Der Kostnix-Laden, eine archaische Rückbesinnung 1



Wertkritische emanzipatorische Gegenbewegung W.E.G.

Bezugnehmend auf meinen letzten Artikel „Operation Blitzkrieg oder Shoppen zur rechten Zeit“ machen wir doch heute gleich weiter in Sachen Konsumverhalten. Doch in positivem Sinne. Angeblich ist ja nichts so schön oder besser so hilfreich wie die Tatsache: „Beim Reden kommen die Leut‘ zusammen„. Nun, ein kleiner Plausch über Nachbars Gartenzaun hinweg und wieder zurück, ein paar belanglos hingeworfene Sätze mit der Sitznachbarin in der Schnellbahn oder die erschöpfende tautologische Feststellung im Kreise der ArbeitskollegInnen, dass es heute entweder regnet oder auch nicht, hat sicherlich noch niemandem geschadet. Ob sie irgendeinen Nutzen hat, mag zwar dahingestellt sein, aber pragmatisch betrachtet ist solch Kommunikation immer noch besser als das (An)Schweigen im Walde. Immerhin bedeutet es in Zeiten wie diesen oftmals noch einige der wenigen Möglichkeiten, von seinen lieben Mitmenschen wenigstens noch irgendetwas gratis zu bekommen. Sieht man dabei einmal von den kostenlosen Beratungsgesprächen der Bankinstitute ab. Oder anderen ähnlich altruistischen Angeboten der freien Marktwirtschaft und des kapitalistischen Daseins.   

Doch manches Mal sehnt sich der Mensch wieder nach der „guten, alten Zeit„. Dass diese Wünsche nun nicht immer negativ besetzt sein müssen, macht die bereits im Jahr Im Kostnix-Laden kannst du ohne Geld „einkaufen“. Du kannst vorbeikommen und ohne Zwang zu irgendeiner Gegenleistung Dinge mitnehmen, die du brauchen kannst. Außerdem kannst du Sachen vorbeibringen, die z.B. bei dir zuhause ungenutzt herumliegen und die du sowieso schon längst loswerden wolltest. Im Prinzip ist der Kostnix-Laden also ein Lagerraum für Dinge, die abgegeben und kostenlos weitervermittelt werden. Derzeit gibt es hier unter anderem Bücher, Gewand, Videos, CDs, Geschirr, Haushaltsartikel, Elektrogeräte, Schuhe und noch vieles mehr.2005 gegründete Gruppe „Wertkritische emanzipatorische Gegenbewegung W.E.G.“ mit ihrem Kostnix-Laden vor. Ich hatte bereits vor längerer Zeit über das sogenannte Collaborative Consumption-Prinzip oder zu deutsch Gemeinschaftskonsum geschrieben, welches durch Mehrfach-Verwendung nicht mehr benötigter Gegenstände des Alltagslebens (insbesondere durch Tauschhandel) unserer Wegwerf-Gesellschaft adäquate Gegenmaßnahmen entgegensetzt. Ich hatte unter „Virtueller Marktplatz Internet: Anno Domini gegen Kaufrausch“ auf die nützliche Liste von Sebastian Backhaus „Tauschen, leihen und mieten 2.0“ aufmerksam gemacht, welche nach ähnlichen Grundsätzen funktioniert. Sich von liebgewonnenen Gütern und leicht angestaubten Produkten zu trennen und gleichzeitig diesen Trennungsschmerz mit dem Bewusstsein zu verbinden, anderen wiederum zu helfen, ist aber nicht nur in Zeiten des virtuellen Fortschreitens in der anonymen Welt Internet eine Möglichkeit, sowohl kommunikativ als auch tatkräftig zu handeln.

Warum nicht einmal höchstpersönlich solche Plätze archaisch anmutender Konsumtempel ansteuern (z.B. bei Klick auf das nebenstehende Bild schon einmal virtuell vorab), welche ohne Kreditkarten, süß klingelnde Kassen und liebreizende köstlich parfümierte Schönheiten und haargel-geschleckte menschgewordene Adonis-Skulpturen im neuesten Outfit funktionieren? Warum nicht für einen kurzen Moment offline gehen und dafür online respektive on air ebensolche nicht mehr benötigten Dinge und Sachen dort abgeben, wo die Welt noch ohne Konsumzwang auf Basis des Helfens ausgerichtet ist und das vorherrschende Grundprinzip Leistung-Gegenleistung sinnvoll ausgehebelt wird.

Was ist ein Kostnix-Laden?

Im Kostnix-Laden kannst du ohne Geld „einkaufen“. Du kannst vorbeikommen und ohne Zwang zu irgendeiner Gegenleistung Dinge mitnehmen, die du brauchen kannst. Außerdem kannst du Sachen vorbeibringen, die z.B. bei dir zuhause ungenutzt herumliegen und die du sowieso schon längst loswerden wolltest. Im Prinzip ist der Kostnix-Laden also ein Lagerraum für Dinge, die abgegeben und kostenlos weitervermittelt werden. Derzeit gibt es hier unter anderem Bücher, Gewand, Videos, CDs, Geschirr, Haushaltsartikel, Elektrogeräte, Schuhe und noch vieles mehr.

Wer also die Gelegenheit nutzen möchte, in den eigenen vier oder mehr Wänden endlich Platz zu schaffen und gleichzeitig jenen Menschen, welche vielleicht vor lauter Platz in den eigenen vier oder oftmals bedeutend weniger Wänden nicht wissen, wie sie diese Freiräume nutzen sollen, könnte doch darüber nachdenken, mit nicht mehr benötigtem Sack und angehäuftem und aufgetürmtem Pack zu etwas mehr Selbstbestimmheit und Wohlbefinden beizutragen. Nicht nur für sich selbst, sondern auch oder gerade mit der Intention, den mehr und mehr um sich greifenden ökonomischen Zwängen entgegenzuwirken. Aber natürlich kann auch solch ein Mikrokosmos abseits der makroökonomischen volkswirtschaftlichen Ströme nur unter bestimmten Gesichtspunkten seine Ziele und Vorgaben erfüllen.

Spielregeln

Damit der Kostnixladen weder zur Sperrmüllhalde verkommt noch sofort völlig leergeräumt wird, sind ein paar Spielregeln notwendig: Pro Person und Tag können 3 Teile mitgenommen werden („3-Teile-Regel“). Dies dient einerseits dazu, Missbrauch zu vermeiden („schnell alles einhamstern, was teuer aussieht“), andererseits ist es ein Beitrag zur Fairness gegenüber denjenigen, die „nicht schnell genug“ sind oder weniger Zeit haben. Vorbeibringen kannst du alle Sachen, die du selbst ohne fremde Hilfe tragen kannst, also z.B. keine voluminösen Möbel oder Kühlschränke. (Diese kannst aber auf dem schwarzen Brett aushängen, oder im Internet zum Verschenken anbieten – www.geldlos.at !) Wichtig ist auch: Die Sachen müssen funktionieren bzw. wirklich brauchbar sein! Das heißt: Kein Gewand mit „eh nur ein paar“ Löchern, und keinen kaputten Plattenspieler der „eh teilweise geht, für einen Bastler sicher kein Problem…“ usw!.

Warum?

Wir wollen mit diesem Projekt (und anderen) versuchen, der Vergesellschaftung durch Geld-, Waren- und Tauschbeziehungen etwas entgegen zu stellen. Weder die Vorstellung noch die Umsetzung von Alternativen zum Kapitalismus kann sich aus rein geistiger Abstraktion entfalten. Es bedarf eines Lernprozesses von Versuch und Irrtum. Daher sind Kost-Nix-Projekte nicht nur als wissenschaftliche Mikro-Experimente zu verstehen. Sie sollen bereits ein direkter Beitrag zu einem selbstbestimmteren Leben sein, mittelfristig helfen, die ökonomischen Zwänge zu reduzieren und die menschlichen Vereinzelungen zu überbrücken. Das langfristige Ziel dem wir Schritt für Schritt näher kommen wollen, ist eine Gesellschaft der Vielfalt auf der Basis freier Vereinigungen und Kooperationen von Menschen, die nicht mehr tauschen, sondern teilen, nicht mehr konkurrieren, sondern zusammenhelfen. Dazu wollen wir als Teil einer breiten sozialen Bewegung mit dem Projekt beitragen.

Dass ich nun den Kostnix-Laden stellvertretend für andere und ebenfalls auf diesen Grundlagen des hilfreichen Miteinanders basierende Projekte aus der immer noch verschwindend geringen Masse dieser meist selbstverwalteten Projekte herausgehoben habe, möge mir verziehen werden. Doch wer mit ähnlichen Initiativen aufwarten kann, weitere Links aus welchen Ländern auch immer veröffentlichen möchte bzw. ihr/seine Bewegung vorstellen will, möge dies auf meinem Blog tun.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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