Mark Post und sein Hamburger aus dem Reagenzglas



Der fleischlose Fleischklops als Alternative zu McDonalds?

Irgendwie scheine ich im Moment dem Fastfood mit Haut und Haaren verfallen zu sein. Wobei, vielleicht in diesem Fall besser mit Kuhfell und solcherlei spriesenden ersprießlichen Dingen. Obwohl, nun kommt der Niederländer Mark Post ins Spiel. Denn der Wissenschaftler und sein Team von der Universität Maastricht spielen gerne mit dem Essen, ohne dabei auch nur ein einziges Lebewesen anzurühren. Was jetzt nicht heißen soll, dass es sich um Vegetatrier handelt. Nein, Mark Post hat auf einer Konferenz in Vancouver vollmundig versprochen, demnächst den ersten Hamburger aus Stammzellen zu servieren. „Na Mahlzeit!„, dachte ich mir im ersten Moment, als ich den Artikel „First lab-grown burger coming right up … that’ll be $345,000“ durchgelesen habe.

„Cultured meat“ — burgers or sausages grown in laboratory Petri dishes rather than made from slaughtered livestock — could be the answer that feeds the world, saves the environment and spares the lives of millions of animals, they say.

Granted, it may take a while to catch on. And it won’t be cheap.

The first lab-grown hamburger will cost around 250,000 euros ($345,000) to produce, according to Mark Post, a vascular biologist at the University of Maastricht in the Netherlands, who hopes to unveil such a delicacy soon.

Auf deutsch können Sie selbstverständlich ebenso Ihren Appetit stillen. Z.B. können Sie unter „Erster Hamburger aus Stammzellen?“ erfahren, was es denn so auf sich hat mit diesem neuen Fleischersatz mit dem ach so putzigen Namen „Cultured Meat“ oder dem mehr rachenputzenden Terminus „In Vitro Meat“ aus dem Reagenzglas. Zur weiteren Vertiefung des Themas empfehle ich die Seite „futurefood.org: Kultiviertes Fleisch – In-Vitro-Fleisch; Erzeugung von Fleischprodukten via „tissue-engineering“-Technologien“ mit etlichen Verweisen am Ende des Artikels. Nicht, weil die Betreiber „Future Food – Fleisch ohne Tierhaltungsich pro solcherlei wissenschaftlicher Forschungsarbeit äußern und naturgemäß Argumente wie Bekämpfung des Welthungers, weniger getötete Tiere, Nutztierhaltung als beträchtlicher Verursacher von Treibhausgasen (Methan-, Lachgas), hoher Wasserverbrauch, Anbauflächen für Futtermittel konkurrieren zu den immer knapper werdenden Ackerflächen für agrarwirtschaftliche Erzeugnisse, das immer stärker um sich greifende Problem des maritimen Bushmeat (Meeressäuger als Fleischersatz und als Substitut durch steigende Überfischung) usw., sondern um sich einen Überblick zu verschaffen.

Bei meinen weiteren Recherchen bin ich dann auf einen Beitrag aus dem Jahre 2008 in der „Welt online“ gestoßen. „Hähnchen und Schnitzel aus dem Bioreaktor“ lautet die Überschrift. Eigentlich erstaunlich, dass sogar Tierrechtsorganisationen wie PETA diesem Forschungszweig einiges abgewinnen können. Denn aus Überlegungen des Tierschutzes werden, was selbstverständlich für solch eine Organisation durchaus legitim ist, wird die Gentechnik dem Wohle des Tieres untergeordnet. Und PETA geht laut Welt online sogar noch einen beträchtlichen Schritt weiter, wie es in dem Artikel heißt:

Unter dem Titel „Die ultimative Nouvelle Cuisine“ servierten australische Forscher am 4.Mai 2003 bei einer Ausstellung in Nantes etwas ganz Besonderes: ein etwa drei Zentimeter großes Steak aus Muskelzellen des Krallenfroschs, flambiert mit einer Calvadossoße. Das Ministeak war im Labor aus einem winzigen Stückchen Skelettmuskel des Frosches in einer Nährlösung herangezüchtet worden.

(…) Doch leider ist es nicht ganz so einfach. Die Organisation Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren (Peta) hat jüngst sogar einen Preis von einer Million US-Dollar ausgelobt, der die Forscher zu mehr Tempo bei der Herstellung von Kunstfleisch anreizen soll. Allerdings ist das Projekt ziemlich kompliziert: Es gab in der Vergangenheit schon eine Reihe von Ansätzen, Fleisch in der Retorte zu züchten, aber sie kamen über den Labormaßstab nicht hinaus. Systematisch angegangen wurde das Thema zum ersten Mal in den Niederlanden Ende des 20.Jahrhunderts. 1999 reichte Willem van Eelen, heute 84 Jahre alt, zusammen mit zwei Kollegen ein Patent ein für die künstliche Herstellung von Fleisch. Und seine Landsleute sind noch immer führend auf diesem Gebiet. Vor allem die Universitäten von Eindhoven, Utrecht and Amsterdam arbeiten hier zusammen.

Fleischeslust und fleischlicher Frust

Ich dachte mir im ersten Moment wahrscheinlich das, was viele Menschen sich so denken würden: „Nein danke!“ Gentechnisches Essen haben wir sowieso schon genug auf unseren Tellern, ohne es in vielen Fällen überhaupt zu wissen. Andererseits habe ich mich an meinen Artikel „Rosa rosiges Fleisch – die grau(sig)e Realität“ erinnert, welcher das Thema Schutzgasverpackung zum Inhalte hatte. Und ich dachte an saftig-grüne Wiesen mit herrlich duftenden Kräutern, auf welche die zukünftigen Hamburger frisch, fröhlich, frei und unbeschwert bis dahin auf vier kerngesunden Kuhbeinen durchs schlachtreife Leben wandeln. In der Werbung zumindest, denn die leichtfertig über den Bildschirm gegebene Bauernhofgarantie erlischt spätestens dann, wenn wir die Türen und Tore der im Akkord arbeitenden Schlachthöfe und vollautomatisierten Mastfabriken öffnen, welche diese Idylle im Sekundentakt auf blutigen Fließbändern mit sich fortreißt. Und ob dieses Fleisch aus der Retorte geschmacklich um soviel so viel weniger Geschmack aufweist als jene Fleischstücke, welche in luftdicht verpackten Folien oder unverpackt als Gammelfleisch in aller Munde sind, muss auch erst noch bewiesen werden.

Ich für meinen Teil verzichte getrost auf den Hamburger aus der Dose, dem Reagenzglas oder aus dem Chemielabor. Möglicherweise werden unsere Kinder ja in Zukunft die Chance haben, sich ihren eigenen Fleischklops aus dem Chemiebaukasten zu züchten. Ganz ohne grüne Wiesen und abseits von bewaldeten Berghängen. Aber ist die heutige Fleischbeschaffung denn um so vieles anders?  


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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