Kreditanstalt für Wiederaufbau = Kreditanstalt für Raubbau? 1


Verdammt viel Kohle für die Kohle

Fragen Sie mich jetzt bitte nicht, warum ich ausgerechnet hier in Wien über eine kleine Anfrage einiger Abgeordneter des Deutschen Bundestags gestolpert bin und diese auch noch für ziemlich interessant halte, weil sie im Großen und Ganzen und bei entsprechender Stückelung eigentlich gar nicht so klein ist. Ist eben so. Im konkreten Fall handelt es sich um jene vom 25. Juli 2012 mit dem Namen „Finanzierung von klimaschädlichen Kohlekraftwerken und Tagebauen durch die KfW Bankengruppe„, unterzeichnet von Renate Künast, Jürgen Trittin und Fraktion. So heißt also dieses unscheinbare Appetithäppchen.

Jetzt muss man selbstverständlich erst einmal wissen, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau oder kurz KfW eigentlich nicht nur das im Namen trägt, für was sie oftmals gehalten wird: Wiederaufbau in und Verdammt viel Kohle für die Kohle. Fragen Sie Paul Boegle jetzt bitte nicht, warum ich ausgerechnet hier in Wien über eine kleine Anfrage einiger Abgeordneter des Deutschen Bundestags gestolpert bin und diese auch noch für ziemlich interessant halte. Ist eben so. Im konkreten Fall handelt es sich um jene vom 25. Juli 2012 mit dem Namen “Finanzierung von klimaschädlichen Kohlekraftwerken und Tagebauen durch die KfW Bankengruppe”, unterzeichnet von Renate Künast, Jürgen Trittin und Fraktion. Jetzt muss man selbstverständlich erst einmal wissen, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau oder kurz KfW eigentlich nicht nur das im Namen trägt, für was sie oftmals gehalten wird: Wiederaufbau in und rund um deutsche Landen.rund um deutsche Landen. Nein, so einfach ist es auch wieder nicht. Wer sich jetzt die Mühe macht und per digitalem Surfbrett die Unternehmensseite ansteuert, dabei einige Klippen umfährt, wird möglicherweise irgendwann auf der Unterseite „Umwelt“ wieder an virtuelles Land gehen. Und dort ließe sich dann beim Bytes und Bits Schnorcheln folgendes lesen:

Verantwortung übernehmen – Vielfalt erhalten: Umweltschutz wirkt

Die Nachhaltigkeit des eigenen Tuns und der von ihr initiierten Projekte sind für die KfW als Bank von entscheidender Bedeutung und gehören sogar zu ihrem weltweiten Förderauftrag. Ziel ist es, Geschäftsideen für nachhaltige Investitionen anzuregen, die der Umwelt und der wirtschaftlichen Entwicklung gleichermaßen zugute kommen. Im Umkehrschluss finanziert die KfW deshalb keine Vorhaben, bei denen untragbare ökologische oder soziale Folgen voraussehbar sind. Insofern stellt die KfW auch in ihrem gesellschaftlichen Engagement unter CSR-Gesichtspunkten Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz in das Zentrum ihres Engagements und übernimmt – über den gesetzlichen Förderauftrag hinaus – Verantwortung. Mit dem Leitthema „Artenvielfalt – Biodiversität“ soll die existenzielle Dimension von Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz aufgezeigt und Verständnis für Ursachen und Wirkungen geschaffen werden. Gemeinsam mit ihren Partnern will die Bank somit die breite Öffentlichkeit für eine bewusstere Wahrnehmung der Umwelt sensibilisieren und Wege dazu aufzeigen. Denn lokales Handeln hat globale Konsequenzen, so wie auch globale Entwicklungen auf lokale Verhältnisse einwirken. Dies möchte die KfW mit verschiedenen Aktionen deutlich machen. (Quelle: KfW – Umwelt)

Mmh, ja, so stelle ich mir das Engagement einer Bank vor. Da habe ich schon über ganz andere Zielsetzungen ganz anderer deutscher Banken geschrieben, welche selbst meine kühnsten Vorstellungen bei Weitem übertrafen und bei deren todsicherem Eintreten jede lebensverlängernde Maßnahme praktisch bares Geld bedeutet („Der Fonds Kompass Life 3: Die todsicheren Geschäfte der Deutschen Bank„). Klappe zu, Affe tot, Artikel fertig! Wenn da eben nur nicht diese verdammte Anfrage, und mag sie auch noch so klein gewesen sein, dieser verdammten Grünen gewesen wäre. Das ließ mir grünem Verdammten aber auch gar keine Ruhe. Antworten zu dem 17-teiligen Fragenkatalog habe ich bis zum heutigen Zeitpunkt zwar noch keine gefunden, doch scheinbar beschäftigt dieses Thema auch andere Menschen. So findet sich im virtuellen „Klima der Gerechtigkeit“ eine weitere Frage unter „Kohle für die Kohle: Ist die KfW eine klimafreundliche Bank?

Rußgeschwängerte weiße Weste

Bekannt ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auch über einen Expert/innenkreis hinaus für ihr Engagement in Sachen Energieeffizienz, Enerneuerbare Energien und Klimafinanzierung. Die KfW hat aber in den letzten Jahren auch mehrere hundert Millionen Euro in den Aus- und Neubau von Kohlekraftwerken, Kohleminen und Kohleinfrastruktur investiert. Das hat die NGO urgewald für ein aktuelles Briefing recherchiert. Damit liegt die KfW weltweit an siebter Stelle derjenigen Finanzinstitute, die den Neubau von Kohlekraftwerken finanzieren. Sie ist aktuell weltweit an mindestens neun Neubauten beteiligt (in Südafrika, Thailand, Chile, Indien und Deutschland), an zwei Kohleinfrastrukturprojekten (in Australien und Serbien) und plant außerdem, den Neubau eines Kohlekraftwerks in Griechenland zu finanzieren.

Switchen wir also kurzerhand zur schon angesprochenen Studie mit dem Titel „Kohlefinanzierung – worüber die KfW lieber schweigt.“ von urgewald, welche ich auch schon mehrmals im Zusammenhang mit Banken (siehe z.B. „Nukleare Banken: Das atomare Bankgeheimnis“ oder zum heutigen Thema noch spezifischer „Bankrolling Climate Change: Dicke Kohle mit Kohlekraft„) in eigenen Artikeln auf diesem Blog erwähnt habe.

In Deutschland ist die KfW vor allem als Förderer von Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien bekannt. Rund ein Drittel ihres gesamten Fördervolumens 2011 ging in diesen Bereich. Das 100.000 Dächer-Solarstrom-Programm und Kredite für ökologische Haussanierungen zur CO2-Einsparung gelten in anderen Ländern als Vorbild für erfolgreiches grünes Banking. Doch neben dieser grünen Front gibt es auch eine dunkle Seite der KfW: sie vergibt trotz Klimakatastrophe Kredite für Kohleprojekte und treibt so weltweit Ausbau und Verbrennung von Kohle voran. In den letzten Jahren hat sie mehrere hundert Millionen Euro in den Ausbau und Neubau von Kohlekraftwerken, Kohleminen und Kohleinfrastruktur investiert. Damit kommt sie bei einem Vergleich internationaler Finanzinstitute, die in den Neubau von Kohlekraftwerken investieren, weltweit auf Platz sieben.

In einem irrt urgewald allerdings gewaltig. Die KfW begnügt sich nicht mit mehreren hundert Millionen, sondern hat zwischen 2006 und 2011 insgesamt 1,9 Mrd. Euro an Zusagevolumen für Kohlekraft bereitgestellt. Nach eigenen Angaben übrigens, wie unter „Warum fördert die KfW Bankengruppe Kohlekraftwerke?“ nachzulesen ist.

Die KfW Bankengruppe finanziert in begrenztem Umfang sowohl den Bau als auch die Modernisierung von Kohlekraftwerken in Industrie-, Entwicklungs- und Schwellenländern. Für die Jahre 2006 bis 2011 beläuft sich das Zusagevolumen für Kohlekraftwerke auf insgesamt EUR 1,9 Mrd., wobei die einzelnen Jahreswerte starken Schwankungen unterworfen sind. Das entspricht 0,4% des Neuzusagevolumens der KfW Bankengruppe in diesem Zeitraum.

Als Rechtfertigung für dieses Vorgehen führt die KfW ein paar Sätze weiter vorne unter anderem an, dass „Kohlekraftwerke können insofern ein bedeutender Baustein für die wirtschaftliche Entwicklung und damit die Armutsbekämpfung sein. Nun habe ich, um zum Schluss zu kommen, einen wunderschönen Blogpost von Melitta Steele auf Greenpeace Austria gefunden, welcher sich auf die beiden südafrikanischen Kohlekraftwerke Medupi und Kusile bezieht. Die beiden Großdampferzeuger mit jeweils 4800 MW Leistung wurden dabei über den verlängerten Arm der KfW, die KfW IPEX-Bank, mitfinanziert. Vom Leistungsumfang entspricht dies in etwa dem Sechsfachen eines deutschen Kohlekraftwerkes, verbunden mit sagenhaften 60 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Selbstverständlich nicht über die gesamte Laufzeit, sondern pro Jahr (Der Klima-Lügendetektor: KfW – Saubere Werbung, dreckige Kohlegeschäfte). Und wer möglicherweise auf der intermedialen Repräsentanz in Johannesburg vorbeischaut, bekommt dort voller Stolz zu lesen, dass „die Finanzierung von Kusile vom Fachmagazin Euromoney Project Finance als „Deal of the Year 2009“ ausgezeichnet“ wurde. Welche umweltpolitischen Faktoren dafür verantwortlich waren, steht leider nicht dabei.

Eine lange Durststrecke durch Kohlekraft ist vorprogrammiert

Unter „Die versteckten Wasserkosten für Südafrikas Kohle-Sucht“ gibt also Melitta Steele folgendes zu bedenken:

(…) Die Menge an Wasser, die jedem einzelnen Menschen auf der Welt zur Verfügung steht, nimmt zusehends ab. Nirgends auf der Welt ist die Geschwindigkeit dieser Abnahme so dramatisch wie in Afrika. Schätzungen zufolge wird Südafrika bereits im Jahr 2030 nicht mehr in der Lage sein können, seinen Wasserbedarf zu decken.

(…) Zwei neue, gigantische Kohlekraftwerke (Medupi und Kusile) werden gerade vom nationalen Energieversorgungsunternehmen, Eskom, gebaut und zwei neue Kohlenbergwerke werden genehmigt, ohne eine klare Idee davon zu haben, welche Auswirkungen dies auf die Wasserversorgung haben oder woher das Wasser dafür kommen wird.

Fakt ist, dass lokale Gemeinden Gefahr laufen, ihre Wasserrechte zu Gunsten des Kohleabbaus abgeben zu müssen. Kusile wird für die gleiche Menge produzierter Elektrizität 173-mal so viel Wasser (link: Kusile will use 173 times more water)verbrauchen wie Windkraftwerke und Eskom bekommt das benötigte Wasser auch bereitgestellt, komme was wolle.

Eskom spielt eine sehr einflussreiche Rolle in Südafrika – hat aber keine wirkliche Rechenschaftspflicht und behauptet weiterhin, dass Kohle die billigste Quelle für Elektrizität ist und dass weitere Investitionen in Kohle nötig sind, um „die Lichter brennen zu lassen“. Doch Privathaushalte sind für lediglich 16-18% des Energieverbrauchs des Landes verantwortlich. (link: But residential users only amount for 16-18% of this country’s electricity use.)

Was das Unternehmen wirklich meint, ist, dass neue Investitionen in Kohle nötig sind, um den energieintensiven Industrien gerecht zu werden, mit massiven nicht erfassten Auswirkungen auf die Wasserversorgung und zu Lasten der 12,3 Millionen SüdafrikanerInnen ohne Zugang zu Elektrizität.

Eines ist klar: Südafrika wird grundlegende Entscheidungen treffen müssen, wie seine schwindenden und zunehmend teuren Wasserressourcen in Zukunft verteilt werden. Derzeit sieht es so aus, als ob die Landwirtschaft (und damit die Nahrungsmittelsicherheit) und lokale Gemeinschaften im Kampf um den Zugang zu Wasser die großen Verlierer sein werden, während energieintensive Industriezweige als Sieger hervorgehen werden. Südafrikas anhaltende Abhängigkeit von Kohle liegt der Frage zugrunde, ob auch in Zukunft sauberes Wasser aus den südafrikanischen Leitungen rinnen wird.

Mt drastischen Zahlen beschreibt Georg Ehring unter „Wohlklingende Worte – klimaschädliches Handeln„, was die Kreditanstalt für Wiederaufbau (als eine von vielen Banken) scheinbar zu vergessen scheint:

Die meisten neuen Kraftwerke entstehen in Asien, aber auch in Europa werden Kohlekraftwerke gebaut, so in Polen und in Deutschland. Südafrika, der Gastgeber des Klimagipfels in Durban, setzt bei der Energieversorgung weiter auf Kohle. Es gibt mehrere Großprojekte, in Kusile soll das größte Kohlekraftwerk der Welt entstehen. Kohle sei zwar in der Gewinnung billig, Umweltschäden würden aber ignoriert, sagt Ferrial Adam:

„Wenn man den Wasserverbrauch, die Schäden für das Klima und die Umweltfolgen des Bergbaus zusammen betrachtet, kommt man auf 60 Milliarden Rand pro Jahr. Der größte Teil davon betrifft die Folgen des Wasserverbrauchs.“

Also ungefähr sechs Milliarden Euro – vor allem die Verwendung von im Bergwerk vergiftetem Wasser sorge für Umweltschäden in der Region. Die Schädigung des Klimas sei nur eine der Umweltfolgen der Kohlenutzung.

(…) Die KfW ist die Förderbank des Bundes – im In- und Ausland aktiv beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Durch ihr Engagement in der Kohlefinanzierung würden solche Ansätze konterkariert.

„Wir haben uns ja auch die Selbstverpflichtungen der Banken angeschaut und gesehen, dass das überhaupt keine Rolle spielt, also selbst die Klimakiller Nummer eins bis 20 – die haben also unglaubliche Statements zum Thema Klima auf ihrer Webpage und in ihren Berichten. Also: Da merkt man einfach, dass die Banker gar nicht wissen, was in ihrem Portfolio ist und sich scheinbar da auch nicht darum kümmern.“

Doch glücklicherweise ist ja nicht alles so schwarz wie die von der KfW finanzierte Kohlekraft. So schließe ich mit einem hoffnungsfrohen Schimmern, welches ich abermals der Unternehmensseite entnommen habe. So lässt mich das Kreditinstitut wissen: „Die KfW Bankengruppe arbeitet schon seit einigen Jahren klimaneutral. Für ihre 4.300 Mitarbeiter bezieht sie ausschließlich zertifizierten Ökostrom und leistet somit einen beachtlichen Beitrag zur CO2-Reduzierung (9400 Tonnen pro Jahr).“ Verglichen mit den 6850 finanzierten CO2-Tonnen in Südafrika geradezu vorbildlich, was hier im eigenen Hause kompensiert wird. Einziges Problem: Diese CO2-Menge rauscht pro Stunde in die Atmosphäre. Dies bedeutet, die KfW verhält sich mit ihren Krediten für Südafrikas brandneue Kohlekraft immerhin 82 Minuten klimaneutral. Aber, wie bereits geschrieben, die Banker können sich schließlich nicht um alles kümmern.
 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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