Faire Konkurrenz belebt das Nestlé-Geschäft mit der Kapsel 1


Von schwerelosen und biologisch abbaubaren Kapseln

Nun hat also auch China seine erste Kapsel im Weltraum positioniert. Zwar musste die „Shenzhou-9“ mitsamt den drei an Bord befindlichen Taikonauten mit einigen Anfangsschwierigkeiten kämpfen, doch das „Magische Schiff-9“ landete letztendlich doch wieder sicher in den Armen von Mutter Erde. Ob die drei Männer fernab der fernöstlichen Heimat auf den Erfolg ihrer Mission mit Sekt, grünem Tee oder was auch immer angestoßen haben, als sie ihre Kapsel, welche nach dem Griff nach den Sternen in der inneren Mongolei wohlbehalten landete, wieder verlassen durften, ist mir als der Schwerkraft treuem Menschen natürlich unbekannt.

Kapsel! Da hätten wir doch ganz zufällig jenes Stichwort des Tages, um welches ich wie der koffeinsüchtige Kater um den heißen Kaffee drei kaffeelose schwach verschachtelte Sätze lang herumgeschwänzelt bin. Anders als China habe ich nicht nach den Sternen gegriffen, sondern bodenständig per Internet zu Anna Lefik begeben. Ohne Raketentreibstoff, aber nicht völlig antriebslos las ich wieder einmal auf ihrem Blog, welchen ich Ihnen bereits vor Monaten unter „Fairer Handel Aktuell – Ein ambitioniertes Projekt“ vorgestellt hatte. Und auch Anna hat zum Thema Kapseln etwas vermeldet.

Die erste nachhaltige Kaffeekapsel startet erfolgreich. Vielleicht nicht gerade ins Weltall, aber zumindest als ernstzunehmendes Substitut zum Klassenprimus Nestlé George Clooney macht Werbung für die Nespresso-Kapseln von Nestlé. Solidar Suisse hat daraus eine Adbusting-Kampagne aus Protest gegen die Arbeitsbedingungen der KaffeepflückerInnen in Diensten von Nestlé gedreht. Sorry George, so fühlt es sich an, wenn man als Kaffeepflücker ausgebeutet wird.wäre dies schon ein kleiner Schluck für die Kaffeejunkies unter uns und hoffentlich ein noch noch größerer Schluck für die Menschheit, welche mit dem Kerngeschäft der schweizerischen George Clooney Anhängerschaft so ihre Probleme haben. Bei Klick auf nebenstehenden Schauspieler nebenstehendes Schauspiel nebenstehendes Schaubild (das ist aber auch kompliziert) wissen Sie, welche Probleme gemeint sind.

Es wurde höchste Zeit, dass die ersten Kaffeekapseln mit Fairtrade Kaffee auf den Markt kommen. Bisher waren die Kaffeekapseln der Nestlé-Tochter Nespresso auf dem deutschen Markt nahezu konkurrenzlos, aber alles andere als nachhaltig. Dazu trägt zu einem nennenswerten Teil auch die Aluminiumverpackung der Kapseln bei.
Die neue Marke Esprimo der “Ethical Coffee Company” mit Sitz im Schweizerischen Fribourg ist als ökologisch und ökonomisch nachhaltige Alternative seit September 2011 auf dem deutschen Markt erhältlich. Der Hersteller verspricht, dass die Kapseln in allen Kaffeeautomaten eingesetzt werden können, die für das Nespresso-System konzipiert sind.

Dass die Erfinder der Nespresso-Kapseln naturgemäß mit solcherlei zündenden Ideen keine große Freude haben, schließlich nascht die unliebsame Konkurrenz brühwarm am kochenden monetären Süppchen mit solcherlei Innovationen mit, dürfte klar sein. So schreiben die Kaffee-Nachrichten am 30. Juni unter Nestlé, Nespresso, Caffè Vergnano etwa:

Der Nahrungsmittelhersteller Nestlé versucht sein Kapsel-Kaffee-System Nespresso weiterhin, mit juristischen Mitteln vor Konkurrenz zu schützen. In mehreren Ländern führt der Lebensmittelgigant derzeit Patent- und Markenrechtsprozesse gegen seine Mitbewerber. Diese bedrängen Nestlés Portionskaffee-System Nespresso mit teilweise deutlich kostengünstigeren Kapsel-Varianten. Jene Billig-Kapseln gelten nach Angaben ihrer Hersteller als vollauf kompatibel mit handelsüblichen Nespresso-Zubereitungsautomaten und werden dementsprechend auch offensiv beworben.

In der Frankfurter Rundschau vom 11. Juni hat dies von Unternehmensseite aus allerdings noch etwas gelassener geklungen.

Nestlé gibt sich locker

Ist es überhaupt legal, die Nespresso-Kapseln nachzubauen? „Würden wir gegen Gesetze verstoßen, hätte Nespresso unsere Kapseln per einstweiliger Verfügung verhindert“, sagt Hehner. Allerdings laufen weiterhin patentrechtliche Verfahren.

Holger Feldmann, Geschäftsführer von Nespresso, gibt sich gelassen: Wettbewerb sei nichts Neues und sei ein wichtiger Motor für Innovation und Wachstum, sagte er.

Großes Gewicht legt Esprimo auf das Argument der Nachhaltigkeit, die gesamte Kapsel ist nach Angaben des Herstellers voll kompostierbar. „Sie besteht aus Pflanzenfasern. Das Grüne vom Mais“, erklärt Hehner. Optisch ähnelt die Kapsel dem Original von Nespresso. Doch beim Berühren wird der Unterschied deutlich: Wo bei Nespresso kühles Aluminium den Kaffee ummantelt, ist es bei Esprimo ein Material, das an Kunststoff erinnert.

Die Kritik der Stiftung Warentest, dass die Kapseln eben nicht kompostierbar seien und sich häufig in den Maschinen verklemmen, weist Hehner zurück und zeigt ein Zertifikat eines Prüfinstituts aus Frankreich. Darin wird den Esprimo-Kapseln die Kompostierbarkeit nach EU-Norm EN 13432 attestiert.

Nespresso hält am Aluminium fest: „Von allen getesteten Materialien ist Aluminium das einzige, mit dem stets der gleichbleibend hochwertige Kaffee produziert werden kann, den unsere Kunden erwarten“, sagt Holger Feldmann und weist darauf hin, dass die Recyclingquote im Dualen System in Deutschland bei mehr als 80 Prozent liege.

Bernd Hehner unterstreicht den ethischen Aspekt, der bei Esprimo zum Tragen komme. Von den momentan sieben verschiedenen Sorten sind zwei „Fairtrade“-zertifiziert. Bald soll das für alle Kaffees gelten. Feldmann von Nespresso hält dagegen. „Nespresso hat sich dazu verpflichtet, Premiumpreise für Kaffee zu bezahlen.“ Diese lägen 30 bis 40 Prozent über den marktüblichen Preisen, zu denen Kaffee gehandelt werde.

Probieren geht über filtrieren

Zur bereits angesprochenen Kritik durch die Stiftung Warentest kann ich wenig sagen. Laut Freie Presse: „Neue Kaffeekapsel-Marke greift Nespresso in Deutschland an“ dürfte es sich hierbei in erster Linie um ein mechanisches Problem handeln:

(…) Die Kritik der Stiftung Warentest, dass die Kapseln eben nicht kompostierbar seien und sich häufig in den Maschinen verklemmen würden, weist Hehner zurück und zeigt ein Zertifikat eines Prüfinstituts aus Frankreich. Darin wird den Esprimo-Kapseln die Kompostierbarkeit nach EU-Norm EN 13432 ausdrücklich attestiert.

Ich selbst hatte mich erst unlängst (wieder) einmal dem Thema Kaffee unter „Vom äthiopischen Teufelskreis zum vollmundigen Coffee Circle“ angenommen und festgestellt, dass für den gleichnamigen Coffee Circle oder heute eben die Firma Esprimo sicherlich nicht Motive der Nächstenliebe an erster Stelle stehen. Nachhaltigkeit steht auch hierbei immer untrennbar mit nachhaltigem Wirtschaften und Fair Trade mit Mehr Trade in Zusammenhang. Gut, soll so sein! Amüsant ist allerdings im Falle der konkurrierenden Kapseln, dass ausgerechnet Nestlé selbst sich die Konkurrenz um den Run auf vergoldete Kaffeebohnen im eigenen Hause herangezogen hat. Und dies soll mir deshalb auch dazu dienen, noch einmal Anna Tefik zu Wort kommen zu lassen:

Die „Ethical Coffee Company“ wurde im April 2008 von Jean-Paul Gaillard gegründet, der viele Jahre für das Unternehmen Nespresso tätig war. Nach mehr als Die innovative Generation umweltschonender Kaffee Kapseln esprimo Kaffeekapseln sind größtenteils aus nachwachsenden Rohstoffen, Pflanzenfasern und –stärke, hergestellt. Sie sind biologisch abbaubar und kompostierbar. Unsere esprimo Kapseln N°5 und N°6 enthalten 100% Fairtrade-zertifizierten und von Fairtrade Produzenten angebauten organischen Kaffee.2-jähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit entstanden die ersten biologisch abbaubaren Espressokapseln. In Deutschland wird Esprimo durch die Betron AG mit Sitz in Konstanz vertrieben.

Gut möglich, dass Nestlé jetzt bereits im Verborgenen an einer eigenen biologisch abbaubaren Kapsel arbeitet, um jenen Herrn Gaillard ungestreift auf den Mond oder in die Umlaufbahn welches Planeten auch immer zu schießen. Dass solch unerwünschte Konkurrenz einerseits das monopolistische Geschäft belebt und zum anderen möglicherweise bei entsprechendem Erfolg auch zu einem Umdenken des Primus inter pares im wohltemperierten Kapselgeschäft führen könnte, lässt mich gespannt in die Zukunft blicken. Erdgebunden selbstverständlich.

Wer nun vorhat, aus der Erdumlaufbahn von Nespresso auszuschwenken und sich zu Esprimo hingezogen fühlt, hat die Möglichkeit, bei Klick auf nebenstehendes Schaubild ein Probepaket der Kapseln anzufordern. Dass ich für diesen Artikel weder mit Geld noch anderen geldwerten Leistungen (von welchen irdischen Wesen auch immer) entlohnt wurde, möchte ich der Form halber noch anmerken. Ich habe doch tatsächlich Spaß daran, solche Artikel vollkommen kostenlos der Form halber in Form zu bringen.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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