Ein Blogger sieht schwarz


18,4 Zoll ewige „Ruhe sanft“

Was macht ein Blogger wie ich, dessen Arbeitsgerät das elektrische Zeitliche gesegnet hat? Klarer Fall: Er sieht schwarz! Tiefschwarz sozusagen präsentiert sich mein Laptop dem Auge des Betrachtenden, also dem meinigen, auf recht unspektakuläre, aber doch nachhaltige Weise mit einem eckigen glotzenden schwarzen schimmernden Auge und freut sich auf ein Leben nach dem Schreiben. Ein letztes Mal hielten wir noch Zwiesprache, ich dankte ihm, er dämmerte dahin, ich schrie ihn an, er blickte stumm, ich bittete und bettelte, allein er bettete sich in bitteres Schweigen, hüllte sich in seinen metallisch glänzenden Mantel und hauchte seine letzten Bites und Bytes in die Landschaft. 

So schreibe ich also diese Zeilen auf dem Arbeitsgerät der allerbesten Gattin. Sie wissen schon, wie immer handelt es sich dabei genauso wie das bereits vor wenigen Worten abgehandelte Auge um die meinige, fühle mich dabei wie ein Betrüger vor dem digitalen Herrn, schließlich habe ich meinen über die Jahre mir treu dienenden, treu ergebenen, treu seinen Dienst verrichtenden elektronischen Vasallen so schnell beiseite gelegt, gehe nicht fremd, sondern schreibe praktisch fremd, mit schlechtem Gewissen und trotzdem gewissenlos wissend, dass ich meinen einzigen Freund, abgesehen von den 43612 unbekannten Digitalfreundschaften auf Facebook, den 218945 zwitschernden Freundschaftsbanden auf Twitter (jaja, Übertreibung war schon immer ein immanenter Teil meiner selbst), seinem durch 230 lebenswichtige Volt beraubten Schicksal überlasse und, selbstverständlich ohne mit der Wimper zu zucken, mich still und heimlich nach Ersatz umschaue.

Da dies natürlich ein Weilchen dauert, meine allerbeste Gattin aber partout nicht verstehen möchte, warum ihr treu ergebenes Werkzeug für eine vorübergehende feindliche bloggende Übernahme herhalten soll, werde ich die nächsten Tage, welche erfahrungsgemäß sowieso kürzer werden (Umstellung Winterzeit am 28.10.12 nicht vergessen! Eine Stunde zurück, also ein Stündchen länger schlafen), mich diesem Phänomen anschließen und ebenfalls beim Bloggen etwas kürzer treten.

Etwas möchte ich allerdings doch noch loswerden. Ich hatte meinen vorletzen Beitrag „hessnatur: Kunden stoppen Spekulation“ mit den (vor)letzten Worten beendet:

Über was würde ich mich wahnsinnig freuen? Selbstverständlich über eine Reaktion von hessnatur selbst. Aber bitte nicht in Form eines eingeschriebenen Briefes mit dem Siegel der Rechtsanwälte Allen und Overy aus Düsseldorf. Warum nicht einmal bei einer Tasse Kaffee über Gott, die Welt oder von mir aus auch im dichten, grünen Gras verborgene Heuschrecken diskutieren?

Und hessnatur hat sich tatsächlich schon nach kurzer Zeit gemeldet. Und ich darf sagen, und dies soll hier weder polemisch noch in anderer Weise abwertend klingen, ich habe mich riesig über diese Reaktion gefreut. Denn der Ökomoden-Anbieter hat mich eingeladen, vor Ort in der Firmenzentrale im hessischen Butzbach an einem runden Tisch Platz zu nehmen. Und diese Gelegenheit werde ich selbstverständlich wahrnehmen. Wissen Sie, gerade die Tatsache, dass diese unsere immer noch herrlich schöne Welt im Bombenhagel erstickt, durch Klimakatastrophen das Jüngste Gericht Tag für Tag ein Stückchen weiter nach vorne datiert wird und fast 900 Millionen Menschen an jenem Hungertuch nagen, welches die westliche Welt finanzspekulativ reich bestickt fest in ihren Händen hält, ohne auch nur einen Millimeter nachzugeben, macht es notwendig, den Dialog anzustreben und nach befriedigenden Lösungen für alle zu suchen. Ob es in Butzbach zu einem Konsens kommen wird, vermag ich heute noch nicht zu sagen. Doch der erste Schritt ist bekanntlich immer der schwierigste. Und natürlich bin ich gespannt, auch die sicherlich konträren Sichtweisen und gegensätzlichen Meinungen der anderen Parteien zu hören, um mir ein umfassendes Bild über die derzeitige Situation machen zu können.

Wie gesagt: Es wird mit Sicherheit spannend und ich werde selbstverständlich ausführlich über diese Gespräche berichten. Mit neuem Arbeitsgerät und hoffentlich auch neuen Erkenntnissen. Dass sich damit (vielleicht) nur ein winzig kleines Problem aus dieser Welt schaffen wird, ist mir bewusst. Aber die Bereitschaft, den Dialog zu suchen und vor allem gewaltfrei zu führen, ist alleine schon ein Ansporn für mich, weiterzumachen und diesen Blog weiterzuführen. Und eines darf ich Ihnen versprechen. Außer einer Tasse Kaffee, gut, möglicherweise werden es bei meinem Konsum auch acht, werde ich selbstverständlich mit leeren Händen meine Rückreise aus dem Hessischen antreten. Und sollte ich doch etwas für die allerbeste Gattin finden, wird dies kein Geschenk von hessnatur an mich werden. Transparenz ist in diesem Falle oberstes Gebot.

Bleiben Sie mir bis dahin gewogen.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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