In Schladming hat der Klimawandel Zeit bis 2025


Die Ski-WM 2013 ist bis auf Jahre hinaus gesichert

Grundtendenziell kann ich mich mit der Disziplin „Nordic Fucking“ (nach einem Cartoon von Adam Trepczynski) natürlich schon anfreunden, schließlich hat etwas Bewegung an der frischen Luft nach medizinischem Ermessen und auf ärzliches Anraten nach meinem derzeitigen Kenntnisstand der Dinge noch niemandem wirklich geschadet. Höchstens, man betreibt dieses Nordic Fucking äußerst exzessiv oder, vielleicht um einen geeigneten Revierplatz in Form von vorgeschaltetem Nordic Walking für das anschließende kräfteraubende Sie wissen jetzt eh schon was zu finden, die dem Kopulieren nicht abgeneigten teilnehmenden Personen müssen eine sechsspurige Autobahn respektive Wien an jeder x-beliebigen Stelle des Gürtels überqueren, um diese Ziele inklusive dem Partner ein Stückchen näher zu kommen. Zu Fuß natürlich, nicht quer zur Fahrtrichtung und ebenfalls mit fahrbaren Untersatz bewaffnet.

Aber lassen wir nun die zwischenmenschlichen Beziehung ruhen, wo auch immer sie zu ruhen gedenken und wenden uns eben jener kleinen Gemeinde Schladming in Österreichs grüner Steiermark zu, in welcher Kopulieren sicherlich, nein, lassen wir das jetzt, in der im Jahre Schnee oder besser im Jahr 2013 die Ski-Weltmeisterschaften stattfinden werden. Was jetzt für einige vielleicht unverständlich klingen mag, hat tieferen Sinn. Obwohl es sich hierbei laut fremdentouristischer Zielsetzung um die grüne Steiermark handelt, hat dieses Bundesland durchaus die Qualität, sich während der Wintermonate zur weißen Steiermark zu wandeln, um dann nach erfolgter Schneeschmelze wieder zu dem zu werden, was eigentlich Sinn und Zweck der Steiermark ist und wohl auch bleiben wird: Sie ist grün!

Aber besser noch. Ab etwa dem Jahre 2025 wird die Steiermark auch grün bleiben. Nicht politisch (obwohl, wer weiß das schon), sondern eher klimapolitisch gedacht. Doch bis dahin ist schließlich noch etwas Zeit und die Ski-WM dann schon längst Schnee von vorgestern und ein paar Tage mehr. Jetzt, um mein ganzes Unverständnis auf den grünen Punkt in der grünen Steiermark im winterlich weiß gezuckerten Örtchen Schladming zu bringen, dachte ich eigentlich, dass der Klimawandel im globalen Riesentorlauf mit gleichmäßigen Schwüngen Richtung Tal wedelt und besonders im Alpenraum (natürlich nicht nur dort) diese Bretter gegen schnellere Abfahrtsski getauscht hat, um schneller die Zielflagge zu erreichen. Doch falch gedacht! In Schladming gehen die Uhren langsamer undder Klimawandel fährt seinen eigenen Wettbewerb ohne lästige Mitkonkurrenten. Oder, um nun ein weiteres Mal in den Inhalten der Zukunft Ennstal zu räubern:

Es wird wärmer, soviel ist sicher. Der gute alte Schnee, in weniger fortschrittlichen Zeiten noch reichlich und gratis vorhanden, wird zum künstlich und teuer zu produzierenden Luxusgut. Das Schneekanonengeschäft boomt, denn das Klima der Erde heizt sich auf, und im Alpenraum tut es das sogar doppelt so stark wie im Rest der Welt. Nur in Schladming nicht.

STRATEGE: Strategien für Wintersportorte im Zeichen des Klimawandels

Schau an, nur eben in Schladming nicht. Verdammtes privilegiertes heimtückisches Bergvolk unterm Dachstein, möchte man da als vor sich tauender und feinstaubbelasteter Großstädter denken. Da dachte ich, der Wiener Fremdenverkehr hat mit seinem eingängigen „Wien ist anders“ die ultimative Glücksformel für urbane Glückseligkeit aus dem vor sich hin grantelnden Ärmel gezaubert und dann kommt mit schnellem Schwung Frau Univ. Prof. Ulrike Pröbstl von der Universität für Bodenkultur daher, welche gemeinsam mit einem interdisziplinären Forschungsteam (MANOVA, Meteorologieinstitut der Universität für Bodenkultur und ÖIR) an eben dieser Ausarbeitung von Klimamodellen für die Region Schladming arbeitet. Ich möchte nicht sämtliche Punkte dieser Strategie, welche Erhebungszeiträume bis zum Jahr 2002 erfasst hatte und schon aus 2007 stammt, herunter beten. Sie können das Arbeitspapier selbst unter dem Titel „STRATEGE: Strategien für Wintersportorte im Zeichen des Klimawandels“ lesen.

Die Klimastudie, wohlgemerkt nur für die Region Schladming, kam damals zu dem beruhigenden Schluss, dass aufgrund der klimatischen Entwicklung bis zum Jahr 2025 oder möglicherweise sogar fünf Jahre länger (siehe ECHAM5-Temperaturszenario S. 18) unterhalb des Dachsteinmassivs Mensch und Natur in friedlichem Einklang leben können und Skisport erst danach in Hanglagen von jenseits der 1500 m möglich sei. Seite 5 spricht von „Lokale Fakten statt globale Katastrophenmeldungen„. Das hören und vor allem lesen wir doch gerne. Hiobsbotschaften lassen sich doch in einfache lineare Sätze packen, solange Hiob die rosarote Skibrille trägt, wird schon alles gut werden. Sozusagen das kleine gallische Dorf, welchem erst ab 2030 der erwärmte Himmel auf den Skihelm fallen wird, während anderenorts die Schneeschmelze nur noch vom Hörensagen oder bestenfalls als mikroklimatisches Experiment im hauseigenen Kühlschrank nachgestellt werden kann, um Kindeskind und ausgestopfte Eisbären, denen Nordic Fucking aufgrund fehlender nördlicher Fuckinggelegenheiten weiteres Kopulieren unmöglich machte, glaubhaft davon zu überzeugen, dass es so etwas wie gefrorene Eiskristalle wirklich einmal in natura gegeben hat. Doch in der Steiermark ist aufgrund dieser weitsichtigen Prognosen auf wissenschaftlicher Basis, denen wir doch gerne Glauben schenken wollen, weil im eigenen engen Tal und deswegen „Pauschale Panikmache für Skigebiete unangebracht“ sei.

Von Anpassungen der touristischen Angebote und Strukturen ist die Rede. Keine Rede von der Bekämpfung des Klimawandels, nicht ein Wort vom eigenständigen STRATEGE: Strategien für Wintersportorte im Zeichen des Klimawandels. Am Beispiel der Wintersportregion Schladming. Univ. Prof. Dr. Ulrike Pröbstl, DI Andrea Prutsch, Universität für Bodenkultur Wien.Umdenken, keine Silbe von notwendigen Maßnahmen gegen den fortschreitenden Klimawandel. Die Ski-WM 2013 ist jetzt wichtig, weil vor der Türe stehend und mit dicken Geldbündeln von den unter dem Dauerfeuer der Schneekanonen lieblich beschneiten Hügeln herab winkend. 2030 ist noch lange hin. Und vielleicht lässt sich das Tal nach Schladming noch ein Stückchen enger machen. Und den brach in der Sonne liegenden Horizont gleich dazu. Beschneien wäre natürlich noch besser, denn da ließe sich sogar noch Geld damit verdienen.

Ich verdamme hier weder Schladming noch andere enge Täler. Am schlimmsten fällt mir bei all dieser Klimastudie jedoch eines auf: Das Schaubild auf Seite 19. Mit „Strategien im Tourismus“ überschrieben gibt es in kurzer und anschaulich bunter Form all das mit auf den Weg, was nach Meinung der BoKu-Verantwortlichen zu tun ist, um den blauen Himmel in der grünen Steiermark zu lassen. „Beibehalten des Wintertourismus“. Klare Sache, als Wintersportregion natürlich die beste aller Optionen und damit an erster Stelle stehend. „Ersatz“, also Wellness satt Wedeln oder Eislaufen statt Jagatee saufen macht selbstverständlich auch Sinn. Und die dritte Möglichkeit wäre dann noch die Suche nach Alternativen. Gut, wer im Dezember 2031 nach Schladming kommt, könnte sich ja auch unter Kokospalmen, im neckischen Bikini oder Bermuda-Shorts recht wohl fühlen. Hat bis dahin schließlich schon jeder vergessen, der keine heimlichen Experimente im eigenen Kühlschrank macht, dass Schnee Schnee von vorgestern ist. Und dann steht da doch tatsächlich noch etwas von „Ursachenbekämpfung“. Werden Sie wahrscheinlich überlesen haben, weil eben nicht so schön bunt, sondern fast schon transparent und als graue Maus am Rand stehend. So wie halt der Klimawandel.

Ich freue mich auf 2013. Höchstwahrscheinlich nicht in Schladming. Aber ganz sicher nicht zur Ski-WM. Sind die Zimmerpreise sowieso gleich noch ein bisschen höher als sonst. Nicht nur in Hanglage ab 1500 m aufwärts. Und das mit dem Nordic Fucking ist mir eigentlich nicht ganz geheuer. Was da im Eifer des Gefechts beim Geifer mit dem anderen Geschlecht mit unkontrollierbaren Skistöcken so alles passieren könnte. Nicht auszudenken. Da scheint mir sogar der Klimawandel harmlos.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen