SurVivArt oder die Kunst grenzüberschreitender Nachhaltigkeit 1



Kunst für das Recht auf ein „gutes Leben

SurVivArt - Arts for the Right to a Good LifeIch habe mich in letzter Zeit in meinen Artikeln und Beiträgen dem Thema Bilder in verschiedenster Art und Weise gewidmet und genähert (siehe z.B. „Honest logos by Viktor Hertz“ oder die vierteilige Serie „Wir manipulieren, um zu manipulieren„). Dieses Intermezzo möchte ich heute vorläufig zum Ende bringen, um mich dann wieder verstärkt meinem eigentlichen Schwerpunkt „Bio und Natur“ oder was auch immer davon in und auf diesem trotz alledem schönen Planeten Erde noch übrig geblieben ist hinzuwenden. Der heutige Beitrag fällt dementsprechend etwas länger aus, da ich mich in den nächsten paar Tagen weit wichtigeren Dingen widmen werde. Was wichtiger ist als das Bloggen? Natürlich die allerbeste Ehefrau dieser Welt, also meine Gattin. So, nun aber zum Tagesgeschehen.

Dass wir, dabei denke ich jetzt ausnahmsweise und ganz egoistisch zuallererst einmal an mich selbst, oftmals nur mit westeuropäischen Augen sehen, fühlen, denken und auch (manchmal) handeln, liegt in der Natur der Dinge. „In welcher Natur welcher Dinge?„, werden Sie berechtigerweise fragen. Nachhaltigkeit, der Umgang mit den schwindenden Ressourcen wie Wasser oder bebaubare Ackerflächen, die globale Umweltverschmutzung, der stetige Klimawandel und deren Dinge mehr unterliegen doch wohl den gleichen Mustern, sind mit denselben Bedingungen verknüpft und bringen dieselben Probleme hervor. Hier in Wien, dort in Berlin, jenseits in Bangkok, andererseits in Äthiopien, einerseits in Kambodscha, allerseits im Libanon, diesseits in der Tschechischen Republik oder vielerseits in Nigeria oder Myanmar. Womit Sie jetzt immerhin schon einmal wissen, welche EinzelkünstlerInnen oder Gruppen an der „SurVivArt – Arts for the Right to a Good Life“ beteiligt sind.

Nein, denn dieses sogenannte Recht auf ein „gutes Leben“ lässt sich nur schwerlich eingrenzen und schafft in anderen Lebens- und Kulturräumen auch dementsprechend andere Bedürfnisse, Präferenzen und Wertigkeiten. Wer würde schon in Österreich daran denken, wegen einer ausgelaufenen Flasche Wasser Tränen zu vergießen. Wer würde sich in Deutschland Gedanken darüber machen, die halbvolle Schale Reis für schlechte Zeiten aufzuheben, wenn sie doch nur unnötigen Platz im Vorratsschrank benötigt. Wer würde sich in der Schweiz mit der Vorstellung tragen, eine gebrauchte Plastikflasche aufzuheben, um in diese dann Wasser einzufüllen, welches dann wiederum dazu benutzt wird, um eine halbvolle Schale Reis damit zu kochen? Essen, Trinken, Kleidung, die eigenen vier Wände, der Konsum bringt unzählige Formen für dieses Recht auf „gutes Leben“ hervor. Das von der Heinrich Böll Stiftung initiierte Projekt SurVivArt hat dazu Kunstschaffende eingeladen, um sich mit diesem Prozess auseinanderzusetzen, was es für Menschen der jeweiligen Regionen und Kulturkreise bedeutet, dieses Recht in die Tat umzusetzen. SurVivArt - Arts for the Right to a Good Life.

About SurVivArt

„SurVivArt – Arts for the Right to a Good Life“.

The project SurVivArt developed by the Heinrich Böll Stiftung has invited artists from Ethiopia, Cambodia, Myanmar, Nigeria, Thailand and the Czech Republic to reflect on the meaning of “the right to a good life”.

The concept of a “good life” touches many layers of everyday life. How we live, where we live, what we eat, what we dress, what we consume, how and where we move and travel changes the carbon footprint of our lives. Likewise, these everyday practices are intrinsically loaded with gender differentiations, roles and opportunities. Sustainability can emerge from a wealth of simple interactions, but it is also a question of how the basic needs to a good and decent life are met. Could we find ways of living that contribute to more social equality and justice and that improve community participation and involvement?

With SurVivArt the Heinrich Böll Stiftung aims to create an international bridge between sustainability, climate change, gender equity, art and culture. With the support of its international offices, SurVivArt shows perspectives and views from artists from different regions of the world, mainly from the global South

In joint projects with their own communities, Kebreab Demeke, Robel Temesgen, Alafuro Sikoki, Segun Adefila, Adebimpe Adebambo, Oeur Sokuntevy, Neak Sophal, Tith Kanitha, Nino Sarabutra und Phyoe Kyi have translated these reflections into their own culture.

Kunst zwischen Alltag und Alltäglichkeit

Doch die gezeigten Arbeiten und Kunstwerke wollen auch besonders eines. Sie sollen eine Verbindung zwischen nachhaltigem Lebensstil und künstlerischem SurVivArt - Arts for the Right to a Good Life. The artists.Schaffensprozess herstellen. Auf der einen Seite die Suche nach jenem Glück, welchem bereits in meinen längst vergangenen Kindertagen ein gewisser Herr Rossi zusammen mit seinem sprechenden Hund Gastone duch Raum und Zeit nachgejagt ist, um dann schlußendlich immer wieder zu der Erkenntnis zu kommen, dass Glück eigentlich in den alltäglichen Dingen liegt. Zumindest spreche ich nun wieder so, wie zu Anfang meines Artikel geschrieben: Als Westeuropäer mit den westeuropäischen Fernsehaugen, dem westeuropäischen Sättigungsgefühl, einer westeuropäischen Wohnung mit westeuropäischen Wasserhähnen und westeuropäischen Wegwerfflaschen, durch deren einmal benutzes Plastik ich volle westeuropäische Reisschüsseln und westeuropäische Fleischtöpfe betrachten und im wahrsten Sinne begreifen kann.

Doch nicht nur unsere Gesellschaft hat die Befriedigung von Grundbedürfnissen, wie von Maslow auf seiner Bedürfnispyramide erläutert, zum Ziel. Konsum und dessen Ausprägungen hat mittlerweile in wohl jeder Kultur Einzug gehalten und hat dort unmerklich bis brachial gewaltig die zarten Fühler und harten Tentakel ausgestreckt. Mit dieser Thematik beschäftigt sich z.B. die Arbeit „To Live or to Live a Good Life„. Was wird konsumiert und wie wirkt sich dies auf das damit empfundene Glücksgefühl aus bzw. inwieweit lässt sich dadurch Glück erreicheen oder vielleicht sogar erzwingen. Oder eben auch nicht.

Wem nun vor lauter westeuropäischem Lebensstandard die westeuropäische Zunge zum dazugehörigen Hals heraushängt und deshalb einmal ausbrechen möchte, könnte dies ja im Rahmen der Ausstellung in Erwägung ziehen. Wo? Steht im folgenden Abschnitt, den ich per Copy & Paste wie schon andere hochgestellte Herrschaften vor und sicherlich auch noch nach mir aus der Pressemitteilung „SurVivArt – Kunst für das Recht auf ein «Gutes Leben»“ auf der Plattform der Heinrich Böll Stiftung entlehnt habe mit dem Vorsatz, diesen Absatz auch nicht mehr zurückzugeben, was man mir vergeben möchte.

Vom 7. bis 24. Februar 2012 sind die im Rahmen des Projekts entstandenen Werke von Kebreab Demeke, Robel Temesgen, Alafuro Sikoki, Segun Adefila, Adebimpe Adebambo, Oeur Sokuntevy, Neak Sophal, Tith Kanitha, Nino Sarabutra und Phyoe Kyi in den Galerien Mikael Andersen und Meinblau in Berlin-Prenzlauer Berg zu sehen, die Eröffnung findet am 5. Februar statt. „Die Ausstellung wird ein Mosaik unterschiedlicher Perspektiven“, erklärt Valia Carvalho. „Die Arbeiten erzählen von der Suche nach dem „guten Leben“, nach Balance, Glück und Zufriedenheit, von einem verantwortlichen und zugleich kreativen und spielerischen Umgang mit Ressourcen und neuen Formen des Konsums“.

(…) Die Präsentation von SurVivArt findet parallel zu der Konferenz „radius of art“ statt, die den internationalen Dialog zwischen Kultur, Wissenschaft und Politik fördern und einen Ideenaustausch ermöglichen will, der bisher so noch nicht existiert. Über 70 Kulturschaffende aus aller Welt diskutieren am 8. und 9. Februar in Berlin neue Formate einer „Kunst des Öffentlichen“, die Wirkung von Kunst und Kultur auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse, Kulturen der Nachhaltigkeit sowie die Zukunft der internationalen Kulturförderung.

And now for something completely different.“ Was aber nichts mit Monty Python’s Flying Circus zu tun haben wird. Leider!

Einer der Gründe, weshalb ich (trotzdem) blogge

Nun, da ich gerade über Berlin schreibe, noch ein Wort in eigener Sache, aber mit fremden Worten in dieser mir doch befremdlich fremden Sache. Ich hatte am 16. Jänner unter „Ethical Fashion Show Berlin mit Mercedes Benz?“ verwundert festgestellt, dass die dort erwähnte Aussage „Mit der Ethical Fashion Show Berlin sprechen wir gezielt Besucher und Aussteller an, die Ökologie und Ethik als Selbstverständlichkeit ansehen …“ so gar nicht in mein Selbstverständnis und, weil wir ja immer noch beim Thema Bilder im weitesten Sinne sind, mein Bild eines Unternehmens wie Mercedes-Benz passen will. Nun bekam ich per elektronischer Post folgende Email:

Message :

Hallo liebe Team vom weblog.bio-natur.at

vielen Dank für den kritischen Kommentar
zur Ethical Fashion Show Berlin auf ihrer Website
im Januar. Wir freuen uns und geben die
Anregung weiter.

Jetzt noch eine Frage: Habt Sie vielleicht auch die page impressions und visits der Website parat und vielleicht auch
Anzeigenpreise, falls es so etwas gibt?
Das wäre für uns einfach ganz interessant
zu wissen.

Den Namen lasse ich jetzt aus Gründen des Datenschutzes (es reicht ja, wenn ich mich beim Deutschen Bundesamt für Verfassungsschutz anbiedere) einfach weg. Naja, dachte ich mir. Zumindest einmal eine Reaktion auf die von mir geäußerte Kritik. Allerdings hat mich das mit den Anzeigenpreisen dann doch etwas nachdenklich gestimmt. Also habe auch ich zur virtuellen Feder gegriffen und ebenfalls elektronische Post verfasst.

Nun, da das „Team“ erstaunlicherweise nur aus einem einzigen Blogger, nämlich mir, besteht, nehme ich natürlich die Danksagung an mich stellvertretend durch mich für mich an mich dankend entgegen. Und damit kommen wir, also eben ich zusammen mit allen anderen ich’s in meinem Team zu jener Fragestellung, welche für mich interessant ist und die bisher noch nicht beantwortet wurde.
Ich hatte in meinem Artikel „Ethical Fashion Show Berlin mit Mercedes Benz“, wie Sie richtig schreiben, kritisch angemerkt, dass ich hier mit dieser Vorgehensweise nicht einverstanden bin respektive dieses Verhalten im Sinne von ethischer Verantwortlichkeit nicht verstehe. Und nun bieten Sie mir im Gegenzug eine mögliche Kooperation an, dessen Sinnhaftigkeit sich mir im Moment noch entzieht. Schauen Sie, mein Anliegen wäre eigentlich gewesen, dass Sie hier für die nächste Fashion Show eine etwas andere Vorgehensweise in Aussicht stellen würden. Die Anregung weiterzugeben ist sicherlich ein erster Schritt in die richtige Richtung, doch es fällt mit deshalb natürlich schwer, mich mit meinem Blog vorab in den Dienst einer Agentur zu stellen, von deren Zielsetzungen ich im Moment noch nicht wirklich überzeugt bin bzw. nicht einmal weiß, in wessen Namen ich mich virtuell prostituieren soll.

Stellen Sie sich folgendes Beispiel vor. Ich nehme einen Auftrag von Ihrer Seite an und stelle im Nachhinein fest, dass ich damit auch Mercedes-Benz (oder anderen) eine schöne Möglichkeit biete, sich auf meinem Blog breitzumachen. Zuerst kämpfe ich gegen jene Windmühlen und im nächsten Schritt lasse ich mich von ihnen erschlagen. Wunderbarerweise gegen Geld oder was auch immer, aber tot bleibt nun einmal tot. Also lassen wir vorläufig Zahlen, Preise und Seitenaufrufe (die mittlerweile nicht schlecht sind) aus dem Spiel und konzentrieren uns doch auf meine geäußerte Kritik und eine mögliche Lösung.

Ich blogge in erster Linie des Schreibens willen. Ich blogge, weil ich auf Missstände aufmerksam machen möchte. Und ich blogge, weil ich gerne einige dieser Missstände aus der Welt schaffen möchte. Dass ich dabei oftmals auch von meinen Mitmenschen belächelt werde, liegt dabei in der Natur der Dinge. Doch trotz allem bedarf es eben auch oder besonders der Mithilfe jener, welche zu kritisieren ich mir erlaube und von denen ich mir wünschen würde, dies zu ändern. Dass ich dabei durchaus nicht immer richtig liege, lässt sich nur schwerlich ändern, aber ansonsten müsste ich sowieso mit dem Bloggen aufhören. Aus diesem Grunde ist für mich deshalb vorläufig einmal interessant, ob diese Anregung vielleicht auch kleine zukünftige Erfolge in Sachen Ethik, moralische Verantwortung etc. mit sich bringt. Über andere Dinge können wir uns gerne später unterhalten.

Liebe Grüße aus Wien

Paul Boegle

Ich möchte Ihnen jetzt zum Abschluss nur noch die darauf folgende Antwort wiedergeben, denn unser Emailverkehr ging und geht möglicherweise noch munter weiter.

Lieber Paul Boegel,

Danke für Ihre Email. zu Ihrer Information: Die Ethical Fashion Show Berlin arbeitet vor allem mit Velotaxis, zur Beförderung der Gäste der Mercedez-Benz Fashion Week stehen aber – wie der Name schon sagt – Busse von Mercedez zur Beförderung zur Verfügung, die alle Destinationen, auch die Ethical Fashion Show, anfahren.

Obwohl diese Busse also weder von uns organisiert noch bezahlt werden, verstehe ich natürlich Ihre Einwände, kann Ihnen aber nichts weiter sagen als in meiner ersten Email, nämlich, dass ich Ihre Kritik nachvollziehen kann und für die nächste Messe im Sommer weitergeben werde.

Mit meiner Frage nach page impressions und visits biete ich Ihnen keine Zusammenarbeit an und möchte weder Mercedez noch einer anderen Firma ein Forum bieten, sondern interessiere mich lediglich für ihre Seite.

Ich danke Ihnen trotzdem für Ihre Auskunft.

Mit freundlichen Grüßen

So, meine lieben Leserinnen und Leser, sollten Sie oder also in Zukunft weiterhin auf meinem Blog lesen wollen, egal ob nun aus Interesse oder Langeweile, dann bitte ich doch höflich, dass Sie sich gefälligst zuallererst einmal über meine Anzeigenpreise erkundigen werden. Dies dürfte schließlich in Ihrem ureigensten Interesse liegen. Ich werde in Zukunft auch keine Inhalte mehr anbieten, sondern werde Sie tagtäglich über Zugriffszahlen und Seitenzugriffe auf dem Laufenden halten und umfassend informieren. Und wehe, sie heucheln in Zukunft kein Interesse für diese wohl brisanten und extrem wichtigen Informationen. Ich habe nun meine Zahlen über den betreffenden Zeitraum, also beginnend vom 16.01 bis zum 02.02.2012, nach längerem Überlegen und einer weiteren Email doch herausgerückt. Warum? Ich bin sicherlich nur ein winziges bloggendes Rädchen. Doch auch dieses Rädchen streut das eine oder andere Körnchen Sand ins geschmierte Getriebe von Mercedes-Benz und anderen. Und mit jedem Zugriff erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann auch ein Getriebe seinen Geist aufgibt. Und ich darf nicht ohne Stolz sagen, dass meine täglichen Zugriffe doch mittlerweile im drei- bis vierstelligen Bereich sind.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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