Bio Natur - Der Weblog

23.12.2011

Frohe Weihnachten: Ausgehungert nach Geschenken

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 08:49

Paul Boegle hat keine Weihnachtswünsche - leider auch nicht für Sie

Was würde sich an solch wundervoll friedlichen und besinnlichen Festtagen wie dem Weihnachtsfest besser anbieten, als seinen LeserInnen ein ebensolch wundervoll friedliches und besinnliches Weihnachtsfest zu wünschen? Eigentlich nichts. Also lasse ich es doch gleich bleiben und verzichte auf diese floskelreiche Zeit voller gesagtem Nichtssagenden und ungehörten Leidtragenden. Sie werden “Frohe Weihnachten” und ähnlich abartig geartete wunschlos verbale Glückseligkeiten, dessen bin ich mir sicher, von vielerlei anderen Stellen und aus viel berufeneren gesegneten Mündern als dem meinen in diesen Tagen zu hören bekommen. Nehmen Sie also in diesen reichen Zeiten der überreichen Beschenkungen diese kleine Bescherung von mir entgegen. Vorausgesetzt, das Sättigungsgefühl hat noch nicht eingesetzt und unser Hunger nach immer mehr ist weiterhin ungestillt. 

Paul Boegle hat weder eigene Weihnachtswünsche noch leicht dahergesagte und dahingeschriebene “Frohe Weihnachten” für die LeserInnen von “Bio Natur - Der Weblog”. Sondern nur eine Bildcollage “Ausgehungert nach Geschenken”.

15.12.2011

Die Johanniter. Aus Liebe zum (guten) Leben

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 21:06


Drückeberger und Berge von Drückern nicht nur zur Weihnachtszeit

Da bekanntlich, zumindest mit dem heutigen Tage, weil gerade geschreiben und somit publik gemacht, Heinrich Böll (gute Literatur gibt es von der gleichnamigen Stiftung oftmals gratis) zu meinen Lieblingen deutschsprachiger Literatur zählt, bietet sich dementsprechend und weil eben auch in weiterer Folge dieser nun folgenden Verkettung äußerst unglücklicher Umstände die Weihnachtszeit (Occupy Northpole nicht vergessen !!!) vor der Türe steht und oftmals mit derselben mit allerlei singenden Engeln ins Haus fällt, machen wir uns dies zunutze und wollen ein wenig feiern. Ob Sie dabei an der biologisch bedenklichen Spitze des Eisbergsalates mümmeln oder lieber im unbedenklichen Hilton in Mainz lümmeln, sei Ihnen selbst überlassen. Denn schließlich soll die Liebe zum Leben, mitunter mehr ein Nehmen denn inkludiertes Geben, auch ordentlich bei Laune gehalten und das eine oder andere Mal haltlos gefeiert werden. Sozusagen lebensbejahende Feierlaune eben. Eben! Aber es sei Ihnen vorab eines gesagt, was Sie sich unbedingt merken sollten: Nur wer auch wirklich einen guten Lauf hat, kann Überschüsse in solch launemachende Feierlichkeiten investieren.

Manch LeserIn wird nun insgeheim die Hände flehentlich zum Himmel erheben und leise fluchend nach Rettung schreien, weil ich wieder einmal ab ovo und lose im Sattel sitzend das Pferd von hinten aufzuzäumen versuche und über Umwege zum Ziel meines Themas stolpernd schleiche. Aber, weil wunderbarerweise bereits das Wörtchen “Rettung” im letzten ein wenig verschachtelten Satze fiel, bin ich eigentümerlicherweise relativ schnell, zumindest nach meinen Maßstäben, zu eben diesem Ziel gelangt. Wer den “Report Mainz” gesehen hat, wird nun vielleicht schon ahnen, wohin die heutige Reise mit viel Tatütata und virtuellem Blaulicht geht und vor allem fährt. Wer möglicherweise den Report verpasst hat, weil gerade mit dem Ausfüllen eines Spendenformulars oder noch besser, mit dem Ausfüllen einer Einzugermächtigung für “Die Johanniter” beschäftigt, sollte sich nicht grämen. Ihr Geld ist in allerbesten Händen.

Jetzt haben aber Oliver Heinsch und Edgar Verheyen seltsamerweise auch andere Dinge rund um den nicht gerade zäh rinnenden Spendenfluss jener aus Liebe zum Leben tätigen Johanniter in einem 6:30 Minuten langen Beitrag mit dem Titel “Die fragwürdigen Methoden der Johanniter Drückerkolonnen auf Mitgliederfang” (Report Mainz aus der Sendung vom Dienstag, 13.12. | 21.45 Uhr | Das Erste) aus dem spendenfreundlichen vorweihnachtlichen “Erste Hilfe Kasten” an die Oberfläche befördert. Was umso erstaunlicher ist, da ich (nach Ansehen der Reportage) einmal auf der Johanniter-Webseite ohne viel Tatütata und Blaulicht virtuell vorbeigefahren bin.

Um nun nicht wieder vollkommen einseitiger Berichterstattung bezichtigt zu werden, der Form halber noch ein an die Reportage anschließendes Interview mit Oliver Heinsch und Edgar Verheyen unter “Autorengespräch: Drückerkolonnen auf Mitgliederfang. Moderator Fritz Frey im Gespräch mit den Autoren Oliver Heinsch und Edgar Verheyen“, welches ebenfalls aus der Sendung vom 13.12.2011 stammt. Dabei kommen die beiden zu dem Schluss, dass “Die Johanniter” die Spenden sehr wohl für caritative Zwecke verwenden (ab 3:55 Min des Beitrages). Das anschließende “Aber” von Heinsch überlasse ich jetzt jedoch Ihrer eigenen Interpretation.

Was zuvor von Verheyen angesprochen wird, ist dabei auch interessant. Wer sich einmal auf die Suche nach der angesprochenen “Gesellschaft für Information und Publizistik (GIP)” mit Sitz in Dortmund begibt, wird auch nach längerer Suche im Internet nicht wirklich fündig, abgesehen von diversen Angaben über Firmensitz und ähnliche Dinge. Wer jetzt den Tatendrang hat, wirklich die Webseite von GIP zu suchen und zu besuchen, bekommt von mir nun die einmalige spendenfreie Gelegenheit, unter der Internetadresse http://www.gip.de/ das höchst informative Projekt anzuschauen. Sollten Sie allerdings mehr finden und sehen als ich es getan habe, lassen Sie es mich bitte wissen. Möglicherweise ist mir dabei etwas entgangen. Einzig unter “Außendienstmitarbeiter (m/w)” liest die/der interessierte kontaktfreudige, motivierte, zuverlässige und gepflegt auftretende MitarbeiterIn für die Zukunft in Diensten der Johanniter dann, dass solch Arbeit zum Zwecke der Fördergewinnung wirklich zu vergeben ist. Wer nun kein Interesse an solch hehrem Tun hat oder bereits bis zum Hals im Arbeitsleben steckt, kann sich aber auch noch von der GIP-Geschäftsführerin Kati Nega in die Entschlüsselung der geheimnisvollen japanischen Schlankheitsformel einführen lassen (den Link gebe ich jetzt bewusst nicht an). Hat zwar nichts mit den Johannitern zu tun, aber sicherlich gut zu wissen, dass Frau Nega auch auf solchem Gebiet aktiv am Wohlbefinden der Menschheit mitwirkt: “Die Yoshimasu-Formel ist der ultimative Weg zur Traumfigur. Sie wirkt immer - auch in hoffnungslosen Fällen.” Na dann! Aus Liebe zum figurbetonten Leben.

So, nun lasse ich Sie alleine zurück. Bleiben Sie schön in Feierlaune und lassen Sie sich vor allem dieselbe nicht verderben. Ich werde jetzt noch ein bisschen lesen und verdrücke mich dementsprechend für ein kleines Weilchen. Vielleicht “Fürsorgliche Belagerung“. Natürlich von Heinrich Böll. Obwohl, kenne ich schon. Dann eben “Die schwarzen Schafe“. Auch wieder von Böll und mir ebenfalls bekannt. Natürlich könnte ich auch “Hausfriedensbruch” zur Hand nehmen. Ursprünglich zwar ein Hörspiel, aber man kennt ja mittlerweile ganz eigentümliche Dinge so vom Hörensagen. Ja, sie wissen es bereits. Geschrieben von Heinrich Böll und gehört und auch gelesen von Paul Boegle. Also doch zum ich weiß nicht wievielten Male die “Ansichten eines Clowns“. Sie wissen schon, der Bettler, der eigentlich keiner war. Passt eigentlich am besten in diese zwischenmenschlich fröhliche Weihnachtszeit. Selbstverständlich nicht nur zur Weihnachtszeit.

8.12.2011

LobbyControl: Ein ehrbarer Kaufmann wird diskreditiert

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 15:04


Josef Ackermann vertritt die Deutsche Bank eindeutig zweideutig

Josef Ackermann und die Deutsche Bank gewinnen die Lobbykratie-Medaille 2011. Hier die Fotos von der Preisverleihung, ergänzend zum Bericht von der Aktion sowie der Reaktion der Deutschen Bank. Die Preisverleihung fand heute vor dem Berliner Büro der Deutschen Bank statt. Leider konnten wir den Preis nicht persönlich überreichen, da der Leiter des Büros nicht in Berlin war.Es ist ja nicht so, dass ich den Anspruch erhebe, diese Welt zu verstehen. Manchmal entziehe ich mich sogar dieser Verantwortung und möchte sie eigentlich gar nicht verstehen. Schließlich habe ich erst gestern der Jugend den Vorrang eingeräumt und hoffe deshalb, dass der Nachwuchs dies in Zukunft für mich erledigt. Aber eines ist mir jetzt doch absolut unbegreiflich, wobei dies wiederum auch nur von relativer Gültigkeit ist, was aber meine derzeitige Antriebslosigkeit in Sachen Begreiflichkeit und Verständnis für gewisse Dinge auch nicht erklären kann. Weder relativ noch absolut. Hierzu passend vielleicht auch, dass ich solch eine Dissertation wie z.B. die “Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden” nicht einmal im Wortlaut verstehe. Wer diese Doktorarbeit geschrieben hat? Können Sie sich möglicherweise nach dem nächsten Abschnitt denken.

Alle Fotos LobbyControl. Die gesamte Preisverleihung vor dem Berliner Büro der Deutschen Bank und weiteres Material  bei Klick auf eines der beiden Fotos oder unter “Fotos von der Verleihung der Lobbykratie-Medaille“. Natürlich auch ein herzliches Dankeschön an Bundeskanzlerin Angela Merkel für die formlose Bereitstellung des Rettungsschirms und natürlich dafür, dass Herr Ackermann nicht ganz alleine im Regen stehen musste.

Jetzt ist es also so, dass sich die Wählerschaft in Sachen Lobbykratie-Medaille, welche bekanntermaßen von LobbyControl bisher damen- und herrenlos im luftleeren Raum eines dichten Konglomerates aus eigenen und noch wesentlich mehr ganz eigenen Interessen baumelte und verzweifelt nach einem dementsprechenden eigentlich eher uninteressierten Halse zum Umhängen suchte, um mithilfe von Schwer- und natürlich auch lobbyistischen Kräften am weiteren Nichtbaumeln gehindert zu werden und endlich zur Zufriedenheit aller an irgendeinem selbstzufriedenen körperlichen Verbindungstrakt zwischen Kopf und Körper für alle Zeiten vor sich hin zu baumeln, dass sich also die LeserInnen entschieden haben, der Deutschen Bank und stellvertretend hierfür ihrem Vorsitzenden Josef Ackermann in seiner weiteren Funktion als Vorsitzender des Institute of International Finance (IIF) zukommen zu lassen. Wem nun dieser Satz zu verstrickt und voller Fallen (des Satzbaus) war, was sicherlich am gewählten Thema meines Beitrages liegt. Es geht auch einfacher: “Josef Ackermann und die Deutsche Bank gewinnen die Lobbykratie-Medaille“.

Wer wie was
der die das
wieso weshalb warum
wer nicht fragt bleibt dumm!

Wer wie was
der die das
wieso weshalb warum
wer nicht fragt, bleibt dumm!

Tausend tolle Sachen
die gibt es überall zu sehen,
manchmal muss man fragen,
um sie zu verstehen!

Wieso, weshalb, warum Josef Ackermann und wieso, weshalb, warum eigentlich nicht

Wer abseits der Sesamstraße jetzt noch genauer wissen möchte, wieso, weshalb und warum 44 Prozent der insgesamt 5500 Stimmen den Weg in die finanzielle Urne der 44 Prozent der über 5 500 abgegebenen Stimmen gingen an die Deutsche Bank und Josef Ackermann, die ersten Gewinner der Lobbykratie-Medaille. Nominiert waren sie, weil sie über einen privilegierten Zugang zur Politik die günstigen Konditionen für die Finanzbranche bei der Griechenland-Rettung prägten und sich zugleich nach außen irreführend als hart getroffen darstellten.Deutschen Bank fanden, findet unter “Deutsche Bank und Josef Ackermann – Kandidaten für die Lobbykratie-Medaille” die entsprechende Begründung dazu. Wieso, weshalb und warum die Plätze zwei und drei die Deutsche Vermögensberatung und RWE zusammen mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe belegt haben, ist zwar höchst bedauerlich, aber es kann eben nur einen verdienten Lobbyismus-Sieger geben. Deshalb ein guter Tipp an die Verlierer: Nächstes Jahr noch mehr anstrengen, um auch einmal so eine schöne Medaille zu bekommen! Dass die Verantwortlichen der Deutschen Bank justamente gerade an diesem Tage keine Zeit fanden, die Lobbykratie-Medaille selbst in Empfang zu nehmen, ist selbstverständlich mehr als bedauerlich, aber leider nicht mehr rückgängig zu machen. Doch immerhin gab es ein Pressekommunique, welches ich an dieser Stelle gerne veröffentliche, ohne dass dies nun meine Meinung widerspiegelt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Vielen Dank fuer die Auszeichnung mit der Lobbykratie-Medaille, vor allem fuer die Begruendung, die Sie dafuer anfuehren. Dies verschafft uns die Gelegenheit, einen weitverbreiteten Irrtum aufzuklaeren.
Sie begruenden die Preisvergabe damit, dass die Fuehrung der Deutschen Bank an einer Lösung für das griechische Schuldenproblem mitgewirkt und dabei vor allem ihre eigenen Interessen verfolgt habe.
Lassen Sie mich zunaechst einmal generell darauf hinweisen, dass die Fuehrung einer Aktiengesellschaft dem durch ein demokratisch gewaehltes Parlament beschlossenen Aktiengesetz verpflichtet ist. Dieses Gesetz verlangt von ihr, stets im Unternehmens-Interesse zu handeln. Dabei erfolgt die Interessenwahrnehmung unter anderem auch auf dem Wege sogenannter Lobby-Taetigkeit. Diese ist ein konstitutiver Teil des Interessenausgleichs in demokratisch-pluralistischen Gesellschaften.
Speziell auf die Deutsche Bank und Griechenland bezogen, darf ich Ihnen Folgendes mitteilen:
Die Deutsche Bank war und ist in Griechenland finanziell vergleichsweise nur geringfuegig engagiert, hat also kein gesteigertes spezifisches Eigen-Interesse an einer fuer sie guenstigen Loesung der Schuldenproblematik des Landes. Dennoch hat sich die Bank und speziell ihr Vorstandsvorsitzender Dr. Josef Ackermann, der zugleich Praesident des internationalen Bankenverbands IIF ist, besonders fuer einen freiwilligen Schuldenverzicht gegenueber Griechenland eingesetzt. Dies geschah auf Wunsch der demokratisch gewaehlten Regierung dieses Landes, die einen Beitrag des privaten Sektors zur Bedingung fuer weitere Hilfen gemacht hatte, aus gesellschaftlicher Verantwortung und zugleich wohlverstandenem Eigeninteresse.
Ebenso auf Wunsch der Bundesregierung und als guter Unternehmensbuerger haben Dr. Ackermann und die Deutsche Bank gemeinsam mit anderen Finanzinstituten des Landes versprochen, griechische Staatsanleihen nicht zu verkaufen. Dieses Versprechen hat die Deutsche Bank in diesem Jahr 400 Millionen Euro an Abschreibungen gekostet.
Soviel zum Thema Lobbykratie und Deutsche Bank. Ich wuensche Ihnen fuer die naechsten Jahre mehr Treffsicherheit bei der Preisvergabe.
Ich würde mich freuen, wenn ich Sie jetzt noch - privat, keine Angst - auf einen Kaffee oder Tee in das Deutsche Guggenheim einladen und mich mit Ihnen noch etwas naeher austauschen koennte.
Vielen Dank!

(Schriftliche Antwort der Deutschen Bank auf die Preisverleihung)

Leistung aus Leidenschaft oder Leistung, das Leiden schafft?

Gut, aber dies war eigentlich nicht das Hauptthema. Doch, war es schon, aber weshalb gerade Josef Ackermann? Findet sich doch auf der Deutschen Bank unter “Reden/Präsentationen” mit Datum vom 22. November 2011 unter “Dr. Josef Ackermann - Rede auf der Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns” in Hamburg” folgende höchst zweifelsfreie Aussage auf Seite 8, welche ich im Wortlaut wiedergebe.

Das Motto der Deutschen Bank heißt bekanntlich “Leistung aus Leidenschaft”. Wir verstehen unter Leistung aber nicht nur, ehrgeizige wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Leistung misst sich nicht nur in Geld und Gewinn, Leistung bedeutet für uns auch mehr als sich bei all unserem Tun an Recht und Gesetz zu halten: Wir wollen all unsere ökonomischen Ziele auf ehrbare Weise, also auf ethisch und moralisch vertretbare Art und Weise erreichen.
Ich sage schon seit langem immer wieder: Wir dürfen kein Geschäft machen – so finanziell lukrativ es kurzfristig auch erscheinen mag – wenn dieses Geschäft mittel- bis langfristig unseren Ruf aufs Spiel setzt. Nur eine zugleich leistungs- und werteorientierte Unternehmensführung vermag nachhaltigen Erfolg zu gewährleisten. Ein Marktführer trägt hier besondere Verantwortung, weil er eine Vorbildfunktion für andere Unternehmen hat. Deshalb haben wir z.B. jüngst auch entschieden, keine Unternehmen mehr zu finanzieren, die unter vielen anderen Produkten auch Streubomben herstellen, auch wenn dies nur ein kleiner Teil ihrer geschäftlichen Tätigkeit ist und das Geld nicht in die Produktion und den Vertrieb solcher Bomben fließt.

Ich hatte bereits am 30.06.2010 unter “In-die-Augen-Streu-Bomben-Geschäfte” (Peter Marwitz von “Konsumpf” am 25.06. unter “Die fragwürdigen Geschäfte Deutscher Banken mit geächteten Waffen wie Streumuniton) über diese zweifelhaften Geschäfte der Deutschen Bank berichtet. Erst unlängst wurden unter Bankrolling Climate Change Zahlen über die Geschäfte von Großbanken mit veröffentlicht, welche Milliarden in die Finanzierung der vollkommen antiquierten Kohlekraft stecken. Die Deutsche Bank belegt dabei einen hervorragenden sechsten Platz. Leistung aus Leidenschaft oder Leistung, das Leiden schafft? 

Die “Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg e.V.” besteht doch tatsächlich schon seit 1517 und ist somit die älteste kaufmännische Vereinigung der Hansestadt. Ganz ehrlich, meine lieben LeserInnen, gehen für einen kurzen Moment in uns und vollziehen das, was ich in den seltensten Fällen selbst kann, weil ich es lieber mit dem Prinzip “ab ovo” halte. Praktizieren wir also “in media res” oder auf direktem Wege auf den Kern der Dinge zusteuern: Mehr als 500 Jahre können doch wohl nicht falsch sein? Also doch keine Leistung, die Leiden schafft, sondern Leistung aus Leidenschaft?

Irgendjemand irrt doch hier ganz gewaltig und gehörig ungehörig. Oder ich verstehe diese Welt wirklich nicht mehr. Aber hat sich nicht auch schon Albert Einstein ganz relativ und absolut geirrt? Nein, hat er nicht? Nun, dann bleibt doch nur die Erkenntnis, dass diese Welt voller Ambivalenzen steckt und eindeutig zweideutig über mein Verständnis geht. Schau ich eben wieder die Sesamstraße und mache mir so meine Gedanken über Ernie und Bert. Wieso, weshalb und warum weiß ich auch nicht.

4.12.2011

Die Macht der Päpste. Ein Streifzug durch die Jahrhunderte

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 22:44


Ein furioser Rundgang durch die Geschichte des Vatikan

Ich hatte meinen letzten Artikel “Der Papst und sein Verständnis von Moral” wohlweislich und mit Bedacht gewählt. Denn mit der heutigen Rezension “Die Macht der Päpste“, welches ein kostenloses Rezensionsexemplar des Butzon & Bercker Verlages an mich (ohne weitere Vergünstigungen bzw. geldwerte Leistungen) darstellt, kann ich nahtlos mit der Kritik des Autors Rudolf Lill dort anschließen, wo meine eigenen kritischen Anmerkungen am System oder besser der Institution Kirche endeten. 

Wer sich mit Prof. Dr. phil. Rudolf Lill mit auf den Weg, nach Beendigung seines Werkes “Die Macht der Päpste” kann ich dabei getrost von einem glaubenspolitischen Labyrinth schreiben, macht, die Jahrhunderte alte Geschichte des Papsttums zu durchleuchten, wird einerseits durch fundiertes Fachwissen belohnt, muss aber trotzdem nicht die Befürchtung hegen, sich durch beinahe 260 Seiten aneinandergereihte Zahlen, Daten und Fakten zu quälen. Denn Rudolf Lill schreibt virtuos und nimmt seine LeserInnen hinter die schweigenden und für den Laien scheinbar undurchdringlichen Mauern jenes Sanktuariums namens päpstliche Macht mit, welche sich den meisten Prof. Dr. phil. Rudolf Lill: Die Macht der Päpste.“Normalsterblichen”, die im Heiligen Stuhl und den auf ihm residierenden Machthabern Vertreter Gottes bzw. legitime Nachfolger von Petrus sehen, aufgrund der komplizierten und an Fremdwörtern sicherlich reichen Sprache und Prozesse verständnislos verschließen.

Unkritische respektive blindlings der römisch-katholischen Kirche vertrauende und vollständig nach den nicht zu hinterfragenden Glaubensvorgaben des Vatikans lebende Menschen werden wahrscheinlich nach Lektüre des Buches zu der Erkenntnis kommen (wollen), dass hier eine schonungslose Abrechnung mit dem Papsttum von Lill stattfindet. Dem ist jedoch bei Weitem nicht so. Denn der Autor hinterfragt nüchtern sachlich, aber präzise und dialektisch spannend und argumentativ schlüssig anhand vieler gegenwärtiger Beispiele und Entscheidungen der neuzeitlichen Päpste (besonders natürlich Johannes Paul II. und seines unmittelbaren Nachfolgers Benedikt XVI.), inwieweit sich das Mysterium dieses päpstlichen Lehramtes, welches oftmals in krassem Gegensatz zu den biblischen Ausführungen steht, in einer fast schon gottgleichen Normierung und judikativen Rechtssprechung mit widerspruchsloser Bestimmtheit zum Maß aller Dinge erklärt hat. Rudolf Lill rollt unzählige Fäden einer Institution auf, welche in ihrer selbstgewählten Abgehobenheit gegenüber der ihr vertrauenden Ökumene und der über die Jahrhunderte gewachsenen Isolation hinsichtlich des originären Auftrages, nämlich die Glaubensgemeinschaft unter einem einzigen Dach zu vereinen, Rätsel aufgibt.

Spannende Aufbereitung, fundierte Kenntnisse und viel Hintergrundwissen

Die Reflexionen des Autors sind dabei keine willkürlichen Akte selbstgerechter Subjektivität, intransigenter (ein Lieblingswort des Autors) Haltung oder einseitiger Berichterstattung, sondern vermitteln vielmehr das Gefühl, dass hier jemand durch seine jahrzehntelange Beschäftigung und Auseinandersetzung mit diesem sicherlich schwierigen Thema seinen LeserInnen eine wohldosierte Portion Kritik, gepaart mit einer dezidierten und phänomenal gründlichen Verinnerlichung kirchlicher Prozesse, Zerlegung sowohl politischer als auch gesellschaftlicher Folgen, welche durch die verschiedenen Konzile, hierbei richtet er besonderes Augenmerk auf das Zweite Vatikanische Konzil, diesen Weg der Kompromisslosigkeit gekennzeichnet haben und bis zum heutigen Tage aufrecht erhalten.

Insgesamt hatte die katholische Kirche, wie schon gesagt, unter den beiden Konzilspäpsten den Weg zur Konzentration auf den Kern des Christlichen eingeschlagen, sie war menschlicher und moderner geworden, interessanter als je zuvor im 20. Jahrhundert. Durch ihren Einsatz für Menschenrechte und Religionsfreiheit hatte sie geradezu “Bürgerrechte” in der modernen Welt erworben. Aber der 1870 begründete Absolutismus war nur gemildert. Schon unter Paul VI. sammelten sich in der katholischen Kirche, keineswegs nur im Vatikan, die Kräfte, welche solch einen Prozess des “Aggiornamento” in der Theologie und in der Struktur der Kirche bremsen oder rückgängig machen wollten. […] Die konziliare Begeisterung hat nicht lange angehalten, und die Mehrheit der Katholiken zieht anscheinend eine starke Führung der eigenen Verantwortlichkeit vor.” (Seite 209)

Rudolf Lill lässt aber nicht nur die Gegenwart und jüngere Vergangenheit (selbstverständlich auch die Beantwortung von Fragen der Haltung der Kirche zum Nationalsozialismus und dem Judaismus) zu Wort kommen, sondern baut seine Kritik am Absolutismus und Zentralismus der obersten Kirchenführung auf jenen vatikanischen Fundamenten der Päpste mit Beginn der Neuzeit (15. Jahrhundert) auf, welche eigentlich mit entscheidend für die Grundsteinlegung und die daraus resultierenden Machtbefugnisse waren, wie sie nach den beiden modernen Konzilspäpsten Johannes dem XXIII. und (teilweise) Paul dem VI. durch heutigen Antimodernismus, Verweigerung jeglicher Diskussionsbereitschaft und ein päpstliches Primat sondergleichen allgegenwärtig sind. Denn, und hier spart der Autor auch nicht mit Lob gegenüber den Vertretern römisch-katholischer Souveränität, das Buch “Die Macht der Päpste” zeigt auch auf, dass, um jetzt im Jargon der Bibel zu sprechen, die Wege des Herrn nicht zwangsläufig unergründlich respektive abgründig sind, sondern durch reformfreudige und liberale Machthaber durchaus in einen vernünftigen Disput und damit einhergehende Dialogbereitschaft zu jener dringend notwendigen Öffnung gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften, aber auch den Laien und der eigenen Ökumene, geführt haben und belebende Wirkung, ein Aufbrechen dieser veralteten Strukturen und Aufweichen der verkrusteten Herrschaftsansprüchen dieses von antiken Denkweisen geprägten Episkopats gezeitigt haben.

Rudolf Lill kommt letztendlich jedoch zu der Konklusion, dass es sich hierbei nur um eine verschwindend kurze Epoche klerikaler Reformbereitschaft gehandelt habe und sich mit dem Ersten Vatikanischen Konzil und dem 1870 beschlossenen Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes und der damit fest verankerten und endgültigen Entscheidungsgewalt in allen Glaubens- und Sittenlehren dieser Weg vatikanischer Unbelehrbarkeit nicht nur zu einem steinigen, sondern regelrecht einzementierten Pfad voller Reglementierungen entwickelt hat.

Diese gewachsene Macht durch die Jahrhunderte hat sich bis zum heutigen Tag dort manifestiert, wo sie ihren Beginn nahm. Beim Papst und einigen wenigen Vertrauten, meistens Kardinälen, welche ihrem Monarchen bedingungslosen Gehorsam leisten und das verschwenderisch häufig von den Kanzeln gepredigte Subsidiaritätsprinzip auf allen Ebenen staatlicher Gemeinschaften, politischer Vereinigungen, gesellschaftlicher Ebenen oder sozialer Organisationen implentieren möchten. Nur nicht im innersten Zirkel dieser selbst definierten Unfehlbarkeit.

Die Macht der Päpste“, ein Buch für hohe Ansprüche

Wer sich nicht scheut, eine hohe Anzahl von Fakten, Jahreszahlen und Unmengen von Daten zu verarbeiten, welche aber zum besseren Verständnis des Buches unumgänglich sind, wird mit “Die Macht der Päpste” von Dr. phil. Rudolf Lill ein Werk in Händen halten, welches von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und die LeserInnen auf informative und höchst anschauliche Art in die Welt der Päpste, ihrer Entscheidungen und vor allem die Tragweite dieser Handlungen der Vergangenheit und Gegenwart einführt. Dass der Autor dabei weder mit Kritik spart noch beschönigende Worte für eine patriarchalische Welt voller fragwürdiger Instrumente wie Zölibat, das bereits schon erwähnte Unfehlbarkeitsprinzip, aber auch nicht nachzuvollziehender Heilig- und Seligsprechungen oder fragwürdiger Disziplinierungsinstrumentarien sowie rätselhafter Kurienreformen findet, macht das Buch umso interessanter.

Lill schreibt meines Erachtens jedoch nicht aus dem Blickwinkel des Verweigeres und eines Menschen, welcher grundsätzlich jede Entscheidung des Vatikans in Frage stellt oder jede diskussionswürdige Handlung in Zweifel ziehen möchte. Er umreisst vielmehr klar und sachlich jene tiefgreifenden Probleme, mit welchen sich die heutige Kirche konfrontiert sieht bzw. auseinandersetzen sollte. Dass er dabei durchaus positive Ansätze und Reformen nicht verschweigt, sondern abwägend den unzähligen unbewältigten Kernpunkten einer moderner Glaubensgemeinschaft gegenüberstellt, welche durch die einschneidenden Ereignisse und den welt- und gesellschaftspolitischen Wandel ihre Doktrin dringend überdenken und erneuern sollte, macht “Die Macht der Päpste” sicherlich zu einem Werk, welches für Interessierte, gleich welcher Glaubensgemeinschaft zugehörig, mehr als lesenswert ist. Und aus diesem guten Gründe vergebe ich die höchstmögliche Bewertung.

Bewertung von Paul Boegle. “Die Macht der Päpste” von Prof. Dr. phil. Rudolf Fill überzeugt durch fundiertes Fachwissen, unzählige Hintergrundinformationen und einen spannenden Erzählstil.

Paul Boegle schreibt Rezensionen. Kostenlose Bücher von Blogg Dein Buch.So, und zum Schluss noch zwei Anmerkungen. Ich habe dieses Buch nicht mit “Fünf mal Paul Bögle” oder der Höchstzahl an hauseigenen Sternen bewertet, weil es sich um ein kostenloses Exemplar handelt. Meine Rezension (auch ein kostenloses Rezensionsexemplar) über Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte fiel nicht ganz so hoch aus. Dass es sich dabei, wie damals schon geschrieben, um subjektives Empfinden über Gefallen oder eben auch Nichtgefallen handelt, ist selbstverständlich nicht weiter erwähnenswert. Erwähnen möchte ich, als zweite Anmerkung sozusagen, welche hier auch als Schlussbaustein dienen soll, die Tatsache, dass beide Rezensionen durch meine Mitgliedschaft bei Blogg Dein Buch (Link bei Klick auf das nebenstehende Logo) zustande kamen und vielleicht dementsprechend als Anreiz dienen soll, sich selbst das eine oder andere (gute) Buch zu holen.   

2.12.2011

Der Papst und sein Verständnis von Moral

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 22:45


Klerikale Glaubensbekenntnisse zur (Nicht)Verbreitung von Pornografie

Dass unsere heutige ehrenwerte Gesellschaft nicht nur aus Banken besteht, welche dank Atom- und Kohlekraft dieses stetige Fließen unsichtbarer Ströme zu sichtbaren, bilanzierten Geldströmen machen, kan ja nicht wirklich als revolutionär neu bezeichnet werden. Also lassen wir uns heute, zum seligen Ausgleich sozusagen, alle gemeinsam in den Dienst der Kirche stellen und bekämpfen wir doch das Böse in seiner ganz besonders bösen Form. Sex, Erotik, Pornos im Internet, was muss ich Ihnen da mehr sagen. Doch die glückliche Fügung hat uns für solche Fälle klerikale Kompetenz und sakrale Sendbotschaften an die keusche Seite im Büßergewande gestellt.

Nur einmal angenommen, sozusagen rein hypothetisch gedacht und frei von der Leber weg geschrieben, welche sich räumlich und anatomisch-geografisch gesehen nicht weit entfernt vom ab und zu erregten Schwellorgan des Mannes, welcher meistens auch als Penis bezeichnet wird, Papst Benedikt XVI. kommt zu folgender segensreicher, wortreicherer und ökumenisch sicherlich folgenreichererer und soweit das Auge sonst noch reicht, Erkenntnis an seine heiligen Schafe und anderen unheiligen ErdenbürgerInnen wie etwa mich, welche das oberste Haupt des Episkopats und Oberhirte der römischen Kurie und legitimer Nachfolger von Petrus auf dem Heiligen Stuhl jedoch nicht nur rrein hypothetisch, sondern genauso von sich gab:

An dieser Stelle möchte ich noch einen anderen bedenklichen Aspekt ansprechen, der, wie es scheint, durch materialistische und hedonistische Tendenzen vor allem in den Ländern der sogenannten westlichen Welt um sich greift, nämlich die geschlechtliche Diskriminierung von Frauen. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, ist dazu bestimmt, für den anderen da zu sein. Eine Beziehung, welche nicht beachtet, daß Mann und Frau die gleiche Würde besitzen, bedeutet ein schweres Vergehen gegen die Menschlichkeit. Hier ist es an der Zeit, Prostitution wie auch die weite Verbreitung von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken. Der Heilige Stuhl wird darauf achten, daß der notwendige Einsatz gegenüber diesen Mißständen seitens der katholischen Kirche in Deutschland vielfach entschiedener und deutlicher erfolgt.

Wurde von eben jenem Leiter der Weltkirche beim Antrittsbesuch des neuen deutschen Botschafters Reinhard Schweppe im Vatikan oder eben beim Heiligen Stuhl so von sich gegeben (Aktion SOS Leben.  Papst Benedikt XVI. an den neuen deutschen Botschafter: Lebensrecht von der Zeugung bis zum natürlichen Tod achten, Pornographie be“An dieser Stelle möchte ich noch einen anderen bedenklichen Aspekt ansprechen, der, wie es scheint, durch materialistische und hedonistische Tendenzen vor allem in den Ländern der sogenannten westlichen Welt um sich greift, nämlich die geschlechtliche Diskriminierung von Frauen. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, ist dazu bestimmt, für den anderen da zu sein. Eine Beziehung, welche nicht beachtet, daß Mann und Frau die gleiche Würde besitzen, bedeutet ein schweres Vergehen gegen die Menschlichkeit. Hier ist es an der Zeit, Prostitution wie auch die weite Verbreitung von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken. Der Heilige Stuhl wird darauf achten, daß der notwendige Einsatz gegenüber diesen Mißständen seitens der katholischen Kirche in Deutschland vielfach entschiedener und deutlicher erfolgt.” Sagte Papst Benedikt XVI. und die Dombuchhandlung Wien verkauft pornografische Werke.schränken). Dass gerade er von geschlechtlicher Diskriminierung von Frauen redet, wäre an sich schon diskussionswert, wird aber demnächst sowieso Teil einer Rezension über “Die Macht der Päpste” von Dr. phil. Rudolf Lill werden und soll deshalb für den Moment durch den weitmaschigen Rost moderner klerikaler Glaubensbekennnisse mit Nullwert fallen. Dass Papst Benedikt XVI. weiterhin davon redet, dass es an der Zeit sei, “die weite Verbreitung von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken”, möchte ich anhand eines aktuellen Beispiels ad absurdum führen.

Die unglaubliche Dombuchhandlung im schönen Wien

Es gibt in Wien eine schöne Buchhandlung mit dem treffenden Namen “Dombuchhandlung”. Eigentlich müßig zu schreiben, in wessen säkularen Händen sich hier die Eigentumsrechte befinden. Tun wir aber trotzdem, um dem Ganzen die geldwerte Tiara und sonstige finanzielle Dornenkronen aufzusetzen. Diese insgesamt sechs Filialen der “Facultas Dom Buchhandels GmbH” teilen sich die “Facultas Verlags- und Buchhandels GmbH” mit 66,67 Prozent Anteil und das restliche Drittel gehört der “St. Paulus-Stiftung der Erzdiözese Wien für Medienarbeit” (Der Standard: Papst und Porno. Harmonie im Bücherregal). Wer nun noch die Muse hat und sich einmal die St. Paulus-Stiftung der Erzdiözese genauer betrachtet, wird dort als Geschäftsführer einen Herrn Dr. Michael Prüller eingetragen sehen. Dieser wiederum, wenn man sich jetzt auf die Seite des RPP-Instituts (Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie) begibt, steht auch dem Wiener Kardinal Schönborn zur Verfügung. Und zwar lässt sich auf dortiger Seite unter Dr. iur. MICHAEL PRÜLLER nachlesen:

Aktuell hat Kardinal Christoph Schönborn Michael Prüller zu seinem neuen Pressesprecher und zum Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation der Erzdiözese Wien ernannt. Zu den Aufgaben Prüllers gehört die Gestaltung des Außenauftritts der Erzdiözese Wien ebenso wie die Organisation der internen Kommunikation in der Erzdiözese und die Funktion des Pressesprechers des Erzbischofs. Prüller wird auch im Vorstand der St. Paulus-Medienstiftung tätig sein, in der die MeDombuchhandlung im Eigentum der Erzdiözese Wien. Der Papst als Kämpfer gegen pornografische Werke im Internet und Paul Boegle kauft sich dafür “Nadja 24 - tabufrei, feucht & hemmungslos Sechs prickelnde Sex-Abenteuer der Königin des Dirty-Talk - ab18!”dien der Erzdiözese Wien gebündelt sind.

So weit, so gut. Doch was hat das nun mit jenen schönen Worten des Papstes zu tun? Gehen wir also jetzt einmal rein in diese Dombuchhandlung, welche in Diensten der Erzdiözese ihr gutes literarisches Werk an den gläubigen Schwestern und Brüdern im Geiste, Fleische und wo auch immer sonst tut. Und weil Papst Benedikt ja wortwörtlich davon sprach, erotische und pornografische Inhalte gerade auch über das Internet einschränken, nein sogar energisch einschränken zu wollen, machen wir und dies ebenso untertan wie der Mensch die Erde und besuchen die Dombuchhandlung auf virtuellem Wege. Sprich, wir besuchen das Online-Angebot unter www.dombuchhandlung.at. Den Link setze ich absichtlich nicht, schließlich möchte ich die christliche Gemeinschaft im folgenden nicht in Versuchung führen. Auch Atheisten haben manchmal ein gutes Herz.

Nun, eigentlich beginnt alles so harmlos wie anno dazumal im Paradies, als der Garten Eden noch biologisch und ideologisch astreine Wurmlöcher produzierte. “Kämpfen, glauben, hoffen” von Erwin Kräutler und sein Leben als Bischof am Amazonas, rechts die Ankündigung “Der fliegende Bücherteppich“, eine sicherlich wunderschöne “Facultas Lesereise für 3- bis 6-Jährige” oder von mir aus auch “Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge“. Nicht mein Ding, schließlich möchte ich für meine ganz persönliche Vertreibung aus dem Paradies auch dementsprechend belohnt werden. Und dies bedeutet, ich halte mich erst gar nicht lange mit solchen Dingen auf und gebe in der Suche oben links gleich einmal handfeste Suchkriterien ein. “PDer Baby-Jesus-Anal-Plug. Im Namen des Herrn und von Papst Benedikt XVI. gegen die Verbreitung von pornografischen Inhalten im Internet. Und die Dombuchhandlung Wien verkauft im Namen der Erzdiözese Wien pornografische Werke.orno” fällt mir da doch wie aus heiterem Himmel voller geiler Geigen ein. Mal sehen, ob sich meine triebgelenkte Triebfeder schon auf Spannungsbetrieb einstellen kann. Und wer sagt es denn. Da öffnen sich doch ganz außerordentliche sexuelle Abgründe, welche es sogleich im Namen des Herrn zu bekämpfen gilt. “Nadja 24, tabufrei, feucht & hemmungslos”. Uiuiui, das hört sich schon mal verdammt gut an. Dass links daneben Hubert Gaisbauer ruhig und froh weiterlebt und dies sogar in einer Signierstunde kundtut, stört mein Empfinden zwar etwas, aber meine Geilheit siegt glücklicherweise. Sozusagen ein Sieg meiner unmoralischen Triebfeder über die Signaturfeder auf ganzer Linie.

Vögelfrei” hört sich aber auch nicht schlecht an. Zumindest, wenn ich mir die dazugehörige Hauptbeschreibung, selbstverständlich auf der Dombuchhandlung-Seite wortwörtlich zitierend, so durchlese:

Ein Jahr lang hatte ich einen Freifahrtschein. Mein Mann hat ihn selbst unterschrieben: Zwölf Monate lang darf ich ficken, vögeln, lecken und lutschen und ganz allgemein tun und lassen, was ich will, mit wem ich will, wie oft ich will, wann ich will. Und ich hatte nicht nur die Erlaubnis. Ich hatte das Recht dazu.

Das mit der Signierstunde von Herrn Gaisbauer stört mich jetzt schon gar nicht mehr. Ich kann mich schließlich ebenso wie der Dombuchhandlung Wien. Der Papst wettert gegen die Homosexualität und bezeichnet diese als “Zerstörung von Gottes Werk” und im Namen der Kirche wird homosexuelle Literatur angeboten. Moral und Doppelmoral unter dem Dach des Vatikan.oberste Moral-Gralhüter auf das Wesentliche konzentrieren. Denn das Allerbeste kommt jetzt noch. “Der Baby-Jesus-Anal-Plug“. Gibt es nicht? Gibt es doch. Und zwar auf der Webseite der Dombuchhandlung. Ich möchte Benedikt jetzt am liebsten die Füße küssen. Ich dachte, seit ich meine Mitgliedschaft bei Amazon gekündigt habe, komme ich nie wieder an solch geil-geistige Literatur. Doch die Kirche macht es einfach möglich. Da muss sogar ich ein “Gott sei Dank” von mir geben. Als Atheist sicherlich auch nur ein fadenscheiniges Lippenbekenntnis, aber auch ich bin moralisch über alle Zweifel erhaben. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ein mir unbekannter Herr Gaisbauer irgendetwas signiert? Fragen Sie mich jetzt bitte nicht mehr, wo ich das gelesen habe, aber es wird sicherlich stimmen.

Übrigens hat Papst Benedikt XVI. im Dezember 2008 Verhältnisse jenseits von traditionellen heterosexuellen Beziehungen, also wohl auch oder gerade gleichgeschlechtliche Beziehungen als “Zerstörung von Gottes Werk” bezeichnet und dass die Kirche dafür eintreten müsse, “die Ordnung der Schöpfung und die Natur des Menschen bewahrt bleibe.” Da hat er natürlich recht, der Herr oberste Ordnungshüter römisch-katholischer Moral. Und weil dem so ist, kann ich mir online auf der Webseite der Dombuchhandlung auch gleich folgende zerstörerische Werke (von etlichen anderen) im Namen Gottes bestellen, wie Sie auf den Screenshots sehen.

Da gibt es wahrlich nichts mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht die flehentliche Bitte, in Zukunft nicht mehr allzu inbrünstig den Imperativ “Herr, schmeiß Hirn herab!” händeringend und tränenreich in die Ökumene von Jericho bis wohin auch immer zu posaunen, sondern vielmehr das Hirn zu bitten, sich einen neuen Herrn zu suchen.  

 

19.11.2011

Der wahrscheinlich, sehr wahrscheinlich Klimawandel Konjunktiv

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 18:46


Wahrscheinlichkeitsrechnungen des Weltklimarates

Wieder einmal ganz passend zum gestern vorgestellten Workshop von twenty.twenty über technologischen und wirtschaftlichen Fortschritt ohne den notwendigen ökologischen Rückschritt dabei zu vergessen.

Obwohl die ausführliche Fassung zum Sonderbericht über die Risiken von Wetterextremen und klimatische Katastrophen, verursacht durch Menschenkind und dem manchmal lästigen Anhängsel Menschenhand, noch auf sich warten lässt und voraussichtlich erst mit Februar 2012 veröffentlicht werden soll, gibt es jetzt schon eine Kurzfassung. Ein Obwohl die ausführliche Fassung zum SREX-Sonderbericht des Weltklimarates IPCC über die Risiken von Wetterextremen und klimatische Katastrophen, verursacht durch Menschenkind und dem manchmal lästigen Anhängsel Menschenhand, noch auf sich warten lässt und voraussichtlich erst mit Februar 2012 veröffentlicht werden soll, gibt es jetzt schon eine Kurzfassung. Ein sogenanntes “Summary For Policymakers”.sogenanntes “Summary For Policymakers” für all jene, welche eben die große Weltpolitik machen, dabei zwar weniger umweltpolitische Geschichte schreiben und sich trotzdem und eigentlich die Menschenhände in Südafrika reichen sollten. Dass der Weltklimarat IPCC seinen Sonderbericht mit dem sperrigen Namen “Special Report on Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaption” oder kurz SREX kurz vor Beginn des im südafrikanischen Durban startenden UN-Klimagipfels den verantwortlichen politischen EntscheidungsträgerInnen mit an die politische Menschenhand gibt, ist sicherlich ein gut gewählter Zeitpunkt mit einer gehörigen Portion wohldosierter Taktik. Ob allerdings diejenigen, welche sich die 29 Seiten durchlesen sollten, auch die damit gewonnenen Erkenntnisse in die Tat umsetzen, mag angesichts des Disasters bei den letzten Klimakonferenzen in Kopenhagen (2009) und dem Saustall von Cancun, wie Österreichs Umwelt- und Landwirtschaftsminister Berlakovich damals am Rand des Gipfels und am Rande des ministeriellen Nervenzusammenbruchs in Paris und auf dem steinigen Weg nach Cancun so von sich gab, mehr als zweifelhaft erscheinen.

Mögliche Szenarien geben Stoff für Pro und Kontra Klimawandel

Was auf den jetzt publizierten wenigen Seiten des SREX auffällt: Es gibt viele “Wenn und Aber”-Formulierungen mit damit prognostizierten Wahrscheinlichkeiten und Sehr Wahrscheinlichkeiten über das Eintreffen von Überschwemmungen, ausgedehnten Dürreperioden, Ansteigen des Meerspiegels usw. und den damit zusammenhängenden Folgeerscheinungen. Oder, weil der Sonderbericht in Englisch vorliegt, eben dementsprechend “likely” und “very likely”. Dass die Verfasser diese Form des “Es wäre möglich, dass …” anstatt eines todsicheren “Es wird passieren …” wählen, hat sicherlich zweierlei (gute) Gründe. Zum einen lassen sich selbst durch die besten Computerprogramme und Klimamodelle auf dem virtuellen Reissbrett klimatische Veränderungen und die damit bedingten Vorhersagen der Zukunft nur näherungsweise betrachten und dementsprechend auch nicht 1:1 in die reale Welt transportieren, was sicherlich die Klimawandel-SkeptikerInnen auf den Plan ruft. Zum anderen gibt es aufgrund der relativ jungen Klimaforschung nur wenige gesicherte Ergenisse, welche definitive und beweisbare Rückschlüsse auf das Langzeitverhalten von Ursachen und Wirkungen zulassen. Auch das wird wiederum denjenigen Vorschub leisten, welche die dramatischen Veränderungen durch Ansteigen der Temperaturen, unkontrollierten CO2-Ausstoß und Schmelzen der Polkappen als apokalyptische Endzeitstimmungsbilder, umweltpolitische Hirngespinste und grüne Horrorszenarien möglichst unbesehen ad acta legen. Wobei, ganz nebenbei bemerkt, auch ehemals gläubige vehemente Gegner des durch den Menschen verursachten Klimawandel wie etwa der amerikanische Physiker Richard Muller mittlerweile diesen schmalen Pfad verlassen haben und sich nun ernsthaft mit den unübersehbaren Folgen beschäftigen (Klimawandel: SkeptikerInnen kommen ins Schwitzen).

Dass sich die KlimaexpertInnen so vorsichtig verhalten, macht allerdings Sinn. Denn sie unterstreichen damit die zugrundeliegende Intention von SREX, die aufgestellten Behauptungen, Prognosen und Empfehlungen, welche aufgrund statistischer Rechenmodelle und Wahrscheinlichkeitsrechnungen aufgestellt wurden, nicht mit an absoluter Sicherheit zu verwechseln. Was sie damit aber umso dringender erkennbar machen, ist die Tatsache, dass diese mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückenden extremen Wetterereignisse nicht von ungefähr kommen können. Die Kombination dieser physischen Klimaveränderungen mit der durch Menschenkindes Menschenhand gepaarten drastischen Eingriffe in das Weltklima wird in eigentlich allen zugrundegelegten und ausgewerteten Modellen als verheerend gesehen.

Wer sich allerdings weniger vorsichtig verhält, sind die zu Hilfe genommenen Maschinen, Rechner und Computer. Denn die prognostizieren ohne viele beschönigenden Worte und in der ihnen eigenen Art gefühlskalter Auflistung und spröden Wortwahl jene Zukunftsszenarien, vor denen sich, einmal abgesehen von den Kontra-KlimawandlerInnen, eigentlich Menschen wie ich fürchten. Nicht, weil auch Europa mit einem Ansteigen der Temperaturen zwischen zwei und fünf Grad Celsius zu rechnen hat. Für manche bedeutet dies Sonne, Sand und gesunde Bräune, wobei ich auch hier wieder anmerken darf, dass es mittlerweile auch sehr viel ungesunde Bräune (Hubertus Buchstein: Braune Ökologien oder auch Deutsches Apfeltum gegen braunes Fallobst) gibt, was aber leider nichts mit dem Klimawandel zu tun hat. Nein, es sind die damit einhergehenden langfristigen Auswirkungen.

Empfehlungen der Klimaexpertenrunde für Durban und darüber hinaus

Auch wenn der komplette SREX-Sonderbericht, wie oben bereits geschrieben, erst mit Anfang 2012 erscheinen soll, der Klimagipfel in Durban unangenehmerweise jedoch schon Ende November seine umweltpolitische Schranken öffnet, bleibt nicht mehr viel Zeit. Gut, die bleibt sowieso nicht, doch in diesem speziellen Fall eben noch viel weniger, was aber weder “likely noch “very likely” ist, sondern sicher.

Auch wenn sich Europa und andere nördliche Industriestaaten auf endlose Sommer freuen dürfen, Alpinbergsteigen endlich ganzjährig möglich sein wird, Skifahren nur noch oberhalb 8848 Meter möglich sein wird und ein Eisbär und Königspinguin vielleicht nur noch im gut gesicherten Kühlhaus betrachtet werden kann (gute Anlagemöglichkeit und Zukunftsinvestition für alle Spekulanten!), fallen leider auch ein paar unangenehme Begleiterscheinungen ins tränenreiche Auge. Denn auch Europa wird durch das Ansteigen des Meeresspiegels vor der sicherlich sehr kostenintensiven Aufgabe stehen, die ins Landesinnere drängenden Wassermassen, sollten sie denn nicht sowieso von durch die abtauenden Gletscher und reissenden Gebirgsbäche schon im Inneren sein, durch ausgeklügelte Hochwasserdämme, Deichsysteme und andererseits Bewässerungsanlagen und Drainagen, das Leben auch weiterhin lebenswert zu machen. Die Tulpenblüte in Holland wird vielleicht zukünftig zur Tulpenblüte auf dem Großglockner, die beschauliche Gondelfahrt auf dem Canale Grande kann durchaus in wohl wenigen Jahren auch in Heidelberg stattfinden.

Doch Europa und andere nördliche Industriestaaten werden weit mehr als diese Problemstellungen zu kompensieren haben. Auch in weniger blütenreichen Ländern dieses Planeten werden Hochwasser und Dürre menschliche Lebensräume beschneiden und die Überlebensräume des Homo sapiens drastisch zusammenstutzen. Dann heißt es zusammenrücken! Denn wo kein Land für Landwirtschaft, Ackerbau und Viehzucht, da auch keine Nahrung. Also werden sich riesige Flüchtlingsströme aufmachen, neues Land zu erobern, um für sich und die Nachkommen das einzufordern, was diejenigen besitzen, welche hinter den Dämmen und Staumauern sitzen (Klimaflüchtlinge: Fluchtlinie Klimawandel). Andere Menschen wiederum werden ihrer Lebensgrundlagen beraubt, weil Hitzeperioden und andauernde Wassermassen den Tourismus zum Erliegen bringen. Humanitäre Hilfe wird, bedingt durch den Klimawandel, nicht mehr zum alles entscheidenden Faktor der direkten Wetterbedrohungen, sondern auch indirekt durch sich verändernden klimatischen Bedingungen, welche ein Handeln erfordern werden.

Ob nun die erhobenen SREX-Daten zur Gänze eintreffen werden oder sich nur zu einem Bruchteil bewahrheiten werden, wird erst die Zukunft zeigen. Doch die Gegenwart lässt uns leider nicht den notwendigen Spielraum und die Entscheidungsfreiheit, zu warten, ob denn sämtliche errechneten Szenarien und aufgestellten “Likely”-Behauptungen oder sogar “Very likely”-Prognosen ihre Erfüllung finden werden.

17.11.2011

Gute Tischmanieren im goldenen Käfig

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 16:59


Tischlein deck dich” oder “Gegessen wird, was auf den Tisch kommt!

Weihnachten steht vor der Türe. Eigentlich nichts Neues. Weder im Westen noch im Osten. Sie wissen schon, das ist halt jetzt so daher gesagt. Gut, die langen Einkaufssamstage lassen noch ein bisschen auf sich warten. Und trotzdem freue ich mich jetzt schon auf die besinnliche Zeit. Bin gespannt, ob dieses Jahr endlich wieder einmal so richtig Schnee fällt. Gehört doch einfach dazu, zu dieser ruhigen und beschaulichen Zeit. Schneeschaufeln und so was bringt ja auch ein bisschen Kohle. Kann man ja immer brauchen. Und wärKeine Nacht ohne Rogen. Eine kurze Weihnachtsgeschichte von Paul Boegle. Gute Tischmanieren im goldenen Käfig. “Tischlein deck dich” oder “Gegessen wird, was auf den Tisch kommt!” Über moderne Märchen, märchenhafte Zeiten und andere Zustände. auch für die vielen Kinder schön. So Schneemann bauen und so was. Also, ich selber hab ja keine, aber macht nichts. Was wäre so ein Weihnachtsfest ohne Schneeflocken. “Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit.” Ja, schon lange her, dass wir dieses Lied gesungen haben. Damals, ich war, also glaube ich, naja , so acht oder neun eben. Wird schon hinkommen. Wie ging es noch gleich weiter? Irgendwas vom Himmel hoch, da kommst du her. Ach nein, das war ja das andere Lied. Haben wir aber auch gesungen. Glaub ich zumindest. Jetzt weiß ich es wieder. “Du wohnst auf den Wolken, dein Weg ist so weit.” Richtig, so ging das. Was, nein. Ach, “in den Wolken” heißt das? Ich dachte immer “auf den Wolken“. Dann hab ich das damals immer falsch gesungen. Komisch, dass das keiner gemerkt hat. Wird wohl nicht so wichtig gewesen sein. Damals, ich glaub, da war ich so acht, neun Jahre alt. Ist schon lange her. Das lange Warten auf die Bescherung war auch immer furchtbar. Meine Güte, ging uns, also meinem Bruder und mir, meine Mutter immer auf die Nerven. Der müsste jetzt auch schon über 40 sein. Also, meinen Bruder meine ich. Ja, genau. Na sicher hat er seinen 40er schon hinter sich. Warte mal, ich bin jetzt, puh, keine Ahnung, aber auf alle Fälle natürlich älter als er. Fällt mir gerade nicht ein, aber ich komm schon noch drauf. Den ganzen Tag mussten wir warten. Ach, Ihnen geht es heute noch so? Ja, schlimm, kann ich mir gut vorstellen. Stellt einen schon auf die Geduldsprobe. Aber mir macht das eigentlich nichts. Ich hab eigentlich genug Zeit. Da kann man schon mal die eine oder andere Stunde warten. Hat irgendwie auch was Gutes. Vergeht die Zeit schneller. Nicht, dass ich jetzt nichts zu tun hätte, aber die Zeit vergeht halt. Manchmal schneller, manchmal langsamer. Wie das halt so ist im Leben. Ihnen geht es genauso. Kann ich mir gut vorstellen. Bei all dem Stress, was Sie so haben müssen. Ja, klar, der Tisch deckt sich auch nicht von alleine. Wär doch zu schön, so ein Tischlein deck dich. Aber gibt’s ja leider nur im Märchen, sowas Praktisches. Alles muss man selber machen.

So, jetzt aber genug geredet. Ich muss weiter. Lange genug hier gesessen und dummes Zeug geredet. Bringt ja nichts, schließlich wollen die Leute endlich feiern. Hab ich mich doch richtig mit Ihnen verplaudert. Tut mir leid, aber Sie wissen ja, ohne Uhr hat man eben kein Zeitgefühl. Was, so spät schon? Das gibt’s ja gar nicht. Kein Wunder, dass ich Hunger habe. Normalerweise esse ich ja viel früher, aber heute muss ich sowieso noch warten. Sie wissen doch, dieses schöne Sprichwort: “Gegessen wird, was auf den Tisch kommt!” Nein, nein, Sie brauchen jetzt keine Angst haben. Ich bleib natürlich unten. Also bitte, ich kenne meinen Platz schließlich. Außerdem seh ich ja, dass kein Platz mehr ist. Wär ja noch schöner. Ich hab schließlich Tischmanieren. Unter Tischmanieren sozusagen. Haha, ja, ein kleiner Scherz am Rande. Alos an meinem Rande. Sozusagen am Rande der Gesellschaft. Haha, schon wieder ein kleiner Scherz. Es heißt ja nicht umsonst: “Gegessen wird, was unter den Tisch fällt!” Sag ich mir immer wieder. Ich hab eh Zeit. Nur keine Eile. Essen Sie ganz in Ruhe mit Ihrer Familie fertig. Ich hab heute sowieso nichts mehr vor. Aber bitte, nichts zu danken. Ich seh ja, ist genug für uns alle da. Ich meine natürlich für Sie alle. Lassen Sie sich bitte durch mich nicht stören. Ich muss jetzt sowieso weiter. Sie wissen, Weihnachten und so. Man will schließlich nicht erst alles auf den letzten Drücker besorgen. Um Gottes Willen, nein, bitte bleiben Sie sitzen. Es geht schon, danke. Muss nur erst wieder in Schwung kommen. Der kalte Asphalt und so, Sie wissen ja. Nein, können Sie selbstverständlich nicht wissen, woher auch. Macht nichts, man kann schließlich nicht alles wissen. Ich hab ja auch dieses Lied vergessen. Sie wissen schon, das was wir damals, ich glaub, da war ich so acht oder neun, alle gemeinsam gesungen haben. So, dann wünsche ich guten Appetit. Gerne, nichts zu danken. Ich habe schließlich zu danken. War wirklich nett, mit Ihnen zu plaudern. Hat man wirklich selten, so nette Tischnachbarn.

 

16.11.2011

AKW Ringhals: Großreinemachen mit Vattenfall

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 17:01


Sauberer Atomstrom im wahrsten Sinne des Wortes

Vorab eines: Heute gibt es weder Videos zu sehen noch sonstige bewegten und in der Bewegung erstarrten Bilder zu betrachten.

Dass sich die Betreiberfirmen von Atomkraftwerken selbst in Zeiten wie diesen immer noch als die Sauberfrauen der Energieversorgung und Saubermänner der Nationen darstellen, wissen wir. Doch dass Vattenfall als verantwortlicher Betreiber des nahe Göteborg stehenden Atomkraftwerks Ringhals diese Aufgabe so ernst nimmt, würde die Sache zwar äußerst amüsant machen, macht sie es aber aus folgenden begreiflichen Gründen nicht gerade. Dass das “AKW der Vergesslichen” von Vattenfall jedoch jetzt aufgrund eines vergessenen Staubsaugers (wieder einmal) zu einer atomaren Lachnummer wurde, macht deutlich, welchen Stellenwert die Kernkraftbetreiber und legalen Geldeintreiber dem Thema Sicherheit entgegenbringen. Denn Vattenfall ist weder Einzelfall und schon gar nicht ist es der erste Störfall.

AKW Ringhals: Auch ohne Staubsauger brandgefährlich

Dass dies nicht der erste Vorfall um das AKW Ringhals ist, macht die ganze Causa jetzt auch nicht unbedingt amüsanter. So war schon einmal im Juli 2008 Feuer unterm oder in diesem Fall auf dem atomaren Dach. Dachdecker hatten damals aus Versehen Dachpappe durch Gasbrenner auf dem Dach des Turbinengebäudes in Brand gesetzt. Dass daraufhin Großalarm und hilfesuchende Unterstützung an auswärtige Feuerwehren ausgelöst wurden, sei dabei ein ganz normaler Vorgang, versicherte der Kraftwerkssprecher Gösta Larsson der Öffentlichkeit damals. Schließlich konnte “das sehr begrenzte Feuer schon nach wenigen Minuten gelöscht werden“. Und Vattenfall zeigte sich auch noch überaus stolz, dass trotz des schwelenden Konflikt mit den Naturgewalten, wenn denn Feuer solch eine elementare Gewalt darstellt, die vier Reaktoren während der Löscharbeiten weiter im Sinne der Energieversorgung zum Wohle des Volkes weiterarbeiteten und danach natürlich wieder mit voller Kraft (Handelsblatt: Brand in Atomkraftwerk Ringhals in Schweden).

Doch es geht noch besser. Im November 2006 wurde die schwedische Bevölkerung mit dem folgenden lapidaren Satz durch die Statens Kärnkraftinspektion (Schwedische Atomaufsichtsbehörde) über einen scheinbar recht harmlosen Vorfall am Reaktor 3 des Atomkraftwerkes informiert:

There is information that a redundant pump in the sea water cooling system (715 P2) failed to start and that initial loss of power to the digital control rod position indication occurred.” (World Nuclear News: Automatic shutdown at Ringhals 3 after fire in a transformer)

Grund war die Explosion eines Transformators, welcher daraufhin vollständig ausbrannte. Dies hatte dann zur Folge, dass eine der Kühlwasserpumpen den atomaren Geist aufgab und sogar vorübergehend die Positionskontrolle der Brennstäbe außer Kontrolle geriet, weil dies ohne Stromversorgung blieben. Da war es dann selbst nach Vattenfall’schen Maßstäben aus mit voller Kraft. Selbstverständlich nur kurzfristig (Schon wieder ein Unfall in einem Vattenfall-AKW).

Feuerlöschen und gleichzeitig Durst löschen

Doch das AKW Ringhals und die dort Beschäftigten dürften auch abseits von schnell gelöschten Feuern und vergessenen Staubsaugern ein recht seltsam lustiger Haufen sein, welcher sich trotz widrigster Umstände die Feierlaune nicht so schnell verderben lässt. So schreibt die Wirtschaftswoche in ihren Artikel “Vattenfall in der Kritik: Betrunkene bauen Atomkraftwerk” vom Juli 2007:

Schwedischen Medienberichten vom Mittwoch zufolge sind in Vattenfalls wichtigstem schwedischen Atomkraftwerk Ringhals mehrere Bauarbeiter in den vergangenen Wochen betrunken erwischt und entlassen worden. Acht Arbeiter seien stark alkoholisiert aufgefallen und hätten außerhalb des Reaktorgeländes in Unterkünften weibliches Reinigungspersonal belästigt. Der Informationschef von Ringhals, Torsten Bohl, sagte der Zeitung „Göteborgs-Posten“, die Bauarbeiter hätten keinen Zutritt zur Reaktorhalle gehabt, sondern seien ausschließlich am Erweiterungsbau des Reaktors drei beschäftigt gewesen.

Dass sich der Konzern von den Arbeitern, welche in Diensten einer Fremdfirma für Vattenfall arbeiteten, dann trennte, mag mehr als löblich sein. Die Tatsache, dass gerade diese Arbeiter aber an jenem Reaktor 3, welcher im November des vorangegangenen Jahres aufgrund des explosiven Verhaltens eines Transformators heruntergefahren wurde, tatkräftig und promilleselig sicherlich wertvolle Unterstützung leisteten, weckt in meinen Augen mehr als nur Unverständnis. Sozusagen blau zum Super-GAU ist bei Vattenfall scheinbar kein Einzelfall. So kam es am 25. Juli 2006 (manche Medien berichten fälschlicherweise vom 26. Juli) im ebenfalls von Vattenfall betriebenen AKW Forsmark zu einem Vorfall, welcher nur wenige Minuten später seinem 20 Jahre vorher havarierten AKW-Bruder Tschernobyl die verstrahlten Hände hätte reichen können. Die falsche Datierung und die damit verbundene eintägige Verzögerung der Abschaltung beruht nämlich darauf, dass Vattenfall den Reaktor nicht sofort gestoppt hat, sondern erst am Folgetag heruntergefahren wurde. Und laut “The Local”, einem englischsprachigen Internetmagazin, stand das AKW Forsmark kurz vor Erreichen der Kernschmelze. Dass diese Meinung nicht von grün angehauchten Atomgegnern vertreten wurde, sondern von Lars-Olov Högelund, welcher lange Zeit für Vattenfall die Konstruktionsabteilung leitete, macht die ganze Sache umso bedenklicher:

“It was pure luck that there was not a meltdown,” he said. “Since the electricity supply from the network didn’t work as it should have, it could have been a catastrophe.”
He said without power the temperature would have been too high after 30 minutes and the reactor would have been damaged. Within two hours there would have been a meltdown. (Nuclear plant ‘could have gone into meltdown’ oder deutschsprachig “Forsmark ist der Normalfall”)

Ganz amüsant wird es allerdings durch die Tatsache, dass scheinbar Alkoholprobleme nicht erst seit den Ausschweifungen der am AKW Ringhals beschäftigten Arbeiter bekannt waren. Dazu “AKW Forsmark: Pfusch und Alkohol” oder “Alkohol im AKW Forsmark“. Ich würde daher vorschlagen, endlich mit dem Großreinemachen in Sachen Atomkraft zu beginnen. Und weiterhin, dass die Verantwortlichen von Vattenfall in Zukunft vielleicht als StaubsaugervertreterInnen durch die Lande ziehen. Darauf trinke ich jetzt ein Schlückchen. Nespressofreien Kaffee natürlich. Was dachten denn Sie?   

 

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