The Conch Republic: „We seceded where othes failed“ 1



Als den USA mit einer Brotstange der Krieg erklärt wurde

Ganz ehrlich: Kennen Sie die Republik Conch (sprich Konk)? Nein? Nun, das ist eigentlich erstaunlich, feiern die EinwohnerInnen auf Key West im sonnigen Florida doch ihr The Conch Republic: “We seceded where othes failed”. The Mitigation of World Tension through the Exercise of Humor.bereits 30-jähriges unabhängiges Bestehen. „We seceded where othes failed“ oder zu deutsch „Wir haben uns abgespalten, wo andere versagt haben“ lautet deshalb auch das farbenfrohe Motto des Staates im Staate USA. Natürlich in Anspielung auf den Sezessionskrieg Süd gegen Nord. Weshalb verdient dieser Staat aber meine (und hoffentlich auch Ihre) Beachtung und Wertschätzung, dass ich diesem territorialen Kleinod sogar einen eigenen Artikel widme und so kurz nach meinem Beitrag über Detroit, die Stadt der unbegrenzten Anbaumöglichkeiten schon wieder bloggenderweise über den Atlantik ins Land der unbegrenzten Un(Möglichkeiten rudere?

Relativ schnell und einfach erklärt. Das Motto der Republik, die Botschaft an den Rest der Welt, die Doktrin des Staates mit der rosafarbenen Tritonshornmuschel, eben jener sogenannten Conch, im Wappen lautet auf einen einfachen Nenner gebracht: „The Mitigation of World Tension through the Exercise of Humor.“ Oder, um auch hier wieder ins Deutsche zu wechseln: „Die Weltspannungen durch den Einsatz von Humor reduzieren.“ Ich denke, dieses außenpolitische Statement genügt voll und ganz, um sich um einen Reisepass zu bemühen. Denn auch einen solchen können Sie beim Konsulat beantragen.

Was aber hat es nun mit diesem kriegerischen Baguette auf sich? Dazu habe ich in der FAZ einen Artikel aus dem Jahre 2007 mit dem Titel „Conch Republic: Eine Insel voller Narren“ angesichts des damaligen 25-jährigen Bestehens ausgegraben. Nicht mehr ganz röstfrisch, aber immer noch aktuell. Und vor allem macht er anschaulich, weshalb der alltägliche Spaß dort durchaus einen ernsten Hintergrund hat.

Die „Conch Republic“ liegt am südlichsten Ende Floridas, regelt ihre Konflikte mit Tomaten und trockenem Brot und besticht durch schrill-bunte Außenwirkung. Trotzdem ist der Phantasiestaat nicht nur zum Spaß da. Wer hier „Staatsbürger“ wird, bekennt sich zu einem kritischen Standpunkt.

(…) Auf den ersten Blick mag die Conch Republic aussehen wie ein Narrenstreich. Doch dahinter steckt wohlüberlegter Protest. Mit der Gründung der Conch Republic reagierten ein paar Amerikaner auf die Gängelung durch die Behörden: 1982 stellte die Grenzpolizei am Eingang der Key Islands einen Posten auf, um nach Drogen und illegalen Einwanderern zu suchen. Die Bewohner ärgerten sich über die langen Staus und fürchteten, die Touristen könnten ausbleiben. Sie fühlten sich behandelt wie ein fremdes Land und beschlossen daraufhin, auch eines zu werden. Also machten sie den Bürgermeister zum Premier und bewaffneten sich – mit trockenen Brotstangen. Noch am gleichen Tag kapitulierten sie wieder und beantragten eine Wiederaufbauhilfe von einer Billion Dollar. Die Vereinigten Staaten haben bis heute nicht auf die Forderungen reagiert. Doch der Grenzposten verschwand. Die Conch Republic hatte gewonnen.

Wegen Flüchtlingen politisch aktiv

Es gibt immer wieder solche Auftritte, große Spektakel, die als Narrenfest daherkommen. „Wir amüsieren uns sehr dabei“, sagt Sir Peter. Dumme Schildbürgerstreiche sind es aber nicht, dafür ist der Hintergrund viel zu ernst. Auch Eulenspiegel war nur vermeintlich ein Narr, tatsächlich den meisten seiner Zeitgenossen überlegen – Humor war seine schärfste Waffe.

Vor einem Jahr kaperten ein paar Conch-Republikaner die alte Seven-Mile-Brücke zwischen Vaca Key und Bahia Honda, Sir Peter trug einen schwarzen Piratenhut und hielt Flaggen und eine Brotstange in den Wind. Ein paar Tage zuvor, als 15 kubanische Flüchtlinge dort gelandet waren, hatten die Vereinigten Staaten erklärt, die Brücke gehöre nicht zu ihrem Territorium, und die Flüchtlinge zurückgeschickt. Die Conch Republic meldete daraufhin „großes Interesse“ an der Brücke an. Zugesprochen wurde sie ihr nicht, doch die Vereinigten Staaten machten ihre Territorialentscheidung wieder rückgängig.

Conch Republic Radio: “The Magic Is The Music”.Und dann habe ich noch beim Recherchieren für all jene, welche nicht nur Spaß am Lesen, sondern auch gerne Musik hören, Pirate Radio und, wie könnte es auch anders sein, Conch Republic Radio entdeckt. Für alle, welche sich abseits von Mainstream beschwingt singend hüfteschwingend außerhalb dieser freien Republik tanzend durch diese oftmals viel zu ernste Weltgeschichte fortbewegen möchten, kommen einfach Klick auf die beiden Screenshots zu diesen beiden Radiosendern.

Übrigens: Um eingebürgerte Conchianerin oder Conchianer zu werden, können Sie, wie schon oben geschrieben, einen Reisepass beantragen. Doch damit Sie sich Conch nennen dürfen, müssen Sie auf Key West geboren sein. Eigentlich schade, aber auch die kleine Republik und ihre skurril schrillen Bewohnerinnen und bunt fröhlichen (Schild)Bürger haben eben ihren Stolz. Doch im Gegensatz zu jenen aus Schilda, denen allerdings ebenso mein allerhöchster Respekt gilt, läuft in der Conch Republic vieles richtig.

Wenngleich den meisten Auswanderungswilligen und AussteigerInnen angesichts der horrenden Immobilienpreise ein Umzug in die Conch Republic sicherlich schwer fallen dürfte. Was mich schlussendlich zu der Erkenntnis bringt, dass sich eben doch nicht alles mit Humor aus der Welt schaffen lässt. Denn beim Geld hört bekanntlich der Spaß auf. „Quit your job und move to Key West“ lautet zwar ein Bestseller, welchen Sie im dortigen Museumsshop Pirate Radio Key West. Reingehört von Paul Boegle.erwerben können und der anschaulich Schritt für Schritt erklärt, wie der neue Lebenswandel zu vollziehen sei. Doch leider lautet auch da die Devise: „Nur Bares ist Wahres!“ und Muschelgeld ist auch im Süden Floridas leider nur ein Faustpfand ohne Nominalwert. Da können Sie noch so kräftig ins Horn oder wenn Sie möchten, in eine unabhängige rosafarbenen Tritonshornmuschel blasen. Auch Freiheit hat ihre Grenzen. Denn Freiheit genießt nur der Narr. Oder, um mit dem FAZ-Beitrag zu schließen:

Einmal, ganz am Anfang, hatte er (Anm.: Sir Peter Anderson, Generalsekretär der Conch Republic) eine Audienz beim Außenminister der Bahamas. Was sie denn eigentlich mit dem Phantasiestaat bezweckten, wollte der wissen. Sir Peter musste einen Moment überlegen. Und sagte schließlich: „Wir sind der Joker. Sie wollen bestimmt nicht immer mit ihm spielen, doch ohne ihn ist der Kartensatz nicht komplett.“ Ihm war damals nicht klar, dass der Joker meistens als Hofnarr dargestellt ist. Ein kleiner Mann mit Schellenkappe, der nicht nur für die Belustigung am Hofe zuständig war, sondern auch ein besonderes Recht innehatte: Er durfte als Einziger dem Herrscher die Wahrheit sagen. 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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