Bio Natur - Der Weblog

30.1.2012

Wir manipulieren, um zu manipulieren

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 03:30


Wir machen uns ein reales Bild durch glaubwürdige Bilder

How the media can manipulate our viewpoint. Ein Bild kann viele Dinge erzählen. Es kommt immer nur auf den richtigen Bildausschnitt und die gewähte Perspektie an. Der Manipulation durch die Medien sind durch heutige Bildbearbeitungs-Software fast keine Grenzen gesetzt.Ich hatte Ihnen unter “How the media can manipulate our viewpoint” beschrieben, wie ich mir ein Foto so zurechtlegte, dass es die von mir gewünschten Zwecke und Ziele, nämlich anschaulich unter “Ein Foto erzählt eine Geschichte” den dort (von mir fingierten) Inhalt glaubwürdig zu unterstreichen. Ebenfalls hatte ich geschrieben, dass Sie das linke Foto möglicherweise im Zusammenhang mit manipulativer Berichterstattung durch die Medien welcher Art auch immer schon einmal gesehen haben. Und auch in diesem zweiten Fall bin ich einen Schritt weitergegangen, denn ich war mit dem Foto einfach nicht rundum zufrieden. Zufrieden in dem Sinne, dass es für meinen Artikel “Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte” noch den gewissen Feinschliff benötigte.

Ich habe mich dabei bestimmter Techniken bedient, wie sie tagtäglich von Medien, der Werbeindustrie oder sicherlich auch BloggerInnen wie mir verwendet werden. Ich habe durch die Wahl eines für meine Intention geeigneten Bildausschnittes Zensur sowie durch nachträgliche Retuschen am How media can manipulate our overview oder die Manipulation durch unkritische Informationsaufnahme. Wie sogenannte unwiderlegbare Bildbeweise gewünschte Informationen verbreiten und glaubhaft untermauern.Bildmaterial Manipulation betrieben. Ich habe bewußt die Wirklichkeit verfälscht. Und ich habe diesen Vorgang ein weiteres Mal unter “Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte” wiederholt. Allerdings gibt es im “Original” einen entscheidenden Fehler, welcher bei genauerer Betrachtung auffällt. Denn wer genau hinsieht, wird die rechte Hand des Soldaten auf seinem Oberschenkel ruhend erkennen. Doch das Gewehr, welches über die rechte Schulter hinweg auf die Schläfe des “Kriegsgefangenen” zielt, wird ebenfalls von einer rechten Hand gehalten. Schlecht möglich und deshalb für mich verbesserungswürdig.

Also habe ich den Bildausschnitt nach links vergrößert, umfür meine LeserInnen auch wirklich nichts im Geheimen zu lassen, sondern darauf zu verweisen, dass hier ein dritter Soldat anwesend ist. Ich habe ja nichts zu verheimlichen, wäre noch schöner. Allerdings war mir die ganze Szenerie dann noch etwas zu menschlich. Die Hand, welche von rechts kommend den Kopf des Gequälten stützt, ist mir dann doch zu menschlich. Unbedarfte BetrachterInnen könnten doch tatsächlich auf die Idee kommen, dass hier Milde am waltenden Werke ist, was aber so gar nicht erwünscht wäre. Wir wollen ja über die Greuel ähnlich denen im (realen) Guantanamo berichten und nicht von Menschenwürde daherschwafeln. Also muss die stützende Hand weg! Die entstandene Lücke? Kein Problem, der Haarschnitt war sowieso nicht gerade vorteilhaft, also lassen wir die Haare eben wachsen und deuten darüberhinaus noch den Haaransatz über dem Unterarm an. Noch perfekter wäre es allerdings gewesen, wenn ich die Haare auch rechts des Gewehrlaufes eingefügt hätte. Denn so fällt es einem kritischen Menschen auf, dass irgendetwas nicht passt. Habe ich aber nicht getan, um Ihnen zu zeigen, dass es oftmals auf jedes noch so kleine Detail ankommt, um auch die letzte Unstimmigkeit zu beseitigen. Doch trotz Makel hat die Umgestaltung zwei Vorteile. Erstens wird der Blick sofort auf den Lauf der Waffe und deren Druckpunkt auf der Schläfe gerichtet und zweitens haben wir die Gewissheit, dass zwischenmenschliches Verhalten durch Berührung endgültig unter den blickdichten Tisch fällt. 

Wieder stand also ein bestimmter Inhalt im Vordergrund, den ich durch ein Foto unterstreichen wollte, um dem Gelesenen mehr Gewicht zu verleihen. Noch einmal habe ich die Wichtigkeit der Aussagen durch die nachträgliche Bearbeitung von Bildmaterial so zurechtgebogen. Natürlich ohne den geringsten Hinweis auf die eigenmächtigen Änderungen, schließlich möchte ich den LeserInnen nur das zeigen, was zu zeigen aus meiner Sicht erwünscht ist. Manipulieren, um zu manipulieren. Die Wahrheit? Ja selbstverständlich, nur eben ein bisschen geschönt und auf die Sprünge geholfen. Hier ein Strich weniger, dort ein paar Pixel hinzugefügt. Die Haare wachsen innerhalb von Sekunden, ein fehlender Daumen wird dank entsprechender Kenntnisse zum retuschierten Anhängsel. Daumen hoch und mit Haut und Haaren medial verspeist. Und zum Dessert gibt es die Überzeugung: “Oh Gott, das muss ich sofort auf Facebook posten und per Tweed in Umlauf bringen. So kannte ich die ganze Geschichte Wir manipulieren, um zu manipulieren. How the media can manipulate our viewpoint. Was es bedeutet, wenn wir uns allzu leichfertig und gutgläubig auf mediale Berichterstattung verlassen und ohne Kritik Gelesenes und Gezeigtes hinterfragen.ja noch gar nicht. Gut, dass man sich auf die Medien und gute Berichterstattung verlassen kann!”  

Und weshalb? Weil es halt alle tun? Weil es ein Kavaliersdelikt ist? Weil es anders einfach nicht geht? Oder vielleicht, weil die Wirklichkeit dadurch noch einen Daumenbreit realer wird, ohne dass uns gleich die Haare zu Berge stehen? Weil bestimmte Details ja sowieso nicht so wichtig sind, dass wir sie zeigen müssen? Damit wir uns endlich auf das Wesentliche konzentrieren können? Doch genau hier liegt das Problem. Wer bestimmt, was wesentlich und wichtig ist? Es sind jene Medien, in diesem Fall ich als Blogger, welche die Wahrheitsfindung steuern wollen und uns weismachen möchten, dass ein Bild mehr erzählt als tausend schöne Worte.

Doch wie sieht diese von mir subjektiv gesehene Wahrheit und Realität, wenn denn Wahrheit überhaupt messbar ist und Realität sich objektiv und allgemeingültig nacherzählen lässt, wirklich aus? Was, wenn weder die erste noch die zweite Geschichte so geschehen sind und es eine dritte (oder möglicherweise noch mehr) Wirklichkeit gibt, die ich Ihnen aus welchen Gründen auch immer vorenthalten habe. Was, wenn ich die gewählte Perspektive des Fotos und damit auch das den Text begleitende Bilddokument so angepasst hätte, dass ich Ihnen genau das mitgeteilt habe, was mitzuteilen mir aus meiner Sicht wichtig war? Ich habe mich auf ein unwiderlegbares Beweismittel berufen. Schließlich bildet doch ein Foto eine Momentaufnahme der Wirklichkeit dar und lässt sich dementsprechend nur schwerlich wegleugnen. Rufen wir uns also noch einmal die beiden Fotos in Erinnerung und verbinden diese Informationen mit jenen des Textes.

Als die Bilder nicht nur laufen, sondern auch sprechen lernten

Ein weiteres wirklich eindrückliches Beispiel bietet der folgende Kurzfilm “Eine Wahrheit drei Perspektiven“, den Sie bei Klick auf den Link oder das Schaubild erreichen. Es handelt sich dabei um eine alte Werbeanzeige, welche die britische Zeitung “The Guardian” lanciert hatte. Zumindest habe ich es so gelesen, was auch wiederum bedeutet, dass Werbefilm von “The Guardian”. Eine Wahrheit drei Perspektiven. Die Wirklichkeit aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen und gestaltet.ich eine Information ungeprüft übernommen habe. Doch für den Zweck soll es genügen, schließlich will ich Ihnen damit anschaulich machen, was es für uns alle bedeuten kann, aus der täglichen Informationsflut jene Dinge zu filtern oder eben nicht zu hinterfragen, welche möglicherweise für die Belange jener von Nutzen sind, welche diese Medieninhalte veröffentlichen und uns Wahrheiten vorgaukeln möchten, welche aus dem Zusammenhang gerissen und perspektivisch für die eigenen Zwecke umgeformt eine völlig neue Sicht der Dinge ergeben.

Die Wirklichkeit aus verschiedenen Blickwinkeln sehen und sogar gestalten. Dass ich als Blogger diese Techniken und Stilmittel wohl ebenso einsetze, teils unbewußt, teils beabsichtigt, um meine eigene Meinung zu vertreten und diese eine ganz persönliche Sicht der Dinge nach außen zu tragen, kann, darf und will ich erst gar nicht bestreiten. Bestimmte und für den eigenen Zweck dienliche Inhalte aus einem Ganzen herauszureißen, diese dann in das eigene geschriebene Wort einzubauen, um diesen “fremden” Worten dadurch zu einer vollkommen neuen Aussagekraft und dem eigenen Wort mehr Gewicht zu verleihen und zu verhelfen, auch ich kann ab und zu dieser Versuchung nicht widerstehen. Es genügt oftmals schon der Umstand, dass ich mir einen zum jeweiligen Thema passenden Text durchlese, danach aber nur jene Passagen, welche mir selbst als zweckdienlich erscheinen, mit in die persönlichen Artikel einfließen lasse. Copy and paste als lockende Versuchung, durch Manipulation persönliche Vorteile oder Glaubwürdigkeit zu verbreitet, wird in Zeiten der Reizüberflutung und ständiger Erweiterung und permanenter Erreichbarkeit der verschiedensten Medien unser Bild von der Wirklichkeit noch oft vor die Zerreißprobe stellen. Manipulatives Verhalten wurde sicherlich nicht nur Herrn Guttenberg zum Verhängnis, sondern begleitet auch uns Tag für Tag auf der Suche nach Informationen, Hintergrundwissen und dem Drang nach Aufklärung und dieser einen, alles entscheidenden Wahrheit.

Ich hatte vor beinahe zwei Jahren schon einmal eine ähnliche Aktion gestartet. Unter “Extraterrestrisches Leben entdeckt” begann ich, dem unscheinbaren Stern “Gliese 581″ außerirdisches Leben einzuhauchen. In einer ebenfalls mehrteiligen Artikelserie, beginnend mit “1. Teil: Das Internet - wahr, gelogen oder wahrgelogen?” wollte ich danach der Frage nachgehen, weshalb wir unbewiesenen Gerüchten oftmals soviel Wahrheit zukommen lassen oder, um nun mit jener Erkenntnis von Friedrich Nietzsche zu schließen, welche ich in meinem damaligen Schlussartikel “6.Teil: Homo cyberspace - die Gefahr Internet” aus seinem Werk “Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne” schon einmal zitiert hatte:

Der Mensch selbst aber hat einen unbesiegbaren Hang, sich täuschen zu lassen, und ist wie bezaubert vor Glück, wenn der Rhapsode ihm epische Märchen wie wahr erzählt oder der Schauspieler im Schauspiel den König noch königlicher agiert, als ihn die Wirklichkeit zeigt.  

28.1.2012

How the media can manipulate our viewpoint

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 20:46


Wie die Medien unsere Wahrnehmung steuern können

How the media can manipulate our viewpoint. Passende Bilddokumente aus dem Zusammenhang reißen und in den gewünschten Kontext einbinden.

Nachdem ich kurzfristig meine Blogressourcen für andere, recht seltsame Dinge okkupiert hatte, geht es heute wieder im bereits begonnenen Rhythmus zum  Thema medialer Steuerung durch den Einsatz von Fotos weiter. Sollten Sie allerdings die beiden folgenden Beiträge noch nicht gelesen haben, würde ich Sie nun bitten, dies zum Verständnis der folgenden Ausführungen nachzuholen.

Ein Foto erzählt eine Geschichte” und “Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte“. Zwei kurze Abhandlungen zu ein und demselben Thema. Erzählt und vor allem hinterlegt mit jeweils einem Foto, welches uns den Inhalt des Gesagten oder in diesem Falle geschriebenen Text noch eindrücklicher näherbringen soll und die Aussagekraft und damit bedingt auch oder vor allem die Glaubwürdigkeit unterstreichen möchte. Fiktiv von mir selbst erzählt, doch in Anbetracht der aktuellen Geschehnisse in Afghanistan, welche von den allermeisten von uns aufgrund der räumlichen Distanz und der kolportierten Gefährlichkeit vor Ort nur anhand der Medienberichte verfolgt werden will und kann, sicherlich ein Thema von Interesse.

Auf das richtige Bild kommt es an

Möglicherweise ist das linke Bild der einen oder dem anderen bereits einmal “über den Weg gelaufen” und Sie kennen die darin verborgene Problematik respektive wissen jetzt schon, dass hierbei nicht die volle visuelle Bandbreite im wahrsten Sinne wiedergegeben wird. Es handelt sich hierbei um einen gewählten Bildausschnitt aus einem Foto, welches nur ganz bestimmte Details wiedergibt und deshalb auch nicht die vollständige Aufnahme zeigt. Unzensiert, zumindest würde ich selbst diese Form eigenständiger Bildbearbeitung als How media can manipulate our viewpoint. Die gewählte Bildperspektive bestimmt unser Sehen und Denken. Wie Medien durch bewusste Manipulation unser Wahrheitsempfinden beeinflussen können.Zensur bezeichnen, und vollständig würde sich den Betrachtenden ein ganz anderer Inhalt bieten, als auf den ersten Blick oder eigentlich gar nicht zu erkennen ist. Denn wie auf dem (vollständigen) Bild rechts dargestellt, ließ ich zur Unterstreichung meiner Fiktion in “Ein Foto erzählt eine Geschichte” nur den von mir gewünschten bildlichen Inhalt in die Information einfließen und habe ganz bewußt eine Perspektive gewählt, welche mir hilfreich und für meine eigenen Zwecke wünschenswert erschien.

Anders wie in den im Internet verschiedenen Versionen, welche sich fast immer auf denselben Bildausschnit beziehen, bin ich allerdings noch einen Schritt weitergegangen und habe einen noch größeren Bildausschnitt gewählt, um auch den zweiten Soldaten in den Kontext meiner ersten fiktiven Meldung mit einzubeziehen und dem Geschriebenen noch mehr Gewicht zu verleihen. Die Rettungsaktion der gefangenen Soldaten muss schließlich durch eine Mehrzahl an Kämpfern unterstrichen werden, um auf die Gefahr der Lage hinzuweisen. Nicht nur ein mutiger Mann muss zu sehen sein, sondern eine Operation, welche eine Vielzahl an Helden suggeriert. Rambo hätte zwar im Alleingang ein ganzes Bataillon aufgemischt, doch wir wollen schließlich sterbliche Soldaten sehen, welche nur im Verbund stark sind und nicht mit Herrn Stallone or der Leinwand verbringen.

Das Problem dabei war jetzt aber, dass ich durch die Verbreiterung des Bilddokumentes und Einbeziehung in die kolportierte Meldung die für meine Zwecke ganz und gar unschöne Waffe des Soldaten mit in das Bild gebracht hätte. Das winzig kleine, aber wichtige Detail am oberen linken Bildrand, nämlich den Helm, wollte ich unbedingt mit drinnen haben, doch wer braucht schon einen unschönen Gewehrlauf an der Schläfe des Geretteten? Denn genau dieses wollte ich vermeiden, schließlich wollen wir mutige Männer sehen, welche einem Geschwächten selbstlos das dringend benötigte Wasser reichen. Ein Gewehr würde dabei nur störend wirken und sicherlich bei manchen Assoziationen wecken, die so gar nicht zum Inhalt passen wollen. Ich wollte Ihnen schließlich von Rettungseinsätzen berichten und nicht von Erschießungskommandos erzählen.

Wer mit Photoshop oderPaul Boegle manipuliert Bilddokumente im Sinne zielgerichteter Informationsgestaltung. How media can manipulate our overview oder wie uns die Medien durch bestimmte Inhalte steuern können. ähnlichen Derivaten arbeitet, wie ich es tat und besonders die Werbeindustrie Tag für Tag macht, um uns doppeltes Wimpernvolumen und andere voluminöse Werbeversprechen zu suggerieren (dazu z.B “David Ziegelmayer: Retuschierte Werbung - Wer schön sein will, muss glauben“), wird wissen, dass die Technik nichts unmöglich macht.

Don Draper, Creative Director der fiktiven Werbeagentur Sterling Cooper und Protagonist der US-Fernsehserie “Mad Men”, brachte die einfache Rechtfertigung der Werbewirtschaft schon 1960 zynisch auf den Punkt: “Es gibt keine große Lüge, kein System. Das Universum ist indifferent”. Will heißen: Wer der Werbung Glauben schenkt, ist selbst daran schuld.

Daran hat sich bis heute wenig geändert – allzu “gläubigen” Verbrauchern kommen allerdings hin und wieder die Gesetze oder Rügen von Branchenverbänden zur Hilfe. So wie kürzlich im Falle der Werbung eines US-Unternehmens für Wimperntusche: Mit dem makellosen Konterfei der Countrysängerin Taylor Swift in einer Anzeigenkampagne sollten Wimpernträume der umworbenen Frauen wahr werden.

(…) Für die aufmerksame Leserin entpuppte sich dieser Wunsch allerdings schon beim Lesen des kleinen, in der Anzeige enthaltenen “Disclaimers” als ziemlich fromm – nicht einmal Taylor Swift selbst kann die Wimpern von Natur aus mitbringen. Unterhalb der Abbildung stand nämlich zu lesen: “Wimpern wurden in der Postproduktion verbessert”.

Zumindest wer sich damit nur ein bisschen auskennt, macht aus einer Mücke fast schon eine Elefanten oder eben dank postproduktiver Retuschen, fast bin ich versucht, von einem chirurgischen Eingriff zu sprechen, aus einer bedrohlichen Situation einen Rettungseinsatz. Ich hätte mich selbstverständlich auch mit einem einfachen Ausschneiden der relevanten Bilddetails zufriedengeben können, doch ich wollte (vielleicht auch selbst für mich) wissen, was alles möglich ist, um aus einem ohnehin schon manipulierten Bild noch das gewisse Etwas herauszuholen. Ein angsteinflößendes und unerwünschtes Gewehr in den Händen eines Soldaten oder, noch schlimmer, an der Stirn des Geretteten, war in meinem Fall kein sehr hilfreiches Detail, jedoch dank Bildbearbeitung ein geradezu geringer Makel, welchen ich hier aus der sichtbaren Welt mit wenigen Handgriffen hinausgewischt habe. Solche Probleme lassen sich relativ leicht bereinigen, wie “Vorher” und “Nachher” auf dem dritten Bild zeigen. Dass ich dies nun als Teil der Zeitungsente unter “Ein Bild erzählt eine Geschichte” eingeflochten habe, macht anschaulich, dass einer medialen Profiabteilung oder einer Regierung, welche “ihren” Krieg der Öffentlichkeit als gerechte Sache verkaufen möchte, sicherlich noch ganz andere Mittel und Wege offenstehen, um das Offensichtliche im Verborgenen zu lassen oder Verborgenes mit subtilen Perspektiven in den Fokus zu rücken.

Ich wollte ursprünglich meine beiden Manipulationsversuche innerhalb eines Artikels unterbringen. Doch ich denke, das wäre nun des Guten zuviel. Also werde ich noch einen weiteren Artikel unter dem Titel “Wir manipulieren, um zu manipulieren” einstellen, um zu “Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte” noch etwas Einblick zu geben und dann zum Ende zu kommen. Denn das Bewußtsein und vor allem die Möglichkeit, diese Dinge z.B. auch als Blogger selbst nutzen zu können, bringt auch eine gewisse Verantwortung für eigene Artikel und Beiträge unter Zuhilfenahme von Fotos mit sich. Wieweit darf ich also diesen Einsatz auf die sogenannte Spitze treiben respektive ist es mir überhaupt gestattet, subjektiv wichtige Ausschnitte von nach eigener Meinung unwichtigen Details zu trennen, um so ein mögliches Verfälschen in Kauf zu nehmen und andere von meiner ganz persönlichen Ansichten überzeugen zu wollen? Oder würde es genügen, einfach wie im Falle meiner beiden Kurzgeschichten darunterzuschreiben: “Kriegshandlungen wurden in der Postproduktion verbessert.“ 

Natürlich ist dies jetzt nur ein fadenscheiniger Grund, um Sie zum Wiederkommen zu bewegen. Auch eine Form der Manipulation, ich weiß!

26.1.2012

Occupy Austria: Ein “Gefällt mir” überhaupt nicht!

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 08:13


Quo vadis: Wiederbetätigung im Umfeld der Occupy Bewegung?

Eigentlich war geplant, mit dem dritten Teil zu den beiden Meldungen “Ein Foto erzählt eine Geschichte” und “Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte” weiterzumachen. Doch aus aktuellem Anlass muss dieses Vorhaben aufgeschoben werden. Denn etwas anderes beschäftigt mich, was dringlicher zu besprechen wäre.

Dass auch ich mein Herz für die Occupy-Bewegung entdeckt habe, ist spätestens seit “Der verlogene Weihnachtsmann macht 2012 Station in Quatar” kein Geheimnis mehr. Doch ob ein Teil dieser OccupistInnen sein Herz am rechten Fleck hat, muss zumindest im Moment bezweifelt werden. Nein, muss es eigentlich nicht, denn möglicherweise haben Personen im Umfeld dieser Bewegung ihren 24-Stunden  Rhythmusgeber sogar ganz und gar am rechten Fleck. Dass der österreichische Ableger dieser Bewegung im Vergleich zu anderen Ländern ein kleines Grüppchen ist, mag richtig sein. Doch zumindest haben sich nach aktuellem Stand der Dinge (Ende Jänner 2012) auf Facebook schon über 9000 Personen zu einem “Gefällt mir” bequemt, was für diese für manche doch unbequeme Bewegung bei näherer Betrachtung ein beträchtliches Sümmchen in der kleinen Alpenrepublik darstellt.

Sicherlich hilfreich ist wohl auch die Tatsache, dass sich die Occupy Austria Bewegung einige Zugpferde von zumindest nationaler Popularität vor den Karren gespannt hat, um sich in heimischen Gefilden mehr Gehör und größere Aufmerksamkeit zu verschaffen. Der hierzulande sehr bekannte Kabarettist Roland Düringer und der Tierschützer Martin Balluch,welcher zusammen mit zwölf anderen TierschützerInnen wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung aufgrund des sogenannten “Mafia-Paragraphen” §278a des Strafgesetzbuches angeklagt, jedoch von sämtlichen Anklagepunkten freigesprochen wurden (Tierschutzprozess 98. und letzter Tag), leisten selbstverständlich ihren kleinen, aber umso feineren Teil, um die Sache in die richtigen, nicht rechten, Bahnen zu lenken.

Und dann gibt es da noch einen gewissen Franz Hörmann. Wer am 15.01.2012 am Wiener Stephansplatz (siehe z.B. Kurier: Occupy am Stefansplatz) war und als kleiner ORF Club 2: Franz Hörmann zu Gast in der Sendung “Wenn der Finanzcrash kommt - was dann? und Mitautor des Buches “Das Ende des Geldes”.Teil der protestierenden Bewegung den gewichtigen Worten von Mitorganisator Philipp Janyr und den Gastrednern gelauscht hat, wird sich an den WU-Professor Hörmann erinnern. Doch der Ökonomieprofessor möchte scheinbar auch noch in ganz anderer bleibender Erinnerung bleiben. Was er aber sowieso schon zur Genüge macht, denn wer im “Club 2” des ORF zu Wort kommt, dessen Wort hat Gewicht. (Ganz interessant dazu: “”Das Ende (des Geldes”) der Zusammenarbeit mit Univ. Prof. Dr. Franz Hörmann“). Zumindest im kleinen Österreich. Wer 80 Minuten Zeit investieren möchte, kann sich natürlich gerne den “Club 2″-Beitrag “Wenn der Finanzcrash kommt - was dann?” ansehen. Ganz ehrlich, ich konnte der Sendung nicht viel abgewinnen, aber das will nichts heißen. Sehe ich mich doch nicht als Maßstab für “Das Ende des Geldes“, wie der geschriebene Wegweiser von Otmar Pregetter und eben Franz Hörmann lautet.

Nachhilfe bei der Erklärung von Antisemitismus?

Die Presse” schrieb am 20.01.2012 zu jenem wegweisenden Wegbereiter für Österreichs Occupy Bewegung unter “Die Empörten von Occupy Austria und ihr später Selbstfindungstrip“:

Warum Mitläufer am rechten Rand die Glaubwürdigkeit von Occupy Austria gefährden – und die Bewegung sich deshalb am Wochenende in Linz neu erfinden will.

(…) Doch ein ernsteres Problem bleibt: Ausgerechnet mit dem Auftritt des Wiener Wirtschaftsprofessors Franz Hörmann, eigentlich als Geldsystemkritiker bekannt, ist der Verdacht aufgekommen, im allzu breit angelegten Meinungsspektrum von Occupy hätten auch antisemitische Ideen ihren Platz. Der Hintergrund: Hörmann, der im März eine Partei für ein neues, geldfreies Gesellschaftssystem präsentieren will, pflegt Kontakte zur Human-Weg-Bewegung in der Schweiz. Diese spricht sich ebenfalls gegen das bestehende Geldsystem aus und hat auf ihrer Website Texte veröffentlicht, die „geistig-jüdische Führer“ in der US-Regierung orten und das Wirtschaftssystem der Nationalsozialisten loben. Hörmann selbst ist nach eigenen Angaben noch als „sachlicher Berater“ von Occupy tätig. Zum Thema antisemitische Tendenzen fragt man bei ihm besser zweimal nach: „Erklären Sie mir einmal, was Antisemitismus überhaupt sein soll“, so Hörmanns erste Reaktion (…)

Nicht gerade das, was ich mir persönlich von einem Repräsentanten solch einer Bewegung erwarte. Zu erklären, was Antisemitismus überhaupt sein soll? “Wie“, dachte und denke ich mir dabei schon, “ein Mann von solch Format weiß nicht, was Antisemitismus bedeutet und verlangt nach Aufklärung“. Nun ja, wer jetzt, wie ich es getan habe, Wikipedia zu Rate zieht, wird dort die Informationen finden, dass Herr Hörmann Jahrgang 1960 ist, die Matura (Abitur) mit Auszeichnung abschloss und darüberhinaus seine Dissertation mit dem “Senator Wilhelm Wilfling Forschungspreis der Wirtschaftsuniversität Wien” ausgezeichnet wurde. Und diesem Herrn muss Nachhilfe in Sachen Antisemitismus gegeben werden? Starkes Stück, aber bitte.

Auch ganz stark ist jetzt die Äußerung von Herrn Hörmann, welche im Standard unter “Ermittlungen gegen Occupy-Aktivisten wegen Wiederbetätigung” nachzulesen ist:

(…) Teile der österreichischen Occupy-Bewegung beschäftigen nun die Staatsanwaltschaft - wegen Verdachts auf Wiederbetätigung und Volksverhetzung. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) hat eine entsprechende Sachverhaltsdarstellung eingebracht.

Der Grund sind Texte wie dieser: “Um die Weltgeschichte zu verstehen, muss man die Geschichte des Geldjudentums als Nomadentum verstehen” (in Hinblick auf die Geschichte des zweiten Weltkriegs, Anm.) oder: “Die US-Regierung weiß ebenso wie ihre geistig-jüdischen Führer, dass nur das neue Europa die Welt zu regieren berufen ist.”

Sie stehen auf der Homepage von Hans-Jürgen Klaussner, Sekretär der 2011 gegründeten Human Way Partei, die etwa für eine Neuregelung des Geldsystems eintritt. Präsident der Partei ist der WU-Professor Franz Hörmann, der als Redner bei der Demo am Aktionstag der Occupy-Bewegung am Wiener Stephansplatz auftrat. Seine Partei hat “95 Prozent Deckungsgleichheit” mit den Zielen von Occupy, sagt er.

(…) Die Texte seien von Klaussner ohne Absprache noch vor der Parteigründung online gestellt worden. “Bestimmte Inhalte müssen wegen des Verbotsgesetzes anders formuliert werden”, sagt Hörmann. In der Partei sei aber grundsätzlich jeder willkommen, “seien es Nazis, Marxisten oder Islamisten”.

Das sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Sollte jetzt in Deutschland doch irgendwann beschlossen werden, die NPD zu verbieten, dürfte zumindest ein Problem gelöst sein. Wer bisher nicht wusste, wohin, ohne im Regen, auf der Straße oder womöglich sogar auf der regnerischen Straße zu stehen, hat jetzt zumindest ein lohnendes Ziel vor den braunen Augen. Franz Hörmann bietet sozusagen politisches Asyl für alle, die das Herz am rechten Fleck tragen. Ein guter Artikel dazu findet sich auch auf Furtlehners Blog unter “Rechte Geisterfahrer unterwegs“.

Unter Hörmanns Vorsitz gründet sich jetzt eine neue Partei namens HPÖ, die ihren Statutenentwurf von der antisemitischen HuMan-Weg Bewegung bezieht. Auf der österreichischen Website der „HuMan-Weg Bewegung“ finden sich haarsträubende antisemitische Texte aus dem rechts-esoterischen Spektrum des Chefideologen der Bewegung, des Schweizers Hans-Jürgen Klaussner.
Der feine WU-Professor Hörmann weiß natürlich, was er seinem Ruf schuldig ist und hütet sich selbst direkt antisemitisch zu äußern. Er betont vielmehr seine „ideologische Neutralität“ und will einen „Schlussstrich“ unter die Geschichte ziehen, eine allzubekannte Argumentation aus dem rechten Eck. Und er predigt eine querpolitische Kooperation zwischen unterschiedlichen Weltanschauungen, ein Konstrukt, dem schon in der Anti-EU-Bewegung manche irregeleiteten Linken auf den Leim gingen.

Ich habe es bisher versäumt, den ominösen und oftmals so leichtfertig “Gefällt mir“-Button für Occupy Austria zu drücken. Aus welchen Gründen auch immer. Dass ich dieses Versäumnis auch in nächster Zeit nicht aus der Welt schaffen werde, möge frau und man mir nachsehen. Denn vorher gilt es einige andere Dinge aus der Welt zu schaffen. Besonders wünsche ich mir eine klare Stellungnahme der Occupy-Verantwortlichen zu dieser Causa. Nun habe ich noch zum Schluss ein achtminütiges Interview von wienTV mit Franz Hörmann gefunden, welches ich Ihnen aus Gründen mir zum Vorwurf gemachter einseitiger Berichterstattung nicht vorenthalten möchte. Erstaunlich dabei ist allerdings die Tatsache, dass das Interview im Foyer einer “Bank Austria“-Filiale geführt wurde. Bei einem veröffentlichten Buch mit dem Titel “Das Ende des Geldes” dürfte es sich dabei wohl nur um ein Missverständnis handeln. Oder vielleicht um einen perfekten PR-Gag? Wer weiß dies schon so genau. Oder möchte frau und man womöglich gar nicht alles wissen?

 

25.1.2012

Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 16:30


Noch eine kurze Geschichte, noch ein aussagekräftiges Foto

Nachdem ich Ihnen unter “Ein Foto erzählt eine Geschichte” anschaulich erklärt habe, was es bedeutet, in Afghanistan für die gerechte Sache zu kämpfen, wenn denn das Vaterland und Mutter Staat Garanten für Gerechtigkeit sind, und bei diesem Kampf für das Gute gegen das Böse dabei unschuldig in Gefangenschaft zu geraten, erzähle ich Ihnen heute noch eine kleine Geschichte. Eine andere Geschichte mit einem anderen Foto, aber im Kontext ähnlich zu der bereits geschriebenen Kurzgeschichte, welche Sie nun bereits kennen und hoffentlich auch bewertet haben. Sollten Sie jedoch die erste Geschichte mit dem dort gezeigten ersten Foto noch nicht gelesen haben, bitte ich Sie, dieses jetzt unter obigem Link nachzuholen. Es dient dem besseren Verständnis.

Lassen Sie mich deshalb auch heute anmerken, dass Sie hier wiederum bis auf Weiteres vollkommen unreflektiert und neutral das Gelesene bewerten und das veröffentlichte Bild als Teil des Textes betrachten sollen. Wie auch schon im ersten Teil geschrieben: Eine persönliche Meinung über die dort herrschenden Zustände ist trotz der Bitte um neutrales Verhalten und unkritische Aufnahme durchaus erwünscht. Verarbeiten Sie die erhaltenen Informationen, geben Sie den Link auch an andere weiter, wenn Sie der (persönlichen) Meinung sind, dass solche Dinge verbreitet werden müssen. Schließlich bilden Nachrichten nicht nur in Demokratien die Grundlage und einen festen Bestandteil unseres Alltäglichen, um innerhalb und über die Grenzen des eigenen Landes hinaus über Ereignisse, Veranstaltungen, Zustände, Missstände und was auch immer interessant und wissenswert für unser Weltbild ist, bestens informiert und auf dem Laufenden gehalten zu werden. Was gibt es also Neues aus Afghanistan zu berichten?  

Geheime Fotos von Folterungen in Afghanistan

Zustände in Gefangenenlager ähnlich wie in Guantanamo

Laut Nachrichtenagentur dpad sind nun neue Fotos im Internet aufgetaucht, welche amerikanische Soldaten bei der Folterung von How media can manipulate our overview oder die Manipulation durch unkritische Informationsaufnahme. Wie sogenannte unwiderlegbare Bildbeweise gewünschte Informationen verbreiten und glaubhaft untermauern.Kriegsgefangenen in einem Lager nahe der zweitgrößten afghanischen Stadt Kandahar zeigen. Die Aufnahmen, welche wahrscheinlich aus der afghanischen Zivilbevölkerung stammen, jedoch von einer deutschen IP-Adresse aus ins Netz gestellt wurden, lassen keinen Zweifel daran, dass das amerikanische Militär mit allen Mitteln versucht, Druck auf die gefangenen Terroristen auszuüben. Die südlich der Hauptstadt Kabul gelegene Enklave gilt schon seit längerer Zeit als Hochburg der Al-Qaida. Nachdem in letzter Zeit immer wieder die in Afghanistan stationierten Streitkräfte Ziele von terroristischen Anschlägen wurden, konnte nun ein neuerliches Selbstmordattentat in letzter Minute nach Hinweisen aus der Bevölkerung durch ein Spezialkommando verhindert werden.

Gerüchte über die unmenschlichen Zustände und das Fehlverhalten der Sicherheitskräfte sickerten immer wieder durch, konnten jedoch aufgrund der hermetischen Abriegelung des militärischen Sperrgebiets nicht mit Sicherheit bewiesen werden. Doch angesichts der jetzt kursierenden Fotos, auf einem wird einem völlig erschöpften Kriegsgefangenen eine Waffe von zwei amerikanischen Soldaten an die Schläfe gepresst, muss sich das Verteidigungsministerium mit neuen Unregelmäßigkeiten und Vorwürfen von Menschenrechtsorganisationen und NGOs auseinandersetzen.

In einer ersten Stellungnahme zu den erhobenen Vorwürfen erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses, dass eine Sonderkommission bereits auf dem Weg nach Kandahar sei, um vor Ort mit den Verantwortlichen die derzeitigen Zustände zu erörtern und eventuelles Fehlverhalten zu überprüfen. Bei dem Gefangenenlager etwa 80 km südlich von Kabul handelt es sich um ein Militärgefängnis unter dem Oberkommando der US-Streitkräfte, in welchem Al-Qaida Angehörige und mutmaßliche Taliban inhaftiert sind. Verfehlungen wurden jedoch von einem ranghohen General der in Kandahar stationierten Bodenkräfte gegenüber der Presseagentur dementiert.

Allerdings räumten andere Angehörige der Streitkräfte schon vor längerer Zeit ein, dass man sicherlich “nicht sehr zimperlich mit den Gefangenen umgehe“, aber immer innerhalb der Grenzen des Erlaubten. Man müsse schließlich für die Sicherheit des Landes garantieren, deshalb seien gewisse Maßnahmen einfach nicht zu verhindern, soll ein deutscher Soldat geäußert haben, ohne jedoch konkret auf die Bedingungen in Kandahar einzugehen. Dass das jetzt veröffentlichte Bildmaterial jedoch anderes vermuten lässt, wollte bisher niemand kommentieren.

Das soll es nun wieder einmal gewesen sein. Genug für heute über Krieg, Gehorsam gegenüber Vater Land und die damit begründeten Leiden von Mutter Courage. Doch die Serie ist damit nicht zu Ende, sondern das sogenannte dicke Ende folgt erst noch. Bleiben Sie mir also gewogen, denn schließlich möchte ich Ihnen mit diesen beiden Meldungen etwas ins Bewusstsein rufen. Das lesen Sie dann unter “How the media can manipulate our viewpoint“.

24.1.2012

Ein Foto erzählt eine Geschichte

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 18:47


Wer sagt’s denn: Es kommt nur auf die richtige Perspektive an!

Das sage noch einmal jemand, dass wir alle gemeinschaftlich gemeinsam und einerlei einsam völlig perspektivlos durch diese schöne Welt voller Dimensionen, wahrgenommener Inhalte und wiedergegebener Tatsachen stolpern. Ich hatte in meinem letzten Beitrag “Ungelöschte Emails, die virtuelle Klimaerwärmung” nebenbei vom allzu sorglosen Umgang mit unseren persönlichen Daten geschrieben. Aus diesem Grund nehme ich dieses Thema zum Anlass, um in etwas erweiterter Form daran anzuschließen und in vielleicht ungewohnter Form vor Augen zu führen, welche damit verbundenen Probleme im Zusammenhang mit den Medien wir nicht ausblenden sollten. Als Blogger natürlich ein Bereich, welcher mich aus mehreren Gründen beschäftigen sollte.

Die nächsten drei Artikel beschäftigen sich deshalb mit dem Phänomen Mediengestaltung. Allerdings in etwas anderem, wenngleich genauso gestalterischem Sinne. Aber eben anders. Ich bitte deshalb vorab, sich diesen und den darauf folgenden Beitrag auf meinem Blog einfach durchzulesen, das dazugehörige Bild als Teil dieses Geschriebenen zu betrachten und aufgrund dessen auch gerne eine abschließende und ganz persönliche Wertung abzugeben und sich eine eigene Meinung zu bilden. Schließlich ist dies fast immer Sinn und Zweck, um Gelesenes und Gesehenes zu verarbeiten und im einen oder anderen Fall dann auch an seine Mitmenschen, in welcher Form auch immer, weiterzugeben. Das ganze Procedere bitte dann mit dem zweiten Artikel einfach wiederholen. Was diese Übung bezwecken soll? Die Auflösung folgt dann in einem dritten Teil, dessen Verlinkung in hier natürlich aufgrund der zu nehmenden Reihenfolge auch erst am Schluss des zweiten Beitrags angebe. Es mag jetzt alles noch recht seltsam erscheinen, was ich vorhabe, aber ich glaube, nach Teil 3 werden Sie wissen, auf welche Problematik ich hinweisen möchte.

Nun aber zur Meldung, welche ich heute nachmittag in meiner Tageszeitung (aus Gründen unlauterer Werbung möchte ich den Namen außen vor lassen) nebst dem Foto gefunden habe und auch ohne einen weiteren Kommentar von meiner Seite wiedergeben und dementsprechend an Sie weiterreichen möchte.

Vermisstes Soldaten nach fast zwei Jahren befreit

Amerikanische Militäroffensive in Kandahar

Laut Nachrichtenagentur dpad haben amerikanische Soldaten während einer großangelegten Offensive nahe der südlich von Kabul gelegenen afghanischen Stadt How the media can manipulate our viewpoint. Eine Foto erzählt eine Geschichte. Nachrichtenmeldung von Paul Boegle.Kandahar mehrere amerikanische Kriegsgefangene sowie vier gefangene alliierte Soldaten befreien können. Die insgesamt 18 Gefangenen, darunter 14 GIs, welche bereits seit fast zwei Jahren in den Händen einer bisher unbekannten Terrororganisation waren, konnten laut US-amerikanischem Verteidigungsministerium während der Operation “Sunshine” unverletzt aus einem Keller in einem Randbezirk von Kandahar geborgen werden.

Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte, dass die Soldaten zwar geschwächt, aber alle transportfähig seien und bereits in den nächsten Tagen in ihre Heimat zurückgeflogen werden können. Bei den Auseinandersetzungen starben vermutlich mehrere Untergrundkämpfer, welche laut Verteidigungsministerium der Al-Qaida nahestehen. Ob es dabei auch Tote in Reihen der an der Offensive beteiligten Amerikaner gab, wollte der Sprecher nicht mitteilen.

Foto: dpad/pb

Zwei amerikanische Soldaten nach der Befreiung der Geiseln aus den Händen der Terrororganisation

Die Grenzregion im Süden des Landes wird immer wieder durch Unruhen erschüttert und gilt selbst unter den Soldaten als äußerst gefährlich. Geiselnahmen und Entführungen sind dabei an der Tagesordnung und spiegeln die Ambivalenz der Befreier zu der unterdrückten Bevölkerung wider, welche das Militär aber in weiten Teilen des Landes unterstützen. So soll der Tipp für den Aufenthaltsort der Kriegsgefangenen, welche die Rettung der Männer erst ermöglichte, auch aus der Bevölkerung selbst gekommen sein und zeigt laut Behörden das gute Verhältnis der Amerikaner zu den Einheimischen.

Ob unter den vier befreiten allierten Soldaten auch Deutsche sind, wurde bisher weder bestätigt noch dementiert. Laut NATO werde man dazu erst Stellung beziehen, wenn die Soldaten im Militärhospital von Kabul auf ihren derzeitigen Gesundheitszustand untersucht worden seien. Ebenso ließen die Generäle offen, ob und wieviele Soldaten sich noch in den Händen der Terroristen befänden. Ebensowenig äußerten sie sich dabei zu Fragen nach eventuellen Lösegeldforderungen, schlossen aber dabei gleichzeitig aus, dass es hierzu offene Verhandlungen gebe.

So, genug für heute. Ich lasse Sie nun mit dieser Meldung alleine und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend inmitten von Fernseher, Internet und was eben sonst so in Ihrer unmittelbaren Umgebung strahlt und glänzt. Wie es weitergeht? Die Fortsetzung folgt unter “Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte“.

18.1.2012

Wien ist anders - die UNESCO noch viel mehr

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 17:32


Wenn immaterielles Weltkulturerbe zur schützenswerten Erbsünde erklärt wird

Heute noch einmal Anschauungsunterricht in Sachen Ethik. In Wien steht Anderssein im Vordergrund. Zumindest wirbt die heimische Touristenwerbung seit Jahren mit dem eingängigen Slogan “Wien ist anders” dafür, dass sich BesucherInnen ais aller Welt schon einmal darauf einstellen können, sollen, müssen, dass hier bei unsUNESCO Nationalagentur für das Immaterielle Kulturerbe erklärt den Burschenschafter-Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) in der Hofburg zum immateriellen Weltkulturerbe, im österreichischen Revier, die Uhren anders ticken und die der Tod auch nach dem letzten Tick noch einen ganz speziellen Touch erhält. Wer in Wien nicht den Zentralfriedhof zum lohnenswerten Ziel und überirdischen Muss für den wöchentlichen Sonntagsausflug erhebt und auf die Frage, was in Wien denn zuerst und unter allen Umständen als erstes touristisches Highlight zu besichtigen sei, nicht mit der unterschwellig nekrophilen Antwort “Der Zentralfriedhof natürlich!” dienen kann, ist hier fehl am Platz. Hat auch schon Marius Müller-Westernhagen gesungen, ob im Hinblick auf Wien oder auch nicht, mag dahingestellt sein. Aber zuhause ist der echte Wiener, der einfach nicht untergehen will und pünktlich zu Silvester im öffentlich-recht politischen ORF-Programm seinen festen Platz hat, nur dort, wo die Lebendigen den Toten den gebührenden Respekt zollen und andererseits die Toten den Lebendigen jene Reminiszenz schon zu Lebzeiten entgegenbringen, welche allgemeingültig und in Stein gemauert als “es lebe der Zentralfriedhof” eines Wolfgang Ambros in die Geschichte eingegangen ist.

Ich bin wieder hier,
in meinem Revier.
War nie wirklich weg,
hab mich nur versteckt.
Ich rieche Dreck,
ich atme tief ein.
Und dann bin ich mir sicher,
wieder zuhause zu sein.

Hat Marius Müller-Westernhagen also gesungen, damals in der guten alten Zeit, als das Singen noch in der guten alten deutschen Muttersprache geschah und Töne auf guten alten schwarzen Scheiben gepresst wurden.

Es lebe der Zentralfriedhof
und alle seine Tot’n,
da Eintritt is für Lebende
heut ausnahmslos verbot’n.
Weu da Tod a Fest heut gibt
Die ganze lange Nacht,
und von die Gäst ka anziger
a Eintrittskarten braucht.

Hat der Wolferl, also der Wolfgang Ambros gesungen, damals in der guten alten Zeit, als das Sterben noch für’s gute alte Vaterland zur freudigen Pflichterfüllung und zum guten Ton gehörte und Töne nicht nur auf schwarze Scheiben gepresst wurden, sondern auch unter der braunen Erde leise in tiefen braunen Rillen vor sich hin sickerten, bis sie wieder auferstanden aus Ruinen und auf längst schon vergessenen tiefbraunen Altlasten wieder zum kontaminierten Leben erweckt wurden. Oder, um Ihnen meine ganzen Ausführungen zu dieser bisher leicht unverständlichen touristischen Werbekampagne, welche im folgenden und aus ganz anderen Gründen noch leicht unverständlicher wird, etwas näherzubringen: Die UNESCO hatte bereits 2010 beschlossen, dass der Wiener Ball in den Stand des immateriellen Kulturerbes Österreichs erhoben wird, was jetzt auch auf der Webseite der Nationalagentur für das immaterielle Kulturerbe schwarz und grün auf weiss zu lesen ist, wie oben bei Klick auf den Screenshot zu sehen.

Und damit verbunden wird auch der sogenannte Ball der Wiener Kooperationsrings WKR, der wiederum Bestandteil der Wiener Ballsaison ist, in Zukunft immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe. Dazu vielleicht ganz interessant und aufschlussreich, dass dieser frackbewehrte Treffpunkt und ballbekleidete Sammelplatz deutschnationaler Burschenschaften im imperialen Gefilde am Wiener Heldenplatz selbst von Österreichs Verteidigungsminister Norbert Darabos unter “Die Presse: WKR-Ball unter Beobachtung des Verfassungsschutzes?” bzw unter folgendermaßen beschrieben wurde: “Ein Ball, auf dem sich Jahr für Jahr international bekannte Rechtsextreme die Klinke in die Hand geben, hat aus meiner Sicht nichts mit österreichischem Kulturerbe zu tun. Die Wiener Ballsaison käme auch gut ohne dieses rechtsextreme Stelldichein aus.” Darüberhinaus empfiehlt er dem für diese Entscheidung zuständigen UNESCO-Fachbeirat, doch einmal einen Blick auf die Gästeliste zu werfen:

Neben mehreren Vertretern der unbestritten rechtsextremen deutschen NPD war auch der Fraktionsvorsitzende des Vlaams Belang, Filip Dewinter, Gast der Veranstaltung. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) beurteilt die Studentenverbindungen, die im WKR zusammengeschlossen sind, als dem deutschnationalen bis rechtsextremen Milieu entstammend. Die Mitglieder rechtsextremer Burschenschafter seien dabei tonangebend. (Meine Abgeordneten: WKR-Ball - Darabos kritisiert UNESCO)

Und die UNESCO? Die stellt recht eindeutig zweideutig im Interview mit dem Standard (UNESCO führt WKR-Ball auf Liste für “immaterielles Kulturerbe”) fest.

Alle formellen Kriterien eines traditionellen Wiener Balls erfüllt

Maria Walcher, Leiterin der Nationalagentur für das Immaterielle Kulturerbe der Österreichischen UNESCO-Kommission, erklärt im Gespräch mit derStandard.at, dass der WKR-Ball dezidiert von der Kommission als eines von 17 Beispielen für das immaterielle Kulturerbe “Wiener Ball” akzeptiert wurde. Der WKR-Ball erfülle alle Kriterien eines “Wiener Balls”, der sich zum Beispiel durch die Eröffnung, eine Mitternachtseinlage und eine Ballspende auszeichne.

Na also, die deutsche Sprache ist doch eine recht verständliche und zeichnet sich durch präzise Fakten und leicht nachzuvollziehende Details aus. Eröffnung, Mittelteil und Schluss, Satz, Spiel und Endsieg inbegriffen. Semantisch und syntaktisch auf den Punkt gebracht und für alle zufriedenstellend formuliert. Es darf getanzt werden. Sozusagen “Alles Walzer” im schönen anderen und schön abartigen Wien. Natürlich ein Zufall, dass der WKR-Ball ausgerechnet am 27. Jänner 2012 seine burschikosen Pforten öffnet und zum Tanz auf brauner Asche und verbrannter Erde bittet. Es ist der Tag der Befreiung der Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz. Dass das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau übrigens unter dem Namen “Auschwitz-Birkenau – deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager (1940–1945)” zum Teil des Weltkulturerbes erklärt wurde, macht die Sache doch so richtig rund und schließt den Kreis zu neuen alten weltkulturellen gutgütigen Tänzen auf deutschnationalen Vulkanen, welche inmitten unescollabierender Landschaften fröhlich vor sich hin brodeln. Wer möchte dabei noch von einem Kulturschock sprechen? So ist sie also, die österreichische Seele, welche ihren ganz persönlichen Zentralfriedhof Tag für Tag vergöttert und verklärt. Oder um mit Wolfgang Ambors zu schließen:

Auf amoi is die Musi still
Und alle Aug’n glänzen,
weu dort drüb’n steht der Knochenmann
und winkt mit seiner Sens’n.

14.1.2012

Warum gegen CO2 kämpfen, wenn es viel einfacher geht?

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 19:00


Wenn Medien falsche Hoffnungen wecken …

… und die Menschheit dann aufs falsche Pferd setzt. Es ist manchmal schon erstaunlich, mit welchen Überschriften und darunter befindlichen Inhalten sich die sogenannten Leitmedien im realen und virtuellen Pressewald in besonders lichte Höhen aufschwingen, wenn es um den Klimawandel geht. So titelt jetzt der Spiegel online unter der für viele sicherlich helle Freude und schönstes Entzücken weckenden Headline “Kampf gegen Erderwärmung - Forscher finden einfachste Wege zur Klimakühlung“, dass sich die Erde erwärmt, doch der Durban-gemeuchelte Klimaschutz nicht voran kommt. Nun, diese Erkenntnis wäre auch ohne den Spiegel nicht neu gewesen. Doch schon im nächsten Satz folgt dann die Sensation für alle, welche schon immer wussten, dass das mit dem Klimawandel eigentlich erstens gar nicht so schlimm und zweitens viel leichter in den Griff zu bekommen ist, als manche Pessimistinnen und Warner immer so lauthals tönen.

Anstatt sich wie bisher auf Kohlendioxid (CO2) zu konzentrieren, würde es sich lohnen, andere Gase zu bekämpfen, berichtet ein Team von 24 Experten um Drew Shindell von der Nasa jetzt im Wissenschaftsmagazin “Science”. Die vorgeschlagenen Maßnahmen könnten der Studie zufolge gleichzeitig die Luftverschmutzung verringern und so mehreren Millionen Menschen pro Jahr das Leben retten.

Die heilsbringende Quelle, welche hier der Spiegel zum Ziel seiner euphorischen Berichterstattung zum Anlass nimmt, anstatt wie bisher und seit Durban nicht mehr die Treibhausgase zum vorrangigen Ziel zu machen und mit einem “Plan B” deren methodische Bekämpfung “besonders effektiv und schnell umsetzbar seien. Würde sich die Weltgemeinschaft allein auf diese Methoden konzentrieren, könnte die Erwärmung bis 2050 um ein halbes Grad und damit um gut ein Drittel geringer ausfallen als prognostiziert“, wurde im renommierten Wissenschaftsmagazin Science unter “Simultaneously Mitigating Near-Term Climate Change and Improving Human Health and Food Security” veröffentlicht.

Tropospheric ozone and black carbon (BC) contribute to both degraded air quality and global warming. We considered ~400 emission control measures to reduce these pollutants by using current technology and experience. We identified 14 measures targeting methane and BC emissions that reduce projected global mean warming ~0.5°C by 2050. This strategy avoids 0.7 to 4.7 million annual premature deaths from outdoor air pollution and increases annual crop yields by 30 to 135 million metric tons due to ozone reductions in 2030 and beyond.

Oder kurz, gut und auf deutsch: Aus etwa 400 möglichen Alternativen, welche die Klimaerwärmung (siehe vielleicht dazu auch die mehrteilige Artikelserie, beginnend mit “Geo-Engineering: Moderne Ruinenbaumeister“) eindämmen könnten, haben die Wissenschaftler einen Maßnahmenkatalog von 14 Möglichkeiten zusammengestellt, welcher ihrer Meinung nach zu einer sinnvollen (?) Reduktion der Temperaturen von immerhin einem halben Grad führen könnte. Bis zum Jahre 2050. Besondere Erwähnung finden dabei die neben Kohlendioxid für die Erderwärmung verantwortlichen Klimakiller, allen voran Ruß, welcher als giftige Schweb- und Schadstoffe gesundheitsschädliche Auswirkungen hat und Methangas. Oder wie dann der Spiegel in seinem Artikel weiter ausführt:

Der Klimawandel ließe sich auf diese Weise um Jahrzehnte hinauszögern, sagt Veerabhadran Ramanathan von der Scripps Institution of Oceanography in San Diego, USA, ein Mitautor der Studie. Damit würden die Chancen steigen, dass die Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts unter zwei Grad bliebe.

Die Taktik führt über einen Nebenweg zum Ziel: CO2 gilt zwar als Hauptverursacher der Klimaerwärmung, das Treibhausgas hält sich Jahrhunderte in der Luft. Methan und Ruß hingegen bleiben allenfalls ein paar Jahre in der Atmosphäre. Dabei wärmen die Substanzen aber stärker als CO2. Es mache sich also deutlich bemerkbar, würden Methan und Ruß reduziert, schreibt die Forschergruppe in “Science”.

Schon länger erwägen Experten deshalb einen Plan B beim Klimaschutz; die Verringerung des Abgasausstoßes von Methan und Ruß schien ihnen verlockend. Doch mit der “Science”-Studie legen Forscher nun erstmals einen genauen Plan vor. “Wir haben die praktikabelsten Schritte identifiziert, wie mit bestehender Technologie die Erwärmung erheblich gebremst und gleichzeitig die Luft gesünder gemacht werden kann”, sagt Shindell.

Zwischen den Zeilen lesen oder einfach nur übers Kuckucksnest hinweg?

Wer sich nun nach Lesen dieses Artikels der trügerischen Hoffnung hingibt, mit einem Schlage und dank eines sagenhaften Plans B seien sämtliche Probleme unseres rauchenden, schlotenden, hustenden und kollabierenden Planeten für immer und alle Zeiten gelöst und Plan A, also die immer so vehement geforderte CO2-Reduktion, sowieso nur ein Phantom, welchem nachzujagen eigentlich viel zu mühsam und aufgrund von Plan B auch gar nicht notwendig ist, sollte jedoch unter der Oberfläche kratzen.

Tatsache ist, dass die Gruppe in ihrer Studie auf die vielen Vorteile hinweist, welche ein verminderter Ausstoß von Rußpartikeln und Methan mit sich bringt. Und sie kommen zu dem Ergebnis, dass diese Schadstoffe nur für einen kurzen Zeitraum (anders als das mit enormer Verspätung wirkende Kohlendioxid) unser Klima belasten und eine effektive Bekämpfung dadurch zu spürbaren und besonders schnellen Erfolgen führt. Eine entsprechende Pressemitteilung der beteiligten Forschungsgruppe findet sich auch auf der Seite des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) unter “Study shows health, food security benefits from climate change actions“, in der sich diese Ergebnisse wiederfinden:

The scientists used computer models developed at GISS and the Max Planck Institute for Meteorology in Hamburg, Germany, to model the impact of emissions reductions. The modeling showed widespread benefits from the methane reduction because methane is evenly distributed throughout the atmosphere.

In contrast, benefits from reducing black carbon, which falls out of the atmosphere after a few days, were stronger in certain regions than others. The effect of reducing black carbon, for example, would be particularly strong in areas with large amounts of snow and ice. In the Himalayas and the Arctic, such reductions would reduce projected warming over the next three decades by up to two-thirds.

“Protecting public health and food supplies may take precedence over avoiding climate change in most countries, but knowing that these measures also mitigate climate change may help motivate policies to put them into practice,” Shindell said.

While carbon dioxide is the primary driver of global warming over the long-term, limiting black carbon and methane are complementary actions that would have a more immediate impact because these two pollutants circulate out of the atmosphere more quickly.

Was die Wissenschaftler aber in ihren Ergebnissen niemals empfehlen, so wie es der Spiegel-Bericht suggegriert, dass durch diese kurzfristig zu bewerkstelligenden Maßnahmen und umzusetzenden Möglichkeiten die Suche nach dem Heiligen Gral eingestellt werden kann. Hier von einem Plan B und sogar von einer von den Forschern vorgeschlagenen Abkürzung in Sachen Klimawandel zu sprechen, ist mehr als unverantwortlich. Denn dies weckt eindeutig die Hoffnung, dass sich durch solcherlei Lösungen die anthropologisch verursachten Klimaprobleme mit einem Schlag aus der Welt schaffen lassen.

Dass die Science-Studie machbare Vorschläge unterbreitet, ist gut und schön, impliziert aber keineswegs, dass es sich hier um Substitute hinsichtlich der Verringerung von CO2-Emissionen handelt und als Allheilmittel dienen kann. Und ich glaube, so wollen sich die Wissenschaftler auch verstanden wissen. Begleitmaßnahmen zu präsentieren, welche die notwendige CO2-Reduktion und den damit verbundenen Stopp der Klimaerwärmung sinnvoll unterstützen, aber nicht aus dem Kontext losgelöst und als Wunderwaffe im Treibhausgas geschwängerten Raum schwebend die Hoffnungen der Menschen in allzu hohe Sphären treiben. “Frust, Frust, Frust - so lässt sich die Stimmung von Klimaschützern beschreiben.” schreibt Spiegel online eingangs seines Artikels. Das stimmt allerdings aufgrund solcher Plan B Berichterstattung.      

5.1.2012

Operation Blitzkrieg oder Shoppen zur rechten Zeit

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 21:16


Wo der Kunde noch König ist und rechte Einkaufsgesinnung herrscht

Sie kennen das sicherlich. Gerade nach den Festtagen, Weihnachten soll mir hier als gänzlich verräterisches gänsebräterisches exemplarisches Paradebeispiel dienen, hat die eine oder der andere doch verdächtig um die Hüften oder rund um das oftmals letzte noch nachzuvollziehende Relikt unseres beginnenden Dasein, also der Bauchnabel sei hierbei gemeint, verdächtig prächtig zugelegt. Da bleiben dann im Regelfall nur derer Möglichkeiten zwei, um wieder tadellos gekleidet unter den Mitmenschen zu wandeln: Abspecken oder neue Kleidergröße. Nun, um des lieben Friedens willen lassen wir Alternative Nummer 1 einmal außen vor und widmen uns doch lieber dem weitaus Operation Blitzkrieg von Anonymous auf der Plattform nazi-leaks.net. Kundenlisten von rechtsextremen und neonazistischen Versandshops.bequemeren Zulegen neuer Kleider. Ein weiterer Grund, sich neue Kleidungstücke zuzulegen, wäre selbstverständlich auch, dass hier modische Apekte die federführende Rolle spielen und die Leibesfülle mitnichten für diese Kaufentscheidungen eine Rolle spielt. Sei es, wie es will, des Kaisers neue Kleider (zum folgenden Thema auch mein Artikel “Ökologisch ungesund am rechten Rand: Grünes Handeln - braunes Denken“) verlangen aus welchen Gründen auch immer nach Befriedigung dieser schlummernden Gelüste.  

Jetzt ist es natürlich so, dass es nicht jederfraus, jederkinds und jedermanns Sache ist, inmitten vieler anderer liebenswürdiger Zeitgenossen auf den ausgetretenen konsumatorisch olfaktorischen, also nach Geld stinkenden, Einkaufspfaden shoppen zu gehen. Auch mag für einige andere Modebewusste Textilketten wie Zara, KiK und Konsorten ein rotes Tuch sein, deren ausgerollte rote Teppiche für König Kunde zwecks Erwerb von Kaisers Kleidern tunlichst zu betreten vermieden wird. Also bliebe noch der Internethandel. Gibt schließlich eine unüberschaubare Anzahl an Firmen, welche bequem per Nachnahme, vorauskasse und was weiß ich nicht alles ins eigene Haus liefern. Unter anderem auch eine Firma mit dem recht schönen und griffigen Namen “Thor Steinar“. Ganz klar, wer den Donnergott im Namen trägt und zusätzlich, sicher ist sicher, doch fatal an Felix Steiner, einen SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS erinnert, hat schon den Namen im Programm oder eben im Sortiment (FP-Abgeordneter und Polizisten finden sich auf Nazi-Leaks).

Dass das Modelabel neben einigen Läden in Deutschland auch einen im österreichischen Braunau am schönen blauen Inn betreibt, macht die Sache umso schöner. Hat doch schon der wohl auch dem einen oder anderen Thor Steinar Klientel bekannte Adolf Hitler zufälligerweise das Licht in dieser oberösterreichischen Stadt erblickt und wer möchte da nicht die geheimnisvolle “88″ statt für bare lieber gleich in klingende Münze verwenden. Was aber für einige Menschen das donnernde Einkaufsvergnügen zum wahrlich krachenden Shoppingerlebnis werden lässt, ist folgende und für mich doch etwas irritierende Tatsache. Wer beim Googlen nach “Thor Steinar” bei Wikipedia vorbeischaut, wird dort unter der Überschrift “Logo” lesen:

Das ursprüngliche Logo von Thor Steinar war eine Binderune aus einer Kombination der Tiwaz- und der Siegrune. Die Tiwaz-Rune steht in der nordischen Mythologie für Kampf und Aktion. Der mit dem Runenlogo hergestellte Bezug auf heidnische Mythologie wird durch Aufdrucke auf der Kleidung unterstützt.

Das Logo wirkte optisch wie eine horizontale Wolfsangel mit aufgesetztem Pfeil. Mehrere Staatsanwaltschaften und Gerichte sahen darin den Straftatbestand des Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (§ 86a StGB) (siehe Abschnitt juristische Auseinandersetzung).

Nachdem das Amtsgericht Königs Wusterhausen die bundesweite Beschlagnahmung der Kleidung mit dem Logo angeordnet hatte, entwarf Thor Steinar ein neues, bis heute genutztes Logo. Dieses besteht aus einer Gebo-Rune mit zwei Punkten. Diese Rune symbolisiert Gabe, Gastfreiheit und Ehe. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet das Logo als „Andreaskreuz mit zwei Punkten“ und erklärte es für unbedenklich.

Jetzt ist es aber seltsamerweise so, dass das auf der “Thor Steinar”-Webseite verwendete Logo nicht jenes neue, sondern das alte ist, welches ja scheinbar den oben genannten Straftatbestand erfüllte. Was eigentlich doch äußerst seltsam ist. Unter “Braune Ware - Die unendliche Geschichte Thor Steinar” von Olaf Meyer kam ich dann auf des Rätsels Lösung Spur.

“Thor Steinar” wird vom Verfassungsschutz Brandenburg als “identitätsstiftendes Erkennungszeichen” für Rechtsextremisten eingeschätzt. Nach mehreren - teilweise gegensätzlichen - Gerichtsentscheiden über die strafrechtlich relevante Deutung des “Thor-Steinar”-Logos aus Tyr- und Sig-Rune änderte die damalige Firma Media Tex Anfang des Jahres 2005 das ursprüngliche Logo in eine - nach Eigenwerbung - lediglich “dem Andreaskreuz ähnelnde” Darstellung. …

Der 3. Strafsenat des OLG führte in seinen Urteilen vom 12. Februar (Az.: 3 Ss 89/06 und 3 Ss 375/06) an, “die verwendeten Runenzeichen wiesen zwar einen relevanten Bezug zu verfassungswidrigen Organisationen auf” - zumal seien “die vorhandenen Farbabweichungen zwischen den verwendeten Runenzeichen und den Originalrunen nicht erheblich” - hob aber gleichzeitig hervor, “dass hier die Verbindung mehrerer Runen zu einem Zeichen den Straftatbestand des § 86a StGB nicht erfülle, weil kein verbotenes Kennzeichen besonders hervorsteche oder dominiere”. Somit sei “nach geltender Rechtslage das verwendete (zusammengesetzte) Kennzeichen straffrei, weil die Verbindung der Runen hier so gestaltet wurde, dass ein Phantasiekennzeichen entstanden sei, weshalb eine Verwechslungsgefahr im Sinne des § 86 a Abs. 2 Satz 2 StGB ausscheide”.

Aha, so ist das also! Eigentlich ist das Logo zwar verfassungsrechtlich verboten, andererseits aber bedeutet ein Sammelsurium an einem (oder mehreren) verbotenen Symbolen mit eindeutigen Anleihen an die NS-Zeit, die nicht einmal besonders getarnt oder geschickt versteckt vor dem shoppenden Auge des Betrachtenden vor sich hin dümpeln, und deshalb zum Aushebeln dieser Gesetzeslücke mit rechtlich unbedenklichen anderen und unverfänglichen Symbolen verwebt werden, dass damit plötzlich kein Straftatbestand mehr vorliegt. Bis hierher macht die Aktion Anonymous: Operation „Blitzkrieg“ gegen Nazis absolut Sinn und vor allem ist sie dringend notwendig, um hier Aufklärung und Transparenz bezüglich solcher Anbieter zu schaffen. Und trotzdem bleibt ein leicht bitterer Nachgeschmack.

Verantwortung durch Aufklärung

Denn gerade solch sensible Daten müssen in Zeiten des Internets, welches alles und wirklich auch jedes noch so geringste Detail über Menschen in einem kollektiven Gedächtnis ungeahnten Ausmaßes speichert, einer Überprüfung standhalten. Dass in Österreich einige Namen von FPÖ-Politiker und sogar Polizisten auf der Enthüllungsplattform wiederfinden, dürfte nicht wirklich erstaunlich sein. Dass der FPÖ-Abgeordneter Venier den Einkauf bei “Thor Steinar” bestreitet (FPÖ-Abgeordneter Venier bestreitet Einkauf bei “Thor Steinar”), ist in Zeiten politischer und moralischer Zer- und Verfallserscheinungen ebenfalls nicht weiter verwunderlich. Dass die Hacker nicht genug dieser braunen Sumpflandschaften mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und technischen Möglichkeiten austrocknen, ist wohl angesichts solcher Aussagen wie im Folgenden keine Frage:

Die Hacker, die sich nach eigenen Angaben zum “Anonymous”-Netzwerk zählen, nahmen noch zahlreiche weitere rechtsextreme Seiten ins Visier und attackierten unter anderem rechtsextreme Online-Versandhändler. Sie erbeuteten dabei Kundendaten, die sie auf der Seite Nazi-Leaks.net veröffentlichten. Auch der NPD-Versandhandel “Deutsche Stimme” war betroffen. Die Hacker verbreiteten zudem Adressdaten von Autoren der nationalkonservativen Wochenzeitung “Junge Freiheit”, darunter mehrere bekannte CSU-Politiker, aber auch Personen aus dem Umfeld der NPD.

Die “Operation Blitzkrieg” sorgt somit zunehmend für Unruhe und Ärger in der extremen Rechten. Auf “Altermedia”, das seit dem Haftantritt des Neonazis Axel Möller aus Stralsund ohnehin auf dem absteigenden Ast ist, reagierte man höchst aggressiv nach den ersten Attacken. So heißt es in einer Meldung, “daß Hinweise auf die Identität der Pseudo-Anonymus-Zecken dankend entgegen genommen werden und gerne mit Prämien wie z.B. abgeschnittenen Fingern belohnt werden…” (Antifaschistische Hackerangriffe “Operation Blitzkrieg” lässt das “Weltnetz” wackeln)

Gerade deshalb müssen sich auch die Verantwortlichen und solche Menschen wie ich, welche über diese Aktionen berichten, ihrer damit verbundenen Tragweite bewusst sein. Andreas Peham, Der Rechtsextremismus-Experte Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands DÖW bringt dabeidie damit verbundene Problematik auf den Punkt, wenn er sagt: “Nicht jeder, der Thor Steinar trägt, ist ein Neonazi. Aber wer hier damit herumläuft, zeigt, dass er politisch sehr weit rechts steht.” Ich bin mir sicher, dass nicht alle, welche sich bisher bei solchen im wahrsten Sinne untragbaren Shops mit Kleidung oder auch anderen Produkten eingedeckt haben, der tatsächlich damit verbundenen Symbolik ihres Handelns im Klaren sind oder waren. Und deshalb müssen wir aufklären, aufklären und nochmals aufklären, um diese Missstände einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen und letztendlich dazu beizutragen, dass das Tragen solcher Produkte schnellmöglich aus der Mode kommt.

Dass dabei der rechte Rand diesen Marken treu bleiben wird, steht außer Frage. Doch wir müssen genau jene ansprechen, welche durch ihre Käufe unbewusst und unwissentlich ihren Teil zur Stärkung dieser Marken beisteuern. Und wir müssen durch Information unseren Teil dazu leisten, dass es zu einer Ächtung dieser Produkte kommt. Denn nur wer weiß, welches Denken und auch Handeln mit dem Kauf und Tragen von Marken wie “Thor Steinar” in den Köpfen dieser Klientel verbunden ist, kann wiederum auch selbst Teil dieser Aufklärungsarbeit und des Widerstandes gegen Rechts werden.  

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