Bio Natur - Der Weblog

8.4.2011

Klonfleisch: Die Nachkommen ohne Namensgebung

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 21:55

Kafkaeske Groteske zur Kennzeichnungspflicht von Klonfleisch

Nachdem sich die vorhergehenden Artikel dem Thema des Energiesparens und seiner oftmals verqueren Folgen gewidmet waren, bleibt beim Thema Kennzeichnung von Klonfleisch der Lichtschalter auf EU-Ebene jetzt wohl vollkommen auf “Aus“. 

Kennzeichnungspflicht für Klontiere in der EU: Fehlanzeige!In den USA stellt sich schon seit mehreren Jahren nicht mehr die Frage, ob Fleischberge aus den Kühlregalen und hinter den Frischhaltetheken nun aus modifiziertem Genmaterial oder nicht geklonten Muttertieren hergestellt wurden. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Aber wer möchte schließlich schon über alles so genau Kenntnisstand erlangen? Im Land der Hamburger ist dies aber, um der Bevölkerung nicht gänzliches Desinteresse bezüglich Klonfleisch unterzujubeln, fast ebenso unmöglich wie die sprichwörtlichen unbegrenzten Möglichkeiten ein sagenhafter Nimbus sind. Und weil Amerika bedenkenlos alles in sich reinfuttert, was nicht klon- und manipulationsfest ist, darf Europa natürlich nicht zurück bleiben. 

Möglich machte dieses Geschiebe mit Gentechnik ein sechsjähriger Prüfprozess der amerikanischen Behörde für Lebensmittelaufsicht FDA. Und am Ende dieses finsteren Tunnels stand die lichte Erkenntnis, dass die Produkte von geklonten Tieren für den Menschen unbedenklich seien. Keine Gefahr von aus Rindern, Ziegen, Schweinen oder Schafen hergestellten Erzeugnissen gehe nach einer eingehenden Risikoabschätzung durch die FDA aus. Und weil das nun so ist, wird auf eine Kennzeichnungspflicht gleich mit verzichtet. Schließlich unterscheiden sich jene Klonprodukte in keinster Weise von konventionell hergestellten      

Klonfleisch - Was ist das überhaupt?

Klonen oder auch klonieren bezeichnet den Vorgang der Reproduktion neuer Organismen ohne geschlechtliche Vermehrung. Wir legen also ein Blatt Papier auf denKlontiere benötigen in EU keine Kennzeichnungspflicht. Fotokopierer, drücken die “Start-Taste” und heraus kommt ein identischer Inhalt. Vielleicht biochemisch oder biogenetisch etwas vereinfacht ausgedrückt, aber das Klonen funktioniert eben einmal genauso. Die DNA als Träger der Erbfunktionen eines Tieres werden 1:1 auf die Nachkommen übertragen.

Als “Neuartige Lebensmittel” oder “Novel Foods“ wird Klonfleisch von den AgrarministerInnen und natürlich auch dementsprechend von der Gesetzgebung bezeichnet. Neuartig deshalb, weil diese Nahrungsmittel erst nach 1996 in nennenswertem Umfang auf den europäischen Markt gekommen sind. Die sogenannte “Verordnung (EG) Nr. 258/97 über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten” Novel Foods-Verordnung), welche mit 15. Mai 1997 ihre Gültigkeit in der EU hatte, regelt, was alles unter diese doch sehr schwammige Definition fällt (siehe dazu Gesundheitliche Bewertung von Novel Foods und die umfangreiche und informative englischsprachige Auflistung Food Safety - From the Farm to the Fork: Novel Food).

Kennzeichnungspflicht für Klontiere kommt nun doch nicht.Was beim Lesen der verschiedenen Kategorien auffällt oder besser gesagt nicht ins Auge sticht? Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, welche wie bestimmte Joghurtsorten mit genetisch veränderten Lebendkulturen versetzt sind oder aus genetisch veränderten Organismen (GVO) bestehen wie etwa der sprichwörtlich mittlerweile in aller Munde hergestellte Gemüsemais, fallen nicht unter diese Regelung. Und was noch seltsamer ist. Selbst Lebensmittel, welche gar keine GVO enthalten, aber wie z.B. Rapsöl mit genverändertem Raps als Ausgangsmaterial, also aus genmanipulierten Ursprungsstoffen hergestellt wurden, finden keinen Platz als “Neuartige Lebensmittel“. Dafür gibt es dann die spezielle “Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 über genetisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel” und andere gesetzliche Regelungen.

Klonfleisch auf einer Stufe mit gerösteten Heuschrecken

Wir merken uns also für die nahe, mittlere und wohl auch ferne Zukunft: Nach EU-Recht sind genmanipulierte Lebensmittel nicht gleich genmanipulierte Lebensmittel. Während die einen zweifelsfrei in die dafür geschaffene Verordnung fallen, hat Klonfleisch denselben Status wie Elektrolyt-Getränke, geröstete Heuschrecken oder Algen und Plankton als Nahrungsmittel. Klingt seltsam? Ist es in meinen Augen auch.

Es soll hierbei nicht verschwiegen werden, dass eine Auflistung gleichbedeutend mit einem Verkauf auf dem europäischen Markt ist. Dafür ist dann die EU-Kommission und der EU-Ministerrat zuständig. Und als Zwischenschritt auf dem Weg zu unbegrenztem Reichtum und grenzenlosem Klonfleisch-Genuss gibt es noch die Efsa. Und diese EU-Lebensmittelagentur für Lebensmittelsicherheit kam schon 2008 zu dem folgenschweren Schluss, dass bezüglich Klonfleisch und, was vielen unbekannt ist, Milch von Klontieren, eben keine Sicherheitsbedenken bezüglich menschlicher Gesundheit und Umwelt vorliegen.

Die Verhandlungen zur Kennzeichnungspflicht für Klontiere sind kläglich gescheitert. Obwohl 58 Prozent der EU-Bevölkerun gegen das Klonen von Tieren ist, haben sich nun 100 Prozent der EU-Mitgliedsstaaten gegen eine Kennzeichnung ausgesprochen. Da hilft auch nicht die Argumentation, dass wohl einige dafür gestimmt hätten. Fakt ist: In puncto Uneinigkeit herrschte Einigkeit bei den verschiedenen EU-Gremien. Nicht aus gesundheitlichen Bedenken wurde dagegen gestimmt und moralische Grundsätze wurden sowieso über Bord geworfen. Europa befürchtet, dass ein Votieren für die Kennzeichnung einem Handelsembargo gegen die USA gleichgekommen wäre. Und den starken Partner im Westen zu verärgern ist schließlich ein No-go. Wer kann sich schon verbraucherfreundliches Verhalten leisten, wenn dadurch Vergeltungsmaßnahmen auf wirtschaftlichem Sektor durch die USA zu befürchten wären?

Was die Verantwortlichen möglicherweise auch in ihr wohlüberlegtes Kalkül zogen. Die EU produziert wesentlich mehr Milch und Schweinefleisch als die EU-BürgerInnen verbrauchen können. Wohin aber mit der ganzen schönen Überproduktion, wenn Amerika aufgrund des unausgesprochenen Embargos plötzlich ”No thank you!” zu europäischen Zuchtschweinen und lauwarmer Kuhmilch sagt. Dass übrigens Lebensmittel aus Nachkommen von geklonten Rindern laut Testbiotech: Klonfleisch: Verbraucher sollen keine Wahl haben bereits durch die europäischen VerbraucherInnen-Märkte geistern, mag deshalb auch nicht weiter verwunderlich sein. Die Geister, die wir riefen, begannen bereits vor 15 Jahren, aus dem Reich der Reagenzgläser herab auf die Erde zu steigen. Damals war der Geist ein geklontes Schaf namens Dolly. Und heute sind es eben jene zahllosen und namenlosen Geister in zweiter oder vielleicht auch schon weiterer Generation von unbekannten Klontieren.

Auch wenn sich keine gesundheitlichen Folgeerscheinungen ergeben sollten. Ein bitterer moralischer und ethischer Nachgeschmack bleibt immer. Zumindest bei mir.                     

21.3.2011

Have a break? Have NO KitKat!

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 20:04

Palmöl aus Indonesien für Schokoriegel von Nestlé

Nachdem ich bereits vor längerer Zeit einige der sogenannten Adbusting-Kampagnen von Greenpeace unter “Diese Anzeigen sind keine Anzeigen” vorgestellt hatte und gestern ein Video von Kraftwerk mit dem sinnigen Titel “Radioaktivität” nachgeschoben habe, soll heute eine Kombination beider Formen der Mediengestaltung folgen. Es sei hier vorab angemerkt, dass das Video von Greenpeace nichts für zartbesaitete Gemüter ist, doch der Zweck heiligt die Mittel. Und die Mittel von Greenpeace waren schon immer von besonderer Güteklasse. Also anschauen und vielleicht beim nächsten Griff ins Verkaufsregal das Video vor dem geistigen Auge abspielen. 

8.3.2011

Bienen und Haie: Ihr Mörder!

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 19:23

Die gefährlichsten Bestien für die Menschheit

Weisser Hai frisst Biene. Wenn Irrtümer wahr werden.Welch Schlagzeile für manches Boulevardblatt. Und die Wirklichkeit? Die müsste, damit Sie nun (nicht) im “Bild” sind, eher lauten: “Die gefährlichsten Irrtümer der Menschheit!” Also weg von Umwelt- und Klimaschutz und hin zu den wirklichen Gefahren, welchen sich die Menschheit stellen muss und die uns tagtäglich bedroht.

Das Zusammentreffen Mensch - Hai verursacht pro Jahr weltweit statistisch gesehen etwa 70 bis 80 Unfälle. Dabei kommen, wieder statistisch betrachtet, ca. 10 Menschen ums Leben. Im gleichen Zeitraum lassen alleine in Deutschland 20 Menschen ihr Leben aufgrund von Bienen-, Hornissen- und Wespenstichen.

Ein Wahnsinn“, sagen Sie? “Selbstverständlich“, entgegne ich. Ich plädiere deshalb dafür, natürlich darf ich das nicht allzu laut sagen, Sie wissen schon, wegen den Tierschützern und so, dass wir die Haie nun endgültig ausrotten und daraus eine anständige Haifischflossensuppe daraus machen. Und Honig bekommen wir schließlich aus dem Supermarkt. Wer braucht denn Bienen?

Aber es kommt noch besser. Bleiben wir dabei der Einfachheit halber in Deutschland. Pro Jahr werden bei Verkehrsunfällen 5000 Menschen getötet. 20 000 Menschen hingegen werden von der Grippe dahingerafft. Ganz nebenbei, ich wusste schon immer, dass meine Hypothese, Autofahren ist gesünder als ein ordentlicher Schnupfen, irgendwann einmal bestätigt wird. Aber trotzdem müssen wir, um konsequent unserer Linie treu zu bleiben, sowohl Autos als auch Grippe abschaffen. Es geht hier um unser Leben, vergessen Sie das bitte nicht! Und dann hätte wir noch unser grösstes Laster, den tödlichen Glimmstengel. Über 100 000 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen des Rauchens. Da wirken die fünf verlorenen Menschenleben durch Blitzschlag geradezu erbärmlich. Aber es hilft nichts! Neben den Zigaretten wird es in Zukunft auch kein Gewitter mehr geben.

Schauen wir doch zwanglos über die Grenzen Europas hinaus. Da hätten wir den Tiger. Eine ganz miese Ratte. Nicht nur im chinesischen Horoskop. 50 Menschen in Indien, Bangladesch usw. werden bestialisch von ihm gemeuchelt. Sein afrikanischer Artverwandter, der Löwe, verhält sich übrigens nicht viel besser. Und dann noch das Nilpferd, diese fette Sau des Wassers. Ist so heimtückisch wie Tiger und Löwe zusammen, sprich hat 100 Menschen pro Jahr auf dem gewissenlosen Gewissen. Ich kann Hemingway verstehen, wenn er soviel Spaß an der Großwildjagd hatte. Recht hatte er. Nicht umsonst wurde er so ein erfolgreicher Schriftsteller.

Aber jetzt kommt es so richtig dick. Wissen Sie eigentlich, wieviele Menschen durch Elefanten jährlich gemeuchelt werden? Nein, können Sie nicht wissen. Aber ich sag es Ihnen. Der Dickhäuter bringt es auf die erschreckende Zahl von 500 Homo sapiens, welchen er mit seinem faltigen Rüssel das Lebenslicht ausbläst. Ich fühle mich jetzt schon viel besser, wenn ich an meine Billardkugeln aus echtem Elfenbein denke. Am liebsten würde ich damit auch noch all diese kleinen Biester namens Skorpione, Wanderspinnen und sonstigen Ekelerreger erschlagen. Von den Alligatoren und Krokodilen ganz zu schweigen. 1000 Menschen zu zerfleischen ist wohl kaum die feine Art. Und da wundern sich diese Bestien, wenn Handtaschen und wunderschöne Stiefel und Gürtel aus ihnen gemacht werden. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Giftschlangen. Kein Pardon diesen Massenmördern, welche etwa 50 000 bis 100 000 Menschenleben hinter ihrer Kriechspur lassen. Weg damit!

Gegen Landminen und Streubomben.Schade übrigens, dass sich noch keine Verwendungsmöglichkeit diesbezüglich für diese anderen Parasiten gibt. Sie wissen schon! Plasmodium und so weiter. Aber außer Malaria schleppen die einfach nichts in unsere wohlgeordnete Zivilisation ein. Doch fangen wir, wie schon gesagt, einmal klein an und beginnen mit den Haifischen und Bienen. Aber ausgerottet gehören selbstverständlich all diese subersiven Elemente der Fauna. Wo kommen wir denn da hin?

Eines noch zum Abschluss, bevor ich mich dem Abschuss widme. Bis zum heutigen Tag wurden 100 000 Menschen Opfer von Streubomben und Streumunition. 27 Prozent dieser Opfer sind Kinder. Was gehört nun zuerst abgeschafft? Der Mensch, der sie produziert und einsetzt oder die Streumunition selbst? Ich weiss es nicht. Aber eines weiss ich. Haie und Bienen benutzen weder Landminen noch Streubomben. 

  

Zu den verwendeten Zahlen, Fakten und Statistiken siehe auch: Haiwelt.de: Gefährlichkeit von Haien, Süddeutsche.de: Welche sind die tödlichsten Tiere?, Gesundheitsberichterstattung des Bundes     

24.2.2011

Wal-Pocken: Buckelwale im Windkanal

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 12:27

Die Buckelwalflosse im Flugzeugbau und Energiesektor

Nachdem ich mich nun die letzte Zeit vermehrt mit unserem Costa Rica Urlaub und dabei speziell mit den dabei beobachteten Buckelwalen (Wale vor Costa Ricas Pazifikküste) beschäftigt habe, passt das heutige Thema mehr als gut zu den vorangegangenen Artikeln. Wenn wir an Buckelwale denken, fällt uns wahrscheinlich als erste Eigenschaft der berühmte, aber immer noch fast unerforschte Gesang dieser Meeressäuger ein.

Wal-Pocken: Die Brustflosse eines Buckelwales.

Bildquelle: Welt der Wunder 

Doch die drei Forscher Mark Murray, Timothy Gruber und David Fredriksson von der U.S. Naval Academy haben sich jetzt aus einem völlig anderen Grund den Buckelwalen gewidmet oder besser gesagt nur einem kleinen großen Teil. Die Brustflossen oder auch Flipper standen im Zeichen ihrer Untersuchungen. Und hier auch nur wiederum ein bestimmtes Detail, die sogenannten Beulen, mit welchen die Brustflossen übersät sind. Diese Wal-Pocken, Erhebungen auf den Flossen, müssen schließlich eine bestimmte Funktion haben und die Evolution hat sich sicherlich etwas dabei gedacht. So dachten die Forscher und sie lagen richtig. Doch nicht nur diese drei Wissenschaftler haben sich in letzter Zeit dieser Problematik angenommen, sondern auch Laurens Howle von der Duke University in North Carolina beschäftigt sich mit dieser Eigenart (Mehr Strom dank Wal-Pocken).

Denn eigentlich müssten diese Taberkeln hinsichtlich des Strömungsverhaltens kontraproduktiv wirken. Oder weshalb baut der Mensch Flugzeugflügel und Turbinen von Strömungskraftwerken mit glatten ebenmäßigen Oberflächen, wenn dadurch nicht die bestmögliche Energieeffizienz erreicht wird? Nun, der Mensch baut viele nutzlose Dinge und irrt sich noch wesentlich häufiger als sie/er diese Irrungen und Wirrungen realisiert. So auch im Falle der Wal-Pocken.

Denn siehe da: Die Windkanalmessungen der Ingenieure und Biologen haben gezeigt, dass die mit Unebenheiten gespickten Brustflossen der Buckelwale eine bessere Manövrierbarkeit bieten als herkömmliche glatte Flügel. Und diese Eigenschaft bedingt einen wesentlich stärkeren Auftrieb, einen geringeren Strömungswiderstand und als Summe dessen eine um Längen bessere aerodynamische Effizienz.

Übertragen auf unser Zeitalter bedeutet dies: Buckelwale würden besser, günstiger und sicherer fliegen als jeder Airbus. Diese Hypothese mag jetzt vielleicht etwas überzogen sein, aber die durch die Unebenheiten entstehenden Verwirbelungen führen nach Erkenntnis der Forscher an naturgetreuen Nachbauten der Brustflossen zu 8 Prozent mehr Auftrieb und 32 Prozent weniger Strömungswiderstand. Und weiterhin konnten die Windkanalmessungen belegen, dass sich die für den Auftrieb von Flugzeugen notwendigen Strömungen erst bei einem viel steileren Anströmwinkel von der Oberseite der Flossen löste. Dieser von PilotInnen so gefürchtete Strömungsabriss könnte deshalb nach Meinung der Forscher durch solche Erhebungen an den Flugzeugflügeln vermindert werden.

Wer sich mit diesem Thema näher auseinandersetzen möchte: Physics of Fluids: Leading-edge tubercles delay stall on humpback whale (Megaptera novaeangliae) flippers und besonders das deutschsprachige Projekt Buckelwalflosse, welches auch die Digitalisierung einer Buckelwalflosse anschaulich erklärt, bieten weiterführende Informationen, warum der Buckelwal einfach der bessere Überflieger ist.

So, und nach diesem passenden Ausflug in die (verschmutzten) Weltmeere unserer Zeit kehre ich wieder nach Costa Rica zurück. Mein nächster Reisebericht wird sich dabei mit der Hauptstadt San Jose beschäftigen. Bis dahin wünsche ich Ihnen: Schwimmen Sie unfallfrei durch die Zeit. Mit oder ohne Brustflosse.    

        

24.1.2011

Ein Pferd, das hat 4 Beiner …

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 03:22

… an jeder Ecke einer

Vorsicht Pferde

Bildquelle: Kauzweb

Doch diese Eckpunkte werden, ähnlich wie beim Menschen, durch Bewegungsmangel und zuviel Futter durch Übergewicht übermäßig beansprucht. Helen Stephenson von der Universität Nottingham hat nun im Zuge eines Pilotprojektes 160 britische PferdehalterInnen um Ausfüllung eines Fragebogens gebeten. Doch was dazu gedacht war, dass die PferdehalterInnen ihre treuen Vierbeiner leichter einschätzen können, hat sich möglichwerweise genauso so bewahrheitet, wie es (nicht) gedacht war. Die TeilnehmerInnen haben höchstwahrscheinlich ihre Pferde wirklich leichter eingeschätzt als diese es gewichtsmäßig tatsächlich sind.

Und so kommt die Studie zu dem offiziellen Ergebnis, dass 20 Prozent der englischen Pferde übergewichtig sind, aber díe Dunkelziffer wohl um etliche Kilogramm respektive Prozentpunkte darüber liegt (Vorarlberg Online: Jedes fünfte Pferd in England übergewichtig). Ob die Schwergewichtler nun allzu oft mit Bic Mac und einer ordentlichen Portion Pommes frites bei Laune gehalten werden, bleibt offen. Hatten die weltberühmten Lipizzaner der Wiener Hofreitschule im April 2010 noch mit einem kapitalen Husten zu kämpfen (Kranke Lipizzaner: Herpesvirus als Ursache), so folgen nun die englischen Reittiere mit einer weiteren Zivilisationskrankheit nach Art des Menschen.

Ja, es menschelt doch tatsächlich in der Tierwelt. Und in diesem ganz speziellen Fall könnte man sogar von einer Symbiose von Ross und Reiter sprechen. Doch wie singen die britischen Brachialkomiker von Monthy Python so schön am Ende ihres “Das Leben des Brian“? Richtig!

And always look on the bright side of life
Always look on the light side of life …
 

   

22.1.2011

Japans Mammut Projekt

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 02:33

Etwas Großes entsteht im Land der aufgehenden Sonne

Wahrhaftig Großartiges haben die Töchter und Söhne Nippons vor. Geradezu gigantisch soll es werden, ein Mammut-Projekt im wahrsten Sinne des Wortes. Oder einfach gesagt: Japans Forscher möchten das Mammut wieder auferstehen lassen. Aus Erbgut eines gefrorenen Mammut-Kadavers aus russischen Tiefkühlfächern soll, wenn es nach Wissenschaftlern der Universität Tokyo geht, in den nächsten fünf bis sechs Jahren ein Klon des Urzeitriesen aus den Reagenzgläsern seinen Weg in die Wirklichkeit finden (Daily Yomiuri Online: Scientists aim to bring mammoth back to life). Und damit dieser Weg nicht allzu beschwerlich wird, soll jener neue alte Vorgänger des Elefanten genau in solch einen eingesetzt werden. Oder besser gesagt in eine Elefantenkuh.

Den mehrere 10 000 Jahre alten Vorgänger unserer heutigen Elefanten wollten schon andere Forscher aus den Tiefen der Zeit reanimieren und aus genau jenen wieder an die Oberfläche unseres Zeitalters katapultieren. Allerdings scheiterten diese 1999 von Bernard Buigues initiierten Versuche mehr als kläglich (interessant und teilweise amüsant dazu: Spiegel online: Jäger des verlorenen Fleisches). Und so stehen die heutigen Experten dem japanischen Klon-Experiment bisher auch mehr als skeptisch gegenüber. Doch Japan glaubt unbeirrt an den Erfolg des Projektes. Was dem Entwicklungsbiologen Teruhiko Wakayama vom Riken Center für Entwicklungsbiologie in Kobe 2008 mit Mäusen gelang, sollte anhand der Weiterentwicklung der Forschungen auch mit einem Mammut möglich sein (Handelsblatt: Japanische Forscher wollen Mammut klonen).

Jurassic Park auf japanisch: Wissenschaftler wollen Mammut klonen.Naja, dann kann ich nur meine besten Wünsche, verbunden mit viel Erfolg, nach Tokyo schicken. Eine Frage bleibt zum Schluss: “Was heißt eigentlich Jurassic Park auf japanisch?” Und eine zweite Frage daran anschließend: “Darf ich mich in fünf bis sechs Jahren am Elfenbeinschmuggel im grossen Stile beteiligen?”

Bildquelle: Cineclub

   


15.12.2010

Kleines Missgeschick beim Nerz-Kommerz

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 20:47

Fell über beide Ohren gezogen

Zu einem Versehen, andere sprechen von einem Faux-pas, kam es nun im Zuge der letzten Tötungswelle von Nerzen und besonders von Robben für die Winterkollektionen der verschiedenen Modehäuser und Handelsketten, welche kuschelige Pelzmäntel für die modebewusste Frau und den Mann von Welt im gut sortierten Angebot führen.

Bildquelle: Gegen Pelze aus tierquälerischer Haltung.Tote Nerze in einer Farm im weissrussischen Sosnowy Bor. (Bild: Reuters) 

Frau Ludmilla, welche bereits seit längerer Zeit an einer Sehschwäche leidet, aber trotz dieser Behinderung den Worten ihrer Auftraggeber nach einen “Super-Job” macht, ging wie jeden Tag ihrer Arbeit nach, als sie plötzlich bemerkte, dass die Qualität der neuen Lieferung nicht den vorgegebenen Standards entsprach. “Eigentlich war es ein Tag wie jeder andere“, sagt Frau Ludmilla, während sie weiterhin fachfräuisch mit weissen Handschuhen in blütenreiner Optik die kleinen Tierkadaver sortiert. Nur ein winziger unangenehm roter Fleck am Rand des Handschuhs stört die Idylle. ”Natürlich passiert es manchmal, dass sich ein richtig dicker Brocken unter den toten Tieren befindet, aber der wandert dann sowieso auf die Laufstege von Paris oder Mailand. Also er wandert nicht selber, weil das kann er ja nicht mehr, weil er ja schon tot ist“, erklärt uns die sympathische Frau. “Aber dieses Mal waren die Kadaver schon sehr gross. So richtig dicke Dinger waren das. Und fast keiner war behaart. Also so viele flauschige Haare meine ich, wie ich das sonst von diesen putzigen kleinen Tierchen gewohnt bin. Das waren schon mehr Sauborsten. Merkwürdig, habe ich mir gedacht und sofort meinen Chef angerufen. Und der ist dann auch gleich gekommen und hat sich die ganze Sauerei angeschaut. Und dann hat er gesagt, dass da wohl ein Missgeschick passiert sein muss. Aber ich solle ruhig weiter meine Arbeit machen und denen das Fell über die Ohren ziehen. Die kann man dann eben für die billigen Pelzmäntel hernehmen.”

Tierschützer protestieren gegen Pelzindustrie

Bildquelle: N24 

Mittlerweile hat sich Herr Dimitri zu uns gesellt. Bedeutungsvoll nickt er zu den Worten der kleinen Frau und erzählt: “Ja, das war schon eine saublöde Geschichte. Ganz abgesehen davon, dass dieses Geschäft für uns einen irrsinnigen Verlust bedeutet hat, waren unsere Kunden mit der Ware überhaupt nicht zufrieden. Aber ich hab denen immer gesagt, wenn sie sich mit ihrem Navigationsgerät nicht auskennen, sollen sie doch nur wirklich das erschlagen, was sie kennen. Aber nein, am Strand von Mallorca müssen sie landen. Und weil dort was von “Ballermann” stand, aber einer “Baller Mann!” gesagt hat, haben sie natürlich auf alles draufgehalten undRobbenjagd in Kanada: Robben-Produkte sollen nicht mehr nach Europa verkauft werden dürfen. Foto: IFAW draufgeschlagen, was ihnen vor die Hände kam. O.k., durch die vielen Blutspritzer haben sie alles vielleicht nicht so genau gesehen, aber trotzdem ist das schon irgendwie peinlich. Und wir müssen jetzt den ganzen Dreck aufräumen. Alleine die Entsorgung, was das wieder kostet. Eine Katastrophe für uns.”

Bildquelle: Badische Zeitung: Kanada verteidigt Robbenjagd.

Das feuchte Glitzern in den Augen des Mannes macht mich ganz betreten. Eine kleine Träne kullert aus dem linken Augenwinkel, während er sich schnell umdreht und sich das Gesicht an einem der zahllosen wunderschönen Felle neben sich abwischt. Langsam und unangenehm berührt vom unsäglichen Leid verschwinde ich langsam, nicht ohne vorher noch ein paar Münzen auf dem blutverschmierten Tisch liegenzulassen. “Eine kleine Spende für Sie. Für ihre Unannehmlichkeiten.“, sage ich noch leise murmelnd, bevor ich diese fleissigen Menschen hinter mir lasse.

Nur ein toter Nerz ist ein guter Nerz(Mantel).

Bildquelle: Pelz ist Mord 

Aus den Augen der toten Nerze strömen währenddessen die kalten Tränen des Todes, rinnen an den gläsernen Spiegeln entlang, tasten sich leise von Haarspitze zu Haarspitze, bis sie sich schließlich auf dem langen Tisch mit dem erstarrten Blut ihrer Körperlosigkeit zu einem tiefen grundlosen unergründlichen blutroten See vereinen.

Deutscher Tierschutzbund: Fühl dich wie ein Nerz!  PETA: Kaya Yanar. So trägt Mann Pelz.


29.9.2010

Mitsubishi: Ein Auto voll mit Sushi

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 22:40

Der Fisch fängt am Kopf zu stinken an!

Wer kennt sie nicht, die zuverlässigen Autos von Mitsubishi? Ganz “made in Japan”. Weniger bekannt dürfte da schon der Blauflossen-Thunfisch sein, zumindest in unseren westlichen Breitengraden. Doch in Japan steht eben dieser Knochenfisch ganz weit oben. Und zwar auf der Speisekarte, wo er eigentlich gar nicht hingehört. Damit teilt er zumindest das gleiche Schicksal wie der Schrecken der Meere, der Haifisch. Sie wissen schon, jene Bestie, welche es tagein, tagaus auf den Menschen abgesehen hat und der doch tatsächlich, statistisch gesehen, etwa vier bis sechs Menschen pro Jahr “erlegt”. So ganz nebenbei: In Deutschland sterben pro Jahr an die zehn Personen durch Bienen- und Wespenstiche, in den USA sollen es um die 50 jährlichen Todesfälle durch diese Insekten sein (Tod nach Bienenstich). Also, liebe MitbürgerInnen, der neue Feind wartet direkt in unserem Garten, auf ihn mit Gebrüll! Ach nein, vergessen Sie auch das, das mit den Bienen hat sich eigentlich auch schon durch das sogenannte Colony Collapse Disorder (CCD).

Nun gut, also kommen wir wieder zurück zum Blauflossen-Thunfisch. Oder noch besser, fahren wir mit einem neuen Mitsubishi gleich in die Fanggründe dieser Delikatesse. Wer Sushi und Sashimi, keine Ahnung, was das ist, aber es interessiert mich auch nicht, wer also diese Dinge der japanischen Küche liebt, kommt am Blauflossen-Thunfisch nicht vorbei. Wobei eigentlich der Blauflossen-Thunfisch an den Fangnetzen der Menschen nicht vorbeikommt. Aber bei Preisen von 120 000,– Euro für solch ein Prachtexemplar ist es doch nur allzu verständlich und legitim, dass der Mensch von Welt seine Gier obszön zur Schau stellt. Stellen Sie sich einmal vor, Ihnen gelingt solch ein Fang? Was könnten Sie sich nicht alles dafür kaufen. Zum Beispiel sechs Mitsubishi Colt 1.5 Turbo mit 5-Gang-Getriebe, zumindest im Jahr 2010. Ob Ihnen das 2011 auch noch gelingt, weiss ich natürlich nicht. Möglicherweise werden Sie dann schon im Trüben fischen oder besser gesagt im Leeren und dann bleibt die neue Grossraum-Garage leider leer, genauso leer wie unsere Weltmeere.
Ich habe heute einen Brief in meinem elektronischen Postfach gefunden. Geschrieben von Katja Wiese von Naturefund an Mitsubishi. Ich gebe nun den gesamten Inhalt im Wortlaut wieder, ohne ihn weiter zu kommentieren.

An der Vorstand von Mitsubishi Deutschland
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Geschäftsführerin der Naturschutzorganisation Naturefund, die in diesem Jahr Partnerin vom Atlantis Natur- und Umweltfilmfest der Stadt Wiesbaden ist. Der Eröffnungsfilm „The end of the line“ mit dem deutschen Titel „Die unbequeme Wahrheit über unsere Ozeane“ hat mich sehr betroffen gemacht. Wussten Sie, dass etwa 90 Prozent aller Großfische bereits weggefangen wurden?

Besonders betroffen war ich jedoch über die Nachricht, dass der internationale Konzern Mitsubishi nicht nur Autos und Elektrogeräte verkauft, sondern auch aktiv an der Überfischung beteiligt ist.

Ist es wahr, dass Mitsubishi aktuell 40 bis 60 Prozent vom weltweiten Fang des vom Aussterben bedrohten Blauflossen-Thunfisch aufkauft und einfriert? Sind Sie sich bewusst, dass Ihr Konzern damit direkt zur Ausrottung dieser mittlerweile sehr seltenen Fischart beiträgt?

Der Blauflossen-Thunfisch kommt im Atlantik und im Mittelmeer vor und gilt in Japan aufgrund seines schmackhaften Fleisches als Delikatesse. Er wird vor allem als Sushi verwendet und die Nachfrage nach Sushi steigt weltweit. Da diese Fischart immer seltener wird, steigen auch die Preise für das Fleisch.

Obwohl der Blauflossen-Thunfisch kurz vor der Ausrottung steht, hat Mitsubishi im Jahr 2008 seine Tiefkühl- und Transportkapazitäten ausgebaut und größere, modernere Fischerboote mit dem Fang des Blauflossen-Thunfisch beauftragt. Fischereiexperten und -Expertinnen vermuten, dass Mitsubishi gezielt Tiefkühlvorräte an Blauflossen-Thunfisch anlegt. Wenn es keinen Blauflossen-Thunfisch mehr gibt, können Sie für Ihre geschätzten 60.000 bis 70.000 Tonnen tiefgekühlten Thunfisch einen wesentlich höheren Preis fordern.

Ist es wahr, dass Mitsubishi absichtlich zur Ausrottung des Blauflossen-Thunfisch beiträgt, weil Ihr Konzern, wenn es keinen Blauflossen-Thunfisch mehr gibt, seine tiefgefrorenen Thunfischvorräte mit mehr Profit verkaufen kann? Will Mitsubishi wirklich mit der Ausrottung einer Fischart Geld verdienen?

Die Zerstörung einer Fischart aufgrund einer kurzfristigen Profitabsicht macht keinen Sinn, denn die Menschheit ist von intakten Ökosystemen in den Ozeanen abhängig. Unserer Ansicht nach lässt sich langfristig ohnehin mehr Geld mit stabilen Fischbeständen als mit ihrer Ausrottung verdienen. Zudem ist Mitsubishi ein multinationaler Konzern mit einer Vielzahl von Produkten. Sie sind damit auf ein positives Image und die Zustimmung Ihrer Kunden und Kundinnen angewiesen.

Um diese Frage zu klären, bitte ich Sie, uns innerhalb von zwei Wochen zu antworten. Vielleicht ist Mitsubishi derzeit dabei, seine Fischereipolitik zu überdenken und nachhaltig zu gestalten. Darüber würden wir uns sehr freuen und Ihnen anbieten, mit Naturefund zusammenzuarbeiten. Mit seinem großen Netzwerk kann Naturefund Mitsubishi dabei unterstützen, den seltenen Blauflossen-Thunfisch zu erhalten, ein positives Image zu erlangen und langfristig mit einer nachhaltigen Unternehmenspolitik Geld zu verdienen.

Unsere Anfrage an Sie haben wir mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen abgestimmt. Doch nicht nur Naturefund, sondern auch viele andere Menschen wollen wissen, inwieweit Mitsubishi den Blauflossen-Thunfisch ausrotten oder ihn bewahren will. Transparenz ist zur Klärung dieser Frage entscheidend. Daher verschicken wir diesen Brief bundesweit als Pressemitteilung und veröffentlichen ihn gleichzeitig im Internet. Wir werden Ihre Antwort ebenso offen diskutieren und parallel dazu auch in Englisch sowie Japanisch veröffentlichen.

Bitte haben Sie keine Angst vor einer transparenten Diskussion. Der Film „The end of the line“ ist bereits veröffentlicht und die darin genannten Informationen über Mitsubishi werden intensiv diskutiert. Transparenz und ein gemeinsamer Austausch kann für Ihren Konzern hilfreich sein, um tatsächlich nachhaltig zu arbeiten und die breite Zustimmung der Öffentlichkeit zu erlangen. Naturefund begleitet und unterstützt Sie gerne auf diesem Weg.

Mit freundlichen Grüßen
Katja Wiese

Geschäftsführerin

Naturefund e. V.
Sonnenberger Straße 20a
D-65193 Wiesbaden

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