Archive for the ‘Garten’ Category

Lange Nacht der Naturparke 2010

Dienstag, August 24th, 2010

Österreich abseits der Skipisten

Dass unser schönes kleines Land Österreich weit mehr als nur ein Paradies für Skifahrer und Wiener Schnitzel ist, propagiere ich immer wieder wieder (siehe z.B. Gartenhotel Theresia in Saalbach-Hinterglemm). Aber wussten Sie, dass das Land Niederösterreich am 18. September 2010 die 3. Lange Nacht der Naturparke bzw. Naturparks veranstaltet? Stören Sie sich bitte nicht am Plural von Naturpark, welcher da lautet: Naturparke. Es sind beide Schreibweisen möglich, sowohl Naturparke als auch Naturparks.

Die Naturparke Niederösterreichs laden grosse und vor allem kleine Besucher zum dritten Mal ein, die Nacht vom 18. auf den 19. September 2010 einmal anders zu erkunden. Wandern Sie, nur mit einer Stirnlampe “bewaffnet”, durch das Hochmoor Schrems. Reagieren unsere Sinne bei Dunkelheit anders als unsere Wahrnehmung bei Tageslicht? Mehr Informationen zur Langen Nacht der Naturparke im Hochmoor Schrems.

Bleiben wir im Waldviertel. Das Motto der Langen Nacht im Naturpark Geras lautet: “Nur für Mutige!” Wer sich allerdings nicht für ganz so mutig hält, der schlägt sich eben die Lange Nacht bzw. den Langen Nachmittag ab 14:00 Uhr in Dobersberg um die Ohren. Wandern Sie mit einem Vertreter der Österreichischen Mykologischen Gesellschaft durch die Wälder und entdecken Sie die Welt der Pilze (bei uns heissen diese natürlich Schwammerl). Sie halten die Lange Nacht der Naturparke für “unter aller Sau?” Dann nichts wie hin in den Naturpark Leiser Berge. Eine Kinderwildschweinjagd und eine Sternenbeobachtung für Gross und Klein steht dort auf dem Programm.

Sie ziehen das idyllische Mostviertel dem herben Charme des Waldviertels vor? Auch die Naturparke Ötscher-Tormäuer und Eisenwurzen laden ihre Besucher zur Langen Nacht der Naturparke 2010 ein.

Wer sich dagegen im Grossraum Wien befindet und den Grossstadtdschungel einmal mit der grünen Natur tauschen möchte, kann sich im Wiener Wald in Purkersdorf oder Sparbach nach Herzenslust austoben. Aber auch die Hohe Wand als Teil der Wiener Alpen lockt am 18. September alle Interessierten zur 3. Langen Nacht der Naturparke Niederösterreich. Einen Übersichtsplan zu den verschiedenen Veranstaltungen finden Sie unter folgendem Link auf der Webseite der Naturparke Niederösterreich.  

Karte der Naturparke Niederösterreich



Schwarze Oliven - schwarze Schafe

Freitag, August 20th, 2010


Die industrielle Schwarzmalerei der Oliven

Ich liebe sie, jene kleine Steinfrucht mit dem Namen Olive. Es gibt sie mittlerweile in den verschiedensten Varationen, besonders die mit Knoblauch, Mandeln oder scharfen Piri-Piri gefüllten Oliven haben es mir dabei angetan. Aber die Königin der Oliven ist für mich immer noch die schwarze Olive. Und deshalb auch dieser Artikel.

Ich saß also beim Essen. Und wie so oft naschte ich dabei und nebenbei jene kleinen Früchte. So auch dieses Mal. Ein kleines Schüsselchen schwarze Oliven wurde weniger, die kleinen Steinchen daneben mehr. Und plötzlich begann ich nachzudenken. Weshalb gibt es eigentlich grüne und schwarze Oliven? Und vor allem: Wo liegt der Unterschied? Bevor ich es als Blogger vergesse: Ein herzliches Dankeschön dem Gourmet-Blog für die Inspiration durch den Artikel Vorsicht vor schwarzen Oliven.

Den Unterschied macht der Reifegrad. Während die grünen, oder besser gesagt die olivgrünen, Oliven eben die reifen Früchtchen des Olivenbaumes sind, sind die schwarzen Oliven dementsprechend schon einen Schritt weiter, sozusagen vollreif. Der einzige Unterschied zwischen grünen und schwarzen Oliven ist also der Reifeprozess. Kaufen Sie grüne Oliven, kaufen Sie reife Oliven. Kaufen Sie schwarze Oliven, kaufen sie überreife grüne Oliven. So einfach ist das. Zumindest dachte ich bis zu diesem Moment, dass es so einfach sein könnte.

Dieser Prozess des Farbwechsels von grün nach schwarz dauert natürlich seine Zeit. Aber da die Natur schliesslich nicht auf der Flucht ist, allerhöchstens vor dem Menschen, wäre dies auch nicht weiter tragisch. Seltsam wird es erst dann, wenn diejenigen, vor denen die Natur naturgemäß permanent flüchtet, also besagter Homo sapiens, in den Reifeprozess eingreifen. Warum tun sie dieses?

Nun, Zeit ist Geld. Und wenig Zeit bedeutet viel Geld. Ich weiss, diese reziproke oder umgekehrt proportionale Sichtweise der Wirtschaft ist immer wieder erstaunlich. Also muss die Menschin und der Mensch in ihrer/seiner Eigenschaft als Schwarze-Oliven-Hersteller in diesen Prozess eingreifen. Ich habe vor rund einem Jahr einen Artikel mit dem viel- und doch nichtssagenden Titel Beschleunigte Entschleunigung verfasst. Vergessen Sie´s einfach! Wer sich erfolgreich als Schwarze-Oliven-MassenproduzentIn behaupten will, braucht eigentlich nur grüne Oliven. Und dann natürlich noch entsprechende Eisensalze.

Stopp, stopp, stopp! Nicht einfach losrennen und die grosse Feile suchen. Die wirklich erfolgreichen Aus-grünen-Oliven-mach-schwarze-Oliven-Produzenten nehmen dafür Eisenlaktat oder Eisenglukonat, welches auf den Etiketten meist als Eisen-II-Lactat oder Eisen-II-Gluconat, E 579 und E 585 kürzt das Ganze dementsprechend ab, vermerkt ist. Hat eigentlich überhaupt nichts mit Eisen zu tun, sondern wird aus Milchsäure gewonnen, aber die Wirkung ist umso erstaunlicher. Und das Beste an der ganzen Schwarzbrennerei oder besser Schwarzseherei oder natürlich Schwarzfärberei der grünen Oliven ist: Es handelt sich dabei nicht einmal um Farbstoffe, sondern lediglich um die Zusatzstoffe E 579 und E 585.

Es wurden bisher noch keine Nebenwirkungen durch die beiden Zusatzstoffe E 579 und E 585 festgestellt. Ebenfalls soll hier nicht verschwiegen werden, dass E 579 sogar zur Eisenanreicherung in bestimmten Diätprodukten zugelassen ist. Doch ein Zuviel an Eisen im menschlichen Verdauungstrakt kann die Vermehrung von Krankheitserregern zur Folge haben.

Gegen E 585 oder Eisen-II-Lactat kann ich deshalb nicht einmal Bedenken haben. Bedenklich stimmt mich allerdings die Tatsache, dass E 579 oder Eisen-II-Gluconat bereits gentechnisch hergestellt werden kann.

Sie werden sich jetzt die berechtigte Frage stellen, weshalb, ausser selbstverständlich aus geldgierigen Gründen, wartet frau und man(n) nicht einfach darauf, dass die grünen Oliven von selbst schwarz werden. Da spielt Mutter Natur nicht mit. Wer schon einmal schwarze Oliven gegessen hat, wird den Unterschied in der Bissfestigkeit festgestellt haben. Schwarze Oliven sind, bedingt durch den längeren Reifeprozess, wesentlich weicher. Und da die Menschin und der Mensch nun zu den bequem bequemlichen Wesen gehören, wollen sie möglichst alles mundgerecht serviert bekommen. Dazu gehört unter anderem auch: Die Oliven sollten entkernt, oder sage ich in diesem Fall “entsteint”, sein. Maschinelle Oliven-Entkernungsmaschinen für die harten grünen Oliven, kein Problem! Maschinelle Oliven-Entkernungsmaschinen für die weichen schwarzen Oliven, schöne Sch..sse! Also bedienen wir uns lieber der Einfärberei.

Achten Sie dementsprechend bei Ihrem nächsten Kauf, sofern Sie schwarze Oliven überhaupt mögen, auf das Etikett. Steht E 579 oder E 585 drauf, wissen Sie, dass Sie zumindest kein reines Naturprodukt vor sich haben. Ich werde es mir in Zukunft zur Gewohnheit machen, schwarze Oliven nicht mehr entkernt zu kaufen. Dies ist sicherlich kein Garant für die Nicht-Verwendung von Zusatzstoffen, aber den Rest erledigen hoffentlich meine beiden Augen beim Lesen des Etiketts.

So, zum Abschluss ist mir noch ein Gedanke gekommen. Sollten Sie irgendwann den Plan hegen, Ihre Seele dem Teufel zu verkaufen und der Fürst der Finsternis bemängelt die fehlende Schwärze, dann wenden Sie sich an mich. Ich habe mittlerweile immer eine Familienpackung E 585 vorrätig, garantiert ohne Gentechnik veredelt, aber höchst wirksam.

Bis dahin grüsse ich Sie als schwarzbeseelter, schwarzsehender, schwarzmalender, schwarzbrennender und schwarze Olivenkerne spuckender grüner Fürst der Hölle namens Erde. 


The Group of Seven

Dienstag, August 3rd, 2010

Vorab eines: Ich hätte diesen Artikel auch ohne weiteres in die Kategorie Reisen einstellen können, nachdem ich aber noch nicht dieses Land besucht habe, kommt aber hoffentlich noch irgendwann, habe ich mich dazu entschlossen, eben die Kategorie Garten zu wählen. Sie werden mir (hoffentlich) nach Lesen des Artikels zustimmen, daß die Wahl auch nicht einer gewissen Logik entbehrt.Wer ist diese Group of Seven, dass ich mich dazu entschlossen habe, auf meinem Bio und Natur Weblog darüber zu berichten? Nun, die Idee kam mir eigentlich nach meinem Besuch im Gartenhotel Theresia. Die sogenannte Siebenergruppe ist ein Zusammenschluss von sieben kanadischen Landschaftsmalern, welche sich rund um den Landschaftsmaler Franklin Carmichael formierten, um ihre Impressionen und Eindrücke der kanadischen Natur und der (ehemals) grenzenlosen Weite Kanadas wiederzugeben.

Der seit 1919 gebräuchliche Name der 1913 gegründeten Gruppe nahm dabei das Thema kanadischer Unverfälschheit in geradezu idealisierter und schwärmerischer Form auf, fernab der Realität. Vielleicht geriet die Group of Seven gerade aufgrund dieser Tatsache in Vergessenheit und löste sich bereits im Jahr 1931 wieder auf bzw. ging in die Canadian Group Of Painters über.

Für Kunstinteressierte, welche das Thema Natur auf farbenprächtige Art und Weise in Form von Kunst einmal näher betrachten möchten, bietet die Seite Group Of Seven Art eine schöne Möglichkeit, sich dieser Sichtweise zu nähern, d.h. bereits verblichenen Malern des beginnenden 20. Jahrhunderts, deren Kunstwerke nun schon ein ganzes Jahrhundert überdauerten, über die Schulter zu sehen.


Toscanella - Tomaten aus der Toscana?

Sonntag, Juli 25th, 2010

Auch wenn es der Namensgeber, die Schweizer Firma Syngenta, vielleicht darauf angelegt hat, beim Konsumenten dementsprechende Assoziationen zu wecken, muss ich Sie, wie bereits so viele Male, auch heute wieder enttäuschen. Der Basler Agrochemiekonzern Syngenta hat sich dem löblichen Ziel Pflanzenschutz verschrieben. “Sehr gut” werden Sie nun denken. “Sehr schlecht!” kann ich Ihnen darauf nur antworten.

Neben den US-amerikanischen Konzernen Monsanto und DuPont, welche sich bedingungslos der Gewinnmaximierung durch genveränderte Feldfrüchte, Herbizide und sogenanntem kommerziellen Saatgut, kurzum der Biotechnologie, widmen, hat sich Syngenta ebenfalls darauf spezialisiert, den Verbraucher in Form der Syngenta Seeds GmbH mit hervorragenden Produkten auf diesem Sektor zu beglücken. Alleine die Produktnamen machen Lust auf mehr: Ein Grünkohl mit dem vielversprechenden Namen “Winnetou F1″, der Kopfsalat “Tizian”, Zwiebelsorten mit den Zungenschnalzern “Vision F1″, “Mission F1″ und “Solution F1″ oder Porree (Lauch), für den der griechische Gott Dionysos Pate steht. Genmanipuliertes Herz, was willst Du mehr!

Ich sehe schon, Ihnen wird ganz warm um das eben angesprochene lebenswichtigste Organ. Diesen ganzen neuen Züchtungen, nicht nur Syngenta hat hier seine genveränderten Finger im Spiel, auch Firmen wie Seminis, Rijk Zwaan oder Sakata sollte auf dieselben kritisch geschaut werden, liegt ein Verfahren mit dem unaussprechlichen Namen Protoplastenfusion zugrunde. Für den Laien wie mich bedeutet dies in einem Satz die Verschmelzung zweier Zellen durch die Auflösung der Enzyme und Zellwände z.B. mit elektronischem Strom. Wer es genauer wissen möchte, die Uni Hamburg bietet unter Protoplasten weiterführende Informationen und Lektüre. Natürlich soll es noch Menschen geben, und zu diesen zähle ich alle Leser meines Bio und Natur Weblogs, welche dankend auf kommerzielles Saatgut verzichten möchten und sich dem guten, alten konventionellen Saatgut hingezogen fühlen. Die Seite Ökoring bietet eine gute Zusammenfassung für all jene, welche Alternativen zu CMS-Sorten oder eben Sorten aus Protoplastenfusion suchen und sich dementsprechend den gentechnischen Züchtungsmethoden verweigern möchten.

Was hat aber nun die in der Überschrift angeführte Tomate mit dem südländischen Namen Toscanella mit uns zu tun? Sie wurde 2002 im Auftrag der Kunden erschaffen, kreiert, förmlich aus dem Genmanipulations-Hut gezaubert. Zumindest wird dies dem geschmacksorientierten und auf lange Haltbarkeit konditionierten Verbraucher in der Geschichte über die Entstehung der Toscanella suggeriert. Die Geschichte ist einfach zu köstlich, in all ihrer Doppeldeutigkeit selbstverständlich, als dass ich Sie Ihnen vorenthalten möchte. Wobei dies jetzt nicht der eigentliche Tomaten-Stein des Anstosses ist.

Aber anstössig ist die Firmenpolitik des weltweit führenden Pestizidherstellers Syngenta. Ob nun jede siebte Tomate weltweit von Syngenta stammt oder nicht, sei hierbei nur von untergeordneter Bedeutung, da wir uns sowieso in permanenten Abhängigkeitsverhältnissen gegenüber Großkonzernen befinden. Aber Syngenta produziert und vertreibt das Unkrautvertilgungsmittel Paraquat, oftmals auch unter dem Markennamen Gramoxone bekannt. In der Schweiz ist dieses Herbizid bereits seit Jahrzehnten verboten, in Deutschland ist seit dem 11.07.2007 durch Entscheidung der ersten Instanz der Europäischen Gemeinschaften ein Inverkehrbringen und die Anwendung des Präparates “Gramoxone Extra” mit sofortiger Wirkung untersagt (siehe z.B. Zulassung für das Herbizid „Gramoxone Extra“ annulliert - 19. Juli 2007).

Wohin also mit dem hochtoxischen Mittelchen, wenn Europa “Nein!” sagt? Einfach die Hemmschwelle herabsetzen und hemmungslos ab damit in Schwellen- und Entwicklungsländer. Die können alles brauchen, angefangen vom Atommüll bis hin zum Elektroschrott, warum also nicht auch das lebensgefährliche Paraquat? Lungenschäden und Atembeschwerden, Nasenbluten und Kopfschmerzen, möglicherweise sogar eine Kausalität zwischen Paraquat und der Parkinsonschen Krankheit, wen stört´s. Hauptsache, die Bauern wenden es an. Hunderte Todesfälle und tausende Vergiftungsfälle inkludiert. Ich zitiere im folgenden einen auf der Internetseite ignoranz.ch unter dem Artikel Syngenta: Giftkonzern ohne Skrupel? gefundenen Kommentar eines Menschen namens Rico, welcher zeigt, wie wir, die westliche Welt, diesen Problemen oftmals gegenüberstehen.

“Ich kann nicht erkennen, warum hier Syngenta schuldig sein soll. Effektiv ist es doch der Anwender, der sich nicht an die Gebrauchsanweisung hält. – Im Übrigen haben es Gifte halt so an sich, giftig zu sein. Darum gibt es ja Anwendungsbestimmungen, an die man sich halten muss.

Man schaut doch auch nicht mit dem brennenden Feuerzeug nach, wieviel Benzin noch im Tank ist. Oder ist dann auch ESSO schuld..?”

Es freut mich immer wieder, wie sich ein des Schreibens und Lesens fähiger Mensch derart stupide gegenüber Menschen verhält, welche in Ländern leben, in denen Analphabetismus und das tägliche Leben vom Kampf gegen Hunger und Krankheiten 24 Stunden lang bestimmt ist. Denn genau diese Ricos dieser Welt sind es, welche sich anmaßen, weit über jenen zu stehen, abgehoben über ihnen und vor allem sehr weit weg von deren Problemen.

Lassen wir also unserem Freund Rico seine Freude an den Toscanella-Tomaten, möge er sie ohne Nasenbluten, Kopfschmerzen, Beschwerden seiner Atemwege und einer voll funktionsfähigen Lunge genießen. Wir anderen könnten uns vielleicht darauf verständigen, Toscanella-Tomaten nicht zu genießen, schließlich gibt es noch andere Hersteller von Paradiesäpfeln, welche in ihrer Verantwortlichkeit gegenüber Menschen etwas andere Zielsetzungen haben und sich in der Firmenpolitik von Syngenta nicht grundlegend, aber zumindest ein bisschen unterscheiden. Die EvB (Erklärung von Bern) fordert deshalb den sofortigen Produktionsstopp und das generelle Verbot von Paraquat. Erkären Sie sich solidarisch mit Stop Paraquat und lassen Sie dem Imperativ “Hände weg von Toscanella-Tomaten” Taten folgen.             

Stimmungsaufheller Natur…

Sonntag, Mai 16th, 2010

…und das Stimmungsbarometer steigt! 

Na, wer sagt´s denn. Jetzt haben wir es amtlich oder besser gesagt wissenschaftlich! Zumindest haben zwei Wissenschaftler der University of Essex, genauer gesagt Joe Barton und Jules Pretty, in einer Studie (siehe z.B. bild der wissenschaft: Grün macht vergnügt) herausgefunden, daß der Aufenthalt des Menschen im Grünen in kausalem Zusammenhang zur menschlichen Psyche stehen. Egal ob nun ein gemütlicher Spaziergang auf dem Programm steht, die grüne Umwelt mit dem Fahrrad erkundet wird oder die löbliche und vor allem nützliche Gartenarbeit: Die ersten Minuten in freier Natur sind wahre Stimmungsaufheller für den gestressten Menschen unserer Gesellschaft, also wohl für fast alle Wesen der Gattung sprechender und denkender Homo sapiens. Wer nun sagt: “Garten hab´ich keinen, Radfahren kann ich nicht und vor lauter Wald seh´ ich sowieso keine Bäume!”, dem sei erwidert, daß der nächste großstädtische Park sicherlich gleich um die Ecke lauert.

Besonders förderlich ist hierbei, sozusagen das Non plus ultra natürlicher Stimmungsaufheller ein Lustwandeln im Walde. Nicht alleine die frische Luft macht´s, sondern vor allem das grüne Blätterdach mächtiger Bäume, blühende Sträucher und Büsche, die wartende Wegwarte am Wegesrand und das liebliche Plätschern eines kristallklaren Baches, sofern es diesen nach Deepwater Horizon noch gibt, wirken wahre Wunder, wenn es um unser Selbstwertgefühl geht.

Die Extradosis Natur also als Medikamentenersatz für unser fehlendes inneres Gleichgewicht? Die beiden Forscher haben mehr als 1200 Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts analysiert und untersuchten dabei die Korrelation zwischen der Dauer des Aufenthaltes bzw. der Aktivität im Freien und der daraus resultierenden Wirkung auf die Psyche der Testpersonen. Und wen wundert´s: Bereits mit den ersten Minuten nach Beginn der Freizeitaktivität stieg das Wohlbefinden der Probanden signifikant an!

Auch diplomierte Psychologen hauen in dieselbe grüne Bresche. Gespräche in der freien Natur zeigen eine wesentlich intensivere Verarbeitungstiefe, verlaufen entspannter und steigern das Selbstwertgefühl. Also, liebes gestresstes arbeitendes Volk, links auf die Überholspur, beschleunigen und dann aber gaaaaanz tief Luft holen und entschleunigen.

Heinrich Maiworm, seines Zeichens Wanderphilosoph, bringt es auf einen einfachen Nenner, wenn er leicht deprimiert feststellt: “Wir Philosophen haben immer gedacht, wir müssten dafür sorgen, dass es den Menschen besser geht.” Und nun sind es plötzlich die singenden Vögel, das Rauschen des Waldes und das Klingen des Baches, welche für unser Glück zuständig sind. Wobei ich sagen muß, daß natürlich ein entspannt geführtes philosophisches Gespräch unter der schattenspendenen, weit ausladenden Krone eines Kastanienbaumes, während Blaumeise oder die leider viel zu seltene Zwergammer spöttisch ihr Liedchen singen, auch nicht zu verachten ist. So kann ich nur sagen: “Raus in die Natur, denn schon fünf Minuten genügen, um sich viele Sorgen aus dem verstaubten Pelz unserer selbstgebauten Betongefängnisse zu schütteln!

Guerilla Gardening - grüne Piraterie

Samstag, Mai 8th, 2010

Auf Kaperfahrt für die Umwelt

Guerilla Gardening oder auf gut deutsch Guerillagärtnerei bzw. Guerillagärtnern ist eigentlich eine schöne Sache. Guerilla Gardening ist streng genommen nicht so ganz legal, aber insgeheim doch aufgrund unseres sensibleren Umweltbewußtseins ein geduldetes Vergehen, nun gut zumindest bei mir, aber auch viele Städte betrachten die Guerillagärtner in unserer heutigen Zeit mit einem wohlwollenden Auge. Obwohl, bei genauerer Betrachtung ist es sogar sehr gerne gesehen, Sie wissen schon, bei mir, also bitte ich auch Sie, beide Augen zuzdrücken, wenn Sie GuerillakämpferInnen im Namen der Natur kämpfen sehen. Nein, besser noch, machen Sie zumindest bitte ein Auge auf, vielleicht gefällt Ihnen möglicherweise, was sich diese grünen PartisanInnen auf ihre grünen Piratenflagge geheftet haben. Begonnen hat eigentlich alles so richtig im Jahre 2000, ob es nun der 1. Mai war, sei dahingestellt, schließlich gab es schon davor Menschen, welche sich mit dem Guerilla Gardening beschäftigten.

Fest steht jedoch: Was einst als subtiler und wohlgemerkt unblutiger Kampf gegen grauen Beton und urbane Kahlstellen begann, hat sich mittlerweile zu einer regelrechten urbanen Gärtnerei und städtischen Form der Landwirtschaft entwickelt. Entstanden ist das Guerilla Gardening einerseits als Form des Protestes von Umweltaktivisten, aber ebenfalls aus Ausdrucksform von Großstadtmenschen, welche sich gegen die zunehmende Verbauung ehemaliger Grünflächen, die sich zu hässlichen Betonwüsten entwickelten, zur Wehr setzen wollten. Dienten ursprünglich sogenannte “Samenbomben (seedbombs)” als Waffen des friedlichen Protestes, hierbei von biologischen Waffen zu sprechen ist doch eigentlich eine schöne und gleichzeitig die einzig authentische und in meinen Augen legitime Art des “bewaffneten” Widerstandes und dementsprechend auch die einzige ethisch und moralisch zu vertretende B-Waffe, wird heutzutage durch dieses wilde Gärtnern die Verschönerung brach liegender Flächen oder sogar die Ernte landwirtschaftlicher Produkte angestrebt.

Arbeiteten die Urmütter und Urväter des Guerilla Gardenings noch mit jenen Samenbomben, einem Gemisch aus Erde, Ton und eben der eigentlichen Munition, den Samen, welche zu Kugeln geformt unauffällig und vor allem schnell von Fahrrädern oder aus der Hüfte heraus geschossen auf die zu erobernden Flächen geworfen wurden, bedient sich die heutige Generation der grünen Guerilleras und Guerilleros wesentlich ausgefeilterer Methoden. Egal ob die österreichischen Erdäpfel und Paradeiser (zu deutsch Kartoffeln und Tomaten) zwischen alten Autoreifen, kleine Feuchtbiotope neben Hochhäusern oder bunt gemischte und gemeinschaftlich genutzte Kleingärten auf Dächern, das Guerilla Gardening hat sich zu einer neuen Art der Selbstversorgung und der kreativen Gestaltung des eintönigen Großstadtdschungels entwickelt.

Was benötigen moderne Guerilla GärtnerInnen?

1. Grundvoraussetzung ist natürlich zuerst einmal der Wunsch, zur Verschönerung einer verwahrlosten Fläche beitragen zu wollen. Verspüren Sie diesen Drang, aus Grau Grün machen zu wollen, folgt alles andere im Normalfall von selbst.

2. Segeln Sie unter grüner Flagge, sollten Sie zumindest wissen, wohin Sie der Fahrtwind treiben soll, schließlich soll das Kapern für Sie als FreibeuterIn auch von Erfolg gekrönt sein. Sprich, halten Sie Ausschau nach einem kleinen Stückchen Land, welches es zu bepflanzen gilt.

3. Umsichtige Guerilla Gardener planen nachhaltig und langfristig. Wer sich an seinem Eroberungsfeldzug auf lange Sicht gesehen erfreuen will und wer möchte dies nicht, prüft die Bodenbeschaffenheit und sonstige Gegebenheiten, z.B. wird Regenwasser durch eine Überdachung abgehalten oder wie ist die Sonneneinstrahlung beschaffen. Eine Funkie ist zwar ein wunderschönes Gewächs aus der Familie der Agaven, aber steht der zu bepflanzende Brachraum in der prallen Sonne, dann wäre es doch besser, sich für einen herrlich duftenden Lavendel zu entscheiden. Und wer damit spekuliert, sein selbst gezogenes Gemüse an einer vielbefahrenen Strasse aufzuziehen, wird zwar sicherlich die Aufmerksamkeit der Autofahrer auf sich und seine Vitaminkost lenken, alleine er wird auch die Auspuffabgase jener Autos auf Basilikum, Zucchini und Petersilie dorthin lenken. Da wäre es vielleicht zu überdenken, bei Nacht und Nebel ein paar schöne Tulpenzwiebeln im Erdreich zu versenken, aus welchen sich wunderschöne violette Tulpen entwickeln (so gesehen gleich bei mir ums Eck, wobei ich mich natürlich frage, wer dafür verantwortlich zeichnete).

4. In Gemeinschaft pflanzen macht besonders Spaß. Dazu gehört nicht nur, Gleichgesinnte zu finden, welche sich an der Pflanzaktion beteiligen, sondern auch das Gespräch mit Anwohnern suchen. Machen Sie die Nachbarn zu Verbündeten und Mitwissern, oftmals werfen diese dann auch einen hilfreichen Blick auf das Gepflanzte und helfen mit, Zerstörung vorzubeugen.

5. Guerilla Gardening in Höchstvollendung, sozusagen 5-Sterne-Guerilla Gardening liegt dann vor, wenn Sie sich entscheiden, neue Nahrungsquellen für unsere kleinen Stadtbewohner namens Bienen, Schmetterlinge, Hummeln etc. zu schaffen. Nektarreiche Pflanzenkost wie Salbei, Astern oder Schafgarbe sehen nicht nur gut aus und duften herrlich, sondern dienen auch als wichtige Nahrungsquellen für unsere brummenden, summenden und flatternden Nachbarn.

6. Bei all der Freude und den guten Vorsätzen aber bitte eines nicht vergessen: Der vorgefundene Platz soll nachher schöner sein als vorher! Also Mist und Müll wieder wegräumen, aber das nur der Vollständigkeit halber.

So, ich sehe schon, ich habe Sie auf die dunkel(grüne) Seite der Macht gezogen. Das freut mich natürlich, schließlich ist Guerilla Gardening kein Verbrechen, sondern macht irrsinnig viel Freude. Und um Ihnen den Einstieg zu erleichtern, hier noch ein paar ganz nützliche Quellen für Ihre erfolgreiche Laufbahn als Untergrund-Gärtner. Da wären zum einen für alle Österreicher die Guerilla Gärtner ganz interessant, für Deutschland stehen mit Rat und Tat die Garten Piraten auf Grüne Welle zur Verfügung und wer es englischsprachig liebt, sollte sich auf dem Blog guerillagardening.org von Richard Reynolds einfach einmal umschauen.

In diesem Sinne kann ich Ihnen nur noch viel Erfolg wünschen beim Umgraben eines tristen Stückchens Erde für eine grünere Welt. Bleiben Sie mir gewogen.

Ihr grüner Guerillero oder, wie die allerbeste Ehefrau der Welt zu sagen pflegt, der grüne Gorilla Paul Bögle      

Wider den Voyeurismus

Montag, April 26th, 2010

Grün raubt einem die Sicht

auf die wirklich interessanten Dinge des Lebens. Es ist leider so! Kaum kommt der Frühling, das Frühjahr oder poetisch ausgedrückt, kaum ist der Lenz da, habe ich keine Freude mehr am Leben. Sie werden mich jetzt zurecht für einen Misanthropen halten, einen verbitterten alten unzufriedenen immer grantelnden ewig nörgelnden Menschen, dessen Freude am und im Leben nur darin besteht, den anderen jauchzenden Mitmenschen mit seinem Pessimismus, seiner tiefsten Schwarzseherei, seiner noch schwärzeren Schwarzmalerei und was weiß ich mit welch sonstigen dem seelischen Okkultismus vertrauten Dingen gehörig auf die Nerven zu gehen.

Recht haben Sie! Ich bin genau so, wie ich mich gerade beschrieben habe. Und was fast noch schlimmer ist: Ich bin auch noch stolz darauf! Und da ich ein freizügiger Mensch bin, lasse ich Sie sogleich an meinem Seelenleben teilhaben und werde Ihnen dezidiert erklären, warum der Frühling die allerschlimmste Jahreszeit überhaupt ist. Ich öffne Ihnen mein Herz, denn mit dieser Mördergrube kann und will ich nicht alleine leben. Ergo mache ich Sie zu Mitwissern und ich garantiere Ihnen, in spätestens zwei Minuten werde Sie sich nichts sehnlicher herbeiwünschen als einen ordentlichen Herbststurm, welcher sich gewaschen hat. Und für die ganz labilen Mitbürger sei jetzt angemerkt: Sollten Sie über die folgenden Zeilen hinauslesen, ziehen Sie sich warm an, denn Sie werden sich stante pede, also stehenden Fusses, selbst wenn Sie im Moment sitzen, den tiefsten Winter zurückwünschen. Ich werde Ihnen jetzt so einheizen, daß Sie unweigerlich Ihre Heizung auf die allerhöchste Stufe stellen, selbst wenn Ihnen der Schweiß in Sturzbächen vom lenzumnebelten Hirn rinnt.

Also, holen Sie sich Ihre Thermounterwäsche, vergessen Sie nicht drei Paar handgestrickte Socken, die Wollhaube legen Sie ebenfalls griffbereit neben Ihren Computer oder noch besser, ziehen Sie alles am besten sofort an! So, Sie sind soweit? Dann los!

Sie wollen wissen, warum der Frühling für jeden halbwegs vernünftigen Menschen das größte Übel ist? Dazu muß ich eines voranschicken: Ich bin ein leidenschaftlicher Voyeur. Ja, ich bin von solch voyeuristischer Natur, daß ich mich sogar selbst beobachte, wenn gerade niemand anderer zur Hand ist, welcher sich von mir beobachten ließe. Möglicherweise kennt die eine Leserin oder der andere Leser die wunderbare Geschichte Narziß und Goldmund von einem meiner Lieblinge schriftstellerischen Schaffens, dem großen Hermann Hesse. Wobei ich nun nicht meine Lebensgeschichte mit der jenes Protagonisten vergleichen möchte, nichts liegt mir ferner außer möglicherweise die Tatsache, daß ich mich ebenfalls auf solch gottlosen Wanderspfaden befinde. Aber sei´s drum, das ist wieder ein anderes Kapitel und bedarf deswegen auch einer Erörterung an anderer Stelle. Weiterhin darf ich anmerken, daß ich auch mit Goldmund, jenem frommen Klosterjüngling, in etwa so viel gemein habe wie ein Radrennfahrer ohne Doping. Aber bitte nicht alles auf die Goldwaage legen, es gibt auch ehrliche Menschen, schauen Sie mein Spiegelbild an!

Alleine diese Verbindung von Voyeurismus und Narziß läßt mich frohlocken. Wie dieses, wird sich der Skeptiker unter Ihnen fragen? Es ist respektive war doch so, damals in der wunderbaren Zeit griechisch grauer perfider Vorzeit. Zugetragen hat sich die Geschichte in der Stadt Thespiai, idyllisch gelegen am Fuße des Berges Helikon, besser bekannt und berühmt als Wohnstätte der griechischen Musen. Und in besagte Stadt mit dem komplizierten Namen Thespiai lebte der noch kompliziertere Flußgott Kephisos, lüstern wie so viele Götter der griechischen Mythologie. Und wie es sich nun einmal für einen mächtigen Flußgott geziemt, war er mit allerlei mächtigen Werkzeugen bestückt, nicht was Ihnen nun schon wieder in den Sinn kommt, wobei das Ihnen gerade gedanklich nach vorne Drängende für alles weitere noch eine wesentliche Rolle spielt. Kephisos hatte, wie es vieler großer Flüsse Sitte ist, eine Unzahl an Mäandern, also Schlingen, Windungen und Wendungen, manch LeserIn wird dies wohl, zugegebenermaßen berechtigterweise, auch meinen Artikeln anlasten. Und infolge seiner unstillbaren potenzierten Gier oder andersherum gierigen Potenz stand ihm der wässrige Sinn nach Fleischlichem. Er vergewaltigte die Wassernymphe Leiriope oder auch Liriope und aus dieser Untat wurde Narkissos, andere sprechen von Narcissus, geboren.

Wie es weitergeht, wissen wohl die meisten. In den Metarmophosen von Ovid geht die Geschichte folgendermaßen weiter, Abwandlungen seien hierbei außer Betracht gelassen und werden explizit vernachlässigt, wobei hier vor allem auf die beiden Narziß-Deutungen von Pausanias sowie der Epitome von Photios verwiesen sei (siehe dazu z.B. Wurzeln und Entwicklung des Mythos des Narziß). Narziss war ein selbstverliebter junger Mann, zumindest wird diese Interpretation auch in unserer Gegenwart der tragischen Gestalt des Narziss oftmals vertreten. Doch war Narziss dies wirklich oder müssen wir tiefer graben? Nein, liebe LeserInnen, dies möchte ich Ihnen für heute ersparen, aber zumindest muß ich mir diesen Langweiler gleich einmal für spätere Zeiten notieren, denn nur wer schreibt, der bleibt. Machen wir es also kurz und geben wir die Worte seiner Mutter Leiriope wieder, welche sie an den Seher Teiresias (Tiresias) richtete, um zu erfahren, ob ihrem Sohn ein langes Leben vorausbestimmt sei.

Teiresias bejahte diese Frage, allerdings mit der im weiteren Verlauf fatalen Einschränkung: “…, si se non noverit” (“Wird sich selbst er nicht schauen!”). Also Narziss sei nur unter der Voraussetzung ein langes Leben bestimmt, solange er sich selbst fremd bleibt. Diese auf den ersten Blick enigmatische Erklärung des Teiresias gewinnt allerdings bald an Schärfe. Die Liebe sowohl der Bergnymphe Echo als auch seines Verehrers Ameinios zurückweisend straft ihn Nemesis mit nicht zu zähmender Selbstverliebheit, Narziss verliebt sich in sich selbst, in sein eigenes Spiegelbild, welches ihm aus dem Wasser entgegenblickt. Diese Unmöglichkeit einer unerfüllbaren Liebe erkennend bringt sich Narziss um, das Blut des Narziss wiederum bringt eine Narzisse an dieser Stelle zum Blühen.

So, ich sehe schon, die ersten meiner LeserInnen sind wieder einmal sanft entschlafen. Es scheint, ich habe wie so oft die Kurve wieder nicht gekriegt! Aber selbst ich muß nun erst nach oben scrollen, um den Ausgangspunkt meiner Erzählung wieder zu finden und muß ernsthaft überlegen, diesen nun in einen sinnvollen Kontext zu bekommen. Dann rollen wir, nachdem wir das Scrollen erfolgreich beendet haben, natürlich meine ich dabei in erster Linie mich selbst, schließlich habe ich in meiner Selbstverliebtheit, um nicht sogar von Selbstvergessenheit zu sprechen, den Stein ins Rollen gebracht. Wussten Sie eigentlich, wenn wir uns schon einmal mitten in der griechischen Sagenwelt befinden, daß Sisyphos dieses Problem mit dem rollenden Stein jeden Tag hatte? Nein, vergessen Sie es, auch meine Verschlagenheit hat ihre Grenzen, ganz im Gegensatz zu jener des schon erwähnten Sisyphos.

Nun, also die Verbindung, ja diese Verbindung von Narziss und meinem Voyeurismus, wie soll ich jetzt sagen, wo soll ich denn beginnen? Also, irgendwie fehlt mir im Moment der rote Faden. Apropos roter Faden, wer weiß eigentlich, woher dieser sprichwörtliche rote Faden zum ersten Male Verwendung fand? Ein kleiner Tipp von meinem selbstverliebten Alter Ego, jenem unverzichtbaren Bestandteil meines zwei-, drei- und vielfach gespaltenen Charakters, es hat etwas mit, ob Sie es nun glauben oder nicht, der griechischen Mythologie zu tun. Und zwar hatte sich Theseus so im Labyrinth von Knossos verirrt, die näheren Umstände lassen wir außen vor, daß er vor lauter Verzweiflung schon den Minotaurus um Rat fragen wollte. Dieser jedoch war dem Theseus, auch hier beleuchten wir nicht die näheren Umstände, so feindlich gesinnt, daß er ihn umbringen wollte. Nun gut, kurze Rede, langer Sinn: Theseus tötete den Minotaurus und mit Hilfe eines Garnknäuels, dem roten Faden, welchen ich anscheinend  verloren habe, übrigens ein Geschenk von Ariadne, deshalb auch als Ariadnefaden bezeichnet, nicht an mich, sondern an Theseus, fand er den Ausgang aus dem Labyrinth, im Gegensatz zu mir.

Also fange ich jetzt noch einmal von vorne an. Ausgangspunkt meiner Irrfahrt war, soweit ich mich erinnern kann, aber berichtigen Sie mich bitte, mein Voyeurismus und warum der Frühling dem entgegenwirkt. Apropos Irrfahrt, wussten Sie eigentlich, daß es für dieses Wort auch das Synonym Odyssee gibt. Ja, und Sie werden es nicht für möglich halten, geprägt hat diesen Begriff wahrscheinlich der Dichter Homer. Und jetzt halten Sie sich bitte fest, denn unglaublicherweise kommt dieser aus Griechenland und es wird, besonderes Augenmerk sei hierbei auf die Gesänge neun bis zwölf dieses Epos gerichtet, die Geschichte des in der griechischen Mythologie so wohl bekannten Helden Odysseus erzählt, die bereits erwähnten Gesänge berichten hierbei insbesondere von seinen Irrfahrten und Abenteuern, welche er nach Ende des Trojanischen Krieges bestehen musste. Wer nun langsam am Verzweifeln ist, wann meine Irrfahrt eine Ende findet, der irrt, wenn er glaubt, dieser Zeitpunkt sei nun erreicht.

Wissen Sie was? Ich lasse es jetzt bleiben. Ich komme einfach auf keinen grünen Zweig. Denn genau diese sind es, welche mir jedes Jahr pünktlich dann, wenn alles sprießt, mein voyeuristisches Leben so unendlich schwer machen. Stellen Sie sich doch bitte folgende Situation vor. Ich warte also wie so oft auf die Schnellbahn, welche meinen von der kommenden Arbeit bereits im Vorhinein schon ausgemergelten und vollkommen geschwächten Körper in die vorgegebene Richtung bringen soll. Der Puls jetzt schon schwach, die auf mich zukommenden Aufgaben drücken schwer wie das Himmelszelt auf die Schultern des Titanen Atlas, übrigens kommt Atlas in der griechischen Mythologie vor, aber dies sei nur am Rande erwähnt, so harre ich der Dinge, die da kommen. Ich sitze also auf einer kleinen Bank, die im Gegenlicht der frühlingshaften Sonne verführerisch glitzernden Gleise der Bahn unsichtbar ins Nirgendwo führend, und warte.

Gegenüber, vielleicht 100, mögen es 150 Meter sein, befindet sich ein angrenzender Sportplatz. Und auf dem wird dem runden Leder nachgejagt, besonders am Wochenende kämpfen dort 44 Beine mit unbändigem Siegeswillen um Ruhm, Ehre und möglicherweise auch ein paar Euro Siegesprämie. Und da ich weiß, daß solch ein Zuschauen meist die unangenehmen Folgen eines Eintrittgeldes nach sich zieht, freue ich mich jedes Mal, ob meines hervorragenden Sitzplatzes sozusagen schwarz zu schauen. Ich freue mich also immer schon diebisch, gratis, kostenlos und völlig umsonst am Spiele zweier Mannschaften teilzuhaben, von denen ich allerdings nicht einmal weiß, wer sich hier mit sportlichen Mitteln misst. Aber dies stellt für mich kein Problem dar, alleine die Gewissheit, um das Eintrittgeld herumzukommen, beflügelt mich, mich schon Stunden vorher auf meinem angestammten Platz niederzulassen, perfiderweise die allerbeste Ehefrau im Glauben lassend, ich sei unabkömmlich in meinem Arbeitsbereich.

So sitze ich also bereits am frühen Morgen an der Schnellbahn, Züge rauschen im Minutentakt an mir vorüber, Schulkinder begrüßen mich und geben mir ihr Pausenbrot, selbstverständlich gegen Bares, alte Frauen beschimpfen mich als sittenlosen Lüstling, die zwanglos vorbeischauenden Polizisten schauen sich meinen Personalausweis nur noch gelangweilt an, die Welt ist vollkommen im Lot, sie dreht sich, sie dreht sich um mich. Doch mit jedem Tag wird es schwieriger, mit jedem Tag lassen die wärmenden Strahlen der Frühlingssonne Blatt für Blatt an den vom Winter so entzückend kahlen Ästen sprießen. Die Natur sabotiert mich, wo es geht. Anfangs lassen noch ausreichend große Löcher die Sicht auf den Fußballplatz zu, doch das Drama nimmt seinen Lauf. Was bitte ist die griechische Tragödie gegen die erbarmungslose Bestie Natur? Nichts, rein gar nichts!

Gestern war es dann soweit. Ich wusste, die Zeit drängt. So verließ ich bereits um 4:39 Uhr mein trautes Heim, Dienstbeginn ist üblicherweise um 18:00 Uhr, meiner Frau erzählte ich etwas von dringend, besonders eilig und von unglücklichem Unglück und katastrophaler Katastrophe, quasi die Welt ist ohne mich verloren und ich bin unabkömmlich und so weiter. Schuldbewußt nahm ich meine Habseligkeiten, senkte meinen Blick und schlich aus dem Haus. Einzig die allerbeste Tochter war sich der Tragweite meiner Verantwortung bewußt, denn sie sagte im Vorbeigehen: “Das Leben ist kein Spiel!” ”Weise Worte”, dachte ich bei mir und tastete mich durch die finstere Nacht.

So saß ich auf meiner Bank, der erste Frühzug im fortgeschrittenen Frühling spuckte verschlafene Gestalten aus, mürrisch und mißmutig, keine Spur von spielerischer Leichtigkeit. Ich saß und saß, die Sonne tauchte den Morgen in ein zartes Licht, die Silhouetten der Bäume erwuchsen aus dem Dunkel, Blatt für Blatt zeichnete sich gegen den pastellfarbenen Himmel ab. Und dann sah ich: Nichts! Die letzte Bastion war gefallen, hinter einem dichten grünen Blätterwald, einem undurchdringlichen Vorhang aus grausamen ekelhaft grünen Blättern. Mein heiß geliebter Sportplatz war nun endgültig meinen Blicken entschwunden, kein noch so kleiner Grashalm lustwandelte vor meinem sportbegeisterten Auge, die weißen Kreidemarkierungen der heiligen Strafräume ließen sich nur noch erahnen, die formvollendeten Elfmeterpunkte schimmerten verschwommen im Nirwana aus grüner Bestialität, nicht einmal mehr die tapfer gegen den Frühling ankämpfenden Torstangen boten mir ihren täglichen Gruß. Alles war weg, verschwunden hinter diesem ekelhaften frischen Frühlingsgrün, praktisch zubetoniert von Mutter Natur. Ich kramte in sämtlichen Taschen, von Kleingeld, ganz zu schweigen von Großgeld, keine Spur, alles verflüchtigt im Tausch gegen Vollkornbrot mit Nutella. 

Ich hasse den Frühling! Wie liebe ich den Winter! Da habe ich freie Sicht auf meinen heißgeliebten Sportplatz. Jetzt müsste ich nur noch die ganzen Fußballspieler dazu bringen, daß sie im Winter Fußball spielen. Wer braucht schon eine Winterpause? Die sollen lieber eine ordentliche Frühlingspause einführen. Dann wäre allen gedient, besonders mir. Ich könnte mich wieder einmal ordentlich ausschlafen. Gerade im Frühjahr überkommt mich immer so eine Müdigkeit, geradezu eine Frühjahrsmüdigkeit. Ich habe es bis dato noch nicht durchschaut, dieses Phänomen Frühjahrsmüdigkeit, phänomenal, dieses Phänomen. Pünktlich am 01.01. beginnt diese Frühjahrmüdigkeit, begleitet mich wie ein roter Faden, Sie wissen schon, Ariadne läßt grüßen, und punktgenau am 31.12. beendet sie ihren Dienst, um aber sogleich am 01.01. wieder ihr Stelldichein zu geben. Es ist zum Verzweifeln, zum Heulen, leider bin ich dazu zu müde.   

So sitze ich also wieder auf unserer Terrasse, vereint mit Frau und Kind. Und wissen Sie was? Ich sehe nicht einmal mehr in Nachbar´s Garten vor lauter Blumen und Büschen. Aber nächstes Jahr wird alles anders, da pflanze ich überhaupt nichts mehr in unserem Garten, nun gut, möglicherweise ein paar Blumen, vielleicht noch den einen oder anderen Strauch, abgesehen von den Kletterrosen, aber die wollte ich sowieso schon lange. Ach ja, und eine weitere Clematis würde sich beim wilden Wein ganz gut machen, allerdings nur mit dem Geißblatt, welches ich bereits vor zwei Jahren gesetzt habe. Schade, daß die Forsythie ihre gelben Blätter schon verliert, aber dafür werden die Pfingsrosen heuer besonders schön, ganz abgesehen von den türkischen Lilien, die scheinen ziemlich üppig werden, ich muß aufpassen, daß ich den Überblick nicht verliere. Das mit dem Duftrasen war übrigens auch eine gute Idee, wer kann schon römische Laufkamille sein eigen nennen?

So hat sich also wieder ein neuer Frühling in unser Land geschlichen, hat sich unmerklich breit gemacht und schwingt mit leisen grünen herrlich duftenden summenden bunten flatternden schwingenden wohlig warmen Lebensgeistern über uns. Und unter uns, so nebenbei bemerkt. Winston Churchill hat wahrscheinlich niemals sein legendäres “No Sports!” gesagt, aber sollte er es gesagt haben, kann ich ihn nur dazu beglückwünschen. Bin ich vollkommen einer Meinung. Und sollten diesen kryptischen Spruch bereits die alten Griechen geprägt haben, ja dann liebe ich die griechische Mythologie noch ein kleines bißchen mehr als ich es ohnehin schon tue. Aber das wissen Sie bereits.         

Der illegale Einwanderer G.

Donnerstag, Oktober 29th, 2009

Wenn Sie wüssten, daß ich weiß, was viele nicht wissen ! Ja,  sehr verehrte Leserschaft, ich bin sozusagen ein Wissender, natürlich nicht immer, wenn ich etwas nicht so ganz genau weiß, bin ich dementsprechend nur ein Halbwissender und wenn ich von irgendetwas überhaupt keine Ahnung habe, bin ich ein Unwissender, umgangssprachlich auch als Mensch bezeichnet. Sie könnten nun natürlich, zugegeben berechtigterweise, entgegnen, bei meiner Art organischen Lebens handelt es sich doch wohl immer um einen von dieser ominösen Sorte gebündelter Unwissenheit, also quasi Menschen. Nun gut, will ich nicht abstreiten, bin eben auch ich ein Unwissender, aber ein wissender, also ein wissender Unwissender, aber einer mit viel Halbwissen. Fassen wir zusammen: Ich bin also ein wissender Unwissender mit viel Halbwissen !

Aha, Sie sagen, dieses wussten Sie schon. Aber das würde ja bedeuten, daß Sie bereits wussten, daß ich weiß, was viele nicht wissen. “Well roared, lion !”  Sie wissen schon, jenes stadt-, land- und weltbekannte “Gut gebrüllt, Löwe !”, welches Demetrius von Shakespeare in dessen Stück “Ein Sommernachtstraum” ( Fünfter Aufzug, erste Szene) in dessen Mund gelegt wird. Aber wir wollen nicht weiter über Shakespeare reden, wobei, über Shakespeare gäbe es immer etwas zu reden, aber jetzt muß ich mir selber Einhalt gebieten, sonst ufert das Ganze wieder einmal aus. Und so schneide ich mir deshalb selbst das geschriebene Wort ab und zitiere “O schweig still …”,  aus der komischen Oper Les Dragons de Villars (Das Glöckchen des Eremiten)von Louis Aimé Maillart(Uraufführung 1856). Wenn ich jetzt nicht schön langsam die Kurve kriege, schieße ich wieder ungebremst über das Ziel des heutigen Tages hinaus, denn eigentlich war doch unser Thema “Der illegale Einwanderer G.” Aber man, oder in diesem Falle ich, mache es mir eben nicht leicht, wenn einen, also schon wieder mich, die Muse küsst.

Sie schreien schon wieder: “Halt, stopp, welche Muse bitteschön ?” Ich sehe schon, ich habe mir mit Ihnen nicht nur einen ebenbürtigen Gegner, sondern einen mir in allen Belangen überlegenen Kontrahenten ausgewählt. Aber sie haben selbstverständlich recht, wenn ein Unwissender mit seinem Halbwissen prahlen will, sollte er sich gut überlegen, was er so von sich gibt. Also gut, ich präzisiere. Aber bevor ich dieses tue, muß ich natürlich erst einmal gut überlegen. Von welcher Muse soll ich mich küssen lassen ? Da muß ich jetzt eines voranschicken. Sie sollen nicht glauben, daß ich ein gieriger Hund bin, ganz im Gegenteil, ich bin Sportsmann durch und durch.

Ich liebe den Sport, egal welche Sportart, ich kenne mich überall aus, zumindest halbwegs, sozusagen kann ich mit meinem berühmten Halbwissen glänzen. Fragen Sie mich über Fußball und ich sage Ihnen auf den Kopf zu: “Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten !” Sie wollen etwas über Eishockey wissen ? Eine meiner Lieblingssportarten, da kann es nur eine Antwort geben: ” Der Puck ist rund, so halbwegs und das Spiel dauert 60 Minuten, netto, wie wir Fachmänner zu sagen pflegen !” Sie haben eine unbeantwortete Frage zum Kegeln oder besser gesagt Bowling, wie wir Experten ohne mit der Wimper zu zucken diesen Sport bezeichnen, welche Ihnen bisher noch kein Mensch beantworten konnte. Egal, welche Frage sie nun an mich richten, die Antwort kann nur lauten: “Alle Neune !”

Apropos alle Neune. Da kann ich jetzt wieder nahtlos an die Muse anknüpfen, welche mich bisher immer noch nicht geküsst hat. Oder nein, geküsst hat sie mich schon, aber sie wissen immer noch nicht, welche dieser  Töchter des Zeus und der Mnemosyne mich mit ihrem Liebesbeweis umgarnt hat. Ich habe mich Ihnen gegenüber immer noch nicht erklärt. Als Sportsmann würde ich natürlich am liebsten alle neun Töchter haben, wie sie von Hesiod in seiner Theogonie beschrieben wurden. Geht aber nicht, ich bin zwar ein Extremsportler, aber eben ein verheirateter Extremsportler, soll heißen, sollte mich mehr als eine der Liebreizenden küssen, würde mich mit Sicherheit der Hufschlag des geflügelten Musenrosses Pegasus in Gestalt meiner liebsten Ehefrau vom Olymp der glücklich verheirateten Ehe-Götter stoßen. Gut, aber zumindest einen dicken Schmatz werde ich mir genehmigen, bleibt aber unter uns Wissenden, es reicht, wenn wir das wissen, meine Frau braucht das nicht unbedingt zu wissen. Aber welche nehme ich mir denn, wer soll die Auserwählte, oder sollte ich besser Auserquälte sagen, sein.

Wissen Sie was, ich lasse sie noch ein Weilchen im Unklaren, warum soll andauernd ich den Unwissenden spielen. Spielen, richtig, da fällt mir auch noch eine Kleinigkeit ein. Obwohl, wir wollten uns eigentlich über den illegalen Einwanderer G. unterhalten, aber eines nach dem anderen. Also spielen, unlängst spielte es wieder einmal, nein, wieder ist vollkommen falsch, denn so oft spielt es Goethe dann auch wieder nicht im Fernsehen, nun gut, unlängst spielte es Iphigenie auf Tauris. Nun gut, dieses nur so am Rande, aber kennen Sie eigentlich auch von Johann Wolfgang von Goethe den Epos Hermann und Dorothea ? Nein, o.k., soll so sein, man kann schließlich nicht alles wissen geschweige denn kennen. Naja, auf jeden Fall handelt es sich hierbei um ein Werk, welches in neun Kapitel gegliedert ist, Sie merken sicherlich schon, auf was ich hinaus will. Und jedes dieser Kapitel trägt einen Namen jener neun Musen, von denen Sie bisher immer noch nicht wissen, welche mich geküsst hat.

So, ich würde sagen, Sie haben nun lange genug gelitten, lüften wir das Geheimnis. Also, der Name der Muse ist …. . Bummm, ratatatatatatat, eine Salve hat mich hingestreckt, ein rachsüchtiger Leser, dem dies alles zu viel geworden ist, hat mich gemeuchelt. Röchelnd will ich mein Geheimnis preisgeben, Sie wissen schon, wie in diesen guten alten Spionagefilmen, aber mit letzter Kraft gelingt es mir gerade noch, ein allerletztes “Entschuldigung, aber wie spät ist es eigentlich ?” zu stöhnen, zu mehr reicht es leider nicht mehr. Liebevoll entgegnen Sie: ” 17.32 Uhr !”. Und mit wirklich aller-, aber wirklich allerletzter Kraft blicke ich Sie mit dankbaren Augen an und kann nur noch hervorpressen: “Sommerzeit oder Winterzeit ?”, bevor ich Ihnen mein großes Geheimnis anvertrauen kann und mit demselben von Ihnen gehe. Ihre Uhr würde mir übrigens auch sehr gut gefallen, aber dafür ist es leider zu spät. Der Kalauer ist wirklich nicht schlecht.

Wir schreiben das Jahr 2023, es ist 13.17 Uhr. In einer wundersamen Rettungsaktion wurde ich wieder zum Leben erweckt, nach schier endlosen Jahren des Hoffens und Bangens, des Wartens und Betens kehre ich zurück. Für alle, die sich nicht mehr erinnern können. Ich wurde im Jahre 2009 hinterrücks von einem heimtückischen Meuchelmörder niedergestreckt und jetzt bin ich nur noch von unstillbaren Rachegelüsten getrieben. Unerkannt und mit neuen Papieren, ich heiße jetzt Graf von Monte Christo, will ich meinen Widersacher finden und ihn zur Rechenschaft ziehen. Gut, eigentlich wollte ich Ihnen etwas über den illegalen Einwanderer G. erzählen, aber das muß jetzt einfach warten.

Ach ja, und Hermann und Dorothea warten schließlich auch noch. So, dann machen wir das mit den beiden von Goethe ins Leben Gerufenen eben im Schnelldurchlauf. Ich will deshalb nicht alle neun Kapitel besprechen, sondern wir nehmen einfach Kapitel Nummer…. . Bummm, ratatatatatatat. Nein, war ein Scherz, ich bin nicht schon wieder hingemeuchelt. Aller guten Dinge sind drei und deshalb also Kapitel Nummer drei. Dieser Teil trägt den Namen Thalia Die Bürger. Ich nehme mir ganz zufällig eine Textpassage heraus, mal sehen, welche nehme ich mir denn ? Ja, die gefällt mir sehr gut, denn sie passt inhaltlich ausgezeichnet in die Kategorie Garten dieses Blogs:

So war mein Garten auch in der ganzen Gegend berühmt, und
Jeder Reisende stand und sah durch die roten Staketen
Nach den Bettlern von Stein und nach den farbigen Zwergen.

Wenn ich nicht bald auf den illegalen Einwanderer G. zu sprechen komme, ist dieser entweder schon eingebürgert oder es macht zum dritten Mal Bummm, ratatatatatatat, aber aller guten Dinge sind bekanntermaßen ebenso viele. Aber wer zwischen den Zeilen zu lesen vermag, wird die Lösung schon gefunden haben. Laut Reisepass, eine Kopie wurde mir auf dunklen Kanälen von der Einwanderungsbehörde zugespielt, handelt es hierbei um einen Immigranten mit dem geheimnisvoll klingenden Namen ” Nanus hortorum vulgaris “. Meine staatsbürgerliche Pflicht macht es darüberhinaus notwendig, einen Zivilfahnder bei seinem letzten großen Fang zu zeigen. Das Fahndungsfoto, der Fahnder ist übrigens derjenige rechts im Bild, glaube ich zumindest, ich kann mich aber auch täuschen, Sie wissen, mein sagenhaftes Nichtwissen macht sich permanent bemerkbar , soll in Zukunft helfen, allen illegal nach Österreich eingereisten Verwandten und Bekannten von G. bzw. Einreisewilligen die Einreise und den Aufenthalt zu erschweren.

Eine kleine Bitte habe ich allerdings an Sie und ich hoffe, ich kann hier auf Ihre Verschwiegenheit hoffen. Das, was ich Ihnen jetzt sage, ist deshalb auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern muß wirklich unter uns bleiben. Wenn Sie sich also nicht strafbar machen und Ihr Gewissen nicht unnötig belasten wollen, dann bitte ich Sie, jetzt wegzuschauen. Also, es ist folgendes. Kommen sie ein bisschen näher zum Bildschirm, damit ich nicht so laut schreiben muß, es braucht schließlich nicht jeder hören, was ich Ihnen jetzt schreibe, Sie wissen, der Feind liest mit. Also, wenn Sie sich jetzt auf die Jagd nach illegal eingereisten Gartenzwergen machen, jetzt kann ich ja sagen, wie diese subversiven Objekte im Fachjargon heißen, dann suchen Sie bitte in unserem kleinen Garten nicht allzu genau. Es könnte sein, daß Sie dort auch den einen oder anderen Gartenzwerg finden werden. Und so ganz nebenbei, wenn sie einen gut dotierten Job suchen, ich kenne, natürlich rein zufällig, den Boss der größten Gartenzwerge-Schlepperbande, aber bitte, ich will nichts geschrieben haben. Wenn sie sich also auf mich berufen, ich werde alles abstreiten, wer will schon beweisen, daß ich das hier geschrieben habe.

Und zu guter Letzt: Sollte ich mit diesem Artikel zu Ihrer Unterhaltung beigetragen haben, die Muse der Unterhaltung heißt Thalia.       

 


Biosphären - Garten Eden nouveau

Freitag, Oktober 16th, 2009

Aus mir unerfindlichen Gründen bin ich wieder einmal gestolpert, also rein metaphorisch gesprochen. Es ist natürlich bildlich gesprochen, Sie wissen schon, wenn ich sage, ich bin ein Wüstenschiff, werden Sie sich denken, so ein Kamel und glücklicherweise haben beide Parteien recht. Und so ist es auch mit meiner metaphorischen Stolperei, wenn ich stolpere, bin ich nicht gestolpert, sondern ich bin auf etwas Interessantes aus scheinbar wahllos zusammengewürfelten Buchstaben gestossen, umgangssprachlich wird solch ein Konstrukt auch als Buch oder als neudeutsch e-book bezeichnet, je nachdem, in welcher Form diese Buchstabenketten vorliegt.

Meine heutige geistige Stolperfalle trägt den vielversprechenden Titel “Sevilla-Strategie“. Jetzt muß ich alle Fußballbegeisterten unter Ihnen bremsen, es handelt sich nicht um ein neues taktisches System des FC Sevilla, Sie wissen schon, einer dieser Konkurrenten dieser Außerirdischen, nein Überirdischen, oder waren es diese Galaktischen, Sie wissen, diese spanische Großbank, welche sich einen Spielball für 93 Millionen namens Christiano Ronaldo hält. Entschuldigung, meine Frau sagt mir gerade, das ist keine Großbank, sondern ein Fußballverein namens Real Madrid, aber das mit dem Spielball lasse ich jetzt einfach so stehen, denn die Sklaverei wurde meines Wissens schon lange abgeschafft, ergo kann dieser junge Mensch kein Sklave sein, sondern er spielt eben mit einem Ball, also ist er für mich auch ein Spielball, aber lassen wir das.

Aber nicht genug, die Sevilla-Strategie ist auch keine neue Eröffnung in der wohlgeordneten Mikro-Welt Schach, wer also gerne in den Kategorien schwarz-weißer zweidimensionaler Quadraturen denkt, auch diesen Leser muß ich vor den Kopf stossen, wieder einmal rein metaphorisch gedacht, aber leider hat die Sevilla-Strategie nichts mit Königsindisch, Damengambit oder der Benoni-Verteidigung zu tun.

1995 wurde in Sevilla eine Expertenkonferenz einberufen, welche die Ausarbeitung eines Papieres zum Ziel hatte, das Streben der Menschheit nach wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung in Einklang mit dem Schutz unserer biologischen Artenvielfalt zu bringen. Oder etwas weniger höflich gesagt: Wie können wir die Natur vor dem Menschen schützen, aber gleichzeitig den Menschen in diese kulturellen, ökologischen, wirtschaftlichen  und landschaftlichen Subsysteme integrieren ? Ein sinnvoller von der UNESCO bereits 1970 gedachter Ansatz dabei war die Errichtung sogenannter Biosphären-Reservate, deren grenzübergreifende Leitlinien eben 1995 in Sevilla ausgearbeitet wurden. Diese MAB-Programme, Man and Biosphere (Der Mensch und die Biosphäre), sind dabei regional begrenzte Gebiete, welche im Idealfall Meeres-, Küsten- und terrestrische Ökosysteme miteinander vereinen, um sowohl natürliche Interdependenzen der spezifischen Arten zu erhalten und wiederzubeleben als auch künstlich geschaffene Dependenzen und Beziehungen zwischen Natur und Mensch auf einer vernünftigen Ebene zu regulieren und für alle Partner einvernehmlich zu regeln.

Die Einführung dieser sogenannten Biosphären-Reservate erinnert mich in irgendeiner Weise an das 1999 verfilmte und titelgebenden James-Bond-Abenteuer “Die Welt ist nicht genug”. Aber wenn das Zusammenleben von Mensch und Natur nur noch anhand von Restriktionen, Richtlinien und Bestimmungen funktioniert, freue ich mich wenigstens an jeder erfolgreichen Fortsetzung. Und zu guter Letzt, wer sich noch ausführlicher mit dem UNESCO-Programm beschäftigen möchte, den schicke ich jetzt auf die Seite UNESCO-Biosphärenreservate. Und allen anderen wünsche ich eine “Gute Nacht”, also rein metaphorisch gesprochen und denken wir alle nicht nur in schwarz-weißen Kategorien, etwas Grün hat noch keinem geschadet, und dies meine ich jetzt nicht metaphorisch.

        

Abschied

Dienstag, September 22nd, 2009


Es scheint wieder einmal die Zeit gekommen, langsam Abschied zu nehmen. Wieder heißt es, sich von Vertrautem und Neuem zu trennen, leise Lebewohl zu sagen und zu hoffen, daß sich unsere Wege im nächsten Jahr auf wunderbare Weise wieder kreuzen werden. Träge, ja fast gelangweilt fliegt eine Biene an den letzten Farbtupfern vorbei, mißmutig summt sie sich ihren Weg in kleinen Kreisen auf der Suche nach letzten Resten von Blütenpollen, läßt sich für kurze Zeit nieder, um gleich darauf die durch die Sommermonate ausgezehrten Blütenstände zu verlassen und weiterzuziehen. Weit und breit keine summende, fliegende, brummende und hüpfende Konkurrenz, einer der letzten braun-gelben Mohikaner auf dem Weg in die ewigen Bienen-Jagdgründe.

Blätter fallen bedächtig, in teils konzentrischen, dann wieder wiegenden Bahnen lassen sich auf die von Rissen durchzogene Erde nieder, hauchen dem braunen Einerlei der abgeernteten Beete eine letzte Spur von Leben ein, bedecken das vor ein paar Wochen noch vor Kraft strotzende Erdreich mit Grün, Hellbraun, grün-gelb gesprenkelten Tupfern und mit vielerlei Rot- und Orangetönen. Es scheint, als schäme sich die Natur ihrer Verbrauchtheit, ihrer beginnenden Kraftlosigkeit, als wolle sie mit diesem bunt gefärbten Kleid all ihre Unzulänglichkeiten bedecken. Blatt um Blatt fällt, reißt leise erst kleine, dann immer größer werdende Löcher in Hecken, Stauden und Baumkronen, nagt mit scharfen Zähnen am zu Ende gehenden Sommer, um Platz zu machen für den dritten Regenten des ewig gleichen Kreislaufes namens Jahreszeiten.

Eine Spinne sitzt auf in der Spätsommersonne glitzernden hauchdünnen Fäden, im ruhigen Auge ihres Spinnennetz-Zyklons leistet sie keinen Widerstand gegen den unaufhaltsamen Lauf, als wüsste sie in ihrer Gelassenheit, daß ein Davonstehlen nicht in Frage kommt. Letzte Rosenkelche wenden ihre roten und weißen Augen der gelben bereits der Südhalbkugel zustrebenden Sonne zu, eine violette Clematis zeigt noch einmal in einer allerletzten, fast überirdischen Anstrengung all ihre Pracht, um sie zum Bleiben, zum Innehalten zu bewegen. Die warme Nachmittagsluft trägt beschwingt und heiter unsichtbare verführerische Düfte von Oregano, Rosmarin, Basilikum und Zitronenmelisse in alle Ecken und Winkel, ein Potpourri aus Aromen, ätherischen Düften und kurzlebigen würzigen Wellen und süßlichen Strömen.

Riesige Engelstrompeten lassen traurig ihre mit braunen Rändern gefärbten Instrumente hängen, ein welkes Orchester, welches sein kurzes Gastspiel für ein weitere Saison als beendet erklärt und doch zufrieden mit dem Applaus der Nachbarn aus Hibiskus, Petunien, dem von oben herabschauenden Sternjasmin und der selbst als für unschlagbar geltenden Duftkombo aus römischer Laufkamille, welche ihre Geheimnisse erst auf ausdrücklichen Wunsch preisgibt.

Der Abschied fällt schwer, aber er zeigt, wie schön all diese kleinen Tiere, Blüten, Blätter, Hölzer sowie Wind, Wasser und Sonnenlicht zusammenwirken. Also, auf ein Neues, auf ein noch bunteres, noch duftenderes und noch beschwingteres weiteres Jahr, vielleicht mit uns, vielleicht ohne uns, aber hoffentlich in uns.