Bio Natur - Der Weblog

5.11.2011

Im Westen nichts Neues und im Osten auch nicht

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 22:47


Politik will Pekinesen vor dem Aussterben schützen

Habe ich gestern unter “WikiWoods: Das Internet pflanzt sich fort” wortwörtlich “um die Hecke gedacht” geschrieben, so sollte es heute dementsprechend “um die Ecke gedacht” lauten. Gerade in diesen schwierigen Zeiten hoffnungloser schlaffer europäischer Rettungsschirme und damit verbundener hoffnungsfroher straffer chinesischer Rettungsanker bietet solch leicht verderbliche Ware wie die im folgenden beschriebene doch mannigfaltige Möglichkeiten, das Thema Artenschutz einmal aus völlig anderer Perspektive zu betrachten. Wobei ich dieses Thema auch schon wesentlich geradliniger und weniger um wirtschaftspolitische Ecken und geldwerte Kanten gedacht auf meinem zweiten Blog unter “Liu Xiaobo: (K)ein Platz in der ersten Reihe” angedacht hatte.   

Immer wieder hören wir von steigenden Arbeitslosenzahlen, mehr und mehr Hartz IV-EmpfängerInnen in Deutschland, Menschen nahe am Rande des Existenzminimums in Österreich oder den Ärmsten der Armen in Monaco, welche einfach nicht mehr wissen, wie sie sich zum Kaviar das Toastbrot leisten sollen. Erst unlängst musste ich selbst mit ansehen, wie eine alte Frau ihrem entzückenden kleinen Pekinesen keinen frischen Chinesen mit frischer Petersilie und Handschellen zum Frühstück servieren konnte. Es war einfach keiner aufzutreiben. NichtPolitik will Pekinesen vor dem Aussterben schützen. Paul Boegle als braver EU-Bürger unterstützt natürlich dieses menschenfreundliche Vorhaben vorbehaltlos. einmal ein kleines Dissidentenstückchen oder systemunfreundliches Frühstückchen fand seinen Weg in den leeren Futternapf des in Europa gern gesehenen Köters. Das arme Hundsvieh wurde aufgrund der angespannten finanziellen Lage der bemitleidenswerten freundlichen Dame aus einem fiktiven europäischen Land jeder Wahl mit ordinärem Menschenfleisch zum Besten gehalten. Ein Zustand, welcher den Besten ganz ordinär ungehalten werden ließ. Denn was viele Menschen nicht wissen: Viele ausgestorbene Tier- und natürlich auch Pflanzenarten starben nicht deshalb aus, weil sie ihre angestammten Lebensräume verloren haben, sondern weil sie permanent mit Menschenfleisch ohne jeglichen Nährwert gefüttert wurden.

Immer wieder machen schäbige Organisationen wie amnesty international oder andere subversive Elemente der linken Szene und sogar völlig ungefragt zahlreiche inkompetente und unwissende Menschenrechtsorganisationen, welche eigentlich mit Menschenfleisch nichts am Zopf haben, durch vollkommen unbewiesene Thesen marktschreierisch auf sich aufmerksam und wollen uns glauben machen, dass wir für dieses Artensterben der besonderen Art veranwortlich sind. Stimmt alles nicht! Wir habden damit nichts, aber rein gar nichts zu tun. Vergessen Sie sowas gleich wieder. Fakt ist: Vollkommen ungenießbares Menschenfleisch ist für dieses Massensterben zuständig. Hochgradig leicht verderbliche Ware aus europäischen leeren Futternäpfen.

Doch nun hat sich endlich auch die Politik diesem leidigen Thema fortschreitender Armut und zunehmender Zumutung und selbstverständlich des Massensterbens hinterm politischen Horizont ganz östlich und nahe des wirtschaftlichen Sonnenuntergangs sehr westlich angenommen. So sollen Essensmarken für den Pekinesen dafür Sorge tragen, dass die entzückend blöde Kreatur dieser ganz reizenden alten Frau auch in Zukunft seinen geliebten gelben Snack aus Fernost weiterhin futtern darf. Um den dafür notwendigen Nachschub zu sichern, konnte jetzt ein Wirtschaftsembargo wirtschaftliches Abkommen mit China präsentiert werden. “Bio Natur“, der Blog für fehlende Tadellosigkeit und tadelloses Fehlverhalten, selbst ein dressierter Hund Freund der guten Küche und des schlechten Geschmacks, wollte selbstverständlich von sämtlichen politischen Unverantwortlichen und unpolitisch Verantwortlichen, welche für dieses Massensterben die Verantwortung tragen, wissen, was denn dieses Abkommen zwischen fernem Osten und nahem Westen alles beinhaltet. Die politische Pressesprecherin Phrasen Drescher, eine entfernte Verwandte von “Nanny” Mäh Drescher aus den europanahen USA, dazu und gleich wieder weg: “Schauen Sie, mein lieber Herr Gesangsverein! Es ist eigentlich recht einfach und relativ zweifach und rigoros vielfach. Unsere sehr zuverlässigen Partner nehmen pro Jahr eine festgesetzte Menge politischer Dissidentinnen und einwandfreier Systemkritiker fest, foltern diese Festgesetzten nach vorher festgesetzten keinen Regeln der Kunst nach allen Regeln der Kunst und wir schauen dafür einfach weg. Und dafür bekommen wir dann eine vorher festgesetzte Menge chinesische Kredithebelwirkung “Trade in China. Made for loving you” für unseren europäischen Rettungsschirm, unter dem wir dann alle Platz haben. Oder auf eine einfache Formel gebracht: Viel schlagen, wenig fragen! Und natürlich schlagkräftig massakrieren und tatkräftig kassieren! Ich denke, eine für alle Parteien der Einheit und Einheitsparteien eine mörderisch gute Lösung.

Ein nicht näher beschriebenes, aber nicht unbeschriebenes politisches Blatt aus dem pekinesenfreundlichen EU-Lebensmittelmarkenministerium und Phrasendrescherverein ohne beschränkte Haftung, ein zuverlässiges Organ der Tatenlosigkeit, welches schon öfters in der politischen Landschaft durch unbändigen Tatendrang nach vorne und noch mehr Harndrang nach hinten lospreschte, macht jetzt mit einem konstruktiven Vorschlag auf sich aufmerksam, bevor es sich die letzten wertvollen gelben Tropfen aus der impotenten finanziellen Hose schüttelt. “Wenn wir, meine lieben Freunde der kleinen Marschmusik und der musizierenden Marshmallows auf den Plätzen des himmlischen Friedens und des irdischen Reichtums auch in Zukunft noch einen intakten Planeten Erde haben wollen, auf dem sich nicht nur durch Katzenfutter vor sich hin siechende Pekinesen und andere Viecher tummeln und dümpelnd vor den leeren Schüsseln stehen bleiben, müssen wir sofort handeln. Wir brauchen tatkräftige Harnröhren und harntreibende Tarnkappen. Wir benötigen, und das sage ich nicht, weil ich nichts zu sagen habe, weit mehr als nur infizierte Harnwege und getarnte Harnwegsinfektionen. Meine lieben Freunde der großen Urinproben und der erprobten Uranminen, wenn wir auch unseren Kindern noch einen lebendigen Pekinesen vor die Haustüre oder während der Urlaubszeit an die neue Autobahn stellen möchten, müssen wir, und das verschweige ich natürlich jetzt nur, weil ich eigentlich immer etwas zu verschweigen habe, dann müssen wir, aber meine lieben Freunde der trockenen Salzsteine und gesalzenen Schweinepocken, das wissen Sie bereits und Sie wissen, dass ich dies nun nicht deshalb sage, weil ich eigentlich schweigen sollte, dann müssen wir, meine lieben chinesischen Freunde der milliardenschweren Geiselhaft, dann müssen wir jetzt gemeinsam das wollen, was wir schon längst hätten tun sollen. Wir müssen erst ordnungsliebend massakrieren und dann ordentlich kassieren. Drum sage ich, und Sie wissen, dass ich nur das sage, was ich sowieso nicht verschweige und sei es auch noch so, drum rufe ich also Ihnen, meine lieben Freunde der gepflegten Außenpolitik und politischen Autopflege und natürlich auch der autonomen Folterhaft zu: “Friede den chinesischen Palasthunden und Krieg den verschütteten Hütten. Ich danke Ihnen!

Dann nimmt der freundliche Mann seinen entzückenden Pekinesen wieder an die Leine und geht ausgiebig Gassi. Hinter ihnen folgt langsam hechelnd ein Tibetanischer Terrier auf kurzen Beinen am fernen Horizont. Und blutrot senkt sich die Sonne. 

19.10.2011

Ich reiche die Fleischfrage weiter

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 22:52


1. Später Abend und immer noch keinen Plan

Eigentlich hatte ich groß-, ein- oder vielleicht sogar mehrspurig in meinem letzten Artikel angekündigt, ab heute über den Klimawandel zu schreiben. Hätte ja auch in gewissem Sinne mit Wrestling zu tun, wenngleich der Verlierer bereits jetzt schon feststeht. Wobei, wenn ich richtig informiert bin, was doch gelegentlich vorkommen mag, wird auch im Wrestling Verlierer und natürlich auch Gewinnerin vor Beginn des Kampfes festgelegt. Natürlich wäre in diesem Falle Stacy Keibler, die neue Freundin von George Clooney die vielleicht richtige Ansprechpartnerin. Doch ich sehe, die Zeit rennt unerbittlich weiter. Aus dem späten Abend wurde jetzt ein noch späterer Abend und der Plan für heute hat sich nun endgültig in Wohlgefallen aufgelöst.

Also reiche ich, wie schon angekündigt, die per Email an mich gerichtete Fleischfrage des WWF einfach an Sie weiter. Da ich annehmen darf, dass der Klimawandel auch bis morgen noch nicht in Wohlgefallen aufgelöst wurde und wohl auch in kein noch so großes Ozonloch auf Nimmerwiedersehen gefallen ist, muss ich den Klimawandel auf die nächsten Tage auf- und vor mir herschieben.

Weltweit wächst unser Appetit auf Fleisch. Von 1970 bis 2009 hat sich die weltweite Fleischproduktion fast verdreifacht : Von knapp über 100 Mio. Tonnen auf fast 300 Mio. Tonnen pro Jahr. Jeder Deutsche isst pro Jahr im Schnitt rund 60 kg Fleisch . Gesund wäre weniger als die Hälfte. Privatsache? Gute Frage.

So, jetzt habe ich mich aus der Verantwortung gestohlen. Doch dies soll nicht zum Dauerzustand werden. Allerdings darf ich anmerken, dass sich meine Sympathien dem WWF aufgrund der Reportage “Der Pakt mit dem Panda - Was uns der WWF verschweigt” gegenüber mittlerweile auf ein Minimum beschränkt habe und ich dies auch bis auf weitere Zeit so beibehalten werde. Doch da auch ich gelernt habe, das Fruchtfleisch von Äpfeln mit Birnen nicht zu vergleichen und unser aller Fleischkonsum in den industriellen Hochburgen menschlicher Besiedelung einfach um ein Vielfaches zu hoch ist, was die einfache Schlussforderung zulässt, dass ein oder sogar mehrere fleischlose Tage pro Woche nicht nur unserer Gesundheit, sondern auch dem Klima hilfreich sind, werde ich eben für einen kurzen Moment meine minimalistischen Sympathien ruhen lassen und auf die Diskussion aufmerksam machen.

2. Weder Fisch noch Fleisch, sondern eine Frage der Ehre

Eigentlich hatte ich ja vor, was Sie aber nach Lesen der bisherigen Zeilen nicht wissen können, den späten, aber planlosen Abend gemütlich mit befreundeten Arbeitskollegen ausklingen zu lassen. Gut, die Kollegen haben sich mittlerweile um mich geschart, der Abend ging nahtlos von spät zu noch später über und wir unterhalten uns über Gott und die Welt oder besser gesagt und geschrieben über die gottlose Welt. Dass ich dabei nebenher schreibe, stellt zwar eine unverschämte Unhöflichkeit sondergleichen gegenüber meinen um mich gescharten lieben Arbeitskollegen dar, wird wahrscheinlich Gott und seiner gottlosen Welt ebensowenig gefallen und macht ehrlich gesagt auch nicht viel Sinn, da sich mein Multitasking der eigenen sieben oder weniger Sinne, hier hauptsächlich gleichzeitiges Zuhören, selbst sprechen und nebenbei noch die beiden Finger auf die richtigen Buchstaben der Tastatur zu hauen. Aber auch foodwatch, Sie wissen schon, jene windigen Typen, welche mit ihrem Goldenen Windbeutel immer auf solch arme Unternehmen Danone, Zott oder Ferrero eindreschen, hat mir mit elektronische Post zukommen lassen.

Und weil seriöse Unternehmen wie die Deutsche Bank ja nicht gerade vom finanziellen Fleische fallen, was seltsamerweise auf jene eine Milliarde Menschen, welche meist keine BankkundInnen eben jenes Instituts sind und ebensowenig vom realen Fleische fallen, weil sie entweder gar keines am finanziell ausgemergelten Körper tragen bzw. neben keinem Fleisch auch oftmals keine anderen Grundnahrungsmittel ihr eigen nennen dürfen, sollte Ihre Aufmerksamkeit doch auf diese sicherlich auch in höchsten Bankenkreisen nicht unbekannte Tatsache gelenkt werden. Kurz und gut, foodwatch bittet um Ihre Unterstützung. Nicht finanziell, nicht spekulativ, sondern unter dem Motto: “Mach Dich vom Acker, Mann!Wobei dieses Wortspiel nicht nur auf Josef Ackermann, der als Präsident des Weltbankenverbandes IIF einer der mächtigsten Lobbyisten der Finanzwirtschaft ist und als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank wohl auf allen gut bestellten finanziellen Futterplätzen dieser Welt zuhause ist, zutrifft.

Spekulation mit Nahrungsmitteln stoppen! Foodwatch hat diese Aktion am 18. Oktober 2011 gestartet. Josef Ackermann ist als Präsident des Weltbankenverbandes IIF der mächtigste Lobbyist der Finanzwirtschaft und als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank Chef einer der größten Investmentbanken der Welt. Von ihm fordern wir: Die Deutsche Bank soll aus der Spekulation mit Agrar-Rohstoffen aussteigen. Und die Bankenlobby soll nicht länger eine effektive politische Regulierung der Spekulation blockieren. Die Zockerei im globalen Rohstoff-Kasino muss gestoppt werden.

So, aber nun ist endgültig Schluss für heute. Meine Freunde haben das Weite gesucht, zu Gott habe ich bis jetzt auch noch nicht die notwendige Nähe gefunden und die gottlose Welt, ja die Welt hat sich zu dieser späten Stunde auch noch nicht zum Besseren gewendet.

 

14.10.2011

Deutsches Goldhähnchen trifft lokalen Gockel

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 16:02


Ein Arbeitsessen zwischen Hühnerschenkeln und Hühnerbeinen

Vorab eines: Der folgende Beitrag könnte durchaus satirische Elemente enthalten. Also soll er auch als solche verstanden werden. Wobei, naja, also bei näherer Betrachtung, sozusagen rein tierisch betrachtet ist der Artikel natürlich weniger lustig. Nein, wissen Sie was, lassen wir es bei der Satire.

Der gute Newsroom von Wiesenhof lebt! Möglicherweise ist die hauseigene Plattform für das Zeitgeschehen rund um Federn mit Vieh oder Vieh, welches Federn lässt oder eben Federvieh aus dem Hause Wiesenhof sogar manches Mal lebendiger als jenes gefiederte Vieh in den subunternehmerischen Hühnerställen. Aber das ist natürlich nur eine konjunktivistische Mutmaßung. Was aber höchst erfreulich ist: “Nach der Ausstrahlung der ARD Reportage hatte Unternehmerin Sina Trinkwalder einen offenen Brief anSatirisches von Paul Boegle. Deutsches Goldhähnchen trifft lokalen Gockel. Sina Trinkwalder im Gespräch mit Wiesenhof-Chef Paul-Heinz Wesjohann. Paul-Heinz Wesjohann geschrieben. Nun haben sich die bloggende Unternehmerin und Paul-Heinz Wesjohann persönlich getroffen.” Steht dort wortwörtlich und deshalb zitierenderweise unter “manomama trifft Wiesenhof“. Das pfeift ordentlich. Kritisierende Bloggerin trifft kritisierten Unternehmer. Jetzt muss ich natürlich, fieberhaft nagt die Neugierde am eigenen bloggenden Hühnerbein, wissen, was im offenen Brief steht, welcher Herrn Wesjohann dazu veranlasst, sich mit dem schreibenden Volk zu treffen. Natürlich können Sie den Inhalt auch selbst unter “Jeder muss mal Federn lassen” ohne viel Federlesen nachlesen, aber so in komprimierter Form und inhaltlich lässt sich sagen, dass Sina Trinkwalder das schreibt, was sich wohl jeder Mensch nach dem Bericht der ARD (ARD-Mediathek: Das System Wiesenhof) dachte und selbstverständlich anhand der gezeigten Bilder empfand.

Aber der Seniorchef macht jetzt das, was wohl jede vorzügliche Firmeninhaberin und jeder gute Unternehmer in so einem Fall tun würde: Er lädt sich die kritischen Parteien ein und zeigt sich von seiner Schokoladenseite. Und gefilmt wird das Ganze natürlich auch. Nicht durch die Firma Wiesenhof, sondern durch einen befreundeten Filmemacher der Bloggerin, welcher auch noch erklärter und aktiver Wiesenhof-Gegner ist (manomama trifft Wiesenhof). Und Sina macht gleich einen epochalen Vorschlag. Nicht im Hühnerstall soll diskutiert werden, sondern beim gemeinsam zubereiteten Essen lässt es sich doch viel besser philosophieren. Der Menüplan? Sie werden es nicht glauben: Zwei Hühnchen stehen auf dem Speiseplan. Und weil die gewinnmaximierende Wiesenhof-Welt und dieser gegenüber die bloggende Welt von manomama eine faire und glückliche ist, stehenoder besser liegen als “Opfer”, wie sich die Bloggerin wortwörtlich ausdrückt, ein hübsch verpacktes deutsches Goldhähnchen aus dem eigenen Massentierhaltungsstall und ein lokaler Gockel als Magenfüller parat.

Na, das fängt gut an!“, denke ich mir und lobe den genialen Schachzug, um gleich einmal die latente Spannung zu Anfang zu nehmen, um dann sicherlich mit bohrenden Fragen das Messer in die Wunde von Herrn Wesjohann zu stechen. Salz und Pfeffer inklusive! Da sind gerade einmal 60 Sekunden des knapp 59-minütigen Videos vorbei. Nun, dann beginnt das große Frage und Antwort Spiel. Ich erspar’s Ihnen. Nach 15 Minuten und fünf Sekunden betritt ein Mann die Bühne. “Schau, schau, wahrscheinlich ein radikaler Tierschützer von PETA, welcher mit einem großen Messer bewaffnet gleich auf den freundlichen älteren Mann losgehen wird“, denke ich mir und freue mich auf das geniale Blutbad nach dem genialen Schachzug. Nein, doch nicht! Die haben einen Koch engagiert, welcher mit gekonnten Säbelschnitten die beiden Opfer ausnimmt. Muss ich nochmal zurückspulen, dachte nämlich, die wollen das Federvieh ohne Federn selber zubereiten. War zwar so angedacht, aber scheinbar haben sich die Pläne geändert. Nun, macht nichts, also kein geniales Blutbad, also wieder vorspulen

Das große Frage und Antwort Spiel geht weiter! Ich erspar’s Ihnen. So, fast 19 Minuten sind vorbei. Der Koch ist fertig mit seiner Arbeit und lehnt ganz lässig neben den beiden, eine Hand auf dem Holzbrett aufgestützt. “Hoffentlich sind da keine Salmonellen drauf!” denke ich mir und freue mich nach dem verpassten genialen Blutbad durch den PETA-Aktivisten, der ja keiner war, auf eine anständige geniale Salmonellenuntersuchung. “Schei..e!”, denke ich, denn nach 19 Minuten und so cirka 20 Sekunden verlässt der falsche PETA-Aktivist das Küchenstudio. Das Messer bleibt da, das Frage und Antwort Spiel ebenfalls. Ich erspar’s Ihnen.

“Schau, schau!”, denke ich mir und lobe insgeheim das geniale Drehbuch. Der PETA-Aktivist, der sich als Koch getarnt hat, kann auch andersherum gewesen sein, kommt wieder herein. Wahrscheinlich hat er sein Messer still und heimlich gewetzt und ich freue mich auf das geniale Blutbad nach der abgesagten Salmonellenuntersuchung. Jetzt geht es ans Eingemachte. Das eine Fleisch ist dunkler, das andere heller. Da herrscht eindeutig genialer Erklärungsbedarf. Kommt natürlich auch sofort. Ich erspar’s Ihnen. Die Hähnchenteile wechseln auf dem Brett hin und her wie die Hütchenspieler ihre Becher. “Sagenhaft, endlich investigativer Journalismus“, denke ich mir und kaue an den Fingernägeln, innerlich frohlockend, dass dem genialen Blutbad wohl nichts mehr im Wege steht. Höchstens die verschobene Salmonellenuntersuchung.

Genau 30 Minuten sind vorbei. “Oh Gottogott, nein bitte nicht!“, denke ich mir und und stiere fassungslos auf den Bildschirm. Paul-Heinz Wesjohann hat zum Messer gegriffen. Wahrscheinlich hat er jetzt doch irgendwie Lunte gerochen und bringt gleich den verkappten PETA-Aktivisten und danach Sina Trinkwalder um. Nein, einfach genial, dieses Drehbuch. Der Hausherr schneidet einen Kürbis, glaube ich zumindest, in schöne kleine Würfel. Der Neid frisst mich schön langsam von innen auf und höhlt mich aus. “Verdammt gut, der Spannungsbogen“, denke ich und kaue an den bereits abgekauten Fingernägeln. Schmecken irgendwie nach Hühnchen. Könnten natürlich auch Salmonellen sein, wer weiß das schon so genau.

46 Minuten zeigt die Uhr an. Zwischen zwei Fragen fährt die Interviewerin in die silberne Schüssel, schüttelt den Inhalt liebevoll auf, um dann sofort wieder Blickkontakt mit dem Unternehmer aufzunehmen. Noch ein kurzer genialer Schüttler und weiter gehts. Die sonore Stimme von Herrn Wesjohann erklärt, was so alles “schief gegangen” ist. Im Hintergrund lärmt der PETA-Aktivist. Wahrscheinlich vergnügt er sich mit den beiden Hühnern bei irgendwelchen obszönen Spielen. “Schei..e, warum schwenkt die Kamera nicht nach hinten“, denke ich mir und wische mir die sabbernden Mundwinkel aus. Hoffentlich waren meine Finger nicht mit Salmonellen kontaminiert. Nicht auszudenken, wenn jetzt das Blutbad beginnt und ich vor lauter Dünnpfiff das dicke Ende nicht mitbekomme. Aber glücklicherweise zeigt sich Herr Wesjohann von seiner Schokoladenseite und steht ruhig Rede und Antwort im genialen Frage und Antwort Spiel.

49 Minuten und 51 Sekunden “Gemma servieren!” Sina Trinkwalder spricht das Geheimwort und plötzlich stürzt sich der genial verkleidete PETA-Aktivist auf den Wiesenhof-Chef. Er zieht ein riesiges Messer unter seiner blütenweißen Kochjacke hervor und sticht wie von Sinnen auf den sympathischen Mann ein. Dann werde ich plötzlich wieder wach. “Sekundenschlaf kann tödlich sein!“, denke ich und wische mir meine sabbernden Mundwinkel ab. Auf die Salmonellen habe ich völlig vergessen.

50 Minuten und ich weiß nicht mehr wieviel Sekunden. “Wo kommt der vierte Mann her?“, denke ich und freue mich auf ein noch größeres Blutbad. Ein zweiter PETA-Aktivist hat sich zum ersten dazugesellt und jetzt sitzen sie zu viert am Tisch. “Der alte Mann ist zäh, da braucht es schon zwei gewetzte Messer für so einen gewitzten Esser“, denke ich und schaue den vieren genau auf die fettfreien Finger. Vor ihnen liegen die beiden Opfer. Vielleicht können Sie sich noch daran erinnern? Das war so etwa vor 49 Minuten. “Genial, wie die Zeit vergeht“, denke ich mir und sabbere ohne Unterlass weiter. Die Salmonellen haben wahrscheinlich schon Besitz von mir ergriffen, denn es regt sich Widerstand.

51 Minuten des Videos sind vergangen. “Haben Sie Enkel?” “Sechs.” “Sechs Enkel! Sauber!” Die Frage war einfach genial. Sozusagen der Fangschuss. Ich rutsche vorsorglich im Sessel nach oben und verlagere mein Gewicht nach vorne. Die Spannung hat ihren Siedepunkt erreicht, die toten Hähnchen auf den Tellern wenden sich entsetzt ab. Das Grauen hat einen Namen. Der neue PETA-Aktivist ist bedächtig weiter, der alte lehnt sich erschöpft zurück. Das Thema wechselt von Hühnern zu Brieftauben. “Aha, mit denen werden die wohl in Zukunft die Schweiz beliefern. Raffiniert, aber nicht gut genug“, denke ich und überlege, wer wohl nach dem Blutbad die Wiesenhof-Geschäfte führen wird. Wahrscheinlich die sechs Enkel, wenn der Opa nicht mehr ist, entscheide ich spontan und sabbernd.

52 Minuten und acht Sekunden. SHOWTIME!!!! “Wir haben ein Problem!” Jetzt hat Frau Trinkwalder den netten Herrn endlich dort, wo sie ihn haben möchte. Denn wer so etwas sagt, steckt ganz schön tief in der Sie wissen schon wo. Endlich, Houston hat sein Hühner-Problem. Und der Wiesenhof-Chef gibt es auch noch unumwunden zu. Genial, was sage ich, einfach grenzgenial. Und dann spricht Herr Wesjohann aus, was ich schon immer wusste: Die Geflügelpest wütet in Deutschland. Keine Salmonellen, kein Blutbad, sondern die schreckliche Wahrheit lautet “Geflügelpest”. Die beiden verkleideten PETA-Aktivisten nehmen langsam die auf dem Tisch liegenden Messer und richten sich selbst. “Na also, geht doch!”, denke ich und überlege, ob ich über diesen Film hier auf meinem Blog berichten soll. Schließlich kennen wir jetzt die ganze Wahrheit über den sozial verantwortlichen und tierliebenden Geflügelproduzenten Wiesenhof.

Abspann: Herzlichen Dank an Bernd Bässler vom Schlossrestaurant Untermeitingen. “Verdammt nochmal, wo kommt der jetzt her? Wahrscheinlich auch einer dieser PETA-Leute, der Undercover gearbeitet hat und in den ganzen 58 Minuten und 58 Sekunden nicht ein einziges Mal sein Messer gewetzt hat“, denke ich und entleere meinen genialen Darm. Und die Welt sieht doch gleich viel besser aus. Den Rest erspare ich Ihnen.

29.9.2011

Keine Woche ohne Wiesenhof

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 23:23


Kein Bundesverdienstkreuz für Wiesenhof-Chef!

Meine Frau stellte mir, manches Mal sieht mir beim Schreiben für einen kurzen Moment über die Schulter, die Frage, ob ich denn jetzt einen privaten Feldzug gegen den Konzern führe. “Nein, mein Schatz, das mache ich sicherlich nicht.” Aber die Bilder der ARD-Reportage sind doch immer noch gegenwärtig und müssen selbst von mir erst einmal aufgearbeitet werden und da ich dieses Ventil am besten beim Schreiben öffnen kann, nutze ich dementsprechend diese Möglichkeit. So fällt allerdings für diese Woche die “Wöchentliche Wiesenhof Rundschau” aus, um das ganze Thema einmal aus politischer Sicht zu hinterfragen.Vegetarierbund Deutschland: Kein Bundesverdienstkreuz für Wiesenhof-Chef! Petition zur Aberkennung dieser Auszeichnung von Paul-Heinz Wesjohann durch den Bundespräsidenten.

Jetzt habe ich allerdings von einer Aktion Wind bekommen, welche der Vegetarierbund Deutschland unter dem Titel Kein Bundesverdienstkreuz für Wiesenhof-Chef!” initiiert hat. Selbstverständlich mache ich auch auf das Begehren dieser Petition aufmerksam, füge allerdings hinzu, dass es wahrscheinlich von solch Erfolg gekrönt sein wird wie der Versuch, ein Grillhähnchen wiederzubeleben, um es in den lebenden Kreislauf der Massentierhaltung zurückzuführen. Macht aber nichts, zumindest hat der Vegetarierbund meine Aufmerksamkeit (und sicherlich die anderer Menschen genauso) geweckt, dass hier ein Mensch mit dem sogenannten “Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland“, wie der Orden offiziell heißt, ausgezeichnet wurde, welcher doch mit bestimmten Voraussetzungen verbunden ist und wohl auch gewisse Verpflichtungen mit sich bringt, welcher eine solche Verleihung nach Meinung der politischen Verantwortlichkeit rechtfertigt.

Ein Hühnerorden am Bande und an der Hühnerkralle für besondere Verdienste im Sinne des Allgemeinwohles für Wiesenhof-Chef Paul-Heinz Wesjohann.Ich habe dazu eine Meldung des “Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung” gefunden. Wortwörtlich steht dort in “Minister Ehlen übergibt Verdienstkreuz an Paul-Heinz Wesjohann” geschrieben:

Paul-Heinz Wesjohann hat sich durch sein vielfältiges und langjähriges Engagement sowohl in seinem Unternehmen als auch in verschiedensten ehrenamtlichen Positionen um das Wohl der Allgemeinheit verdient gemacht. Minister Ehlen verwies in seiner Laudatio auf die vorausschauende Führung der Paul-Heinz Wesjohann-Gruppe (PHW-Gruppe) durch Wesjohann. Ihm sei es zu verdanken, dass in dem Unternehmen bereits seit 1995 ein integriertes System mit lückenlosem Herkunftsnachweis im Bereich der Geflügelwirtschaft angewendet werde.

Auch mit Blick auf den frühzeitigen Verzicht auf Tiermehle oder Antibiotika attestierte Minister Ehlen dem Unternehmer eine wichtige Rolle für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. …

Dieser Artikel und wohl auch die damit verbundene Ehrung von Herrn Paul-Heinz Wesjohann entstammt dem Jahre 2004. Es hat sich seither vieles verändert. Ob die Machenschaften des Geflügelproduzenten Wiesenhof und von Herrn Wesjohann als Repräsentant dieses Konzern zum damaligen Zeitpunkt schon “part of the game” waren, wie ein österreichischer Politiker aus dem schönen Bundesland Kärnten so gewählt formulieren würde, werden die Verantwortlichen des Unternehmens genauso vehement bestreiten wie sie die meisten der mehr als sieben Jahre danach gezeigten Vorwürfe jetzt bestreiten, beschönigen, beschwichtigen, abwiegeln, in Abrede stellen oder welche
Wortwahl auch immer Ihnen dazu einfällt.

Die Forderung, dem Geehrten im Nachhinein das Verdienstkreuz jetzt nachträglich abzuerkennen, wird deshalb wohl oder übel ins Leere laufen. Denn dies käme einem Schuldeingeständnis gleich und würde durch die Argumentation, “dass damals aber alles vollkommen anders ausgeschaut hat und man ja schließlich nicht wissen konnte, was die Zukunft so mit sich bringt” (auch hier haben Sie wieder freie Wahl bei Ihrer Wortwahl) entkräftet werden. Die politische Bühne hat leider andere Aufgaben als ProtagonistInnen, welche nach Meinung der Öffentlichkeit, und wer wenn nicht die BürgerInnen selbst repräsentieren in demokratisch gewählten Systemen diese Verleihungen durch die politische FunktionsträgerInnen an wirtschaftliche oder menschliche Allgemeinwohlplätze, diesem nachträglichen Unrechtsempfinden nachzugeben und korrigierend in eine einmal getroffene Entscheidung einzugreifen.

Der Verdienstorden wird seinen seit 2004 angestammten Platz behalten. Ob er dabei das Büro von Herrn Wesjohann ziert oder über dem Kaminsims, sollte denn einer vorhanden sein, hängt und vom warmen Schein des wohlig-warmen Kaminfeuers beschienen wird oder seinen Allgemeinplatz im Dienste des Allgemeinwohles wo auch immer bekommen hat, spielt dabei keine große Rolle. Ich glaube, eine Rückforderung würde deshalb keinen großen Unterhaltungswert für die Öffentlichkeit bieten, da eine solche Entscheidung, welche jedoch außerhalb des Möglichen im hypothetischen Raume schwebt, wiederum andere fragwürdige Entscheidungen nach sich ziehen würde und einen Prozess der Reinigung in Gang setzen würde. Und das kann un will sich weder Politik und schon gar nicht die Wirtschaft leisten.

Lassen wir also gemeinsam Paul-Heinz Wesjohann sein Stückchen metallenes Glück oder aus welchem Material auch immer diese Anerkennung für vielfältiges Engagement um das Wohl der Allgemeinheit gefertigt ist. “Geben ist seliger denn nehmen” schrieb ich erst gestern als Atheist in Gottes Namen. Dass das niedersächsische Ministerium neben den Themenbereichen “Ernährung”, “Landwirtschaft” und “Landesentwicklung” auch dem “Verbraucherschutz” seine Aufmerksamkeit schenkt, ist im Sinne des Allgemeinwohles eben genauso eine Tatsache wie das Ereignis aus dem Jahre 2004.

Dass ich jetzt meinen eigenen Orden gestaltet habe, welcher sich im Büro, über dem Kaminssims, sollte denn einer vorhanden sein, oder an welchem Allgemeinplatz zum Allgemeinwohl des gemeinen Volkes schmückendes Beiwerk für solcherlei Verdienste gut machen würde, soll dabei nur meine gelebte und geschriebene Intention “Geben ist seliger und so weiter und so fort” nur unterstreichen. Dass geteiltes Leid nur halbes (Hühner)Leid ist, lassen wir angesichts solcher Lobpreisungen geflissentlich außen vor.

23.9.2011

Die wöchentliche Wiesenhof Rundschau

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 22:16


Ungelegte Eier nach dem Schweizer Boykott

Nachdem sich ja die großen Schweizer Diskounter tatsächlich zum einem teilweisen Boykott der Geflügelprodukte von Wiesenhof (Wiesenhof zieht Konsequenzen! Und die Konsequenzen? sowie Kalter Nespresso-Kaffee und heißes Grillhuhn-Eisen) entschlossen haben und ich mich gestern mit der oberösterreichischen politischen Einladung zu weniger Fleischkonsum befasst habe, wäre es doch wieder einmal an der Zeit, dem Wiesenhof-Newsroom eine kurze Stippvisite abzustatten. Ein kurzer wöchentlicher Blick im virtuellen Hühnerstall sozusagen. Und siehe da: Es gibt Neues zu vermelden. Datiert mit 21.09.2011 findet sich ein kurzer Hinweis mit entsprechendem Zeitungsausschnitt, dass Firmengründer Paul-Heinz Wesjohann in einem Interview mit dem Oldenburgische Volkszeitung (”Engagieren uns permanent für das Tierwohl“) Stellung zu den geäußerten Vorwürfen und Tierschutzverstößen bezieht.

Firmengründer Paul-Heinz Wesjohann in einem Interview mit dem Oldenburger Volksanzeiger: “Engagieren uns permanent für das Tierwohl”Nun, Vorsicht ist die Mutter des Hühnereis und so begebe ich mich eben höchstselbst zu verlinktem Artikel, welchen Sie sich aber auch gerne selbst bei Klick auf das nebenstehende Faksimile wie aus dem sprichwörtlichen Ei gepellt durchlesen können. Ich will jetzt auch gar nicht ins Horn von Herrn Wesjohann stoßen: Neutrale, unangemeldeten [sic] Kontrollen vom Landkreis Cloppenburg und von der Qualitätssicherungsfirma QS sagen uns, dass der Vorfall in Höltinghausen ein Einzelfall ist.” … “Wir engagieren uns permanent für das Tierwohl, aus Gründen des Tierschutzes und aus ökonomischen Gründen.” … “Ich habe Verständnis für die Sorgen von Anwohnern, die eine Absenkung des Grundwassers befürchten.

Besonders interessant ist, dass es scheinbar schon eine konkrete Vorstellung von Herrn Wesjohann gibt, wie er sich den zukünftigen Wasserverbrauch für sein Unternehmen vorstellt. Jetzt hat mich natürlich die langjährige Erfahrung eines gelehrt. Wenn sich jemand mit konkreten Vorstellungen und Plänen an die Öffentlichkeit wendet, muss in vielen Fällen schon vorher etwas gewesen sein. Denn als Familienvater erinnert dies frappierend an die Tatsache, dass sich die eigene Tochter oftmals dann verteidigt hat, wenn ich es am wenigsten erwartet habe. Im Fall Wiesenhof geht es mir ähnlich. Die ARD-Reportage wurde am 31.08.2011 ausgestrahlt und bereits drei Wochen später liegen fix und fertig Pläne auf dem Tisch, welche das Problem zukünftig lösen sollen. Da stimmt etwas nicht.

Und grabe ich tiefer, so finde ich in derselben Zeitung einen Artikel vom 31.07.2011 mit dem Titel “Der schwierige Umgang mit Wiesenhof“. Besonders ein Kommentar eines Herrn Dr. Lutz Neubauer vom 19.08.2011 ist dabei interessant:

1. Die Wasserversorgung von Wiesenhof muss anders geregelt werden. In Brägel sind die Grundwasserstände dramatisch gesunken. In Südlohne muss dies verhindert werden. Im Schutz des Grundwassers dürfen Bürgerinitiativen nicht auf sich gestellt bleiben. Wenn es um Gegengutachten oder gar um juristische Fragen geht, haben Bürgerinitiativen meist nicht genügend Geld. Darauf wartet eine PHW-Gruppe nur. Daher ist eine Aufgabe der Kommunalpolitik sich um den Schutz des Grundwassers intensiv zu kümmern.
2. Es ist gemeinsame Position von Lohne wählt sich die Geruchsbelästigung durch Wiesenhof abzustellen. Dies betrifft die Bräterei und den Abwassertransport.
3. Eine weitere Erhöhung der Schlachtzahlen wird durch Lohne wählt sich einheitlich abgelehnt und hierfür werden wir im Rat für eine Mehrheit sorgen.
4. Lohne wählt sich wird im Rat durchsetzen, dass nach langjähriger „Flickschusterei“ in dem Wiesenhofareal endlich eine Bestandsaufnahme erfolgt, die zu einem eindeutigen und verbindlichen Bebauungsplan führt. Das bisherige planerische „Unding“ muss beseitigt werden.

Wiesenhof war sich also schon sehr viel früher der Problematik bewusst, welcher durch den unkontrollierten Wasserverbrauch für Unmut bei der Bevölkerung sorgte. “Südlohner wehren sich gegen Wiesenhof” oder “Kein Wasser für Wiesenhof & Co.” sind sogar Beiträge noch älteren Datums. Doch scheinbar dürfte erst die Reportage die Verantwortlichen dazu bewogen haben, in ungewohnt schneller Weise zu reagieren. Es ist seltsam, dass oftmals erst dann Handlungsbedarf herrscht, wenn sich die Massenmedien durch entsprechende “Öffentlichkeitsarbeit” einem bestimmten Thema annehmen und die breite Masse informieren. Dass nach Ausstrahlung der Sendung Stimmen laut wurden, welche von einseitiger Berichterstattung sprachen, macht leider deutlich, dass eine kleine Gruppe direkt Betroffener sich selten Gehör verschaffen kann. Also müssen eben weiterhin solch brachiale Methoden herhalten, um den Wünschen der Wählerinnen und Bedürfnissen der Bürger Nachdruck zu verleihen.
Zum Schluss deshalb noch ein Leserbrief von Torsten Mennewisch, Bündnis 90 / Die Grünen, Kreisverband Vechta, welcher mir ganz gut gefallen hat und welchen ich im folgenden Wortlaut wiedergebe:

Warum hört man in Lohne immer den Vorwurf, man fühle sich von der Politik im Stich gelassen? Bei einer 70%-igen CDU-Megamehrheit im Rat, sollte sich doch niemand wundern, dass die CDU Bürgernähe, also das Werben um Zustimmung der Bevölkerung für poltische Lösungen, nicht für notwendig hält. Die 30-Prozent-Opposition wird dabei oft ebenfalls einfach übergangen. Die Verantwortung für eine solche Mehrheit überfordert die CDU einfach. Egal wo man hinschaut - auch dort, wo es Bürgerprotest gab und gibt - die CDU konnte stets mit einer überwältigenden Zustimmung rechnen. Darauf baut sie auch in Zukunft, und das wird sich sicherlich so auch wieder bei der nächsten Kommunalwahl im September zeigen. Liebe Lohner Leute, es reicht nicht, vor der Wahl seinen Unmut zu zeigen und trotzdem CDU zu wählen in der Hoffnung, „man (die CDU) habe verstanden“. Die CDU kann man nicht „erziehen“, man kann sie nur abwählen, indem man andere wählt! Besser noch: Selber politisch aktiv werden.

22.9.2011

FleischfreiTag: Fleischfreier Tag nicht unbedingt am Freitag

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 16:19


Politische Einladung an besserungswillige FleischtigerInnen

Man (oder zumindest ich) kann ja über so manch politisch motivierte Entscheidung streiten. Man (oder zumindest ich) muss schließlich mittlerweile ständig hinterfragen, welche Motive und Beweggründe politische EntscheidungsträgerInnen mit sogenannten Empfehlungen und Vorgaben, in diesem Falle spricht der oberösterreichische Grünen-Umweltlandesrat Rudi Anschober gar nur von einer harmlosen “Einladung” an das gemeine Volk, für solcherlei allgemeinwohliges Tun und und sozial verträglich erscheinendes Denken verantwortlich sind. Man (oder zumindest ich) ist in korrupten (österreichische) Zeiten wie diesen immer sorgsam darauf bedacht, jede noch so harmlos klingendeFleischfreiTag: Eine Initiative des öberösterreichischen Umweltressorts für mehr fleischlose Essenszeit. Wer das Klima schützen möchte, sollte nicht nur sein Auto ab und zu stehen lassen,sondern auch sein Schnitzel. Denn durch die Produktion von tierischen Lebensmitteln entstehen laut FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations, 2006) mehr klimaschädliche Treibhausgase als durch den gesamten globalen Verkehr – inklusive Schiffs- und Flugverkehr. politische Einladung gründlichst zu hinterfragen und auf etwaige Haken, Ösen und andere Fallstricke zu untersuchen. Überhaupt dann, wenn diese Einladungen mit geltenden Unschuldsvermutungen überladen sind und ihre politisch anrüchigen Kondensstreifen menschlicher Gier hinter sich her ziehen, was aber in diesem Falle glücklicherweise nicht zutrifft. 

Nun, im Falle von Oberösterreichs Umweltressort-Leiter Anschober würde also vieles dafür sprechen, dieser “Einladung” zu folgen, wenn ich denn nicht schon sowieso ein sogenannter “Follower” in Sachen fleischfreie, fleischlose und gemüseüberladene Essenszeit wäre. Zugegebenermaßen, nicht immer, doch immer öfter landet auf dem Tisch weder Fisch und Fleisch, sondern Gemüseauflauf und andere vegetarische Zusammenrottungen oder revolutionäre fleischlose Zellen bilden die Grundlage für meinen ökologischen Rausch. Aber, und hier belehren mich Statistiken eines Besseren, es gibt in Österreich und selbstverständlich in anderen Industrienationen doch noch eine erschreckend große Zahl derer, welchen der tagtägliche Fleischkonsum den besonderen Kick zu geben scheint.

Die interaktive “Weltkarte: Wo am meisten Fleisch gegessen wird” auf Spiegel online (ich weiß, ich verlasse mich und verlinke deshalb schon wieder auf ein Schwergewicht des Internets, doch die Karte ist sehr anschaulich) macht dabei deutlich, wo der Fleischhammer hängt. Und in Europa hängt er in Österreich ziemlich weit oben. Was wir seit Jahrzehnten nicht nehr schaffen, nämlich den großen Bruder aus der Bundesrepublik im Fußball zu schlagen, gelingt uns dafür in Sachen Fleischverzehr pro Kopf und Jahr umso müheloser. Dass es dabei eine Unterscheidung zwischen Fleischverzehr und Fleischverbrauch gibt, wurde mir auch erst nach Studium der Tabellen auf der Seite des “Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie e.V.” klar.       

Doch die Tatsache, dass der tagtägliche Sonntagsbraten auch dem Weltklima einen tagtäglichen Tritt gibt, macht es vielleicht interessant, den Zahlen über die Emission von Treibhausgasen durch die Landwirtschaft von Alexander Popp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) doch zukünftig mehr Beachtung zu schenken als bisher. Denn der Umstand, dass sich der bedenken- und hemmungslose Fleischverzehr auf unser Klima negativ auswirkt, wird zwar eine wohl nie enden wollende Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern dieser Ernährungsweise bleiben. Im Hinblick auf die Klimabilanz bleibt es aber unbestritten, dass die lebendigen Fleischberge, nämlich jene Nutztiere, welchen wir solch liebevolle Namen wie “Alma“, “Berta“, “Resi” oder am liebsten “Susi” geben (Bayerische Kühe haben einen Namen), mit dem in den Kuhmägen produzierten Methan und Lachgas ihrem Namen mehr als nur alle Ehre machen und dafür Sorge tragen, dass ein “Geringerer Fleischkonsum reduziert CO2-Ausstoß um 10%” mit unseren Essgewohnheiten nicht zu vereinbaren ist.

Klare Sache! Solange solche Papiere wie “Wege aus der Hungerkrise: Die Erkenntnisse des Weltagrarberichtes und seine Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen” jenen Interessen der Bauernverbände und der daran gekoppelten verarbeitenden Industrie, seien es nun Erzeuger von landwirtschaftlichen Maschinen, die Schlachtereibetriebe, Futtermittelproduzenten und nicht zuletzt die Supermärkte, welche möglichst billiges Fleisch in ihren Kühlregalen haben wollen, konträr gegenüberstehen, werden wir wohl weiterhin unseren täglichen Bedarf an Nahrung durch einen Großteil Fleisch und Wurstwaren decken. Und dass die Politik und hier besonders die ÖVP den Agrarbetrieben die Stange hält und sich mit den immer wieder schlagkräftigen Argumenten Arbeitsplätze, Grundversorgung, Selbstversorgung und der überdurchschnittlich hohe europäische Anteil an Bio-Landwirtschaft vor Karren, Traktor und Pflug spannen lässt, macht ein Umdenken in Sachen fleischlose Ernährung nicht gerade einfacher. Die unbestrittene Tatsache, dass der ökologische Fußabdruck jener landwirtschaftlichen Betriebe, welche auf “Bio” umstellen, gegenüber den konventionellen Landwirtschaftsbetrieben beträchtlich ressourcenschonender ist (Ökologischer Fußabdruck der Bio-Landwirtschaft und ihrer Produkte), mag durchaus tröstlich erscheinen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Alma“, “Berta“, “Resi” und das bayerische Lieblings-Rindvieh “Susi” für eine höchst anrüchige Klimabilanz verantwortlich sind.

Dass in Berlin am Prenzlauer Berg der erste Supermarkt mit veganem Vollsortiment für leere Fleischtöpfe, doch sicherlich nicht ebensolch leere Kassen sorgt, könnte doch für potentielle InvestorInnen ein Anreiz sein, sich auch einmal in österreichischen Gefilden als Karotten-Jane und Spargel-Tarzan zu versuchen. Ich setz’ mich bei Bedarf auch gerne an die Kassa aus Kraut und Rüben. Und da wären wir wieder am Anfang unseres Artikels. Korruption ist überall und die unvermeidlichen Unschuldsvermutungen nicht weit. 

11.9.2011

Eine schallende Ohrfeige für die Gentechnik

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 20:26


Honig, der mit gentechnisch veränderten Pollen verunreinigt wurde, ist nicht verkehrsfähig.

So lautet kurz und schmerzlos ein richterliches Urteil gegen Honig, welcher durch GVO-Spuren kontaminiert war und daraufhin vollständig vernichtet werden musste. Im konkreten Fall handelt es sich dabei um Pollen aus dem Gentechnik-Mais MON 810 einer gewissen Firma Monsanto (Süßmais von Monsanto: Der dreifach genmanipulierte Rittberger), welcher sich in Spuren in den Imkereiprodukten der klagenden Honigbauern fand und deshalb nach deren Meinung kein gentechnikfreies Produkt darstellt. Und weil“Honig, der mit gentechnisch veränderten Pollen verunreinigt wurde, ist nicht verkehrsfähig.” Eine schallende Ohrfeige für die Gentechnik. Imker Bablok gegen den Freistaat Bayern vor dem Europäischen Gerichtshof. einerseits die VerbraucherInnen keine gentechnikverseuchten Produkte konsumieren möchten und andererseits jene verantwortungsbewussten Imker Gentech-Honig weder produzieren noch verkaufen wollen, haben sie sich mit ihrer Klage an den EuGH gewandt. Ich möchte nun nicht schon wieder die Floskel vom “Tritt in die Weichteile” wie im Falle von Solidar Suisse gegen Nespresso-Botschafter George Clooney verwenden. Also machen wir daraus eine schallende gesetzliche Ohrfeige gegen Monsanto und Konsorten.

Was der Deutsche Imkerbund bereits seit 1. September 2007 mit seinem Positionspapier gegen Grüne Gentechnik forderte, hat nun endlich auch der Europäische Gerichtshof in seinem Urteil vom 06. September 201 Urteil in der Rechtssache C-442/09 bestätigt. Der Prozess, welchen der Imker Karl-Heinz Bablok u.a. gegen den Freistaat Bayern aufgrund gentechnisch MON 810 Saatgutes aus dem ehrenwerten Hause Monsanto führte, ist dementsprechend ein riesiger Erfolg sowohl für HerstellerInnen, VerbraucherInnen und nicht zuletzt für das Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agrotechnik namens Mellifera (Biene sticht Gentechnik-Giganten: Europäischer Gerichtshof bestätigt: Honig muss vor genmanipuliertem Pollen geschützt werden), welches sich zusammen mit der klageführenden Partei gegen die Kontamination von Honig mit Gentechnik verändertem Pollen aufmachte, um als honigsüßer Don Quijote gegen die verseuchten Windmühlen der Gentechnik anzukämpfen, um dem ganzen Erfolg einmal einen etwas pathetischen Anstrich zu verpassen.

Dass die Causa um MON 810-Pollen in Honigprodukten mehr als lächerlich und absurd ist bzw. wenig schmackhaft sowohl für Honigbauern als auch für die VerbraucherInnen, stellte eigentlich schon das Verwaltungsgericht Augsburg in seinem Urteil vom 30. Mai 2008 fest. Denn schon damals wurde anerkannt, dass Honig, welcher eben jene verseuchten Bestandteile aus Blütenpollen der GV-Linie 810 von Monsanto in nachweisbaren Mengen enthalte, nicht verkehrsfähig sei und aus diesem guten Grunde auch Imker Bablok wirtschaftlich wesentlich eingeschränkt ist, da er solch unerwünschte Produkte nicht verkaufen dürfe. Doch Schutzansprüche gegen den Anbau? Fehlanzeige!

Der Imker hat zwar recht, doch dies bedeutet leider nicht, dass er auch Recht bekommt. Herr Bablok muss einerseits seine gesamte Ernte vernichten, aber die deutschen Behörden waren der sonderbaren Auffassung, dass er solche Verunreinigungen zu tolerieren habe. Entschuldigung, aber geht’s noch skurriler? (siehe auch Informationsdienst Gentechnik: Imker-Klagen).

Doch das jetzt gefällte Urteil ist ein klares Bekenntnis auch der Europäischen Rechtssprechung gegen den Einsatz von grüner Gentechnik. Wahrscheinlich werden nun wieder jene Stimmen wie die von Prof. Ammann laut, welche sich als von allen Gentechnik-GegnerInnen als Genjuden (siehe dazu meinen Artikel “Grüne (Un)Vernunft: Nazionalsozialistische Vergleiche“) verfolgt sehen. Macht nichts! Ich wünsche auf jeden Fall Herrn Bablok und all den anderen, welche sich gegen Gentechnik zur Wehr setzen, noch viele solche Erfolge und selbstverständlich auch höchstrichterliche Urteile im Sinne einer gentechnikfreien Zukunft.

7.9.2011

Wiesenhof zieht Konsequenzen! Und die Konsequenzen?

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 22:15


Das System Wiesenhof hat die erste Fernsehwoche hinter sich

Nachdem sich scheinbar wieder alle Gemüter beruhigt haben und wir alle gemeinsam zum altbewährten Beuteschema der Massentierhaltung zurückkehren können, wäre es trotz der gemeinschaftlichen Gemeinsam-Empörung und des lautstarken “So geht es aber nicht, Herr Wesjohann!” Aufbegehrens mit einer Halbwertszeit eines servierbereiten Grillhendls interessant zu wisen, was denn die betroffene PHW-Gruppe dazu sagt. Dass anstatt schöner Worte noch schönere Taten die bessere Alternative Paul Boegle hängt Wiesenhof zu den Ohren raus. Der Geflügelproduzent Wiesenhof zieht Konsequenzen! Und die Konsequenzen?wären, um die gegen sie erhobenen Vorwürfe und Tatsachen zwar nicht zu entkräften, aber zumindest mit der Zusage “Wir geloben Besserung für die Zukunft!” zum zukünftigen Besseren zu wenden, lassen wir dabei einmal als noch nicht gelegtes Ei im wirtschaftswissenschaftlichen Inkubator ungebrütet und vorläufig unbeachtet vor sich hin gammeln.

Immerhin stehen uns jetzt solch gesellschaftlich, sozial und wiederum wirtschaftlich wichtige Großereignisse wie das Münchner Oktoberfest ins Haus und wer möchte dabei schon mit Massentierhaltung konfrontiert werden, wenn neben der Maß Bier das halbe Grillhendl so verführerisch lockt. Muss wirklich nicht sein, so einer schaler Beigeschmack. Schließlich ist das Bier schon abgestanden genug und genug gekotzt haben wir ja bereits während der Reportage über Wiesenhof.

Nun, aber irgendwie neugierig bin ich natürlich schon. Nein, weder auf Münchener Oktoberfest noch auf eine einzige Maß Bier. Da setze ich mich doch lieber mit George Clooney auf eine Tasse Kaffee irgendwohin und massiere dem Star in Diensten von Nestlé die Nespresso-Kapseln seiner schauspielerischen Weichteile. Nicht, was Sie jetzt schon wieder denken. Aber am besten lesen und schauen Sie sich das selber unter dem Link an.

Heute schreiben wir also den 07. September ins Tagebuch und deshalb riskiere ich einen kurzen Blick in den virtuellen Hühnerstall oder auch die Webseite von Wiesenhof. Mal sehen, welche tiefgreifenden Konsequenzen die Verantwortlichen für Federvieh, Menschenkind und Brunnenwasser getroffen haben. Und siehe da, ein vielversprechender Newsroom erwartet mich als virtueller Besucher im Land der lückenlosen Kontrolle, des feinsten Genusses und nicht zu vergessen, im Land der 5-D-Qualität und im Land des “Wir tun mehr…“-Philosophie. Zugegeben, habe ich mir so auf der Seite zusammengeschrieben, aber als Verbraucher machen einen solche Argumente und Versprechen natürlich schon sehr stolz. Immerhin freut es die KonsumentInnen, wenn die tote Sau oder hier eben das gegrillte Huhn als ehemals glücklich lebendes Huhn sein Dasein fristen durfte.

Aber zurück zum Newsroom. Da lacht mich doch sogleich ein Artikel mit dem vielversprechenden Titel “Wiesenhof zieht Konsequenzen aus Fernsehbildern” an. Sieh an, sieh an, das hört sich gut an! Keine singulare Konsequenz, sondern gleich plurale Konsequenzen. Der Artikel wurde zwar schon am 02. September eingestellt und dürfte der neueste Konsequenzen-Beitrag sein, aber da merkt der kritische Konsument wie ich, dass Wiesenhof sofort reagiert hat und nicht erst Gras über die ganze Sache wachsen lässt. Das lobe ich mir! Erst ziemlich schlagkräftig in Form der Mitarbeiter der mit Wiesenhof kooperierenden Agrarbetriebe, wie wir uns aufgrund der gezeigten Bildern der Reportage von Monika Anthes und Edgar Verheyen ebenso lückenlos überzeugen konnten und dann aber sofort umso tatkräftiger in mindestens 5-D-Qualität.

Diese Tatsache ist für Wiesenhof absolut inakzeptabel. Aus diesem Grund hat Wiesenhof von der verantwortlichen Ausstallungsfirma verlangt, die Mitarbeiter zur Rechenschaft zu ziehen. Bei Landwirten von Wiesenhof darf keiner der identifizierten Mitarbeiter der Fremdfirma künftig eingesetzt werden.” Wow, das ist starker Tobak. Wiesenhof macht tatsächlich reinen Tisch. Eine löblich konsequente Konsequenz vom Allerfeinsten. Und weiter? “Wiesenhof wird darüber hinaus zunächst bei den eigenen Puten-Landwirten jede Ausstallung von Tieren von einer Fremdfirma, deren Mitarbeiter geschult werden, überwachen lassen. Uiuiui, Überwachung ist immer gut! Besonders, wenn es sich um Fremdfirmen handelt. Da stimme ich voll und ganz zu! So ein Fremdarbeiter muss permanent überwacht werden, da bin ich völlig einer Meinung. Diese fremden MitarbeiterInnen scheren sich wirklich einen Hühnerdreck um die Belange der Firma. Die können einem das mühsam in der Werbung aufgebaute Image total zusammenhauen, man mag es ja gar nicht glauben. Was ich schon Fehler von diesen auswärtigen LeiharbeiterInnen mitgemacht habe, das glauben Sie nicht. Ein Fehler nach dem anderen und immer waren es die anderen.

So, jetzt hätten wir dieses leidige Thema endlich vom Tisch. Es tut wirklich gut, dass wir darüber gesprochen haben. Zumindest Wiesenhof. Wirklich kein Fehler, endlich einmal die ganzen Fehler der anderen dezidiert und klar umrissen und vor allem konsequent auf den Griller zu bringen.

So, wann beginnt das Münchner Oktoberfest? Ich habe nämlich Hunger. Und George Clooney soll sich seine Hoden doch selber massieren. Schließlich ist so ein Tritt in die Eier immer wieder ein erhebendes Gefühl. Oder wie Trio vor ich weiß nicht wieviel Jahren so schön gesungen haben: “Los Paul, du mußt ihm voll in die Eier haun. Das ist die Art von Gewalt, die wir sehn wolln, wenn auch nicht spürn wolln “. Wiesenhof hängt mir wirklich zu den Ohren raus.

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