Bio Natur - Der Weblog

1.9.2011

ARD-exclusiv: Das System Wiesenhof

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 01:58


Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und die Umwelt ausbeutet

Was ich in meinem Artikel “Qualität, Sicherheit, Transparenz: Konsumpf und Wiesenhof” vorab angekündigt hatte, nämlich eine sachliche und objektive Diskussion über die Vorwürfe gegen den Geflügel-Fabrikanten PHW (Paul-HeinzDer Geflügel-Fabrikant und Wiesenhof Firmengründer Paul-Heinz Wesjohann. Massentierhaltung und katastrophale Arbeitsbedingungen im Alltag der kommerziellen Hühnerställe. Die Reportage “ARD-exclusiv: Das System Wiesenhof. Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und die Umwelt ausbeutet. Eine Dokumentation der FilmemacherInnen Monika Anthes und Edgar Verheyen. Wesjohann), welcher den meisten VerbraucherInnen, welche in den Gefrierregalen und Kühlfächern der Supermarktketten nach besonders billigen Geflügelprodukten stöbern, unter dem Firmennamen “Wiesenhof” besser bekannt ist, fällt wohl angesichts des gezeigten Filmmaterials schwer.

Auch wenn ich in diesem ersten Artikel auf ein Kurzvideo verlinkt habe, welches der Transparenz wegen, welches sich im propagierten Leitmotiv der Wiesenhof-Werbeabteilung “Qualität, Sicherheit und Transparenz” wiederfindet, eben diese andere, die beschuldigte Seite zu Wort kommen ließ, bleiben nach Ansehen der Dokumentation meines Erachtens nur wenig bis gar keine Spiel- und Freiräume, um positive Aspekte einer artgerechten Tierhaltung, menschenwürdigen Behandlung sowie umweltpolitischen Befürwortung herauszufiltern. Und die Konklusion: “Der Beschuldigte (wobei es sich hier wohl um ein dichtes Netz vieler Schuldiger handeln dürfte) ist schuldig im Sinne der Anklage.“   

Eine Reportage über Massentierhaltung ist sicherlich immer wieder ein emotional bewegendes Thema. Dass sich die beiden Kontrapunkte Gewinnstreben und artgerechte Tierhaltung in den wenigsten Fällen vereinbaren lassen, dürfte die meisten von uns wenig überraschen, wie auch der Standard im Artikel “Vorarlbergs Schweine sollen es besser haben” schreibt, welches das nicht minder furchtbare Thema der sogenannten Schweinekäfig- oder Kastenstandhaltung zum Inhalt hat.

Und doch zeigen Bilder wie jene der beiden FilmemacherInnen Monika Anthes und Edgar Verheyen immer wieder, dass die lange gehegten Vorurteile und Verdachtsmomente gegenüber Unternehmern wie dem Wiesenhof Firmengründer Paul-Heinz Wesjohann, dem PHW-Vorstandschef Peter Wesjohann und all jenen in den Unternehmensprozess involvierten Personen schnell in ein abschließendes und endgültiges Urteil umschlagen kann und notgedrungen muss. Doch weshalb lässt sich die Öffentlichkeit, hier stellvertretend für das Fernsehpublikum, welche die Dokumentation “Das System Wiesenhof” (ARD-Mediathek) gesehen hat, auf eine Meinung reduzieren, welche in dem Beitrag wiedergegeben wurde?

Die Gründe liegen auf der Hand. Die Firma Wiesenhof hat nichts getan, um die gegen sie erhobenen Vorwürfe durch entsprechende Gegenargumente zu entkräften. Wer, so wie es Firmengründer Paul-Heinz Wesjohann in dem Film getan hat, auf die Frage, ob die gezeigten Mißstände nicht gegen artgerechte Tierhaltung verstoßen, darauf im Brustton der Überzeugung antwortet, dass es sich seiner Meinung nach um glückliche Hühner handele, welche inmitten der eigenen Exkremente, auf engstem Raum zusammengepfercht und von unschönen Hühnerkadavern umgeben, in den Ställen vor sich hin vegetieren, muss sich die Frage gefallen lassen: “Wie bitteschön schauen dann erst unglückliche Hühner aus?

Dass sich die betroffenen Zulieferer und Produzenten des Geflügels hinter den eigenen Mauern verstecken und vor der laufenden Kamera ins schützende Dunkel der Hühnerställe flüchten, mag noch einigermaßen verständlich sein. Schließlich handelt es sich wohl in den meisten Fällen um Kleinbauern oder Einzelunternehmerinnen, welche auf Gedeih und Verderb vom Abnehmer Wiesenhof abhängig sind. Existenzängste, die Furcht vor der Auflösung der Lieferverträge, möglicherweise auch Knebelveträge oder eben festgeschriebene Paragraphen, welche es ihnen unmöglich machen, über die wahren Verhältnisse zu sprechen, machen es verständlcih, wenn eine Mauer des Schweigens zwischen Filmteam und Involvierten aufgebaut wird. Dass die Kleinen auf den Schlachthöfen des Kapitals nur mit stumpfen Waffen kämpfen, mag nicht als Entschuldigung gelten, doch die Messer wetzen diejenigen, welche in der Verantwortung stehen, solche Missstände zu verhindern.

Doch auch hier zeigt sich Wiesenhof selbst von seiner hilflosesten Seite. Anstatt Monika Anthes und Edgar Verheyen mitsamt dem Kameramann in ein Auto zu packen und zu sagen “So, jetzt zeige ich euch einmal einen Wiesenhof-Musterbetrieb. So schaut’s bei uns aus” folgen Ausflüchte, nichtssagende Allgemeinplätze und der Verweis, dass dies wohl nicht in der Verantwortung von Wiesenhof läge. So hätte ich es als Geschäftsführer gemacht, um zumindest (teilweise) diesen Vorwurf zu entkräften. Warum nicht das Zeigen eines Stalles mit den heraufbeschworenen glücklichen Hühnern unter tiergerechten Bedingungen? Weil es so einen Luxusbetrieb im schönen flaumigweichen Kükenreich von Wiesenhof nicht geben dürfte, welche die vorgegaukelte Illusion der Wiesenhof-Werbung zur Realität hochstilisiert. Stattdessen ein blutbeflecktes Armutszeugnis.

Auf der firmeneigenen Pressekonferenz werden die beiden ReporterInnen als persona non grata höflich, aber bestimmt des Feldes verwiesen respektive erst gar nicht auf das große unternehmenseigene Spielfeld hinter den hohen Mauern des Schweigens zugelassen. Willkommen ist im Reich der glücklichen Hühner, wer schweigen kann und dieses Schweigen in mundgerechten Happen im Sinne der Firmenphilosophie weiter trägt. Ein von Wiesenhof engagiertes Kamerateam filmt stattdessen seinerseits diejenigen, welche zum Filmen und Dokumentieren angetreten sind. Hilflose Ohnmacht, wenn verbale Argumentationsketten schwerelos in der Luft hängen. Kein Aufklärungsbedarf, sondern der versteckte Fingerzeig, dass hier der einzige Missstand die Menschen von der ARD sind. Auge um Auge, Zahn um Zahn, Filmteam um Filmteam. Den Sinn zu verstehen fällt mir schwer. Welche Bewandtnis hat solch eine Gegendokumentation für die im Kreuzfeuer der Öffentlichkeit stehenden Verantwortlichen? Wollen sie ausdrücken: “Was ihr könnt, können wir schon lange?

Ausgetrocknete Brunnen der AnwohnerInnen. Ein Stundenlohn von 5,50 Euro für die im Akkord arbeitenden Fließband-ArbeiterInnen aus Polen und anderen osteuropäischen Staaten. Fleischbeschau und Qualitätssicherung im 0,8 Sekunden-Takt. Containerweise tote Hühner, entsorgt hinter den Fabrikhallen und mit Maden überzogen ganz im Sinne von Ludwig Hirsch: “Was is’n des, des komische Krabbeln an die Zehen da vorn? Jessas Maria, der erste Wurm! Du liegst da und kannst di net rühren, die Würmer krallen dir in’s Hirn, und sie dinieren. (Auszug aus “I lieg am Ruckn“). Arbeiter, welche die Hühner mit geradezu sadistischer Gewalt in die LKWs treiben, treten, prügeln. Hühner werden mit brachialer Gewalt durch den Stall geschleudert, auf andere wird mit voller Wucht hingetreten. Aber scheinbar sehen so glückliche Wiesenhof-Hühner aus. Deshalb noch einmal die Frage: Wie bitteschön schauen dann erst unglückliche Hühner aus? 

Da können auch noch so günstige oder für Wiesenhof ungünstige Kameraeinstellungen nicht über das ganze Ausmaß hinwegtäuschen, mit welchem hier auf Kosten von Tier, Mensch und Umwelt eine Verrohung von bestialischer Grausamkeit hinter hohen und fein säuberlich mit stacheldrahtbewehrten Mauern des Schweigens Tag für Tag fein säuberlich und schockgefroren den KonsumentInnen auf den Tisch gelegt wird und schonungslose Gewinne in den Nistplätzen einer skrupellosen Industrie ausgebrütet werden. Dass Anthes und Verheyen für ihren Beitrag eine besondere Extremperspektive einnahmen, mag in einigen Fällen vielleicht sogar seine Richtigkeit haben. Doch wer sich so wie Wiesenhof weder konkret noch argumentativ schlüssig zu den erhobenen Vorwürfen verteidigen kann geschweige denn im Ansatz zu entkräften weiß, wird wohl wissen, weshalb dies nicht möglich ist. Dass jetzt natürlich ein säuberlich ausgearbeitetes Dossier von Seiten der Firmenleitung folgen dürfte, wird dabei wenig überraschen. Dass Worte wie Qualität, Sicherheit und Transparenz ebenfalls wieder ihre Federn lassen werden, wird noch weniger verwundern.  

30.8.2011

Qualität, Sicherheit, Transparenz: Konsumpf und Wiesenhof

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 16:00

Ein arbeitender Blogger macht es kurz

Da ich heute absolut keine Zeit zum Bloggen habe, sieht frau und man(n) einmal von diesen wenigen Zeilen ab, mache ich es mir ganz einfach und verlinke auf einen (nicht minder langen) Artikel von Peter Marwitz mit dem Titel “Fernsehtipp: Wiesenhof: Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und Umwelt ausbeutet“. Und was hat das Ganze nun mit Qualität, Sicherheit und Transparenz zu tun? Einfache Antwort: Bei Peter und seinem Blog “Konsumpf” überzeuge ich mich durch (fast) tagtägliches Lesen, welches mir oftmals selbst Ideen, Material und Inspiration für eigene Blogartikel gibt, von der Glaubwürdigkeit dieser drei Attribute. Bei Wiesenhof? Warten wir ab, drehen wir am 31.08. um 21:45 Uhr (ARD) die Glotze auf und lassen uns überraschen. Schließlich haben uns auch schon Panda-Bären manch (un)schöne Überraschung gebracht.

Und bis ich selbst wieder neue Artikel produziere, könnten Sie mit den letzten Berichten “Das Öl-Zeitalter: Denken und Handeln der Menschheit” oder mit den “Krokodilen im Getriebe” vorlieb nehmen. Hat zwar nichts mit Hühnerställen zu tun, aber so ein kleines Schweinestall der Menschheit ist schließlich auch nicht zu verachten.

“Fair User” (siehe Kommentar unten) hat mich im Sinne objektiver Berichterstattung auf ein Youtube-Video aufmerksam gemacht, welche die “andere” Seite, also die betroffene Firma Wiesenhof zu Wort kommen lässt. Und das verpflichtet mich natürlich, auch auf dieses Video in Form der Verlinkung zu diesem Video mit dem Titel “ARD-exclusiv: Faire Recherche?” unter http://www.youtube.com/watch?v=UfM2r9xU514&feature=youtu.be hinzuweisen. Ich bin deshalb umso gespannter, was uns die Dokumentation bringen bzw. zeigen wird und freue mich jetzt schon auf eine lebhafte Diskussion auf meinem Blog.

Unter folgendem Link findet sich mein sehr ausführlicher Bericht zur Reportage “ARD-exclusiv: Das System Wiesenhof. Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und die Umwelt ausbeutet“.  

24.8.2011

Künstliche Farbenpracht: Ameisen im Zuckerwasser-Rausch

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 21:53


Die farbigen Erleuchtungen von Frau Shameem und Herrn Mohamed Babu

Ob Frauen wirklich die bessere Beobachtungsgabe besitzen, kann ich als kurzsichtiger Blogger mit losem Bodenkontakt zur Realität nicht beurteilen. Will ich eigentlich auch gar nicht, sonst würde ich, entweder bei einem behaupteten “Nein” von meiner Seite, die Frauenrechtlerinnen auf den Plan rufen und, was noch weit schlimmer wäre, würde ich diese Hypothese bejahen, würde ich irgendwie und indirekterweise die These der allerbesten Gattin dieser Welt unterstützen, welche doch tatsächlich zu gegebenem Anlass von sich gibt, dass ich “einfach nicht klar sehe“. So zolle ich lieber und ganz unverfänglich beiden Parteien den notwendigen Respekt und schreibe über Ameisen. Ja, über Ameisen! Wobei in diesem Mikrokosmos eigentlich von vornherein klar ist, wer hier die Hosen anhat.

Sie sehen, ein eitler grüner Gockel wie ich macht sich nur FeindInnen. Da spielt die Tatsache, dass ich unterschwellig zum Boykott gegen die Modekette Zara aufrufe, auchFrau Shameem Babu und ihr Gatte Dr. Mohamed Babu. Regenbogen-Ameisen nach dem Trinken von eingefärbtem Zuckerwasser. Frau Babu verschüttet Milch und enrdeckt, dass sich die Hinterteile der Ameisen weiß verfärben. schon keine Rolle mehr. Aber weil eben jeder Mensch Zuneigung braucht, schaue ich mich beizeiten nach geeigneten FreundInnen um. Und wenn diese aus dem Tierreich kommen und darüberhinaus auch noch schön bunt und vor allem von körperlich geringerem Wuchs als ich es bin, so ist damit meinem Ego Genüge getan und dann gebe ich sämtliche Widerstände auf.

Jetzt schreibe ich und schreibe ich und Sie wissen immer noch nicht, zu welchem Zwecke ich dies mache. Also, zum Behufe dieses Zweckes wäre es zweckdienlich, wenn ich endlich zur Sache käme. Und da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz und wir stehen am Anfang da. Denn die aufmerksame Gattin Shameem des indischen Wissenschaftlers und, wie sie selbst sehen, auch mit der Kamera vertrauten Dr. Mohamed Babu beobachtete zuhause, wie sich die transparenten Hinterteile von Ameisen weiß verfärbten. Nein, nicht einfach so aus heiterem blauem Himmel oder anderer unerklärlicher Phänomene, sondern aufgrund der Tatsache, dass sie verschüttete Milch süffelten. Aus einer Unachtsamkeit von Frau Babu, welche für das Verschütten der Milch, das Beobachten der Konsequenz der verschütteten Milch und schließlich für die Weitergabe der Konsequenz der verschütteten Milch an Herrn Babu verantwortlich zeichnete, entstand dann folgende Erkenntnis. Klare Sache: Die Milch ist weiß, wie selbst ich weiß und was die Ameise selbst nicht weiß, macht sich zwar nicht heiß, aber eben weiß. So oder ähnlich dachte vielleicht auch Herr Babu und startete ein kleines Experiment.

Der rote Hintern eines Pavians im kenianischen Nationalpark Tsavo East. Paul Boegle findet diesen Hintern genauso entzückend wie die eingefärbten Hinterteile der Ameisen von Dr. Mohamed Babu.Er träufelte Zuckerwasser in verschiedenen Farben vor die Naschkatzen aus dem Reich der Hautflügler oder noch grober gesagt aus dem Reich der Insekten und wartete mit gezücktem Fotoapparat. Und, zumindest glaube ich, dass es so war, aus seinem Gezücken entwickelte sich alsbald ein Verzücken. Denn die Hinterteile der Ameisen nahmen mit jedem Schlückchen jene Farbtöne an, welche sie eben gerade in sich hineinsüffelten. Und weil sich einige der Tierchen nicht nur mit einer Farbe begnügten, entstanden sogar richtig schöne Regenbogen-Ameisen. Und noch etwas glaubte Dr. Babu erkannt zu haben. Die hellen Farbtöne des Zuckerwassers, also gelb oder grün, würden auf die staatenbildenden Insekten anziehender wirken als dunkle Farben wie blau oder rot (Tasting the rainbow: The ants whose multi-coloured abdomens show exactly what they’ve been eating).

Was lernen wir nun aus der Tatsache, dass Ameisen mit bunten Hintern sicher genauso entzückend sind wie ein Pavian mit rotem Hinterteil? Dass es doch immer wieder erstaunlich ist, was alles ans Tageslicht kommt, wenn eine Frau zu genau hinsieht. Ob uns dies jetzt zukünftig für weitere wissenschaftliche Erkenntnisse hilfreich ist, kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber nach meinem Empfinden wäre es schade, äußerst schade sogar, wenn wir solche Zwergstaaten wie Ameisen oder Bienen durch Pestizide und ähnliche Dinge einfach so mir nichts, dir nichts auslöschen würden.

22.7.2011

Je voller der Mond, desto fauler der Löwe

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 03:43


Nachts sind alle Katzen grau …

Paul Bögle: Zwei faule Hunde mit Blick für das Wesentliche.… ist nur bedingt richtig, wenn wir davon ausgehen, dass die Kategorie Katzen in diesem Falle aus hungrigen Löwen besteht und das Schweigen im Walde in den offenen Savannen Afrikas vom Brüllen der Löwen durchzogen wird. Denn richtig gefährlich wird es für den Menschen erst dann, wenn sich der Mond hinter Wolken versteckt oder eine dünne Sichel nach dem Vollmond über dem Himmel steht. Dies soll bedeuten, nicht nur das Meer richtet seine regelmäßigen Phasen Ebbe und Flut nach dem Mond, sondern auch die Löwen haben ihren ganz eigenen Mondkalender. Natürlich weniger, um im Meer zu schwimmen, sondern um Herr über die eigenen Fressattacken zu sein. Oder vereinfacht ausgedrückt: Bei Vollmond endet der zwar nicht zum Beuteschema der Löwen gehörende Homo sapiens wesentlich weniger im knurrenden Löwenmagen als in Nächten abnehmender Mondsicheln. Was das Bild mit dem Artikel zu tun hat? Rein gar nichts, doch die Überschrift wirkte geradezu verführerisch, den faulen Löwen bei Vollmond auch noch zwei faule Hunde bei vollem Tageslicht zur Seite zu stellen.

Aber was uns der Film “Der Geist und die Dunkelheit” mit Michael Douglas und Val Kilmer schon anhand wirklicher Tatsachen aus dem Jahr 1898 im heutigen Tsavo-Nationalpark in Kenia (damals Britisch-Ostafrika) lehrte: Angriffe von Löwen auf Menschen sind etwas Alltägliches in Afrika. Dass Hollywood natürlich in dem Actionfilm gehörig an den Zahlen schraubte bzw. vollkommen überzogene Zahlen übernahm, darf nicht weiter verwundern. Wer sich aber für die angepassten Daten über die tatsächliche Anzahl der Opfer durch die beiden Menschenfresser interessiert, sollte sich doch einmal den englischsprachigen Artikel “A Body Count for Two Man-Eating Lions” von Michael Torrice durchlesen. Ich nehme es vorweg. Wenn Quellen von kolportierten 135 Toten sprechen, haben dies die beiden Forscher Nathaniel Dominy und Justin Yeakel auf 35 Opfer nach unten korrigiert (siehe auch dazu “Cooperation and individuality among man-eating lions.”). Immer noch eine erschreckend hohe Zahl, aber eben nicht ganz im Sinne des blutrünstigen Hollywood.

Und wenn wir schon dabei sind. Die beiden menschenfressenden Löwen, welche im richtigen Löwenleben Bongo und Caesar hießen oder noch heißen, waren auch schon inPaul Bögle im Tsavo-East Nationalpark in Kenia. Tsavo-Löwen tragen keine Löwenmähne. Haarsträubender Fehler im Hollywood-Film “Der Geist und die Dunkelheit”. anderen Filmproduktionen am Set. Wer “George - Der aus dem Dschungel kam” kennt, wird verblüffende Ähnlichkeiten zu den beiden Menschenfressern aus dem oben angesprochenen Film erkennen können. Aber genug jetzt. Nein, etwas doch noch! Ich war selbst schon sowohl im Tsavo-East als auch im Tsavo-West Nationalpark im ostafrikanischen Kenia und im angrenzenden Tansania. Nicht bei Nacht, nicht bei Vollmond, nicht alleine zu Fuß. Also schon auch bei Nacht, auch zu Fuß, aber nicht allein. Mit dem Vollmond bin ich mir nicht mehr so sicher, doch über eine Tatsache bin ich mir doch sehr sicher. Die Tsavo-Löwen, wie Sie auf nebenstehendem Bild, welches ich damals machte, unschwer erkennen können, tragen keine Löwenmähne. Weder Weibchen noch Männchen. Doch wenn Sie den Film Der Geist und die Dunkelheit” jetzt im ebensolchen Geiste Revue passieren lassen bzw, irgendwann einmal anschauen sollten, achten Sie doch auf die prachtvollen Löwenmähnen in der Hollywood-Produktion. Selbstverständlich wunderschön anzusehen, solch ein prachtvoller Löwe mit dem Haupthaar, aber eben so an der Wirklichkeit vorbeigedreht, dass es schon wieder dazu verführt, die Produzenten, Regie und Drehbuch allesamt den Löwen zum Fraß vorzuwerfen.        

Doch zurück zu Vollmond, Löwen und den damit verbundenen statistischen Kennzahlen über Angriffe auf Menschen. Die Löwen folgen also einem bestimmten Muster und dies bedeutet: Je voller der Mond über der ostafrikanischen Savanne scheint, desto ungefährlicher wird Ihr potentieller Spaziergang in freier Wildbahn. Zumindest gibt diesen kostenlosen Tipp der auf dem Gebiet der Verhaltensforschung für Löwen führende Experte Craig Packer all jenen Menschen, welche sich vielleicht mit dem Gedanken tragen, in einer lauen Sommernacht in der Savanne im afrikanischen Tansania einen solchen Spaziergang an der frischen Luft unternehmen zu wollen. Keine Frage, der Gedanke daran erscheint durchaus reizvoll, sich auf den telegenen Spuren eines Dr. Marsh Tracy, welcher mir noch als Held der Serie Daktari bestens in Erinnerung ist, durch die Wildnis Afrikas zu bewegen. Also habe ich mir, um diesem Ziel des gefahrlosen Gehens durch Mutter Natur im Ursprungsland der menschlichen Rasse ein kleines Stückchen näher zu kommen, den im Fachblatt PLoS ONE publizierten Artikel “Fear of Darkness, the Full Moon and the Nocturnal Ecology of African Lions” durchgelesen.

Und, wie Craig Packer in seiner Studie ausführt, das Reich der wilden Tiere bietet doch immer wieder Erstaunliches. Und sei es auch nur die Tatsache, dass selbst ein nächtliches Abenteuer zu einer gemütlichen Nachtwanderung werden kann. Obwohl, darauf ankommen lassen möchte ich persönlich es doch nicht. Nachts sind zwar alle Katzen grau, doch dafür garantieren wird wahrscheinlich auch nicht Craig Packer.

28.6.2011

Dinosaurier des Jahres: Menschliche Fossilien

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 02:39


Die Paläontologen vom NABU haben RWE-Boss Jürgen Großmann ausgegraben

Ich selbst wusste es auch nicht. Schande über mich und mein ungesundes Halb- und noch gesünderes Nichtwissen. Ich bin ein ignorantes Fossil der Trophäenjäger, eineNaturschutzbund Deutschland (NABU) vergibt den Dinosaurier des Jahres. Zum Umwelt-”Dinosaurier 2010″ wurde RWE-Boss Jürgen Großmann ernannt. menschgewordene Versteinerung der Auszeichnungssammler, ein inferiorer Knochenfund der jagenden UND sammelnden Preis-Großverdiener. Und ich bin vollkommen ahnungslos. Ich schreibe leichtfertig über Guerilla-Aktionen, welche die Wirklichkeit abzubilden versuchen, doch selbst geht eben jene Realität sang-, klang- und vor allem grußlos an mir vorüber.

Das gibt es doch tatsächlich seit dem Jahr 1993, also quasi seit kurz nach der Kreidezeit, einen Umweltpreis mit dem hoffnungsfrohen Namen “Dinosaurier des Jahres” und ich weiss nichts davon. Möglicherweise nicht gerade das, was ich mir gemeinhin unter einer neuzeitlichen Ehrenauszeichnung mit paläontologischen Wurzeln und für prähistorisches Denken vorstelle, aber immerhin handelt es sich trotz alledem um einen Preis. Ich bitte Sie aber, diese Dinos nicht mit jenen Dinos zu verwechseln, welche laut Anhängerschaft des Kreationismus sogar noch auf der Arche Noah in die Riemen griffen und der Sintflut davonruderten.

Und weil Ehre, wem Ehre gebührt, keine leere Floskel ist, hat sich der Naturschutzbund Deutschland eben in diesem Fall verpflichtet gefühlt, dem RWE-Chef Dr. Jürgen Großmann den Knochen hinzuwerfen oder besser geschrieben den Dinosaurier zu überreichen. Das war zwar schon, wie es der Preis so treffend umschreibt, Ende des Jahres 2010, aber bis Paul Bögle von seinem Baum heruntergeklettert ist, ein sehr guter Anlass für das Jahr der Wälder übrigens, dauert es dementsprechend seine (Stein)Zeit.

“RWE, richtig, da war doch was“, werden Sie jetzt denkenderweise vor sich hin sinnieren und grüblerisch vor sich her denken. “Ja, genau, das ist die sogenannte atomare DÖF” kann ich Ihnen darauf unbedachterweise antworten, ohne viel darüber nachzudenken. Die Deutsch Österreichische Freundschaft der Atomlobbyisten oder eben kurz DÖF. Ich weiss, es gab zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle auch einmal ein Projekt namens Deutsch Österreichisches Feingefühl oder eben auch DÖF mit dem genialen Song über Codo, welcher im Sauseschritt durchs All düst und gegen den Herrn des Hasses rebelliert. Aber nein, in diesem Fall dann doch eher die Deutsch Österreichische Freundschaft von Herrn Dr. Großmann und dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel. Richtig, jene Herren, welche seit Cordoba oder so kurz danach im Sekundentakt ihre Atomuhren abgleichen, um immer auf dem Laufenden zu bleiben.

Jetzt klingelt es? Genau, die Bundeshauptstadt der Energie namens Grevenbroich oder die tickenden und sündhaft teuren österreichischen RWE-Uhren im Atomzeitalter am Handgelenk des ehemaligen Bundeskanzler der Republik Österreich. So nebenbei. Schade, dass der NABU nur einen Dino pro Kreidezeit vergibt, denn verdient hätten ihn sich nach meinem Dafürhalten viele. Aber gut, wir wollen nicht gierig sein, schließlich muss solch ein prähistorisches Ungetüm erstmal gefunden werden. Also nicht die PreisträgerInnen, sondern eben der zu den PreisträgerInnen zu tragende Preis.

So, jetzt habe ich eigentlich alles geschrieben, was es zu sagen gibt. Außer natürlich den Grund, Herrn Großmann diesen negativen Umweltpreis zu überreichen. Sicher. dafür gibt es Gründe genug. Aber ein ganz bestimmter war es in diesem Falle dann doch.Aus reinem Machtkalkül und Profitstreben wird an einer Risikotechnologie festgehalten und gleichzeitig der notwendige Aus- und Umbau einer umweltfreundlichen Energieversorgung in Deutschland ausgebremst.” (“Dinosaurier des Jahres” für RWE-Chef Großmann).

Mal sehen, wen NABU-Präsident Olaf Tschimpke nächstes Jahr für die Übergabe ausgräbt. Wäre sebstverständlich schön, wenn bis dahin RWE und Herr Großmann über den Dinosaurier 2010 ein kleines bisschen grübeln würden. Oder vielleicht sogar nachdenken. Sinnieren wäre ebenso von Vorteil. Und Handeln erst.

8.4.2011

Klonfleisch: Die Nachkommen ohne Namensgebung

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 21:55

Kafkaeske Groteske zur Kennzeichnungspflicht von Klonfleisch

Nachdem sich die vorhergehenden Artikel dem Thema des Energiesparens und seiner oftmals verqueren Folgen gewidmet waren, bleibt beim Thema Kennzeichnung von Klonfleisch der Lichtschalter auf EU-Ebene jetzt wohl vollkommen auf “Aus“. 

Kennzeichnungspflicht für Klontiere in der EU: Fehlanzeige!In den USA stellt sich schon seit mehreren Jahren nicht mehr die Frage, ob Fleischberge aus den Kühlregalen und hinter den Frischhaltetheken nun aus modifiziertem Genmaterial oder nicht geklonten Muttertieren hergestellt wurden. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Aber wer möchte schließlich schon über alles so genau Kenntnisstand erlangen? Im Land der Hamburger ist dies aber, um der Bevölkerung nicht gänzliches Desinteresse bezüglich Klonfleisch unterzujubeln, fast ebenso unmöglich wie die sprichwörtlichen unbegrenzten Möglichkeiten ein sagenhafter Nimbus sind. Und weil Amerika bedenkenlos alles in sich reinfuttert, was nicht klon- und manipulationsfest ist, darf Europa natürlich nicht zurück bleiben. 

Möglich machte dieses Geschiebe mit Gentechnik ein sechsjähriger Prüfprozess der amerikanischen Behörde für Lebensmittelaufsicht FDA. Und am Ende dieses finsteren Tunnels stand die lichte Erkenntnis, dass die Produkte von geklonten Tieren für den Menschen unbedenklich seien. Keine Gefahr von aus Rindern, Ziegen, Schweinen oder Schafen hergestellten Erzeugnissen gehe nach einer eingehenden Risikoabschätzung durch die FDA aus. Und weil das nun so ist, wird auf eine Kennzeichnungspflicht gleich mit verzichtet. Schließlich unterscheiden sich jene Klonprodukte in keinster Weise von konventionell hergestellten      

Klonfleisch - Was ist das überhaupt?

Klonen oder auch klonieren bezeichnet den Vorgang der Reproduktion neuer Organismen ohne geschlechtliche Vermehrung. Wir legen also ein Blatt Papier auf denKlontiere benötigen in EU keine Kennzeichnungspflicht. Fotokopierer, drücken die “Start-Taste” und heraus kommt ein identischer Inhalt. Vielleicht biochemisch oder biogenetisch etwas vereinfacht ausgedrückt, aber das Klonen funktioniert eben einmal genauso. Die DNA als Träger der Erbfunktionen eines Tieres werden 1:1 auf die Nachkommen übertragen.

Als “Neuartige Lebensmittel” oder “Novel Foods“ wird Klonfleisch von den AgrarministerInnen und natürlich auch dementsprechend von der Gesetzgebung bezeichnet. Neuartig deshalb, weil diese Nahrungsmittel erst nach 1996 in nennenswertem Umfang auf den europäischen Markt gekommen sind. Die sogenannte “Verordnung (EG) Nr. 258/97 über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten” Novel Foods-Verordnung), welche mit 15. Mai 1997 ihre Gültigkeit in der EU hatte, regelt, was alles unter diese doch sehr schwammige Definition fällt (siehe dazu Gesundheitliche Bewertung von Novel Foods und die umfangreiche und informative englischsprachige Auflistung Food Safety - From the Farm to the Fork: Novel Food).

Kennzeichnungspflicht für Klontiere kommt nun doch nicht.Was beim Lesen der verschiedenen Kategorien auffällt oder besser gesagt nicht ins Auge sticht? Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, welche wie bestimmte Joghurtsorten mit genetisch veränderten Lebendkulturen versetzt sind oder aus genetisch veränderten Organismen (GVO) bestehen wie etwa der sprichwörtlich mittlerweile in aller Munde hergestellte Gemüsemais, fallen nicht unter diese Regelung. Und was noch seltsamer ist. Selbst Lebensmittel, welche gar keine GVO enthalten, aber wie z.B. Rapsöl mit genverändertem Raps als Ausgangsmaterial, also aus genmanipulierten Ursprungsstoffen hergestellt wurden, finden keinen Platz als “Neuartige Lebensmittel“. Dafür gibt es dann die spezielle “Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 über genetisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel” und andere gesetzliche Regelungen.

Klonfleisch auf einer Stufe mit gerösteten Heuschrecken

Wir merken uns also für die nahe, mittlere und wohl auch ferne Zukunft: Nach EU-Recht sind genmanipulierte Lebensmittel nicht gleich genmanipulierte Lebensmittel. Während die einen zweifelsfrei in die dafür geschaffene Verordnung fallen, hat Klonfleisch denselben Status wie Elektrolyt-Getränke, geröstete Heuschrecken oder Algen und Plankton als Nahrungsmittel. Klingt seltsam? Ist es in meinen Augen auch.

Es soll hierbei nicht verschwiegen werden, dass eine Auflistung gleichbedeutend mit einem Verkauf auf dem europäischen Markt ist. Dafür ist dann die EU-Kommission und der EU-Ministerrat zuständig. Und als Zwischenschritt auf dem Weg zu unbegrenztem Reichtum und grenzenlosem Klonfleisch-Genuss gibt es noch die Efsa. Und diese EU-Lebensmittelagentur für Lebensmittelsicherheit kam schon 2008 zu dem folgenschweren Schluss, dass bezüglich Klonfleisch und, was vielen unbekannt ist, Milch von Klontieren, eben keine Sicherheitsbedenken bezüglich menschlicher Gesundheit und Umwelt vorliegen.

Die Verhandlungen zur Kennzeichnungspflicht für Klontiere sind kläglich gescheitert. Obwohl 58 Prozent der EU-Bevölkerun gegen das Klonen von Tieren ist, haben sich nun 100 Prozent der EU-Mitgliedsstaaten gegen eine Kennzeichnung ausgesprochen. Da hilft auch nicht die Argumentation, dass wohl einige dafür gestimmt hätten. Fakt ist: In puncto Uneinigkeit herrschte Einigkeit bei den verschiedenen EU-Gremien. Nicht aus gesundheitlichen Bedenken wurde dagegen gestimmt und moralische Grundsätze wurden sowieso über Bord geworfen. Europa befürchtet, dass ein Votieren für die Kennzeichnung einem Handelsembargo gegen die USA gleichgekommen wäre. Und den starken Partner im Westen zu verärgern ist schließlich ein No-go. Wer kann sich schon verbraucherfreundliches Verhalten leisten, wenn dadurch Vergeltungsmaßnahmen auf wirtschaftlichem Sektor durch die USA zu befürchten wären?

Was die Verantwortlichen möglicherweise auch in ihr wohlüberlegtes Kalkül zogen. Die EU produziert wesentlich mehr Milch und Schweinefleisch als die EU-BürgerInnen verbrauchen können. Wohin aber mit der ganzen schönen Überproduktion, wenn Amerika aufgrund des unausgesprochenen Embargos plötzlich ”No thank you!” zu europäischen Zuchtschweinen und lauwarmer Kuhmilch sagt. Dass übrigens Lebensmittel aus Nachkommen von geklonten Rindern laut Testbiotech: Klonfleisch: Verbraucher sollen keine Wahl haben bereits durch die europäischen VerbraucherInnen-Märkte geistern, mag deshalb auch nicht weiter verwunderlich sein. Die Geister, die wir riefen, begannen bereits vor 15 Jahren, aus dem Reich der Reagenzgläser herab auf die Erde zu steigen. Damals war der Geist ein geklontes Schaf namens Dolly. Und heute sind es eben jene zahllosen und namenlosen Geister in zweiter oder vielleicht auch schon weiterer Generation von unbekannten Klontieren.

Auch wenn sich keine gesundheitlichen Folgeerscheinungen ergeben sollten. Ein bitterer moralischer und ethischer Nachgeschmack bleibt immer. Zumindest bei mir.                     

21.3.2011

Have a break? Have NO KitKat!

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 20:04

Palmöl aus Indonesien für Schokoriegel von Nestlé

Nachdem ich bereits vor längerer Zeit einige der sogenannten Adbusting-Kampagnen von Greenpeace unter “Diese Anzeigen sind keine Anzeigen” vorgestellt hatte und gestern ein Video von Kraftwerk mit dem sinnigen Titel “Radioaktivität” nachgeschoben habe, soll heute eine Kombination beider Formen der Mediengestaltung folgen. Es sei hier vorab angemerkt, dass das Video von Greenpeace nichts für zartbesaitete Gemüter ist, doch der Zweck heiligt die Mittel. Und die Mittel von Greenpeace waren schon immer von besonderer Güteklasse. Also anschauen und vielleicht beim nächsten Griff ins Verkaufsregal das Video vor dem geistigen Auge abspielen. 

8.3.2011

Bienen und Haie: Ihr Mörder!

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 19:23

Die gefährlichsten Bestien für die Menschheit

Weisser Hai frisst Biene. Wenn Irrtümer wahr werden.Welch Schlagzeile für manches Boulevardblatt. Und die Wirklichkeit? Die müsste, damit Sie nun (nicht) im “Bild” sind, eher lauten: “Die gefährlichsten Irrtümer der Menschheit!” Also weg von Umwelt- und Klimaschutz und hin zu den wirklichen Gefahren, welchen sich die Menschheit stellen muss und die uns tagtäglich bedroht.

Das Zusammentreffen Mensch - Hai verursacht pro Jahr weltweit statistisch gesehen etwa 70 bis 80 Unfälle. Dabei kommen, wieder statistisch betrachtet, ca. 10 Menschen ums Leben. Im gleichen Zeitraum lassen alleine in Deutschland 20 Menschen ihr Leben aufgrund von Bienen-, Hornissen- und Wespenstichen.

Ein Wahnsinn“, sagen Sie? “Selbstverständlich“, entgegne ich. Ich plädiere deshalb dafür, natürlich darf ich das nicht allzu laut sagen, Sie wissen schon, wegen den Tierschützern und so, dass wir die Haie nun endgültig ausrotten und daraus eine anständige Haifischflossensuppe daraus machen. Und Honig bekommen wir schließlich aus dem Supermarkt. Wer braucht denn Bienen?

Aber es kommt noch besser. Bleiben wir dabei der Einfachheit halber in Deutschland. Pro Jahr werden bei Verkehrsunfällen 5000 Menschen getötet. 20 000 Menschen hingegen werden von der Grippe dahingerafft. Ganz nebenbei, ich wusste schon immer, dass meine Hypothese, Autofahren ist gesünder als ein ordentlicher Schnupfen, irgendwann einmal bestätigt wird. Aber trotzdem müssen wir, um konsequent unserer Linie treu zu bleiben, sowohl Autos als auch Grippe abschaffen. Es geht hier um unser Leben, vergessen Sie das bitte nicht! Und dann hätte wir noch unser grösstes Laster, den tödlichen Glimmstengel. Über 100 000 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen des Rauchens. Da wirken die fünf verlorenen Menschenleben durch Blitzschlag geradezu erbärmlich. Aber es hilft nichts! Neben den Zigaretten wird es in Zukunft auch kein Gewitter mehr geben.

Schauen wir doch zwanglos über die Grenzen Europas hinaus. Da hätten wir den Tiger. Eine ganz miese Ratte. Nicht nur im chinesischen Horoskop. 50 Menschen in Indien, Bangladesch usw. werden bestialisch von ihm gemeuchelt. Sein afrikanischer Artverwandter, der Löwe, verhält sich übrigens nicht viel besser. Und dann noch das Nilpferd, diese fette Sau des Wassers. Ist so heimtückisch wie Tiger und Löwe zusammen, sprich hat 100 Menschen pro Jahr auf dem gewissenlosen Gewissen. Ich kann Hemingway verstehen, wenn er soviel Spaß an der Großwildjagd hatte. Recht hatte er. Nicht umsonst wurde er so ein erfolgreicher Schriftsteller.

Aber jetzt kommt es so richtig dick. Wissen Sie eigentlich, wieviele Menschen durch Elefanten jährlich gemeuchelt werden? Nein, können Sie nicht wissen. Aber ich sag es Ihnen. Der Dickhäuter bringt es auf die erschreckende Zahl von 500 Homo sapiens, welchen er mit seinem faltigen Rüssel das Lebenslicht ausbläst. Ich fühle mich jetzt schon viel besser, wenn ich an meine Billardkugeln aus echtem Elfenbein denke. Am liebsten würde ich damit auch noch all diese kleinen Biester namens Skorpione, Wanderspinnen und sonstigen Ekelerreger erschlagen. Von den Alligatoren und Krokodilen ganz zu schweigen. 1000 Menschen zu zerfleischen ist wohl kaum die feine Art. Und da wundern sich diese Bestien, wenn Handtaschen und wunderschöne Stiefel und Gürtel aus ihnen gemacht werden. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Giftschlangen. Kein Pardon diesen Massenmördern, welche etwa 50 000 bis 100 000 Menschenleben hinter ihrer Kriechspur lassen. Weg damit!

Gegen Landminen und Streubomben.Schade übrigens, dass sich noch keine Verwendungsmöglichkeit diesbezüglich für diese anderen Parasiten gibt. Sie wissen schon! Plasmodium und so weiter. Aber außer Malaria schleppen die einfach nichts in unsere wohlgeordnete Zivilisation ein. Doch fangen wir, wie schon gesagt, einmal klein an und beginnen mit den Haifischen und Bienen. Aber ausgerottet gehören selbstverständlich all diese subersiven Elemente der Fauna. Wo kommen wir denn da hin?

Eines noch zum Abschluss, bevor ich mich dem Abschuss widme. Bis zum heutigen Tag wurden 100 000 Menschen Opfer von Streubomben und Streumunition. 27 Prozent dieser Opfer sind Kinder. Was gehört nun zuerst abgeschafft? Der Mensch, der sie produziert und einsetzt oder die Streumunition selbst? Ich weiss es nicht. Aber eines weiss ich. Haie und Bienen benutzen weder Landminen noch Streubomben. 

  

Zu den verwendeten Zahlen, Fakten und Statistiken siehe auch: Haiwelt.de: Gefährlichkeit von Haien, Süddeutsche.de: Welche sind die tödlichsten Tiere?, Gesundheitsberichterstattung des Bundes     

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