Von kopflosen Hühnern und menschlichem Federvieh 1


Mathematisches Hühnchen rupfen

Irgendwie und fatalerweise erinnert mich der quartalweise an gleichschenkligen Hühnerbeinen nagende Homo sapiens an eben jenes Federvieh, welches er aus der Werbung als glückliches Huhn kennt. Sozusagen, um den mathematisch aufgenommenen Faden dieser ungleichen Dreiecksbeziehung, welche aus glücklichem Huhn –> hungriger Mensch –> satter Mensch, aber jetzt unglückliches Huhn besteht, weiterzuspinnen: Eine Transformation von Homo sapiens zu Gallus gallus demesticus liegt in der duftgeschwängerten Luft. Sie wissen jetzt natürlich ganz genau, was ich damit meine.

Man hört doch immer wieder von diesen landwirtschaftlich landfriedlichen Horrorgeschichten, wo sich ein von Bauer Friedolin geschlachtetes Federvieh nach Durchtrennen des kammgeschwollenen Hauptes plötzlich verselbständigt und kopflos durch die Gegend rennt. Selbstverständlich denken Sie als unpolitische Freibeuterin oder neo-politischer Pirat sofort an den Störtebeker-Mythos oder an neurologische Erklärungsversuche. Kopf ab, aber die Muskelkontraktionen werden durch den noch vorhandenen Sauerstoff weiterhin am Leben erhalten. Oder eben, was davon noch übrig blieb. Aber zurück zum Vergleich. Manch zeitgenössische Genießer auf zwei Beinen, wobei wir jetzt hier den Menschen meinen, erinnern doch seltsam an diese vom Leben zum Tode beförderten, aber leider nicht stillhaltenden genießerischen Zeitgenossen, wobei wir hier nun vom Huhn reden. Immer kopflos durch die Gegend rennen, Sauerstoff verbrauchen, aber leider des zum Denken und der motorischen Steuerung notwenigen Kopfes mitsamt vorhandener Hirnmasse beraubt.

Wobei wir jetzt endlich nach langem Hin und Her beim Thema wären. Vielleicht erinnern Sie sich. Da gab es doch vor langer Zeit diese unappetitliche Geschichte von und vor allem über Wiesenhof. Ich weiß, es ist schon wieder sehr lange her und mittlerweile hat sich in unserer schnelllebigen Zeit doch einiges an anderen Unappetitlichkeiten ereignet, an denen wir zu nagen und zu kauen haben. Beim Suchen auf meinem virtuellen Hühnerfriedhof habe ich justamente am Heiligen Abend, also ganz praktisch zur oh nur fröhlichen Weihnachtszeit unter „Auweh-Ohwei-O Weihnacht: Sic Transit Gloria Mundi“ dieses vollmundige Thema auf recht tellerfüllende Art und Weise gestreift, aber ansonsten hört, liest und sieht ein hanebüchernder Feinschmecker wie ich es bin eigentlich nicht mehr viel über die Causa Wiesenhof. Viele wissen natürlich, von welchen Missständen hier die Rede ist: Das System Wiesenhof.

Neue Ermittlungen wegen Tierquälerei gegen Wiesenhof

Warum nehme ich also jetzt, so kurz nach der hühnereiersuchenden und nicht minder oh nur fröhlichen Osterzeit, diesen tranchierten und gegrillten Glühfaden wieder auf? Nun, einerseits verfolge ich selbstverständlich angesichts der aufkeimenden (welch bodenlose Doppeldeutigkeit!) Diskussion um diese federleichten Füllhörner oder, wenn Sie wollen, federhalterlesender legebatteriebetriebener menschlicher Stallorder mit Interesse. Bezüglich der gegen Antibiotika resistenten Keim, welche auf Hühnerfleisch festgestellt wurden: Diese Erkenntnis ist wahrlich nicht neu. Neu (zumindest für mich) ist allerdings jene Gedankenspiel, welches von Manfred Grote, Chemiker an der Universität Paderborn, unter „FAZ: Antibiotika-Resistenzen – Ein Huhn kommt selten allein“ aufgestellt wurde.

Antibiotika auch in Gemüse und Getreide?

Doch die Verwendung von Antibiotika in der Landwirtschaft wirft weitere Fragen auf. Dass diese Medikamente mit der Gülle auf die Felder und in die angebauten Pflanzen geraten, hat der Chemiker Manfred Grote von der Universität Paderborn in Versuchen mit Winterweizen, Rotkohl und Feldsalat bewiesen. „Durch den Verzehr so gedüngter Pflanzen sind Beiträge zur Resistenzentwicklung möglich“, ist Grotes Fazit.

Panikmache ist selbstverständlich eines, doch ein weiterer Grund ist etwas anderes. Zweitens hat mir also ein Leserkommentar von Ehrengard Becken-Landw. zu „Vorwürfe wegen Tierquälerei: Staatsanwalt soll doch gegen Wiesenhof ermitteln“ in Erinnerung gerufen, dass wir manche Themen nicht völlig aus unserem Gedächtnis streichen sollten.

1. Behörde lehnt wegen verbotener Aufnahmen ab (weil es nach Arbeit riecht?), die 2. ist fair genug, die Aufnahmen anzuerkennen, weil die offensichtliche Tierquälerei nicht mißachtet werden kann. Jetzt kann man nur auf wirkliche Maßnahmen hoffen. Andererseits ist Wiesenhof so mächtig, daß die Sache wahrscheinlich im Sande verläuft. Die Spielregeln zwischen Politik und Wirtschaf [sic] sind bekannt.

Mal sehen, ob in diesem Falle nicht doch die Gerechtigkeit siegt. Nein, sicherlich viel zu euphemistisch, also zu hoch gegriffen. Bisher ging die Staatsanwaltschaft ja davon aus, dass die von PETA für den Vorwurf der Tierquälerei gezeigten Aufnahmen bei einem möglichen Prozess nicht in die Beweisaufnahme aufgenommen werden dürfen. Nein, nicht weil sie falsche Tatsachen widerspiegeln oder es sich sogar um gefälschte Beweise handelt. Sondern weil sie rechtswidrig hergestellt wurden. Denn verdeckte Aufnahmen seien illegale Aufnahmen und deshalb al Beweismittel nicht zulässig. Was PETA-Berater Haferbeck im Zusammenhang mit einer ähnlichen Tierechtsverletzung eines Putenmästers, welche jedoch rechtskräftig verurteilt wurde, zu der Aussage veranlasste: „Wiesenhof hat seine eigene Justiz dort„. („taz: Misshandlungen bei Wiesenhof – Tierquäler bleiben ungestraft„)

Jetzt scheint aber mit leichter Verspätung doch wieder Bewegung in den Hühnerstall zu kommen. Denn „die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen Wiesenhof„. Oder noch etwas ausführlicher unter „Offenbar neue Ermittlungen gegen Wiesenhof„.

Der Geflügelproduzent Wiesenhof mit Sitz in Visbek kommt aus den Negativ-Schlagzeilen nicht heraus. Nachdem im März die Fastfood-Kette McDonald’s angekündigt hatte, keine Produkte mehr von Deutschlands größtem Geflügelproduzenten zu verkaufen, gibt es nun neue Ermittlungen gegen Wiesenhof wegen möglicher Tierquälerei. Angeordnet wurden sie nach übereinstimmenden Medienberichten von der Generalstaatsanwaltschaft in Celle. Ein von der Staatsanwaltschaft Verden eingestelltes Verfahren werde wieder aufgenommen, berichteten der „Spiegel“ und die „tageszeitung“ (taz) am Freitag vorab.

Liebe Ehrengard, lassen wir uns doch jetzt überraschen, ob da wirklich alles so im Sande verläuft, wie von Wiesenhof gewünscht. Und Wiesenhof selbst? Die lassen in der Zwischenzeit ihre Wiesenhof Bruzzzler von der einstigen Nummer 1 , dem ehemaligen Bayern-Torwart Oliver Kahn, fachgerecht grillen. „Also, grillen ist wie Fußball.“ lässt sich der Titan des runden Leders vernehmen. Und beim herzhaften finalen Biss in seinen gebruzzelten Geldgeber kommt er zu der Erkenntnis: „Mann, ist das ’ne Wurst!

Also, ganz ehrlich. Wenn Wiesenhof nicht wegen Tierquälerei verklagt wird, dann ist alleine das schon einen Prozess wert. Was meine zu Anfang dieses Beitrags aufgestellte Theorie wieder in den Vordergrund rücken lässt, dass erhöhter Sauerstoffverbrauch nicht unbedingt eine Folge aktiver Gehirnfunktionen ist oder in Verbindung zu denkerischer Tätigkeit steht.  


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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