Gentechnik wächst und gedeiht – glaubt zumindest die ISAAA 1


Die ISAAA präsentiert ihr jährliches Gentechnik-Manifest

Und wieder einmal präsentiert der Verband International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications (ISAAA) seinen Jahresreport über die weltweiten Anbauflächen mit gentechnisch verändertem Saatgut und eben jenen gv-Nutzpflanzen. Sollten Sie Interesse an mehr Informationen haben, was denn nach Meinung der ISAAA die anhaltende gentechnische Renaissance zum manipulierten Dauerbrenner macht, können Sie unter „ISAAA Brief 43-2011: Executive Summary. Global Status of Commercialized Biotech/GM Crops: 2011 die neuzeitlichen Zahlen- und Buchstabenreihen gerne selbst nachlesen. Einzig wohltuend dabei ist sicherlich die Tatsache, dass die Organisation so vollkommen ohne Eitempera und sonstige althergebrachte Maltechniken arbeitet und ihre unschönen Daten uns wie Honig um den wässrigen Mund schmieren möchte. Wer nicht die englischsprachige Schönfärberei wiederkäuen möchte, findet unter „transparenz GENTECHNIK: Gentechnisch veränderte Pflanzen: Anbau 2011 weltweit auf 160 Millionen Hektar“ auch eine Aufbereitung des Zahlenmaterialsin deutscher Sprache.

2011 was the 16th year of commercialization of biotech crops, 1996-2011, when growth continued after a remarkable 15 consecutive years of increases; a double-digit increase of 12 million hectares, at a growth rate of 8%, reaching a record 160 million hectares.

Ich hatte bereits vor Jahresfrist unter „Rückschritt: Vormarsch der Gentechnik“ die seltsamen Jubelarien der Gentechniklobby, welche auf eigenen statistischen Erhebungen fußen, in Relation zu der damit zugrundeliegenden Aussage, nämlich gv-Pflanzen sind ja so ach beliebt in unserer heutigen modernen Welt, angezweifelt. Natürlich gehöre nicht nur ich zu diesen ZweiflerInnen, sondern auch andere wie natürlich Greenpeace, welche sich unter ISAAA-Zahlen: Anbau von Gen-Pflanzen floppt in Europa“ zu der nicht unbedingt neuen, aber scheinbar für den elitären Gentechnik-Zirkel erstaunlich unbekannten Erkenntnis kommen

„Die weitverbreitete Ablehnung gegen Gen-Pflanzen und Umweltschutz-Bedenken vieler europäischer Regierungen, Wissenschaftler und Landwirte haben aus Gentechnik einen wirtschaftlichen Reinfall gemacht“, kommentiert Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann. Lediglich der gestiegene Anbau von Gen-Pflanzen in Spanien ist dafür verantwortlich, dass die Zahlen für Gesamteuropa im letzten Jahr über den Zahlen vom Vorjahr lagen – nachdem sie zuletzt dreimal hintereinander rückläufig waren.

(…) Nach 16 Jahren aggressiver Vermarktung verteilen sich achtzig Prozent des weltweiten Anbaus von Gen-Pflanzen auf nur vier Länder in Süd- und Nordamerika: die USA, Kanada, Brasilien und Argentinien. Jüngste Bestrebungen, neue Gen-Pflanzen in China (Gen-Reis) und Indien (Gen-Auberginen) einzuführen, sind gescheitert.

Und GM Watch schreibt sogar schlichtweg von einer Schummelei und einer Beschönigung der vorgelegten Zahlen. Doch mit einem sollten wir vorsichtig sein. „Losing the battle and the war- ISAAA“ mag zwar wünschenswert sein, doch so schnell werden Firmen wie Monsanto, Pioneer oder BASF den Krieg nicht verloren geben. Wenngleich der letztgenannte Konzern erst unlängst beschlossen hat, seine gentechnischen Zelte in Europa abzubrechen und über den großen Teich in die gentechnikfreundlichen USA, auszuwandern. Dass BASF dort, also auf dem amerikanischen Kontinent, sicherlich einfachere Bedingungen für die Verbreitung der eigenen Produktplalette vorfindet, dürfte sicherlich mit ausschlaggebend für den Schritt gewesen sein. Allerdings wurden hier wohl bereits die Zeichen der (gentechnikfreien) Zeit in Europa erkannt. Denn hätten die Ludwigshafener in unseren landwirtschaftlichen Breitengraden nur ein Minimum an Akzeptanz für Gentechnik vorgefunden, wären sie wohl auch hier und unter uns geblieben.

Breite Abwehrfront
Der BASF-Vorstand verwies darauf, dass das Bundesverfassungsgericht die grüne Gentechnik als Hochrisikotechnologie einstufe. Die Europäische Union habe mit ihrem „Honigurteil“ – nach dem Pollen aus gentechnisch veränderten Pflanzen im Honig gekennzeichnet werden müssen – Freilandversuche erheblich erschwert. Nicht zuletzt gebe es eine breite Front gegen die Gentechnik in Politik und Gesellschaft.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung: Verlagerung nach Amerika – BASF gibt grüne Gentechnik in Europa auf) 

Zum darin erwähnten Honigurteil siehe meinen Artikel „Eine schallende Ohrfeige für die Gentechnik“ vom September 2011. Nun gut, Statistiken sind erfahrungsgemäß nur so gut, wie die AnwenderInnen diese für die eigenen Interpretationen zu nutzen wissen. Wenn der Verband allerdings voller Freude schreibt, dass es gegenüber dem letzten Jahr Wachstumsraten von acht Prozent gab, sollten die MacherInnen der Studie auch nicht außer Acht lassen, dass alleine die USA für 43 Prozent der Anbauflächen verantwortlich zeichnen. Und die fünf größten Länder, neben den Vereinigten Staaten sind dies Brasilien, Argentinien, Indien und Kanada machen insgesamt über 90 Prozent des weltweiten Anbaus von gv-Pflanzen aus. Der Rest ist Schweigen oder eben glücklicherweise kein solches mehr. Denn dass in Europa nur dank Spanien und Portugal die ach so schönen Gentechnik-Bilanzen auffrisiert und aufgefettet werden konnten, wird bei all der Euphorie der ISAAA über diesen propagierten Vormarsch ebenfalls zu erwähnen vergessen. In Deutschland, immerhin auf der Hitliste auf Rang 29 geführt, bestand der Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut aus kümmerlichen zwei Hektar. Und diese bestanden aus der gv-Stärkekartoffel Amflora. Und diese wurde von BASF entwickelt. Und BASF? Richtig, die bestanden den Eignungstest nicht und haben sich dorthin vertschüsst, wo der Pfeffer wächst.

Wobei ich mir natürlich jetzt nicht sicher bin, ob es in den USA Pfefferplantagen gibt. Doch mit entsprechend bereinigten ISAAA-Zahlen ließe sich auch daraus sicherlich eine schöne Statistik zaubern. Sozusagen Genmanipulation auf rein rechnerischem Niveau.     


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen