Holunderblütenfrisch – Hollersirup selbstgemacht


Alles Holler, alles neu. Macht der Mai!

Hollersirup/Holunderblütensirup selbst herstellen

Hollersirup oder auch Holunderblütensirup selbst zu machen ist kein Hexenwerk. Holunderblüten, Zitronen, Zitronensäure, Zucker, Wasser und los geht’s!

Im Internet und Großmutters – mit zahlreichen handschriftlichen und für mich immer noch äußerst wertvollen Vermerken vollgekritzeltem – Kochbuch finden sich Unmengen von Rezepten und Anleitungen (wie z.B. auch meine Apfel-Quitten-Kiwi-Marmelade), wie selbstgemachter Hollersirup herzustellen ist. Ich möchte deshalb nicht den ultimativen und besten Hollersirup vorstellen, sondern eine einfache Anleitung an die Hand geben, wie sich der Wonnemonat Mai dank der zarten Holunderblüten noch ein Stückchen bzw. Gläschen mehr versüßen lässt. Und weil ich mich eben in Österreich in die (Holler)Büsche schlage, schreibe ich dementsprechend auch nicht vom Holunderblütensirup, sondern wie mir der rot-weiß-rote Schnabel gewachsen ist. Also vom Hollersirup. So, nun aber genug der Vorrede! Schreiten wir zur Tat und schlagen uns vorerst einmal in die besagten Büsche.

Und weil das Geschäft mit dem Kochlöffel und anderen Ingredienzien in erster Linie ein Pi mal Daumen Geschäft ist, soll es uns im Folgenden auch nicht auf jedes Gramm ankommen. Bei meinem selbstgemachten Hollersirup ist also nicht die Anzahl der verwendeten Holunderblüten, beigefügten Zitronenscheiben oder die Wassermenge das Salz in der Suppe, sondern soll hier nur als grobe Richtlinie dienen. Ich für meinen bescheidenen Teil rechne also auf einen Liter Wasser mit ca. zehn Holunderblüten, einer (Bio)-Zitrone, zwei Teelöffeln Zitronensäure und einem Kilo Zucker. Wie gesagt: Lassen Sie ruhig einmal Fünfe gerade sein und nehmen Sie es nicht so genau!

Nur geschüttelt, NICHT gewaschen!

Holunderblütensirup/Hollersirup selbstgemacht

Alles neu macht der (Wonnemonat) Mai: Die Zeit ist reif für Hollersirup/Holunderblütensirup!

Als Erstes benötigen wir selbstverständlich das, was bereits wortwörtlich im Hollersirup enthalten ist. Hollerblüten oder etwas sperriger Holunderblütendolden. Ich pflücke sie am liebsten an einem sonnigen Vormittag und möglichst dann, wenn es ein paar Tage vorher nicht geregnet hat. Denn dann kann ich mir sicher sein, dass der aromatische Blütenstaub nicht von den zarten Dolden gewaschen wurde. Wenn Sie das eine oder andere Insekt auf den Blüten erblicken, lassen Sie es am besten dort, wo Sie weilen. In der Küche haben Sie von Käfern nichts und die Käfer haben noch viel weniger von Ihrer Küche. Also schütteln Sie die Blütenstände sacht. Also ganz im Sinne von James Bond, dem wohl größten Küchenwaschlappen der neueren Küchengeschichte. Von mir aus rühren Sie die Dolden nach dem Schütteln auch noch. Aber bitte NICHT waschen. Sonst waschen wir gerade das in die Kanalisation, was uns später so vollmundigen Geschmack verspricht.

Zitronensäure – Natürlich nicht natürlich

Hollersirup: Zitronensäure zugeben

Im nächsten Schritt fügen wir pro 10 Holunderblütendolden ca. zwei Teelöffel Zitronensäure zu. Die Zitronensäure einfach über die Hollerblüten streuen.

Vorab entfernen wir noch die gröbsten Stiele und Blätter, weil diese leicht giftig sind und zu Magen-Darm-Beschwerden führen können. Und wer unter einer Pollenallergie leidet, sollte möglicherweise andere die Arbeit machen lassen und erst beim fertigen Hollersirup wieder handgreiflich werden. Im nächsten Schritt benötigen wir nun einen Zusatzstoff, der des Öfteren für Kontroversen sorgt. Gemeint ist die Zitronensäure. Denn dass diese nur dem Namen nach eine falsche Fährte Natürlichkeit verbindet, ist vielen von uns nicht bekannt.

Auf sich alleine gestellt hat das Säuerungsmittel und der Konservierungsstoff mit dem Kürzel E330 zwar keine gesundheitsschädliche Wirkung, doch etwa  in Verbindung mit Aluminium stellen sich möglicherweise noch ganz andere Probleme (siehe z.B. Zitronensäure – Eine gefährliche Täuschung) als nur ein sauer-lustiges Gesicht. Und dass Zitronensäure in Kombination mit Zucker die Kariesbildung vehement fördert, sollte hier ebenfalls nicht verschwiegen werden. Deshalb gilt auch für den hier vorgestellten Hollersirup: Gerade für Kinder bietet Mutter Natur zwar einige süße Dinge, doch auch hier macht’s die richtige Dosis.

Übrigens: Wer auf die Zitronensäure verzichten will, kann stattdessen auch Obstessig verwenden.

Nicht trennen soll der Mensch, was die Küchengötter zusammengefügt haben

Hollersirup: Blüten mit Zitronen bedecken

Hollersirup selbstgemacht: Damit die Holunderblüten später nicht auf dem Wasser schwimmen, werden diese mit (Bio)-Zitronenscheiben beschwert.

Doch bevor uns nun tatsächlich das Blut samt Aluminium ins Hirn steigt, wollen wir unseren Hollersirup für etwa zwei bis drei Tage ins Abseits stellen. Wir bestreuen nun also die Holunderblüten mit der Zitronensäure – ich nehme pro zehn Blütendolden zwei Teelöffel Zitronensäure – und dann beschweren wir die Blütenstände mit den gewaschenen Zitronenscheiben. Zum einen, um dem Holler einen fruchtig erfrischendes Aroma zu verleihen und andererseits dienen die Zitronenscheiben dazu, um den Holler unter das Wasser zu drücken. Auch hier habe ich mir zur Faustregel gemacht: Pro zehn Dolden eine ganze Zitrone. Jetzt gießen wir zum Abschluss frisches Wasser auf die Mischung. Ein Liter Wasser pro zehn Hollerblüten samt Zitronensäure und frischer Zitrone dürfen es schon sein.

Hollersirup: Blüten mit Wasser aufgießen

Nun gießen wir auf die Holunderblütendolden die entsprechende Menge Wasser. Pro 10 Dolden nehme ich einen Liter Wasser.

Und danach heißt es sich in Geduld üben. Denn die nächsten 48 bis 72 Stunden wollen wir die ganze Gemengelage nicht weiter stören. Mit einem Küchentuch bedeckt, damit der Sud auch richtig schön „atmen“ kann, lassen wir die Hollerblüten mit der sauren Gesellschaft nach Herzenslust Hochzeit feiern. Denn schließlich soll der Mensch nicht trennen, was die Küchengötter zusammengefügt haben. Selbstverständlich auch die Göttinnen.

Hollersirup – Jetzt geht’s ans Eingemachte

Hollersirup 2 Tage abdecken

Nun decken wir den Sud aus Wasser, Hollerblüten, Zitronen und Zitronensäure mit einem Tuch ab (damit der Hollersirup „atmen“ kann) und lassen ihn zwei bis drei Tage an einem kühlen Platz stehen.

Der große Tag ist gekommen! Die zwei bis drei Hochzeitsnächte sind vorbei, der Schleier wird gelüftet. Und siehe da! Wir haben zwar nicht Wein aus Wasser gemacht, doch vor uns in der Schüssel schwimmt jetzt eine ansehnliche Menge zart goldgelber Flüssigkeit. Die zudem auch noch äußerst gut riecht. Und schmeckt. Und, und, und. Doch ganz fertig sind wir immer noch nicht. Wir wollen schließlich in die Hollersirup Massenfertigung einsteigen und dazu müssen wir unseren Hollersirup erstens etwas aufpäppeln und des Weiteren ein bisschen haltbarer machen. Schließlich bewegen wir uns nicht im Hollerblüten-Hektoliter-Bereich geschweige wollen die ganzen schönen blumigen Liter auf einen Schlag in uns reinkübeln.

Gib dem Affen Zucker!

Hollersirup: Mit Sieb Sud von Holunderblüten trennen

Im nächsten Schritt trennen wir die für ca. zwei Tage im Wasser eingelegten Holunderblüten mit einem feinmaschigen Sieb oder einem Geschirrtuch vom Sud. Die Zitronen ebenfalls von den ausgepressten Blüten säubern und zusammen mit dem Sud in einen großen Topf geben.

Damit unser Wasser mit dem Holunderblütengeschmack auch noch in einigen Monaten seinen Dienst als Durstlöscher verrichten kann, kommt jetzt der heiße Teil der Arbeit. Denn unser Gemisch kommt auf die Streckbank bzw. wird mit dem Zucker aufgekocht. Wir fischen zuerst die Zitronenscheiben aus dem Sud, säubern diese von den Blüten und dann kommen diese in einen großen Kochtopf. Danach filtern wir den Sud durch ein feinmaschiges Sieb oder ein Küchentuch und pressen auch noch die letzten Tropfen Aroma aus den vollgesogenen Holunderblüten.

Hollersirup mit Zitronen aufkochen

Den Sud aus den Holunderblüten mit der gleichen Menge Zucker und den Zitronen ein paar Minuten aufkochen, um den Hollersirup haltbar zu machen.

Das Hollerblüten-Wasser wird nun zusammen mit den Zitronenscheiben und zu gleichen Teilen Zucker (also z.B. auf drei Liter Hollerblütenwasser kommen drei Kilo Zucker) zum Kochen gebracht. Unter ständigem leisem Rieseln wie Schnee wird dabei der Zucker in die Flüssigkeit eingerührt, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Zum Schluss wird das Ganze für ca. drei Minuten am Köcheln gehalten. Währenddessen können wir bereits beginnen, die Zitronenscheiben aus dem Sud zu fischen. Vorsichtig am Topfrand ausgepresst verleihen sie dem Hollersirup noch eine fruchtige Note, bevor sie ihren Dienst endgültig erfüllt haben.

Kalter Hollersirup für heiße Tage

Und dann haben wir eigentlich das Schlimmste hinter uns. Außer dass wir uns nun beim Abfüllen in die Glasflaschen oder Gläser noch furchtbar verbrennen können. Oder falls wir etwas danebenleeren, kann es natürlich auch passieren, dass nachher unsere Socken am Küchenboden kleben bleiben. Damit der Hollersirup auch nach einigen Monaten noch keinen Schimmel ansetzt, die Gläser bzw. Flaschen unbedingt keimfrei machen. Also z.B. im Backrohr für einige Minuten auf 120 Grad aufheizen. Jetzt schütten wir den Hollersirup in die vorbereiteten Gläser, verschrauben diese fest und lagern sie an einem kühlen, dunklen Ort ein.

Hollersirup in Gläser abfüllen

Und zum Schluss heißt es Hollersirup marsch! Den noch heißen Holunderblütensirup In Glasflaschen oder Gläser füllen, zumachen und dunkel und kühl aufbewahren. Und natürlich Schluck um Schluck genießen.

Und ein kleines bisschen Hollersirup lassen wir im Kochtopf. Schließlich haben wir uns nach dem ganzen Stress jetzt ein ordentliches Schlückchen verdient. Also je nach Lust und Laune mit vier bis sieben Teilen Wasser aufspritzen und runter mit dem Zeug, was das Zeug hält.

Und falls Sie noch ein paar Holunderblüten übrig haben. Nach vier Wochen in Essig eingelegt – egal ob Wein-, Obst- oder Apfelessig – haben Sie mit einem Holunderblütenessig etwas ganz Feines, was Ihrem Salat ein absolut gigantisches Aroma verleiht. Ein kleiner Tipp: Lassen Sie die Hollerblüten ruhig im Essig und seihen Sie diese nicht ab. Neben dem unwiderstehlichen Aroma verleihen die zarten Blüten dem Salat ein dekoratives Bild.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen