„The hands that sew your shirt!“


Kennen Sie eigentlich Sabina?

Nein, Sabina können Sie nicht kennen. Denn das junge Mädchen nennt Bangladesch ihr Zuhause. Nun ja, zuhause ist Sabina natürlich nicht jeden Tag. So zehn bis zwölf Stunden verbringt sie täglich damit, für europäische modebewusste Damen und Herren Kleidung zu nähen. Und dieses Pendeln zwischen Slum und Arbeit hat Care zum Anlass genommen, daraus eine Dokumentation zu machen, welche gestern im Urania Kino in Wien Premiere hatte. Nicht Premiere feierte, denn zum Feiern kann uns dabei nicht zumute sein. Wessen Interesse an diesem Film jetzt geweckt ist, sollte auf alle Fälle ab nächster Woche auf der Webseite von Care (Verlinkung siehe zwei Sätze weiter unten) vorbeischauen. Wer weiß, ob nicht vielleicht noch der eine oder andere Termin zustandekommt. 

Wissen Sie, wer Ihr T-Shirt näht? Eine gute Frage. Doch viele möchten die Antwort darauf gar nicht wissen. Informationsbedarf würde herrschen. Informationsmöglichkeiten (siehe z.B. mein Artikel „WearFair: Faire und ökologische Mode & Design„) oder eben Care Österreich hätten wir genug. Fehlen eigentlich nur noch David Kopie Piazza della Signoria.jene, welche diese Informationen in saubere Kleidung umsetzen wollen. Denn alleine in Bangladesch leben fast acht Millionen Menschen, welche im Dienste der Wohlstandsgesellschaft unsere hohen Ansprüche befriedigen. Dass wir uns dies mit Niedrigstlöhnen teuer erkaufen, ist uns dabei nur recht und billig. Wobei wir eines nicht vergessen sollten, was uns jedoch nicht aus der Verantwortung nimmt, aber zeigt, dass Transparenz für NormalverbraucherInnen kaum nachzuvollziehen ist. Sie werden sich jetzt möglicherweise fragen, was der nebenstehende Nackedei mit Kleidung zu tun hat? Nun, die weltberühmte Kopie von Michelangelos David auf der Piazza della Signoria steht in Florenz. Und diese schöne Stadt wiederum liegt in der Toskana. Alles andere aber weiter unten. 

Die Modelüge – wie deutsche Firmen produzieren lassen

Wenn die großen Textilunternehmen ihre Sachen in Bangladesch, aber ebenso in China, Indien oder in zunehmendem Maße im Vietnam oder Kambodscha produzieren lassen, werden diese in die neuen osteuropäischen Staaten importiert, dort gewaschen und ruckzuck mit einem „Made in EU“-Label versehen. Greenwashing erhält hier eine vollkommen neue Bedeutung. Vielleicht zum Schluss noch eine sehr umfangreiche Recherche von Florian Willershausen, der unter „Die Modelüge – wie deutsche Firmen produzieren lassen“ in der Wirtschaftswoche erschienen ist.

Doch die Mindeststandards der BSCI seien besser als nichts. „Inzwischen gibt es in den Fabriken wenigstens Verbandskästen, Feuerlöscher und Schutzmasken“, sagt er. „Und da immer noch ein Viertel der Fabriken beim BSCI-Audit durchfällt, kann es ja nicht völlig umsonst sein.“

Dass Hersteller wie die spanische Inditex (Zara) aus der Alibi-Organisation flogen, weil ihre Hersteller Mindeststandards verletzten, spricht Bände. Der zweitgrößte Textilhändler Europas will sich dazu nicht äußern. Aldi Süd verspricht auf seiner Web-Seite „Verantwortung in der gesamten Lieferkette“, die man über die BSCI übernehme – schließlich stehe der „Mensch im Mittelpunkt“. Bei Aldi Nord hat sich niemand die Mühe gemacht, Gedanken zur Sozialverantwortung zu formulieren. Dabei sind die Essener BSCI-Mitglied.

Bei dem angesprochenen BSCI handelt es sich im Übrigen um einen Verhaltenskodex, der auf den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) oder auch Menschenrechtserklärung der UNO (siehe dazu BSCI Code of Conduct ) beruht und neben diesen Mindeststandards für ArbeitnehmerInnen besonders die Wahrung der Rechte von Kindern und die Abschaffung von diskriminierendem Verhalten gegenüber Frauen zum Ziel hat. Wenn also ein Unternehmen wie Zara selbst diesen sowieso schon in meinen Augen sehr geringen Anforderungen nicht genügt, wie, mit wessen Hilfe und vor allem wem gegenüber sollen Menschen wie Sabina ihre Rechte durchsetzen?   

Made in Italy – zu 100 Prozent richtig!

Jetzt wollte ich bereits Schluss machen, doch da fällt mir noch etwas in Sachen Etikettenschwindel ein. Denn eigentlich bräuchten wir gar nicht hinter die chinesische Mauer blicken, um „Made in Italy“ Kollektionen zu kaufen, welche zu 100 Prozent innerhalb der Landesgrenzen des Stiefels gefertigt wurden. Alles schön, alles gut, alles richtig, alles der Wahrheit entsprechend. Nur leider hat die heimliche Textilhauptstadt inmitten der wunderschönen Toskana einen kleinen Schönheitsfleck, welcher sich auch nach mehrmaligem Waschen so leicht nicht herauslösen lässt. Denn made in bella Italia trägt in diesem ganz speziellen Fall gar nicht die Farben grün – weiß – rot, sondern eher schon einen Hauch Intensivrot mit gelbem Stern und Sternchen. Und wenn wir also in bestem Treu und Glauben italienische Markenware kaufen, was per aufgenähtem Etikett auch so verbrieft und versiegelt scheint, dann sollten wir die arbeitssamen Hände hinter diesem Schaffensprozess nicht vergessen. So schrieb etwa der Guardian unter „Made in little Wenzhou, Italy: the latest label from Tuscany„:

According to the foreign ministry in Beijing, this Tuscan textile city and its surrounding province has the highest concentration of Chinese in any administrative district outside China itself.

Was auf gut Deutsch nichts anderes bedeutet, als dass laut chinesischem Außenministerium diese toskanische Textilmetropole außerhalb Chinas die höchste Dichte an Chinesen aufweist. Was wiederum zu folgender Feststellung führt:

In den Kleidern, Jacken, Mänteln steht „Made in Italy“. Und das stimmt sogar. Sonst aber nichts: In der Textilstadt Prato hat sich eine chinesische Parallelwelt gebildet.

Aber diesen Bericht von Paul Kreiner lesen Sie jetzt in Ruhe unter „Made in Italy“ – Der Etikettenschwindel.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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