Detroit – Stadt der unbegrenzten Anbaumöglichkeiten 1



Urbane Biobauern statt amerikanischer Highway

Eigentlich war ich ja verzweifelt auf der österlichen Suche nach einem passenden Anschlussthema für meinen letzten Artikel „Monsanto oder das Problem bei den Wurzeln packen„. Also eben mit Bezug zum Garten oder so etwas in der grünen Art und biologischen Weise. Kurz sollte es sein, schließlich möchte die allerbeste Ehefrau vom angeheirateten Gartenzwerg Boegle mit demselben noch ein paar müßiggängerische Stunden verbringen. Und dann fiel es mir wie Schuppen aus der Glatze. Die Glotze muss heute herhalten. Nein, nicht für den ehelichen Müßiggang, sondern für den heutigen Beitrag.

Ich wollte schon seit langem auf eine ARTE-Doku (bei Klick auf den Screenshot am Ende, aber natürlich bis zum Ende weiterlesen) aufmerksam machen, welche fast schon so alt ist wie Lumpi in Nachbars Garten. Und trotzdem aktueller denn je. Wer an Detroit denkt, denkt wohl in erster Schlangenlinie an den amerikanischen Traum von unbegrenzter mobiler Freiheit. General Motors, Ford und Chrysler als Synonym für eine Industriestadt, deren wirtschaftlicher Motor auf Automotoren aufgebaut ist. Oder besser war. Denn die benzinbetriebenen Aggregate in Motor City sind ins Stottern gekommen. Die mobile Wirtschaftskrise und die immobile Seifenblase haben ihre Spuren hinterlassen. Doch mit der Devise „Gemüse statt Autos“ haben einige Menschen aus der Not eine Tugend gemacht. Oder, um nun die geparkten Worte von ARTE in meine bloggende Fertigungsstraße einzubauen:

Schon vor der Wirtschaftskrise war Detroit, Stadt des amerikanischen „Rust Belt“, keine reiche Stadt. Seit aber die Autobauer bankrott gehen, die Zulieferer ihre Fabriken schließen und die Immobilienkrise die Menschen massenhaft aus ihren Häusern warf, hat sich die Lage verschärft. Die Schlangen vor den Suppenküchen werden immer länger. Zehntausende haben keinen Job mehr.

Auch für diese Arbeitslosen sind die die „Urban Farmer“, die Stadt-Bauern, eine Hoffnung. Anstatt die Hand aufzuhalten, pflanzen sie lieber Tomaten an. Das Projekt schafft Jobs und macht die Stadt unabhängiger. Bis zu 15% des Obstes und Gemüses der Stadt kommen schon von den neuen Feldern der Stadt-Bauern. Einer der Aktivisten ist Greg Willer. Er will Schluss machen mit der Abhängigkeit vom Industrie-Essen. Bisher arbeiten die Bauern mit bescheidenen Mitteln, doch ihr Erfolg lockt Investoren an. John Hantz zum Beispiel will 30 Millionen Doller in die Gründung eines städtischen Handelsbetrieb stecken.

Unsere Reporter haben die neuen Biobauern getroffen und dabei neben Althippies und Biopionieren auch coole Teenager entdeckt, die statt auf der Straße rumzuhängen, nun zur Harke greifen.

Jetzt bin ich ja ein zugegebenermaßen recht vorurteilsunfreier und wertnichtneutraler Mensch, wenn es um jene Dinge geht, welche von West nach Ost über den Atlantik schwappen und an Europas Küsten die Anker werfen, um hier zu stranden und Einzug zu halten. Doch dass Autos, außer vielleicht am nachweihnachtlichen Osterfest, vorösterlichem Weihnachten und anderen konsumwahnsinnigen Festtagen zwischen Ostern und Weihnachten, nicht essbar sind, haben selbst in Europa noch nicht alle Kohlenmonoxid Inhalierenden begriffen. Neuorientierung ist doch tatsächlich nicht nur per eingebautem GPS-Navigationssystem im fahrbaren Untersatz möglich. Und sogar in der Motor City Detroit.

ARTE: “Detroit: Gemüse statt Autos”. Ungenutzte Parkplätze, alte Industriezonen, vernachlässigte Hausgärten: Den neuen Biobauern von Detroit ist es völlig gleich, wo sie neue Anbauflächen schaffen. Ihre Stadt soll grüner werden, nicht weil es schöner aussieht, sondern damit die Einwohner ihr eigenes Obst und Gemüse auf dem Teller haben.

 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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