Der Wiener Ball ist UNESCO-Geschichte – zumindest vorläufig 1



Immaterielles Kulturerbe in der Warteschleife

UNESCO streicht “Wiener Ball” als Kulturerbe. Die Österreichische UNESCO-Kommission hat das immaterielle Kulturerbe “Wiener Ball” undd damit auch den WKR-Ball oder Burschenschafter-Ball aus dem Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich gestrichen.

Sag mir, wo die Bälle sind.
Wo sind sie geblieben?
Sag mir, wo die Bälle sind.
Was ist geschehn?
Sag mir, wo die Bälle sind.
Die Kommission pflückte sie geschwind.
Wann wird man je verstehn?
Wann wird man je verstehn?

Wer sich dazu entschließen sollte, bei meinem letzten Beitrag „Wien ist anders – die UNESCO noch viel mehr“ auf den dortigen Screenshot zu klicken, wird vielleicht überrascht sein. Denn heute, nur zwei Tage später, bietet diese Momentaufnahme über immaterielle Kulturerbschaften, welche die UNESCO-Verantwortlichen als „Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes verstehen“ (UNESCO Österreich: Immaterielles Kulturerbe), nichts Informatives mehr zum „Wiener Ball“.

Sollten hier über Nacht plötzlich dubiose kulturelle Erbschleicherinnen oder perfide politische Kulturbanausen am Werke gewesen sein, um die lebenden Felix-Austria Generationen daran zu hindern, diese kulturpolitischen Güter von nationaler Trag- und touristisch internationaler Reichweite von einer Generation an die nächste weiterzugeben, welche fortwährend neu gestaltet werden und den Gemeinschaften ein Gefühl von Identität und Kontinuität vermitteln, wie es weiter unten heißt?

Nein, es geht alles mit rechten Dingen zu. Oder glücklicherweise eben nicht mehr. Denn die UNESCO hat sich, wohl auch aufgrund massenhafter Proteste und lautstarker Empörung, kurz und bündig dazu entschlossen, neben dem von den Burschenschaften veranstalteten WKR-Ball, welcher (hoffentlich) zum letzten Male (nicht nur) in der Wiener Hofburg stattfindet, auch alle anderen Wiener Bälle vom immateriellen Throne zu stoßen. Gut, diese Entscheidung ist natürlich für jene anderen tänzerischen Ringelspiele mit seidenbehandschuhtem Anfassen bedauerlich, welche unter dieser Entscheidung der UNESCO-Kommission zu leiden haben.

Die österreichische UNESCO-Kommission hat das Element „Wiener Ball“ – und damit auch den Burschenschafter-Ball – aus dem Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich gestrichen.

Die Organisation reagiert damit auf die heftige Kritik – unter anderem von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek – an der Nennung des umstrittenen Balls des Wiener Korporationsrings in der UNESCO-Liste. „Wir bedauern, dass wir im Rahmen der Einreichung die Listung des WKR-Balls übersehen haben und haben uns nun entschieden, die gesamte Liste der Wiener Traditionsbälle per sofort aus dem Verzeichnis zu entfernen“, erklärte Eva Nowotny, Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission am Donnerstag. Es liege nun beim Antragsteller – dem Kontaktkomitee der Wiener Nobel- und Traditionsbälle -, die Liste der Bälle abzuklären. „Eine abgeklärte Liste kann selbstverständlich wieder aufgenommen werden“, so Nowotny. (Salzburger Nachrichten: UNESCO streicht „Wiener Ball“ aus Kulturerbe)

Linksextremes Mobbing und unappetitliches Kesseltreiben

Dass von dieser vorläufigen Streichung auch solch traditionsbeladene Ballgesellschaften wie der Philharmonikerball oder der Wiener Opernball betroffen sind, ist, wie bereits geschrieben, mehr als bedauerlich. Schließlich ist gerade der Opernball aufgrund der Tatsache, dass Österreichs wohl größter Baumeister aller Zeiten mit Namen Richard „Mörtel“ Lugner immer wieder auf diesem (bisherigen) immateriellen Kulturgut mit materiellen menschgewordenen Kulturgütern von geradezu kulturpolitischer Brisanz und außerordentlichem Renommee zum gelungenen „Alles Walzer“-Abend beigetragen hat, wohl Hauptgrund für viele, überhaupt die Flimmerkiste einzuschalten. Waren doch in der Vergangenheit in der eigens vom Baumeister angemieteten Loge solch elitäre Namen wie Paris Hilton (2007), ein Dieter Bohlen im Jahre 2010 oder die absolut mundgeblasene und handverlesene Sensation des letzten Jahres Ruby Rubacuori, ja genau, das Triple B Bunga Bunga Berlusconi Girl, illustre Gäste neben Mausi, Katzi oder Hasi in Herrn Lugners gehegtem und gepflegtem Streichelzoo und wetterfester Mörtel-Loge. Daneben durfte Herr Baumeister noch 2011 Zachi Noy in seiner materiellen Kulturgüterbehausung begrüßen. Den Herrn kennen Sie nicht? Ich sage nur „Eis am Stiel„, denn mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Dass jetzt aber „Richard Lugner steht wieder ohne Opernball-Gast da“ zu lesen ist, stimmt mich doch etwas traurig.

Immateriell hin, Kultur her, Erbe hierhin, Güter dorthin. Alles schön und gut, aber ein gesellschaftliches Großereignis wie der Opernball ohne einen formidablen Ehrengast vom Range einer Hotelerbin, eines DSDS-Granden oer eben einer mit Italiens Staatspolitik auf Du und Du Stehenden oder möglicherweise auch Liegenden, Knienden oder Sitzenden wird es der UNESCO sicherlich nicht leichter machen, den Ball der Bälle und andere Bälle eben neben dem Ball der Bälle für den Fall der Fälle, dass der Fall eintritt, dass der Wiener Ball wieder nach den UNESCO-Statuten salon- und hoffähig wird, in die Liste der immateriellen Kulturgüter aufzunehmen.  

Ich bin überzeugt davon, dass dieses alleinige Stehen von Herrn Lugner ohne adäquates Ehrengeleit einzig und allein mit der Rückgängigmachung der Entscheidung durch die UNESCO zu tun hat. Verdammt nochmal, warum muss die UNESCO einem wie mir jedes Mal die Freude am Feiern und dem gepflegten Sich-im-Kreise-drehen auf spiegelblankem Parkett verderben. Nein, natürlich nicht nur mir alleine. Hat sich doch der Heinz-Christian, also Herr FPÖ-Vorsitzender HC Strache, ebenfalls nicht sehr erfreut zu dieser Entscheidung geäußert. Dies sei eine „Anlassentscheidung aufgrund von gezieltem linksextremem Mobbing“ (Der Standard: Rechter WKR-Ball – UNESCO streicht „Wiener Ball“ als Kulturerbe) mutmaßt der um das eine oder andere Tänzchen rund um die Hofburg nicht Verlegene und Kollege und FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl vermutete mit Blick auf die unzähligen KritikerInnen des Burschenschafterballs hinter dem Ganzen sogar ein „Kesseltreiben der selbsternannten Zivilgesellschaft„, welches ein „völlig unerträgliches Ausmaß an Unappetitlichkeit“ angenommen habe.

Hat also dieses immaterielle Weltkulturerbe vorläufig sein unrühmliches Ende gefunden. Was aber leider nicht bedeuten wird, dass der Rechtsextremismus ebenfalls dasselbe finden wird. Aber wir können zumindest Zeichen setzen. Zum Beispiel in der Woche vom 20. – 27. Jänner 2012. Erinnern und Zeichen setzen! Schon der erste Klick auf den Link wäre ein erstes Zeichen gegen Rechts.       


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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