Ungelöschte Emails, die virtuelle Klimaerwärmung 1


Unnötige Serverlast durch die Sammelwut der Internetgemeinde

Möglicherweise wir nach dem Lesen dieses Beitrags die eine oder der andere der Meinung sein, dass es der liebe Her Boegle nun aber gehörig übertreibt und päpstlicher als der Papst ist. Mag schon sein, aber die großen Dinge beginnen bekanntermaßen im Kleinen und deshalb schreibe ich, was mir auf dem Herzen liegt. In diesem besonderen Falle jedoch weniger auf dem Herzen, sondern mehr in meinen Email-Postfächern. Es ist ja so, zumindest verhält es sich bei mir so, dass jeden Tag Unmengen an elektronischen Nachrichten eintreffen, welche einmal mehr und viermal weniger und 18-mal überhaupt nicht wichtig sind. Doch immer schwebt die Angst mit: Löschen kann ich später immer noch. Vielleicht brauche ich ja irgendwann den Kontakt, die enthaltenen Informationen, den darin mitgeschickten Link oder das gesendete Foto noch für Zwecke, von denen ich bisher nichts weiß, die sich aber irgendwann noch finden werden. Irgendwann, irgendwann, irgendwann. Deshalb ist es also besser, nicht den elektronischen Mülleimer zu betätigen, sondern diese potentiellen Brauch-ich-noch-Nachrichten lieber auf dem Server zu belassen und dort im virtuellen Bunker zu versenken.

Ob diese ganze Sammelleidenschaft jetzt mit unserem Jahrtausende alten Hang zur Sesshaftigkeit zu tun hat, müssten mir die Anthropologinnen und Verhaltensforscher sagen. Was aber trotzdem nichts an der Tatsache ändert, dass sich in meinen Email-Höhlen ein Sammelsurium an elektronischen Übermittlungen angesammelt hat, welches dem frühzeitlichen Menschen, der wahrscheinlich noch ohne Tablet unterwegs war und ein Mammut auch ohne GPS gefunden hätte, was aber sowieso nur rein hypothetisch gedacht ist, zur Ehre gereicht hätte. Was aber mir selbst überhaupt nicht zur Ehre gereicht, ist folgende Tatsache, welche ich nach einem ersten Stöbern und Schnüffeln, wobei ich hoffe, dass ich bei dieser persönlichen Schnüffelei in eigenen Dingen nicht irgendwelchen fremdschnüffelnden Vorratsdatenspeicherern und Festplattenspähern in meinen Dingen in die Quere gekommen bin, gefunden habe. Was mich selbst insofern weiterhin maßlos über mich selbst ärgern lässt, weil ich erst unlängst in meinem Beitrag „Facebook: Erneuerbare energiegeladene Abhörfalle“ das Thema gestreift habe, ohne aber diesem Aspekt Aufmerksamkeit zu schenken.  

Meine Güte, da habe ich am 04. September 2008 (!) die Bestätigung erhalten, dass die nette Dame in England mein neues Foto für meinen Open Water-Tauchschein erhalten hat. Naja, wer weiß, ob ich dies nach drei Jahren und einigen Monaten nicht doch endgültig zu den Akten legen könnte und mich schweren Herzens davon trennen sollte. Schau, schau, am 08.09.2010 habe ich meine neue Handyrechnung elektronisch erhalten. Nun, da diese Informationen im Jahre 2012 nicht mehr ganz so neu ist, könnte ich mich ja endlcih  dazu entschließen, auf eine etwas neuere Rechnung zu warten. Nur zwei (tatsächliche) Beispiele, mit welchen Dingen ich die Server am Laufen halte. Dass ich dabei aber auch dafür, wenngleich nur zu einem verschwindend geringen Teil, Sorge trage, dass ich mit diesem Laufen auch diese Rechenzentren mit meiner unscheinbar gelagerten und wohl nicht mehr benötigten Last am Schwitzen halte. Und weil Schwitzen nicht nur beim Jäger oder Sammler die Reaktion des Kühlens hervorruft, will auch jener Server seine kalte Dosis abbekommen, um, ganz genau, weiterhin dafür zu sorgen, dass meine Emails nicht ohne meine ausdrückliche Einwilligung im Mistkübel landen und dann auf der virtuellen Müllhalde des Vergessens landen. Was sie natürlich in den seltensten Fällen dank schon erwähnter schnüffelnder Freundinnen und spähender Freunde auch tun, aber für mich eben in unerreichte Abgründe gefallen sind.

Ganz nebenbei und wirklich nur weil es mir gerade einfällt: „Ilija Trojanow, Juli Zeh: Angriff auf die Freiheit. Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte„; Hanser Verlag. Ist irrsinnig polemisch geschrieben, stilistisch manches Mal am federführenden Holzhammer, aber trotzdem nahe am aktuellen Facebook-Zeitgeist. Die Streitschrift glänzt sicherlich nicht mit tiefgreifenden Fakten, sondern verfällt allzu oft in jene nicht nachzvollziehende Methodik des für die „normalsterblichen“ BürgerInnen Undefinierbaren und latent Unfassbaren in Sachen Datenwut, dessen Aufklären und Durchleuchten eigentlich Ziel des Buch sein sollte, macht aber gerade durch diese Art des Schreibens auf erschreckende Weise klar, wohin wir mit unserer allzu sorglosen Preisgabe der Daten an Mutterland und Vater Staat steuern. Aber dieses nur eine kurze Exkursion und jetzt zurück zum eigentlichen Thema, zu dessen Schluss ich nun zügig kommen möchte und deshalb das geschriebene Wort Nick Michelson und seiner Kampagne „Internet und Stromverbrauch“ überlasse.

Ich bin Ingenieur und arbeite in einem Großraumbüro. Täglich verbringe ich 9 Stunden vor dem Bildschirm. Das ist meine Arbeit. Was sind meine Werkzeuge? Ein Computer, unterschiedliche Programme, Internet, E-Mail, ein Tisch und ein Drehstuhl. Die Frage ist: Ist das wirklich nur EIN Computer? Dass ich nur einen Drehstuhl benutze bin ich mir sicher, aber dass ich nur einen Computer brauche – das stimmt nicht! Und was machen meine Arbeitskollegen in der Mittagspause? Richtig – sie „surfen“!

Und wo? Na klar doch – im Internet. Es ist so groß und kostenlos und steht jedem uneingeschränkt zur Verfügung. Was bedeutet „uneingeschränkt“? Alle Server weltweit laufen ununterbrochen rund um die Uhr nur damit die Informationen auf den jeweiligen Internetseiten uns immer zur Verfügung stehen. Wie kann man sich einen Server vorstellen. Ein Server sieht wie ein großer Kühlschrank aus.

(…) Die Rechnung ist ganz einfach: Je mehr Informationen wir hochladen, desto mehr Serverräume werden entstehen. Mehr Server – mehr Stromverbrauch. Mehr Stromverbrauch – mehr Kohle- oder Atomkraftwerke werden gebaut. Letztendlich zahlen wir sogar dafür obwohl auf den ersten Blick viele Internetdienste kostenlos sind.

Reduziert man die Vermehrung von Privatdaten im Internet – so reduziert man den Stromverbrauch, der dafür benötigt wird. E-Mails sind klein, sie „wiegen“ nicht viel. Sie benötigen aber auch Platz auf einem Server. Die meisten Menschen machen sich keine Gedanken über die nicht gelöschten E-Mails auf dem Postserver. Es ist doch kostenlos!

Aber was bedeutet das für die Umwelt? Am anderen Ende einer ungelöschten E-Mail Nachricht steht ein riesiger Industriebagger und schaufelt Braunkohle für die Stromerzeugung. Das Löschen alter E-Mail Nachrichten befreit den Speicherplatz auf dem Postserver. Dadurch werden keine neuen Festplatten gekauft, die wiederum Energie verbrauchen.

Sicherlich klingt dies alles für die SkeptikerInnen zu schön, zu linear und viel zu aufgeräumt, um wahr zu sein. Aber, wie bereits geschrieben: Alle großen Dinge beginnen mit dem ersten Vers oder so ähnlich eben. Aber manchmal können wir auch getrost den ersten Vers aus unseren elektronischen Postfächern wieder löschen. Spätestens dann, wenn wir uns sowieso keinen Reim mehr darauf machen können, weshalb wir diese oder jene Email überhaupt noch gespeichert haben.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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