EFSA: Clowneske kafkaeske Klonerie auf EU-Ebene 1


Keine Unterschiede zwischen Klonfleisch und konventionellem Tierfleisch

Um es gleich vorweg zu sagen. Die folgenden Zeilen hätten sich eigentlich auf den Artikel „EU-Behörde wertet Klonfleisch als unbedenklich“ konzentrieren sollen. Doch im Zuge meiner Recherchen bin ich vollkommen vom geklonten Trampelpfad abgekommen und in völlig anderen Sphären gelandet. Wer also Tierisches aus der Nachwelt von Klonschaf Dolly (siehe dazu auch meinen Artikel „Klonfleisch: Die Nachkommen ohne Namensgebung„) erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Wer jedoch Faszinierendes aus der Welt der Menschen erfahren möchte, darf trotzdem weiterlesen. Allerdings werde ich diesen Beitrag in drei Teile splitten, da er sonst Überlänge besitzen würde. Aber um Sie zumindest ein bisschen zu trösten. Die folgenden Zeilen aus besagtem Artikel umreißen das, über welches ich hätte eigentlich schreiben wollen, wenn denn nicht das, was nun im folgenden kommt, meine Aufmerksamkeit erregt hätte:

Die wissenschaftliche Stellungnahme hat das Zeug dazu, ähnlich kontroversielle Diskussionen hervorzurufen, wie sie der Konsument vom Einsatz gentechnisch veränderten Saatguts in der Landwirtschaft kennt: Die bekannt wirtschaftsfreundliche EU-Agentur Efsa mit Sitz in Parma, hat die letzten Entwicklungen rund um das Klonen von Tieren untersucht und ist zu der Ansicht gekommen, dass „Lebensmittelerzeugnisse aus geklonten Tieren sicher sind“.

Ebenfalls voranschicken muss ich, dass wieder einmal eine Unmenge an Material durchforstet, mich durch unzählige Quellen gearbeitet und zahlreiche Beiträge nach Informationen durchwühlt habe. Für manche von Ihnen wird die folgende Ansammlung von Verweisen, Zitaten, Textquellen und Links vielleicht des Guten zuviel sein. Doch ich wollte mich selbstverständlich umfassend über dieses Thema informieren und möglichst viele Facetten beleuchten. Ich habe mich nur auf das meiner Meinung nach Notwendigste konzentriert und mich in der Auswahl auf ein Minimum reduziert.

Persönliche Interessenskonflikte

Die European Food Safety Authority ist in den letzten Jahren ja nicht unbedingt durch unumstrittene Personalpolitik aufgefallen. So hat der Agrarpolitiker Martin Häusling von den Grünen am 30. September 2010 den Rücktritt der im EFSA-Verwaltungsrates sitzenden Diána Bánáti gefordert, weil diese neben ihrer EFSA-Tätigkeit zeitgleich eine führende Funktion im Vorstand des International Life Science Institut (ILSI) ausübte. Und diese (zumindest auf dem Papier) gemeinnützige Industrievereinigung wiederum bezieht einen Großteil ihrer Gelder von solch Kapazundern wie Coca-Cola, McDonalds, Nestlé und erstaunlicherweise Monsanto, Syngenta oder BASF und Bayer. Siehe dazu etwa Grüne fordern Rücktritt von EFSA-Chefin Diana Banati wegen Befangenheit oder auch DNR: Verwaltungsrats-Chefin der EFSA hat auch Top-Position bei Lebensmittellobby, wo es heißt:

(…) Denn die Vorsitzende des Verwaltungsrates der für die Zulassung von Genpflanzen zuständige EFSA, Diana Banati, ist gleichzeitig im Vorstand des International Life Science Institut (ILSI), einer Lobbyorganisation der Lebensmittel- und Gentechnikindustrie. Laut dem Abgeordneten der Grünen/EFA Martin Häusling vertritt das ILSI Monsanto, Syngenta, BASF, Dupont, Coca Cola, Nestlé, Unilever, Groupe Danone und andere. Die Grünen bezeichneten diese Doppelrolle als dubios und forderten den Rücktritt von Banati bei der EFSA. Banati hatte ihre Position bei der ILSI bis zur Pressekonferenz der Grünen am 29. September verschwiegen.

Seit Langem wird der EFSA vorgeworfen, nicht unabhängig zu sein. Anfang dieses Jahres hatte der Verein Testbiotech aufgedeckt, dass eine Mitarbeiterin der EFSA ihren neuen Job beim Gentechnikkonzern Syngenta antrat.

Wer sich mehr über die ILSI Europe informieren respektive wissen möchte, welche Unternehmen sich unter diesem industriellen Dach eingefunden haben, wird unter „Lobbypedia: International Life Sciences Institute“ detailliertere Informationen finden. Ebenfalls käme noch der Artikel „EU-Lebensmittelsicherheit: Direkter Einfluss der Lobbyisten“ vom Dezember 2010 in der Süddeutschen in die nähere Auswahl meiner Betrachtungen. Zurück aber zur EFSA.

Nun hat die in die Schusslinie geratene Diána Bánáti am 08. Mai 2012 die EFSA darüber informiert, dass sie zugunsten der Industrie zukünftig ihre Dienste im Sinne der Menschen einstellt. Wortwörtlich liest sich dies dann auf EFSA-Seite so, die Organisation „überwacht und analysiert Informationen und Daten über biologische Gefahren, chemische Kontaminanten, den Verzehr von Lebensmitteln und neu auftretende Risiken.“ Keine Frage, dass diese Entscheidung im Sinne von heftig eingeforderter Transparenz zu begrüßen ist. Allerdings liest sich die von der EFSA am 09. Mai 2012 veröffentlichte Erklärung unter „Häufig gestellte Fragen über den Rücktritt von Diána Bánáti als Mitglied und Vorsitzende des EFSA-Verwaltungsrats über das Ausscheiden von Frau Bánáti“ etwas seltsam und gibt Grund für Spekulationen:

Die EFSA wurde am 8. Mai 2012 von Diána Bánáti über ihre Entscheidung informiert, dass sie eine berufliche Position beim International Life Sciences Institute (ILSI) übernehmen werde. Diese Position ist nicht vereinbar mit ihren Funktionen als Mitglied und Vorsitzende des EFSA-Verwaltungsrats. Auf Wunsch der EFSA ist Diána Bánáti aus dem EFSA-Verwaltungsrat zurückgetreten, und die Behörde hat diese Entscheidung so zeitnah wie möglich, am 9. Mai 2012, bekannt gegeben.

(…) Die Vorschriften der EFSA für die jährliche Erklärung von Interessen besagen, dass die Verantwortung für die Aktualisierung einer Interessenerklärung bei dem/der Erklärenden liegt. Für den Zeitraum von Oktober 2010 bis Mai 2012 hat Diána Bánáti keine Angaben über eine Verbindung zu ILSI Europe gemacht.

Es muss die Frage erlaubt sein, ob hier unter dem Dach von Überwachung und Analyse, Abwehr potentieller Gefahren durch Kontamination und Risikoabschätzung nicht vielleicht bestimmte interne personelle Risiken unterbewertet oder womöglich sogar vollkommen außer Acht gelassen wurden. Dass ein Mitglied der obersten Hierarchieebene an der Behörde vorbei ihre/seine Tätigkeit seit Bekanntwerden der Doppelgleisigkeit geschmuggelt hat, ohne dass hier irgendwelche Verdachtsmomente geschöpft wurden, ist schwer vorstellbar. Nun schreibt die EFSA zwar, dass ab Oktober 2010 „keine Angaben über eine Verbindung zu ILSI Europe gemacht“ wurden. Aber gerade dieses erscheint doch mehr als erstaunlich, dass auch dieser Sachverhalt unbesehen und unversehens zu den Akten gelegt wurde. Sollten hier also von einem Tag auf den anderen sämtliche Verbindungen gekappt und dieses widerspruchslos und ohne Prüfung hingenommen worden sein, würde dies eine Blauäugigkeit darstellen, welche fast schon als leichtgläubig bezeichnet werden darf. Kritische Prüfung sieht anders aus. Doch möglicherweise wurde auch hierbei der Risikofaktor Mensch als hochkomplexe DNS-Struktur betrachtet, welche zu ergründen als zu kompliziert erscheint und eine eingehende Prüfung mit den konventionellen Regularien und vorgeschalteten Warnmechanismen unter ferner liefen oder besser alle schliefen fällt. Oder, um für heute zu einem Schluss zu kommen, wie die Süddeutsche im bereits angesprochenen Artikel schreibt:

Die Efsa äußerte sich auf Nachfrage nicht zur Unabhängigkeit des Ilsi. Die Behörde beruft sich vor allem darauf, dass alle Efsa-Beschäftigten und -Experten in jährlichen Erklärungen („Declarations of Interest“) Beziehungen zu Unternehmen und Organisation offenlegen müssen. Jedes Jahr überprüfe die Efsa mehr als 5000 solcher Deklarationen und beurteile, wer als Experte gegebenenfalls auszuschließen sei, erläutert eine Efsa-Sprecherin. Demnach scheinen Beziehungen von Wissenschaftlern zu Gentechnik-Industrie und Ilsi kein Hinderungsgrund für eine Funktion bei der Efsa zu sein.

Lassen wir es für heute genug sein und schleichen wir uns doch unter „Lobbyistische Filzpantoffeln auf leisen Sohlen“ an den zweiten Teil heran.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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