Cliffs of Moher – 200 Meter über dem Atlantik


Irland für Fort-Geschrittene

Ich habe schon lange, sehr lange, eigentlich viel zu lange keinen Reisebericht mehr verfasst. Meine letzte große Reportage über den Süden des Vietnam liegt nun doch schon mehr als drei Jahre zurück. Zeit also, Sie wieder einmal in ferne Lande mitzunehmen und in Ihnen vielleicht die Reiselust zu wecken. Lassen Sie uns also die Koffer, ich komme allerdings mit einem Trecking-Rucksack besser zurecht, packen und dorthin reisen, wo grün nicht einfach grün ist und das Kleeblatt den Namen Shamrock trägt und die Dreifaltigkeit symbolisiert. Schnüren wir also die Wanderstiefel und begeben uns nach Irland. Ebenfalls möchte ich darauf verweisen, dass ich Cliffs of Moher Hag's Headneben den hier abgebildeten Fotos auch kleine Reisevideos über die besprochenen Ziele gedreht habe, welche Sie immer am Ende der jeweiligen Artikel finden werden.

Jetzt bietet die grüne Insel natürlich so einiges an klösterlichen Gemäuern, verfallenen Burgen oder keltischen Stätten, welche zu besuchen sich lohnen. Doch ich will mich bei meinen Berichten auf das beschränken, was meiner Meinung Irland in erster Linie auszeichnet. Natur, Natur und dann noch Natur. Wenn Sie also erwarten, dass Sie hier dezidierte Informationen über das Kloster von Clonmacnoise oder das berühmte Book of Kells im Trinity College zu Dublin zu lesen bekommen, muss ich Sie jetzt schon bitterlich enttäuschen. Hier regiert grün und dementsprechend beschränke ich mich auf die Beschreibung einiger weniger Hotspots entlang der West- und Südwestküste des Atlantiks. Starten wir also mit den Cliffs of Moher, welche zwischen den beiden Ortschaften Doolin und Liscannor thronen und den Stürmen des Atlantiks trotzen.      

Ich habe zwar bereits Europas höchste Steilklippen auf Madeira namens Cabo Girão in der Nähe von Câmara de Lobos besucht. Und auch wenn Sie dort vor einem 580 Meter hohen Blick ins Nichts stehen, üben die an ihrer höchsten Stelle „gerade einmal“ 213 Meter hohen Cliffs of Moher eine Faszination aus, die ihresgleichen sucht. Und noch etwas, bevor wir loslegen. Ähnlich wie auf Madeira haben meine allerbeste Hälfte und ich auch in Irland bewusst auf ein Leihauto verzichtet und sind mit Rucksack und Pack mit Cliffs of Moher mit Blick auf O'Brien's Towerden öffentlichen Bussen von Bus Éireann durch die grünen Lande gezogen. Es ist billig, es ist vollkommen stressfrei, die Busse sind pünktlich und es ist wesentlich interessanter und einfacher, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Und glauben Sie mir: Die irische Bevölkerung spricht gerne. Vor allem übers Wetter! Und darüber gibt es eigentlich immer etwas zu erzählen. Und noch etwas. Wenn Sie irgendwo eine unfreundliche Irin oder einen missgelaunten Iren treffen, können Sie sicher sein, dass Sie sich niemals auf der grünen Insel befinden. Denn in Sachen Höflichkeit, Freundlichkeit und vor allem Hilfsbereitschaft ist das europäische Festland ein absolutes Entwicklungsland. Was wir hier erlebt haben, war ein Traum. Deshalb an dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an diese wunderbare Bevölkerung. So, aber jetzt erklimmen wir die Klippen.

Die Cliffs of Moher – 400 Millionen Jahre Zeit

Dass der Tourismus die Klippen als sprudelnde Einnahmequelle über dem tosenden Atlantik entdeckt hat, sollte klar sein. Shops, die Blick auf Hag's Head am Südende der Cliffs of Moherin den Berg gebaut wurden, ein riesiger Souvenirladen, das 2007 eröffnete Multimediacenter „Atlantic Edge“ und ein Selbstbedienungsrestaurant nehmen die Massen an Bussen und mit dem Auto Anreisenden gerne auf. Zugegeben, das gesamte Besucherzentrum fügt sich zumindest einigermaßen passabel in die natürliche Landschaft ein und die Shops mit den Grasdächern erinnern verdächtig an Behausungen der Hobbits. Dass der Großteil des touristischen Freudentempels mit geothermaler Energie betrieben wird, LED-Lampen den Stromverbrauch senken oder Mülltrennung und Recycling betrieben wird, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Aber an der frischen Meeresluft ist es doch bedeutend angenehmer und deshalb haben wir einen anderen Plan.    

Blick von Cliffs of Moher auf die Aran-IslandsWir (zumindest ich) wollen die Touristenströme jedoch möglichst schnell hinter uns lassen und deshalb geht es auf den ersten paar hundert Metern auf befestigten Pfaden Richtung Süden. Denn dort, ganz am Ende der Klippen in ca. fünf Kilometer Entfernung, steht einsam und verlassen im dunstigen Zischen des Wassers und umgeben vom Pfeifen der Böen Hag’s Head. Die meisten BesucherInnen ziehen es vor, den ganz in der Nähe befindlichen O’Brien’s Tower anzusteuern, der bequem auch mit Sandalen oder im Abendkleid zu erreichen ist, um jetzt einmal ein bisschen despektierlich zu werden. Dort befindet sich auch mit 213 Metern die höchste Stelle der Klippen, während sie Richtung Hag’s Head bis auf etwa 120 Meter, aber nicht minder schön, abfallen. Zwar nicht so spektakulär und schaurig schön, doch dafür nehmen die Bermudashorts und Abendkleider reziprok zu jedem Meter Richtung Süden ab. Dieser Beobachtungsturm, den der Abgeordnete Cornelius O’Brien erbauen ließ, bietet neben einem herrlichen Panorama über die Cliffs of Moher hinweg bis zu den acht bis zehn Kliometer entfernten Aran-Islands in der Galway-Bay bei gutem Wetter auch die Chance, bis nach Connemara zu blicken oder sogar die im Nordosten stehenden Bergspitzen der „Twelve Pins“ oder „Twelve Bens“ zu sehen.

Cliffs of Moher mit O'Brien's Tower

Die felsige Naturfestung Cliffs of Moher mit dem einsamen Wächter im Sturm O’Brien’s Tower.

Einige ganz „Wagemutige“ lassen sich zumindest herab, die 300 Meter bis zur nächsten Aussichtsplattform noch hinter sich zu bringen, doch dann wird es mehr und mehr ruhiger auf und um die Cliffs of Moher. Zwar trägt der Wind immer wieder einige Gesprächsfetzen heran, doch ansonsten dominieren jetzt die Schreie der Seevögel, die zu Zehntausenden an den steilen Felsen nisten. Papageientaucher, Trottellummen, Tordalken, Eissturmvögel und Dreizehenmöwen, so weit das Auge oder besser noch das Fernglas reicht. Und nur wenige Meter daneben grasen auf den Wiesen entlang der Felsen friedlich Kühe und bieten einen wunderschönen Kontrast zum schäumenden Atlantikblau unterhalb der Klippen. Festliche Kleider der Natur, die ab nun ihre tosenden Hosen herunterlässt.

Auf teilweise unbefestigten Wegen oder eher einem Trampelpfad geht es entlang der Steilklippen bis nach Süden. Und dabei sollten Sie wirklich Vorsicht walten lassen. Denn der brüchige Untergrund, hervorgerufen durch Erosion und selbstverständlich auch durch die Belastung durch die Touristen, birgt immer und überall lauernde Gefahren, welche von oben nicht ersichtlich sind. Auch wenn der Boden trittfest aussieht, besteht immer die Möglichkeit, dass er nur wenige Zentimeter unterhalb der Bruchkante bereits ausgewaschen und ausgehöhlt ist. Abenteuer ja, Risiko nein! Pro Jahr verlieren hier, neben SelbstmörderInnen, auch unvorsichtige Besucherinnen und Besucher ihr Leben. Und wir wollen schließlich nicht dieses Schicksal teilen.

Nur ein kleiner Schritt! – Für die Menschheit?         

Hag's Head an der Südspitze der Cliffs of MoherUnd unter einem tost der Nordatlantik und Woge um Woge brandet gegen den Breanan Mór, der als 70 Meter turmhohe felsige Nadelspitze aus dem Wasser ragt und trotzdem winzig klein gegen die Steilklippen wirkt. Die tosende See sendet Brecher um Brecher gegen den Felsen. In regelmäßigen Intervallen klatschen die schäumenden Zungen gegen das steinerne Bollwerk und zeigen, dass Gott hier nicht erwünscht ist. Und hoch über diesem förmlich paralysierend wirkenden Schauspiel putzt sich der Nachwuchs der Möwen in kleinen Felsnischen das Federkleid. Altvögel tanzen in schwärmenden Pirouetten über dem Abgrund, welcher selbst nur von wenigen spärlichen Moosen und Gräsern ein paar grün-bräunliche Farbtupfer erhält.

Und dann kann ich der Versuchung doch nicht widerstehen. Ich muss einfach in den Abgrund blicken. Es ist wie ein Sog, der den Menschen förmlich dorthin zieht, wo das Vergessen seine Arme ausbreitet und mit flüsternden Worten zum willfährigen Folgen einlädt. „Curiosity kills the cat“. Die Neugierde lockt wohlig warm lüstern und lädt zum Tanz auf dem Vulkan ein. Auf dem Bauch robbe ich langsam bis nach vorne. Befehle der Vorsicht, hinter mir im sicheren Abstand zu warten. Zentimeter um Zentimeter nähere ich mich der Kante und blicke plötzlich nach unten. Lächelnd schaut die weiße Gischt nach oben, sucht mit feurigem wässrigen Lodern meinen Blick. Unzählige weiß schäumende Pupillen, umgeben von einem tiefen abgründigen Blau. Heiser brüllt der Atlantik, schreit über die felsigen Risse und erodierten Sprünge seine jahrmillionenalte Botschaft über Dreizehenmöwen hinweg hinauf. Es ist ein animalisches Schauspiel, welches sich dem zwischen Diesseits und Jenseits Schwankenden bietet.

Doch hinter mir flüstert die Vorsicht mit mahnender Stimme und es wird Zeit, dem Tod noch ein Weilchen den Rücken zu kehren. Also robbe ich wieder zurück, stehe mit zitternden Knien auf und schließe das Leben umso freudiger wieder in die Arme. Ein guter Ratschlag: Lassen Sie diesen Blödsinn sein! Aber andererseits?           

Doolin Cliff Walk mit Pat Sweeney     

Wer vielleicht den Plan hat, von Doolin aus per pedes apostolorum, nicht-lateinische Phrasendrescherinnen und -drescher würdenBreanan Mór unterhalb der Cliffs of Moher jetzt „zu Fuß“ sagen, zu den Klippen (und wieder zurück) zu wandern, kommt an Pat Sweeney nicht vorbei. Vorbei schon, doch wenn Sie ihn dabei haben, wird das Ganze wesentlich interessanter, lehrreicher und die Wanderung zu den Cliffs of Moher um zahlreiche Anekdoten und Geschichten spannender. Ausgangspunkt hierbei ist O’Connor’s Pub in der Fisherstreet in Doolin und die 5 Euro (Stand 2013) pro erwachsener Nase sind sicherlich eine sehr gute Investition für eine beschauliche Reise entlang des Atlantiks. Allerdings sollten Sie bedenken, dass aufgrund der teilweise ungesichterten Wege entlang des Doolin Cliff Walk für Kinder eine erhöhte Gefahr besteht. Erkundigen Sie sich also besser vorher, ab welchen Alters an dieser Wanderung teilnehmen dürfen.

Einen besonderen Tipp habe ich noch für alle, die in oder um Doolin ihre Zelte aufgeschlagen haben. Wenn Sie ohne Auto oder andere fahrbare Untersätze zu den Cliff of Moher unterwegs sind und nachher noch Lust, Laune und selbstverständlich auch die Kraft haben, den Rückweg ebenfalls zu Fuß anzutreten, bietet sich neben dem schon beschriebenen Doolin Cliff Walk noch eine andere Variante. Während ich nach dem Besuch der Klippen meine Frau mitsamt Tochter ins Taxi gesetzt habe (einfach beim Touristenbüro neben dem Souvenirladen die Angestellten bitten, dass diese eines organisieren), habe ich für den Rückweg nach Doolin eine Strecke abseits der Küste gewählt. Doch das wird ein gesonderter Bericht werden, welcher unter „Im Abseits: Von den Cliffs of Moher nach Doolin“ das Licht der virtuellen Welt erblicken wird. 

Einmalige Ökosphäre der Cliffs of MoherGanz in der Nähe der Fisherstreet befindet sich übrigens auch das Pier für die Boote, welche zu den vorgelagerten Inseln der Aran-Islands übersetzen. Doch auch dieser Teil findet sich in einem gesonderten Bericht, welchen Sie unter „Inis Oírr (Inisheer) – Raue See, raue Schönheit“ (Verlinkung folgt) finden. 

Eine kurzweilige, weil kurz und trotzdem interessant, Zusammenfassung bietet darüberhinaus der Artikel Wandern an den Cliffs of Moher: Saftige Wiesen, tödliche Abgründe und selbstverständlich zahlreiche andere Quellen über diese wohl eindrucksvollsten Steilklippen. So, aber nun zu dem eingangs erwähnten Video über die Cliffs of Moher. Ich bitte dabei zu entschuldigen, dass besonders die Aufnahmen vom Meer aus teilweise etwas unruhig geworden sind. Doch an diesem Tag war der Atlantik besonders ungemütlich und nahm leider keinerlei Rücksicht auf kleine filmende Menschen wie mich ganz vorne am Bug der hüpfenden und schlingernden Nussschale. Damit Sie das Video in bestmöglicher Qualität, also in Full-HD genießen können, ändern Sie am „Zahnrad“ die Qualitätseinstellungen beim Abspielen dementsprechend.



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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