Santo Domingo: Die Dom Rep, das wahre Ei des Kolumbus?


Ein kleiner Abstecher nach Santo Domingo

Wer Curacao kennt respektive schon mit eigenen Augen gesehen hat, wird der Dominikanischen Republik vulgo Dom. Rep. (ja, im Urlaub ist die Zeit meist knapp und so verleitet schon das Urlaubsziel zu effektiven Abkürzungen) wahrscheinlich nur ein müdes Lächeln abgewinnen können. Und wer durch das kitschig schöne Willemstad gebummelt ist, wird vor den Toren Santo Domingos möglicherweise gleich wieder am liebsten umdrehen wollen. Wenngleich sich die älteste von europäischen Händen erbaute Stadt in der Neuen Welt mit vollem und volltönenden Namen Santo Domingo de Guzmán, die die Hauptstadt des östlichen Teils von Hispaniola ist – der Westen der Insel gehört zu Haiti – sicherlich für eine zweitägige Sightseeing-Tour durchaus einmal anbietet. Immerhin steht in der einstigen Stadt Kolumbus‘, im ehemaligen Ciudad Trujillo (benannt nach dem einstigen

Santo Domingo Dominikanische Republik

Weniger karibisches Flair, aber eine Kathedrale ohne Glockentürme bietet Santo Domingo, die Hauptstadt der Dominikanischen Republik.

Diktator Rafael Leónidas Trujillo y Molina) mit der Basilica Menor de la Virgen de La Anunciación die älteste Kathedrale Lateinamerikas, die, obwohl ein sakraler Monumentbau, über keinen einzigen Glockenturm verfügt.

Warum? Weil auch im 16. Jahrhundert schon der schnöde Mammon mehr lockte als sakrale Gotteswerkstätigkeit sprich viele der für den Kirchenbau tätigen Arbeiter machten sich lieber auf die Suche nach Gold als auf die Suche nach Gott und so blieb eben Gottes Werk liegen und Teufels Kirchenbeitrag drängte glanzvoll in den Vordergrund. Nicht unvollendet dagegen blieb die bereits 1538 gegründete Universität, die damit ebenso zu den ältesten Institutionen Amerikas zählt.

Wichtiger Umschlagplatz für die Ware Kreuzfahrttourismus

Santo Domingo Calle el Conde

Die Calle el Conde, sicherlich die bekannteste Flaniermeile und größte Einkaufsstraße in Santo Domingo.

Und auch die Altstadt mit der Hauptstraße Calle El Conde zwischen Kolumbusplatz mit einer Statue des Entdeckers – dessen Bruder Bartolomeo übrigens einer der Gründerväter der Stadt war – und Parque Independencia wartet mit einigen Shoppingtempeln und zahlreichen Straßenmalern auf. Dass Santo Domingo heutzutage zum Weltkulturerbe zählt, verdankt die Metropole sicherlich weniger diesen Attraktionen als vielmehr dem im spanischen Kolonialstil erbauten Palast Alcázar de Colón, der wiederum von Kolumbus Sohn Diego Colón 1514 errichtet wurde und bei einem Besuch im darin untergebrachten Vizeköniglichen Museum das Leben der damaligen Zeit zeigt. Ebenfalls einen Besuch lohnt die 1503 fertiggestellte Fortaleza Ozama, die mit dem Torre de Homenaje die Flussmündung des Flusses Ozama vor allzu neu-gierigen Blicken und die Stadt samt Hafen vor noch gierigeren französischen, englischen oder portugiesischen Freibeutern schützen sollte.

Santo Domingo Chinatown

Abseits der beleuchteten Einkaufsstraße Calle el Conde und Parque Colon glänzt Santo Domingo, die Hauptstadt der Dominikanischen Republik lange nicht so hell.

Auch wenn die Piraterie – zumindest in den karibischen Gewässern – heutzutage kein lohnendes Geschäft mehr ist, so geben sich doch tagtäglich die riesigen Kreuzfahrtschiffe die dieselbetriebenen Segeltücher in die Hand und so ist Santo Domingo zu einem der wichtigsten amerikanischen Umschlagplätze für die Ware Kreuzfahrttourismus geworden. Doch wehe, es verirrt sich die Eine oder der Andere in eines der Seitengässchen von Santo Domingo in der weniger hell beleuchteten Zona Colonial.

Keine funktionierende Stromversorgung bzw. Trinkwasser, Müllberge und übelriechende enge Gassen samt armseligen renovierungsbedürftigen Häusern, von denen der Putz mitsamt den Hoffnungen auf ein besseres Leben bröckelt, können nur schwer verschweigen, dass aus den schmucken Restaurants mit Blick über den Fluss und fröhlichen Merengue-Klängen und Salsa-Rhythmen an der Uferstraße Malecón der Takt nur für jene schlägt, die am nächsten Tag wieder fröhlich in See stechen. Wer vielleicht das Glück hatte, dass sich irgendjemand Santo Domingo: Sperrgebiet Zona Wifiaus dem fernen Europa oder etwas näheren Nordamerika für die gefälschten Sonnenbrillen oder echte Zigarren aus Kuba – ich habe mich selbstverständlich für die handgemachten einheimischen Marken entschieden und keinen Zug bereut – interessiert, kann sich zumindest wieder für ein paar Tage über Wasser halten. Für alle anderen gilt: Die Hoffnung stirbt leider nicht zuletzt. Einer, der bereits 1506 verstorben ist, davor aber mit so zahlreichen Hoffnungen das europäische Festland Richtung Indien verlassen hat, soll uns natürlich noch etwas beschäftigen.

Santo Domingo oder Sevilla: Das Ei des (toten) Kolumbus

Sevilla Andalusien Impressionen

Immer noch im Schatten von Barcelona und Madrid: Andalusiens Hauptstadt Sevilla bietet viel Licht und noch mehr Schatten im Gewirr der verwinkelten Gassen.

Und wer es so richtig hässlich (ok, alles ist Geschmackssache) mag, dem sei der Faro a Colón ans Herz gelegt. Neben dem dortigen Museum, hinter dem Eingangsbereich, dieses Leuchtturms von Kolumbus (Faro = Leuchtturm; Colon = Kolumbus) sind in einem Sarkophag auch die Gebeine von Christoph Kolumbus bestattet. Wäre für die Seefahrenden und Landratternden unter uns jetzt nicht unbedingt weltbewegend, wissen wir doch mittlerweile alle um Indiens Irrtum und Amerikas Wiederentdeckung. Wenn, ja wenn nicht auch Sevilla darauf besteht, die einzig wahren Gebeine des berühmtesten Seefahrers von Gottes Gnaden und vor allem Spaniens Königin Isabellas Gnadenbrot sein Eigen zu nennen.

Zwar verfügt die andalusische Hauptstadt nur über dürftige 150 Gramm des einst so stattlichen Seefahrers, aber besser der skelettierte Spatz in der Kathedrale als die flügge Taube auf dem Dach des Glockenturms. Sehr lehrreich und auch amüsant dazu vielleicht noch Christoph Kolumbus selig. Und etwas weniger amüsant, dafür umso spannender, darf ich noch als Reiselektüre „Das Fest des Ziegenbocks“ des peruanischen Ausnahmeschriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Mario Vargas Llosa mit auf den Weg geben, welches das Attentat auf den „Ziegenbock“, so der etwas seltsame Beiname mit anrüchigem Beigeschmack für den ruch- und skrupellosen Diktator Trujillo, beschreibt.

Wo Licht, da auch SchattenSanto Domingo: Tourismus schafft Armut

Und zum Abschluss vielleicht noch etwas. Wer glaubt, dass der moderne Tourismus eine ausgesprochene Wohltat für Länder wie z.B. die Dominikanische Republik sei und die einheimische Bevölkerung aufgrund des unkontrollierten Ausbaus von Tourismuszentren respektive solch wild wuchernden Tourismusmodellen uneingeschränkt profitiert, möge sich in einer ruhigen Minute einmal den Artikel Tourismus und menschliche Entwicklung – Erfahrungen aus der Dominikanischen Republik ans sonnige Gemüte führen. Denn es ist nicht alles eitel Wonne und Sonnenschein unter karibischen Sonnenschirmen.

Leider lernte auch ich selbst diese negativen Begleiterscheinungen in Santo Domingo kennen. Verdammen dürfen wir jedoch nicht jene, die sich selbst ein winzig kleines Stückchen dieses verführerischen Kuchens abschneiden möchten. Schließlich sind es hauptsächlich die Ärmsten, die unter den steigenden Touristenzahlen in den unpersönlichen und streng nach außen hermetisch abgeschirmten Bettenhochburgen zu leiden haben. Umweltverschmutzung, Landraub durch ausländische Investorengruppen, Privatisierung einst öffentlicher Strandabschnitte oder gebuchte Ausflugspakete ohne Einbeziehung der Bevölkerung bringen oftmals weder Nutzen noch Verbesserung. sondern sorgen vielmehr für eine fortschreitende Verschlechterung der bereits prekären Lage.

700 km südlich von Santo Domingo

Doch es hinterlässt begreiflicherweise schon einen leicht bitteren Nachgeschmack, wenn die Hilfsbereitschaft so schonungslos und teilweise auch schamlos ausgenutzt wird und betrügerische Aktivitäten Zweifel an der Gastfreundschaft der Menschen aufkommen lassen. Beim Geld hört sich zwar für mich nicht die Freundschaft auf, doch wenn sich an allen Ecken und Enden dieser Stadt letzten Endes nur alles um das dreht, was diesen Planeten seit Entdeckung der Neuen Welt und ihrer unermesslichen Goldfunde größtenteils am Leben erhält, wird über kurz oder lang das erwachende Misstrauen über die Bereitschaft zur Bekämpfung der allgegenwärtigen Missstände siegen. Dass dabei, und ich muss mich wiederholen, da selbst Leidtragender, mit mehr als unfeinen Methoden zu Werke gegangen wird, macht die Dom. Rep. – wie eingangs geschrieben  zu einer urlaubsparadiesischen Abkürzung, bei der ein längerer Aufenthalt leider

Curacao: Boka Wandomi im Shete BokaVerlassen wir jetzt also wieder sämtliche noch ungelegten Eier des Kolumbus und wechseln fliegend von den Großen zu den Kleinen Antillen. Denn sturmreif geschossene Missstände ganz anderer Art dagegen herrschen auf der rund 700 Kilometer südlich gelegenen Insel Curacao. Sozusagen höchst elendiglich paradiesische Miseren, die sich dort im karibischen Abseits auf Curacao, der bekanntesten der ABC-Inseln abspielen. In der Regel unter dem Wind, aber auch regelmäßig bei nicht ganz so windstillen Verhältnissen.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen