Stille SMS und jedes stille Örtchen wird zum Impulsgeber 1


Private Spionage im öffentlichen Dienstauftrag

Ich muss gestehen, als ich über den Artikel Firma spioniert mit „stillen SMS“ gestolpert bin, wusste ich bis dazumal, also vor nicht allzu langer Zeit nicht einmal, dass es solch schöne Dinge überhaupt gibt. Gut, über Mark Post habe ich erst unlängst geschrieben, die stille Post sagt mir auch irgendwie und sowieso etwas und auf dem stillen Örtchen kann es schon passieren, dass eine hereinkommende SMS mit leisem Piepston andere lautere Töne, welche weder aus dem Handy noch sonstigen elektronischen Gerätschaften dringen, aber fürwahr ebenso dringliche Geschäfte mit sich bringen, welche wir uns drückend abringen, in den Hintergrund drängt.

Doch eine stille SMS? Nach Lesen des Artikels war mir dann schon mehr klar, wobei andererseits auch ebenso unklar bleibt, was denn jetzt genau die „Funkzellenauswertung“ und das Versenden von „stillen SMS“ nur zur Aufklärung von „Straftaten von erheblicher Bedeutung“ vorzunehmen in der Praxis bedeutet. Ich dachte ja bisher ganz laienhaft, dass es sowieso und irgendwie keine Rolle spielt, wo ich mich mit meinem Handy aufhalte. Wenn Papa Staat und Mutter Land das Abendessen aufgetischt haben und nach dem Söhnchen rufen, bleibt es einerlei, ob ich nun den Anruf annehme oder mich still und heimlich aufs stille Örtchen oder wohin auch immer zurückziehe und keinen Mucks von mir gebe. Nein, so einfach ist es scheinbar dann doch nicht. Denn solange ich keine SMS bekomme oder versende, kein Gespräch empfange oder selbst führe, solange gibt es auch keine Daten, welche auf Vorrat oder wie auch immer gespeichert werden können. Und hat Mama und Papa keine Daten vom Sohnemann, gibt es zwar auch kein Abendessen, jedoch auch keinerlei Überwachung. Zumindest nicht mehr mobilem Gerät.

Ortungsimpuls nennt sich das Ganze dann, wenn Mama und Papa aber trotzdem partout wissen möchten, was denn der missratene staatsungetreue Nachwuchs so den lieben langen Tag, sollte solch eine stille SMS mir justamente am 20. März um 5:14 Uhr in der Frühe oder am 22. September um 14.49 Uhr gesendet werden, dann würde Tag- und Nachtgleiche herrschen und die liebe Nacht wäre genauso lange wie der liebe lange Tag, was mir aber sowieso und irgendwie vollkommen gleich und völlig wuscht wäre, denn mein Handy reagiert auf diese Nachricht und die Überwachungsmaschinerie nimmt ihren verhängnisvollen Lauf. Dieser gezielte SMS-Versand simuliert also nichts anderes als eine Verbindung, was ja schließlich auch Sinn und Zweck meiner fürsorglichen Eltern ist. Mit ähnlichen Worten, aber sicherlich etwas besser erklärt wird diese ganze Geschichte auf dem ZDF-Blog unter „In aller Stille„. Schon der erste Absatz macht deutlich, in welchen Größenordnungen sich diese Heimlichtuerei mit impulsivem Fernrohr abspielt, wenngleich scheinbar die Polizei in aller Stille vergessen hat, wie oft die breite Masse eigentlich mit flächendeckendem SMS-Bombardement eingedeckt wurde.

Da sage noch einer, die Polizei sei kleinlich: Mehrere hunderttausend Mal pro Jahr und Bundesland lassen die eifrigen Beamten hierzulande eine “stille SMS” zur heimlichen Ortung von Handybesitzern verschicken. Wie oft genau das passiert, weiß anscheinend keiner so recht. Doch der Reihe nach.

Wie bereits geschrieben, das weitere „Doch der Reihe nach …“ bringt der gesamte Artikel in leicht verständlicher Weise näher. Unter Überwachung – Polizei lässt stille SMS von privater Firma versenden“ findet sich dann auch noch eine kurze Stellungnahme des niedersächsischen Innenministerium, welche mehr als bezeichnend für die wahnsinnig überwachenden Rabeneltern ist. Die beiden den Rabeneltern vorangestellten Wörter in „überwachenden wahnsinnigen“ umzudrehen, muss ich mir verkneifen. Man weiß ja nie, ob auf meinem Blog nicht doch jemand aus der Verwandtschaft mitliest.

„Die Polizei in Niedersachsen nutzt zum Versenden von ’stillen SMS‘ den Server eines privaten Anbieters von Telekommunikationsdienstleistungen.“ Der Name der Firma werde jedoch geheim gehalten, so das Innenministerium: „Der Anbieter, der um Vertraulichkeit gebeten hat, muss mit erheblichen Nachteilen für seine Geschäftstätigkeit und gegebenenfalls auch mit Angriffen auf seine Systeme rechnen, wenn bekannt wird, dass er auch im Bereich der verdeckten polizeilichen Maßnahmen Dienstleistungen erbringt.“

(…) „Danach kann durch die zurzeit zum Versand von Ortungsimpulsen genutzte Software die Anzahl von versandten ’stillen SMS‘ nicht generiert werden. Hierzu wäre eine Veränderung und neue Programmierung der bisher genutzten Software des Leistungsanbieters erforderlich. Nach vorsichtigen Schätzungen würde eine neue Programmierung der Software Kosten in Höhe von etwa 80.000 Euro verursachen.“

Nun ja, 80 000 Euro sind natürlich kein Pappenstiel. Doch auf Netandroid habe ich unter „Niedersachsen und die stille SMS“ eigentlich auch für dieses monetäre Problemchen im niedersächsischen Landesbudget die passende Lösung gefunden, damit auch weiterhin alles im abhörbereiten Rahmen bleibt und niemand unüberwacht zurück bleibt, der gerade nicht für zwei Minuten sein Handy abgestellt hat, um auf dem stillen Örtchen etwas anderes abzustellen oder während des praktizierenden Geschlechtsverkehrs den vertikalen Dauerempfang zugunsten von horizontaler Dauerempfängnis auf Rufumleitung gelegt hat.

Das nenne ich mal nen Schnäppchen. Da sollten die anderen Bundesländer doch gleich zu schlagen und nach Rabatt fragen, bevor Niedersachsen das alleine zahlen muss. Bereits früher haben doch die Bundesländer gerne mal untereinander Absprachen getroffen wer nun welche Software wo kauft.

Geld ja – Moral lieber nicht

Das Unternehmen das vom Land Niedersachsen ausgesucht wurde, muss allerdings doch ein wenig die Boxershorts in den Seidenanzügen voll haben, denn man legt besonderen Wert darauf, dass der Anbieter bei dem man die Ortungssoftware betreibt nicht bekannt wird. So gibt es wohl nur einen geheimen geschlossenen Ausschuss bei dem man die Information auf Anfrage erhält.

Ausserdem hat das Unternehmen Angst, so begründet man die Heimlichtuerei, dass man bei bekannt werden bombardiert werde, sprich ganze Systeme durch die Cyberwarkrieger (wer waren die jetzt nochmal?) auseinander genommen werden.

Liebes privates Unternehmen, wenn Du schon weisst, dass das was Du tust Unrecht ist, dann lass es doch einfach und verzichte auf die paar Kröten die man Dir anbietet.

So, jetzt muss ich aber Schluss für heute machen. Denn das Essen ist fertig, wird mir gerade mitgeteilt. Von der allerbesten Gattin dieses Planeten, also meiner Ehefrau. Per Voicemail übrigens und ganz ohne elektronische Hilfsmittel. Gut gebrüllt, Löwe! Aber das ist wieder ein ganz ein anderes Thema. Hatte zwar ebenfalls mit Tag, Nacht und Mondschein zu tun, aber es war nicht eine einzige SMS mit im grausamen Spiel. Zumindest nicht von meiner Seite.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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