Bio Natur - Der Weblog

22.1.2012

Ungelöschte Emails, die virtuelle Klimaerwärmung

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 21:08


Unnötige Serverlast durch die Sammelwut der Internetgemeinde

Möglicherweise wir nach dem Lesen dieses Beitrags die eine oder der andere der Meinung sein, dass es der liebe Her Boegle nun aber gehörig übertreibt und päpstlicher als der Papst ist. Mag schon sein, aber die großen Dinge beginnen bekanntermaßen im Kleinen und deshalb schreibe ich, was mir auf dem Herzen liegt. In diesem besonderen Falle jedoch weniger auf dem Herzen, sondern mehr in meinen Email-Postfächern. Es ist ja so, zumindest verhält es sich bei mir so, dass jeden Tag Unmengen an elektronischen Nachrichten eintreffen, welche einmal mehr und viermal weniger und 18-mal überhaupt nicht wichtig sind. Doch immer schwebt die Angst mit: Löschen kann ich später immer noch. Vielleicht brauche ich ja irgendwann den Kontakt, die enthaltenen Informationen, den darin mitgeschickten Link oder das gesendete Foto noch für Zwecke, von denen ich bisher nichts weiß, die sich aber irgendwann noch finden werden. Irgendwann, irgendwann, irgendwann. Deshalb ist es also besser, nicht den elektronischen Mülleimer zu betätigen, sondern diese potentiellen Brauch-ich-noch-Nachrichten lieber auf dem Server zu belassen und dort im virtuellen Bunker zu versenken.

Ob diese ganze Sammelleidenschaft jetzt mit unserem Jahrtausende alten Hang zur Sesshaftigkeit zu tun hat, müssten mir die Anthropologinnen und Verhaltensforscher sagen. Was aber trotzdem nichts an der Tatsache ändert, dass sich in meinen Email-Höhlen ein Sammelsurium an elektronischen Übermittlungen angesammelt hat, welches dem frühzeitlichen Menschen, der wahrscheinlich noch ohne Tablet unterwegs war und ein Mammut auch ohne GPS gefunden hätte, was aber sowieso nur rein hypothetisch gedacht ist, zur Ehre gereicht hätte. Was aber mir selbst überhaupt nicht zur Ehre gereicht, ist folgende Tatsache, welche ich nach einem ersten Stöbern und Schnüffeln, wobei ich hoffe, dass ich bei dieser persönlichen Schnüffelei in eigenen Dingen nicht irgendwelchen fremdschnüffelnden Vorratsdatenspeicherern und Festplattenspähern in Green Action Kampagne “Internet und Stromverbrauch” von Nick Michelson. Das Problem: Das World Wide Web verbraucht viel Energie. Das Ziel ist Menschen über die Technologien zu informieren, die sie tagtäglich einsetzen.meinen Dingen in die Quere gekommen bin, gefunden habe. Was mich selbst insofern weiterhin maßlos über mich selbst ärgern lässt, weil ich erst unlängst in meinem Beitrag “Facebook: Erneuerbare energiegeladene Abhörfalle” das Thema gestreift habe, ohne aber diesem Aspekt Aufmerksamkeit zu schenken.  

Meine Güte, da habe ich am 04. September 2008 (!) die Bestätigung erhalten, dass die nette Dame in England mein neues Foto für meinen Open Water-Tauchschein erhalten hat. Naja, wer weiß, ob ich dies nach drei Jahren und einigen Monaten nicht doch endgültig zu den Akten legen könnte und mich schweren Herzens davon trennen sollte. Schau, schau, am 08.09.2010 habe ich meine neue Handyrechnung elektronisch erhalten. Nun, da diese Informationen im Jahre 2012 nicht mehr ganz so neu ist, könnte ich mich ja endlcih  dazu entschließen, auf eine etwas neuere Rechnung zu warten. Nur zwei (tatsächliche) Beispiele, mit welchen Dingen ich die Server am Laufen halte. Dass ich dabei aber auch dafür, wenngleich nur zu einem verschwindend geringen Teil, Sorge trage, dass ich mit diesem Laufen auch diese Rechenzentren mit meiner unscheinbar gelagerten und wohl nicht mehr benötigten Last am Schwitzen halte. Und weil Schwitzen nicht nur beim Jäger oder Sammler die Reaktion des Kühlens hervorruft, will auch jener Server seine kalte Dosis abbekommen, um, ganz genau, weiterhin dafür zu sorgen, dass meine Emails nicht ohne meine ausdrückliche Einwilligung im Mistkübel landen und dann auf der virtuellen Müllhalde des Vergessens landen. Was sie natürlich in den seltensten Fällen dank schon erwähnter schnüffelnder Freundinnen und spähender Freunde auch tun, aber für mich eben in unerreichte Abgründe gefallen sind.

Ganz nebenbei und wirklich nur weil es mir gerade einfällt: “Ilija Trojanow, Juli Zeh: Angriff auf die Freiheit. Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte“; Hanser Verlag. Ist irrsinnig polemisch geschrieben, stilistisch manches Mal am federführenden Holzhammer, aber trotzdem nahe am aktuellen Facebook-Zeitgeist. Die Streitschrift glänzt sicherlich nicht mit tiefgreifenden Fakten, sondern verfällt allzu oft in jene nicht nachzvollziehende Methodik des für die “normalsterblichen” BürgerInnen Undefinierbaren und latent Unfassbaren in Sachen Datenwut, dessen Aufklären und Durchleuchten eigentlich Ziel des Buch sein sollte, macht aber gerade durch diese Art des Schreibens auf erschreckende Weise klar, wohin wir mit unserer allzu sorglosen Preisgabe der Daten an Mutterland und Vater Staat steuern. Aber dieses nur eine kurze Exkursion und jetzt zurück zum eigentlichen Thema, zu dessen Schluss ich nun zügig kommen möchte und deshalb das geschriebene Wort Nick Michelson und seiner Kampagne “Internet und Stromverbrauch” überlasse.

Ich bin Ingenieur und arbeite in einem Großraumbüro. Täglich verbringe ich 9 Stunden vor dem Bildschirm. Das ist meine Arbeit. Was sind meine Werkzeuge? Ein Computer, unterschiedliche Programme, Internet, E-Mail, ein Tisch und ein Drehstuhl. Die Frage ist: Ist das wirklich nur EIN Computer? Dass ich nur einen Drehstuhl benutze bin ich mir sicher, aber dass ich nur einen Computer brauche - das stimmt nicht! Und was machen meine Arbeitskollegen in der Mittagspause? Richtig - sie “surfen”!

Und wo? Na klar doch - im Internet. Es ist so groß und kostenlos und steht jedem uneingeschränkt zur Verfügung. Was bedeutet „uneingeschränkt“? Alle Server weltweit laufen ununterbrochen rund um die Uhr nur damit die Informationen auf den jeweiligen Internetseiten uns immer zur Verfügung stehen. Wie kann man sich einen Server vorstellen. Ein Server sieht wie ein großer Kühlschrank aus.

(…) Die Rechnung ist ganz einfach: Je mehr Informationen wir hochladen, desto mehr Serverräume werden entstehen. Mehr Server – mehr Stromverbrauch. Mehr Stromverbrauch – mehr Kohle- oder Atomkraftwerke werden gebaut. Letztendlich zahlen wir sogar dafür obwohl auf den ersten Blick viele Internetdienste kostenlos sind.

Reduziert man die Vermehrung von Privatdaten im Internet – so reduziert man den Stromverbrauch, der dafür benötigt wird. E-Mails sind klein, sie „wiegen“ nicht viel. Sie benötigen aber auch Platz auf einem Server. Die meisten Menschen machen sich keine Gedanken über die nicht gelöschten E-Mails auf dem Postserver. Es ist doch kostenlos!

Aber was bedeutet das für die Umwelt? Am anderen Ende einer ungelöschten E-Mail Nachricht steht ein riesiger Industriebagger und schaufelt Braunkohle für die Stromerzeugung. Das Löschen alter E-Mail Nachrichten befreit den Speicherplatz auf dem Postserver. Dadurch werden keine neuen Festplatten gekauft, die wiederum Energie verbrauchen.

Sicherlich klingt dies alles für die SkeptikerInnen zu schön, zu linear und viel zu aufgeräumt, um wahr zu sein. Aber, wie bereits geschrieben: Alle großen Dinge beginnen mit dem ersten Vers oder so ähnlich eben. Aber manchmal können wir auch getrost den ersten Vers aus unseren elektronischen Postfächern wieder löschen. Spätestens dann, wenn wir uns sowieso keinen Reim mehr darauf machen können, weshalb wir diese oder jene Email überhaupt noch gespeichert haben.

     

24.12.2011

Auweh-Ohwei-O Weihnacht: Sic Transit Gloria Mundi

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 21:11


Berechtigte Gegenfrage: “Welcher Ruhm soll hier vergänglich sein?

Nachdem also die weihnachtliche Krippe geplündert, die ehemals nichts Böses ahnende schnatternde weihnachtliche Gans nach dem gelassenen Leben wohl auch das daran hängende Fleisch gelassen hat und fein säuberlich abgenagt neben der geplünderten Krippe als fleischfetzenbehangenes Gerippe Ochs, Esel, Hund und Katze zum Fraße vorgeworfen wurden, was das ursprüngliche “Sic Transit Gloria Mundi” naht- und gebeinelos in ein “Sic Transit Gloria Lupi” überführen ließe, stehen, sitzen oder liegen Paul Boegle inmitten der Weihnachtsgans mit Semmelknödel und Rotkraut. Der Ruhm der Welt ist vergänglich. Auweh-Ohwei-O Weihnacht: Sic Transit Gloria Mundinun alle am weihnachtlichen Feste beteiligten ProtagonistInnen unter, neben oder möglicherweise auch auf dem oh Tannenbaum und starren mit trocknenden und bitter enttäuschten Tränen auf die vorangegangene Bescherung, welche neben unerfüllten Wünschen besonders durch die Erfüllung nicht gehegter Wünsche zart schimmernd auf rosaroten Kinderwangen glänzend von glorreichen längst vergessenen Zeiten erzählen.

Denn, und hier liegt der wölfisch treu ergebene Hund begraben, welcher leise röchelnd und gierig schlingend die letzten Restbestände des weihnachtlich ex-schnatternden Festbratens in seine hündische Treuergebenheit würgt, blieb das Christkind trotz der immer und immer wieder aus lügendem Kindermund triefenden Versicherung, das ganze Jahr besonders brav im Dienste der Menschheit denselben getan zu haben und ohne Fehl und Tadel durch die christlich vorweihnachtliche Zeit von Januar bis Ende Dezember mit lückenhaften Versatzstücken etwa um die Osterzeit, welche die weihnachtlichen Geschenke für kurze Zeit vergessen machen lässt, was jedoch meist schon mit dem Auspacken passiert weil volle Konzentration auf die Erfüllung der österlichen Wunscherfüllunggefordert, gestolpert zu sein, doch wie jedes Jahr mit dem angehäuften Wunschkatalog und der hoffnungsfrohen Erfüllung und Abarbeitung dieser fein säuberlich mit der Excel-Tabelle erstellten konsumorientierten Berge doch wiederum recht sparsam. Weshalb, warum und wieso dies so ist oder durch den Dunstkreis des verschleiernden Blickes voller Enttäuschungen retrospektiv so war, bleibt natürlich rätselhaft und verschließt sich dem bitterlich verzerrten Kindermund genauso wie die real existierende unverschlüsselte Tatsache Fakt auf dem sich biegenden Gabentisch, welcher unter der Last der angehäuften Lügen zum Zwecke christkindlicher Bestechungsversuche noch um ein paar Zentimeter weiter in die gedrechselten Mahagoniknie aus Echtholzfurnier auf nicht ganz so echtem, aber genauso wischfestem Laminatboden geht, dass die große Schwester, obwohl beim “Oh du fröhliche, oh du und so weiter fröhliche, oh du selige und so weiter selige” ad eins viel leiser und ad zwei viel falscher gesungen hat und trotzdem beim alljährlich stattfindenden Wettlauf um die schönsten Geschenke ein weiteres Mal die gepuderte Nase um eine gepuderte Nasenlänge vorne hat.

Da hilft es jetzt auch nichts mehr, den Taschenrechner aus dem Kinderzimmer zu holen und die per Internet gegoogelten Kaufpreise, welche jedoch schon als bereits im Februar verankertes Manifest im kleinen wohlsortierten Kinderhirn vor sich hin gammmelten und bis zum Erklingen der bescherungsverkündenden gläsernen Glocke, welche anstatt vom Christkind höchstpersönlich, von mit Gänsefett triefender Mutterhand, von der sich ein einzelner fetter Tropfen der ehemals glücklich schnatternden Weihnachtsgans verstohlen auf dem wischfesten Laminatboden, welcher widerum unter der Last der mahagonifleischgewordenen Last des weihnachtlichen Gabentisches gottlos ergeben vor sich hin keucht und auf Erlösung wartet, lasziv räkelt, um nach Erklingen der gläsernen Wunscherfüllungsvolltrunkenheit still und heimlich fröhlich mit den unerfüllten Kinderwünschen noch weggewischt zu werden, dort plötzlich am 24. Dezember auf wundersame Weise zum Leben erweckt zu werden, fein säuberlich in einer weiteren Excel-Tabelle zusammenzutragen und unterm Strich zu der wenig hilfreichen, aber lauthals gesungenen und unter tränenreicher und um so tränenerstickterer Piepskinderstimme oh du schon viel weniger fröhlich und so weiter und nach nochmaliger Durchsicht der ganz persönlich enttäuschenden kostenrechnerisch einwand- und fehlerfreien Weihnachtsgabenbilanz mit noch viel vertikal fließendem salzigem Sturzbach über ehemals rosarote und nun zorngerötete Kinderwangen traurigen Erkenntis zu kommen, dass hier Unrecht am einzig aufrechten Menschen getan wurde. Denn die Einkaufstempel haben bereits geschlossen und die letztmögliche Chance auf Wiedergutmachung dieses himmelhoch jauchzenden himmelwärts schreienden Unglücks durch zusätzliche geschenkekaufende kompensatorische Maßnahmen im Sinne des gefährlich wankenden und nur noch lose in den Angeln hängenden Weihnachtsfriedens ist unwiderbringlich dahin.

Meine Tochter Sabrina hat mich übrigens diese Woche als “Weihnachtsgrinch” bezeichnet. Dies ist natürlich mein schönstes Geschenk. Nicht diese Bezeichnung, sondern die Tochter. Und Alexander, ihr Bruder. Und, Sie werden es nicht für möglich halten, die allerbeste Ehefrau dieser Welt. Habe ich also schon drei Geschenke bekommen. Und nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr. So, ich sehe gerade, dass sich auf dem Laminatboden ein hässlicher Fleck befindet. Hat diese verdammte Weihnachtsgans schon wieder hingeschissen, bevor sie sich unter dem Gabentisch versteckt hat. Was das Ganze nun mit Sic Transit Gloria Mundi” zu tun hat? Keine Ahnung. Fragen Sie doch den Wolf im Schafspelz.

 

24.11.2011

Deutliches Bildungsgefälle in Deutschland: Ein Spiegel-Bild

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 23:10


Der “Deutsche Lernatlas” der Bertelsmann-Stiftung genießt Sperrminorität

Nachdem wir ja alle gestern gemeinsam genug Spaß mit EU-Kommissar Günther Oettinger hatten, machen wir heute wieder in ernsthafter Bildung. Eigentlich hatte ich der Titelgeschichte “Wo die klugen Deutschen leben” der neuesten Ausgabe des Spiegel (Heft 47/2011) nicht allzu viel Beachtung geschenkt. Ganz ehrlich kannte ich die Titelstory bis vor kurzer Zeit noch gar nicht. Und höchstwahrscheinlich werde ich den Spiegel auch nicht lesen. Möglicherweise irgendwann beim Zahnarzt, sollte denn dann genau diese Ausgabe vorhanden sein. Schließlich stellt die teilweise Bildungsschieflage in Österreich und wohl auch Deutschland durch den bildungspolitischen PISA-Studien-Turm nicht wirklich eine Neuigkeit dar, welcher sich die Medien zur Füllung der leeren Blätter nicht nur im Sommerloch bedienen. 

Nun, aber jetzt schreibe ich also trotzdem darüber. Sogar wider besseren Wissens, schließlich habe ich immer noch nicht “Wo die klugen Deutschen leben” gelesen und zerbreche mir also meinen unwissenden Schädel über kluge und vielleicht auch weniger kluge Deutsche. Was mich gleichzeitig zu der Erkenntnis bringt, dass ein Zahnarztbesuch wieder einmal fällig wäre. Natürlich nicht, um dort den Spiegel zu lesen, sondern mich über den letzten Stand meiner Kariesbildung, sicherlich auch eine Art Deutscher Lernatlas 2011: Ergebnisbericht der Bertelsmann Stiftung.von Bildung, aufklären zu lassen, was jetzt zwar nichts mit jener gleichlautenden Epoche zu tun hat, aber erkenntnistheoretisch nicht unvorteilhaft ist. Weiterhin von Vorteil wäre es möglicherweise für Sie, wo Sie denn die von der Bertelsmann Stiftung herausgegebene Studie zum Deutschen Lernatlas 2011 finden. Unter Deutscher Lernatlas können Sie online schmökern oder bei Klick auf das nebenstehende Bild auf die Festplatte downloaden. Und noch eines: Die folgenden Quellen sind größenteils nur zur besseren Veranschaulichung aufgeführt. Doch den allerletzten Verweis in diesem Artikel lege ich Ihnen wirklich ans Herz.

Da ich aber nicht völlig unvorbereitet in mein bildungspolitisches Spiegel-Desaster rennen möchte, habe ich deshalb nach anderen Beiträgen gesucht, deren AutorInnen eben jene Titelgeschichte bereits zur Hand und wahrscheinlich auch schon gelesen haben. So las ich also im Wochenblatt, die Zeitung für alle: Lernatlas 2011 mit tollem Ergebnis für unsere Region. Erding unter den Top 10 der “klugen Deutschen”

Worum geht es? Die Bertelsmann Stiftung hat den „Deutschen Lernatlas 2011” erarbeitet. Dabei handelt es sich laut „Spiegel” um ein hochkompliziertes Werk, das aber enorme praktische Aussagekraft besitze. Weil nämlich, einfach ausgedrückt, Lernen „glücklich und reich” mache, sei das Abschneiden der insgesamt 412 Städte und Landkreise beim Bertelsmann-Atlas keineswegs nur eine statistische Randaussage. Sondern vielmehr ein wichtiger Parameter in Bezug auf tatsächliche Lebensqualität.

Die Analyse offenbart ein geradezu dramatisches Süd-Nord-Gefälle. Die Bertelsmann-Stiftung bilanziert: „Die schlechtesten Landkreise und kreisfreien Städte in Baden-Württemberg und Bayern” seien „immer noch besser als die besten Regionen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

oder in “Der Westen” lese ich unter “Revierstädte schneiden bei Bildungsranking schlecht ab” folgendes:

Bei den Bedingungen für gute Bildung hängt der Süden Deutschlands den Norden klar ab. Die schlechtesten Regionen in Baden-Württemberg und Bayern sind immer noch besser als die besten Regionen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Dies zeigt laut “Spiegel” der “Deutsche Lernatlas 2011″ der Bertelsmann-Stiftung. Der FDP-Bildungsexperte Heiner Kamp forderte angesichts der Ergebnisse, die Bildungspolitik müsse besser koordiniert werden.

Unter der Überschrift “Im Norden herrscht große Leere” findet sich folgender Inhalt:

Die Lern- und Lebensbedingungen für Schüler in Deutschland sind sehr uneinheitlich. Am besten lernt es sich im Main-Spessart-Kreis, nördlich des bayerischen Würzburg. Die schlechtesten Bedingungen herrschen dagegen in der Stadt Wismar in Mecklenburg-Vorpommern. Das zeigt der „Deutsche Lernatlas 2011“, den der Spiegel am Montag veröffentlicht hat.

Um eine erste deutsche Übersicht in dieser Form zu schaffen, hat die Bertelsmann-Stiftung Deutschland in 412 Kreise und kreisfreie Städte zerlegt. In ihrer Bewertung stützte sie sich auf den Unesco-Bericht zur „Bildung für das 21. Jahrhundert“, der 1996 vier Bereiche des Lernens definierte: das schulische, das berufliche, das soziale und das persönliche Lernen. Die Qualität dieser Bereiche misst der Atlas an verschiedenen Kategorien, unter anderem an der Lernkompetenz der Grundschüler im Lesen, der Zahl der Klassenwiederholer, den Schulabgängern mit Abschluss, der Teilnahme an beruflicher Weiterbildung, der Arbeitslosigkeit, dem Engagement der Bürger für das Gemeinwohl, für Ältere, Kinder und Jugendliche. Dazu kommen die Wahlbeteiligung, die Nutzung von Bibliotheken, oder die Zahl der Museumsbesuche.

Was haben diese und viele weitere Quellen gemeinsam? Sie berufen sich alle auf eben jenen Leitartikel im Spiegel Heft 47/2011. Was dort jedoch nicht geschrieben steht, aber abseits solch sicherlich interessanter Berichterstattung auch gut zu wissen wäre und vor allem gut zu wissen ist, steht in Der Spiegel vermarktet die Bertelsmann Stiftung – „Deutscher Lernatlas“ stellt den Zusammenhang von Bildung und Wohlstand auf den Kopf. Da bekommt der Begriff Nord-Süd-Gefälle doch gleich eine ganz andere schiefe Optik und gerät unmerklich auf die schiefe Bahn.

23.11.2011

EU-Kommissar Günther Oettinger: Im Westen nichts Neues

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 08:42


Ein Politiker mit Sprachwitz, Ortskenntnissen und Blick für das Wesentliche

Wenn ich in meinem letzten Artikel “USA: Pommes und Pizza bleibt Gemüse - Basta!” flehentlich um den Beistand der Exekutive bat, muss ich heute diese leichtfertig ausgesprochene Bitte sogleich wieder zugunsten des EU-Kommissars für Energie revidieren. Ich hatte Günther Oettinger zum letzten Male in meinem Beitrag “Günther Oettinger: Energiepolitische Visionen” namentlich erwähnt. Das war im Mai 2011, also doch schon eine geraume Zeit her. Dass ich den EU-Politiker jetzt wieder irgendwie zwangsläufig und notgedrungen erwähne, hat dabei weniger mit neuen Visionen zu tun, sondern eher schon mit sprachlichen visionären Finessen vom Schlage eines Dichterfürsten mit politischem Ritterschlag. Andere würden dazu möglicherweise mit poetischem Tiefschlag sagen, aber wahren wir eben die Form der Form halber. Bitten seien Sie mir jetzt nicht böse, denn dies soll alles andere als diskriminierend und vor allem nicht frauenfeindlich sein, aber mit dem EU-Kommissar im Gepäck an der Endhaltestelle jedes x-beliebigen Durchgangs-, Kopf- oder auch Hirnbahnhofs wird jeder Blondinenwitz zur absoluten Nullnummer.

Der Herr über europäische Energie und energetische Sprachschätze war zu Gast im Freiburger Audimax. Was an sich ein gutes Mittel ist, sich als politischer Kopf mit Hirn durchgängig am allgemeinen Diskurs mit weniger behirnten und auf Durchzug geschalteten Köpfen über Gott, die Welt und natürlich auch mehr oder weniger brisante energiepolitische Fragen zu unterhalten. Dort diskutierte er, so weit, so gut, mit Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer über das entgleiste Streitprojekt Stuttgart 21. Und dann? Dann unterhielt Günther Oettinger einfach nur noch. Denn es kamen jene Sekunden dahergebraust, welche aus einem Politiker einfach einen Spitzenpolitiker machen, welcher einfach das Zeug und die Gabe hat, auch über den Tellerrand hinaus zu sehen und tief in den Westen Europas bis hin zum fernen Atlantik zu blicken. Ohne mit der Wimper zu zucken. Denn was die normale Hausfrau und der ungebildete Blogger von nebenan nicht weiß, nicht einmal wissen können, weil eben umgebender Kopf und eingebende Gehirnmasse keine synaptische Symbiose bilden, wird dank des EU-Kommissars zur leuchtend einfachen Erklärung, weshalb sich westlich von Paris bestimmte Säugetiere auf zwei Beinen einfach nicht mehr aufhalten können. Die Erklärung ist zwar relativ simpel, aber erst durch ein energiepolitisches Genie macht die Sache dann auch Sinn. Da vergeht einem förmlich Hören und Sagen. Also hören Sie ganz einfach, was Herr Oettinger sagt. Und wer dann noch einmal sagt, dass es im Westen  nichts Neues gibt, sollte vielleicht öfter mit der Eisenbahn fahren.

Natürlich geht es noch besser. Zum Beispiel dann, wenn sich Herr Oettinger herablässt, die Umwelt mit perfektem Englisch zu unterhalten. Und wenn Sie dann noch immer nicht wissen, dass “umbrella” eben “umbrella” und nicht “umbrella” ausgesprochen wird, sollten Sie möglicherweise überlegen, ob Sie in Zukunft nicht einfach in Ihrer deutschen Muttersprache reden sollten. Glauben Sie mir, es ist besser für Sie. Denn in Günther Oettingers “homeland Baden-Württemberg we are all sitting in one boat.” Phänomenal, so eine Energiepolitik. Da macht sogar die Klimakatastrophe richtig Spaß.

Und nun noch zum Abschluss ein paar Minuten NDR und das kleine Einmaleins gepflegter englischer Konversation. Mit Folge 2102 oder “Telekolleg: Englisch für Oettinger”. Aber dann soll es mit dem Energiekommissar auf höchster europäischer Ebene wieder einmal gewesen sein. Mindestens bis zum Mai 2012. Ich verspreche es hoch und heilig. Und für alle ausländischen LeserInnen auf meinem Blog: “I will promise it holy and moly!

 

20.11.2011

Wiener Polizeikalender 2012: HC Strache lässt grüßen

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 12:17


Exekutive Terminplanung an der schönen blauen Donau mit den Blauen

Manchmal schon recht seltsam, was sich so alles im schönen grünen Österreich im schönen rot-grün regierten Wien, welches bekanntermaßen an der schönen blauen Donau liegt und steht, so alles schön und gut abspielt. Irgendwie kunterbunter Klimawandel auf höchstem Niveau und sowieso. Oder sowieso eigentlich auch nicht, denn in diesem Fall wird weniger abgespielt, sondern nur gespielt. Die Alpenrepublik wird bekanntermaßen von lauter mehr oder auch manchmal weniger schönen Menschen, der Geschmack liegt und steht hier allerdings im Auge der Betrachtenden, regiert, welche teils schön auf den Regierungsbänken sitzen oder stehen, liegenderweise habe selbst ich noch keine zu Gesicht bekommen, andererseits aber auch zwecks zukünftiger Regierungsambitionen auf den oppositionellen Nichtregierungsbänken ebenfalls meistens sitzen und wohl manchmal stehen. Wobei auch hier wieder das allseits beliebte österreichische Unschuldsvermutungsprinzip für liegende Oppostionelle gelten mag.

FPÖ-Inserat: Polizei zieht Kalender ein: Werbung um jeden Preis: Die Blauen schalteten im Wiener Polizeikalender ein Inserat. Die Exekutive wusste von nichts.

Bildquelle: Kurier: FPÖ-Inserat: Polizei zieht Kalender ein

Nun, jetzt ist es natürlich auch so, dass ein Land an dieser schönen blauen, aber auch ab-, dies- und auch jenseits der schönen blauen Donau einen Polizeiapparat benötigt, welcher für rechtes Recht, mittlere Ordnung möglichst auf der linken Überholspur sorgen soll und muss. Schließlich muss alles seine rechte Ordnung haben sowohl links und auch rechts der beiden Ufer dieser vielbesungenen schönen blauen Donau. Sozusagen ein exekutiver Donauwalzer mit begleitender Marschmusik. Damit dies aber auch terminlich immer unter einen Hut zu bringen ist, müssen natürlich auch Kalender für all jene bereitgestellt werden, welche dazu auserkoren sind, den rechten Marsch zu blasen.

Dafür gibt es jedoch eine recht sinnige Erfindung. Kalender heißt so ein schönes Teil, welches man und auch frau sich auf das Smartphone lädt, an die Wand nagelt oder, wer es besonders anschaulich und übersichtlich möchte, auf die stehende Regierungs- oder dementsprechende Oppositionsbank oder als PrivatbürgerIn auf den Schreibtisch stellt. Sie kennen das sicherlich zur Genüge. Gerade am Jahresende und vielleicht auch noch in  den ersten Wochen des beginnenden neuen Jahres, welches terminlich das alte Jahr mit viel Bumm und Krach und Feuerwerk und was auch immer alles mit Jahreswechsel für viel Freude sorgen möge, bekommt frau und man solch hilfreich helfende Helferlein kostenlos von Lieferanten, dem freundlich abkassierenden Supermarkt um und an jeder Ecke, manch politischer Partei und wer auch immer unser aller bürgerliches Leben so bereichert, in vielen Fällen sogar gratis, kostenlos und völlig umsonst. Dass dabei oftmals offensichtlich unterschwellig und übersichtlich überschwellig neben den fein säuberlich numerierten Tage, welche uns so pro Monat, derer zwölf sind es, wie ich zu wissen glaube, zur Verfügung gestellt werden, daran haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Schließlich müssen irgendwie die Druckkosten und welche anderen Aufwendungen auch immer beim zukunftsorientierten Zählen der Stundengläser entstehen, welche vor uns stehen, sitzen und in meinem Falle ohne gegebenen Unschuldsvermutung liegen, denn ab und zu muss der regierende, oppositionelle und selbst bürgerliche Mensch auch schlafen, wieder in die eigenen Taschen kommen.

Jetzt hat das beginnende, welches das zu Ende gehende Jahr seltsamerweise immer am 31. Dezember XXXX ablöst, aber, lassen wir die entstehenden Druck- und anderen Kosten rechts und links der schönen blauen Donau einfach liegen, noch eine besonders angenehme Eigenschaft. Besonders für jene, welche nach Läuten der Pummerin (für alle Unwissenden die Glocke im Wiener Stephansdom, welche das neue Jahr einläutet) auf den stattlich staatstragenden ORF hören wollen. Denn es ertönt der allseits beliebte Donauwalzer von Johann Strauß. Wobei wir endlich beim Thema sind.

Ins neue Jahr: Gemeinsam mit HC Strache und der Exekutive

Denn nun hat auch der Verein “Kuratorium Polizeimusik Wien” solch ein schönes kalendarisches Elaborat in Druck gegeben oder besser geben lassen. Um es gleich einmal vorwegzunehmen, der für die Produktion des Polizeikalenders 2012 verantwortliche Aumann-Verlag gab durch seinen Sprecher Heiner Gann bekannt: “Der Fehler liegt bei uns. Ein Mitarbeiter hat nicht mitgedacht. Das Inserat ist hineingerutscht. Wir entschuldigen uns.” Und weiter: “Polit-Inserate, vor allem in Vorwahlzeiten, sind rechtlich kein Problem und auch nicht verboten. Die Möglichkeit muss aber allen Parteien angeboten werden. Und das ist nicht passiert.” (Kurier vom 18.11.2011: “FPÖ-Inserat: Polizei zieht Kalender ein” oder auch Standard vom 18.11.2011: “Kalenderproblem bei der Polizei“). Schön und gut, dass von Seiten des Verlages sofort ein zähneknirschendes Schuldeingeständnis kam.

Was jedoch in meinen überhaupt nicht blauen Augen überhaupt nicht schön ist. Wer sich, rein hypothetisch gesprochen, einmal freiwillig auf die Seite des Landespolizeikommandos Wien begibt, um sich dort die schönen Geschenkartikel anzusehen, wird dort unter anderem lesen: “Diese Werbeartikel werden in Absprache mit dem BM.I. Öffentlichkeitsarbeit angeboten. Mit dem BM.I. also. Dem Bundesministerium für Inneres. In Absprache sozusagen. Da mutet es allerdings mehr als seltsam an, wenn der Chef der Pressestelle der Wiener Polizei, Oberstleutnant Hans Golob, dazu sagt: “Alle Ausgaben mit dem Inserat werden umgehend eingezogen. Wir wussten von der Politwerbung nichts.” Eigentlich dachte ich bisher immer, die verschiedenen Landespolizeikommandos sind diesem Bundesministerium für Inneres unterstellt. An der schönen blauen Donau links und rechts von Wien. Nun ja, was bleibt noch zu sagen?

Das Jahr 2012 kann kommen. Aber ab heute freue ich mich eigentlich ein bisschen weniger auf den in Kürze stattfindenden Jahreswechsel. Mit HC Strache ins nächste und übernächste und wohl auch noch weitere kommende Jahre. Keine schönen Zukunftsperspektiven, solch ein Tanz auf dem blauen Vulkan. Mit und ohne Polizeikalender.   

3.11.2011

Blubbernde Blasen und andere unangenehme Blähungen

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 18:08


Von gelöschten Kundenkonten und ungenutzten Durstlöschern

Eigentlich hätte ich nicht gedacht, mich in der Causa “Angst bei Amazon” so schnell wieder zu Wort zu melden, um neue blubbernde Blasen zu verbreiten. Doch bereits am heutigen Vormittag lag eine Email des Online-Anbieters auf meinem virtuellen Schreibtisch.

Gesendete Einwiligungserklärung von Amazon an Paul Boegle zur vollständigen Löschung des Kundenkontos.

Dann folgen noch einige Erklärungen, was die Löschung des Kundenkontos eben so mit sich bringt oder eben so nicht mehr mit sich bringen wird. Und letztendlich wünschtPaul Boegle: Über blubbernde Blasen, gelöschte Amazon-Kundenkonten und ungenutzte Durstlöscher. mir das Amazon-Team sogar noch einen angenehmen Tag. Was natürlich unweigerlich irgendwelche abgründigen Assoziationen an eine Biermarke weckt. Mein Gott (als Atheist eigentlich schon frevlerisch), was bin ich werbegesteuert, wenn mir jetzt schon beim Lesen einer einfachen Grußformel der Sinn nach Alkohol steht. Aber nein, ich unterdrücke meine unterschwelligen Gelüste nach Bier und behalte weiterhin einen klaren Kopf.

Also drucke ich geschwind aus, was eigentlich nur anzukreuzen wäre und kreuze geschwind, was ausgedruckt nun vor mir liegt. Dann scanne ich im Höllentempo, was erst geschwind ausgedruckt zum Ankreuzen vor mir lag und ebenso geschwind dann nach erfolgtem angekreuztem Ausdruck wieder eingescannt als nichtgedruckt auf meinem Laptop liegt. Ich hoffe, Sie können mir folgen? Wenn nicht, Sie wissen schon, ein schöner Tag und so weiter machen das Leben erträglicher. Als Mensch, welcher im gesamten Jahr 2011 ein einziges kleines Bier (gemeinsam mit der allerbesten Gattin, also wie immer meiner geliebten Ehefrau) konsumiert hat, ist dies wohl ähnlich blasphemisch und von gar frevelhafter Art wie jenes “Mein Gott“. Doch das wissen Sie bereits.

So weit, so gut. Wie weiter? Ein kurzes Begleitschreiben in der wortwörtlichen Art von:

Im Anhang schicke ich Ihnen meinen ausdrücklichen Wunsch nach Löschung meiner sämtlichen Daten nebst aller bei Ihnen angelegten Kundenkonten mit meiner Unterschrift.
Noch eine kleine Randnotiz zu Ihrem Motto “Unser Ziel: das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt zu sein.”
Kundenfreundlichkeit sollte meines Erachtens auch die Intention und Zielsetzung der ArbeitgeberInnen beinhalten, die für das jeweilige Unternehmen tätigen MitarbeiterInnen mit dem gebührenden Respekt zu behandeln, welches sich in meinen Augen in den damit verbundenen zugrundeliegenden Arbeitsbedingungen und entsprechendem Arbeitsumfeld, gemeinhin auch Betriebsklima genannt, äußert. Solange hier Mißstände vorliegen, welche an die Öffentlichkeit dringen und nicht glaubhaft durch entsprechende Verbesserungen und Behebung dieser Diskrepanzen zwischen gegebenem Ist-Zustand und wünschenswerten Soll-Zustand nachdrücklich und nachhaltig behoben werden, wird ein verantwortungsvolles Unternehmen dieser Zielsetzung “Kundenfreundlichstes Unternehmen” nicht näherkommen. Ich, und sicherlich auch viele andere konsumkritische Menschen, würde mir also wünschen, wenn in naher Zeit die positiven Meldungen über Amazon jene derzeitigen Negativschlagzeilen übertreffen werden.
Bis dahin wünsche ich ebenso einen angenehmen Tag
Paul Boegle

So, nachdem es nun virtuell Zisch gemacht hat, könnte ich mir ja einen genehmigen. Nein, verdammt, die nächste Email trudelt ein, schleicht leise aus den Tiefen der Bites und Bytes daher und nistet sich auf meinem virtuellen Schreibtisch ein. Absender: Solidar Suisse. Lasziv räkelt sie sich vor mir, dreht und wendet sich wohlig lüstern und sagt leise: “Nimm mich!” Na gut, denke ich mir zwischen den dauergeilen synaptisch gespaltenen und zwiegespaltenen Bites und Bytes meiner Plasmamembranen oder was auch immer für das Denken im von Nietzsche kontaminierten Oberstübchen verantwortlich ist, hindurch. Dass die allerbeste Gattin, also immer noch meine geliebte Gattin, gerade mit anderen Dingen beschäftigt ist, erleichtert den internetten Seitensprung mit oder besser über George Clooney natürlich wesentlich und vorsichtig und heimlich, still und leise, langsam und bedächtig oder welche Eigenschaften ich auch sonst so abseits der Nervenendungen an den Tag lege, öffne ich die Email.

Guten Tag Paul Boegle

“Clooney will seinen demnächst auslaufenden Werbevertrag für die Nespresso-Kapseln nur verlängern, wenn Nestlé ihm sowie gegenüber “Solidar Suisse” nachweist, dass die Arbeiter auf den Kaffeeplantagen nach den Kriterien des fairen Handels bezahlt und keine Kinder unter 18 Jahren beschäftigt werden”, meldet die deutsche Tageszeitung . Lieber George, wir finden das super. Falls sich diese Meldung bestätigt, ist dies ein grossartiger Erfolg – vor wenigen Wochen hätten wir das noch nicht für möglich gehalten.

Herzlichen Dank an alle, die unsere Kampagne unterstützt haben!

Und selbstverständlich der Hinweis, dass sich Herr “George Clooney und das Kaffeekochen” in der taz ein Stelldichein geben. Gut, ich lasse dieses nun unkommentiert, verzichte auf weitere dumme Fragen und stelle deshalb für heute einmal das bloggende Mikrofon ab. Und jetzt? Ein Bier? Nein, seltsamerweise steht mein Sinn plötzlich nach Kaffee. What else? Vorläufig nichts mehr. Doch, eines noch. Wenn Sie Wiesenhof vermissen. Es gibt nichts Neues. Auf dem gackernden Newsroom irgendwelche virtuellen Eier über ein vielversprechendes Konzept in Sachen alternatives Haltungskonzept. Mit Datum 21.10.2011 eingestellt, also nicht mehr wirklich prickelnd frisch und deshalb ohne Zisch.

27.10.2011

Umweltschutz und Wirtschaft gehören verheiratet

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 08:42


Und wer trägt die Scheidungskosten von Politik und Wirtschaft?

Da sich ja die lautstarke Bekundung der politischen Farben jeglicher Coleur sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene mittlerweile zu einem beliebten Volkssport, Paul Boegle: Umweltschutz und Wirtschaft gehören verheiratet. Und wer trägt die Scheidungskosten von Politik und Wirtschaft? Die Traumhochzeit zwischen Wirtschaftspolitik und nachhaltigem Zukunftsdenken?unerklärlicherweise meist ohne Einbeziehung des Volkes, also eigentlich nur zu einem profanen, wenngleich profunden Sport entwickelt hat, macht nun auch der für das Ressort Umwelt zuständige EU-Kommissar Janez Potočnik mit dementsprechenden Meldungen von sich reden. Wie ich unter “Hoffen auf den aufgeklärten Konsumenten” lesen durfte, plant der EU-Minister für die Zukunft eine große und hoffentlich auch pompöse Hochzeit zwischen dem in Ehren ergrauten, aber immer noch höchst fidelen und agilen Herrn Wirtschaft, welcher wohl den Bräutigam geben wird und seiner ganz entzückenden Braut Fräulein Umweltschutz, geborene Industrierevolution, obwohl höchst attraktiv, aber aus ärmlichen Verhältnissen stammend, erstaunlicherweise immer noch zu haben, wie es so despektierlich heißt. Bevor Sie nun aber den Fernseher einschalten: Nein, Linda de Mol wird diese Traumhochzeit nicht in die heimischen Wohnzimmer bringen. Obwohl, wenn die Einschaltquoten stimmen, werden bestimmte Privatsender und all die anderen Errungenschaften medialer Höhenflüge und unterhaltender Sinkflüge auf geistigem Meereshöhen-Niveau sicherlich nicht abgeneigt sein.   

Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen will die EU-Kommission in den nächsten Jahren wirtschaftliche Aktivitäten begrünen. “Wir wollen ein ressourcenschonendes Europa entwickeln”, sagte der zuständige EU-Umweltkommissar Janez Potocnik am Rande einer Konferenz über Biodiversivität in Wien. Dazu würden nun Anreize geschaffen, die auf energieeffiziente, ressourcenschonende Produktion und Verbrauch abzielen.

Ziel müsse sein, dass es zu einer “Verheiratung von Wirtschaft und Umwelt” komme. Und dass dem Konsumenten klar werde, wie sehr er durch Kauf oder Nichtkauf Dinge beeinflusse, erläuterte der Kommissar.

Schön! Neben seiner Tätigkeit als oberster politischer Umweltschutz im vereinten Europa möchte Herr Potočnik jetzt also auch Standesbeamter werden. Natürlich nur sozusagen. Selbstverständlich nur symbolisch gesprochen. Er möchte endlich das nicht mehr ganz taufrische Fräulein, nein, sagen wir Frau Umweltschutz, schließlich ist sie nicht mehr die Jüngste, in den ölverschmierten Hafen der Ehe führen, wo Herr Wirtschaft schon parat steht, nebenher geschäftig den einen oder anderen Milliardendeal unter das eine Bahnhofsdach und andere neoliberalen Fächer bringt, um die glückliche Braut in empfang zu nehmen. Hört sich alles danach an, dass wir also in Zukunft an die große und sicherlich aufgrund wirtschaftlicher Beteiligung reich gedeckte Hochzeitstafel geladen werden, um dort einträchtig den Bund fürs Leben zweier Philosophien zu feiern, welche doch nach Meinung des Volkssport, jetzt mit Beteiligung des Volkes, zumindest wenn ich mich als sportlicher verschwindend geringer Teil desselben betrachte, so gar nicht zueinander passen wollen.

Den Wirtschaftsunternehmen müsse klar werden, dass sie mit endlichen Ressourcen hantieren: Bei Rohstoffen und Energie ist die EU in hohem Maße von Importen abhängig. Bei Wasser, Luft, Böden geht es um Güter, die für die Allgemeinheit auch in Zukunft geschützt werden müssen. Die Besteuerung weg vom Faktor Arbeit hin zu Umweltverschmutzung und Ressourcenverbrauch, das wahrscheinlich wichtigste wirtschaftspolitische Instrument, mit dem Wirtschaft und Gesellschaft ein ökologischeres Handeln aufgezwungen werden kann. Bis 2013 soll ein Fahrplan für ein ressourcenschonendes Wirtschaftswachstum stehen.

Der Text der Einladungskarte liest sich gut. Wunderbar ausformuliert, sprachlich von bester Qualität und trotzdem für den Volkssportler wie mich, welcher selten zu solchen familiären Großereignissen geladen wird, verständlich geschrieben. Und sogar nicht einmal falsch. Denn der erste Satz, zumindest bis zum ersten Doppelpunkt, stimmt zu 100 Prozent. “Den Wirtschaftsunternehmen müsse klar werden, dass sie mit endlichen Ressourcen hantieren”. 

Und jetzt stellt sich die alles entscheidende Frage: “Wer wird die Scheidungskosten von Herrn Wirtschaft tragen?” Denn der liebeshungrige Bräutigam mit grünen Herzen in den vom Geld leicht verschwollenen und bilanzpolitisch schwer entzündeten Augen ist leider seit Jahrzehnten mit der äußerst biederen, aber sehr treuen und furchtbar anhänglichen Frau Politik verheiratet. Zugegeben, nicht die große Liebe, was man so hört. Aber Herr Wirtschaft und Frau Politik, deren erwachsene Kinder Wirtschaftspolitik, Lobbyismus und das ganz liebreizende Fräulein politischer Filz dieser Ehe entsprungen sind, passen nach vorherrschender Meinung eigentlich gut zusammen. Nebenbei sei noch angemerkt, dass das Ehepaar aufgrund seiner neoliberalen Denkweise eine relativ offene Beziehung führen und aus zahlreichen Seitensprüngen zahlreiche uneheliche, aber seeeeeeeehr kapitalistische Kinder entsprungen sind.

Und dann gibt es eben noch ein letztes Problem, was aber Herr Wirtschaft wahrscheinlich noch gar nicht wissen dürfte. Denn seine Zukünftige ist infertil. Ja, meine lieben Hochzeitsgäste des Volkszorn- und Wutbürgertumsportes, Frau Umweltschutz ist seit langer Zeit unfruchtbar. Sie hat zwar schon einige Totgeburten wie Biodiversität, Klimawandel und Artenschutz hinter sich und wurde künstlich mit revolutionären Hilfsmitteln wie Atomkraft, Überfischung oder Abholzung zur Niederkunft bewegt, doch außer ihrem langsamen Niedergang kam bisher nichts dabei heraus. Neueste medizinische Produkte wie Monsanto, das höchst effektive Shell-Präparat und auch ein auf dem Markt offiziell noch nicht zugelassenen Mittel mit dem geheimnisvollen Namen Biopiraterie verhalfen einfach nicht zum gewünschten Erfolg. Oder, wie ich schon geschrieben hatte: “Wen, bitteschön, leckt schon ein kleines Ölleck, wenn vor lauter Götz-Zitaten und “Sturm und Drang”-Zeiten die Maxime “Freiheit gibt es nur im Jenseits, die Welt aber ist ein Gefängnis” tagtäglich aus den Niederungen der wirtschaftspolitischen Weltmeere leise blubbernd schaumgebremste Blasen schlägt. 

Ich möchte nicht als umweltpolitischer Spanner dastehen, aber in der Hochzeitsnacht würde ich doch allzu gerne dabei sein. Aber vielleicht läuft es darauf hinaus, dass alles beim Alten bleibt und Herr Wirtschaft sich besser nicht von Frau Politik scheiden lässt. Und Frau Umweltschutz? Naja, bleibt wahrscheinlich eben alleine im sauren Regen stehen und hofft darauf, dass sie nicht als alte Jungfer das Zeitliche segnet. Und drinnen im heimischen Schlafzimmer, an den runden Tischen und in den obersten Etagen treiben es Herr Wirtschaft und Frau Politik weiter. Korpulieren wie die wirtschaftspolitischen Karnickel, zeugen liebe kleine Kinder und bekunden tagtäglich den vor langer Zeit gegebenen Schwur: “Bis dass die Subvention uns scheidet!

Hoffen auf den aufgeklärten Konsumenten. Absolut richtig, schließlich stirbt die Hoffnung bekanntlich zuletzt. Lange, nachdem Frau Umweltschutz von Herrn Wirtschaft und seiner spröden, aber durchaus liebreizenden Gattin Frau Politik und der gesamten Hochzeitsgesellschaft zu Grabe getragen wurden. Wahrscheinlich war sie zu diesem Zeitpunkt sogar schwanger. Mit einem entzückend kleinen Gletscher. Übrigens dem letzten seiner Art. Praktisch das Kalben eines Gletschers als Danaer-Geschenk zum silbernenen Hochzeitstag. Oder sogar zur goldenen Hochzeit. Nein, noch besser. Nach 53 Jahren wird die sogenannte Uranhochzeit gefeiert. Ein würdiger Anlass.

Aber das würde doch bedeuten, die Ehe von Herrn Wirtschaft und Frau Politik wurde im Jahre 1958 geschlossen. Passt! Denn am 01. Juli jenes Jahres trat in der Bundesrepublik Deustchland das 1957 verabschiedete Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Kraft. Endlich standen und stehen immer noch in trauter Zweisamkeit Herr Wirtschaft und Frau Politik auf einer gemeinsamen Stufe. In Augenhöhe praktisch. Und als Gentleman der alten Schule führt selbstverständlich der Herr die Dame.

16.10.2011

Vom Rollstuhl ins Cafe zur Schlachtbank

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 10:05


Ein Traceur mit Namen Raúl Krauthausen

Nachdem letzte Woche meine wöchentliche Wiesenhof-Fleischbeschau bzw. die fleischlich-lüsterne Wiesenhof-Rundschau entfiel und ebensowenig Nespresso-Kaffeeklatsch angesagt war, schauen wir doch gemeinsam, was denn die Hühnerställe und Kaffeehäuser dieser Welt an Neuigkeiten vermelden können. Doch zuvor bin ich noch bei Sebastian Backhaus fündig geworden. Konkret stellt er in seinem Artikel “Der Wheelmap-Spot” ein Youtube-Kurzvideo der gleichnamigen Plattform vor. Und zwarMütter mit Kinderwagen müssen draussen bleiben. Rollstuhlfahrer müssen draussen bleiben. Wenn Treppen und andere Wege zu unüberbrückbaren Hindernissen werden. Ein Traceur mit Namen Raúl Krauthausen. Wheelmap.org für eine barrierefreie Welt. völlig abseits von Federvieh und Koffein, aber leider auch zu einem Thema und den damit thematisch verbundenen Menschen, welches und besonders welche immer noch wenig beachtet im Abseits unserer Gesellschaft stehen. Auch ich hatte bereits vor nicht allzu langer Zeit über den Initiator Raúl Krauthausen und seine ganz normalen SozialheldInnen unter “Wheelmap.org: Mobilmachung mit Hindernissen” berichtet.

Menschen mit Handicap, Menschen im Rollstuhl, Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Und man mag es kaum glauben: Auch diese Menschen möchten am sozialen Leben teilhaben, müssen ihre täglichen Einkäufe erledigen, wollen einen Kaffee trinken oder ein Grillhähnchen essen. Jetzt haben unsere architektonisch hochgezüchteten Neubauten voller erdbebenerprobter Stahlbetonarmierung mit ihren makellosen Spiegelfassaden und den vielen bunten Lichtern hinter vollelektronischen Jalousien oftmals eine unangenehme Eigenschaft, welche weder von Statik, Architektur, den involvierten Planungsbüros, den vorausschauenden Magistratsabteilungen und hinterherschauenden Baubehörden berücksichtigt werden. Diese Wind, Wetter und möglicherweise auch jeder Atombombe trotzenden Betonriesen trotzen auch jedem Rollstuhl, Kinderwagen und sonstigem Gefährt, welches als Fortbewegungsmittel in geschlossenen und offenen Räumen angedacht ist. Denn ante portas steht in vielen Fällen ein unbeachtetes, aber höchst effektives Hindernis namens Treppe. Für jene mit zwei gesunden natürlichen Fortbewegungswerkzeugen keine wirkliche Barriere. Für jene, welche ante portas darin sitzen bzw. solch ein Gefährt schieben, sieht die Sache jedoch anders aus.

Oder, um nun zum Abschluss des ersten Themas zu kommen: “Hi, sorry, konnte nicht zur Party. Immer das Gleiche:” Steht zu Anfang des folgenden Videos und dient zugleich als schöne Überleitung für das nächste Thema: “Sorry, George, but no Nespresso!” Doch weil dieser Artikel zwar bereits fertig gestellt, doch um einige Sätze zu umfangreich ausgefallen ist, werde ich diesen erst morgen auf meinem Blog unter “Dolby-Surround, 16:9 und andere cineastische Höhepunkte” veröffentlichen. Bis dahin wünsche ich einen angenehmen und ruhevollen Sonntag. Und sollten Sie wieder einmal irgendwo über einen fehlenden Lift oder Personenaufzug Zeter und Mordio schreien und in Wehklagen ausbrechen wollen, denken Sie vielleicht daran, dass andere Menschen über solche Probleme meist nur leise lächeln können. Und meist tun sie dies auch, denn andere Optionen haben sie in vielen Fällen nicht.

So, so soll für heute Schluss sein. Sie vermissen die in der Überschrift angekündigte Schlachtbank. Einerseits richtig, andererseits aber finden Sie diesen vorgezogenen Artikel bereits veröffentlicht unter “Deutsches Goldhähnchen trifft lokalen Gockel: Ein Arbeitsessen zwischen Hühnerschenkeln und Hühnerbeinen“.

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