Warum gegen CO2 kämpfen, wenn es viel einfacher geht? 1



Wenn Medien falsche Hoffnungen wecken …

… und die Menschheit dann aufs falsche Pferd setzt. Es ist manchmal schon erstaunlich, mit welchen Überschriften und darunter befindlichen Inhalten sich die sogenannten Leitmedien im realen und virtuellen Pressewald in besonders lichte Höhen aufschwingen, wenn es um den Klimawandel geht. So titelt jetzt der Spiegel online unter der für viele sicherlich helle Freude und schönstes Entzücken weckenden Headline „Kampf gegen Erderwärmung – Forscher finden einfachste Wege zur Klimakühlung„, dass sich die Erde erwärmt, doch der Durban-gemeuchelte Klimaschutz nicht voran kommt. Nun, diese Erkenntnis wäre auch ohne den Spiegel nicht neu gewesen. Doch schon im nächsten Satz folgt dann die Sensation für alle, welche schon immer wussten, dass das mit dem Klimawandel eigentlich erstens gar nicht so schlimm und zweitens viel leichter in den Griff zu bekommen ist, als manche Pessimistinnen und Warner immer so lauthals tönen.

Anstatt sich wie bisher auf Kohlendioxid (CO2) zu konzentrieren, würde es sich lohnen, andere Gase zu bekämpfen, berichtet ein Team von 24 Experten um Drew Shindell von der Nasa jetzt im Wissenschaftsmagazin „Science“. Die vorgeschlagenen Maßnahmen könnten der Studie zufolge gleichzeitig die Luftverschmutzung verringern und so mehreren Millionen Menschen pro Jahr das Leben retten.

Die heilsbringende Quelle, welche hier der Spiegel zum Ziel seiner euphorischen Berichterstattung zum Anlass nimmt, anstatt wie bisher und seit Durban nicht mehr die Treibhausgase zum vorrangigen Ziel zu machen und mit einem „Plan B“ deren methodische Bekämpfung „besonders effektiv und schnell umsetzbar seien. Würde sich die Weltgemeinschaft allein auf diese Methoden konzentrieren, könnte die Erwärmung bis 2050 um ein halbes Grad und damit um gut ein Drittel geringer ausfallen als prognostiziert„, wurde im renommierten Wissenschaftsmagazin Science unter „Simultaneously Mitigating Near-Term Climate Change and Improving Human Health and Food Security“ veröffentlicht.

Tropospheric ozone and black carbon (BC) contribute to both degraded air quality and global warming. We considered ~400 emission control measures to reduce these pollutants by using current technology and experience. We identified 14 measures targeting methane and BC emissions that reduce projected global mean warming ~0.5°C by 2050. This strategy avoids 0.7 to 4.7 million annual premature deaths from outdoor air pollution and increases annual crop yields by 30 to 135 million metric tons due to ozone reductions in 2030 and beyond.

Oder kurz, gut und auf deutsch: Aus etwa 400 möglichen Alternativen, welche die Klimaerwärmung (siehe vielleicht dazu auch die mehrteilige Artikelserie, beginnend mit „Geo-Engineering: Moderne Ruinenbaumeister„) eindämmen könnten, haben die Wissenschaftler einen Maßnahmenkatalog von 14 Möglichkeiten zusammengestellt, welcher ihrer Meinung nach zu einer sinnvollen (?) Reduktion der Temperaturen von immerhin einem halben Grad führen könnte. Bis zum Jahre 2050. Besondere Erwähnung finden dabei die neben Kohlendioxid für die Erderwärmung verantwortlichen Klimakiller, allen voran Ruß, welcher als giftige Schweb- und Schadstoffe gesundheitsschädliche Auswirkungen hat und Methangas. Oder wie dann der Spiegel in seinem Artikel weiter ausführt:

Der Klimawandel ließe sich auf diese Weise um Jahrzehnte hinauszögern, sagt Veerabhadran Ramanathan von der Scripps Institution of Oceanography in San Diego, USA, ein Mitautor der Studie. Damit würden die Chancen steigen, dass die Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts unter zwei Grad bliebe.

Die Taktik führt über einen Nebenweg zum Ziel: CO2 gilt zwar als Hauptverursacher der Klimaerwärmung, das Treibhausgas hält sich Jahrhunderte in der Luft. Methan und Ruß hingegen bleiben allenfalls ein paar Jahre in der Atmosphäre. Dabei wärmen die Substanzen aber stärker als CO2. Es mache sich also deutlich bemerkbar, würden Methan und Ruß reduziert, schreibt die Forschergruppe in „Science“.

Schon länger erwägen Experten deshalb einen Plan B beim Klimaschutz; die Verringerung des Abgasausstoßes von Methan und Ruß schien ihnen verlockend. Doch mit der „Science“-Studie legen Forscher nun erstmals einen genauen Plan vor. „Wir haben die praktikabelsten Schritte identifiziert, wie mit bestehender Technologie die Erwärmung erheblich gebremst und gleichzeitig die Luft gesünder gemacht werden kann“, sagt Shindell.

Zwischen den Zeilen lesen oder einfach nur übers Kuckucksnest hinweg?

Wer sich nun nach Lesen dieses Artikels der trügerischen Hoffnung hingibt, mit einem Schlage und dank eines sagenhaften Plans B seien sämtliche Probleme unseres rauchenden, schlotenden, hustenden und kollabierenden Planeten für immer und alle Zeiten gelöst und Plan A, also die immer so vehement geforderte CO2-Reduktion, sowieso nur ein Phantom, welchem nachzujagen eigentlich viel zu mühsam und aufgrund von Plan B auch gar nicht notwendig ist, sollte jedoch unter der Oberfläche kratzen.

Tatsache ist, dass die Gruppe in ihrer Studie auf die vielen Vorteile hinweist, welche ein verminderter Ausstoß von Rußpartikeln und Methan mit sich bringt. Und sie kommen zu dem Ergebnis, dass diese Schadstoffe nur für einen kurzen Zeitraum (anders als das mit enormer Verspätung wirkende Kohlendioxid) unser Klima belasten und eine effektive Bekämpfung dadurch zu spürbaren und besonders schnellen Erfolgen führt. Eine entsprechende Pressemitteilung der beteiligten Forschungsgruppe findet sich auch auf der Seite des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) unter „Study shows health, food security benefits from climate change actions„, in der sich diese Ergebnisse wiederfinden:

The scientists used computer models developed at GISS and the Max Planck Institute for Meteorology in Hamburg, Germany, to model the impact of emissions reductions. The modeling showed widespread benefits from the methane reduction because methane is evenly distributed throughout the atmosphere.

In contrast, benefits from reducing black carbon, which falls out of the atmosphere after a few days, were stronger in certain regions than others. The effect of reducing black carbon, for example, would be particularly strong in areas with large amounts of snow and ice. In the Himalayas and the Arctic, such reductions would reduce projected warming over the next three decades by up to two-thirds.

„Protecting public health and food supplies may take precedence over avoiding climate change in most countries, but knowing that these measures also mitigate climate change may help motivate policies to put them into practice,“ Shindell said.

While carbon dioxide is the primary driver of global warming over the long-term, limiting black carbon and methane are complementary actions that would have a more immediate impact because these two pollutants circulate out of the atmosphere more quickly.

Was die Wissenschaftler aber in ihren Ergebnissen niemals empfehlen, so wie es der Spiegel-Bericht suggegriert, dass durch diese kurzfristig zu bewerkstelligenden Maßnahmen und umzusetzenden Möglichkeiten die Suche nach dem Heiligen Gral eingestellt werden kann. Hier von einem Plan B und sogar von einer von den Forschern vorgeschlagenen Abkürzung in Sachen Klimawandel zu sprechen, ist mehr als unverantwortlich. Denn dies weckt eindeutig die Hoffnung, dass sich durch solcherlei Lösungen die anthropologisch verursachten Klimaprobleme mit einem Schlag aus der Welt schaffen lassen.

Dass die Science-Studie machbare Vorschläge unterbreitet, ist gut und schön, impliziert aber keineswegs, dass es sich hier um Substitute hinsichtlich der Verringerung von CO2-Emissionen handelt und als Allheilmittel dienen kann. Und ich glaube, so wollen sich die Wissenschaftler auch verstanden wissen. Begleitmaßnahmen zu präsentieren, welche die notwendige CO2-Reduktion und den damit verbundenen Stopp der Klimaerwärmung sinnvoll unterstützen, aber nicht aus dem Kontext losgelöst und als Wunderwaffe im Treibhausgas geschwängerten Raum schwebend die Hoffnungen der Menschen in allzu hohe Sphären treiben. „Frust, Frust, Frust – so lässt sich die Stimmung von Klimaschützern beschreiben.“ schreibt Spiegel online eingangs seines Artikels. Das stimmt allerdings aufgrund solcher Plan B Berichterstattung.      


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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