ARD-exclusiv: Das System Wiesenhof
Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und die Umwelt ausbeutet
Was ich in meinem Artikel “Qualität, Sicherheit, Transparenz: Konsumpf und Wiesenhof” vorab angekündigt hatte, nämlich eine sachliche und objektive Diskussion über die Vorwürfe gegen den Geflügel-Fabrikanten PHW (Paul-Heinz
Wesjohann), welcher den meisten VerbraucherInnen, welche in den Gefrierregalen und Kühlfächern der Supermarktketten nach besonders billigen Geflügelprodukten stöbern, unter dem Firmennamen “Wiesenhof” besser bekannt ist, fällt wohl angesichts des gezeigten Filmmaterials schwer.
Auch wenn ich in diesem ersten Artikel auf ein Kurzvideo verlinkt habe, welches der Transparenz wegen, welches sich im propagierten Leitmotiv der Wiesenhof-Werbeabteilung “Qualität, Sicherheit und Transparenz” wiederfindet, eben diese andere, die beschuldigte Seite zu Wort kommen ließ, bleiben nach Ansehen der Dokumentation meines Erachtens nur wenig bis gar keine Spiel- und Freiräume, um positive Aspekte einer artgerechten Tierhaltung, menschenwürdigen Behandlung sowie umweltpolitischen Befürwortung herauszufiltern. Und die Konklusion: “Der Beschuldigte (wobei es sich hier wohl um ein dichtes Netz vieler Schuldiger handeln dürfte) ist schuldig im Sinne der Anklage.“
Eine Reportage über Massentierhaltung ist sicherlich immer wieder ein emotional bewegendes Thema. Dass sich die beiden Kontrapunkte Gewinnstreben und artgerechte Tierhaltung in den wenigsten Fällen vereinbaren lassen, dürfte die meisten von uns wenig überraschen, wie auch der Standard im Artikel “Vorarlbergs Schweine sollen es besser haben” schreibt, welches das nicht minder furchtbare Thema der sogenannten Schweinekäfig- oder Kastenstandhaltung zum Inhalt hat.
Und doch zeigen Bilder wie jene der beiden FilmemacherInnen Monika Anthes und Edgar Verheyen immer wieder, dass die lange gehegten Vorurteile und Verdachtsmomente gegenüber Unternehmern wie dem Wiesenhof Firmengründer Paul-Heinz Wesjohann, dem PHW-Vorstandschef Peter Wesjohann und all jenen in den Unternehmensprozess involvierten Personen schnell in ein abschließendes und endgültiges Urteil umschlagen kann und notgedrungen muss. Doch weshalb lässt sich die Öffentlichkeit, hier stellvertretend für das Fernsehpublikum, welche die Dokumentation “Das System Wiesenhof” (ARD-Mediathek) gesehen hat, auf eine Meinung reduzieren, welche in dem Beitrag wiedergegeben wurde?
Die Gründe liegen auf der Hand. Die Firma Wiesenhof hat nichts getan, um die gegen sie erhobenen Vorwürfe durch entsprechende Gegenargumente zu entkräften. Wer, so wie es Firmengründer Paul-Heinz Wesjohann in dem Film getan hat, auf die Frage, ob die gezeigten Mißstände nicht gegen artgerechte Tierhaltung verstoßen, darauf im Brustton der Überzeugung antwortet, dass es sich seiner Meinung nach um glückliche Hühner handele, welche inmitten der eigenen Exkremente, auf engstem Raum zusammengepfercht und von unschönen Hühnerkadavern umgeben, in den Ställen vor sich hin vegetieren, muss sich die Frage gefallen lassen: “Wie bitteschön schauen dann erst unglückliche Hühner aus?“
Dass sich die betroffenen Zulieferer und Produzenten des Geflügels hinter den eigenen Mauern verstecken und vor der laufenden Kamera ins schützende Dunkel der Hühnerställe flüchten, mag noch einigermaßen verständlich sein. Schließlich handelt es sich wohl in den meisten Fällen um Kleinbauern oder Einzelunternehmerinnen, welche auf Gedeih und Verderb vom Abnehmer Wiesenhof abhängig sind. Existenzängste, die Furcht vor der Auflösung der Lieferverträge, möglicherweise auch Knebelveträge oder eben festgeschriebene Paragraphen, welche es ihnen unmöglich machen, über die wahren Verhältnisse zu sprechen, machen es verständlcih, wenn eine Mauer des Schweigens zwischen Filmteam und Involvierten aufgebaut wird. Dass die Kleinen auf den Schlachthöfen des Kapitals nur mit stumpfen Waffen kämpfen, mag nicht als Entschuldigung gelten, doch die Messer wetzen diejenigen, welche in der Verantwortung stehen, solche Missstände zu verhindern.
Doch auch hier zeigt sich Wiesenhof selbst von seiner hilflosesten Seite. Anstatt Monika Anthes und Edgar Verheyen mitsamt dem Kameramann in ein Auto zu packen und zu sagen “So, jetzt zeige ich euch einmal einen Wiesenhof-Musterbetrieb. So schaut’s bei uns aus” folgen Ausflüchte, nichtssagende Allgemeinplätze und der Verweis, dass dies wohl nicht in der Verantwortung von Wiesenhof läge. So hätte ich es als Geschäftsführer gemacht, um zumindest (teilweise) diesen Vorwurf zu entkräften. Warum nicht das Zeigen eines Stalles mit den heraufbeschworenen glücklichen Hühnern unter tiergerechten Bedingungen? Weil es so einen Luxusbetrieb im schönen flaumigweichen Kükenreich von Wiesenhof nicht geben dürfte, welche die vorgegaukelte Illusion der Wiesenhof-Werbung zur Realität hochstilisiert. Stattdessen ein blutbeflecktes Armutszeugnis.
Auf der firmeneigenen Pressekonferenz werden die beiden ReporterInnen als persona non grata höflich, aber bestimmt des Feldes verwiesen respektive erst gar nicht auf das große unternehmenseigene Spielfeld hinter den hohen Mauern des Schweigens zugelassen. Willkommen ist im Reich der glücklichen Hühner, wer schweigen kann und dieses Schweigen in mundgerechten Happen im Sinne der Firmenphilosophie weiter trägt. Ein von Wiesenhof engagiertes Kamerateam filmt stattdessen seinerseits diejenigen, welche zum Filmen und Dokumentieren angetreten sind. Hilflose Ohnmacht, wenn verbale Argumentationsketten schwerelos in der Luft hängen. Kein Aufklärungsbedarf, sondern der versteckte Fingerzeig, dass hier der einzige Missstand die Menschen von der ARD sind. Auge um Auge, Zahn um Zahn, Filmteam um Filmteam. Den Sinn zu verstehen fällt mir schwer. Welche Bewandtnis hat solch eine Gegendokumentation für die im Kreuzfeuer der Öffentlichkeit stehenden Verantwortlichen? Wollen sie ausdrücken: “Was ihr könnt, können wir schon lange?“
Ausgetrocknete Brunnen der AnwohnerInnen. Ein Stundenlohn von 5,50 Euro für die im Akkord arbeitenden Fließband-ArbeiterInnen aus Polen und anderen osteuropäischen Staaten. Fleischbeschau und Qualitätssicherung im 0,8 Sekunden-Takt. Containerweise tote Hühner, entsorgt hinter den Fabrikhallen und mit Maden überzogen ganz im Sinne von Ludwig Hirsch: “Was is’n des, des komische Krabbeln an die Zehen da vorn? Jessas Maria, der erste Wurm! Du liegst da und kannst di net rühren, die Würmer krallen dir in’s Hirn, und sie dinieren.“ (Auszug aus “I lieg am Ruckn“). Arbeiter, welche die Hühner mit geradezu sadistischer Gewalt in die LKWs treiben, treten, prügeln. Hühner werden mit brachialer Gewalt durch den Stall geschleudert, auf andere wird mit voller Wucht hingetreten. Aber scheinbar sehen so glückliche Wiesenhof-Hühner aus. Deshalb noch einmal die Frage: “Wie bitteschön schauen dann erst unglückliche Hühner aus?“
Da können auch noch so günstige oder für Wiesenhof ungünstige Kameraeinstellungen nicht über das ganze Ausmaß hinwegtäuschen, mit welchem hier auf Kosten von Tier, Mensch und Umwelt eine Verrohung von bestialischer Grausamkeit hinter hohen und fein säuberlich mit stacheldrahtbewehrten Mauern des Schweigens Tag für Tag fein säuberlich und schockgefroren den KonsumentInnen auf den Tisch gelegt wird und schonungslose Gewinne in den Nistplätzen einer skrupellosen Industrie ausgebrütet werden. Dass Anthes und Verheyen für ihren Beitrag eine besondere Extremperspektive einnahmen, mag in einigen Fällen vielleicht sogar seine Richtigkeit haben. Doch wer sich so wie Wiesenhof weder konkret noch argumentativ schlüssig zu den erhobenen Vorwürfen verteidigen kann geschweige denn im Ansatz zu entkräften weiß, wird wohl wissen, weshalb dies nicht möglich ist. Dass jetzt natürlich ein säuberlich ausgearbeitetes Dossier von Seiten der Firmenleitung folgen dürfte, wird dabei wenig überraschen. Dass Worte wie Qualität, Sicherheit und Transparenz ebenfalls wieder ihre Federn lassen werden, wird noch weniger verwundern.





In den USA stellt sich schon seit mehreren Jahren nicht mehr die Frage, ob
Fotokopierer, drücken die “Start-Taste” und heraus kommt ein identischer Inhalt. Vielleicht biochemisch oder biogenetisch etwas vereinfacht ausgedrückt, aber das Klonen funktioniert eben einmal genauso. Die DNA als Träger der Erbfunktionen eines Tieres werden 1:1 auf die Nachkommen übertragen.
Was beim Lesen der verschiedenen Kategorien auffällt oder besser gesagt nicht ins Auge sticht? Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, welche wie bestimmte Joghurtsorten mit genetisch veränderten Lebendkulturen versetzt sind oder aus genetisch veränderten Organismen (GVO) bestehen wie etwa der sprichwörtlich mittlerweile in aller Munde hergestellte 




