Karibisches Abseits – Curacao, ABC-Insel unter XXL-Wind


Curacao – Zwischen süßem Barock und Bitterorangen

Willemstad Kanonen Handelskade

Der Kanonendonner ist lange schon verhallt auf der Handelskade von Willemstad.

Was, um dieses stürmische Wiedersehen gebührend zu feiern, ist eigentlich ein XXL-Wind? Nun, in diesem Fall soll die gewählte Wortwahl auf einen jener gefürchteten Hurrikans Bezug nehmen, welche sich in der sogenannten El Niño-Southern Oscillation (ENSO Warmphase mit warmem Wasser im Ostpazifik) zwischen Anfang Juni und Ende November ihren stürmischen Weg vom Atlantik kommend Richtung amerikanisches Festland bahnen. Eine richtig gute und enorm umfangreiche Seite zu diesem spannenden Thema bietet z.B. Thomas Sävert auf Naturgewalten.

Was kann ich Ihnen bieten? Nun ja, wohl eher den romantischen Aderlass der Karibik. Sicherlich mit ebenso stürmischer Begeisterung, aber etwas windstiller. Denn in Willemstad respektive auf ganz Curacao ist der Kanonendonner der Konquistadoren schon lange verhallt und der Pulverdampf in den Wirren der Geschichte verraucht.

Was hätte die Dom Rep, was Griechenland nicht hat?

Auch wenn die Dominikanische Republik samt ihrer lebendigen Hauptstadt Santo Domingo für einen Stopover durchaus ihre Reize besitzt. Wer massiv auf aktiven Individualurlaub setzt anstatt die passive Fleischesmasse in den Sand zu legen, wird in diesem Teil der Karibik mit rrrröstfrischfrittiertem touristischem Lebendfleisch und bis an die Schmerzgrenze menschgewordenem Massentourismus geradezu überwältigend überwälzt. Denn klarerweise kann die Dom. Rep. mit zahlreichen Billigangeboten glänzen.

Willemstad verträumte Postkartenidylle

Willemstad: Verträumte Postkartenidylle aus dem rechten Holz geschnitzt. Zum Steine erweichen.

 

Doch wer sich dann auch noch einsame Klasse All-inklusive am allseits einsamen Strand, idyllische Bungalows und eine intakte Umwelt inmitten einer auf Hochglanz polierten Endstation Sehnsucht – zumindest suggerieren dies die schönen Bilder der traumhaften Korallenriffs und himmelhochjauchzenden Kokospalmen der großen Reiseveranstalter – erwartet, sollte sich vielleicht doch nicht in den nächsten bummvollen Billigflieger schwingen, sondern kann dies auch mit wesentlich weniger zeitlichem Aufwand in der Türkei, Ägypten oder Griechenland genießen. Denn die Dominikanische Republik bietet rund um z.B. Punta Cana oder der Halbinsel Samana eigentlich nichts, was es in den genannten europäischen oder nordafrikanischen Raum auch gäbe. Außer vielleicht das karibische Flair. Doch dieses ist oftmals hinter den überdimensionierten All-Inklusive Hotelanlagen im Sonnenaufgang – schließlich befinden wir uns im östlichen Teil der Insel und können der untergehenden Sonne leider beim alltäglichen Verschwinden nicht zuschauen; der Aufgang wiederum ist allerdings aufgrund der zahlreichen Hotels auch nur peripher sichtbar – verschwunden.

Und für alle anderen gilt: Nicht enttäuscht sein! Die Karibik ist mittlerweile kein teuflisch unbeschriebenes Blatt und unbeschreiblich teures Pflaster mehr. Dass gerade dieser wichtige Aspekte in Zeiten erhöhter Terrorgefahr ein wesentlicher Beweggrund für viele ist, sei nur eine Notiz am Rande. Der unvermindert anhaltende Bauboom zeigt dies schonungslos. Allerdings nicht überall in der Karibik. Und die sind glücklicherweise noch teilweise aus ganz anderem Holz geschnitzt und schön zum Steiner erweichen.

Wo Bitterpomeranzen den lieben, langen Tag versüßen

Blue Curacao in allen Farben

Curacaos destillierter Exportschlager Blue Curacao macht heutzutage nicht nur in Blau blau, sondern schillert auch in anderen (Lebensmittel)Farben.

Deshalb also jetzt wieder zurück auf jene sehr friedliche Insel, die vielen nur als Herkunftsland des bekannten Orangenlikörs Blue Curacao bekannt ist. Wer jedoch selbst einmal auf dieser jener wenigen Inseln unter dem Wind – neben den drei zum venezolanischen Bundestaat „Neu-Sparta“ oder Nueva Esparta gehörenden Isla Margarita, Cubagua und Coche zählen noch die beiden kleinen Curacao-Schwestern Aruba und Bonaire dazu – weilt, wird nicht nur feststellen, dass diese Inseln unter dem Wind von gefürchteten Hurricans hier verschont bleiben und sich deshalb, da sich aufgrund der flachen Topografie von Curacao Wolken in Form von Stauregen wegen fehlender Geländeerhebungen nicht abregnen können, als ganzjähriges Reiseziel anbieten, sondern auch irgendwann mitbekommen, dass sich nur die wenigsten der ca. 150000 Einheimischen mit diesem blauen Gesöff aus den Schalen der Bitterpomeranze den lieben, langen Tag versüßen.

Nebenbei: Dass der Blue Curacao nur ein blaugefärbtes Destillat, hat sich mittlerweile auch schon geändert. Ob dem Likör blaue Lebensmittelfarbe zugesetzt wird oder nicht, spielt für den Geschmack eigentlich keine Rolle. Geschluckt wird der Blue Curacao mittlerweile auch in den Farben Rot, Grün, Orange oder was die Lebensmittelchemie eben so hergibt. Hauptsache er macht blau, der berühmte Blaue aus der Karibik, wenn er von den Zehntausenden hinuntergespült wird.

Willemstad – Bonbonniere der Karibik

Willemstad Ölraffinerie

Kein Postkartenidyll: Die Ölraffinerie von Willemstad hinter der Koningin Julianabrug.

Doch neben dem spülmaschinen- und trinkfesten Tourismus spielt und spült da eher schon der Schandfleck der Insel, die an ein venezolanisches Erdölkonsortium verpachtete Ölraffinerie, nicht minder verschmiertes Geld in die türkisblauen Kassen. Lassen wir für einen kurzen Moment unser Auge von der 56 Meter hohen Koningin Julianabrug – die Brücke überspannt die Sint Anna Baai und verbindet die beiden Stadtteile – nach links über die Bucht schweifen, können wir die zahlreichen stahlgewandeten Rohöltanks, rauchenden Schlote und rostrot angehauchten Pipelines entdecken, die so gar nicht zur karibischen Urlaubsidylle passen wollen sollen. Dass die Ölraffinerie deshalb auch auf keinem Postkartenidyll zu sehen ist, ist sicherlich ganz im Sinne des Tourismusmarketings. Will sie doch so gar nicht in das in die Welt transportierte Bild karibischer Romantik passen.

Willemstad Promenade Handelskade

Willemstad – Bonbonniere der Karibik

Dann lieber Augen in die andere Richtung und wir erblicken eine der wohl schönsten Häuserzeilen dies- und jenseits des Amerikanischen Mittelmeeres. Denn entlang der Handelskade präsentiert sich die Hauptstadt der größten der ABC-Inseln wie eine überdimensionierte Bonbonniere in zarten Farben und leuchtenden Tönen. Im niederländischen Barock empfängt uns Curacaos Hauptstadt und Weltkulturerbe namens Willemstad heiter freundlich und lässt seinen lieblichen Charme unter der karibischen Sonne und über einem oder zwei Heineken-Bier spielen. Und spülen!

Noordkant – Der wilde, wilde Westen der Karibik

Dushi Dushi Curacao

Alles Dushi, Dushi auf Curacao, alles schön in Willemstad.

Nichtsdestotrotz, zwischen Sand und Strand, Meer und Riff, Otrabanda und Punda (die beiden Stadtteile der Hauptstadt Willemstad) gibt es auch außerhalb des pittoresken Willemstad so einiges zu erkunden, was die zahlreichen Kreuzfahrttouristen auf ihrem fünfstündigen Landgang inmitten von Schuhgeschäften, zarter Damenunterwäsche, dem destillierten blaublütigen Blaumacher und dem allgegenwärtigen „Dushi, Dushi!“ leider nicht zu sehen und zu hören bekommen. Und hier in erster Linie so zu hören, dass teilweise schon das Hören und Sehen abhanden kommt.

Curacao: Shete Boka, Boka Tabla

Curacao: Shete Boka, Boka Tabla

Dazu müssen wir uns jedoch ins Auto setzen und den Noordkant im äußersten Norden von Curacao Richtung Westpunt ansteuern. Denn dort liegt der Shete Boka Nationalpark und tost ungestüm vor sich hin. Auch wenn die  – übersetzt – sieben Buchen auf dem Papier respektive Landkarte zum Baden einladen, bietet sich bei hautnahem Beschau doch ein ganz anderes Bild. Stürmische Brandung, brodelnde Gischt, tobende Wassermassen, welche unablässig gegen die Landmasse schlagen und eine unwirtlich unwirkliche Kalksteinlandschaften mit holprigen Schotterpisten, auf denen sich sonnenhungrige Echsen dem Sonnengebet hingeben.

Keine Spur von Bacardi-Atmosphäre, menschenleeren weißen Sandstränden und sanft sich wiegenden Palmen, die sich im blauen Wasser spiegeln. Kein Wunder, dass schon die spanischen Konquistadoren relativ schnell das Interesse an der Insel verloren. Was für uns jedoch nicht von weiter Belang sein soll. Schließlich wollen wir weder Nutzpflanzen anbauen noch nach Bodenschätzen suchen. Uns steht vielmehr der Sinn nach den wertvollen Naturelementen Erde, Wasser, Luft und Feuer. Und hier vor allem die ersten Drei. Irgendwie auch eine Art Blue Curacao. Benebelt die Sinne und macht trunken (vor Glück). Also rauschen wir ab und lassen’s ordentlich krachen bzw. lauschen dem Rauschen, bis uns vor lauter Krachen das leise Lachen in der Gischt erlischt.

Riskieren wir also einen Blick auf Curacaos wilde Seite und statten dem Shete Boka Nationalpark und seinen sieben Buchten einen Besuch ab.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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