Monsanto oder das Problem bei den Wurzeln packen


Für grübelnd grabende Gartenzwerginnen und glücklich geerdete Kobolde

Jetzt kommt sie wieder. Die Zeit des Grabens, Jätens, Wühlens und nicht zuletzt des Säens. Doch damit wir nicht aus Versehen zum falschen Saatgut greifen und dieses dorthin verpflanzen, wo später pazifistisch veranlagte Pflanzen aus der Erde schießen sollen, man denke dabei an solch Ekelpackungen, welche genmanipulierten Wind säen und glücklicherweise mittlerweile Stürme der Entrüstung ernten, sollten wir doch ein Augenmerk darauf haben, welche Anbieter wir in die engere Wahl des grundsätzlich zu kleinen “Hungernde Medusa” von Paul Boegle. Gentechnik in Zeiten von Monsanto, Syngenta, Pioneer und anderen.Fleckchen Erde ziehen. Man denke doch als vor sich grübelnd grabende Gartenzwergin oder glücklich geerdeter Kobold nur an solch Firmenzüge wie Monsanto oder in Gartenzwergs Namen an Toscanella, die Tomate ohne Bezug zur Toscana von Konkurrent Syngenta, welche ihr gesellschaftlich bilanziertes Erbgut den VerbraucherInnen anbieten. Problem bei dieser ganzen irdischen Sache: Genau dieses steht in den wenigsten Fällen auf den kleinen Sackerl und größeren Packerl, oder um mich auch im deutschen Sprachgebrauch verbal fortzupflanzen, auf den Tütchen und Päckchen drauf. 

Heiner Otterstedt als gentechnisch unveränderter Gartenzwerg (dieser Begriff ist in diesem Zusammenhang absolut positiv besetzt und zeugt von meinem Respekt) und als Blogbetreiber des Hobby Gartenblogs “Wir sind im Garten” hat mit seinem Beitrag “Samen von Monsanto“, den ich kürzlich aus dem virtuellen Erdreich ausgegraben habe, ein Thema an den Wurzeln angepackt, dem ich als selbst anbauender Gartenzwerg mit einem klitzekleinen Gartenwerk bisher eigentlich so noch keine Beachtung und Aufmerksamkeit geschenkt habe. Was ein großer Fehler ist, der aber nun sofort bei den Hörnern und zum Anlass genommen werden soll, um die eigenen und hoffentlich auch Ihre grauen Zellen unter der grünen Zipfelmütze etwas zum Nachdenken anzuregen.

Ich persönlich möchte mit denen deshalb lieber keine Geschäftsbeziehungen mehr eingehen. Leider ist das gar nicht mal so einfach, denn Monsanto ist ein riesengroßer Saatgutkonzern und ich bin Hobbygärtner. In der Samenabteilung meines Baumarktes treffen wir also andauernd aufeinander.

Natürlich steht auf den Samentütchen nicht wirklich Monsanto. Und herauszufinden welche Firma nun genau zu welchem Konzern gehört, ist ausgesprochen teuer (beim deutschen Handelsregister kostet ein einzelnes Firmenprofil € 4,50, ähnlich sieht es beim European Business Register aus)

Nach eigenen Angaben gehören zu Monsanto die Marken Seminis, De Ruiter Seeds und weitere regionale Marken. Darüber hinaus stehen Monsanto und ihre Töchter über “ein weltweites Netzwerk eigener Vertriebsgesellschaften und einer Reihe exklusiver Vertriebspartner in verschiedenen Ländern” mit uns Kunden in Kontakt. De Ruiter Seeds nennt auf seiner Kontakt-Seite zum Beispiel die Firma Volmary GmbH, zu der wiederum die bekannten Marken Sperli und Kiepenkerl gehören. (Einige weiterführende Verlinkungen sind im Originalartikel enthalten)

Möglicherweise werden nun Argumente wie “Aber nicht alles Saatgut, dass mit Monsanto in Verbindung zu bringen ist, ist genmanipuliert. Mir scheint, oft wird das alles in einen Topf geworfen. Kaum taucht der Name Monsanto auf, geht es nur noch um Genmanipulation.” Eingang finden. Das stimmt, doch auch ich möchte mich den Worten von Heiner anschließen, welche ich so auch wortwörtlich wiedergeben möchte: “Nein, natürlich nicht. Hier bei uns ist ja sowieso keine der genmanipulierten Sorten zugelassen. Trotzdem möchte ich nicht, dass die an unserem kleinen Garten auch noch Geld verdienen.” Wobei ich nun der Form halber anfügen möchte, dass “rrhase” alias Ralf Roesberger vom Blog “Neulich im Garten” richtigerweise hinzufügt: “Das heisst nicht, dass die Arbeit dieser Firma gutzuheissen ist. Vielen Dank fuer den Artikel. Auch in meiner Samenkiste stecken einige dieser Sorten. Werde ich mir merken und in Zukunft besser drauf achten.

Das Projekt Landeier: Grüne Schale, grüner Kern

Und Heiner macht sich dann die Mühe, eine äußerst umfangreiche Aufstellung über jenes Saatgut dieses weitverzweigten Monsanto-Wurzelwerkes anzuführen. Doch diese Lorbeeren zu ernten, gebührt nicht mir. Deshalb bitte ich, und ich hoffe selbstverständlich, dass dementsprechendes Interesse nicht nur bei jenen mit eigenem Garten besteht, unter dem oben angeführten Link das Original weiterzulesen. Und zwar bitte bis ganz zum Schluss. Denn dort finden Sie dann die Verlinkung zu einem weiteren sehr guten Artikel zum Thema. Das “Projekt Landeier“, Friederike Kaymer-Meißner und Jan Meißner alias die Rheinländerin “Zwergbäumchen” und der Exilberliner “jmsanta” nennen ihr Projekt wirklich so, geben dem von Heiner Otterstedt ins Rollen gebrachten Stein unter “Woher kommt mein Saatgut” über die eigene Gartenmauer hinaus gleich noch einen weiteren Stoß. Und hierbei bitte ich besonderes Augenmerk auf das Update vom 14.03.2012 zu richten, welches sich unterhalb des eigentlichen Beitrages findet.

Und fast hätte ich es dann überlesen. Wiederum als Antwort auf einen Kommentar, welcher folgende Fragestellung “Mal so für einen unbedarften Laien: Was ist denn schlimm daran Samen eines großen Herstellers zu verwenden? Und was sind samenfeste Hybride und was ist der Vorteil daran?” aufwarf, hat Jan eine sehr ausführliche Antwort darauf gegeben, welche unter “Die großen Saatgutfirmen und Hybride” nachzulesen wäre. Abschließend nun noch ein Hinweis auf den Greenpeace-Beitrag “Neuer Patente-Report“.

Beispiel 1: Schweizer beanspruchen angenehm schmeckende Melonen.

Das Europäische Patentamt (EPA) gewährte dem Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta im Dezember 2011 ein Patent auf Melonen “mit einem angenehmen Geschmack”. Im Patentantrag (EP1587933) wird der Geschmack als “herb-erfrischend-süß-sauer” beschrieben. Das Patent umfasst alle Melonen, die orange, weiß, grün oder gelb sind und einen gewissen Anteil an Zitronensäure und Zucker sowie einem bestimmten pH-Wert haben. Dabei fallen nicht nur die Pflanze, sondern auch das Saatgut, das Fruchtfleisch und alle Verwendungen unter das Patent. Die Erfindung ist das Ergebnis herkömmlicher Zuchtmethoden.

Verdammt, ich wusste doch schon immer, dass hellblaue Melonen mit rotem Karomuster ohne herben, erfrischend, süßen und sauren Geschmack, aber dafür mit viel ohne Geschmack, eine absolute Marktlücke sind. Muss ich mir natürlich sofort patentieren lassen, bevor jemand die Schweizer wieder schneller sind. Und was findet sich zu Monsanto?

Beispiel 3: Monsanto diktiert Auswahl und Preise

Der US-Agrarkonzern hält ein umfassendes Patent auf Brokkoli und blockiert so weitere Züchtung. Mit Beneforté-Brokkoli gelangte das erste patentierte Gemüse vergangenes Jahr auf den europäischen Markt. Bei Marks & Spencer in Großbritannien ist der Monsanto-Brokkoli mit einem höheren Senfölgehalt erhältlich: vorgeschnitten, in Plastik verpackt und hochpreisig.

Monsanto ist die Nummer 1 im internationalen Saatgutmarkt und hat bereits die größten Gemüsezüchter Seminis und DeRuiter aufgekauft. Der Konzern beansprucht auch Patente auf Schnitzel, Schinken und Würste von Schweinen (WO2009097403), die mit der patentierten Soja des Konzerns – dem Bestseller Roundup-Ready – gefüttert wurden.

Nun ja, wer Patente auf Schweine besitzt oder sich für ebensolche Erzeugnisse ausstellen lässt, muss sich irgendwie in diesem Metier des vierbeinigen Borstenviehs ganz ordentlich auskennen. Also gut zu wissen, dass in Sachen Schwein Monsanto ein kompetenter Ansprechpartner wäre. Auch wenn ich mir selbst bereits Anfang Mai 2010 mein eigenes Patent mit der Nummer 0815 PB eigenhändig ausgestellt habe, muss ich neidlos anerkennen, dass ich bei den wirklich großen Sauereien doch nur ein armes Schwein bin. 

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