Das Sumangali-Prinzip: Textile Leichentücher made in India


Minderjährige Sklavinnen im Dienste unserer modischen Eitelkeiten

Auch wenn ich erst vor wenigen Tagen unter “Citius, altius, fortius oder Nike, Puma, Adidas” über den olympischen Geist, der mehr und mehr unter dem Motto “The profits must go one” steht, geschrieben habe, sollte uns alle das folgende Thema mit aller Deutlichkei8t vor Augen führen, weshalb die Modebranche und Firmen wie Tom Tailor, Zara, H&M oder C&A zu großen Teilen eine soziale Verantwortung tragen, derer sie jedoch in keinster Weise nachkommen, sondern durch Schweigen, Wegschauen und Handlungsunwilligkeit ein System unterstützen, welches in dieser Form menschenverachtender Knebelung namens Sumangali wohl selten zu finden ist.    

Das Sumangali-Prinzip: Prinzip Ausbeutung, Prinzip Sklavenarbeit, Prinzip Hoffnungslosigkeit, Prinzip Kinderarbeit. Indien und die Sklavinnen der Textilfabriken.Bis vor wenigen Tagen konnte auch ich mit dem Begriff Sumangali-Prinzip nichts anfangen. Und ich könnte mir vorstellen, dass es vielen meiner LeserInnen ähnlich ergeht. Zeit also, einmal einen Blick auf den indischen Subkontinent zu werfen und dort hinter den textilen Vorhang zu blicken. Natürlich könnten wir es uns auch einfacher machen und solch renommierte Unternehmen wie Tom Tailor, Zara, H&M oder C&A fragen, was diese ehrenwerte Gesellschaft des guten Modegeschmacks unter Sumangali verstehen respektive ob diesen über jeden Zweifel erhabenen Textilketten solch verbale Zungenbrecher überhaupt geläufig sind.

Nun, wer sich die ZDF-Doku “Die Lohnsklavinnen – Billigmode aus Indien: Egal ob T-Shirt oder Sommerkleid: Viele dieser Produkte kommen aus Indien, werden dort von Lohnsklavinnen gefertigt. ZDFzoom-Autor Michael Höft begibt sich auf Spurensuche“, welche Sie bei Klick auf den Screenshot am Ende dieses Artikels erreichen, zu Gemüte geführt hat, wird nun ein vollkommen anderes Bild davon haben, was in des Kaisers und Kunde Königs neuen Kleider wirklich steckt, aber so geflissentlich hinter der eleganter Extravaganz verschwindet: Kinderarbeit, Ausbeutung, sexueller Missbrauch und unmenschliche Arbeitsbedingungen. Alle anderen werden natürlich entrüstet aufschreien: “Nein, natürlich können diese Modeketten von all dem nichts wissen.” Allen voran die Unternehmen selbst.

Wie denn auch? Die südindische T-Shirt City Tirupur oder auch die Industriestädte Erode und Coimbatore etwa liegen schließlich sooooo weit weg und außerdem schreibt z.B. Tom Tailor ganz klar und deutlich unmissverständlich: “… das Verbot von mißbräuchlicher Kinderarbeit, sichere und menschenwürdige Arbeitsbedingungen, wenigstens eine Entlohnung auf der jeweils gesetzlichen Grundlage, geregelte Arbeitszeiten …” sind das Alpha und Omega für die bindenden Grundsätze für Unternehmen und Lieferanten, welche doch letztendlich für die Wünsche der KonsumentInnen nach günstig, guter Qualität und, ach ja, gefallen sollte es auch noch, immer im Vordergrund stehen müssen. Also muss doch alles passen, was uns vor dem Spiegel der Eitelkeiten als passend erscheint.

Sumangali = “Glückliche Braut

Ich möchte Ihnen natürlich die knapp 30 Minuten der Dokumentation dringend ans Herz legen. Aber ich will Ihnen auch die ganz besonders makabren Dinge über ein fast völlig unbekanntes Kapitel aus einer langen Liste an Verfehlungen der Textilindustrie in komprimierter Form wiedergeben, um Sie wieder einmal zum Nachdenken anzuregen, wo und besonders zu welchem Preis wir das einkaufen, was uns auf den ersten Blick als wie auf den Leib geschneidert erscheint. Denn schneidern, weben und nähen lassen die Großen der Branche alle in Tirumpur, wie zugespielte Ladepapiere in der Dokumentation des ZDF zeigen. Da finden sich dann Labels wie eben Tom Tailor, Zara, H&M oder C&A, welche über die in Tirupur ansässige Eastman Exports Global Clothing Gesellschaft beliefert werden.

So kommt in dem Bericht auch Barbara Küppers, Expertin in Sachen Textilindustrie in Indien von terre des hommes zu Wort. “Sklaverei auf Zeit” nennt sie das Kind Sumangali beim Namen. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf den Artikel “Was ist das Sumangali-Schema?” von terre des hommes verweisen, welcher anschaulich erklärt, wie dieses Beuteschema moderner Ausbeutung funktioniert.

Junge Mädchen und Frauen, die älter als 14 Jahre sind, werden in Spinnereien und Fertigungsbetrieben mit einem mehrjährigen Vertrag angestellt. Sie gelten als »Lehrlinge«. Die Verträge sind häufig nicht direkt mit den Textilbetrieben geschlossen, sondern mit Mittelsmännern, die die Mädchen aus Dörfern im Umkreis rekrutieren.

Das Wort »Sumangali« bedeutet auf Tamil: »Braut« und »die Wohlstand bringt«. Das Geld, was die Eltern von den Zwischenhändlern erhalten, nutzen vor allem arme Familien als Zuschuss zum Brautpreis ihrer Töchter, der bei einer Heirat an die Familie des Mannes gezahlt werden muss.

Die Arbeiterinnen bekommen ein Taschengeld in Höhe von etwa 25 Euro im Monat und das Versprechen eines Bonus zwischen 500 und 800 Euro nach Ende des meist dreijährigen Vertrages. Kosten für Unterkunft und Verpflegung werden vom Taschengeld abgezogen, sodass den Arbeiterinnen häufig nicht einmal zehn Euro pro Monat ausgezahlt werden. Das Taschengeld und der Bonus liegen zusammengenommen unter dem gesetzlichen Mindestlohn für ungelernte Arbeiter.

(…)  Berichte örtlicher Nichtregierungsorganisation bestätigen, dass viele der Arbeiterinnen kurz vor Ableistung des Vertrages unter Vorwänden entlassen werden und ihnen der versprochene Bonus nicht ausgezahlt wird. Die Mädchen sind Beschimpfungen, Schlägen und sexueller Belästigung durch Aufseher ausgesetzt. Täglich versuchen Mädchen, aus den Fabriken zu fliehen. Selbstmordversuche, bei denen die Mädchen sich mit Hilfe von Pestiziden oder Benzin das Leben zu nehmen versuchen, sind an der Tagesordnung.

800 Selbstmorde in zwei Jahren

Sehen so glückliche Bräute aus? Doch wie kommen die Mädchen überhaupt in die Spinnereien und Textilfabriken, um dort für jene mit zarten Kinderhänden Kleidung zu fertigen, welche sich aus berufenem Munde auf Einhaltung sozialer Standards berufen, wohlwissend, dass hier sämtliche gesetzlichen Regelungen ausgehebelt werden. Hier gibt es den sogenannten “Broker”, einen gütigen Mann vom Aussehen eines Heiligen, welcher aber nichts anderes ist als? Ein Mädchenhändler.

Einem 13-jährigen Mädchen schildert er das Leben hinter den Fabrikmauern im Wortlaut folgendermaßen: “Für die Mädchen ist es gut, in die Fabrik zum Arbeiten zu gehen. Sie bekommen dort genügend Essen. Und für den Körper ist Schichtarbeit sehr erholsam. Die Arbeit ist eigentlich wie Gymnastik. In den Fabriken sind die Mädchen glücklicher als zuhause. Das kann ich ihnen versprechen.” Pervers? Nein, sondern Realität in jenen textilen Sklavereien, welche das produzieren, was wir so unbedacht tragen. Hier werden sozial Schwache und die Ärmsten auf geradezu bestialische Art und Weise verhöhnt. Wissen? Nein, wie denn auch. Schließlich ist Tirumpur sooooo weit weg.

Aber hier wäre es besser, Sie sehen sich die Reportage zumindest ab diesem Zeitpunkt (Minute 14) selbst an. Und dann lernen Sie auch Priya kennen, ein 19-jähriges Mädchen, welches von ihrem Vorarbeiter geschlagen, beschimpft und gedemütigt wurde, aus der Fabrik floh und wieder zurückgeschickt wurde. Von ihren Eltern. Das Geld aus dem Sumangali-Knebelvertrag wird dringend benötigt. Der Ausweg? Gift. Pestizide sind in den ländlichen Gegenden schließlich leicht zu bekommen, um das Leben als glückliche Braut endgültig zu beenden. Oder verbrennen, die zweithäufigste Ursache für Suizid der Mädchen. Ein Kanister Benzin lässt die Qualen in Sekundenschnelle in Rauch aufgehen.

Ein Selbstmordversuch pro Tag, 30 Suizidversuche pro Monat. Rechnen Tom Tailor, Zara, H&M oder C&A jetzt vielleicht gerade mit, wieviel dies über die Jahre macht, in denen sie bereits in Tirupur produzieren ließen und auch künftig lassen? Nein, wahrscheinlich nicht, die Taschenrechner werden für schönere Zahlen benötigt. Schwarze Zahlen dank der emsigen und fleißigen Mädchen sind gefragt. Rot ist die verbrannte Haut, rot ist der Tod, rote Zahlen wollen wir nicht. Da passt jene Bilanz für die Jahre 2009 und 2010 in der Region ebenfalls nicht so recht ins schöne Bild hintergrundmusikbemaltberieselte Boutiquen voller unscheinbarer “Made in India”-Etiketten, welche uns sanft zärtlich im kaufwilligen Genick kraulen: 800 Selbstmordopfer! Nicht Versuche, sondern finales Auf-den-Leib-schneidern! Andere Quellen, so etwa der Artikel “Welle von Selbstmorden in indischer Boomtown“, der auch aus anderen Gründen lesenswert ist, sprechen sogar noch von weitaus höheren Zahlen:

Mit dem Wachstum Tirupurs sind gewaltige Reichtümer gemacht worden – die Einnahmen aus der Textilindustrie stiegen von 80 Milliarden Rupien (1,35 Milliarden €) in 2008 auf 120 Milliarden Rupien (2,03 Milliarden €) in 2009. Tirupurs Anteil an den Textilexporten Indiens liegt nun bei einem Viertel.

Diejenigen, die mit ihrer harten Arbeit dieses spektakuläre Wachstum vorwärtstreiben – die hunderttausenden Textilarbeiter und ihre Familien – leben unter verzweifelten Bedingungen. Sie sind derart verzweifelt und niederdrückend, dass monatlich 40 bis 50 Selbstmorde verübt werden.

Kürzlich wurde aufgedeckt, dass sich bis September 2010 910 Textilarbeiter, ihre Eheleute und Kinder aus Tirupur umgebracht haben. Der Großteil von ihnen war 20 bis 40 Jahre alt, d.h. sie standen in der “Blüte” ihres Lebens.

Im letzten Jahr hat sich die Situation noch verschlechtert. In ganz 2009 haben sich noch 495 Textilarbeiter und Familienangehörige umgebracht, in den ersten sechs Monaten 2010 waren es bereits an die 350 Selbstmorde. In den drei Monaten Juni bis August 2010 nahmen sich 250 Arbeiter das Leben.

Kamerascheue Modeketten

Und was sagen die betroffenen Firmen über die Produktionsbedingungen in Indien? Tom Tailor: Vor der Kamera möchte sich niemand äußern. Antworten gibt es nur schriftlich. Und dies sieht dann so aus: “Das Sumangali Schema ist ein in Südindien vorkommendes gesellschaftliches Phänomen, das uns bekannt ist.” Es ist also immerhin bekannt. Na dann, das genügt selbstverständlich vollkommen. Ebenfalls schriftlich H&M: Sumangali verstößt gegen deren Verhaltenskodex. Man habe den Punkt schon mit den Zulieferern besprochen und überwache jede Form von sklavenähnlicher Arbeit durch ein Kontrollprogramm. Na dann, Kontrolle ist schließlich besser als Vertrauen. Aber Vertrauen kann niemals schaden. Höchstens jenen 800 Mädchen der Jahre 2009 und 2010 vielleicht. Zara? Möchte sich natürlich nur schriftlich äußern. Und das hört sich dann folgendermaßen an: “Unsere Beschaffung findet in 60 Ländern statt – darunter auch Indien – die Produktion in ganz Asien repräsentiert jedoch nur 35% der Gesamtproduktion.” Na dann, da können die anderen potentiellen Selbstmordkandidatinnen doch von Glück sprechen, dass hier nicht zu 100% produziert wird.

Einzig C&A erklärt sich bereit, vor die Kamera zu treten. Alles schön und gut, was C&A-Unternehmenssprecher Thorsten Rolfes dann so von sich gibt. Ein perfides, illegales und menschenverachtendes System. Es bringt junge Frauen in Arbeitsverhältnisse, die man als sklavenähnlich bezeichnen kann. Und C&A hat bereits 2007 davon Kenntnis bekommen. Die Erkenntnis aus dieser Erkenntnis? Dass das selbstverständlich inakzeptabel sei und durch eine unabhängige Kommission die Nähereien auch unangemeldet kontrolliert werden. Hört sich doch immer noch ganz gut an. Jetzt kommt allerdings die Crux an der Geschichte. Denn dieses Verfahren geht nicht bei den Spinnereien. Und die beliefern die Nähereien. Aber leider lässt sich da eben nichts machen. Die Konklusion des Ganzen? Auch C&A windet sich feinhalbseiden heraus, schließlich sollen sich die Nähereien doch um diese Problematik kümmern.

Wer sich diesem Problem des Sumangali-System verschließt, wer wie die genannten und die vielen ungenannten Modelabels dazu schweigt, wer die Macht hat, auf Änderung der Lieferverträge, der Produktions- und der Arbeitsbedingungen zu bestehen und wer stillschweigend, aber wissend weiterhin seine Produkte auf intransparenten Wegen bezieht, macht sich mitschuldig am Tod von tausenden junger Menschen und unzählige verkrüppelter Arbeiterinnen, denen die Gliedmaßen durch die Maschinen abgetrennt werden. Diese Unternehmen weben unentwegt ein unsägliches Hungertuch, exportieren maschinell gefertigte Stoffe “Made in India” und bezahlen dafür mit handgemachten Leichentüchern “Made in Europe” oder “Made in USA”.

Und wir, die wir davon wissen, machen uns mitschuldig, weil wir uns auf diesen Deal einlassen. Hauptsache günstig, Hauptsache gut, Hauptsache gefällt. Nebensache Mensch. Ich habe vor wenigen Monaten im Zusammenhang mit dem im rechten Dunstkreis beliebten Modelabel Thor Steinar unter “Operation Blitzkrieg oder Shoppen zur rechten Zeit” von Verantwortung durch Aufklärung geschrieben. Mündige Bürgerinnen und modebewusste Bürger müssen Teil dieses Prozesses sein. Verantwortung bedeutet deshalb auch, sich von jenen Modemarken abzuwenden, welche nicht bereit sind, einen Teil dieser Verantwortung mitzutragen. Auch wenn es möglicherweise schwer fällt, doch auch andere Mütter haben schöne Töchter. 800 tote Töchter sind nicht schön. Und täglich werden es mehr.     

ZDF-Doku: Die Lohnsklavinnen - Billigmode aus Indien. Das Sumangali-Prinzip, ein brutales Ausbeutungsschema in Indien. Kinderarbeit, Misshandlungen und unmenschliche Arbeitsbedingungen für unseren Modegeschmack.

 

3 comments for “Das Sumangali-Prinzip: Textile Leichentücher made in India

  1. 19.7.2012 at 08:41

    Hi, auch uns ist das Thema faire Arbeitsbedingungen sehr wichtig. Sumangali ist eine völlig inakzeptable Praxis für H&M und ein klarer Verstoß gegen unseren Verhaltenskodex. Wir widmen uns diesem Problem seit vielen Jahren, gemeinsam mit anderen Firmen und indischen Regierungsvertretern. Siehe hier, was H&M generell für faire Arbeitsbedingungen, einen höheren Mindestlohn und gegen Kinderarbeit unternimmt: http://bit.ly/wYAukV

  2. 25.7.2012 at 23:36

    Es freut mich natürlich, dass Ihr Unternehmen zumindest eine Reaktion auf meinen Artikel zeigt. Allerdings muss oder darf ich gestehen, dass ein Verweis auf die eigene Unternehmensseite nicht dazu dienen kann, sämtliche Zweifel und schon gar nicht die damit begründeten Missstände aus dem Weg zu räumen. Natürlich freut sich die westliche Konsumgesellschaft, wenn sie zu günstigen Preisen gute Qualität bekommt. Selbstverständlich bin ich mir dessen bewusst, dass in Zeiten wirtschaftlicher Nöte und Krisen die Verbraucherinnen und Konsumenten auf jeden Euro schauen müssen. Auch bin ich mir im Klaren, dass Sie Ihren AktionärInnen verpflichtet sind, welche am großen Kuchen mitnaschen möchten. Und nicht zuletzt steht es außer Frage, dass der ewige Kampf um die Kundschaft auf den globalisierten Märkten Unternehmen dazu zwingt, sich durch Kampfpreise und immer neue Werbekampagnen rund um die heißumkämpften Ladentheken zu behaupten.
    Und doch bleibt bei all diesen Problemen ein bitterer Beigeschmack. Dass die KonsumentInnen dabei eine tragende Rolle spielen mit ihren immer neuen Forderungen nach hoher Qualität zu niedrigen Preisen, neuen modischen Verlockungen, um den eigenen Konsumhunger zu stillen und der damit einhergehenden Verdrängung derjenigen, welche zu großen Teilen für die Produktion dieser schnellebigen Güter zuständig sind, ist nicht von der Hand zu weisen. Sich mit Worten (und sicherlich auch einigen guten Taten) gegen Kinderarbeit etc. auszusprechen, mag ja schön klingen. Dass Indien und Bangladesh nur stellvertretend für die miserablen Arbeitsbedingungen im Namen von H&M, Zara, Puma und wie sie alle heißen stehen, ist jedoch eine unschöne Tatsache, welche noch vieler guter Taten bedarf. Wohlwissend, dass die Zulieferer in Kambodscha, die kleinen Baumwollbauern und die minderjährigen Näherinnen auf Gedeih und Verderb auf das Wohlwollen der großen Modeketten angewiesen sind, macht es leicht, Forderungen an jene Regierungen, Firmen und Organisationen weiterzuleiten mit der Bitte um Erledigung. Doch weshalb rückt H&M nicht gleich selbst in den Mittelpunkt und zahlt Mindestlöhne, welche selbstverständlich immer noch kein Garant für ein lebenswertes Dasein sind? Warum wird delegiert, was eigentlich viel besser selbst erledigt werden könnte? Wieso nicht die eigene starke Position und Marktmacht zum Wohle der anderen nutzen, anstatt die anderen zu mehr verantwortungsbewusstem Handeln aufzufordern?
    “Wir glauben nicht, dass ein Boykott den gewünschten Effekt für die Situation der Kinder und Menschen in Usbekistan hätte”. Dieser Satz aus Ihrem Unternehmen hat sich seit langer Zeit in meinem Gedächtnis eingeprägt. Solange es jedoch nur beim (fehlenden) Glauben bleibt, werden wohl auch keine glaubhaften Taten folgen. Es fällt mir deshalb unendlich schwer, mich von Ihren Argumenten überzeugen zu lassen. Gelebter Altruismus sieht etwas anders aus als das halbherzige Beharren auf gestellten Forderungen, welche durch andere zu vollziehen sind anstatt auf deren effektive Durchsetzung zu drängen respektive die Ärmel hochzukrempeln und selbst anzupacken. Und wenn Sie schon beim Hochkrempeln sind, krempeln Sie doch gleich jene der Konkurrenz gleich ein stückweit mit nach oben.
    Mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Paul Boegle

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