Billa Österreich verpackt jetzt nackte Bananen ohne Schale 1



Billa, sagt der Hausverstand? Mein Verstand sagt etwas ganz anderes

Hatte ich Ihnen nicht erst gestern in meinem beiden Schlusssätzen unter „Geplante Obsoleszenz – bewusste Sollbruchstellen der Wirtschaft“ angedroht, mich dann wieder bei Ihnen zu melden, wenn mir in Zeiten wie diesen etwas Neues einfällt. Und siehe da, da bin ich wieder. Und ich habe Ihnen sogar ein Mitbringsel mitgebringselt. Vom Billa Hausverstand höchstpersönlich sogar. „Na sieh einmal an!„, wird sich manch LiebhaberIn des Damengambits oder anderer undurchsichtiger Denkprozesse jetzt freuen. Doch freuen Sie sich nicht allzu früh, denn meistens kommt es schlimmer und zweitens hat sich bei Billa wohl keiner was gedacht.  

Das folgende Handyfoto, welches seit kurzer Zeit die Internetrunde macht und selbst auf dem US-amerikanischen Tech-Blog Gizmodo Platz nehmen durfte (Pre-Peeled, Re-Wrapped Bananas Are the Most Wasteful Sign of the Apocalypse Yet), wurde in einer österreichischen Billa-Filiale aufgenommen, Eigentlich dachte ich zuerst an einen Photoshop-Scherz, doch da es eben auch von solch renommierten Seiten wie der Süddeutschen Zeitung unter „Aufregung um Billa-Produkt – Nackte Bananen sind erst der Anfang“ veröffentlicht wurde, was selbstverständlich nicht immer Garantie für Richtigkeit ist, gehe ich davon aus, dass wir einen neuen Höhepunkt des Verpackungswahnsinns erreicht haben. Sie sehen also nun die Billa-Banane, die zuerst ihrer billigen natürlichen Verpackung entledigt wurde, um dann zusammen mit anderen krummen Nackedeis in einem luxuriösen Mehrbananenhaushalt mit breiter Frontscheibe, tropffester Duschtasse und blickdichter Rückfront eine Art Wohngemeinschaft zu bilden. Beachten Sie auch die zufriedenen Blicke der nackten Südfrüchtchen, wie sie sich unter den Augen der lüsternen Kundschaft vollkommen schamlos prostituieren, um sich den Erstbesten in den Hals zu werfen. Und das alles nur, um endlich aus der Plastikverpackung herauszukommen. 

Nackte Bananen ohne Schale bei Billa verpackt. Der Verpackungswahnsinn erreicht einen neuen Höhepunkt. Billa, sagt der Hausverstand. Der Verstand von Paul Boegle sagt etwas ganz anderes.

Der zum REWE-Konzern gehörende Discounter wirbt ja tagtäglich in den österreichischen Medien mit „Billa, sagt der Hausverstand“ um die Gunst der käuferwilligen Schichten. Nun dürfte dieser jedoch einem neuen geistigen Höhepunkt entgegengesteuert sein. Oder möglicherweise wurde er ebenso wie besagte Bananen aus der Schale, in diesem Falle also der zuständigen Großhirnrinde oder anderen für den häuslich niedergelassenen Verstand zuständigen denkprozesstechnischen Lappen genommen, um dann luftdicht eingeschweißt in den Verkaufsregalen feilgeboten zu werden. Dass es sich bei dieser Art Hausverstand wohl um leicht verderbliche Abverkaufsware handelt, welche zwischen Hypothalamus und anderen unaussprechlichen Regelkreisen auf InteressentInnen wartet, soll uns dabei nicht stören.

„Felix Austria!“, kann ich da nur anerkennend sagen. Wer bitteschön hat schon Bananen, welche mühsam aus der natürlichen Verpackung geschält werden, um dann in einer künstlichen Verpackung zu landen, welche dann nach dem Verzehr dort landet, wo so mancher Hausverstand wohl schon sein karges Dasein fristet. Bei Billa einkaufen macht nicht nur sichtlich Spaß, sondern sorgt auch für die dringend notwendige Abwechslung beim Gang durch die bestpreisgarantieren Gänge, wo sich die unzähligen Fäden der vorteilsreisenden Ariadnes und nachhaltig denkenden Theseus‘ zielpunktgenau zu einem unentwirrbaren Gewirr an unerschöpflicher Verpackungskunst zusammenrotten. Sie glauben, das war es schon für heute und besser geht‘ eigentlich nimmer? Nun, besser sicherlich nicht als bei Billa, doch bleiben wir der Einfachheit halber gleich bei den Bananen, schließlich müssen die für so manches krumme Geschäft gradestehen. Den Hausverstand können Sie übrigens getrost noch ein Weilchen zu Ihrem nackten Entsetzen ausgeschaltet lassen respektive zusammen mit den entsetzlich nackten Bananen luftdicht und hermetisch abgeriegelt im Einkaufswagen vor sich her schieben.

Die Del Monte Isolationshaft für krumme Dinger

Da gibt es zum Beispiel neben Chiquita und Dole den dritten großen der Branche namens Del Monte. Vielen selbstverständlich ein bekannter Begriff, welcher sich seit langer Del Monte: It’s bananas! Fruit gets a second skin with Del Monte packaging. Wenn Bananen einzeln verpackt werden, ist sichergestellt, dass die Einzelverpackung die einzelne Verpackung rundum schützt. Die Müllberge wachsen und die Industrie produziert trotzdem Schwachsinn.Zeit sein Plätzchen neben unzähligen anderen lieb und teuer gewordenen Marken sein Plätzchen im Olymp des eigenen Hausverstandes ergattert hat. Und Del Monte bürgt für besonders ausgefeilte Verpackungstechniken, an denen sich sogar noch die Damen und Herren bei Billa die Zähne ausbeissen könnten. Denn der verpackende Bananenspezialist geht einen anderen Weg, um die Müllberge aufzuforsten und die Plastikummantelung zum State of the art des isolierten Genusses zu erheben. So berichtete die britische Daily Mail bereits am 1. März 2011, der 1. April wäre wahrscheinlich selbst für immer zu Scherzen aufgelegte Menschenaffen der Gattung Homo sapiens des Guten zuviel gewesen, unter „It’s bananas! Fruit gets a second skin with Del Monte packaging“ samt dazugehörigem Foto, welches Sie jetzt wahrscheinlich schon voller Entzücken und kauenden Kiefern ungläubig betrachten, von Bananen in Einzelhaft, gegen die die Haftbedingungen von Guantanamo wohl nur ein müder Abklatsch ist. Del Monte bewarb das ganze naturbelassene Gefangenedilemma übrigens mit dem Slogan „New! Sealed for Freshness„. Ob es sich dabei um die lapidare Feststellung handelte, dass hier die Frische versiegelt wurde oder die Bananen frisch versiegelt wurden, entzieht sich bis heute meiner Kenntnis. Fakt ist: Kein einziger Menschenaffe, Homo sapiens dabei ausgenommen, würde wahrscheinlich auf die Idee kommen, eine Banane, die sowieso schon einzeln und vor allem bestens verpackt ist, gleich noch einmal einzeln zu verpacken, um bei Bedarf die perfekt geformte Einzelverpackung aus der schwachsinnigen einzelnen Verpackung zu nehmen.

Was uns zum Abschluss zu der Erkenntnis bringt: Luftdicht verpacktem Hausverstand ist es durchaus möglich, scheinbar unüberbrückbare Grenzen zu überwinden, um sich der Unschärferelation von Heisenberg auf vollkommen neuen Schleichwegen und möglicherweise ohne messbaren Ort UND Impuls zu nähern. Ebenfalls legt es die Vermutung nahe, dass sich das Wort Einzelverpackung von Einzeller ableiten lässt und strikt die Verpackungstätigkeit durch Mehrzeller wie z.B. Menschenaffen ausschließt.

Dass Hofer (in Deutschland Aldi) an einer geheimen Konzeptstudie arbeitet, um einen geschälten Apfel in eine aluminiumbeschichtete Polypropylenummantelung zu stecken, um diesen dann als ausgeschlafenen druckfesten Apfel im Schlafrock zu verkaufen, ist allerdings ein böses Gerücht. Obwohl? Mein Hausverstand sagt mir etwas anderes.    


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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