Gegen den Strom schwimmen – Nicht immer vorteilhaft


Wo sich der (Strom)Kreis schließt

Stromanbieter wechseln: Fossile Energie vs. grün?

Die Liberalisierung des österreichischen Strommarktes macht Wechsel vom bisherigen (teureren) Energielieferanten zu billigeren Konkurrenten einfach.

Die anhaltende Ukraine-Krise, die nicht enden wollende Diskussion um Fracking mit der angeblich umweltfreundlichen, weil chemiefreien“Neuerung“ Geothermie-Tiefenbohrungen. Der (hoffentlich nicht) aufflammende Boom in Nordamerika durch die Förderung von Schieferöl, das Scheitern des europäischen Prestigeprojektes Nabucco-Gaspipeline, dafür der Bau der „Ersatz-Pipeline“ South Stream mit Österreich als Knotenpunkt, der derzeitige Preisdruck auf die OPEC-Länder. Daneben ein zögerliches Umdenken in Sachen Atomstrom nach Fukushima, aber gleichzeitig nur halbherzige Lippenbekenntnisse innerhalb der EU über die Forcierung und Förderung grüner Energieformen. Fossile Energieträger und Kernenergie. Erdgas, Erdöl, Kohle und Uran. Wind, Wasser und Sonne.

Der Strommarkt samt seiner Energieträger steht derzeit so stark im Fokus der Öffentlichkeit wie vielleicht seit den beiden großen Energiekrisen Anfang und Ende der 80er-Jahre nicht mehr. Über die unlängst beschlossene Abschlusserklärung auf dem Klima-Sondergipfel in New York soll – so ganz nebenbei – hier allerdings lieber der Mantel des Schweigens ausgebreitet werden.

Strommarkt-Liberalisierung: Offen für neue Anbieter

Und fast spur- oder besser lautlos ist die Liberalisierung des österreichischen Strommarktes vorübergegangen. Seit nunmehr über 13 Jahren (ab 01. Oktober 2001) können wir wählen, wessen elektrische Energie wir aus den Stromdosen anzapfen möchten. Das Monopol der Energieversorgung wurde seither kurzgeschlossen, die Wahl des Stromlieferanten steht uns frei. Theoretisch zumindest! Denn trotzdem fällt es vielen Menschen immer noch sehr schwer, sich von liebgewordenen Gewohnheiten und vor allem teuer gewordenen Traditionen zu trennen. Die einen haben Angst, dass bei einem Stromwechsel plötzlich sämtliche Lichter ausgehen, die anderen haben resignierend zur Kenntnis genommen, dass trotz Öffnung des Strommarktes immer noch dichte wechselseitige Verknotungen innerhalb der Anbietergemeinschaft herrschen.

Die Verflechtung der österreichischen Energieversorger untereinander war und ist in Europa einzigartig – nahezu alle maßgeblichen Energieunternehmen halten Anteile an anderen Energieunternehmen und umgekehrt — so hält zum Beispiel der Verbund direkt oder indirekt Anteile an der Energie AG Oberösterreich, der Energie Burgenland, der KELAG, der Steweag-Steg und den Klagenfurter Stadtwerken. Andererseits halten die Wiener Stadtwerke, EVN, TIWAG und die Steweag-Steg Anteile am Verbund oder an einer Verbund-Tochtergesellschaft. (Quelle: derStandard: Horst Ebner, oekostrom AG, Ein Kommentar zur Strommarktliberalisierung – Resümee und Ausblick)

Doch ein Blick auf jene, welche meinen Stromzähler zum Rotieren bringen, lohnt sich auf alle Fälle.

Aktion „Energiekosten-Stop“

Selbst nützliche Infos zu Strompreisen oder der von der wettbewerbspolitischen Einrichtung namens e-control bereitgestellte Tarifkalkulator – machen Sie doch bei Klick auf den Screenshot selbst einmal einen Vergleich und lassen sich die verschiedenen (günstigeren) Stromlieferanten bzw. Strompreismodelle zeigen – finden keine breite Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung. Die vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) initiierte Aktion „Energiekosten-Stop“:

e-control Tarifkalkulator: Strom- und Gaspreise vergleichen

Entscheidungshilfe für den Wechsel des Energielieferanten: Der e-control Tarifkalkulator

Mit dieser in Österreich erstmalig durchgeführten Aktion hat der VKI für Bewegung am Energiemarkt gesorgt und ein erhöhtes Bewusstsein für Energiefragen und die Möglichkeit eines Anbieterwechsels geschaffen.

sorgte zwar für Aufsehen und sensibilisierte die Stromkundinnen und Endverbraucher, doch so wirklich wechselwillig zeigen sich trotz österreichweitem regen Interesses von über einer Viertelmillion Bürgerinnen und Bürger nur die Wenigsten. Klingt diese Zahl von genau 260584 an der Aktion „Energiekosten-Stop“ Beteiligten zwar auf den ersten Blick nach einer großen Anzahl Wechselwilliger, so relativiert sich dies nach einem Blick in die Statistik Austria. Denn bei mehr als 3,7 Millionen erhobener Privathaushalte im Jahr 2013 mit durchschnittlich 2,26 darin lebenden Personen (siehe Statistik Austria: Haushalte) sprechen wir hier von einer Größenordnung im einstelligen Prozentbereich. Wohlgemerkt! Jene, die zumindest einmal die Bereitschaft für einen Wechsel ihres Stromlieferanten zeigten.

Mehr Aufklärung und mehr Bewusstsein schaffen

Hier herrscht meines Erachtens noch mehr Aufklärungsbedarf. Denn vielen Strom- und Gaskonsumenten ist immer noch nicht bewusst, dass ein Vertrag über die Lieferung von Energie aus zwei unterschiedlichen Komponenten besteht. Auf der einen Seite steht dabei der Netzbetreiber. Dieser ist für die Wartung und Instandhaltung des Strom- oder Gasnetzes verantwortlich und zeichnet für die Infrastruktur – also in erster Linie den Zähler, den Einbau, die Instandhaltung und die Ablesung – verantwortlich. Die Wahl des Netzbetreibers ist deutlich eingeschränkt bzw. gar nicht möglich und hängt von der Wohnadresse ab. Der Netzbetreiber bleibt also, außer bei einem Wohnungswechsel, immer der Selbe und kann nicht frei gewählt werden.

Ein Strom, zwei Komponenten

Energiemarkt-Liberalisierung: Billiger Strom aus dem Kasten

Billiger Strom aus dem Kasten: Dank der Liberalisierung des Energiemarktes einfach wie nie.

Bleibt dementsprechend noch die zweite Komponente. Der Strom- oder selbstverständlich auch Gaslieferant. Und hier herrscht einiges an Einsparungspotential. Sofern eben der Wille zum Wechsel vorhanden ist. Und die Erkenntnis, dass die Stromlieferung nicht an das eigene Bundesland gebunden ist. Denn Strom aus der Oberösterreich betreibt in Vorarlberg genauso schnell den Fernseher wie Kärntner Strom den burgenländischen Toaster zum Glühen bringt. Denn gerade die Platzhirsche wie die Wien Energie oder Grazer Energie sind zwar zuverlässig, aber nicht unbedingt zuverlässig billiger als andere genauso zuverlässige kleinere Lieferanten. Wer sich hier nicht scheut, z.B. auf ein Online-Angebot zu wechseln, kann dank eines Wechsels des bis dato altbekannten Stromanbieters Einmalgutschriften, Wechselrabatte oder Preisgarantien mitnehmen. Vergleichsrechner wie der oben angesprochene Tarifkalkulator von e-control bieten eine gute Entscheidungshilfe, um die Haushaltskasse zu entlasten.

Anstatt einer Gesamtrechnung heißt es z.B. für mich, dass ich eben zwei getrennte Erlagscheine bekomme. Einmal von den Wiener Netzen als mein (unkündbarer) Netzbetreiber für die Bereitstellung der „Hardware“. Und andererseits die Rechnung für die „Software“; also meine tatsächlichen Stromkosten. Ließ ich mich beispielsweise die letzten zwölf Monate aus Oberösterreich elektrisierend berieseln, so beziehe ich jetzt meinen Strom aus dem schönen Kärnten. Danach? Mal sehen, was der Strommarkt Neues und vor allem Billiges zu bieten hat. Ach ja! Es ging in meinem Fall sogar noch um ein paar Euro günstiger. Doch dann hätte ich einen Anteil an fossilen Energieträgern mit im Toaster gehabt. Und das ist mir dann trotz billig doch zu teuer.

Bildnachweise:

1.) „Groene Energie – Green energy?“ by Leo Hoogendijk (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

2.) „Dekorierter Stromkasten in Lüneburg“ von Apostoloff (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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