Occupy Austria: Ein „Gefällt mir“ überhaupt nicht!



Quo vadis: Wiederbetätigung im Umfeld der Occupy Bewegung?

Eigentlich war geplant, mit dem dritten Teil zu den beiden Meldungen „Ein Foto erzählt eine Geschichte“ und „Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte“ weiterzumachen. Doch aus aktuellem Anlass muss dieses Vorhaben aufgeschoben werden. Denn etwas anderes beschäftigt mich, was dringlicher zu besprechen wäre.

Dass auch ich mein Herz für die Occupy-Bewegung entdeckt habe, ist spätestens seit „Der verlogene Weihnachtsmann macht 2012 Station in Quatar“ kein Geheimnis mehr. Doch ob ein Teil dieser OccupistInnen sein Herz am rechten Fleck hat, muss zumindest im Moment bezweifelt werden. Nein, muss es eigentlich nicht, denn möglicherweise haben Personen im Umfeld dieser Bewegung ihren 24-Stunden  Rhythmusgeber sogar ganz und gar am rechten Fleck. Dass der österreichische Ableger dieser Bewegung im Vergleich zu anderen Ländern ein kleines Grüppchen ist, mag richtig sein. Doch zumindest haben sich nach aktuellem Stand der Dinge (Ende Jänner 2012) auf Facebook schon über 9000 Personen zu einem „Gefällt mir“ bequemt, was für diese für manche doch unbequeme Bewegung bei näherer Betrachtung ein beträchtliches Sümmchen in der kleinen Alpenrepublik darstellt.

Sicherlich hilfreich ist wohl auch die Tatsache, dass sich die Occupy Austria Bewegung einige Zugpferde von zumindest nationaler Popularität vor den Karren gespannt hat, um sich in heimischen Gefilden mehr Gehör und größere Aufmerksamkeit zu verschaffen. Der hierzulande sehr bekannte Kabarettist Roland Düringer und der Tierschützer Martin Balluch,welcher zusammen mit zwölf anderen TierschützerInnen wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung aufgrund des sogenannten „Mafia-Paragraphen“ §278a des Strafgesetzbuches angeklagt, jedoch von sämtlichen Anklagepunkten freigesprochen wurden (Tierschutzprozess 98. und letzter Tag), leisten selbstverständlich ihren kleinen, aber umso feineren Teil, um die Sache in die richtigen, nicht rechten, Bahnen zu lenken.

Und dann gibt es da noch einen gewissen Franz Hörmann. Wer am 15.01.2012 am Wiener Stephansplatz (siehe z.B. Kurier: Occupy am Stefansplatz) war und als kleiner ORF Club 2: Franz Hörmann zu Gast in der Sendung “Wenn der Finanzcrash kommt - was dann? und Mitautor des Buches “Das Ende des Geldes”.Teil der protestierenden Bewegung den gewichtigen Worten von Mitorganisator Philipp Janyr und den Gastrednern gelauscht hat, wird sich an den WU-Professor Hörmann erinnern. Doch der Ökonomieprofessor möchte scheinbar auch noch in ganz anderer bleibender Erinnerung bleiben. Was er aber sowieso schon zur Genüge macht, denn wer im „Club 2“ des ORF zu Wort kommt, dessen Wort hat Gewicht. (Ganz interessant dazu: „“Das Ende (des Geldes“) der Zusammenarbeit mit Univ. Prof. Dr. Franz Hörmann„). Zumindest im kleinen Österreich. Wer 80 Minuten Zeit investieren möchte, kann sich natürlich gerne den „Club 2“-Beitrag „Wenn der Finanzcrash kommt – was dann?“ ansehen. Ganz ehrlich, ich konnte der Sendung nicht viel abgewinnen, aber das will nichts heißen. Sehe ich mich doch nicht als Maßstab für „Das Ende des Geldes„, wie der geschriebene Wegweiser von Otmar Pregetter und eben Franz Hörmann lautet.

Nachhilfe bei der Erklärung von Antisemitismus?

Die Presse“ schrieb am 20.01.2012 zu jenem wegweisenden Wegbereiter für Österreichs Occupy Bewegung unter „Die Empörten von Occupy Austria und ihr später Selbstfindungstrip„:

Warum Mitläufer am rechten Rand die Glaubwürdigkeit von Occupy Austria gefährden – und die Bewegung sich deshalb am Wochenende in Linz neu erfinden will.

(…) Doch ein ernsteres Problem bleibt: Ausgerechnet mit dem Auftritt des Wiener Wirtschaftsprofessors Franz Hörmann, eigentlich als Geldsystemkritiker bekannt, ist der Verdacht aufgekommen, im allzu breit angelegten Meinungsspektrum von Occupy hätten auch antisemitische Ideen ihren Platz. Der Hintergrund: Hörmann, der im März eine Partei für ein neues, geldfreies Gesellschaftssystem präsentieren will, pflegt Kontakte zur Human-Weg-Bewegung in der Schweiz. Diese spricht sich ebenfalls gegen das bestehende Geldsystem aus und hat auf ihrer Website Texte veröffentlicht, die „geistig-jüdische Führer“ in der US-Regierung orten und das Wirtschaftssystem der Nationalsozialisten loben. Hörmann selbst ist nach eigenen Angaben noch als „sachlicher Berater“ von Occupy tätig. Zum Thema antisemitische Tendenzen fragt man bei ihm besser zweimal nach: „Erklären Sie mir einmal, was Antisemitismus überhaupt sein soll“, so Hörmanns erste Reaktion (…)

Nicht gerade das, was ich mir persönlich von einem Repräsentanten solch einer Bewegung erwarte. Zu erklären, was Antisemitismus überhaupt sein soll? „Wie„, dachte und denke ich mir dabei schon, „ein Mann von solch Format weiß nicht, was Antisemitismus bedeutet und verlangt nach Aufklärung„. Nun ja, wer jetzt, wie ich es getan habe, Wikipedia zu Rate zieht, wird dort die Informationen finden, dass Herr Hörmann Jahrgang 1960 ist, die Matura (Abitur) mit Auszeichnung abschloss und darüberhinaus seine Dissertation mit dem „Senator Wilhelm Wilfling Forschungspreis der Wirtschaftsuniversität Wien“ ausgezeichnet wurde. Und diesem Herrn muss Nachhilfe in Sachen Antisemitismus gegeben werden? Starkes Stück, aber bitte.

Auch ganz stark ist jetzt die Äußerung von Herrn Hörmann, welche im Standard unter „Ermittlungen gegen Occupy-Aktivisten wegen Wiederbetätigung“ nachzulesen ist:

(…) Teile der österreichischen Occupy-Bewegung beschäftigen nun die Staatsanwaltschaft – wegen Verdachts auf Wiederbetätigung und Volksverhetzung. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) hat eine entsprechende Sachverhaltsdarstellung eingebracht.

Der Grund sind Texte wie dieser: „Um die Weltgeschichte zu verstehen, muss man die Geschichte des Geldjudentums als Nomadentum verstehen“ (in Hinblick auf die Geschichte des zweiten Weltkriegs, Anm.) oder: „Die US-Regierung weiß ebenso wie ihre geistig-jüdischen Führer, dass nur das neue Europa die Welt zu regieren berufen ist.“

Sie stehen auf der Homepage von Hans-Jürgen Klaussner, Sekretär der 2011 gegründeten Human Way Partei, die etwa für eine Neuregelung des Geldsystems eintritt. Präsident der Partei ist der WU-Professor Franz Hörmann, der als Redner bei der Demo am Aktionstag der Occupy-Bewegung am Wiener Stephansplatz auftrat. Seine Partei hat „95 Prozent Deckungsgleichheit“ mit den Zielen von Occupy, sagt er.

(…) Die Texte seien von Klaussner ohne Absprache noch vor der Parteigründung online gestellt worden. „Bestimmte Inhalte müssen wegen des Verbotsgesetzes anders formuliert werden“, sagt Hörmann. In der Partei sei aber grundsätzlich jeder willkommen, „seien es Nazis, Marxisten oder Islamisten“.

Das sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Sollte jetzt in Deutschland doch irgendwann beschlossen werden, die NPD zu verbieten, dürfte zumindest ein Problem gelöst sein. Wer bisher nicht wusste, wohin, ohne im Regen, auf der Straße oder womöglich sogar auf der regnerischen Straße zu stehen, hat jetzt zumindest ein lohnendes Ziel vor den braunen Augen. Franz Hörmann bietet sozusagen politisches Asyl für alle, die das Herz am rechten Fleck tragen. Ein guter Artikel dazu findet sich auch auf Furtlehners Blog unter „Rechte Geisterfahrer unterwegs„.

Unter Hörmanns Vorsitz gründet sich jetzt eine neue Partei namens HPÖ, die ihren Statutenentwurf von der antisemitischen HuMan-Weg Bewegung bezieht. Auf der österreichischen Website der „HuMan-Weg Bewegung“ finden sich haarsträubende antisemitische Texte aus dem rechts-esoterischen Spektrum des Chefideologen der Bewegung, des Schweizers Hans-Jürgen Klaussner.
Der feine WU-Professor Hörmann weiß natürlich, was er seinem Ruf schuldig ist und hütet sich selbst direkt antisemitisch zu äußern. Er betont vielmehr seine „ideologische Neutralität“ und will einen „Schlussstrich“ unter die Geschichte ziehen, eine allzubekannte Argumentation aus dem rechten Eck. Und er predigt eine querpolitische Kooperation zwischen unterschiedlichen Weltanschauungen, ein Konstrukt, dem schon in der Anti-EU-Bewegung manche irregeleiteten Linken auf den Leim gingen.

Ich habe es bisher versäumt, den ominösen und oftmals so leichtfertig „Gefällt mir„-Button für Occupy Austria zu drücken. Aus welchen Gründen auch immer. Dass ich dieses Versäumnis auch in nächster Zeit nicht aus der Welt schaffen werde, möge frau und man mir nachsehen. Denn vorher gilt es einige andere Dinge aus der Welt zu schaffen. Besonders wünsche ich mir eine klare Stellungnahme der Occupy-Verantwortlichen zu dieser Causa. Nun habe ich noch zum Schluss ein achtminütiges Interview von wienTV mit Franz Hörmann gefunden, welches ich Ihnen aus Gründen mir zum Vorwurf gemachter einseitiger Berichterstattung nicht vorenthalten möchte. Erstaunlich dabei ist allerdings die Tatsache, dass das Interview im Foyer einer „Bank Austria„-Filiale geführt wurde. Bei einem veröffentlichten Buch mit dem Titel „Das Ende des Geldes“ dürfte es sich dabei wohl nur um ein Missverständnis handeln. Oder vielleicht um einen perfekten PR-Gag? Wer weiß dies schon so genau. Oder möchte frau und man womöglich gar nicht alles wissen?

 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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