Die todsicheren Geschäfte der Deutschen Bank



Der Fonds Kompass Life 3: Rien ne va plus oder Alles auf Tod

„Als Marktführer in Deutschland und eine der führenden Banken weltweit sehen wir uns in einer besonderen Verantwortung, (…) unsere ökonomischen Ziele auf ehrbare, das heißt moralisch vertretbare Weise zu erreichen“, sagte er.

Sagte wer? Josef Ackermann, der ehemalige Chef der Deutschen Bank während seiner letzten Bilanzpressekonferenz (Kölner Stadtanzeiger: „Die Totenwette der Deutschen Bank“ u.a.). Grandios, dass endlich einmal einer aus der Riege des geschlechtsreifen Hochfinanzadels sagt, was Sache ist. Vorbildlich, dass die unbestrittene Nummer 1 in Sachen „Leistung aus Leidenschaft„, wie es so schön auf der Webpräsenz heißt, sich ihrer wahren Werte besinnt und den Menschen hinter dem Kapital endlich wieder dorthin stellt, wo er eigentlich auch hingehört. An die Spitze (r)evolutionären Moralempfindens, welcher sich als über allen anderen stehendes Lebewesen der Gattung Säugetier mit den hohen Ansprüchen ethischen und verantwortungsvollen Handelns paart, anstatt in den niederen Gefilden reiner Anlegerlust und Spekulationstriebtäterschaft wie wild in der finanziellen Landschaft herumzuvögeln. Der Gipfel der Maslow’schen Bedürfnispyramide, welche in den Türmen der Deutschen Bank fein säuberlich Stein auf Stein steht, hat ihn also endlich wieder, den moralisch geläuterten Homo sapiens mit eregiertem Verantwortungsbewusstseinsgipfelzipfel und madonnenhafter Werteordnungsbereinigungsvagina.

Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen.“ (Süddeutsche.de: Spekulationen der Deutschen Bank – Mit dem Essen spielt man nicht) Schrieb wer? Natürlich ebenfalls jener, welcher auf jenem deutschlandweiten marktführenden Finanzproduktionsgipfel besonderer Verantwortlichkeit in Sachen leidenschaftlicher Leistungsbereitschaft stand und von dort oben mit dem ökonomischen Zaunpfahl und mahnenden Zeigefinger der untadeligen unspektakulären monetären Gutsituierlichkeit erhobenen Hauptes winkte, aber glücklicherweise als moralische Instanzvertretbarkeit seinen sesshaften ArtgenossInnen, welche aus dem vorgeldlichen Staub der immer und überall herrschenden jagdbereiten Geldansässigkeit und gehässigen Jagd nach dem verlorenen Schatz gekrochen kamen, als kapitalträchtige Lichtgestalt den rechten Weg wies. Kein Geschäft ist es wert, schrieb Herr Ackermann an foodwatch und wies die erhobenen Vorwürfe zurück, dass Banken durch Nahrungsmittelspekulationen profitierten, während überhöhte Preise auf den Weltmärkten zu ganz unspektakulären Hungergefühlen in Sachen Welthunger führen.

Die Deutsche Bank wies die Vorwürfe zurück. Preissteigerungen und Schwankungen bei Agrarrohstoffen seien vorrangig auf Wetterereignisse, die steigende Nachfrage aus den Schwellenländern, das veränderte Ernährungsverhalten sowie den wachsenden Bedarf an Biodiesel und Wechselkursschwankungen zurückzuführen. (Foodwatch gibt Banken Mitschuld an Hungersnöten)

Natürlich, keine Frage. Das Wetter hat auch schon damals die Neandertaler in die Höhlen vertrieben und jene, welche ohne schützende Behausung da und dort standen, im Regen stehen lassen. Und jetzt wird eben aus jenem alles entschuldbaren Wetterereignis ein alles entschuldendes Wettereignis. AnlegerInnen können, sofern ihnen das Spiel mit Rot, Schwarz und der geldgeilen grünen Null zu langweilig ist, in Zukunft alles auf Tod setzen. Ein Roulettespiel der besonderen Art, aber wie im richtigen Leben und mit höheren Wetteinsätzen. Der Mensch gegen die Bank. Das spekulativ verwesende Wesen vor dem Sarg, das spekulierende bilanzierende Unwesen als zum Kondolieren allzeit bereites sanftmütiges mitfühlendes Monster mit dem letztendgültigen Federstrich unter den Weg alles Irdischen unwirsch und ungeduldig auf das Ableben und damit auf jenes Ereignis wartend, welches Gewinn verspricht. Oder vielleicht weniger euphemistisch, aber dafür etwas realistischer in der Frankfurter Rundschau ebenfalls unter der Headline „Die Deutsche Bank und ihre Totenwette“ erklärt.

Ausgerechnet die Ombudsstelle der Lobbyorganisation der privaten Banken in Deutschland kritisiert die Deutsche Bank für ein makaberes Finanzprodukt: Anleger können auf die Lebenserwartung von Menschen wetten.

(…) Ausgerechnet die Ombudsstelle des Bundesverbandes deutscher Banken, der Lobbyorganisation der privaten Geldhäuser, attestiert dem hiesigen Branchenprimus, mit einem Finanzprodukt um Anleger gebuhlt zu haben, das „mit unserer Wertordnung, insbesondere der im Mittelpunkt stehenden Unantastbarkeit der menschlichen Würde (Art.1 Abs. 1 GG) kaum in Einklang zu bringen“ sei. Der Grund: Mit dem Fonds Kompass Life 3 können Anleger auf die Lebenserwartung von Menschen spekulieren.

Es herrscht Goldgräberstimmung überall und allenthalben im reichen Land der nadelgestreiften Totengräber. Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen.“ Nun ja, alles ist relativ. Nur der Tod nicht, der kommt mit absoluter Sicherheit. Und irgendwann heißt es dann für jede und jeden von uns: „Mach Dich vom Acker, Mann!“     


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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