Google – Die neue Weltpolizei für Friede, Freude und Byteskuchen? 1


Visualisierte Spreng- und Feuerkraft dank Google

Wissen Sie, es soll doch tatsächlich noch Menschen geben, welche sich nicht entscheiden können, ob die Erfindung des Rades oder die des Schwarzpulvers mehr Vorteile und Spaß für die morbide Menschheit gebracht hat. Ich muss gestehen, ich bin einer von diesen wenigen, welche nicht wissen, ob Fahren oder Schießen für mein Leben von größerer Bedeutung ist. Gut, man könnte jetzt einwenden, dass aus dem fahrenden Auto heraus zu schießen dann wohl das ultimative Vergnügen darstellen müssste. Das bringt leider einen kleinen, wenn auch entscheidenden Nachteil hinter dem feuernden Steuer mit sich. Wenn ich mit einer Hand lenke und mit der anderen aus allen Rohren steuernd feuere, mit welcher Hand soll ich dann bitte telefonieren? Na, sehen Sie, gar nicht so einfach.

Doch wer telefoniert eigentlich noch in virtuellen Zeiten wie diesen, wo gegen den digitalen Datenstrom zu schwimmen fast schon an Provider-Blasphemie grenzt? Chatten ist angesagt, Skypen in Mode, Facebooken wird uns bereits mitsamt dem neuen Smartphone in die Wiege gelegt und die Hand an der verlinkten Wiege steuert den Router samt Heimnetzwerk Richtung digitale Autobahn. Komplett mit Kinderwagen, Kind und Kegel. Suchmaschinen leisten gute Dienste, wenn es darum geht, unser allmächtiges Nichtwissen in mächtiges Allwissen zu transformieren und Gott bleibt nur die Möglichkeit, entweder selbst zu twittern oder im digitalen Gezwitscher mit fliegenden Fahnen unterzugehen und nicht mehr aufzuerstehen.

„Google macht Dinge, die nicht einmal die CIA kann“

Sage nicht ich, sondern einer, der es wahrscheinlich besser wissen muss. Vizepräsident Fred Burton von Stratfor. Eine private US-Firma, die aufgrund ihrer nachrichtendienstlichen Aufgabenstellung, oder was sich das Unternehmen auch sonst so zum Ziel gesetzt hat, auch gerne als „Schatten-CIA“ (siehe z.B. „George Friedmann: Der enttarnte Chef der Schatten-CIA“ oder auch sehr interessant in der taz:“Das Geschäft mit den Informationen„) bezeichnet wird. Mag schon sein, dass Googlezu solchen Dingen fähig ist, von denen wir und selbstverständlich auch Herr Burton bisher nicht einmal zu träumen wagten. Naturgemäß sehen dies die Vertreter des Software-Riesen etwas differenzierter. Oder eben anders.

„Google hat die Möglichkeiten, die große Probleme der Welt anzugehen“, sagt Rani Hong, ein Überlebender des unmenschlichen Kinder- und Sklavenhandels in Indien. (Kleine Zeitung: „Dinge, die die CIA nicht kann„)

Von einer „Staatskunst des 21. Jahrhunderts“ ist hier die Rede. Wenn Supermächte, internationale Gemeinschaften oder NGOs versagen, muss jemand in diese Bresche springen, um der Welt endlich jenen lang ersehnten Frieden zu bringen. Google möchte dieser Jemand sein. Drogenbosse aufspüren, Diktaturen stürzen, Geldwäsche offenlegen und Waffenhandel transparent machen. Es gibt sicherlich viele Möglichkeiten, um als digitaler Blauhelm durch die virtuellen Lande zu geistern und dank unscheinbarer friedlicher Bites und Bytes die Welt in geordnete Bahnen zu lenken. Google wird es also schon richten. Und weiter heißt es in besagtem Artikel:

Experten sind sich zumindest in einem Punkt einig: „Die traditionelle Souveränität des Staates wird durchbrochen“, sagte etwa die ehemalige US-Außenpolitikern und heutige Princeton-Professorin Anne-Marie Slaughter dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Ohne privates Geld und Intelligenz werde es künftig jedoch nicht mehr gehen, ist sie überzeugt. Cohen und Google seien auf dem richtigen Weg, der aber durch das sensible Gebiet der nationalen Sicherheiten führt. Dann fügte sie an, was unvermeidbar scheint: „Es wird Spannungen geben“.

Nun, diese Erkenntnis dürfte wenig überraschen. Aber angesichts der derzeitigen Spannungen auf vielen Kontinenten dieses Planeten kann es eigentlich sowieso nicht mehr viel schlimmer kommen. Dass sich dabei ein politischer Kontinentaldrift mit Hang zum privatwirtschaftlichen Verselbständigungsprozess dank potenter Großaktionäre, entwickeln könnte und Staaten hinsichtlich sicherheitspolitischer Fragestellungen oder verschleierter Geldflüsse durch eine Maschine respektive die Menschen hinter dieser erpressbar werden, erzeugt doch leichtes Unbehagen. Dieser Faden lässt sich weiterspinnen, wenn wir hinterfragen, woher eigentlich diese ganzen Gelder stammen, welche z.B. in zukünftige weltpolizeiliche Aktienpakete zum Wohle der Menschheit gesteckt werden und für den friedlichen Abgesang der Gefangenenchöre welcher Coleur auch immer sorgen sollen? Was, wenn reingewaschenes Schwarzgeld dafür verantwortlich ist, dass jene Gelder, welcher an den Finanzämtern vorbei langsam in den globalen Hades des Großreinemachens tropfen, dank des Internetgiganten wieder an die Oberfläche geschwemmt werden? Ironie des Schicksals oder wer zu spät kommt, den bestraft Google? Dürfen wir uns damit zufriedengeben, wenn wir dank der Waffenlobby, welche in Google investiert, erfahren, dass Batman mit einer Waffe aus Sri Lanka erschossen wurde und Dutzende von ZuschauerInnen mit Munition „Made in Austria“ das Ende der Vorstellung nicht miterleben durften? Zu sarkastisch?

850 Milliarden Dollar zivile Waffen für ziviles Blutvergießen

Doch genau diesen Weg beschreitet diese unsere digitale Welt in Form unseres digitalen Stellvertreters Gottes auf Erden. Der Google Think Tank hat nun eine Visualisierung mit dem schönen Titel „Small Arms and Ammunition – Imports & Exports“ (funktioniert bisher nur mit Google Chrome einwandfrei) durch seine kreativen Köpfe fertiggestellt und für alle einsehbar ins Netz gestellt. Die Visualisierung der weltweiten Waffenströme und des Waffenhandels in schöner 3-D-Rundumansicht soll uns offenbaren, wie sich unser Heimatland mit kleinen Feuerwaffen wie etwa Pistolen und Gewehren sowie der dafür notwendigen Munition eindeckt und mit wem die einzelnen Staaten, Anbieter, Hersteller und Lieferanten denn so ihre feuerbereiten kriegstreiberischen Beziehungen unterhalten. Selbstverständlich sehen wir nicht, ob in Nachbars Garten Tretminen aus den USA vergraben sind oder womöglich mit einsatzbereiten russischen Maschinengewehren die Frontlinie hinter dem Wohnzimmerfenster verläuft. Aber es doch gut zu wissen, dass Schätzungen zufolge (es wurden mehr als eine Million Datensätze aus den Jahren 1992 – 2010 ausgewertet) zivile Waffen im Wert von 850 Milliarden Dollar rund um den Globus wandern. Zu sarkastisch?

Fast zwei Drittel aller Toten durch Schusswaffen sind dabei auf den Gebrauch solcher „ziviler“ Waffen zurückzuführen. 650 Millionen dieser „zivilen“ Waffen befinden sich in Vaterhand, Mutterhand und nicht zuletzt Kinderhand. Klar, zivile Waffen gehören schließlich in die Hände der Zivilbevölkerung, alles andere würde diesen Begriff ad absurdum führen. Ob Google oder in Zukunft auch andere uns mit solchen schönen Applikationen die geschlossenen Augen öffnen werden, lasse ich schlussendlich offen. Doch ob sich bei solch lukrativen Geschäften die Beteiligten ausgerechnet von Google auf die Finger klopfen lassen, wage ich mehr als nur zu bezweifeln. So sensibel ist die Welt der Waffen dann wiederum nicht, als sich an den digitalen Pranger stellen zu lassen. Und vor allem stehenzubleiben.  


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen