Geplante Obsoleszenz – bewusste Sollbruchstellen der Wirtschaft 1


Die Lebensdauer unserer Konsumgüter wird herstellerseitig gesteuert

Eigentlich dachte ich nach der ORF-Sendung konkret, es war irgendwann Anfang September, in der Sepp Eisenriegler zu Gast im Studio war, dass der Bergriff der sogenannten „geplanten Obsoleszenz“ mittlerweile zu einem allgemein gebräuchlichen Fremdwort in unserer Wegwerfgesellschaft geworden ist. Doch dem ist leider immer noch nicht so. Viele von uns haben sicherlich schon lange den Verdacht, dass mit den „Halbwertzeiten“ von iPhone, Flatscreen oder Waschmaschine so einiges nicht stimmen kann, doch so richtig wissen es nur die wenigsten. Also gehe ich in diesem Artikel noch einmal kurz auf den Begriff ein und stelle Ihnen einige nützliche Projekte und Plattformen vor, welche gegen den breiten Strom der kurzlebigen Konsumgesellschaft und kurzatmigen Werbeversprechen anschwimmen.

Uns ist bekannt, dass etwa Joghurt, Wurst oder Käse im Kühlregal, aber auch Nudeln oder Konserven ein aufgedrucktes Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) mit dem oft gesehenen „mindestens haltbar bis …“ besitzen und danach ungeöffnet in den Mistkübel wandern müssen, weil eben die Haltbarkeit abgelaufen ist, was groß und breit aufgedruckt ist. Steht ja schließlich z.B. in Deutschland seit 1984 laut Lebensmittelkennzeichnungsverordnung gut sichtbar, deutlich lesbar und drittens unverwischbar auf dem jeweiligen Produkt und wird demnach schon seinen guten Grund haben und nicht umsonst solche Informationen bieten. Umsonst? Nein, aber unklar! Denn dieses MHD stellt lediglich eine Garantieerklärung des Herstellers dar und bedeutet in den allermeisten Fällen, dass viele KonsumentInnen Dinge des täglichen Verbrauch wegwerfen, welche bei näherem Besehen, Beriechen, Befühlens und welche mehr oder weniger sieben anderen Sinne uns noch gegeben sind, noch absolut in Ordnung wären, um auf deren Konsum verzichten zu müssen. Dazu vielleicht weiterführend Lebensmittelklarheit – Das MHD ist kein „Verfallsdatum“ oder ein domradio.de-Interview mit Sabine Werth von der „Berliner Tafel“ unter Debatte um Mindesthaltbarkeitsdatum: „Das ist einfach der größte Quatsch“.

Doch jetzt zurück zu jenen Artikeln, welche es faustdick hinter den Kondensatoren haben und die nach Meinung der Hersteller dann für immer und ewig hitzefrei bekommen sollten, wenn die verbauten Teile die vorab gesteuerte Verfallszeit erreicht haben und im Geiste des Wirtschaftswachstums den Geist aufgeben.

Ressourcenverschwendung durch absichtlich verkürzte Lebensdauer  

 

An besagtem Tag war also Sepp Eisenriegler beim ORF und sprach über das bunte Treiben jener, welche aus marktwirtschaftlichen Gründen dem Treiben so mancher von uns gekaufter Haushaltsgeräte, Luxusartikel und was der moderne Mensch am Rande der rasch wachsenden Müllhalden eben so zum vergnüglichen Beisammensein und während des verdrießlichen Alleingangs ein wohl berechnetes schnelles Ende setzen. Ich hatte schon einmal diesen Begriff in meinem Artikel „Foxconn und der saure Apfel von Apple“ ins grausame Spiel eines Neo-Urzustandes posthum Thobbes Hobbes nach den Prinzipien „Ein Konsumkrieg aller gegen alle“ geworfen, in dem alle möglichst alles besitzen, was uns die Werbung als legitimes Recht des Kaufkräftigen gegenüber dem Mittellosen tagtäglich verkauft. In Ermangelung meines beschränkten Verständnisses, die vergangenen Sendungen der ORF-TVthek und damit auch besagte konkret-Sendung zu finden, muss sich Ihnen jetzt eine Verlinkung zu Youtube mit auf den Weg geben (ORF-Magazin Konkret zur geplanten Obsoleszenz mit R.U.S.Z-Geschäftsführer Sepp Eisenriegler). Noch besser allerdings wäre, wenn Sie statt der dort gezeigten acht Minuten gleich einmal 67 Minuten mehr Ihrer konsumorientierungslosen Zeit investieren würden und sich anhand der sehenswerten ARTE-Doku Kaufen für die Müllhalde“ so richtig über jene künstlich herbeigeführten Zeitzünder informieren, welche uns von der Industrie verordnet werden. 

Sepp Eisenriegler gibt den Weg vor, doch die Zivilgesellschaft, gemeinhin auch als mündige BürgerInnen bezeichnet, hat, und dieser felsenfesten Überzeugung bin ich, die Verpflichtung, zur Vermeidung riesiger Müllberge ebenfalls auf diesen Spuren zu wandeln. Im folgenden finden Sie deshalb einige Links zu Projekten und Initiativen, welche Ihnen einiges an Informationen und vor allem noch mehr an bewussten Handeln bieten.

Reparatur- und Service-Zentrum R.U.S.Z.Selbstverständlich findet sich dabei an erster Stelle das Reparatur- und Service-Zentrum R.U.S.Z., welches im 14. Bezirk in Wien gegen unsinnigen Neukauf und sinnvolles länger Nutzen ankämpft. Und, wie könnte es anders sein, hinter dem Service steht, schraubt, zangelt, repariert und werkelt Sepp Eisenriegler und reanimiert vermeintlichen Elektroschrott, haucht Abfällen neues Leben ein und macht aus auf den ersten Blick Nutzlosem auf den zweiten Handgriff Nachhaltiges. Was mich an diesem Dienstleistngsunternehmen jedoch am meisten beeindruckt, möchte ich wortwörtlich wiedergeben:

Im Mechatronikerbetrieb R.U.S.Z finden Menschen Beschäftigung, die am Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Langzeitarbeitslose Menschen und Menschen mit Behinderung bekommen im R.U.S.Z eine unbefristete Beschäftigung und werden zugleich wieder an ein regelmäßiges Arbeitsleben herangeführt. Ihre Qualifikation im Bereich der Umweltdienstleistungen ist ein wichtiger Bestandteil ihres Arbeitsalltages im R.U.S.Z.

Wir bieten unseren KundInnen Reparaturdienstleistungen und gebrauchte Geräte zu fairen Preisen. – Weil wir glauben, dass sich auch sozial Schwächere die Erfüllung ihrer berechtigten Bedürfnisse leisten können sollen. (Quelle: R.U.S.Z. – Unser Auftrag)

Wider die WegwerfgesellschaftMurks? Nein danke! Deine Stimme für nachhaltige Produktqualität.

Und weil eigenverantwortliches Handeln selbstverständlich vor allem vorgeschalteter Informationen bedürfen, steht an zweiter Stelle eine Initiative namens „Murks? Nein danke!„, welche seit Februar 2012 aufgrund des Engagements von Stefan Schridde mittlerweile auch über den bundesdeutschen Grenzen wächst und sich im Kampf gegen geplante Zerstörung durch die Hersteller vernetzt. Doch der Initiator hat noch mehr zu bieten. Um die Community unter einem gemeinschaftlichen Dach zu vereinen, wird ebenfalls ein „hauseigener“ Blog betrieben, den anzuschauen sich unter Murks? Nein danke!-Blog auf alle Fälle lohnt.

Und dann gibt es noch die englischsprachige Seite iFixit. Das vorangestellte kleine „i“ zeigt eigentlich schon, wohin der Weg führt. Mitten hinein in die wunderbare Welt des elektronischen Obstbauern namens Apple. Wer sich vielleicht jetzt schon die oben empfohlene ARTE-Doku angesehen hat, wird wissen, dass dort verhältnismäßig der Name des Marktführers vom Baum der geplanten Obsolesenz fällt, um seine verboten kurzlebigen Früchte zu verteilen. Wer auf der Suche nach Anleitungen zum Reparieren des eigenen Apfeltäschchens ist, Problemlösungen für die unverzichtbare Spielekonsole benötigt sucht oder Ersatzteile für das lieb gewordene elektronische Spielzeug anderer Marken braucht, sollte vielleicht nicht die Flinte ins Korn iFixit is the free repair manual that you can edit. Fix your own hardware with our free service manuals. Step-by-step photos and instructions make it easy.werfen, das Smartphone gleich hinterher, sondern einmal auf iFixit vorbeischauen.

Und zu guter Letzt noch ein spezieller Tipp für all jene, welche einen druckenden Drückeberger, welcher sich vor seinem eigentlichen Druckauftrag drückt, bei sich zuhause beherbergen. Das folgende richtet sich allerdings an Menschen, welche mich durch die angegebenen Verlinkungen nicht mit Sammelklagen eindecken wollen und sich bewusst sind, dass durch Anwenden dieser gezeigten Tricks die Garantieleistungen erlöschen könnten. Also betrachten Sie dies bitte als Information, für welche ich bei unsachgemäßer Handhabe keine Garantie und Verantwortung übernehmen werde. Das Ganze steht aber sowieso noch am Ende jener besagten Seite unter „End user agreement“.

Wer also einen Epson bei sich zuhause stehen hat, welcher außer dieser Tätigkeit keine weiteren Aufgaben übernehmen möchte, da sich aufgrund einer Falschmeldung, welche davon spricht, dass die Druckerkartusche leer sei, die Ratlosigkeit in der bedrückenden Stille des Nichtdruckens breitgemacht hat, sollte sich unbedingt einmal die kostenlose Software SSC Service Utility for Epson Stylus Printers ansehen, bevor der Drucker auf Nimmerwiedersehen auf dem großen Haufen der Müllgeschichte verschwindet.

Sie besitzen keinen Epson Drucker, jedoch ähnliche Probleme wie mit einem solchen Fabrikat? Ja, dann wäre die Seite „Willkommen bei Struzyna.de … und der spannenden Frage, ob es geplanten Verschleiß gibt?!?“ von Fachinformatiker Sven Struzyna ein absolut druckreifer Geheimtipp. Und dort ganz besonders der Punkt Drucker – Reset. Bedenken Sie aber auch bei Sven Struzyna immer eines:

Ich übernehme weder eine Garantie noch die juristische Verantwortung oder irgendeine Haftung für Folgen, die auf die folgenden Angaben zurückgehen! Ich habe div. Anleitungen aus Diskussionsforen aufgenommen. Weitere technische Anleitungen kann ich leider nicht liefern, noch irgendwelche Anfragen hierzu beantworten! 

So, und ich verdrück mich jetzt und komme wieder, wenn mir etwas Neues einfällt. Was in diesen Zeiten eigentlich nicht schwer sein dürfte. Ob geplant oder ungeplant.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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