Ein GENiales Dreieck im recht toten Winkel 1


Das Dreieck EFSA – ILSI – Max Rubner Institut (MRI)

Vorab eine kurze Anmerkung. Der vorliegende Artikel bezieht sich auf seine beiden Vorgänger „EFSA: Clowneske kafkaeske Klonerie auf EU-Ebene“ sowie „Lobbyistische Filzpantoffeln auf leisen Sohlen„. Sollten Sie also neu eingestiegen sein, wäre es möglicherweise hilfreich, zuerst diese zwei Beiträge hinunterzuwürgen und zu verdauen. Teil 2 endete mit den Sätzen „Seit bekannt wurde, dass einige für das ILSI tätige Wissenschaftler auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit beraten, gilt die Vereinigung als umstritten. Die Weltgesundheitsorganisation zum Beispiel schloss das ILSI als Beratungsinstitut bei der Festlegung bestimmter Normen aus. Im konkreten Fall geht es dabei um das Max Rubner Institut. Ich hätte allerdings auch Expertenkommission für genetisch veränderte Lebens- und Futtermittel des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) diesen Artikel widmen können, denn Neues vom Gentechnik-Filz findet sich mittlerweile fast genauso oft wie kontaminierter Mais auf konventionellen Anbaufeldern. Es kommt immer nur darauf an, aus welcher Richtung gerade der Wind weht.  

Das war natürlich für mich jetzt Grund genug, auch hier etwas genauer nachzusehen und den himmlischen Kindern in Gottes Erdboden Namen zuzuhören. Das MRI (ehemalige Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel) selbst verkündet unter „Kooperation zur Bereitstellung und Bearbeitung von Daten zum Lebensmittelverzehr für die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)“ nicht ohne stolzen Unterton, lassen Sie mich dies zumindest als solchen interpretieren, dass es ein gemeinsames Projekt diesen Namens gibt.

Beschreibung / Ziel (dt.):

Das Ziel des Projektes ist es, der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Verzehrsdaten für die Bevölkerung zwischen 16 und 64 Jahren aus den akteullen [sic] Nationalen Verzehrstudien der jeweiligen Länder (Mitgliedstaaten der EU sowie Island, Norwegen und Schweiz) zur Verfügung zu stellen. Diese Verzehrsdaten sind ein wichtiger Bestandteil für die Arbeit der Risikoabschätzung der EFSA.

Soweit, so nicht schlecht. Wenn da nur nicht dieses Interview wäre, welches Herr Rechkemmer in Kontext: Wochenzeitung unter „Lobbyismus und Forschung“ gegeben hätte. Hintergrund des Gesprächs war, dass ein ehemaliger Mitarbeiter des Instituts eng mit Gentechnik-Saatgutherstellern zusammengearbeitet hatte.Auch darüber gibt es einen wunderschönen Bericht, welchen ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. „Im Dunstkreis der Industrie“ lautet der Titel und beschreibt die Vorlieben von Klaus-Dieter Jany für sogenannte Grüne Gentechnik. Er sei ein „kritischer Befürworter„, wie er betont. Besonders schön sind dann jene Sätze, welche irgendwie bezeichnend für den derzeitigen Zustand der EFSA sind.

Verbraucherschutzverbänden, Umweltorganisationen und der grünen Umweltministerin Renate Künast war Klaus-Dieter Janys Engagement für die genetische Veränderung von Getreide, der Tomate und anderen Lebensmitteln daher wenig willkommen. Klaus-Dieter Jany war damals für das Max-Rubner-Institut in Karlsruhe tätig. Beim Tag der offenen Tür in diesem Institut bot er demonstrativ Lebensmittel an, die mit gentechnisch veränderten Stoffen hergestellt worden waren. Das wäre an sich harmlos, wenn er nicht dort im Auftrag der Bundesregierung über die Sicherheit von ebensolchen gentechnisch veränderten Lebensmitteln hätte befinden sollen. Renate Künast sagte in einem Gespräch über Jany, sie erwartete von einem Angestellten des Bundes Objektivität. Künast hatte deshalb sogar versucht, den Gentechnik-Verfechter aus dem Amt zu hebeln, es gelang ihr aber nicht; Janys Chef verwies einfach auf die Freiheit der Forschung, Künast hatte keine Handhabe. Das andauernde Sperrfeuer hat den Wissenschaftler inzwischen dünnhäutig werden lassen: „Wenn Sie mich einen Lobbyisten nennen, verklage ich Sie“, droht er am Telefon. In dem Gespräch ging es um seinen Einsatz für die Grüne Gentechnik.

(…) Jany ist inzwischen seit Jahren pensioniert. Früher hat er die OECD, den Bundestag und eine ganze Reihe anderer wichtiger Institutionen in Gentechnikfragen beraten. In der Lebensmittelsicherheit nimmt er aber trotz seiner Pensionierung weiterhin eine führende Rolle ein: Jany ist jetzt für die European Food Safety Authority tätig, die EFSA, Europas oberste Essensaufseher. Kaum jemand weiß, dass es die EFSA gibt, noch weniger wissen, was die Behörde genau tut. Dabei bestimmt sie darüber mit, was auf Europas Tellern landen darf und was nicht.

Und Herr Rechkemmer? Auf die Frage „Zum Thema Lobbyismus-Ferne steht nichts in der Satzung?“ kam folgende Antwort: „Nein. Da folge ich meiner eigenen Überzeugung.“ Es ist immer gut, für seine Überzeugungen einzustehen. Weshalb im Fall Jany diese Überzeugungen fehlgeleitet wurden, mag dahingestellt bleiben. Immerhin, wenn ich mir die MRI Übersicht der Einzelpublikationen durchblättere, haben die beiden Herren Rechkemmer und Jany im Laufe ihres Berufslebens doch einiges gemeinsam zu Papier gebracht und geleistet. Wenn ich da nur an solche Titel wie „Enzymatischer Abbau der Inositolphosphate im Magen-Darm-Trakt des Schweins“ denke, von Verstehen kann keine Rede sein, zeigt dies zumindest, dass sich die Herren auf wissenschaftlichem Gebiet doch nähergekommen sein müssen. Schade drum, dass sich dabei nicht mehr ergab. Gut möglich, dass dabei nicht die richtigen fragenden Inhalte gestellt wurden. So entgegnet Herr Rechkemmer z.B. auf die Kontext:Wochenzeitung Frage „Was Mitarbeiter in ihrer Freizeit tun, können Sie aber nicht verhindern, oder?“ „Ich kann, darf und will nicht kontrollieren, was meine Mitarbeiter in ihrer Freizeit tun, wenn es nichts mit ihrer Arbeit zu tun hat. Nebentätigkeiten müssen allerdings bei mir angemeldet werden, selbst wenn der Mitarbeiter Übungsleiter im Sportverein werden will.

Da passt eigentlich ein Bericht von Testbiotech mit dem Titel Verdeckte Einflussnahme durch „Gen-Lobby“ in Deutschland“ so gar nicht ins friedlich forschende Bild auf Testbiotech: Schlecht beraten: Gentechnik-Lobbyisten dominieren Expertengremium.den genmanipulierten Rasenplätzen dieser sportbegeisterten Welt.

„Es ist für die jeweiligen Experten scheinbar normal, auch dann keine Auskunft über Verbindungen zur Industrie zu geben, wenn diese offensichtlich sind. Gleichzeitig besteht bei der Politik ein weitgehendes Desinteresse, Maßnahmen gegen Interessenkonflikte zu ergreifen. Im Ergebnis kann man in Deutschland nicht auf die Unabhängigkeit der Behörden vertrauen, wenn es um die Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen geht“, fasst Christoph Then von Testbiotech die Ergebnisse des Reports zusammen. „Hier ist vom Versuch einer systematischen Einflussnahme auf staatliche Institutionen und die öffentliche Meinung auszugehen.“

Sollten Sie wirklich Interesse an der Studie haben, darf ich Sie auf nebenstehendes Schaubild verweisen, welches Ihnen als Verlinkung und Download für den Report „Schlecht beraten: Gentechnik-Lobbyisten dominieren Expertengremium“ dienen soll.

Was bleibt zum Schluss? Vielleicht noch die lapidare Feststellung, dass jene im ersten Artikel „EFSA: Clowneske kafkaeske Klonerie auf EU-Ebene“ dieser dreiteiligen Serie genannte ehemalige für EFSA tätige Diána Bánáti die Nachfolge von Gerhard Eisenbrand antreten soll (oder schon hat?). Und jener Herr ist in persona zugleich Leiter der Senatskommission zur gesundheitlichen Bewertung von Lebensmitteln (SKLM) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), gehört daneben der Expertenkommission für genetisch veränderte Lebens- und Futtermittel und dem wissenschaftlichen Beirat des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) an und ist (oder war?) darüberhinaus gleichzeitig Geschäftsführer und wissenschaftlicher Direktor von ILSI Europe.

Ach ja, Professor Rechkemmer repräsentiert selbstverständlich nicht nur das MRI, sondern arbeitet ebenfalls für ILSI.

Der oberste Repräsentant staatlicher Ernährungsforschung in Deutschland ist zugleich hoher Funktionär einer Lobbyorganisation der Food-Industrie. Dies geht aus einem neuen Buch des Nahrungskritikers Hans-Ulrich Grimm hervor, das jetzt im Droemer Verlag erschienen ist. Professor Gerhard Rechkemmer, Präsident des Bundesforschungsinstituts für Ernährung und Lebensmittel, ist zugleich Vorstandsmitglied im International Life Sciences Institute Europe (Ilsi), das von Firmen wie Coca-Cola, Nestlé und Monsanto getragen wird und Forschung und Gesetzgebung im Interesse der Food-Industrie beeinflusst. (Oberster Ernährungsforscher des Bundes auf Abwegen. Der Präsident als Funktionär der Food-Industrie).

Ich hatte ursprünglich vor, mir über die sicherlich wichtige Diskussion von Sinn, Nutzen und Zweck von Klonfleisch Gedanken zu machen. Wie Sie sehen, hat sich dieser Plan geändert. Um aber doch noch den Kreis zum einstigen Vorhaben zu schließen, lasse ich der Deutschen Bundesministerin Ilse Aigner das (vor)letzte Wort. So outet sie sich unter Lebensmittel von geklonten Tieren als vorläufige Gegnerin, was noch nicht ist, kann ja noch werden, des verzehrenden Klonens.

Bundesministerin Ilse Aigner lehnt den Einsatz des Klonens in der Lebensmittelproduktion und das Inverkehrbringen solcher Erzeugnisse in Deutschland und in Europa ab. Sie hält es für unverzichtbar, dass in diesem Zusammenhang auch Fragen der Ethik, des Tierschutzes und der Tiergesundheit angemessen berücksichtigt werden.

Wenn dann allerdings Ludwig Maier von der Ökologischen-Demokratischen Partei (ÖDP) den Rücktritt von Aigner fordert, so aus anderen unverzichtbaren Gründen, welche auch wiederum plausibel erscheinen.

Vielleicht wäre es wirklich unverzichtbar und höchste Zeit, auf anderen Gebieten jenen zahllosen unbeantworteten Fragen von Ethik und Moral nachzustellen, welche die Deutsche Bundesministerin aus ihrem Ressort heraus so vehement vertritt. Ein Rücktritt wäre dabei durchaus zu vertreten.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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