Breiige Informations-Schonkost aus dem Hause HIPP 1



HIPP-Zuckergranulat-Tees sind keine Apfelschorle

Dass der Goldene Windbeutel eigentlich schon wieder Geschichte ist, bedeutet noch lange nicht, dass die Geschichte um ausgeprägten Etikettenschwindel auch schon zu Ende ist. Zumindest HIPP leckt sich jetzt die zuckerverkrusteten Wunden und versucht verzweifelt, das hauseigene Kleinkind namens Instant-Früchtee, welches mitsamt dem darin enthaltenen Zucker in den tiefen Brunnen der Werbelügen gefallen ist, aus demselben wieder zu fischen. Glaubt man dabei dem Dementi des Auswertungs- und Informationsdienst (aid), welcher in Sachen Lebensmittel, Ernährung und Landwirtschaft unterwegs ist und vom Deutschen Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert wird, beschränkt sich diese Tätigkeit derzeit allerdings mehr auf ein Fischen im Trüben.

Dass die Preisträger aus Pfaffenhofen dankenswerterweise auf die Entgegennahme des Preises verzichteten, kann ihnen wohl niemand verdenken. Wer möchte schon im negativ verblendeten Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen? Dann doch lieber mit leeren Händen und vollen Windeln dastehen und hoffen, dass dieser Kelch möglichst schnell vorüber wandern möge. Gut, dass im Rahmen der letzten Endes gescheiterten Schmähpreisverleihung die nach dem Vater von Claus Hipp benannte Georg-Hipp-Straße von foodwatch kurzzeitig in „Platz der Verbrauchertäuschung“ umbenannt wurde, mag noch die geringste Sorge sein.

Bildcollage von Paul Boegle im Rahmen des von foodwatch verliehenen Goldenen Windbeutels an Hipp. Die Georg-Hipp-Strasse wird bei der Preisverleihung kurzerhand in “Platz der Verbrauchertäuschung” umbenannt.

Die nebenstehende Bildcollage von mir mit Wiedererkennungswert der (einzelnen) Originalbilder finden Sie übrigens unter „abgespeist: Die Aktion„, was ich einerseits gleich zum Anlass nehmen möchte, auf die Bildquellen dort zu verweisen, welche ich für diese Eigenkreation entnommen habe. Und dann noch einmal daran erinnern möchte, dass Manipulation heutzutage in vielen Bereichen unseres Lebens stattfindet, wie ich in meiner fünfteiligen Miniserie „How the Media can manipulate our viewpoint“ zu erklären versuchte. Doch zurückins bayerische Pfaffenhofen

HIPP versus aid

Und trotzdem begann die Presseabteilung des Babynahrungsproduzenten kräftig auszuholen, um das Schiff möglichst schnell aus der Flaute zu bringen. Das las sich dann einen Tag nach dem Tag X, also Tag X+1, unter anderem so:

Pfaffenhofen (ots) – Hiermit erklärt HiPP, dass die Verleihung des „Goldenen Windbeutel“ von Foodwatch für die dreisteste Werbelüge für HiPP absolut nicht nachvollziehbar ist. Fakt ist, dass HiPP die kritisierten Produkte gar nicht bewirbt. Folglich müsste sich der Vorwurf der „Werbelüge“ allein auf die Angaben auf der Verpackung beziehen. Auf der Verpackung aber wird transparent und für den Verbraucher deutlich erkennbar der Zuckergehalt der Produkte angegeben – und zwar mit 3,8 % Zucker im trinkfertigen Produkt. Von einer „Werbelüge“, wie die Organisation es nennt, kann also nicht die Rede sein.

(…) Als Leitlinie für die Zusammensetzung der Tees hat HiPP sich an den Empfehlungen des aid Infodienstes, Bonn „Das beste Essen für Kleinkinder“ orientiert. Diese werden vom Bundesministerium für Verbraucherschutz unterstützt und auch von Foodwatch zitiert. Als ideale Kindergetränke werden Wasser und ungesüßte Tees, die auch HiPP im Sortiment hat, empfohlen. Fruchtschorlen mit mehr Wasser als Saft werden vom AID ebenfalls als akzeptable Getränke für Kleinkinder eingeordnet.

Die gesamte Pressemitteilung aus dem Hause HIPP können Sie selbstverständlich unter „na-Presseportal: HiPP nimmt „Goldenen Windbeutel“ von Foodwatch nicht an. Weder Werbelüge noch Etikettenschwindel bei HiPP nachlesen. Dies dürften auf alle Fälle vor Ihnen die Verantwortlichen des besagten aid Informationsdienstes getan haben. Und zwar mit einiger Verwunderung. Denn am Tag X+2 stellte der aid den Artikel „HIPP-Zuckergranulat-Tees sind keine Apfelschorle: aid-Empfehlungen falsch ausgelegt“ auf seine Plattform. Dort heißt es dann zum Beispiel:

(aid) – Foodwatch verleiht HIPP den „Goldenen Windbeutel“ für die dreisteste Werbelüge seiner Zuckergranulat-Tees. HIPP weist in einer internen Stellungnahme an foodwatch die Vorwürfe zurück: Man befolge die Empfehlungen des aid Infodienst e.V., Bonn, aus „Das beste Essen für Kleinkinder“. Der aid infodienst freut sich zwar, dass das Unternehmen HIPP die neutralen und wissenschaftlich fundierten Informationen der aid-Hefte als Quelle nutzt, ist aber überrascht über die Auslegung der Inhalte und klärt auf:

(…) HIPP argumentiert, dass seine Zuckergranulat-Tees mit nur 3,8 % Zucker einer Apfelsaft-Schorle entsprechen. Der aid betont jedoch, dass Zuckergranulat-Tees keinesfalls mit einer selbst zubereiteten Fruchtsaftschorle zu vergleichen sind, da die Schorle keinen zugesetzten Zucker enthält. Ähnlich wäre der Vergleich von Limonade oder Brause mit Fruchtsaft. Beide Getränke liefern ähnliche Mengen Zucker, der Fruchtsaft enthält jedoch keinen zugesetzten Zucker, dafür wichtige Inhaltsstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe. Zudem ist der Fruchtsaft aufgrund der Energiemenge mit viel Wasser verdünnt als Durstlöscher für Kleinkinder geeignet.

Schlagen wir jetzt noch einmal die Pressemappe der Pfaffenhofener auf. Dort kommt man zum Schluss zu folgender Feststellung:

(…) Abschließend betont HiPP, dass die Interpretation von Foodwatch eigenwillig ist und vornehmlich auf ein mediales Interesse sowie Aufmerksamkeit abzielt. Eine sachliche Auseinandersetzung mit den Fakten ist nicht gegeben. HiPP bedauert dies sehr – vor allem, weil die Organisation damit zahlreiche Verbraucher und Eltern verunsichert und verängstigt.

Lassen Sie so viele Seifenblasen wie möglich zerplatzen …

Wir schreiben heute Tag X+8 oder weniger kryptisch den 26.06.2012. Da dachte ich so bei mir, wenn das Unternehmenso sorgsam darauf bedacht ist, jene Unklarheiten aus der Welt zu schaffen, müsste der firmeneigene Webauftritt eigentlich die beste Möglichkeit für solch Ansinnen sein. Wer, außer ein paar ganz Unentwegten, welche den Kindesbeinen schon lange entwachsen sind, sucht schließlich auf langweiligen Presseportalen nach erkenntnistheoretischer Erleuchtung hinsichtlich propagierter sachlicher Auseinandersetzung mit breiigen Fakten und anderen Zahlen aus der guten Kinderstube. Mütter, Väter und andere VerbraucherInnen in Sachen Babykost, zumindest würde ich so denken, schauen wohl am ehesten auf der Homepage von HIPP nach, um sich über die erhobenen Vorwürfen zu informieren.

Doch leider wurde meine Suche nicht belohnt. Kein einziges verlorenes Wort habe ich wiedergefunden, welches dazu dienen könnte, den Goldenen Windbeutel zu entkräften. Ich habe mich durch den „Mein BabyClub“ gekämpft, habe mich virtuell durch den HIPP-Shop durchgelöffelt und selbstverständlich habe ich einen langen Schlafzimmerblick in den Menüpunkt „Presse“ geworfen. Möglicherweise habe ich nicht genau genug geschaut. Und vielleicht hat Claus Hipp nur alles gut unter seinem guten Namen versteckt, was der Sache aufklärerisch dienlich sein könnte . Eine sachliche Auseinandersetzung wünscht sich das Unternehmen? Seltsam, dass selbst am Tag X+8 damit noch nicht begonnen wurde. Keine Reaktion, keine Aufklärung, kein Aufschreien. So wünschen sich Eltern den eigenen Nachwuchs bei Nacht. Still und friedlich dazuliegen, am nächsten Morgen frisch gestärkt aufzuwachen und sagen zu können: „Gottseidank war nichts!“

Aber wenn Sie Spaß am sogenannten „Seifenblasen Spiel“ haben, das habe ich gefunden. „Lassen Sie so viele Seifenblasen wie möglich zerplatzen und sammeln Sie Punkte“ lautet die Vorgabe. Bei HIPP könnte sich dieser Spielspaß zum Renner entwickeln. Eine erste Blase zerplatze am Tag X.   

   


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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