HIPP, HIPP, Hurra: Dem ersten Goldenen Windbeutel geht die Luft aus 2



Der erste Kandidat zeigt Abnutzungserscheinungen 

Dass ich so schnell das gestrige Thema, Sie erinnern sich, ich schrieb über die aufgeblähtesten Goldenen Windbeutel Kandidaten für 2012, noch einmal aufgreife, hätte ich nicht gedacht. Doch beim morgendlichen Schlückchen ungesüßten Tee las ich online in der Berliner Morgenpost folgende Meldung:

Nahrungshersteller nimmt Kleinkinder-Tees vom Markt

Der Nahrungsmittelhersteller Hipp will seine umstrittenen Kleinkinder-Tees auf Basis von Zuckergranulat wahrscheinlich bis zum Jahresende vom Markt nehmen. Hipp arbeite bereits seit Längerem an einer neuen Tee-Rezeptur ohne Zucker, sagte eine Sprecherin. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte Hipp kritisiert, weil der hohe Zuckergehalt der Tees schädlich für Kinderzähne sei. Laut Foodwatch liegt der Zuckergehalt bei zweieinhalb Stücken Würfelzucker pro 200-ml-Tasse. Zuletzt hatte Foodwatch die Hipp-Instanttees Früchte, Waldfrüchte und Apfel-Melisse zusammen mit Produkten anderer Firmen für den Preis „Goldener Windbeutel 2012“ nominiert, der auf dreiste Werbelügen hinweisen soll.

Verdammt, da hat hat aber jener, welcher auf seiner Internetpräsenz unter anderem „Aus Verantwortung für die natürliche und gesunde Entwicklung Ihres Babys ist dies für mich eine Aufgabe fürs Leben. Dafür stehe ich mit meinem Namen.“ schreibt, schnell reagiert. Die böse Zunge könnte nun natürlich behaupten, Claus Hipp möchte durch diese Maßnahme einer möglichen Preisverleihung zuvorkommen, weil er gehörig die Hosen voll hat und die zuckersüßen Inhalte dieser werbewirksamen Windeln durch die Nominierung plötzlich unangenehm anrüchig transparent durch eben jene durchscheinen und einen unangenehmen Geruch im „Kauf mich“-Kinderzimmer verbreiten. Der Zeitpunkt für das Umdenken scheint auf alle Fälle nicht von Zufällen geprägt zu sein. Die Augsburger Allgemeine schreibt unter „Lebensmittelindustrie -Hipp nimmt Granulat-Tees vom Markt“ dazu:

Die Firma Hipp nimmt ihre Granulat-Tees für Kleinkinder vom Markt. Die Instant-Getränke sind durch die Nominierung zum „Goldenen Windbeutel“ 2012 in die Kritik geraten. Ob Hipp nur der Auszeichnung der größten Werbelüge des Jahres entgehen will oder den Schritt schon länger geplant hat, ist unklar. Auf jeden Fall bestätigte der Lebensmittelkonzern aus Pfaffenhofen am Donnerstag, dass es die Instant-Tees auf Zuckergranulat-Basis wahrscheinlich zum Jahresende vom Markt nehmen will.

(…) Nach Angaben des Lebensmitelkonzerns entsprechen die kritisierten Granulat-Tees den strengen Vorschriften der Diätverordnung, die alle Produkte für Kinder unter drei Jahren einhalten müssen. Geschäftsführer Claus Hipp erklärte jedoch schon im Mai in einem Brief an Foodwatch, dass das Unternehmen nach „neue Rezepturen ohne Zucker“ forscht.

Dass es gelungen ist, scheinbar auf wundersamen Weise plötzlich diese neuen Rezepturen bis Jahresende in die kritisierten Produkte einzubringen und diese hoffentlich auch dann zu substituieren, ist selbstverständlich eine schöne Sache. Weshalb aber erst mit dem Holzhammer der winkende Zaunpfahl bis zum Anschlag in den monetären Nährwertboden gerammt werden muss, bis die Hersteller auf solche Kritik reagieren, bleibt eine andere Sache. Doch es macht zumindest deutlich, dass Initiativen wie der Goldene Windbeutel Wirkung zeigen. Und um diese Schlagkraft zu forcieren, sind Verbraucherinnen und Konsumenten aufgefordert, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und ihre Stimme abzugeben. Also kann ich nur wiederholen, was ich in dem eingangs erwähnten Beitrag schon gestern geschrieben hatte: Mitmachen und den aufgedruckten Etikettenschwindel bis zum letzten Tropfen ausdrücken. Solch Aderlass in Form von beträchtlichem Imageschaden für die an den werbewirtschaftlichen Pranger gestellten Unternehmen scheinen leider immer noch der effektivste Weg, um hier Besserung zu erreichen. Ob Hipp der jetzt verlautbarten Ankündigung auch Taten folgen lässt, wird sicherlich genau beobachtet werden. Sicherlich nicht nur von Foodwatch.

 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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2 Gedanken zu “HIPP, HIPP, Hurra: Dem ersten Goldenen Windbeutel geht die Luft aus

  • Paul Boegle Beitragsautor

    Wobei es immer noch einen Unterschied macht, ob eine schön formulierte Pressemeldung alleine schon eine angemessene Reaktion darstellt. Im Falle Hipp sicherlich eine gute Idee, das beanstandete Produkt zu verbessern. Doch hätten die Verantwortlichen auch so schnell reagiert, wenn sie nicht nominiert worden wären? Natürlich reine Spekulation, Makulatur und Konjunktiv. Ich habe mir auch die anderen Stellungnahmen (besonders schön die Teekanne) durchgelesen und komme leider zu dem nicht sehr ermutigenden Schluss, dass hier trotz Kritik nur Augenauswischerei betrieben wird. Doch der Goldene Windbeutel wird von Jahr zu Jahr eine schärfere Waffe gegen die schön geschliffenen Versprechungen der Hersteller und das sollte zumindest Ansporn sein, hier auch mitzumachen.