Reverend Billy: Ein dreifaches „Occupylujah!“ auf sein Hochamt 1



What would Jesus buy?“ Ehrlich gesagt: „Keine Ahnung!

Nun ja, so auf Anhieb gefragt könnte wohl niemand diese Frage richtig zufriedenstellend beantworten. Reverend Billy ging dieser Frage bereits 2007 nach. Selbstverständlich pünktlich zum alljährlichen apokalyptischen Kaufrauschhöhepunkt Weihnachten, der nicht nur im Land der unbegrenzten Einkaufsmöglichkeiten vergötterten Shopokalypse, machte sich der nicht bei allen beliebte Aktivist damals auf, das Konsumverhalten der amerikanischen Bevölkerung kritisch zu sezieren. Doch der atypische schauspielernde Prediger oder vielleicht besser predigende Zur-Schau-Steller rauschhafter Manie und manischer Rauschzustände in Sachen Einkaufsverhalten hat noch Reverend Billy and The Church of Stop Shopping liked by Blogger Paul Boegle.einiges mehr auf Lager. Spontane Happenings in Shoppingzentren, die man durchaus als Einkaufsinterventionen der besonderen Art bezeichnen darf oder Teufelsaustreibungen an Bankomaten sind dem Politaktivisten aus New York nicht fremd. Der Bürgermeisterkandidat der Grünen organisiert Protestaktionen gegen Nike oder den wahrgewordenen Traum Disneyland und entblößt die moderne Ware Mensch, welche sich durch Marken eine künstlich geschaffene Identifikation zu verschaffen sucht, einen eigenen Stil zu schaffen versucht, mit den Augen des Spötters, Mahners und Anklägers.      

Ich dachte nicht, dass ich jemals zum rechten Glauben zurückfinden würde. Doch ein Mann hat mir die verblendeten Augen meines fanatischen Atheismus geöffnet und mich als kurzatmigen Trittbrettfahrer in seine volltönenden Reihen seiner The Church of Stop Shopping“ aufgenommen. Wobei ich anmerken darf, dass ich diesen Glauben schon lange selbst praktiziere, mit Reverend Billy aber ein schönes Sprachrohr vorstellen möchte, welcher sich wohl etwas mehr Gehör verschaffen kann als ich dies durch diesen Blog jemals vermag. Stöhnte ich zu Anfang noch vollkommen ungläubig: „Und ausgerechnet ein US-Amerikaner muss es sein, der mich auf den Trampelpfad der Erleuchtung zurückführt, mir den Sinn meines erbärmlichen Lebens mit lauter Stimme in die sich windenden Gehirngänge eintrichtert und mich in ekstatischer Heimkehr Richtung Westen blicken lässt“, so denke ich jetzt pragmatischer. Bevor ich jetzt aber weiter denke und weiterdenke, ein kurzer Shopping Stop und unter dem folgenden Link (sofern dieser nicht irgendwann gelöscht wird) eine kleine Kostprobe der Glaubensgemeinschaft mit leicht anarchischen Tendenzen mit dem Titel Shopocalypse Song

So, zurück vom gospelnden Shopping-Protest? Da schiebt sich doch der Einkaufswagen gleich viel leichter durch die hell erleuchteten Gänge der Konsumtempel und bestimmt den Dreifaltigkeitsrhythmus Ostern-Weihnachten-andere Einkaufsgelegenheiten nachhaltig. Reverend Billy, der mit bürgerlichem und eigentlich gar nicht heilig klingendem Namen auf Bill Talen hört, prangert so ziemlich alles an, was nicht niet- und kreditkartenfest durch die himmelhoch jauchzende Konsumlandschaft der sakralen Shopping Malls kreucht, fleucht und Bic Mac abgefüttert keucht. Und so schlecht kann solch heiliges Tun nicht sein, als dass ich darüber nicht berichten sollte. Ein mobiler Beichtstuhl, der die Bühne nutzt, um singend seinen ganz persönlichen Ablasshandel gegen Profitgier, Ölverschmutzung und dem willfährigen Treiben hinter den klingelnden Kassen zu betreiben. Occupylujah!

Ein amerikanischer Schauspieler, der gegen Umweltverschmutzung singend wettert und die Diskussion um globale Erderwärmung als altmodisch betrachtet, weil eben diese seiner Meinung schon lange stattfindet und wir schon lange im und mit dem Klimawandel leben (müssen). Dinge, welche eigentlich keiner weiteren Diskussion bedürfen, da unmerklich in unserem Alltag verankert, werden nach Art der amerikanischen „echten“ Prediger überbracht. Bill Talen macht sich dabei schamlos die Stilmittel konservativer und rechtsgerichteter Heilsbringer zunutze, zieht sich so an wie jene, kopiert deren Ausdrucksweise oder düpiert religiöse Eiferer, indem er deren Dramaturgie schamlos übernimmt und sich im Namen dieser selbst zur Schau stellt. Und er geht auf Konfrontation mit dem Staat, was auch schon einmal zu seiner Verhaftung durch die „Würdenträger“ der amerikanischen Exekutive führte. 

Kein Michael Moore. Sondern besser!Reverend Billy & The Church of Stop Shopping documentary film | USA, Germany, Spain | 2002 | 60 min + 30 min interview | color The first documentary feature about the beginnings of Reverend Billy, a.k.a. Bill Talen - current green candidate for mayor of New York City.

Mit seiner Elvis-Tolle und dem weißen Anzug sieht der selbsternannte Kirchenmann zwar eher aus wie ein Mittelding aus mittelständischem Staubsaugervertreter und Heino, doch wenn er sein Sprachorgan öffnet und seine Gospel-Messen den sogenannten American Highway of Life gnadenlos durch den Kakao ziehen, mit „Free speech! Free press! Free people!“ genau das trifft, was Obama und Romney nur vom Hörensagen kennen, als bekennender Anhänger der Occupy-Bewegung mit „We are the 99 percent!“ zum Ungehorsam gegen bestehende Finanzsysteme aufruft oder sein Publikum lautmalerisch zum Protest gegen den immer mehr um sich greifenden Konsumismus anstiftet, dann überkommt einen auf einmal ein Gefühl der Seeligkeit. Occupylujah!

Ich mag Michael Moore. Doch irgendwie sind selbst seine Filme mit einem Hauch von Kommerzialisierung kontaminiert. Doch mit dem wilden Reverend Billy kann ich mich um einiges besser identifizieren, da er auf unnachahmlich direkte Weise auf Konzerne losgeht, seinen beißenden Spott gegenüber dem konsumhörigen Menschen verbreitet und trotz alledem subtil mit den Ängsten kritischer ZeitgenossInnen spielt, indem er diese Ängste nicht schürt, sondern ganz im Gegenteil zu Widerstand gegen dieses Denken aufruft und Mut zum Widerstand macht. Natürlich kann sich nicht jede(r) so in der Öffentlichkeit präsentieren wie Reverend Billy dies tut, doch die Meinungsfreiheit und der Kampf gegen Konsumwahnsinn muss ja schließlich nicht immer mit solch scharfer Klinge gefochten werden. Occupylujah!

Sie werden sicherlich einiges an Filmmaterial im Internet über „The Church of Stop Shopping“ finden. Einen Film möchte ich Ihnen aber besonders ans Herz legen. Die von den beiden FilmemacherInnen Lucia Palacios und Dietmar Post stammende Doku „Reverend Billy & The Church of Stop Shopping“ aus dem Jahr 2002, welche von play loud! productions produziert wurde und den Sie bei Klick auf das Schaubild erwerben können (keine Angst, ich bin daran nicht beteiligt).

Prädikat: Unbedingt anschauen, wenn der Reverend und sein Stop Shopping Chor einmal in der Nähe zum gospelnden Einkaufsprotest einladen. 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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