In Berlin – Berlin ist in! Szenerie Castingallee (Kastanienallee)


Von Mauerblümchen und Blumen auf Berliner Mauer(n)

Fernsehturm: Allerhöchste Berliner in 368 m Höhe

Immer (Gesamt)Deutschlands höchste Bauwerk und von Walter Ulbricht am 3.10.1969 eingeweiht. DDR-Prestigeprojekt “Der Turm – ein Meisterstück für die Republik”. Der 368 m hohe Fernsehturm.

Wer die deutsche Hauptstadt zwecks touristischer Erkundung besucht, wandelt meist inmitten zahlreicher gleichgerichteter erkundungswilliger Massen auf den üblichen richtungsweisenden Tourismus-Trampelpfaden dahin. Beim Erstschnuppern der sagenhaften Berliner Luft nichts Anrüchiges, hat die Metropole doch eine Unmenge an Highlights zu bieten. Oder braust – nun ja, falls eine der das gefügige Brausen zügig einbremsenden Baustelle ein solches Unterfangen überhaupt zulässt – als Trittbrettfahrender mit einem der doppelstöckigen Sightseeing-Busse über den Kurfürstendamm oder kurz Ku’Damm mit allen seinen Schickimicki-Boutiquen und Hochglanzgeschäftsinteressensgemeinschaften wie dem KaDeWe an der Tauentzienstraße dahin, macht einen kurzen Stopp beim berühmt-berüchtigten Checkpoint Charlie, um sich dort salutierend vor den aufgestapelten Sandsäcken mit einem waschechten GI – oder was der Kalte Krieg samt gefallener Berliner Mauer von den einstigen Hütern des Kapitalismus gegen die kommunistischen Genossen von Drüben davon übrig ließ – fotogen und scherzhaft schulterklopfend ins rechte Bild zu rücken, vielleicht noch ein kleiner Blick in den Museumsshop des angrenzenden Mauermuseums, aber für mehr reicht die Zeit schon nicht mehr, bevor es über die Hackeschen Höfe weiter Richtung Alexanderplatz und von dort rauf auf den Fernsehturm geht.

Keine Angst! Wir sind noch lange nicht fertig mit Berlin. Das Beste kommt erst noch zum Schluss. Also? Richtig: “Nu aba ran an de Buletten.” In heutiger Zeit ist hierfür Gott sei Dank weder Marshallplan noch Luftbrücke notwendig. Denn inzwischen besteht die Berlin-Blockade höchstens noch aus Autokolonnen, die sich zwischen den Besucherströmen laut hupend und leise fluchend durch die Straßen der Hauptstadt wälzen. Hier ein kurzer Zwischenstopp. Auch wenn die Zeit drängt.

13. August 1961: “Niemand hat die Absicht …”

Ich war angesichts des Jahrestages am 13. August – ja was war denn da überhaupt? – wieder einmal zu Gast in einer meiner absoluten Lieblingsmetropolen dieser Welt. Doch erstaunlicherweise keine Spur von erkennbaren Aktivitäten zu diesem denkwürdigen Datum innerhalb der deutschen Hauptstadt. Sie wissen ebenfalls nicht, was an diesem 13. August 1961 geschah? An jenem Tag begann das, was Walter Ulbricht, der ehemalige Vorsitzende SED-Zentralkomitees der DDR, nur knappe zwei Monate vorher noch auf das Schärfste dementierte: “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.”

Berlin Bernauer Straße: Gedenkstätte Berliner Mauer

In der Bernauer Straße nahm am 13. August 1961 die vollständige Abriegelung der russischen Sektorengrenze vom Rest der Stadt besonders dramatische Formen an.

Eigentlich nicht verwunderlich, dass heutzutage nur noch die Hälfte der bundesdeutschen Bevölkerung mit diesem Datum den Bau der Berliner Mauer verbinden. Siehe dazu die Ergebnisse Deutsche Teilung und Friedliche Revolution von Infratest dimap im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Politische Bildung hängt zwar mittlerweile auch in Österreich an einem mehr als seidenen Faden, doch gerade solche Dinge sollten meines Erachtens nicht auf dem großen Müllberg der (vergessenen) Geschichte landen.

Aber zurück zu unserem tapferen GI vom Checkpoint mit Namen Charlie (nein, nicht der Vorname des tapferen GI’s; wahrscheinlich handelt es sich bei diesem wohl eher um einen BWL-Studenten im 3. Semester, der seinen Wehrdienst verweigert hat und der von Mama vielleicht Fritzi oder Seppl gerufen wird und nur beim täglichen Charlie-Strammstehen als J.R. oder Rambo Junior für wohlige Friedensgefühle inmitten der ohrenbetäubend pazifistischen Friedenstauben aus aller Herren und Damen Länder Sorge trägt) – die anderen beiden etwas weniger berühmten der damals von den westalliierten Siegermächten verwalteten Kontrollpunkte waren natürlich Alpha und Bravo – , der heutzutage glücklicherweise zusammen mit seinem in sowjetrussischer Uniform adjustierten Kameraden anstatt hinter den Sandsäcken liegend einträchtig auf diesen sitzt und die Fahnen lässig durch die feinstaubbelastete und currywurstgeschwängerte Berliner Luft schwingt. Aber besser ein friedlich schwingender BWL-Student in Berlin-Mitte als Kriegstreiberei in Nahost-Ferne oder Russland-Ost-Ukraine.

Dicke Berliner Luft zwischen Brandenburger Tor und Museumsinsel

Denn spätestens hier können die geschossenen Fotos in aller Ruhe betrachtet werden, ist die Schlange vor der Sicherheitsschleuse unter Deutschlands höchstem Bauwerk (368 Meter) doch meist fast so lange wie der Fernsehturm hoch und die von schwitzenden Leibern und zehentretenden Touristenhorden formidabel verdrängte Berliner Luft zum Schneiden. Oben angekommen bietet sich natürlich ein traumhafter Rundblick über die Hauptstadt und besonders die Köpfe der zahlreichen anderen traumhaft Rundblickenden beim traumhaften Blick in gemütlicher Runde in 203 Meter Höhe.

Berliner Dom - Das größte Gotteshaus der Hauptstadt

Der Berliner Dom: Sakral, aber bei Weitem nicht so alt, wie es scheint. Der größte sakrale Bau der Hauptstadt wurde erst 1905 fertiggestellt.

Doch schon heißt es wieder den Bajonettverschluss der Kamera schultern, denn am Brandenburger Tor vorbei, welches wir von oben erspäht haben, müssen wir schließlich noch Unter den Linden wandeln – sofern eine der zahlreichen Großbaustellen ein Wandeln überhaupt möglich macht – vorbei Richtung Berliner Dom oder anders herum, falls wir den falschen Sightseeing-Bus erwischt haben, pilgern. Die Museumsinsel bei dieser Gelegenheit bitte nicht vergessen! Fünf Museen auf einem Haufen, also locker in drei Minuten zu schaffen. Falls nicht, können Sie bei einer anschließenden Spreefahrt Richtung Kanzleramt und Reichstagsgebäude die andere Seite im Vorbeisegeln auf die Schnelle mitnehmen, ohne erst mühsam um den ganzen Komplex per pedes kriechen zu müssen.

Berlin: Denkmal für die ermordeten Juden Europas

2711 Stelen des New Yorker Architekten Peter Eisenman. Denkmal für die ermordeten Juden Europas beim Brandenburger Tor.

So, haben wir etwas vergessen? Naja, das futuristisch anmutende Sony-Center am Potsdamer Platz vielleicht oder die Siegessäule auf der Längsachse der Straße des 17. Juni beginnend beim Brandenburger Tor. Ok, der Bahnhof Zoo oder das von Peter Eisenman entworfene “Denkmal für die ermordeten Juden Europas” in Nähe des Brandenburger Tors mit seinen 2711 Stelen, die uns eindringlich daran erinnert, dass Berlin auch immer untrennbar mit den schrecklichsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte verbunden ist und bleibt.

Oder die “Gedenkstätte Berliner Mauer” an der Bernauer Straße (entweder U8 Station Bernauer Straße oder mit der M10 vom Nordbahnhof kommend). Sie kennen diese Berliner Sehenswürdigkeiten bereits? Warum eigentlich dann nicht einmal Berlin von einer etwas anderen Seite sehen und kennenlernen? Zwar findet der absolut sehenswerte Flohmarkt im Mauerpark am Prenzlauer Berg (ebenfalls Bernauer Straße) nur jeden Sonntag statt, doch auch während der anderen sechs Tage hat der Kiez Prenzlberg jede Menge zu bieten.

Berliner Schnauze – Bissig, aber beißt nicht!

Brandenburger Tor: Quadriga der Friedensgöttin Eirene

Lassen Sie mich vielleicht noch etwas anmerken, bevor wir uns auf den Laufsteg Richtung Prenzlauer Berg begeben. Die bisher gezeigten Fotos stammen allesamt von vergangenen Berlin-Besuchen, welche die allerbeste Gattin und ich absolvierten. Und so sind diese bildhaften Momentaufnahmen dementsprechend höchst liebevolle persönliche Erinnerungen an die deutsche Hauptstadt. Was möchte ich damit sagen? Auch wenn das im Verlauf dieses Artikels Geschriebene manches Mal einen zynischen Unterton besitzt respektive meine Anmerkungen zu den genannten Sehenswürdigkeiten möglicherweise ab und zu ein bisschen ironisch, sarkastisch oder überspitzt wirken mögen: Berlin ist immer (wieder) eine Reise wert. Wer Berlin noch nicht kennt, muss selbstverständlich dieses Programm größtenteils genauso oder in ähnlicher Form absolvieren, um einen bleibenden Eindruck dieser wundervollen und mehr als aufregenden Metropole zu bekommen.

Wer allerdings des Öfteren hierher kommt, sollte ruhig auch den Mut haben, einmal abseits dieser touristischen Highlights zu wandern. Es lohnt sich auf alle Fälle. Denn die berühmte Berliner Luft weht an diesen weniger bekannten Plätzen doch erheblich ruhiger und vielerorts sogar um eine Spur erfrischender. Und keine Angst! Die typische Berliner Schnauze ist zwar ziemlich bissig. Doch sie beißt nur in den seltensten Fällen und ist von geradezu liebenswürdiger und sehr charmanter Art.

Frische Berliner Luft – Mehr als genug vorhanden 

Berlin Highlights: Hackesche Höfe, Reichstag, Rotes Rathaus

Nun habe ich mich doch um ein paar Worte zu viel an der Berliner Luft aufgehalten. Auch dazu vielleicht noch eine kurze Anmerkung. Hatte ich doch weiter oben “die feinstaubbelastete und currywurstgeschwängerte Berliner Luft” geschrieben, muss ich auch hier ein mehr als gutes Wort für die Luft in der Hauptstadt einlegen. Denn kaum eine andere Großstadt, und ich kenne neben dem schönen Heimathafen Wien wirklich einige (besuchen Sie z.B. einmal Riga im Dezember bei minus 17 Grad am Vormittag; hört sich sicherlich furchtbar an, ist aber wunderbar erfrischend und hält munter), kann mit so zahlreichen Grünflächen, malerischen Gartenanlagen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbaren Naherholungsgebieten aufwarten. Egal ob der Treptower Park, die “Gärten der Welt” in Marzahn-Hellersdorf, der Schlosspark beim Schloss Charlottenburg oder der Monbijoupark (die Berliner Schnauze sagt dazu “Mombi”; zumindest klingt es so ähnlich) – in welchem das Amphitheater “Hexenkessel” ganz großes Shakespeare-Theater aufführt – in Nähe der Museumsinsel und des Hackeschen Marktes. Berlin ist eine absolut erfrischend grüne Stadt, in der man das Gras ordentlich wachsen hören kann.

Grünes Berlin und frische Berliner Luft im Treptower Park

Tja, jetzt hat Wien aber ordentlich über Berlin geplaudert. Aber irgendwie sind wir unserem eigentlichen Thema, nämlich der Kastanienallee vulgo Castingallee, kein Stückchen näher gekommen. Denn eigentlich wollte ich Ihnen ja dieses Stück Berlin etwas näher vorstellen. Lassen wir es aber für heute gut sein. Sollten Sie allerdings noch nicht genug haben, können Sie selbstverständlich unter In Mode: Der Prenzlauer Berg. Second Hand aus erster Hand das bisher nicht Gesagte jetzt lesen.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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