wenn Sie mich mit meinen Ausführungen so einfach sitzen ließen, aber ich kann es nicht ändern. Schließlich hätte ich ja den Link zum Video ganz am Schluss plazieren können, um Sie zum Weiterlesen zu animieren. Ach, Sie lesen trotzdem weiter? Nun gut, dies bedeutet, irgendwann wird Ihnen Ihre Neugierde zum Verhängnis, aber es gibt schlimmere Dinge.

Zu Anfang ihrer Ausführungen stellt sie an das Publikum die Frage und bittet um Handzeichen, wieviele der Anwesenden zuhause irgenRachel Botsman: Collaborative Consumption. Gemeinschaftskonsum als Lösungsvorschlag gegen Umweltprobleme und Müllberge.dwelche CDs, Bücher oder Videos herumliegen haben, welche eigentlich keinerlei Verwendung mehr haben. Was kommt, brauche ich wohl kaum weiter auszuführen. Alle anwesenden Personen im Publikum heben das zarte Konsumpatscherchen. Jeder Mensch, zumindest jeder Mensch der sogenannten Ersten Welt oder eben ehrenwertes Mitglied einer Industrienation, hat unzählige Staubfänger in den überladenen Regalen, längst vergessene Konsumleichen in den Kellern und was eben sonst noch so im Laufe der Jahre seinen Platz irgendwo findet oder als unliebsames Weihnachtsgeschenk in der untersten Schublade landet.

Wegwerfen wäre die eine Möglichkeit, Ebay als Beispiel die andere. Doch mittlerweile hat sich dieser Gemeinschaftskonsum auch in anderen Bereichen unseres Alltags breitgemacht. Denken Sie an sogenannte Citybikes, welche von Menschen geliehen werden, um nach Gebrauch von anderen Menschen wieder benutzt zu werden. Fahrgemeinschaften wären rein theoretisch ein gutes Beispiel, wenn es denn funktionieren würde. Das unlängst auf meinem Blog vorgestellte Projekt über Obstallmende dagegen ist ein wundersames Beispiel, wie sich Güter von Einzelnen, sei es nun Privatperson oder Kommune, in den Dienst der Allgemeinheit stellen lassen. Ebenfalls nicht unerwähnt lassen möchte ich dabei das auch schon von mir kurz angerissene Carrot Mobbing. Secondhandläden, Umsonstgeschäfte oder das Couchsurfing, welches die Gastfreundschaft von Menschen zu Hilfe nimmt. Col­la­bo­ra­tive Con­sump­tion begegnet uns eigentlich schon an vielen Ecken und Enden, ohne dass wir dies bewusst wahrnehmen. Doch dieser Subkonsum kann weiterentwickelt werden. Wie oft im Leben brauchen wir etwa eine Bohrmaschine? Oder was machen wir mit unserem Stückchen Garten, wenn uns der grüne Daumen fehlt, die Nachbarsfamilie mit eben diesem Öko-Händchen gesegnet ist, dafür aber nicht über das entsprechende Fleckchen Erde verfügt? Genau, wir teilen!

Wie schon gesagt. Rachel Botsman hat nicht das Rad neu erfunden. Aber wenn sich durch solche Ideen auf der einen Seite unser Konsumzwang und -wahnsinn zügeln und andererseits der von den Anbietern und Herstellern forcierte Konsumrausch und -terror effektiv bekämpfen lässt, sollten wir Col­la­bo­ra­tive Con­sump­tion doch in Erwägung ziehen. Dass wir dadurch unsere Haushaltskasse schonen können, ist sicherlich kein unliebsamer Nebeneffekt. Die von Frau Botsman geäußerte Aussage “Im 20. Jahrhundert gab es den Hyper-Konsum. Das 21. wird das Jahrhundert des Gemeinschaftskonsums” (siehe dazu Das Ende des Konsumterrors CSCP Konferenz zu nachhaltigen Lebensstilen in Köln) ist dementsprechend keine Phrasendrescherei, sondern umreißt meines Erachtens vielmehr in kurzen Worten, welcher Weg uns eigentlich vorgegeben ist.

Dass hierbei die neuen Möglichkeiten und Formen der Kommunikation und die rasante Entwicklung von Netzwerktechnolgien von Vorteil für diese Art gemeinschaftlicher Nutzung von Gütern und wohl auch Dienstleistungen sind, mag sicherlich richtig sein. Wenn Rachel Botsman jedoch zu dem Schluss kommt, dass für eine erfolgreiche Umsetzung solcher Ziele das menschliche Vertrauen eine fast schon zwingende Voraussetzung ist, wird es meiner Meinung nach schon schwieriger. Wenn es dann noch unabdinglich ist, dass sich solch ein Vertrauen auf einer Ebene wildfremder Menschen entwickeln muss, wird die Sache noch problematischer. Und wenn schlussendlich Botsman zum Ergebnis kommt, dass der Antriebsmotor für dieses zugrundelgelegte Vertrauen das Bedürfnis der Menschheit ist, Teil einer Gemeinschaft zu sein oder wenigstens zukünftig zu werden, sehe ich jetzt viele gemeinschaftlichen Felle langsam im Güterstrom davonschwimmen. Aber möglicherweise bin es ja gerade ich, welcher dem innewohnenden Vertrauen der Menschheit zuviel Misstrauen entgegenbringt.

Aber da darf ich zu meiner Entschuldigung vielleicht anmerken, dass schon 1935 die “Kirschen in Nachbars Garten” bei Liesl Karlstadt, Karl Valentin und anderen zu erheblichen Streitigkeiten, Anschuldigungen und Anfeindungen geführt haben. Ob dabei ein gelegtes Entenei wie in jenem Film ein Allheilmittel darstellt, wage ich zu bezweifeln. Aber möglicherweise irre ich auch hier wiederum. Hat nicht auch bereits Columbus durch solch profane Hilfsmittel wie ein Ei die Welt davon überzeugt, dass alle hätten Amerika entdecken können, aber nur er hat letztendlich diesen Konjunktiv in die Tat umgesetzt.

Ausgewählte Informationen bietet die sehr umfangreiche Studie (war selbst mir zuviel) WIE KOMMEN NACHHALTIGE THEMEN VERSTÄRKT IN DIE MEDIEN?, die beiden englischsprachigen Seiten Collaborative Consumption Hub, SPREAD Substainable Lifestyles 2050 oder das Institute Collaborating Centre on Substainable Consumption and Production (CSCP). Und ganz besonders zu empfehlen ist Matthias Edler-Golla.

9.7.2011

Männersache: Visagisten dringend gefordert!

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 07:33


Unmoralische Männlichkeit ist messbar

Der heutige Artikel will eigentlich so gar nicht zu jenen Kernbereichen passen, welchen ich mich sonst tagtäglich auf meinem Blog widme. Sie wissen schon,Paul Bögle hinter der Maske der Skrupellosigkeit. Kriminalanthropologie als Erklärung für männliches unethisches Verhalten. Ökostromgesetze, Biogasanlagen und natürlich all jene Schierlingsbecher globaler Umweltverschmutzung, welche Schluck für Schluck der Hexenmeister Homo sapiens verinnerlicht. Aber das Fundstück hat mich als Mann dann doch so beschäftigt, dass ich es unbedingt loswerden muss und mit Ihnen brüderlich teilen. Denn schwesterlich, meine sehr verehrten Leserinnen, kommt in diesem Fall überhaupt nicht in Frage, da hier und heute die nackte maskuline Skrupellosigkeit das Regiment übernommen hat. Und hoffen Sie auch gar nicht auf ein unmoralisches Angebot, denn auch diese Befriedigung werde ich Ihnen nicht geben.

Um was geht es aber überhaupt und sowieso? Die meisten, ob weiblich oder männlich, spielt keine grosse Rolle, kennen das folgende Bonmot: “An der Nase des Mannes erkennt man seinen Johannes.” Oder weniger blumig und umschreibend ausgedrückt: Je länger das männliche Riechorgan, desto größer der darunter hängende oder liegende Penis des Riechkoben-Trägers. Oder, um die männliche Eitelkeit zu befriedigen, desto prächtiger und mächtiger das stehende Gemächt. Nun ja, lassen wir diese Hypothese einfach so im leeren Raume liegen, hängen und auch stehen.

Aber nun haben sich zwei amerikanische ForscherInnen (Michael P. Haselhuhn und Elaine M. Wong) mit etwas ganz anderem beschäftigt. Die sogenannte, wenn auch schwer auszusprechende Kriminalanthropologie, andere würden hier das nicht minder komplizierte Wort Kriminalpsychopathologie und wieder andere das etwas einfachere Kriminalsoziologie verwenden, ist jene sehr zweifelhafte Wissenschaft und deren Erklärungsversuche über den scheinbaren Zusammenhang von körperlichen und geistigen Deformationen, Missbildungen oder wie im vorliegenden Fall auch nur metrischen und messbaren Merkmalen und die damit verbundene “Eignung” zum Verbrecher. Dass diese vom Turiner Arzt Cesare Lombroso im ausgehenden 19. Jahrhundert aufgestellten Behauptungen auch für die feminine Mörderschar unter uns Gültigkeit haben sollte, versteht sich natürlich im Sinne der Gleichberechtigung von selbst.

Dass ein gewisser Herr Thilo Sarrazin 2010 dieses gefährliche Gedankengut wieder aufgegriffen hat und erstaunlicherweise neben vielen Protesten auch das Herz der deutschen Volksseele getroffen hat, mag dabei nicht mehr wirklich erstaunen. Wobei ich anmerken darf, dass besagter “Bestseller-Autor” auch im benachbarten Österreich auf viel Zuspruch im Sinne von ”Der hat eh recht. I bin jo ned ausländerfeindlich, owa so unrecht hat der ned.” gestossen ist. Besonders jene Passage über seine unsäglichen Inzuchttheorien türkischer MitbürgerInnen, welche natürlich, keine Frage, das haben wir ja immer schon gewusst, streng linear mit damit verbundenen vererbten Behinderungen und geistiger Degeneriertheit einhergehen, sind von geradezu genialer Primitivität. Dass Österreich und Deutschland für diese Art von geistigen Himmelsstürmern ein Faible hat, mag vielleicht auch mit am deutschen Arzt Franz Josef Gall liegen, welcher bereits einige Jahrzehnte vor Lombroso seine Lehre der Phrenologie in Wien zu Ende führte. Dazu möchte ich weiterführend den Artikel “Achtung, Gesichts-TÜV bei Bewerbungen” von Annemarie Gronover und, weil manche Dinge schwer verdaulich sind, auch noch Spiegel online: Personalauswahl per Gesichtsanalyse. Verräterische Beule am Kopf von Bärbel Schwertfeger empfehlen.

Aber lassen wir die Herren Sarrazin, Gall und Lombroso mit ihren eigenen elitären Weltanschauungen und verräterischen sichtbaren und hinter der eigenen menschlichen Fassade versteckten unsichtbaren Beulen hinter uns, sozusagen auf der Strecke geistiger Umnachtung, und kommen zurück zu jener Studie, welche in “Proceedings of the Royal Society B” unter dem Titel “Bad to the bone: facial structure predicts unethical behaviour” publiziert wurde. Nein, lassen Sie uns gemeinsam doch noch einen kurzen Moment bei jenen AnhängerInnen dieser verschiedenen und doch auf demselben Gedankengut aufbauenden Lehren vereilen. Ich habe einen sehr, einen wirklich außergewöhnlich guten Artikel von Josef Wilhelm Knoke mit dem Titel “Die eugenische Bewegung in den USA” gefunden, welchen ich all jenen ans Herz legen möchte, welche diesem sehr unbeachteten Thema der Eugenik etwas Zeit widmen möchten und vielleicht auch der Meinung waren oder sind, dass nur die Nationalsozialisten unter Hitler solch abstruse Gehirnakrobatik verbreiteten. Und damit Sie überhaupt eine kleine Vorstellung davon bekommen, mit welch “wissenschaftlichen” Methoden der Italiener Lombroso seine Thesen zu untermauern versuchte, hier ein kleines Exzerpt aus seinen Theorien vom geborenen Verbrecher, welche ich bei Christian Lukas-Altenburg “Sie sind gefährlich wenn wir sie lebensuntüchtig entlassen.” gefunden habe.

Die meisten Mörder haben einen eisigen Blick, ihre Nase ist groß, der Kiefer starkknochig. Oftmals haben sie einseitiges Gesichtszucken, wobei sie die großen Eckzähne zeigen, gleichsam grinsend und drohend.” Das macht doch Lust auf mehr! Und die beiden US-AmerikanerInnen Wong und Haselhuhn geben uns eine Portion. Aber ich habe das Gefühl, dass ich schon wieder etwas Überlänge in meinen Artikel gebracht habe. Also lasse ich Sie mit der Weiterleitung auf “Das Böse im Gesicht” zurück, welches Ihnen eine Zusammenfassung über jene Postulate vermittelt, mit welchen uns manche ForscherInnen ihre eigene Sicht der Dinge näherbringen möchten. Dass diese dabei das eigene Gesicht verlieren, mag in Anbetracht des Themas als passend erscheinen, wenngleich es einen Menschen wie michratlos zurücklässt.  

Was bleibt als Schlusssatz eines Mannes, welcher sich ab nun noch kritischer im Spiegel betrachtet und sozusagen die Messlatte anhand physiognomischer Details so hoch anlegt, dass der leiseste Hauch von Skrupellosigkeit und die kleinste Spur unethischen Verhaltens hinter der ebenmäßigen Verhältnismäßigkeit der eigenen Gesichtszüge als unbedenklich und nicht vorhanden erscheint. Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Aber jetzt muss ich zu schreiben aufhören, da ich beide Hände für die Vermessung meines Charakters anhand der Proportionen meines Schädels benötige. Und das kann dauern. Fragen Sie die allerbeste Ehefrau der Welt.

7.7.2011

Carrotmob: Flashmob im Zeichen der Karotte

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 11:34


Wenn der nachhaltige Pöbel richtig einkauft

Während die Vorbereitungen und Einbauten für den neuen segelnden Regenbogen von Greenpeace im Hamburger Haufen auf Hochtouren laufen, macht sich auch das gemeine Volk so seine Gedanken über aktiven Umweltschutz. Doch weil alleine Gedanken kein probates Allheilmittel sind, wurde aus einem dieser Gedanken eine neue Bewegung mit dem schönen, wenngleich undurchsichtigen Namen “Carrotmob“.

Vorab eines, um gleich einmal Missverständnisses vorzubeugen. Mit dem Pöbel, Plebs, Mob oder bleiben wir im deutschen Sprachraum, mit dem gemeinen Volk habe ich einesCarrotmob: Win-Win-Situation für Gastronomie, Einzelhandel und KonsumentInnen durch Carrot Mobbing. gemein: Ich komme selbst aus diesem Teil der Gesellschaft, fühle mich wohl in diesem Teil der Gesellschaft und bezeichne mich selbst stolz als kleiner Teil eben dieses Gesellschaft. Und deshalb das heutige Thema “Carrotmob“. Nie davon gehört? Kann ich Ihnen nicht verübeln, schließlich handelt es sich um eine relativ junge Bewegung, welche in den USA im Jahr 2008 entstand. Genauer gesagt, in San Francisco und noch präziser dahergeschrieben initierte ein Herr namens Brent Schukin den ersten Carrotmob.

Was zum Teufel oder besser zur Karotte ist aber dieses verbal vegetarische Ungetüm? Nun, eigentlich eine andere Form des wirtschafltichen Flashmobs, wobei aber hier besser der Begriff “Smart Mob“ greifen würde. Hauptsächlich durch die neuen Medien und die damit verbundenen Kommunikationswege werden Menschen dazu aufgerufen, spontan an einer vorher organisierten und strukturierten Aktion teilzunehmen. D.h., InitiatorInnen einer Carrotmob-Aktion nutzen Plattformen wie Facebook und andere soziale Netzwerke, um den geplanten und terminlich meist vorab fixierten Protest einer grossen Masse präsent zu machen, den Bekanntheitsgrad zu steigern und schlussendlich den Erfolg sicherzustellen. Dass Mundpropaganda dabei ein weiteres Element und in meinen Augen immer noch sehr effektiven und entscheidenden Faktor darstellt, sei nur am Rande erwähnt.

In diesem speziellen Fall werden in einer Stadt Geschäfte oder mittlerweile auch die Gastronomie befragt, welche Interesse zeigen, Carrot Mobbing aktiv zu betreiben, welchen Teil der (Tages)Einnahmen sie bereits sind, für umweltfreundliche Investitionen und Restrukturierungsmaßnahmen zu investieren. Dass sich dabei meist nur kleine Lebensmittelbetriebe beteiligen, ist wohl auch ein Zeichen dafür, welche Wertigkeit die führenden Supermarktketten dem Thema Nachhaltigkeit angedeihen lassen. Eine willkommene Gelegenheit, noch einmal auf meinen Artikel Supermarktmacht: Gegen die Super Markt Macht hinzuweisen, aber auch dies nur am Rande.

Und jener Betrieb, welcher aus all den abgegebenen Angeboten das höchste abliefert, also bereits ist, die meisten Prozentpunkte der erzielten Einnahmen in sinnvolle und in erster Linie umweltfreundliche Investitionen zu stecken, erhält den Zuschlag. Dies bedeutet, der Carrotmob, also jener schon angesprochene grüne nachhaltige Pöbel kauft an diesem bestimmten Termin nur dort ein, wohin er durch die OrganisatorInnen per Aufruf, Weitersagen und soziale Vernetzung dirigiert wird. Als alter Soziologe mit angeborenem Spieltrieb, welcher mit dem klassischen Gefangenendilemma der Spieltheorie konfrontiert wurde und leider tagtäglich immer noch wird, zeigen sich beim Carrot Mobbing jedoch gravierende Unterschiede. Und zwar glücklicherweise positiver Art.

Denn anstatt auf nicht kooperatives Verhalten zu setzen, welches in Summe allen Beteiligten unterm Strich nur Nachteile einbringt, entsteht aus diesem spontanen Einkaufs- oder Konsumverhalten, welches paradoxerweise aber letztendlich im Vorfeld gut durchdacht und geplant war, eine Win-Win-Situation für alle die an der Aktion Beteiligten und kooperierenden TeilnehmerInnen. Für die KonsumentInnen bietet sich eine willkommene Gelegenheit, einen Boykott durch wirklich nachhaltige und nicht in der Leere der Wirtschaft und Politik verpuffende zum Erfolg zu führen. Einkaufen müssen wir alle, aber durch die Zusicherung der Betriebe, die Einnahmen in Klimaschutz, Energieeffizienz und Senkung der eigenen CO2-Bilanz einzusetzen, macht Konsum hier wirklich Sinn. Dass daneben noch Gleichgesinnte zueinander finden, ist sicherlich ein angenehmer Nebeneffekt.

Und für die LebensmittelhändlerInnen, GastwirtInnen oder wer auch immer sich am Carrot Mobbing beteiligt, lassen überdurchschnittlich hohe Umsätze an diesem Tag und wohl auch in der Zukunft die Kassen kräftig klingeln. Ganz abgesehen davon, dass solch positives Public Relations in der Öffentlichkeit Image und Bekanntheitsgrad kräftig aufpoliert und neben umweltfreundlicher Nachhaltigkeit sicherlich auch finanzielle Nachhaltigkeit bedeutet.

Wer nun mehr darüber erfahren möchte, wie aus dem normalen Mob ein schlagkräftiger Carrotmob wird, sollte sich vielleicht einmal den Leitfaden Der ultimative Carrotmob Do-it-yourself-Kit - Anleitung zum Möhrenmob Selberbacken von Carrotmob Berlin anschauen bzw. Hilfe auf “Wie organisiere ich einen Carrotmob? ” von “Klima sucht Schutz” anfordern. Und weil der Begriff ein englischsprachiger ist, käme für alle potentiellen oder bereits aktiven Carrot MobberInnen noch die Seite Carrotmob.org in Frage, welche allerdings immer noch “Under construction” (Stand 07.07.2011) ist.

Sollte ich etwas vergessen haben oder auf eine Carrotmob-Veranstaltung auf meinem Blog hinweisen. Paul Bögle ist per Email für (fast) alles zu haben.

29.6.2011

Die Manipulation der Minderjährigen

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 09:15

Dem Nachwuchs (k)eine Chance

Wenn es um Konsumterror, Verbrauchertäuschung oder um Konsum- und Werbekritik vom Feinsten geht, bin ich sicherlich nicht der allerbeste Ansprechpartner geschweige denn ein ausgewiesener Experte in Sachen Konsum-Sumpf. Dafür gibt es Bessere wie mich. Also nutze ich diesen kleinen Beitrag, um auf einen in meinen Augen in dieser Sparte Allerbesten kurz hinzuweisen und natürlich auch zum Weiterlesen zu empfehlen. Dies spiegelt selbstverständlich nur meine eigene bescheidene Meinung wider und soll keinesfalls als manipulativer Versuch gewertet werden, auch wenn auf meinem Blog die Minderjährigen wohl in der Minderheit sein dürften.  

Aus diesem Grund möchte ich heute ganz bescheiden sein und, wie es eben so meine Art ist, nur wenige eigene Worte machen und räume das Feld schnellstmöglich für PeterKonsumpf: Forum für kreative Konsumkritik von Peter Marwitz. Marwitz, einen jener 68-Jahrgänge, wie ich selbst einer bin. Also ein alter Hund (Verzeihung, lieber Peter, ich meine selbstverständlich nur mich selbst) oder, um noch einen passenden Bezug zur Preisverleihung des vom NABU gestifteten Dinosaurier des Jahres 2010 an RWE-Chef Jürgen Großmann herzustellen, ein langsam in die Jahre kommendes Blogger-Fossil.

Denn Peter hat wieder einmal hervorragende Arbeit geleistet und in einem Zweiteiler auf seinem Blog Konsumpf unter dem Titel “Werbung schadet - Manipulierte Jugendliche“ das englische Original “Manipulated Kids” von Roy Fox ins Deutsche übersetzt hat. Ich gab das Versprechen, nicht viele Worte zu machen. Wer also Interesse hat, einmal in die Seele der Jugend von heute zu blicken und dort in die tiefe Kraterlandschaft zu schauen, welche der Sumpf der Marketingabteilungen und seichte Werbeversprechen bei den Minderjährigen hinterlassen, möge sich bitte weiter zu Peter Marwitz begeben. Und ich mache mir heute einen schönen Tag. Auf der Baustelle des Freundes meiner Tochter. Auch eine Kraterlandschaft, aber zumindest werbefrei und mit der baldigen Hoffnung und Aussicht auf Besserung. Zumindest solange, bis der erste Fernseher irgendwo rumsteht. Und Huck Finn wird mich zusammen mit Tom Sawyer gedanklich beim Renovieren dabei unterstützen. So wie vor hundert Jahren, als die Welt ebenfalls schon von Rassismus und Sklaverei geprägt war. Die Botschaften ähnelten sich, alleine die Mittel waren andere. Doch da hatten selbst Peter Marwitz und Paul Bögle noch nicht das Licht der Welt erblickt.   

Zu der Studie von Roy Fox auch sehr interessant: Channel One kids.   

30.5.2011

Woche der Wälder ist vorbei …

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 13:36

Paul Bögle allein im Wald. Mit dem Regenwald in Costa Rica auf Du und Du.… doch das Jahr der Wälder geht weiter

So, nachdem ich nun acht Tage oder eben eine Woche plus eins lang dem Thema Wald mit acht Kurzberichten

  1. Woche der Wälder zum Jahr der Wälder
  2. Rettet den Regenwald e.V.
  3. Waldportal: Die Wälder dieser Erde
  4. Kinder.wald.de: Grosser Wald für die Kleinen
  5. Waldseite: Ein Klick für mehr Nachhaltigkeit
  6. Boreale Wälder und weiteres Waldsterben
  7. Freundeskreis Peru Amazonico e.V.
  8. Fotowettbewerb zum Jahr der Wälder

meine ganze Aufmerksamkeit geschenkt habe, wird es Zeit, wieder zu neuen Ufern aufzubrechen. Doch zuvor nehme ich mir zwei Tage frei, denn sonst sieht auch Paul Bögle den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

Nebenstehend vielleicht eine kleine Anregung, weshalb sich Paul Bögle so vehement für den Regenwald einsetzt. Denn Costa Rica ohne diese grüne traumhafte Hölle voller Geräusche, aber gleichzeitig ein Ort der Stille, wäre undenkbar.

17.5.2011

Goldener Windbeutel: Den Preis, den niemand will

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 03:47


Goldener Windbeutel: Der Preis für die dreisteste Werbelüge.Ein Jahr ist schnell vorüber …

singt die “Münchner Freiheit” nun doch schon einige Jahre. Der Liedtext hat sich ebenso wenig geändert wie jene Werbetexte, deren MacherInnen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln eine riesige Propagandamaschine aus Schönfärberei, Unwahrheiten und Unverschämtheiten die VerbraucherInnen zum Narren halten. Und so sitzen jene Werbeprofis und Marketing-ExpertInnen in ihrem Narrenturm aus Lug und Trug, gebaut auf einem Fundament aus seichter Belanglosigkeit in den morastigen medialen Tümpeln des Werbefernsehens, hinter dicken Mauern aus versprochenen, aber im selben Augenblick gebrochenen Träumen, und schauen von dort auf die Konsumköpfe ihres zahlenden Publikums.

Doch genau jenes zahlende Publikum zahlt seit dem Jahr 2009 mit gleicher klingender Münze heim. In Form des Goldenen Windbeutels, welcher nun schon zum dritten Mal von abgespeist.de unter tatkräftiger Unterstützung kritischer KonsumentInnen jenem Unternehmen überreicht wird, welches sich aus einem Meer von dreisten Werbelügen um das gewisse Etwas von den Mitbewerbern abhebt.   

Wieder ist ein Jahr ins Land gegangen, hat sich das Klima gewandelt, hat sich die Einstellung vieler Menschen zur Atomkraft nach Fukushima geändert oder wurde das Erbgut weiterer Nutzpflanzen dank Gentechnik verändert. Doch bei all diesem unbeabsichtigten Wandel, gewollten Streben nach Veränderung und nicht zu beeinflussender Naturkatastrophen ist eine Sache gleich geblieben: Die Werbelügen der Wirtschaft. Marketingabteilungen verkaufen uns immer noch ihre fadenscheinigen Produkte unter dem Siegel der Nützlichkeit, propagieren dreist den haltlosen Mehrwert ihrer Güter und belügen uns mit inexistenten Eigenschaften ihrer Erzeugnisse und schöngefärbter Farblosigkeit nutzloser Konsumversprechen.

Und aus dieser riesengroßen Menge an täuschenden Werbebotschaften und enttäuschenden Produkteigenschaften hat abgespeist.de auch für 2011 wieder die fünf besten derDer Goldenen Windbeutel ruft zur Abstimmung auf: Fünf Kandidaten für den Preis der dreistesten Werbelüge. besten Werbelügen herausgefiltert, um aus diesen den endgültigen Sieger mit dem Goldenen Windbeutel 2011 zu küren. Im Vorjahr durfte sich der unglaubliche Monte Drink von Zott über den Preis, den kein Unternehmen haben möchte, nicht freuen. Mein heimlicher Favorit, der fast noch unverschämtere Gelbe Zitrone-Physalis von Pfanner, musste sich damals mit dem undankbaren zweiten Platz begnügen, aber eigentlich gibt es unter den nominierten Firmen für den Goldenen Windbeutel nur Verlierer. Nein, natürlich nicht nur, denn Umsatzeinbußen und negative Berichterstattung hat auch schon manchmal zum Umdenken beigetragen.

Und weil Verlieren auch schön sein kann, in diesem Falle für die KonsumentInnen, welche die dreisteste Werbelüge wählen dürfen, stehen Ihnen bis zum 16. Juni 2011 die virtuellen Wahlurnen zur Verfügung. Treten Sie also ein und machen Sie mit bei der Wahl des Goldenen Windbeutels, um jenen Kandidaten der Werbewirtschaft zu zeigen, was Sie von deren Konsumgütern halten. Nämlich nichts!

Ich bin natürlich höchst erfreut, dass abgespeist.de auch der Firma Ferrero ihre volle Aufmerksamkeit mit der so sagenhaften “Milch-Schnitte“ geschenkt hat, wobei dies nicht als Beeinflussung der Wahl gedacht ist, sondern nur als Weiterführung auf meinen Artikel “Die Extra-Portion Milch … sicher nicht vom Ferrero Kinder-Riegel“. Denn ich kann mich ebenso mit jenen anderen vier potentiellen Werbelügen anfreunden oder besser anfeinden, welche sich berechtigte Hoffnungen auf den Goldenen Windbeutel machen dürfen.

Ob ich dabei auf das feine Gürkchen-Schlemmertöpfchen von Kühne mächtig sauer bin, der immer wieder gerne gesehenen Firma Danone, immerhin Goldener Windbeutel 2009-Sieger mit Actimel und nun mit Activia erneut ganz vorne dabei, den Inhalt meines Verdauungstrakts offenbare, meinen Ärger und gleichzeitig den Bluthochdruck mit den “Ferdi Fuchs Mini-Würstchen” von Stockmeyer ins Unermessliche steigere oder besser “Nimm0″ anstatt ”Nimm2“ von Storck in Betracht ziehe, die Qual der Wahl ist furchtbar schwierig. Doch weil jede Qual irgendwann ein Ende hat, heißt es nun für Sie ab zur Abstimmung.

Die dreisteste Werbelüge: Wer erhält den Goldenen Windbeutel von abgespeist.de? VerbraucherInnen stimmen ab.   

  

16.5.2011

Klimafolgenforschung: Bewältigung des Klimawandels

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 01:02

Wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen zum globalen Wandel

Es gibt manchmal Begriffe aus dem Bereich der Nachhaltigkeit, des Klimawandels und allem, was sonst noch dazugehört, welche einem bis dato unbekannt waren. “Klimafolgenforschung” ist solch ein verbales Ungetüm. Aber der Inhalt hinter dieser sprachlichen Lautmalerei ist sehr ernst und überaus interessant. Wer sich Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK): Robuste Optionen für die Bewältigung des Klimawandels durch interdisziplinäre Forschung aufzeigen. Denn es bleibt nicht mehr viel Zeit, um das Unbeherrschbare noch zu vermeiden und das Unvermeidbare sicher zu beherrschen.beispielsweise auf den Seiten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) umsieht, wird bemerken, dass Klimafolgenforschung weit über die elementare Analyse des Klimawandels hinausgeht. Und interessanterweise vertritt hierbei das PIK den Ansatz, dass interdisziplinäres Forschen auf diesem Gebiet nicht nur die verschiedenen Naturwissenschaften zum Inhalt hat, sondern dass in zunehmendem Maße die Sozialwissenschaften mit eingebunden werden müssen, um der Gesellschaft “robuste Optionen für die Bewältigung des Klimawandels aufzuzeigen. Denn es bleibt nicht mehr viel Zeit, um das Unbeherrschbare noch zu vermeiden und das Unvermeidbare sicher zu beherrschen.”

Nehmen wir also als recht verständliches und vor allem gängiges Beispiel die Gletscherschmelze. Fakt ist etwa, dass es in zunehmendem Maße zu einer spür- und leider auch messbaren Erwärmung der Höhenlagen bestimmter Regionen, z.B. im Himalaya, kommt. Das wiederum führt dazu, dass Gletscher mehr und mehr abschmelzen. Doch wie kommt es zu diesem Phänomen?

Die Klimafolgenforschung beschäftigt sich mit solchen und anderen Dingen des Klimawandels, jedoch nicht vom Standpunkt der Resultate aus, sondern dieser Forschungsbereich hinterfragt vielmehr, welche Faktoren für die Gletscherschmelze verantwortlich sind. Dass die Treibhausgase und der uns allen mehr oder weniger bekannte Treibhausgaseffekt eine entscheidende Rolle für die Erderwärmung spielen, steht für die meisten Menschen mit gesundem Menschenverstand mittlerweile außer Frage. Die Tatsache, dass etwa der deutsche Wissenschaftler Klaus-Peter Kolbatz im Jahr 2008 eine Petition an den Deutschen Bundestag gerichtet hat, welche die Auforderung beinhaltete, die Klimapolitik noch einmal neu zu überdenken, ist sicherlich sehr löblich. Seine Begründung, ”dass es keinen Treibhauseffekt geben kann, da Wärme grundsätzlich nach oben steigt und ungehindert in das Weltall entweichen kann”, lässt sich nach physikalischen Gesichtspunkten sicherlich nicht von der Hand weisen, lässt aber wiederum die Vermutung zu, dass möglicherweise mit diesem physikalischen Phänomen auch der gesunde Menschenverstand nach oben gestiegen ist und ungehindert in den Weiten des Weltalls verschwunden ist (siehe auch “Geo-Engineering, ein Himmelfahrtskommando). Aber dies nur nebenbei.

Welch gefährliche Mischung jedoch neben den CO2-Emissionen für die globale Gletscherschmelze im allgemeinen und regional bedingtes Dahinschmelzen am BeispielKlimafolgenforschung: Welche Faktoren bestimmen Probleme wie Erderwärmung, Gletscherschmelze oder Anstieg der Wassertemperatur? des Himalaya letztendlich in ihrer Gesamtheit verantwortlich sind, gilt es erst noch intensiver zu erforschen. So kommen die KlimafolgenforscherInnen zu dem Schluss, dass als weitere bisher noch wenig beachtete Faktoren Ruß und Staub tiefschürfend in diesen Prozess eingreifen. Und diese Schmutzpartikel sind in weiterer Folge für Veränderungen von Feuchtigkeits- und Energiegehalt der Atmosphäre verantwortlich. All dies muss jedoch noch erforscht werden.

Dss sogar der Vatikan als Sprachrohr für mehr als eine Milliarde Menschen mittlerweile den Klimawandel mit anderen Augen sieht und diesen als potentielle Gefahr für die Schöpfung betrachtet, ist nach Hans Joachim Schellnhuber, dem Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, ein gutes Zeichen oder besser ”ein wichtiges Signal“ (Gletscherschmelze ist Vorbote des Klimawandels). Wiederum beiläufig erwähnt: Wer im Moment schneller schmilzt, die Gletscher oder die Mitgliederzahlen der katholischen Kirche, wäre sicherlich auch einmal ein ausgiebiges Thema für eine Forschungsarbeit. Aber ich möchte nun nicht die Probleme der christlichen Glaubensgemeinschaft unnötig ins Lächerliche ziehen, sondern ganz im Gegenteil diese neue Soziallehre der Kirche als Beispiel für fortschrittliches Denken erwähnt wissen. Dazu siehe auch die äußerst interessante Abhandlung von Ottmar Edenhofer “Eine Ethik der Nachhaltigkeit. Die deutschen Bischöfe zu den Gefahren des Klimawandels“.    

Eine andere Forschungsgruppe regionaler Klimafolgenforschung wurde nun im brandenburgischen Neuglobsow ins Leben gerufen. Am dortigen Stechlinsee untersuchen Klima- und in erster Linie Gewässerforscher unter Mark Gessner anhand eines weitweit einzigartigen Pilotprojektes, welche Faktoren für die Erwärmung des oberflächennahen Wasser entscheidend sind. Ausgehend von der Tatsache, dass zwischen 1958 und 2009 die Wassertemperatur um + 1,5 Grad Celsius angestiegen ist, sollen die Messungen zum Verstehen dieses Wandels beitragen. Dass es aber Jahre dauern wird, bis die wichtigsten Fragen auf diesem weitgehend unbekannten Gebiet, der sogenannten Limnologie, beantwortet sein werden, stellt Gessner jetzt schon klar. (Weltweit einmalige Versuchsanlage zur Klimafolgenforschung in Neuglobsow eingeweiht).
Je früher die Klimafolgenforschung also vorzeigbare Ergebnisse liefern kann, desto eher wird es uns vielleicht noch möglich sein, durch interdisziplinäres Forschen brauchbarer Lösungskonzepte ”das Unbeherrschbare noch zu vermeiden und das Unvermeidbare sicher zu beherrschen.” Während des Verfassens dieses Artikels sind sicherlich schon wieder etliche Liter Gletscherwasser den Himalaya und andere Hänge hinuntergeflossen. Ich weiss nicht, wie viele es waren. Aber mit Sicherheit viel zu viele.      

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