Curacao – Im karibischen Abseits von Sonne, Strand und Meer


Wer an die Karibik denkt

… denkt gewöhnlich und einfach. Gewöhnlich an ungewohnt azurblaues, türkisfarbenes Meer samt einem Hauchvoll verschwörerisch himmlisch blauem Hintergrundrauschen. Einfach an endlos unglaublich weiße Strände und endlich unendlich romantische Sonnenuntergänge. Von frühmorgens bis spätabends natürlich. Zumindest was die Äquatornähe so abendhimmelebenmäßig eben so uhrzeitmäßig nach 18:00 Uhr noch einigermaßen stundenmäßig hergibt.

Curacao: Romantischer Sonnenuntergang

Karibischer Kitsch pur. Auf der ABC-Insel Curacao beschließen herrlich romantische Sonnenuntergänge die Tage an weißen Stränden und im türkisblauen Wasser.

An wogend wedelnde Palmenwipfel, Kokosnüsse so groß wie Tuba Dei, das imposant dröhnend tönende tönerne Toruńer Pendel-Pendant der Sigismund-Glocke der Wawel-Kathedrale zu Krakau. Leblos braun gebrannte Surfbretter, die sich zärtlich an zwei Handvoll lebendigen Sonnenbrand schmiegen und natürlich an den unverständlichen Gesang der Buckelwale um Mitternacht, wenn diese stockbesoffen aus der Karaoke-Bar Richtung heimische Laichgründe im Golf von Mexiko torkeln, nicht ohne vorher noch kräftig auf die Strandpromenade von La Romana zu reihern. Gut, Buckelwale laichen nach dem Reihern vielleicht nicht oder wenigstens nur sehr ungern, doch wer will dies schon so genau im Osten von Hispaniola wissen. Bleiben wir also beim eigentlichen Thema.

Karibisches ABC: Von Aruba über Bonaire bis Curacao

Curacao: Azurblaue Impressionen der Karibik

Urlaubsfeeling pur. Die Karibikinsel Curacao lockt mit malerischen Stränden und warmem Wasser in zahlreichen Blautönen.

Doch die unzähligen Inseln, die sich wie eine Tausende Kilometer lange Perlenreihe entlang des karibischen Bogens – ausgehend von der Halbinsel Yucatan im Golf von Mexiko bis wenige Kilometer vor der Küste Venezuelas bzw. Kolumbiens aufreihen – bieten außer rauschvoll tiefem Tauchen und geräuschvoll triefigem Schnorcheln an (halbwegs) intakten bunten Korallenriffen, heißen taktvollen Rhythmen und eiskalt halbvollen Longdrinks einiges mehr an anspruchsvoll nackter Unterhaltung, die vollständig halbnackte Pauschalurlaubende beispielsweise in der Dominikanischen Republik suchen und dort zur Genüge auch finden. Nicht nur dort, aber dort sicher!

Ich möchte mich jedoch auf die größte der sogenannten ABC-Inseln beschränken. Denn Curacao (oder richtigerweise Curaçao) – also neben A wie Aruba und B wie Bonaire das C der einstigen Niederländischen Antillen, welche zwar zu den Kleinen Antillen gehören, geografisch aber bereits zu Südamerika gerechnet werden – bietet weitaus mehr als nur weites Meer, an denen sich sonnenhungrig Angestrandete zum bittersüßen (dieses Bittersüß holt uns weiter unten noch einmal wie das Blau vom Himmel ein) nichtstuenden Anbeten der Sonne bis zur Unkenntlichkeit knusprig Tiefbräunen oder schmerzhaft Hochofenröten lassen. Und an Stränden mangelt es beileibe nicht.

Was tun gegen Moskitos?

Karibischer Sonnenuntergang Curacao

Bei Moskito-Alarm: Licht an! Denn helles Licht mögen lästige Stechmücken gar nicht.

Dass Moskitos in the air und Sandflöhe on the beach dabei nicht in die faulenzenden Überlegungen während der schönsten Zeit des Jahres passen, ist verständlich. Doch bei genauerem Hinsehen sollten nicht schon beim erstbesten Stich sämtliche Lichter ausgehen. Denn die sollten im Gegenteil sogar an bleiben, da helles Licht die Blutsauger überhaupt nicht mögen. Denn Stechmücken orientieren sich einerseits am Körpergeruch und, wer käme auf die Idee, am Kohlendioxidgehalt. Und weil wir nun einmal die blöde Angewohnheiten haben, ein- und vor allem auch wieder auszuatmen und mit jedem Atemzug auch Kohlendioxid abzugeben, hören wir das unangenehme Hochtönen der Biester meist in Kopfnähe, da dort die CO2-Konzentration am höchsten ist.

Hier darf ich allerdings anmerken, dass trotz so mancher Horrorgeschichte, die in den zahlreichen Foren kursiert, keine Panik angesagt sein sollte. Zumindest, wenn ich rückblickend über Curacao oder andere absolvierte Reisen wie in den Vietnam, nach Costa Rica, Malaysia, Tansania oder Kenia nachdenke. Denn nicht jede Stechmücke überträgt Malaria und wir sollten nicht aus jeder Tigermücke einen Elefanten zum Abschuss freigeben.

Beim angelegentlichen Strandrekeln, vergnüglichen Sandwälzen oder auch abends im standhaften Hängemattenhängen auf der Terrasse machten die Biester unter dem karibischen Mond eigentlich einen ganz friedlich blutrünstigen Eindruck. Wer sich trotzdem, etwa aus Amsterdam (KLM) oder Düsseldorf (Air Berlin immer dienstags nonstop; zumindest nach heutigem Stand) kommend, mit ätherischen Duftwässerchen und Ölen einzudecken gedenkt: Lassen Sie es gut sein! Sie riechen dann zwar betörend gut nach Eukalyptus und ein paarungswilliger Koalabär respektive Koalabärin hätte möglicherweise beim brünftigen Nacktbaden seine helle Freude an und mit Ihnen (möglicherweise beruht dies sogar auf Gegenseitigkeit), aber den Moskitos ist es relativ egal, ob die anvisierte Hautpartie nach Bambussprossen mit Pfefferminzgeschmack oder Hustenbonbon, die in der letzten Eukalyptusölung liegen, duftet.

„Wood Slave“ – Ein Gecko erzählt von der Vergangenheit

Wood Slave Curacao: Afrikanischer Gecko, Hausgecko

Hier sehen wir einen niedlichen Pegepega, wie der Hausgecko oder auch Afrikanische Gecko in der Landessprache Papiamentu auf Curacao genannt wird.

Wer jetzt nicht – und wer tut dies schon – über eine einsatzfreudige Armada an Spinnen oder eine gefechtsbereite Batterie an Geckos an und auf den Wänden im Urlaubsdomizil verfügt, muss dementsprechend zu anderen Waffen greifen. Also bleibt oftmals nur die so ungeliebte chemische Keule, sozusagen die Fliegenklatsche aus der Sprühdose. Hier sehen wir übrigens einen niedlichen Pegepega, wie der Hausgecko oder auch Afrikanische Gecko in der Landessprache Papiamentu genannt wird. Doch er hat auch noch einen anderen Name: „Wood Slave“. Denn ursprünglich gab es die etwa 10 Zentimeter große Echse in der Karibik nicht. Doch seinen natürlichen Lebensraum – südlich der Sahara – verließ der Wood Slave im Gefolge jener Menschen, die ab der Jahrhundertwende vom 17. zum 18. Jahrhundert ihre afrikanische Heimat verlassen mussten, um auf den Plantagen der Neuen Welt als Sklaven zu dienen.

Der Atlantische Dreieckshandel

Oftmals dienten Inseln wie Curacao dabei nur als Durchgangsstation für die Sklaventransporte für brasilianische Zuckerrohrplantagen und den amerikanischen Kontinent, um die in den hermetisch abgeriegelten Frachträumen angekettete menschliche „Ware“ wieder etwas aufzubessern, um dann am endgültigen Bestimmungsort dadurch höhere Verkaufserlöse zu erzielen. Dieser Atlantische Dreieckshandel war dabei ein gnaden- und skrupelloses Geschäft. Von europäischen Häfen brachten die Sklavenschiffe, beladen mit Waffen, Glasperlen, Stahl und Bronze, nach Afrika und tauschten diese dort gegen die wertvolle menschliche Fracht. Die Sklaven wurden dann auf dem Seeweg in die Karibik gebracht und dort auf den Sklavenmärkten verkauft. Mit diesen Erlösen wurden dann Produkte wie Rum, Baumwolle oder Rohrzucker gekauft und diese am Ausgangspunkt in Europa weiterverkauft. Danach ging die Fahrt erneut los.

Erst ab 1807 endeten diese berüchtigten Handelsrouten mit dem Verbot des englischen Sklavenhandels, wurde aber auch über Jahrzehnte hinaus noch vollkommen offen und legal bis zum Erlass der Lei Áurea im Jahre 1888 und damit der endgültigen Abschaffung der Sklaverei in Brasilien – zumindest offiziell – praktiziert. So viel also zu unserem kleinen Helfer, dem Wood Slave. Sie sagen: Also ein klassischer Kulturfolger? Ganz genau! Nicht nur die Spezies Homo sapiens lebt gerne in Ballungsräumen, auch Tiere und Pflanzen verspüren anscheinend immer wieder diesen unwiderstehlichen Drang nach Nähe zum Menschen. Manches Mal gezwungenermaßen, oftmals aufgrund des überreichen Nahrungsangebots und der zahlreichen Versteckmöglichkeiten und Nistplätze sehr frei und willig.

DEET – Gut, aber mit Vorsicht!

Freiwillig und sehr eingehend mit dieser dunklen Geschichte der Sklaverei Westindiens und des Menschenhandels beschäftigt sich das Kura-Hulanda-Museum (Kura Hulanda = Papiamentu für „Holländischer Garten“) im Stadtteil Otrabanda in Willemstad. Die Niederlande selbst – obwohl mit der Niederländischen Westindien-Kompanie Ende des 17. bis Mitte des 18. Jahrhunderts eine der treibenden Kräfte des Sklavenhandel – tun sich auch heute noch schwer, diese Vergangenheit aufzuarbeiten. Was jedoch auch anderen Kolonialmächten eigen ist. Aber zurück in die gestochen scharfe Gegenwart. Zu den Moskitos und anderen blutrünstigen Lebewesen im Hier und Heute.

Kaufen Sie bei Bedarf jene roten Dosen, auf den „OFF“ steht. Oder nehmen Sie Marken wie Anti Brumm, Nobite bzw. Autan. Auf alle Fälle ein Mittel, in welchem das Präparat DEET zu mindestens 50% oder Icaridin enthalten ist. Über den erprobten Wirkstoff DEET liegen dabei zwar die meisten Kenntnisse und Studien vor, doch bei Durchlesen der Beipackzettel klingen die teilweise nicht gerade vertrauenerweckend. Auch wenn DEET zur Abwehr sowohl tag-/dämmerungs- (Aedes- und Tigermücken, die z.B. Denguefieber übertragen)  als auch nachtaktiver (z.B. Malaria durch die Anophelesmücke) Stechmücken zuverlässigen Schutz bietet, wird das Präparat gut durch die Haut aufgenommen und dringt in den Blutkreislauf ein. Hirnschädigungen, Krämpfe oder Schäden am Nervensystem sind sicherlich nur in Ausnahmefällen die schwerwiegendsten Folgen, doch gerade bei einer Schwangerschaft/Stillzeit bzw. bei Kleinkinder sollte auf solche Abwehrstoffe verzichten.

Helle Kleidung, Bleimantel, Omas Socken und der Karibikurlaub ist gerettet

Moskitos, Anopheles: Helle lange Kleidung tragen

Helle, lange Kleidung gegen Moskitos, in allen Lebenslagen und besonders auf Reisen in tropische Länder und subtropische Duschen. Oder zumindest ein stilvoller Hut gegen die tropische Hitze.

Jetzt kommt natürlich auch der immer wieder gern (und oft) gelesene gute Tipp: Tragen Sie am besten lange Kleidung in hellen Farben. Möglichst dicke Stoffe, dazu Socken und vielleicht auch noch ein Ganzkörperkondom mit integriertem Bleimantel. Ganz ehrlich? Da sitzen Sie also mitten in der hochsommerlichen Karibik, die Luft ist lau, der Nachbar blau. Und Sie mit Omas selbst gestrickten Wollsocken sitzen im Kreise dürftig bekleideter und spärlich geschürzter urlaubsbekannter dörrobstfrisch knackig rostrotbrauner Nacktschnecken und Johnny Weißmüller-Maier-Schmitt-Hubers und freuen sich wie eine blaugummibaumlange Schneekönigin oder menthol-absorbierender Hustinettenbär, weil Sie die/der Einzige sind, den das alles bei 30 Grad plus ein paar Promille in der Strandbar nicht juckt. Wer, wenn nicht gerade Sie, würde so etwas freiwillig machen!

Wer, so wie ich, allerdings des Öfteren im freien, unwegsamen Gelände, am Strand, auf der Kanonenkugel oder sogar unter der Dusche zugange und zugegen ist, sollte den Tipp mit der langen und vor allem hellen (!!!) Kleidung und hoch geschlossenen Stiefeln durchaus beherzigen. Formvollendet wird das praktische Out-Door-, On-Kugel, Under-Flowerpower oder In-Dusche-Outfit dann noch mit einem dazu passenden Hut, der mich bei meinen gefährlichen Streifzügen durch die Botanik und Stromschnellen vor Wind, Wetter, Zitronenfaltern und Dusch-Der-die-Das Hauptsache nicht allzu nass schützt.

Bitte nicht falsch verstehen. Malaria, Denguefieber, Meningitis, Tollwut und andere lebensbedrohliche (Tropen)Krankheiten darf niemand –  und ich schon gar nicht, dazu bin ich schon zu weit herumgekommen, um diese allgegenwärtige Gefahr zu unterschätzen – auf die leichte Schulter nehmen. Doch bei all den vorbeugenden Maßnahmen sollten wir uns auch der latenten Risiken bewusst sein, die etwa eine Malariaprophylaxe wie Malarone mit und vielleicht auch einmal in uns sich trägt. Nicht zu vergessen von den Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, welche wir wiederum als Schutz und Vorbeugung gegen ganz andere Krankheiten einnehmen. Der gesunde

Willemstad Barock Curacao

Zurecht UNESCO-Weltkulturgut: Willemstad, die Hauptstadt der Karibikperle Curacao. Kitschiger Barock säumt den Handelskade entlang der Sint Annabaai.

Menschenverstand sollte bei all unserer Suche nach den letzten Paradiesen und schönsten Plätzen dieses Planeten ein ständiger Wegbegleiter sein und in keinem Reisegepäck fehlen. Und ein Moskitonetz ohne Löcher, das – gut gespannt – den lästigen Plagegeistern die Einflugschneise in die schlummernden Blutbahnen verwehrt, ist eigentlich schon Pflicht.

So, in meinem nächsten Artikel mit dem Titel Curacao: Kein karibischer Kitsch rund um Willemstad geht es dann aber ohne Moskitos und Umschweife endlich auf nach Curacao. Damit Sie schon einmal einen kleinen Vorgeschmack bekommen, was Sie erwartet, hier vorab ein dreiminütiger Trailer meines Films Curacao: Wild-Wasser-Spiele. Den ganzen Film bekommen Sie allerdings erst in meinem letzten Teil dieser Artikelserie über ein Curacao und andere Plätze der Karibik. Mein ganz besonderer Dank in diesem Zusammenhang für die geniale (und kostenlose !!!) Hintergrundmusik an die kreativ Genialen von gemafreie Musik von https://www.cayzland-music.de.
Wer über eine schnelle Internetverbindung verfügt, sollte bei den Einstellungen (also dem Zahnrad) natürlich die höchste Auflösung 1080pHD wählen, um die bestmögliche Qualität zu erhalten.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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