Photocircle – ein weiterer Circle zieht seine Kreise 3



Was zum digitalen Teufel bedeutet nachhaltiges Fotografieren?

Genau diese, oder vielleicht auch unter Zuhilfenahme des analogen Satans in etwa sinngemäß, Frage stellte ich mir, als ich etwas von Fotografien mit Nachhaltigkeit las. Dass sogenannte Circles mittlerweile immer öfter ihre Kreise im und durch das Internet ziehen, ist mir spätestens seit dem schon auf diesem Blog abgehandelten Coffee Circle nicht neu. Wie sich diese damit den KonsumentInnen schmackhaft zu machende Nachhaltigkeit oder auch soziale Ader, also Kaufen und gleichzeitig Gutes zu tun, allerdings mit Fotos verhält, darauf war ich dann schon neugierig.

Photocircle ist eine Online Plattform für Fine Art Fotografie, die jedem Chance gibt, den Motiven der Fotos etwas zurückzugeben. Mit jedem Kauf fließt ein Teil des Erlöses in ein soziales Projekt aus der Region, in der das jeweilige Foto aufgenommen wurde. Photocircle möchte so nicht nur eine große Zahl an sozialen Projekten unterstützen, sondern auch eine bewusstere Auseinandersetzung mit dem Motiv fördern.Buy photos, help the world.“ Mit dieser Maxime tritt Gründer Thomas Heinrich an, um die auf digitale Platte gebannte Welt zumindest ein kleines bisschen zu retten. Oder wenigstens nicht ganz so ungerecht beim Alten zu lassen. Die Idee ist auf den ersten Blick nicht neu und unterscheidet sich deshalb auch nicht von anderen Plattformen dieser Machart. Ich suche mir ein Bild aus, welches von anderen Menschen mit gutem Auge oder noch besserer Fotobearbeitung eingestellt wurde. Dieses wird dann z.B. auf Leinwand gedruckt, ich bezahle und das Geld wandert unter Abzug einer Provision und den Kosten für den Druck zu denjenigen, welche die Rechte an diesem Bild besitzen. So weit, so gut, so nicht neu. Ein linearer Verlauf, der sich schnurgerade vom Anbieter über die FotografInnen bis hin zum Endkunden zieht. Nachteil bei dieser mathematischen Gleichung auf der Schnurgeraden. Werden hungernde Menschen aus Afrika mit großen erstaunten Kinderaugen, traumverlorene Landschaften aus dem Mekong-Delta kurz vor der nächsten Dürreperiode oder von mir aus auch nur eine abbruchreife Hütte in Lateinamerika nach dem Erdbeben vor zwei Tagen abgebildet, findet das in vielen Fällen unter lauter lauten Ahs und Ohs unser Gefallen, ohne dass jedoch jene an diesem Bezahlsystem partizipieren, welche eigentlich die heimlichen HauptdarstellerInnen sind.

Schließlich bedeuten solche Momente fotografischen Festhaltens Authentizität und wer möchte schon solcherlei in ihrem/seinem von roten Ampeln und grünen Wellen so farbenfroh bestimmten Leben missen. Für ein paar wenige Euro am bunten Leben der anderen in zweidimensionaler Form teilhaben zu dürfen, lässt doch die katastrophale Dreidimensionalität in all ihrer Tristesse schnell vergessen. Klar, sonst würden wir uns ja nicht solche Schnappschüsse über den Kamin hängen und vom mit ökologisch wertvollen Holzpellets gespeisten prasselnden Feuer romantisch bescheinen lassen. So ein endlos langer Flüchtlingstreck in der Sahelzone kann, bei Gegenlicht beschienen und im richtigen Moment auf den Auslöser gedrückt, doch recht ausdrucksstark sein und das ganze Elend widerspiegeln. Vorausgesetzt, die Plexiglasscheibe ist entspiegelt und die Beleuchtung per Luxmeter schummrig schaurig schön auf ein maximales Minimum gedimmt, um auch noch jede noch so kleine hungernde Nuance und kontrastreiche Tretmine aus dem paramilitärischen Einheitsgrau zu holen. Photocircle: Wähle Dein Lieblingsfoto eines Fotografen aus oder lade ein eigenes Bild hoch und such Dir ein Produkt aus (Alu Dibond, Acrylglass, Leinwand..). Bleibt nur noch die Frage, welches soziale Projekt Du mit Deinem Kauf unterstützen möchtest. Das fertige Kunstwerk kommt dann zum Aufhängen bereit zu Dir nach Hause. Wir sind nicht teurer aber fairer als andere Fotoplattformen!

Thomas Heinrich jedoch möchte diese Parallelwelt aus Schwarz und Weiß aufbrechen und mit seinem Konzept einen hilfreichen Kreis formen. So sarkastisch meine letzten Sätze im vorhergehenden Absatz auch klangen, so schöner ist die Idee hinter Photocircle. Und wenn sich die Aussage „Wir sind nicht teurer als andere Online-Galerien, aber fairer“, wirklich bewahrheitet, dann wäre dies doch eine schöne Möglichkeit, sein soziales Engagement nicht ungenutzt im Fegefeuer der abgelichteten Eitelkeiten verbrennen zu lassen.

Ein gelungenes Foto braucht einen geschickten Fotografen, den richtigen Moment und ein besonderes Motiv. Die Motive hatten bislang nie einen Anteil am Erfolg der Bilder. Wir ändern das.

Photocircle ist eine Online Plattform für Fine Art Fotografie, die jedem Chance gibt, den Motiven der Fotos etwas zurückzugeben. Mit jedem Kauf fließt ein Teil des Erlöses in ein soziales Projekt aus der Region, in der das jeweilige Foto aufgenommen wurde. Photocircle möchte so nicht nur eine große Zahl an sozialen Projekten unterstützen, sondern auch eine bewusstere Auseinandersetzung mit dem Motiv fördern.

 

Ob sich diese Art von Social Entrepreneurship (ganz im Gegensatz zu dem unvergleichlichen Antipreneur-Shop mit seinem herrlich defätistischen „Buy buy Konsum“-Slogan) durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Doch die Voraussetzungen sind sicherlich nicht schlecht. Jetzt müssen sich eben nur noch jene auf der Plattform einfinden, ohne deren Mitwirken es nicht geht. Genügend FotografInnen, die bereit sind, auf einen Teil ihrer Gage zugunsten von Spendenprojekten verzichten und selbstverständlich ausreichend Interessierte, welche diese Bilder auch kaufen. Da hätten wir dann wieder die lineare Komponente als Grundlage für den daran anschließenden Kreis, welche es vorab zu finden gilt. Doch aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet könnte es funktionieren. Ich wünsche dem Projekt auf alle Fälle alles Gute. Mal schauen, ob ich nicht irgendwo noch ein Bild finde, welches zu zeigen sich lohnt. Nicht für mich, sondern für jene, welche darauf für einen winzigen Moment ihres Lebens digital erstarrt sind.  


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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3 Gedanken zu “Photocircle – ein weiterer Circle zieht seine Kreise

  • Paul Boegle Beitragsautor

    Lieber Georg, auch Dir ein herzliches Dankeschön für Deinen informativen Artikel. Besonders die Ergänzung von Gabi im Kommentar lässt doch auf Qualität bei der Be- und Verarbeitung schließen. Du schreibst von fehlender Theorie beim richtigen Bild-Design. Ich denke ebenfalls (wie Du), eine Bildkomposition sollte nicht nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten funktionieren, sondern Schnappschüsse „aus der Hüfte heraus geschossen“, wie auf Deiner Seite zu sehen, bringen wesentlich mehr zum Ausdruck als ein künstlich festgehaltener Moment, welcher nach Schema-F Aspekten, wie so oft in der Werbung zu beobachten, ins rechte Bild gerückt wird.
    Liebe Grüße aus Wien
    Paul