Europa ist nicht Europa und Uganda möchte nicht Europa werden 1



Geopolitische Erkenntnisse auf höchster Finanzministerebene

Eigentlich wollte ich sowohl den G 20 Gipfel als auch Rio plus 20, der jedoch fast ohne die komplette politische Elite von G 20 sein kümmerliches Dasein fristet, eigentlich wollte ich also beide Ereignisse sang- und klanglos zu Grabe tragen. Was aber nicht bedeuten soll, dass ich mich privat und eben abseits dieses Blogs nicht trotzdem mit post-griechenländischen Wahlbekenntnissen zum Euro und solch ekelhaft langweiligem Zeug rund um rollende Rubel und Euro mit rollendem „r“ beschäftige. Doch manchmal kommt es halt anders und so muss ich Sie heute schon wieder mit den europäischen FinanzministerInnen konfrontieren. Allerdings hoffe ich, dass Sie über das Folgende aus Finanzpolitische Weltkarte von Paul Boegle. Die monetären bilateralen Nichtbeziehungen zwischen EU-Staaten. Europa ist nicht Europa und Uganda möchte nicht Europa werdendem finanzpolitischen Hochadel ebenso schmunzeln können wie es mir selbst die Gesichtswinkel in die Horizontale verschob. Gefunden habe ich dieses Lehrstück geopolitischer Tieffliegerei auf allerhöchster finanzministerieller Ebene übrigens unter IFRAsia: On Greece, France and the trouble with liberal democracy.  Selbstverständlich können Sie sich auch den vor meinem Fundstück vorangestellten Artikel durchlesen, doch Sie müssen nicht. Und ganz ehrlich: Soooo spannend ist er auch wiederum nicht. Also kommen wir gleich zur Geografiestunde auf EU-Ebene, welche uns Alex Banbury von Hamilton Capital zur Verfügung gestellt hat.

“I thought you would be amused to see the following, which Fairfax sent round in one of their daily reports last week:

“Spain is not Greece.” Elena Salgado, Spanish Finance minister, February, 2010.

“Portugal is not Greece.” The Economist, April 2010.

“Greece is not Ireland.” George Papaconstantinou, Greek Finance minister, November, 2010.

“Spain is neither Ireland nor Portugal.” Elena Salgado, Spanish Finance minister, November 2010.

“Ireland is not in ‘Greek Territory.’”Irish Finance Minister Brian Lenihan. November 2010.

“Neither Spain nor Portugal is Ireland.” Angel Gurria, Secretary-general OECD, November, 2010.

“Italy is not Spain” – Ed Parker, Fitch MD, 12 June 2012

“Spain is not Uganda” Spanish PM Rajoy. June, 2012

“Uganda does not want to be Spain” (Ugandan foreign minister) June 13th 2012

Und da sage noch einmal jemand, dass die Europäische Union nicht eine wunderbare Einheit voller Friede, Freude, Eierkuchen sei. Übrigens alles Wörter mit rollendem „r“. Weshalb eigentlich überhaupt noch ein Land bei Frau Merkel in der Deutschen Union nebst Europa bleiben möchte, weiß wahrscheinlich angesichts solch kräfteraubender Landvermessungen quer durch das europäische Währungsgefüge kein Mensch mehr. Und warum bringt sich plötzlich der ostafrikanische Staat Uganda mit ins Monopolyspiel raffinierter Grenzverschiebungen? Könnte es sein, dass die europäische Schlossallee mittlerweile schon die Seiten gewechselt hat und das Los der EU längst besiegelte Sache ist, ohne dabei über Los mit aufgespanntem Rettungsschirm pleite zu gehen?

Nun, ich weiß, manche von Ihnen sind nicht auf allerhöchstem geografischem Niveau. Wie könnten Sie auch, dann wären Sie schließlich in irgendeinem Finanzministerium oder meinetwegen auch dem österreichischen Landwirtschaftsministerium beschäftigt. Oder noch besser! Sie hätten ein Finanzministerium unter sich, welches Sie beschäftigen könnten und Sie wiederum könnten Sich tagein tagaus mit länderübergreifenden Berg- und Talfahrten beschäftigen. Deshalb habe ich Ihnen hoffentlich recht anschaulich anhand des nebenstehenden Ausschnitts einer finanzpolitischen Weltkarte (zum Vergrößern anklicken) aufgezeichnet, auf welche Nuancen Sie beim täglichen Treiben mit dem rollenden „r“ achten sollten, damit das monetäre Weltgefüge nicht unter Ihren gewichtigen Worten vollkommen auseinanderbricht und auf was es eigentlich heutzutage ankommt, um die Übersicht zu behalten. Sozusagen eine PISA-Studie für weltenbummelnde Fortgeschrittene und globale Überläufer.

Und was ist mit jenen Staaten, welche so abseits und vollkommen unbeachtet dieser bilateralen Nichtbeziehungen stehen? Probieren Sie doch selbst aus, inwieweit Sie sich als potentielle(r) FinanzministerIn eignen würden. Je mehr Nichtbeziehungen Sie deklarieren, umso größer Ihre Fähigkeiten für solch einen Full-paint-Job. Abschließend noch einmal auf den schon angesprochenen österreichischen Umweltminister Nikolaus Berlakovich vom gleichnamigen Landwirtschaftsministerium. Umgekehrt geht’s natürlich auch. Da spricht er unter „Rio+20 startet mit Eklat“ folgende Worte:

Alle strittigen Punkte wurden verschoben: Frühestens 2014 soll ein Fonds für Entwicklung und Technologietransfer beschlossen werden – die Länder des Südens hatten 30 Milliarden Dollar jährlich gefordert. Ab 2015 könnten Nachhaltigkeitsziele eingeführt werden, zu welchen Themen blieb allerdings offen. Und zu einer Einigung über eine Konvention zum Artenschutz auf hoher See wird es nun frühestens im September 2016 kommen. Die EU scheiterte mit ihrem Ziel, eine „Road Map“ für die „Green Economy“ zu beschließen.

Für Österreichs Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) war dies ein Grund, erst gar nicht nach Rio zu fahren. Seine Begründung: Die Verhandlungen sind von Brasilien für beendet erklärt und ein Schlussdokument beschlossen worden, noch ehe der Gipfel begonnen habe. „Das ist sehr merkwürdig, widerspricht allen üblichen Gepflogenheiten und ist eine vertane Chance.“ Nur zum Feiern wolle er daher nicht anreisen.

Die beste Tat vom Herrn Minister. Spart Flugbenzin, spart Steuergelder, spart CO2. Kein Jetlag, kein Fluglärm, kein Protest, keine Ahnung. Also, keine Ahnung, was sonst noch alles für Vorteile damit verbunden sind. Und einen dicken Kopf vom ausgelassenen Feiern hat er sich auch erspart. Weiter so im Namen der Umwelt!


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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