Weihnachtsgeschenke? – Geiz ist geil! 2



Wider den Konsumwahn oder …

… Quitten-Apfel-Kiwi-Marmelade „Made by ich selber“

Sie haben es sowieso wahrscheinlich schon gemerkt. Seit meinem Krankenhausaufenthalt („Blogger Boegle – wo warst du?„) bin ich einfach zu nichts zu gebrauchen. Zu nichts vielleicht nicht, aber dem Bloggen kann ich im Moment nicht viel abgewinnen. Möglicherweise habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass das Leben, genau wie die Wurst, mit zwei Enden ausgestattet ist. Eines haGeschenke selber machen von und mit Paul Boegle. Red Bull verlieh diesem wundervollen Apfel-Quitten-Kiwi Marmeladen Weihnachtsengel diese Flügel. Konsumwahnsinn auf einer neuen Ebene.be ich bei meinem großen Wuf in diese Welt bereits abgeschnitten und das andere nähert sich doch irgendwie unmerklich. Mit kleinen Schritten, aber eben kontinuierlich. Also heißt es die schönen Dinge zu genießen.

Genießen! Ein gutes Stichwort. Die Adventszeit steht vor der Türe. Jeden Tag ein neues Türchen. Alle schön bunt bedruckt und mit furchtbarer Schokolade gefüllt. Und hinter Türe Nummer 24 wartet dann wie jedes Jahr das kaufrauschende Inferno. Berge von Geschenkepapier, hinter deren Fassade sich Unmengen von klingelndem Plastikspielzeug versteckt, deren einziger Sinn und Zweck das Telefonieren ist. Gratis SMS schreiben inklusive. Parfüm für die Mama, Krawatte für Herrn Papa, Duftkerze für Oma, Flasche Wein für Opa (nicht zu teuer), irgendeine Kleinigkeit aus dem 1-Euro-Laden für die Nachbarin, die wir dort ebenfalls treffen, wie sie sich gerade durch irgendeine Kleinigkeit für uns wühlt. Bei Ebay fieberhaft mitsteigern, bei Amazon Bücher für wen auch immer kaufen (wer liest denn heutzutage noch?), zum Shoppingcenter fahrend mit dem Auto laufen. Freude schenken! Geht aber auch anders, wie ich schon unter „Hexenküche: Gesundes Potpourri mit Duftnote“ geschrieben habe. Sie wundern sich über den seltsamen gläsernen Zeitgenossen auf dem Bild? Dazu später mehr. Jetzt zurück und ans Eingemachte!

Wie immer entziehe ich mich diesem albtraumhaften Vergnügen und stelle mich lieber in die Küche. Man mag es nicht für möglich halten, aber auch dort finden sich wunderbare Weihnachtsgeschenke. Klar, dafür muss man sich viel Zeit nehmen und wer hat diese schon noch in Zeiten wie diesen, in den Geben fast so unwichtig ist wie Nehmen. Ich nehme mir sie ganz einfach und mache Marmelade für all jene, welche zu beschenken ich willig bin. Und das geht so.

Herrlich duftende Apfel-Quitten-Kiwi-Marmelade

Zu allererst stellt sich die Frage. Kaufe ich meinen Gelierzucker oder mache ich ihn selbst. Ich habe mich für ein Zwischending entschieden. Gelierzucker enthält Pektin und genau das benötigen wir, damit die Marmelade später fest wird. Aber auch Äpfel enthalten es und genau das wollen wir uns jetzt selbst herausfiltern. Unreife Äpfel eignen sich zwar besser, doch ich habe herausgefunden, dass es auch mit „fertigen“ Äpfeln geht.Selbst gemachte Apfel Quitten Kiwi Marmelade mit einem Schuss Holunderblütensirup von Paul Boegle. Keine Weihnachtsgeschenke kaufen, denn nur Geiz ist geil!

Ich nehme mir also diese köstlichen Früchtchen her, schäle sie und entferne das Kerngehäuse. Und genau das werfen wir NICHT weg, sondern lassen die Apfelschalen und das Gehäuse 24 Stunden in Wasser quellen. Am nächsten Tag den Brei langsam weichkochen (ca. 45 bis 60 Minuten) und dann lassen wir den Sud durch ein Sieb oder ein Tuch tropfen. Das Ganze kochen wir dann nochmal ein und reduzieren es so auf die Hälfte. Entweder in Gläser abfüllen, fünf Minuten ins Wasserbad stellen und für den späteren Gebrauch aufheben oder gleich weitermachen. Auf alle Fälle wir haben unser Geliermittel für die Marmelade. Solltet ihr fertigen Gelierzucker nehmen, gilt im Normalfall: 1 kg Zucker auf 1 kg Frucht. Aber Lesen auf den Packungshinweisen bildet bekanntlich.

Nun haben wir ja noch den Rest der Äpfel, also das Fruchtfleisch. Das wird durch das Schälen am nächsten Tag natürlich braun sein, doch für die Herstellung von Marmelade ist das eigentlich ziemlich egal. Zumindest mir, da die für die Färbung verantwortlichen Flavonoide freie Radikale unschädlich machen und deshalb erwünscht sind. Hersteller von z.B. Apfelsaft sehen das natürlich anders, da nur schmecken kann und vermeintlich gesund ist, was jungfräulich rein ist und die VerbraucherInnen lassen sich von dieser Sichtweise leider überzeugen. Durch Zitronensaft lässt sich der „Rostprozess“ (durch den Sauerstoff der Luft reagieren die freigesetzten Enzyme und setzen eine Art Selbstheilungsprozess in Gang) zwar verlangsamen, aber ehrlich gesagt ist mir persönlich das einerlei. Ich habe mich entschieden, eine sehr alte und fast schon vergessene Frucht zusätzlich zu verwenden. Die Quitte, eine der wohl spätesten Obstsorten des Jahres. Bitte selber googlen, wenn ihr mehr darüber wissen möchtet.

Wir waschen die Früchte und schneiden diese mitsamt Schale und Gehäuse in grobe Stücke. Dann zusammen mit den grob geschnittenen Äpfeln mit Wasser bedecken und ca. 30 Minuten weichkochen. Wieviel Quitten und wieviel Äpfel? Mmh, das bleibt euch selbst überlassen. Ich habe zwei große Quitten und ca. ein Kilo „Lebendgewicht“ Äpfel verwendet. Bevor der Sud nun seinem weiteren Schicksal überlassen wird, also fertig ist, nehmen wir noch ein paar geschälte Kiwi, passieren diese durch ein Sieb und kochen diese ein paar Minuten mit. Wer will, ich wollte selbstverständlich, gibt dann noch zwei Esslöffel Hollersirup (Holunderblütensirup) dazu. Wer eigene Ideen hat, die Kommentarfunktion steht für euch sperrangelweit offen. Was übrigens für den gesamten Blog gilt.

Die Gelierprobe macht die richtige Marmelade 

Danach passieren wir den Brei durch ein Sieb und bringen das Ganze wieder zum Kochen. Zusammen mit unserem Apfelpektin, Zucker und ordentlich Zitronensaft (der unterstützt den späteren Gelierprozess) bringen wir alles zum Blubbern, d.h. wir kochen die Marmelade wirklich bis zum Anschlag. Vorsicht vor heißen Spritzern!!! Maximal zehn Minuten, doch das können wir durch die Gelierprobe selbst kontrollieren. Dazu geben wir ein paar Tropfen des flüssigen Breis auf einen Keramikteller und wenn der letzte Tropfen nach Erkalten fest wird, sind wir unserem Ziel einen großen Schritt nähergekommen. Wenn nicht, weiterblubbern lassen.

Erfahrungsgemäß (ich weiß das aus eigener Erfahrung) gelingt es beim ersten Mal nicht immer, die richtige Konsistenz zu finden. D.h. die Marmelade fließt als klägliches dünnes Rinnsal in die kalt ausgewaschenen Gläser und wird nicht fest. Hier ist entweder Glück, Fingerspitzengefühl oder bei wiederholtem Male auch Können gefragt. Was nicht bedeutet, dass ein glückliches Fingerspitzengefühl nicht ebenso hilfreich ist. Um den Gelierprozess zum Erfolg zu bringen, hilft Zitronensaft und natürlich auch die Streckung durch fertigen Gelierzucker, den ihr euch auf alle Fälle vorsichtshalber kaufen solltet, um für alle Fälle gewappnet zu sein.

Und dann gibt es noch den todsicheren Tipp, den aber jeder gute Hausmann wie ich möglichst verschweigt und deshalb auch niemals zugeben würde, ihn schon jemals angewendet zu haben. Habe ich aber. Gelatinelautet das Geheimrezept. Sie wissen schon, dieses Wundermittel in nkleinen Päckchen, das in wenigen Minuten mit einigen Löffeln Wasser aus jedem süßen Dünnbrettbohrer auf dem Herd einen ansehnlich verfestigten Berg Marmelade macht. Auch hier ein kleiner Hinweis: Die Gelatine darf nicht kochen, sonst wird sie nicht fest. Also Marmeladenbrei runter von der Kochplatte und dann erst einrühren.

Die Gelierprobe hat die Probe bestanden? Dann möglichst schnell rein in die kalt ausgewaschenen Gläser, randvoll und bis zum Anschlag, ohne jedoch dabei zu kleckern, zuschrauben und die Gläser dann ein paar Minuten auf den Kopf stellen, damit auch der Deckel richtig heiß und desinfiziert wird. Das hat auch den Vorteil, dass sich die Fruchtstücke besser im Glas verteilen, sollten denn welche drin sein.

Ja, und am nächsten Tag dann sollte derselbe mit einem Frühstück ohne Schwartau extra oder ähnlichen Konkurrenzprodukten beginnen. Oder ich macht es wie ich und schenkt Mama, Papa, Oma, Opa oder der Nachbarin ein Glas selbstgemachte Marmelade. Natürlich nicht nur zur Weihnachtszeit, wie Heinrich Böll abschließend schreiben würde. Geiz ist einfach geiler!

Das Beste kommt zum Schluss

Ich schrieb ja zu Anfang dieses Artikels, dass die Marmelade auch als Weihnachtsgeschenk seinen nichtkommerziellen Zweck erfüllen soll. Nun, dafür ist es selbstverständlich auch notwendig, dass ich meinen Präsenten ein entsprechendes Aussehen verpassen muss. Ein bisschen Dichtungshanf für die Engelshaare, wie ich es eigentlich ansonsten für leckgeschlagene Wasserrohre verwende. Etwas schwarzes Klebeband für die schwarze Engelszunge, welche sich unter den schwarzen Engelsaugen hinter dem schwarzen Engelsmund verbirgt. 

Und natürlich die Engelsflügel. Die Flügel sind ja, wir wissen es seit Felix Baumgartner, manchmal das Wichtigste im Leben Der erste Red Bull-Flügel Marmeladenengel von Paul Boegle. Ein bisschen Konsumwahnsinn muss sein. Gerade vor Weihnachten, wenn die Engelszungen aus den Lautsprechern lauthals ihre Geschenke des Herrn anpreisen und ich Hals über Kopf lautlos im Herrgottswinkel meiner Küche den Früchten die Eingeweide aus dem Innersten reiße.eines Menschen, der hoch hinaus möchte. Also ohne Flügel kein Engel, soviel stand bei meinem Projekt fest. Ein himmlisches No-Go praktisch, so ein süßer Frühstücksengel, der nicht flügge ist. Quasi mein ganz persönliches Red Bull Marmelade Projekt. Und dann hatte ich plötzlich und auf wundersame Weise den rettenden Gedanken. Kam wie die Jungfrau vor der Krippe zur Erleuchtung. Vielleicht zwei Jahrtausende zu spät, aber auch die Heiligen Drei Könige waren nicht pünktlich. Weiß man. Zumindest vom Hörensagen.

Red Bull verleiht Flügel.“ Ich wusste, das Werbefernsehen würde mir irgendwann noch einmal mein Weihnachtsfest samt Haut und Haaren retten. Engelsflügel dank Didi Mateschitz. Gelobet sei die Dose. Gepriesen sei der Energydrink. Und so steht er nun da und wartet auf die Geburt der ersten Semmel, mit der er sich glückselig vereinen darf. Mein erster Red Bull-Flügel Marmeladenengel. Ein bisschen Konsumwahnsinn muss sein. Gerade vor Weihnachten, wenn die Engelszungen aus den Lautsprechern lauthals ihre Geschenke des Herrn anpreisen und ich Hals über Kopf lautlos im Herrgottswinkel meiner Küche den Früchten die Eingeweide aus dem Innersten reiße.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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2 Gedanken zu “Weihnachtsgeschenke? – Geiz ist geil!

  • Paul Boegle Beitragsautor

    Oh doch, diesen Titel habe ich bewusst gewählt. Wir glauben, dass wir uns durch den modernen Ablasshandel des Schenkens auf Raten, des Schenkens um des Schenkens willen, des Schenkens um den günstigsten Preis und der ewigen Jagd nach Angeboten, Schnäppchen und Sonderaktionen all unserer Sünden des Konsumwahns entledigen können. „Geiz ist geil“ ist nurmehr eine Doktrin der Werbung und richtet unserer geschultes Auge des „Ich will alles und zwar sofort“ dorthin, wo der Mensch hinter den Bergen des Konsumwahns verschwindet.
    Genau aus diesem Grunde mache ich mir Gedanken, wie ich liebe Menschen mit Dingen beschenken kann, welche nicht aus diesem Diktat des hirnverbrannten „Ich gebe Dir, sofern auch Du mir zum gleichen Preise gibst“ entsprungen sind. Meinen Geiz des Schenkens, in diesem Falle eben selbstgemachte Marmelade, halte ich insofern umso geiler, da ich mir bewusst Gedanken mache, was denn wirklich Freude macht.
    Ich hoffe, ich konnte mit diesen Zeilen etwas Klarheit in die gewählte Überschrift bringen.
    Liebe Grüße aus Wien
    Paul