Digitaler Datenstrom dank realem Kohle- und Atomstrom


Die dreckige Welt des watteweichen Cloud Computing

Eigentlich bin ich der absolut falsche Ansprechpartner in Sachen Cloud Computing. Natürlich habe ich mich trotzdem erst einmal ein bisschen schlau gemacht, was denn überhaupt hinter diesem Terminus steckt. Aus welchem Grunde habe ich mich mit solch Dingen beschäftigt? Nun, Greenpeace prangert in einem Kurzvideo die sogenannte iCloud von Apple an. Die kalifornischen digitalen Apfelproduzenten, welche sich nach eigener (Werbe)Aussage dem Motto „think different“ verschrieben haben, sind demzufolge jedoch gar nicht um so vieles anders als Amazon oder Microsoft. Zumindest dann nicht, wenn es um die Deckung des immensen Strombedarfs geht, welcher unsere iPhones, iPads und welche virtuellen Eier auch sonst Tag für Tag mit neuen Überraschungen ge- und befüllt werden sollen. Dass Apple (siehe meinen Beitrag „Foxconn und der saure Apfel von Apple„) oder Amazon (dazu mein Artikel „Report Mainz: Angst bei Amazon„) auch in anderen Dingen ganz differenziert denken und leider auch handeln, mag hier nur am Rande erwähnt werden.  

Was aber genau hat es mit diesem Cloud Computing überhaupt auf sich? So steht, und hier muss ich auf ein vollständiges Zitieren aufgrund fehlenden Verständnisses für diese Materie (eigentlich eher immateriell) zurückgreifen, unter Orientierungshilfe – Cloud Computing der Arbeitskreise Technik und Medien der Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder Version 1.0 Stand 26.09.2011 gleich zu Beginn auf Seite 4 geschrieben:

1 Einführung
1.1 Nutzen
„Cloud Computing“ steht für „Datenverarbeitung in der Wolke“ und beschreibt eine über Netze angeschlossene Rechnerlandschaft, in welche die eigene Datenverarbeitung ausgelagert wird. Teilweise wird von Cloud Computing auch dann gesprochen, wenn eine oder mehrere IT-Dienstleistungen (Infrastruktur, Plattformen, Anwendungssoftware) aufeinander abgestimmt, schnell und dem tatsächlichen Bedarf angepasst sowie nach tatsächlicher Anwendung abrechenbar über ein Netz bereitgestellt werden. Cloud Computing kann auch als eine Form der bedarfsgerechten und flexiblen Anwendung von IT-Dienstleistungen verstanden werden, indem diese in Echtzeit als Service über das Internet bereitgestellt werden und danach eine Abrechnung erfolgt. Damit ermöglicht Cloud Computing eine Umverteilung von Investitionsund Betriebsaufwand. Die IT-Dienstleistungen können sich wiederum auf Anwendungen, Plattformen für Anwendungsentwicklungen und -betrieb sowie auf die Basisinfrastruktur beziehen. Dabei hat sich eine Einteilung in die drei Cloud-Services bzw.
Organisationsformen „Software as a Service“, „Platform as a Service“ und „Infrastructure as a Service“ weitgehend durchgesetzt. Weiterhin wird zwischen „Public-, Private-, Hybrid- und Community-Clouds“ differenziert. Die Entstehung jener Form der Datenverarbeitung ist eng verbunden mit der enormen
Steigerung der Rechenleistung, der flächendeckenden Verfügbarkeit höherer Bandbreiten für die Datenübertragung und der einfachen Einsetzbarkeit von Virtualisierungstechnologien. Als Synthese von IT- und Telekommunikations-Leistungen führt Cloud Computing dazu, dass – einfach dargestellt – jegliche Leistung als Service erhältlich wird. Cloud Computing repräsentiert somit den Gedanken von „Services aus dem Netz“, vergleichbar mit „Strom aus der Steckdose“. Cloud Computing lässt sich damit auch als eine dynamisch allokierbare Infrastruktur verstehen, in der Kapazitäten und Services nach Bedarf bezogen werden können und die Grundlage dieser Struktur in der Virtualisierung von Hardware, des Speichers, des Netzwerks und der Software besteht.

Verschiedene Anbieter stellen also ihre Dienstleistungen dank virtueller Infrastrukturen zur Verfügung und lässt dies sich am besten mit dem Strom aus der Steckdose vergleichen. Für den Laien wie mich genügt das vorläufig. Viel schlauer bin ich zwar nicht geworden, doch ich habe eigentlich genau jenes Schlagwort gefunden, welches ich für den folgenden Übergang benötige. Bevor ich diesen virtuellen Rubikon jedoch überschreite, sei noch auf die datenschutzrechtlichen Faktoren verwiesen, welche sich aus diesem Nutzen und Schweben in und über solch verlockend allwissenden Rechnerwolken ergeben. So steht stellvertretend auf Seite 14 unter „4.1.2 Cloudspezifische Risiken“ derselben Quelle etwa:

Eine zentrale Eigenschaft des Cloud Computing ist, dass Computerressourcen von den Cloud-Anwendern genutzt werden, auf die sie selbst keinen konkreten Zugriff haben. Es ist in der Regel nicht nachvollziehbar, wo und auf welchen Systemen Anwendungen und Daten gespeichert sind, ausgeführt oder verarbeitet werden, besonders dann, wenn der Anbieter des Cloud Computing seine Dienstleistungen und Services (teilweise) bei anderen Anbietern einkauft und dieses nicht transparent für den Cloud-Anwender geschieht.

Ich lasse diese Aussage nun unkommentiert im luftleeren, aber umso bitgeschwängerten und bytegefüllten Raume stehen. Vergleichbar wie Strom aus der Steckdose sei also solch eine virtuelle Ansammlung von Fotos, Daten, Programmen und Serviceleistungen. Doch woher nehmen die Anbieter diesen Lebenssaft unserer 2.0.-Welten?

How clean is your cloud?

Die gleichnamige Studie von Greenpeace (englisches Original unter Greenpeace International: Executiv Summary oder die Greenpeace: How Clean Is Your Cloud; deutsche Zusammenfassung) machen deutlich, dass grüner Strom oftmals nur Wunschdenken ist. „Cloud Computing wird häufig mit Kohle- und Atomstrom betrieben“ lautet das innovative Konzept nicht nur bei Apple:

Für ihre gigantischen Cloud-Rechenzentren nutzen viele IT-Unternehmen hauptsächlich Strom aus Kohle- und Atomenergie. Die Umweltorganisation Greenpeace warf am Dienstag in einer Studie vor allem Apple, Amazon und Microsoft vor, nicht genug auf erneuerbare Energie zu setzen.

Google, Yahoo und Facebook bescheinigen die Umweltschützer hingegen, zunehmend erneuerbare Energien zu nutzen und sich für deren Ausbau einzusetzen. Die kritisierten Unternehmen widersprachen den Greenpeace-Angaben.

 

Eine gute Zusammenfassung zur Greenpeace Studie bietet dazu auch IT-Business: Greenpeace-Studie „How Clean is Your Cloud?“ Apple, Amazon und Microsoft verbrauchen durch Cloud Computing mehr Kohle- und Atomstrom. Dort heißt es unter anderem auch interessanterweise:

Laut der Studie hat sich Facebook inzwischen verpflichtet, die eigene Plattform mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Der erste Schritt dazu ist das neue Rechenzentrum in Schweden, das komplett mit erneuerbaren Energien läuft.

Über das von Facebook in Schweden gebaute Rechenzentrum habe ich schon auf diesem Blog berichtet. Weniger aus Gründen des Umwelt- als vielmehr des Datenschutzes wollte ich unter „Facebook: Erneuerbare energiegeladene Abhörfalle“ auf jene Aspekte jenseits grüner Ambitionen aufmerksam machen. Was auch für diesen Beitrag gilt. Der Himmel hängt sicherlich nicht voller Geigen. Und die federleicht schwebenden Rechenwolken, welche wir so unbedacht und vielleicht allzu unbedarft tagtäglich nutzen, bergen auch das eine oder andere Geheimnis, welches zu ergründen sicherlich nicht einfach, aber umso notwendiger ist. Damit sich „think different“ nicht zum unerfreulichen Kriechstrom entwickelt. 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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