Irdisches Leben auf außerirdischem Planeten entdeckt 1



2,5 Milliarden Dollar für einen Mikroben-Transport zum Mars

Ja, ich kann es nicht verschweigen! Ich bin stolz, ein vertikal sich fortbewegendes und horizontal schlafendes Säugetier zu sein. „Ecce Homo!“ brülle ich jeden Morgen voller Vorfreude schon, während ich mit brustbehaarter Haaresbreite, lendenbeschürzter Gemäch(t)lichkeit und aufrechtem Gang schlaftrunken das mit anderen Clanmitgliedern meines Verbandes gemeinschaftlich geteilte Badezimmer im Sturm erobere, um daraufhin im Angesicht meines funkelnden und Energiesparlampen voll ausgeleuchteten Spiegelbildes die wahre unrasierte Krone der Schöpfung zu erblicken.

Paul Boegle, der Rasier-Schaum-Schläger schäumt auf seinem Weblog Bio Natur unter http://weblog.bio-natur.at/Rasierschaumschlägernd stelle ich mir dabei Schnitt für Schnitt vor, wie furchtbar es justamente sein müsste, ein ziellos durch die Weltgeschichte hüpfender Beutelsäuger oder ähnliches Fabelwesen sein zu müssen, welcher voller gebeutelter Sackratten seinen Nachwuchs vor was auch immer in Sicherheit bringen muss, um sein erbärmliches Leben an auch noch nach Jahrtausenden hüpfende, hoppelnde und springende Nachkommen weiterzugeben, ohne jemals in den Genuss einer energiesparumwölkten Rasur inmitten anderer Stammesangehöriger zu kommen, welche das Badezimmer wie weiland Wolfgang Borchert draußen vor der Tür in kriegszuständliche Oasen der beneidenswerten Körperpflege verwandeln und durchs Schlüsselloch den ungekrönten Herrscher, also mich, dieser tropfenden Schöpfungsgeschichte aus chromlegierten Wasserhähnen, welcher wie einst Jesus durch den dritten plätschernden Tropfen verraten wird, um Einlass bettelnd bitten.

Und während ich so dastehe, wie Gott mich gerne geschaffen hätte, was aber aus leider nur der Kirche bekannten Gründen für mich als ein Ding der Unmöglichkeit abgetan werden muss und deshalb im gotteslästerlichen Konjunktiv auf kommende Auferstehung verharren muss, und meinem tagtäglichen Schnitterwerk im Namen des demnächst glattrasierten Herrn Boegle nachgehe, beginnen meine Gedanken, sich in tieferliegenden Regionen des Körpers zu sammeln, um dort Nachschau zu halten, was denn der Mensch so alles mit sich herumschleppt und unbemerkt von hinnen nach dannen und meist auch wieder zurück trägt. Bestandsaufnahme oder Inventur nennt so etwas der buchhalterisch aufrecht begabte und von Zahlenspielereien horizontal evolutionierte Ecce Homo sapiens oder eben unbezahlbare Krone der auf Pump finanzierten Schöpfung. Nun, da mir zwar selten die Worte, jedoch meist die Zahlen, Fakten und andere mathematische Gleichnisse abseits der biblischen Gleichungen abhanden kommen respektive erst gar nicht in meinem großhirnrindenummantelten Fundus vorhanden sind, muss ich mich in diesem Fall auf die Hilfe anderer von sicherlich ebenso vielen Bakterien geplagten Leidensgenossen verlassen. Und so finde ich unter Ökosystem Mensch gar ganz grauslich interessante Fakten wie etwa:

Leben auf dem Menschen

Falls Außerirdische jemals einen Menschen treffen sollten, würden sie ihn korrekt beschreiben als Ansammlung kleiner Lebewesen, die einen Gesamtorganismus bilden. Etwa so: „Die irdische Lebensform besteht aus 988 verschiedenen Spinnentieren, 100 000 000 000 000 Bakterien, 1 Mensch, etwa 70 Amöben und manchmal 500 Madenwürmern. Angesichts dieser Mehrheitsverhältnisse stellt sich die Frage, wer hier wessen Untertan ist.

Aber nicht genug dieser Schreckensmeldungen und Horrorszenarien, welche sich da in meinem Innersten abspielen und mir ab sofort die speichelnasse triefende Sprache für immer und ewig verschlagen.

Die Mundhöhle ist eines der komplexesten Biotope des Körpers, das unterschiedlichste Nischen enthält, sogar für Bakterien, die ohne Sauerstoff überleben. Obwohl der Speichel antibakterielle Substanzen enthält, gleicht der Raum zwischen den Zähnen und Zunge einem Schlaraffenland für Mikroben: Es ist schön feucht und der Tisch meist reich gedeckt. Amöben, Geißeltierchen, Hefen und bis zu einer Milliarde Bakterien finden sich in einem Milliliter Speichel. Bei mangelnder Hygiene wuchern Besiedler allerdings derart, dass sie schwefelige Giftgase bilden und Zahn sowie Zahnfleisch schädigen. Während die Nase ebenfalls besiedelt ist, gehören Luftröhre und Lungen zu den sterilen Regionen des Körpers. Zwar gelangen immer wieder Mikroben in die verbotenen Zonen, doch werden sie im gesunden Körper von verschiedenen Mechanismen der Abwehr schnell und effizient bekämpft. ähnliches gilt auch für Keime, die in die sterile Blase einwandern wollen. Sie werden mit dem Harnstrahl fortgespült.

Neues Leben auf dem Mars dank der Marssonde Curiosity?

Warum schreibe ich dies eigentlich in dieser Ausführlichkeit? Es gab in den späten 80ern und frühen 90er Jahren einmal eine Musikband mit dem schönen Namen „Curiosity Killed The Cat“, welche unter anderem mit dem Song „Misfit“ ganz ordentliche Erfolge einsang. Jetzt, 26 Jahre nach Veröffentlichung dieses Songs, hat sich die Menschheit unter Führung der NASA dank der Marssonde Curiosity wieder einmal auf den Weg gemacht, ihre gesellschaftliche Außenseiterrolle im doch recht dünn besiedelten Weltraum und speziell auf dem roten Planeten in geordnete Umlaufbahnen zu lenken. Vor kurzer Zeit hat Neil Armstrong seinen letzten kleinen Schritt abseits der großen Menschheit getan. Leonard Simon Nimoy hat seit Langem seine spitzen Ohren in die Weiten des Alls gebeamt. Und mit dem Slogan „Mars macht mobil“ alleine lässt sich auch kein extraterrestrischer Vater Staat mit gleichzeitiger Eroberung von neuem Mutter Land machen. Also befriedigen wir unsere milliardenschwere Neugierde mit der Entsendung eines Blechtrottels in die Weiten des Raumes, welcher stellvertretend für Neil, Leonard und selbstverständlich auch für mich stellvertretende Löcher im Namen aller in die Marsoberfläche bohrt, um dort stellvertretend für wen auch immer nach Wasser, Erdöl oder was auch immer zu schürfen.

Nun schrieb die auf dem Heimatplaneten Erde angesiedelte Los Angeles Times unter Zuhilfenahme von Schwerkraft und anderer physikalischer Gesetzmäßigkeiten unter „If the Mars rover finds water, it could be H2 … uh oh!“ jedoch:

If Curiosity locates H2O, a simmering NASA controversy will boil over. The rover’s drill bits may be tainted with Earth microbes that could survive upon touching water.

For all the hopes has pinned on the rover it deposited on Mars last month, one wish has gone unspoken: Please don’t find water.

Scientists don’t believe they will. They chose the cold, dry equatorial landing site in Mars‘ Gale Crater for its geology, not its prospects for harboring water or ice, which exist elsewhere on the planet.

But if by chance the rover Curiosity does find H2O, a controversy that has simmered at NASA for nearly a year will burst into the open. Curiosity’s drill bits may be contaminated with Earth microbes. If they are, and if those bits touch water, the organisms could survive.

Da flogen also 2,5 Millarden Dollar, ein Marsroboter namens „Neugierde“ und möglicherweise eine mikrobiologisch verunreinigte Bohrspitze mit blinden Passagieren unbekannter Anzahl an Bord in die Luft, um jetzt neuen Lebensraum in einer Entfernung von 200 Millionen Kilometern zu erobern? Das Hamburger Abendblatt schreibt zwar wie viele andere Medien: „Zwar sei es sehr unwahrscheinlich, dass Keime die Reise zum Mars und die Landung dort überleben könnten, hieß es. Eine Verunreinigung sei dennoch möglich, falls der Forschungsroboter Wasser auf dem Planeten entdecke. In feuchten Umgebungen haben Keime gute Überlebenschancen.“ (Nasa-Roboter „Curiosity“ könnte Wasser auf dem Mars verunreinigen).

Kann lustig sein, muss aber nicht so sein!

Das mit dieser Wahrscheinlichkeitsrechnung ist ja so eine Sache. Nehmen wir doch, nebenbei bemerkt bin ich mit dem Rasieren längst fertig, solch irdische Luxusallgemeingüter wie Atomkraftwerke zum besseren Vergleich her. Da steht z.B. auf dem von der International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW) betriebenen Webseitenprojekt unter „In Europa kommt es mit einer 16-Prozent-Wahrscheinlichkeit zum Super-GAU“ bezüglich der Wahrscheinlichkeit, dass ein Super-GAU eintritt:

Das Risiko, dass es zu einem schweren Atomunfall, zum Super-GAU, kommt, ist keineswegs gering. Nach der offiziellen „Deutschen Risikostudie Kernkraftwerke – Phase B“ kommt es in einem deutschen Atomkraftwerk mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,9 x 10-5 pro Jahr (2,9E-05/a) zu einem Kernschmelzunfall. Legt man heute eine Betriebszeit eines Atomkraftwerks von 40 Jahren zugrunde, so ergibt sich für einen Atomkraftwerksblock eine Super-GAU-Wahrscheinlichkeit von 0,1 Prozent.Mit der Zahl der betriebenen Atomkraftwerke steigt natürlich die Wahrscheinlichkeit für einen Super-GAU. In der Europäischen Union waren Anfang des Jahres 2004 mehr als 150 Atomkraftwerksblöcke in Betrieb. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in Europa innerhalb von 40 Jahren zu einem Super-GAU kommt, liegt demnach bei 16 Prozent oder anders ausgedrückt bei 1 zu 6.Dies entspricht der Wahrscheinlichkeit, beim Würfeln auf Anhieb eine 6 zu würfeln.Wahrscheinlichkeit für einen Super-GAU weltweit: 40 Prozent.

Nein, Gott würfelt wirklich nicht. Das macht Ecce Homo sapiens superior schon selbst in seiner Eigenschaft als In-den-Arsch Treter auf Erden. Dass er nun den Knobelbecher auch an mikroskopisch kleine Vasallen weiterreicht, macht die ganze Sache natürlich umso interessanter und effektiver, um in möglichst kurzer Zeit auch andere Himmelskörper dem Erdboden gleichzumachen, was jetzt leider kein Kompliment darstellt. Oder, um mit den Worten von Dr. Bruce Betts von The Planetary Society zu schließen, welcher in dem bereits in der Los Angeles Times angesprochenen Artikel zu dem höchst amüsanten Ergebnis kommt:

We keep learning more and more about Mars and the amazing durability of life,“ said Bruce Betts, a spokesman for the Planetary Society in Pasadena. „So wouldn’t it be tragic if some future expedition were to discover life on Mars only to discover later that it had actually discovered life from Earth?

Ja, lustig wäre es schon, wenn die Menschheit irgendwann wirklich Leben auf dem Mars oder anderen Planeten entdeckt und dabei zu der traurigen Erkenntnis kommt, auf ihren eigenen Spuren zu wandeln. Klar ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, dass diese Art von höher entwickeltem Säugetier überhaupt zu einer Erkenntnis kommt, doch wie bereits gesagt: Die Wahrscheinlichkeitsrechnung arbeitet mit vielen großen Unbekannten. Dabei ist Gott noch die berechenbarste Variable.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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