Wer reitet so spät und macht viel Wind … 1



… es ist der Amtsschimmel, welchem wir unterworfen sind.

Zugegeben, die folgende Alltäglichkeit aus Österreichs Amtsstuben ist nicht ganz neu. Ganz abgesehen davon, dass das in Staatsdiensten stehende, galoppierend wäre im Falle des österreichischen Beamtentums doch etwas zu weit hergeholt, schließlich können sich alpenrepublikanische Staatsbedienstete sehr gut am Zügel reißen, Ross samt darauf thronendem verbeamteten Reiter, was bitte nichts, aber auch gar nichts mit Beamen, also dem schnellen entmaterialisierten Fortbewegen von einem Punkt des Universums zu einem anderen zu tun hat, ob hier von Amtsstube A nach Büro B oder noch weiter, sei jedem selbst überlassen, dass also, um diesen doch äußerst verzwickten Satz zu einem rühmlichen Ende zu bringen, Ross samt Reiter den in den verschiedenen Magistraten ganz besonderen Trägheitsgesetzen unterworfen sind, welche zusammen und gemeinsam mit ihnen selbst in diesen heiligen Räumlichkeiten herrschen. Der nächste Satz wird um einiges kürzer. Na sehen Sie, diesem vorangehenden fehlten doch beträchtliche Längen.

Gut, aber wieder zurück zum amtsbekannten Schimmel samt exekutiver Organspende, nachdem ich ja erst gestern meine Wertschätzung der deutschen Jurisprudenz entgegengebracht hatte. Meine heutige bloggende Ouvertüre begann, wir erinnern uns möglicherweise noch schemenhaft an den Eingangssatz, damit, dass ich von einer nicht mehr ganz taufrischen Alltagsgeschichte erzählen wollte.

2007 war es, um genau zu sein. Eigentlich Schnee von gestern, könnte frau und man meinen. Und trotzdem möchte ich in schweren Zeiten wie diesen leichtfertig darauf verweisen. „Die BH Liezen, Abt. Naturschutz, schreibt uns. Wir freuen uns und schreiben zurück. Ein Lehrstück im Spannungsfeld zwischen Reißnagel und Auspuff.“ Diese schönen Worte entstammen nicht meiner Feder, sondern flossen aus jener der ZUKUNFT ENNSTAL, ARGE Intermodale Verkehrsplanung. Jetzt müssen Sie vielleicht noch wissen, dass mit dem Kürzel BH die sogenannte Bezirkshauptmannschaft gemeint ist. Wer nun auch mit dieser typisch österreichischen Institution nichts anfangen kann, sei auf das allwissende Wikipedia verwiesen. Doch lassen Sie Wiki aus dem Spiel und mich daraus zitieren (siehe Wikipedia – Bezirkshauptmannschaft):

Eine Bezirkshauptmannschaft (landläufig: die BH) ist die allgemeine Verwaltungsbehörde eines Politischen Bezirks bzw. Verwaltungsbezirks Österreichs in erster Instanz. Sie ist eine der beiden Ausprägungen der Bezirksverwaltungsbehörde. (Die andere ist die Stadt mit eigenem Statut.)

Die BH Liezen, Abt. Naturschutz, schreibt uns. Wir freuen uns und schreiben zurück.

Und dann kommt der folgende, sehr unscheinbare Satz: „Bezirkshauptmannschaften sind im Kern der Bundesverfassung, dem Bundes-Verfassungsgesetz, nur indirekt erwähnt.“ Das österreichische Bundesverfassungsrecht ist nach mehrheitlichem Tenor keine einfache Sache, ja geradezu schwere Kost. Doch hier haben die MacherInnen Weitsicht bewiesen. Sie haben die BH in weiser Voraussicht also nur indirekt erwähnt. Weshalb, macht der folgende Brief deutlich, welchen besagte Zukunft Ennstal am 04. Oktober 2007 von der Betirkshauptmannschaft Liezen bekam. Den gesamten Briefwechsel finden Sie auch unter „Bäume – total unzuerlässig“ als PDF. Jetzt ab post mortem zurück zu Vergangenem aus dem Jahre 2007.

Zukunft Ennstal ARGE Moderate Verkehrsplanung bekam im Jahr 2007 Post von der Bezirkshauptmannschaft Liezen. “Die BH Liezen, Abt. Naturschutz, schreibt uns. Wir freuen uns und schreiben zurück. Ein Lehrstück im Spannungsfeld zwischen Reißnagel und Auspuff.”

Erklärte GegnerInnen des Umwelt- und Naturschutzes werden jetzt natürlich befriedigt die Reißzähne fletschen und triumphierend aufschreien: „Na also, was ich schon immer sagte. Bäume sind die Unzuverlässigkeit in natura und gehören deshalb abgeschafft.“ Denn so etwas ist schon ein starkes Stück – ein starkes Stück Natur. Marketingstrategen allerdings werden sich vielleicht voller böser Vorahnungen (siehe vielleicht auch dazu Wanted! Der Baron Münchhausen der Werbewirtschaft 2012) darauf besinnen, dass die letzte Kampagne, welche an ausweichenden Eichen und aufsuchenden Buchen ihren nagelnden Ausgangspunkt nahm, möglicherweise doch nicht den dringend benötigten Erfolg mit kolportierter Durchschlagskraft bringen wird. Sei es, wie es will, die so angemahnte ARGE nahm sich diesen Verwaltungsrüffel selbstverständlich zu Herzen und antwortete ausführlich zerknirscht und besserungsgelobend krachend. Das liest sich dann so.

ARGE Ennstal an die Bezirkshauptmannschaft Liezen. Grund: Aigen/Ennstal, Anbringung von Ankündigungen und Werbungen – naturschutzrechtliche Bewilligung. 

Die Zukunft Ennstal, ARGE Intermodale Verkehrsplanung bekam im Jahr 2007 Post von der Bezirkshauptmannschaft Liezen wegen unzuverlässiger Bäume. Ein starkes Stück Natur.

Und als Nachtisch ein angewachsen ausgewachsener Birnbaum

Da kann ich, da nun auf den Geschmack gekommen und weil die Kirschen samt der darunterstehenden Bäume in Nachbars Garten trotz persönlicher Begehrlichkeiten so unerreichbar weit weg angenagelt wurden, der lockenden Versuchung nicht widerstehen und möchte Ihnen zum Schluss etwas von Theodor Fontane mit auf den (Holz)Weg geben. Theodor Fontane war zwar meines limitierten Wissens nach niemals bei der Bezirkshauptmannschaft Liezen beschäftigt, sondern beschäftigte sich mehr mit zuverlässig poetischen Dingen abseits unzuverlässiger Baumbestände, doch „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ handelt zufälligerweise auch von einem Birnbaum. In diesem Sinne wünsche ich allen meinen LeserInnen, die bürokratischen Hürden auch in Zukunft mit Bravour zu meistern.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ’ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ’ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ’ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn‘ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ’ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

   


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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