Curacao: Kein karibischer Kitsch rund um Willemstad


Multikulti beginnt auf Curacao mit der Sprache

Gut, lassen wir aber jetzt die Malaria im Strandkorb liegen und gönnen uns ein wenig Spaß. Denn den werden Sie auf Curacao definitiv finden. Wer sich allerdings die Insel im typisch karibischen Kitschlook erträumt hat, wird möglicherweise leise enttäuscht sein. Denn der

Curacao: Postkartenidylle an einsamen Stränden

So schön, dass es schon wieder kitschig ist. Die Karibikinsel Curacao lockt mit einsamen Stränden und türkisblauem Meer zum Schnorcheln und Relaxen.

autonome Teilstaat im Staate und Königreich der Niederlande, in dem neben der niederländischen Amtssprache vor allem Papiamentu, ein sprachliches Konglomerat aus Portugiesisch, Spanisch, niederländischen Versatzstücken und englischen Ergänzungen gesprochen wird, hat so gar nichts, was karibisches Flair auszeichnet.

Doch, hat die Insel schon. Aber nicht nur! Denn neben grandiosen Tauchspots und guten Surfplätzen findet man besonders im Norden des etwas mehr als 400 km² großen Eilandes noch verschwiegene Buchten und einigermaßen einsame Strände mit feinkörnigem weißen Korallensand. Wer möchte, kann natürlich auch solch modernen Freizeitaktivitäten wie Jet-Ski dröhnend frönen oder die Unterwasserwelt im Sea Aquarium in der Hauptstadt Willemstad durch dicke Glasscheiben bewundern.

Wahre Werte mit dem Antillen Gulden

Dushi Willemstad: Zuckersüßer Barock

Alles „Dushi!“ in Willemstad. Denn neben zuckersüßem Barock steht Dushi für nett und lieb und wer Dushi gerufen wird, dann ist Schätzchen gemeint.

Und wer genug hat von einsamer Zweisamkeit fernab von Jet-Ski und Jet-Set und zweigeteilter Einheitlichkeit – fast nirgends sonst im karibischen Raum ist der Übergang der himmlischen zu den wassergelösten Blautönen so fließend wie beim Blick zum grenzenlos wolkenlosen Horizont – kann bei einem Abstecher in die zuckersüße Hauptstadt dem Laissez-faire frönen, ohne sich dabei in übervolle U-Bahnen quetschen oder im angstvollen Hürdenlauf hupenden Autos beim Überqueren dicht befahrener Verkehrsadern ausweichen zu müssen.

Martinique: Karibisches Einkaufsparadies

Die verklärte Karibikinsel Martinique präsentiert sich nur auf den ersten Blick als französische Romanze.

Denn Curacaos Hauptstadt Willemstad hat sich zu einem der renommiertesten Einkaufsparadiese innerhalb des karibischen Raumes entwickelt. Wer hier z.B. als Vergleich das oligopolistisch organisierte System des französischen Überseedépartements Martinique mit dem Euro als Zahlungsmittel – bei verklappten Kreuzfahrerinnen und verkappten Kolonialisten immer noch als zollfreies Shopping-Paradies geschätzt – heranzieht, wird schnell feststellen, dass die Landeswährung Antillen-Gulden auch beim täglichen Gang durch die Supermärkte mehr in die Einkaufstaschen befördert als in dem 900 Kilometer nordöstlich gelegenen Teil der Europäischen Union, der in etwa doppelt so weit von Paris als von New York entfernt ist.

Karibischer Kitsch bleibt auf der Strecke

Willemstad (Curacao): Schwimmender Markt

Der schwimmende Markt in Willemstad ist ein Fest für den Gaumen und die Sinne.

Nur wenn die riesigen Kreuzfahrtschiffe für ein paar Stunden vor Anker gehen, sollte man die zuckersüße Metropole meiden. Denn mit den steigenden Besucherzahlen steigen auf geradezu wundersame Weise auch an manchen Plätzen die Preise. Zumindest solange, bis die Ankerketten in die andere Richtung, also nach oben rasselnd gezogen werden und wieder Ruhe einkehrt. Und dann wird das Gedränge am schwimmenden Markt auch wieder weniger und die Fische der venezolanischen Fischer, die mit ihren kleinen Booten vom südamerikanischen Festland herübertuckern, glotzen mit glasig toten Augen staunend auf die prall gefüllten Obst- und Gemüsekisten mit Süßkartoffeln, Bananen, Limetten, Papayas und auf duftende Gewürze.

Und plötzlich rücken der sehnlichst vermisste Reggae, leicht geschürzte Hula Hoop Tänzerinnen im lasziven Baströckchen, schattenspendende Palmenwälder oder kilometerlange Strände in den Hintergrund. Denn der typische karibische Kitsch und die postmortale Postkartenromantik – hier im Sinne von tödlich langweiliger Bettenburgen mit chlorierter Poollandschaft, All-Inklusive Badetuch-Sonnenliegenbesetzung und geradlinig asphaltierter Strandpromenaden gemeint – ist auf Curacao fehl am Platz. Ebenso wie, leider, jene Ölraffinerie.

Curacao, die „isla inútil“. Tatsächlich „nutzlose Insel“?

Ein rauchendes und bei ungünstigen Windverhältnissen nicht minder stinkendes Ungeheuer, das so gar nicht in die Kleinstadtidylle dieses Little Holland passen will und dem schweifenden Blick über den Gouverneurspalast am Fort Amsterdam hinweg über die seit 1888 im Dienst befindliche Königin-Emma-Brücke (die weltweit einzige schwimmende Holzbrücke wird auch als „Fährbrücke“ bezeichnet), hinein in die Einkaufsstraße Breedestraat mit der an der Uferpromenade Handelskade abschließenden kanariengelben Fassade des 1708 errichteten Penha-Gebäudes mit den typischen Glockengiebeln einen schalen Beigeschmack verpasst.

Willemstad: Queen Emma Bridge

Blick von der Pontonbrücke Königin Emma (Koningin Emmabrug): Curacaos Hauptstadt Willemstad bietet eine der schönsten Häuserfassaden im niederländischen Barockstil.

Und trotz alledem überwiegen heutzutage die schönen Momente auf dieser sogenannten „isla inútil“. Diese „nutzlose Insel“, wie die Spanier das Eiland aufgrund der fehlenden Boden- und Goldschätze Ende des späten 15. Jahrhunderts tauften und diesen Brückenpfeiler zwischen dem europäischen und südamerikanischen Festland bald wieder aufgaben. Aber damit auch fast gleichzeitig den Weg frei machten für die Niederländische Westindien-Kompanie mit ihrem unstillbaren Hunger nach Exportgütern wie Tabak, Baumwolle, Zuckerrohr für die alte Welt jenseits des Atlantiks. Und damit wurden auch dem Sklavenhandel Tür und Tor geöffnet. Dazu verweise ich jedoch auf den ersten Teil dieses Curacao-Berichtes mit dem Titel Curacao – Im karibischen Abseits von Sonne, Strand und Meer, der dieses Thema noch etwas eingehender aufgreift.

Der karibische Luftraum über Curacao

Curacao: Fauna und Flora der Karibikinsel

Grüner Leguan, Eidechsen, Flamingos oder Pelikane – die größte der ABC-Inseln Curacao bietet wenig Artenvielfalt, aber dafür einige farbenfrohe Exemplare.

Dafür lockt die Insel bei einsamen Wanderungen im Christoffelpark oder dem Shete Boka Nationalpark mit mageren Dornwäldern, mächtigen Sukkulenten inmitten felsiger, unfruchtbarer Ebenen und einer wilden Küstenlinie aus Vulkanlandschaft und Kalksteinterrassen. Auch wenn Flora und Fauna auf der Insel ein bisschen zu kurz kommen, wirken die Eindrücke dieser auf das Wesentliche reduzierten und in der farblichen Vielfalt minimalistischen Landschaft dafür umso eindrücklicher. Wer sich das nebenstehende Bild ein bisschen genauer betrachtet, wird möglicherweise ins Rätseln kommen.

Grund dafür sind die drei Pelikane unten rechts. Nicht, dass es diese gefiederten Gesellen auf Curacao nicht auch gäbe. Gibt es neben roten Flamingos (besonders zahlreich in der Jan Kok Baai), den Schreihälsen des St.-Thomas-Sittich, dem Baltimoretrupial (zumindest die Männchen stechen dank des leuchtend orangen Bauch- und Brustbereichs im Grün der Bäume auffällig hervor) oder die etwas seltsam dreinschauende Nacktaugentaube, die nur in Südamerika beheimatet ist. Doch leider präsentierten sich diese, also die Pelikane, immer dann besonders flügge fotogen, wenn ich entweder im Meer pflügte, in die falsche Richtung mit anderen fotogenen Dingen beschäftigt war, beschäftigungslos in die richtige Richtung blickte, aber die Kamera nicht bereit war oder ganz einfach zu langsam war. Das Foto wurde also nicht auf Curacao, sondern über der Flussmündung des Ozama in Santo Domingo aufgenommen. Soll keine wesentliche Rolle spielen, aber trotzdem nicht unerwähnt bleiben.

Wir tauschen die Plätze: Raus aus dem Königreich und rein in die Republik

Wer allerdings mit anderen Erwartungen – nein, nicht dass Sie keine Pelikane zu Gesicht bekommen, sondern allenthalben wackelnde Kokospalmblätter wedeln oder entblätterte wedelnde Hula Hoop Tänzerinnen wackeln sehen möchten – den wohlverdienten Karibikurlaub antritt, wird wahrscheinlich enttäuscht zurückkehren. Hier bieten sich andere und wohl auch günstigere Alternativen wie die mexikanische Karibikküste und natürlich die Dominikanische Republik an. Und in diese, genauer gesagt in die Hauptstadt und seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommene Santo Domingo wollen wir jetzt einen kleinen Abstecher machen, bevor wir uns auf die (Ab)Wege in den bereits angesprochenen Nationalpark Shete Boka (Sieben Buchten) wagen.

Santo Domingo: Abseits der Altstadt

Santo Domingo: Abseits von Calle Isabel La Católica und Calle Las Damas steht die Zeit noch etwas stiller als auf der bekannten Einkaufsstraße Calle El Conde.

Lassen wir also für einen kleinen Augenblick das karibische ABC aufgeschlagen vor uns liegen und schlagen wir stattdessen auf der bereits angesprochene Insel Hispaniola als Teil der Großen Antillen auf. Also auf oder inmitten und mitten rein in die Dominikanische Republik. Allerdings nicht in die bekannten Tourismus-Hochburgen Punta Cana, Playa Dorada, La Romana oder Samaná, sondern hinein ins Herz der pulsierenden Millionen-Metropole von Santo Domingo: Die Dom Rep, das wahre Ei des Kolumbus?


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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